Wohnen: Trotz Pandemie alle Ziele erreicht

René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen der Lebenshilfe München, berichtet, wie erfolgreich die Projekte im Jahr 2020 trotz aller Beschwernisse umgesetzt werden konnten.

Der Ort, an dem wir wohnen, gibt uns Kraft, er ist unser Zuhause, wo wir uns ausruhen und neu sortieren können. Für Menschen mit Behinderung ist dies besonders wichtig, da meist eine umfassende Organisation und Struktur hinter einem guten Zuhause stehen. Daran sind viele Menschen beteiligt. Ihre tägliche Arbeit ermöglicht erst einen normalen Alltag, in dem geduscht, gekocht, geplaudert oder auch gearbeitet werden kann. Besonders in diesem schwierigen Jahr, in dem wir alle viel Zeit zuhause verbracht haben, gilt den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe Wohnen GmbH unser außerordentlicher Dank und unsere Anerkennung.

Neben der Herausforderung, jeden Tag ein gutes Zuhause zu bieten, entwickelt die Lebenshilfe München ihr Angebot im Bereich Wohnen stetig weiter. Nur so können immer mehr Menschen aufgenommen werden und erhalten eine ambulante oder dauerhafte Betreuung in einer besonderen, gemeinschaftlichen Wohnform. Als Ende 2019 eine Strategie für den Bereich Wohnen der Lebenshilfe München für das Folgejahr beschlossen wurde, gab es daher hohe Ziele. Viel sollte im Jahr 2020 passieren. Dass die ambitionierten Pläne in einem Jahr der Pandemie parallel zu Infektionsschutz, Kontaktbeschränkung und Quarantäne umgesetzt werden sollten, wusste damals noch niemand. Die Bilanz: trotz der Schwierigkeiten wurden alle Ziele erreicht:

Willinger Weg

Die Lebenshilfe München arbeitet an einer langfristigen Strategie, um nachhaltige, schöne, moderne und vielfältige Wohnangebote zur Verfügung zu stellen. Eine der größten Herausforderungen ist dabei die Umgestaltung von bereits bestehender Bausubstanz in neuen Wohnraum, der auch den Anforderungen des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes entspricht. Dies war beispielsweise der Fall im Willinger Weg – eine Mammutaufgabe an finanzieller Leistung, Planung und Umsetzung.

Ein gemütliches Miteinander pflegen und ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen in der Lebenshilfe-Wohngemeinschaft München am Willinger Weg.

Die Bewohnerinnen und Bewohner der alten Villa aus den 30er Jahren mussten vorübergehend ausziehen, das gesamte Gebäude wurde abgerissen und durch einen wohl durchdachten, modernen Neubau ersetzt. Seit Mitte Juli 2020 leben nun wieder 24 Menschen in drei Wohngruppen im Willinger Weg, viele von ihnen kehrten nach einer Übergangszeit in Unterschleißheim hierher zurück.

Unterschleißheim

Die Wohneinheiten in Unterschleißheim bleiben der Lebenshilfe dennoch erhalten. Auch dies gehört zu den Erfolgsgeschichten des Jahres 2020. Ein langfristiger Mietvertrag wurde ausgehandelt. Wie im Willinger Weg verfügt jedes Zimmer über ein eigenes Bad, die Räume sind hell und groß, eine gute Betreuungsdichte sowie eine dauerhafte Nachtbetreuung sind gewährleistet. Die 16 Bewohnerinnen und Bewohner fühlen sich hier wohl.

Die Wohngruppe in Unterschleißheim bleibt der Lebenshilfe München erhalten. Helle Räume und moderne Ausstattung zeichnet sie aus.

Putzbrunn III

Für das dritte und dann modernste Gebäude in Putzbrunn schreitet die Planung voran. Alle wichtigen Termine konnten stattfinden und im Spätsommer gab es zudem positives Feedback von Seiten der Regierung.

Zu der bereits bestehenden WG in der Herrmann-von-Sicherer-Str. kam dieses Jahr eine weitere inklusive WG der Lebenshilfe hinzu: das Haus in der Packenreiterstraße wurde dazu nach dem Auszug der Bewohnerinnen und Bewohner Mitte Juli komplett renoviert. Anfang November konnte es dann bereits neu bezogen werden. Inzwischen ist die WG komplett belegt, sechs Menschen mit Behinderung leben hier mit vier Studierenden in einem Haus mit Garten. Aktuell sind zudem zwei weitere inklusive WGs in Planung, eine in Gräfelfing und eine in Freiham. Darüber hinaus konnte die Lebenshilfe München Eltern bei der eigenständigen Gründung einer inklusiven WG in München-Oberwiesenfeld beraten und unterstützen. Die dortigen Bewohner mit Behinderung werden vom ambulanten Dienst betreut.

Insgesamt entwickelt die Lebenshilfe München ihr Leistungsangebot im ambulant betreuten Wohnen stetig weiter. So war die Aufnahme der 50sten leistungsberechtigten Person ein weiterer Meilenstein bei diesem Vorhaben.

Wohntraining

Lisa Hasenberger leitet mit Maske, Laptop und Ablage das Wohntraining.

Auch aus dem seit 2014 angebotenen Wohntraining gibt es Positives zu berichten. Das modular aufgebaute Leistungsangebot kann maximal fünf Jahre lang in Anspruch genommen werden und soll den Übergang zum ambulanten Wohnen begleiten. Nach Abschluss des Trainings können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entscheiden, ob sie eigenständig leben, in eine WG oder doch in eine betreute Wohngruppe wollen. Beinahe die Hälfte der 20 Männer und Frauen aus dem Wohntraining hat sich dieses Jahr für eine ambulante Wohnform entschieden. Im Rahmen des zweiten Moduls wurden gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern geeignete und gewünschte Wohnräume gesucht und gefunden. Darunter auch die inklusive WG in der Packenreiterstraße oder die ambulant betreuten Wohngemeinschaften in der Landsberger Straße. So konnten im Jahr 2020 acht Menschen mit Behinderungen aus dem Wohntraining ausziehen und in eine weniger eng betreute Wohnform wechseln.

Bürokratie und Netzwerke

Auch bei der bürokratischen Unterstützung von Eltern und im Ausbau von Netzwerken im Bereich Wohnen geht es weiter: So greift seit dem 1. Januar 2020 die dritte Reformstufe des Bundesteilhabegesetztes. Dabei werden die Leistungen im gemeinschaftlichen Wohnen in existenzsichernde Leistungen (etwa Lebensunterhalt und Unterkunft) und Fachleistungen (Leistungen der Teilhabe und Wiedereingliederung) getrennt. Die Lebenshilfe München versucht hier, eine Mehrbelastung für Eltern zu vermeiden, indem die Unterbringung der Menschen mit Behinderung so organisiert ist, dass dennoch eine zentrale Abrechnung der Leistungen möglich ist. An ihrem Angebot für intensiv betreutes Wohnen arbeitet die Lebenshilfe unter anderem durch ihre Teilnahme am Projekt PINO (Projekt Intensivwohnen Netzwerk Oberbayern) der LMU. Dabei geht es um die Lebensqualität in Intensivwohngruppen für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung und herausfordernden Verhaltensweisen.

Abschließend kann gesagt werden, dass 2020 ein sehr erfolgreiches Jahr für den Bereich Wohnen war. René Pfeifer spricht dazu nochmal einen außerordentlichen Dank an alle Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen und Leitungen der Wohnen GmbH aus: „Ohne eine vertrauensvolle und von hohem Engagement geprägte Zusammenarbeit, wäre die Entwicklung in 2020 nicht möglich gewesen.“

Tatjana Viaplana

 

Unterstützung für den pädagogischen Fachdienst der Lebenshilfe

Die Lebenshilfe ist ein Inklusions-Treiber

Fünf Jahre wurde daran gearbeitet und seit 13 Jahren ist sie auch in Deutschland geltendes Recht, die UN-Behindertenrechtskonvention. Eines ihrer zentralen Anliegen ist die Inklusion, die Einbindung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen. Ein Prozess der auch heute, 20 Jahre später, nicht abgeschlossen ist und immer wieder neue Herausforderungen setzt. Ein Mitgestalter und Förderer dieser Entwicklung sind die Lebenshilfen in Deutschland, und auch in München wird dieser Prozess aktiv vorangetrieben. In speziellen Wohngruppen wird ein möglichst selbständiges Leben trainiert, in Wohngemeinschaften wird es komplex umgesetzt und auch in betreuten Einrichtungen, wie etwa am Willinger Weg, geht man neue Wege.

Damit der Prozess weitergeführt und parallel dazu immer auch das Feedback der Betroffenen maßgebend ist, hat sich ein Team aus Geschäftsführung, Bereichsleitern, Einrichtungsleitern und Vertretern der Bewohner gebildet. Hier gibt es mit Sabrina Kupka jetzt Verstärkung. Die Heilerziehungspflegerin mit abgeschlossenem Studium für „Management Sozialer Innovationen“, unterstützt jetzt als pädagogischer Fachdienst im Willinger Weg und in der St. Quirin-Straße. Sie ist seit Jugend auf mit dem Elternverein verbunden, hat in der Lebenshilfe Biberach ihre Ausbildung durchlaufen, wechselte dann aber zur Stiftung Pfennigparade, ein Sozialunternehmen für die aktive Rehabilitierung von Menschen mit Behinderungen. Dort leistete sie ein Praktikum, arbeitete als Werkstudentin und absolvierte ihr Studium. Danach blieb sie zwei Jahre als Wohnbereichsleitung bei der Pfennigparade.

„Die Dinge für Menschen mit Behinderung
hin zum Besseren zu bewegen“

Seit erstem Oktober ist sie wieder zur Lebenshilfe zurückgekehrt und freut sich neues Wissen und Erfahrungen einbringen zu können. Begleitend zu ihrer Arbeit studiert die 29jährige bereits wieder, möchte ihr Studium noch mit einem Masterabschluss krönen. „Letztlich geht es immer darum, die Dinge für Menschen mit Behinderung zum Besseren hin zu bewegen. Das ist einerseits ein gesellschaftlicher Prozess, beginnt aber immer mit dem direkten Lebensumfeld der Betroffenen und reicht hinein bis in den beruflichen und privaten Bereich.“

Vor allem München habe viel zu bieten. Es gibt viele Gruppen und Initiativen bürgerschaftlichen Engagements. Auch im Umfeld der Lebenshilfe-Wohneinrichtung am Willinger Weg und in der St.-Quirin-Straße. „Inklusion heißt Ressourcen zu nutzen, ob in der Nachbarschaft, bei Initiativen oder in Vereinen.“ Allerdings sind diese Möglichkeiten aufgrund der Corona-Beschränkungen stärker denn je eingeschränkt, selbst der Besuch der Lebenshilfe-Werkstätten ist für die Meisten seit vielen Monaten nicht mehr möglich, da für Wohneinrichtungen noch strengere Bedingungen gelten.

„Jeder Mensch hat seine ganz eigene Prägung“

Umso mehr ist die Arbeit in den Einrichtungen wichtig. „Und hier merkt man schnell, dass jeder Mensch seine eigene Prägung und Gemütslage hat und die wechselt täglich mehrfach“, erzählt Sabrina Kupka. „Man weiß darum nie wirklich, was einem am nächsten Tag in der Arbeit erwartet, aber das macht es auch spannend“ Hoffnung machen ihr aktuell die Impfungen innerhalb der Lebenshilfe-Einrichtungen. Das gäbe auch für den Besuch der Werkstatt wieder gute Perspektiven und ist für die Bewohner ein echter Hoffnungsschimmer. Insgesamt müsse man den Gruppen ein wirklich gutes Zeugnis ausstellen. „Sie ziehen all die Einschränkungen konsequent durch und beweisen viel Willensstärke. Mit Empathie und Einfühlung meistern wir dann auch schwierige Phasen“, ist sich die Heilerziehungspflegerin und Bachelor of Arts sicher.

Schnelltests und Impfungen bei der Lebenshilfe

Bei der Lebenshilfe München haben die Impfungen gegen SARS-CoV-2 am Sonntag den 10. Januar 2021 durch mobile Impfteams begonnen. Bereits die Hälfte der Bewohner in stationären Wohnstätten und die dort beschäftigten Mitarbeiter sind geimpft. Vorstand und Geschäftsführer Peter Puhlmann und René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen, freuen sich über den schnellen Start. Dennoch sind weiterhin Geduld und Vorsicht angebracht, denn der volle Impfschutz bestehe erst sieben Tage nach der zweiten Impfung. Und für die zweite Impfung ist eine Wartezeit von drei Wochen vorgesehen. Weiterlesen

Viel Zustimmung für den Willinger Weg

Seit 100 Tagen ist die neue Wohneinrichtung Willinger Weg
der Lebenshilfe München in Betrieb

Der Pädagoge Klaus Huber leitet seit September die nach Umbau und Renovierung neu eröffnete Wohneinrichtung ‚Willinger Weg‘ der Lebenshilfe München. 24 Menschen mit geistiger Behinderung leben dort in drei Wohngruppen zusammen (siehe Bericht). Wir haben bei Klaus Huber nachgefragt, wie es ihm und seinen Bewohner nach 100 Tagen im neuen Zuhause geht. 

Klaus Huber nimmt auf der gemütlichen Sitzecke zum Interview Platz. – Fotos: Gerd Spranger

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Weniger Termine, kleine Gruppen und Masken

Aus dem Newsletter der Lebenshilfe München

Die Lebenshilfe München arbeitet in vielen Bereichen für das Wohl von Menschen mit Behinderung. Im Hinblick auf ein steigendes Covid19-Infektionsgeschehen erarbeitete die Lebenshilfe für alle Bereiche ein Hygiene- und Sicherheitskonzept. Im ersten Teil informierten wir bereits über die Wohneinrichtungen. Hier der aktuelle Stand aus den anderen Bereichen der Lebenshilfe München:  Weiterlesen

Lebenshilfe München schafft neue Wohnangebote für Menschen mit Behinderung

René Pfeifer, Bereichsleiter ‚Wohnen‘ der Lebenshilfe München vor dem neuen Wohnhaus am Willinger Weg in München. Fotos: Gerd Spranger

Die Lebenshilfe München hat diesen Sommer in Ramersdorf am Willinger Weg ein neues Wohnhaus für 24 Menschen mit Behinderung eröffnet. Es ist das neue Aushängeschild des Elternvereins, denn vom Raumkonzept über die Barrierefreiheit bis hin zum Anspruch auf geräumige Zimmer wurden alle Standards erfüllt, die meisten verfügen noch über einen kleinen Balkon oder eine Terrasse. „Die ersten Überlegungen zur Erneuerung der alten Arztvilla aus den 30er-Jahren, idyllisch und zentral in einer Wohnsiedlung gelegen und seit 1988 Eigentum der Lebenshilfe München, gehen bis auf das Jahr 2012 zurück“, informiert Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München. 2016 entschied dann ein Architektenwettbewerb über den Neubau. Weiterlesen

Interview zur aktuellen Situation der Lebenshilfe München

Interview zur aktuellen Situation der Lebenshilfe München
mit Geschäftsführer Peter Puhlmann

Der bayernweite Katastrophenfall ist aufgehoben und in München ist die Zahl der aktuell infizierten Menschen in vier Wochen von über 1000 auf unter 300 Personen gesunken. Die Lebenshilfe München musste in den letzten drei Monaten nicht einen einzigen Coronafall hinnehmen und hat von Anfang an sehr strenge Schutzmaßnahmen durchgeführt. Wie findet man nun wieder heraus aus der Krise und Isolation, zurück in eine Normalität? Die Redaktion hat sich mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann unterhalten.

Redaktion: Der Lockdown hat uns alle in nahezu allen Lebensbereichen betroffen. Besonders trifft es bis heute Menschen mit geistiger Behinderung in betreuten Wohnformen. Sie haben seit Wochen keine Arbeit und damit keine gewohnte Tagesstruktur mehr. Das sind hohe psychische und mentale Belastungen. Hat da nicht so mancher Bewohner einen Wohn-Kollaps bekommen?

Peter Puhlmann (r.) im Gespräch mit MdB Florian Hahn (l.), der sich über die Situation in den Wohnheimen der Lebenshilfe München informiert.

Peter Puhlmann: Es ist nur zum Teil richtig. Ja, die Werkstätten haben für die Bewohner geschlossen und zwar für alle Bewohner unserer Wohneinrichtungen. Das macht es leichter, denn alle sind gleich betroffen. Gleichwohl existiert eine Tagesstruktur, die über die ‚Essenszeiten‘ hinausgeht. Unsere Mitarbeiter betreuen die Kleingruppen, gehen mit ihnen spazieren oder organisieren Spiele. Einige unserer Bewohner, Menschen mit geistiger Behinderung, haben sich auch gut in die Situation hinein gefunden. Für manche ist die Arbeit in den Werkstätten ja auch ein gewisser Druck, dem sie jetzt seit Wochen nicht mehr ausgesetzt sind. Sie empfinden die ‚freie Zeit‘ als angenehm. Dennoch ist es schwierig mit der Situation und den Einschränkungen umzugehen. Das Virus und damit die Bedrohung ist ja nicht sichtbar, sie wird bestenfalls abstrakt wahrgenommen.   Weiterlesen

HAWE stiftet 4000 Schutzmasken an die Lebenshilfe

Hygiene und Schutzausrüstung kommen in den Einrichtungen der Lebenshilfe München Wohnen GmbH derzeit eine besonders wichtige Rolle zu. Besonders groß ist daher die Freude über eine Spende der HAWE Hydraulik aus Aschheim: 2000 Schutzmasken und 2000 FFP2-Masken konnten die MitarbeiterInnen der Lebenshilfe München entgegennehmen. Dank langjähriger Kundenbeziehungen zu einem namhaften Hersteller in China gelang es HAWE auch, die noch knappen FFP2-Masken zu beziehen. Diese gab das Unternehmen sofort nach Erhalt kostenlos an die Lebenshilfe München weiter. Weiterlesen

Florian Hahn MdB vor Ort bei der Lebenshilfe in Putzbrunn

Was bedeutet die Corona-Krise für die Lebenshilfe München e.V. und die Menschen, die dort arbeiten oder betreut werden? Davon hat sich der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Stiftung Lebenshilfe München, Florian Hahn, vor Ort in Putzbrunn bei einem Gespräch mit Geschäftsführer Peter Puhlmann ein Bild gemacht.

Florian Hahn MdB, Vorsitzender der Stiftung Lebenshilfe München, im Gespräch mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann.

Florian Hahn MdB, Vorsitzender der Stiftung Lebenshilfe München, im Gespräch mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann.

Während die Werkstätten derzeit geschlossen sind, läuft der Betrieb in den Wohnstätten sehr gut weiter. „Es freut mich, dass die Wohnstätten bisher von Corona verschont geblieben sind – Gott sei Dank“, so Hahn. Viele andere Angebote wie die der Heilpädagogischen Tagesstätten könnten im Moment nicht voll geleistet werden – eine Belastung für diejenigen, die diese dringend wahrnehmen wollen würden, und natürlich für die Mitarbeiter, die nun meist in Kurzarbeit seien, betont der Stiftungsvorsitzende. Geschäftsführer Puhlmann lobte indes das Landratsamt München, dass die Lebenshilfe so hervorragend mit Schutzmaterialien ausgerüstet habe, obwohl allerseits Mangel daran herrsche. Weiterlesen

Helfen sie der Lebenshilfe mit Schutzmasken

Nähen Sie Schutzmasken für die Lebenshilfe München. Sie werden dringend benötigt!

Am Ende des Artikels finden Sie die Links zum Herstellen der einfachen Schutzmasken.


Es ist die zweite Woche, in der für Bayern eine vorläufige Ausgangsbeschränkung anlässlich der Corona-Pandemie in Kraft ist. Ministerpräsident Markus Söder hat die Beschränkungen aktuell bis zum 20. April verlängert. Viele von uns müssen sich also auf lange Tage und Wochen einstellen, die wir vorwiegend zuhause verbringen werden. Die Lebenshilfe München richtet nun einen Appell an die Bevölkerung. Helfen Sie mit, Schutzmasken zu spenden, die Vorräte gehen zu Ende und sie fehlen an ‚allen Ecken und Enden‘ für das betreuende Personal in den Wohneinrichtungen der Lebenshilfe. Weiterlesen

Tatü, Tata die Lebenshilfe ist da!

Am 25.01.2020 war ein ganz besonderer Tag für die inklusive Wohngemeinschaft (WG) der Lebenshilfe München. In Begleitung vom Wohntraining besuchten wir die ‚Feuerwache 2‘ in Sendling. Da die WG nicht weit von der Feuerwache entfernt ist, trafen wir uns alle bei uns an der WG in der Hermann von Sicherer Straße und starteten gemeinsam los. Alle waren ganz aufgeregt und gespannt darauf, was uns erwarten wird. Wir hatten große Hoffnung in einem echten Feuerwehrfahrzeug zu sitzen oder sogar die Rutsch-Stange ausprobieren zu dürfen.

Feuerwehr mit einer Stunde Sport am Tag

Zu Beginn wurden wir vom anwesenden Schichtleiter durch die Fahrzeughalle geführt, in der am Anfang leider fast keine Einsatzfahrzeuge standen. Der Leiter erklärte uns, dass die Feuerwehrmänner einen Übungseinsatz haben und deswegen mit den Fahrzeugen ausgerückt sind. Also gingen wir zunächst eine Runde durch die Wache. Wir hatten viele Fragen, die uns auch geduldig beantwortet wurden. Besonderes Interesse galt dem Arbeitsalltag eines Feuerwehrmannes. Wir fanden heraus, dass jeder Feuerwehrmann eine Stunde Sport am Tag machen muss. Er darf sich dabei aussuchen welche Sportart er macht.  Weiterlesen

„Das Ehrenamt ist eine anstrengende Entspannung“

Elisabeth Kluska (Bildmitte) engagiert sich 30 Jahre lang im Ehrenamt für die Lebenshilfe München. Links im Bild OBA-Leiter Harry Zipf.

 

2018 feierte die OBA (Offene Behindertenarbeit) der Lebenshilfe München ihr 40-jähriges Bestehen. Zum Angebot zählen auch sieben wöchentlich organisierte Freizeit-Clubs. Der ‚Dienstags-Club‘ ist einer von ihnen, der fast so alt wie die OBA selbst ist. Er widmet sich über all die Jahrzehnte hinweg wöchentlich Menschen mit geistiger Behinderung, unternimmt Ausflüge oder gestaltet Themenabende. Aktuell treffen sich sieben ehrenamtliche Betreuer und 15 Menschen mit Behinderung. Seit dreißig Jahren dabei ist Elisabeth Kluska, mit der sich die Redaktion unterhalten hat.

Redaktion: 30 Jahre im Ehrenamt für Menschen mit geistiger Behinderung bei der Lebenshilfe München ist eine lange Zeit. Was hat sich geändert?

Elisabeth Kluska: „Die jungen Menschen haben heute ein ganz anderes Selbstbewusstsein. Sie wissen vermehrt was sie wollen oder nicht. Sie haben konkretere Vorstellungen von ihrem Leben und Zukunftsperspektiven. Früher war das mehr eine Einbahnstraße. Der Alltag war mit der Arbeit in den Lebenshilfe-Werkstätten geregelt. Entweder wohnten sie bei den Eltern oder in einem Wohnheim.“

Redaktion: Das ist eine positive Entwicklung. Wie kommt es dazu?

Elisabeth Kluska: „Es hat ein gesellschaftliches Umdenken stattgefunden, weg von der pädagogisch und von Fürsorge dominierten Sicht auf Behinderung hin zu einer partnerschaftlich geprägten Haltung und Mitbestimmung. Die Menschen mit Behinderungen sind damals viel später – oft erst im hohen Erwachsenenalter, als ihre Eltern die Versorgung nicht mehr geschafft haben oder selbst pflegebedürftig wurden bzw. gestorben sind – zu Hause ausgezogen und in ein Wohnheim gekommen. Das hat zu massiven Eingewöhnungs-Prozessen geführt, eine Ablösung vom Elternhaus, wie es für nicht behinderte Jugendliche und junge Erwachsene normal ist, gab es eher selten. Alternativen zum Wohnheim gab es ebenso wenig. Da hat sich die letzten Jahre viel hin zum Positiven bewegt. Die Erfolge davon sind heute zu sehen.“ Weiterlesen

Ausflug zum Christkindlmarkt nach Salzburg

Gruppenfoto der Lebenshilfe-Wohngruppe vor dem Salzburger Dom auf dem Christkindlmarkt.

Gruppenfoto der Lebenshilfe-Wohngruppe vor dem Salzburger Dom auf dem Christkindlmarkt.

Am Adventssonntag machte sich die Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München zum Salzburger Christkindlmarkt auf. Wir nahmen den Meridian vom Münchner Hauptbahnhof, über Rosenheim nach Salzburg. Wir Studenten haben uns mit ‚unseren‘ Mitbewohnern bestens angefreundet. Es sind Menschen mit leichter geistiger Behinderung, die ihr Leben weitgehend selbständig gestalten und meistern. Bereits auf der Fahrt sahen wir viel: Berge, Kühe, Wiesen, den Chiemsee und sogar den ersten Schnee. In Salzburg angekommen, fuhren wir mit einem Stadtbus in die Altstadt. Die schönen weihnachtlichen Dekorationen und Lichter in der Altstadt faszinierten uns sehr und die Weihnachtsstimmung stieg immer mehr an.

Wir gingen zum Christkindlmarkt am Salzburger Dom, wo es wunderbar nach leckerem Essen roch. Da blieb das Magenknurren natürlich nicht aus. Also begann die Suche nach Leckereien. Von Pommes mit Ketchup, über Bratwurstsemmeln und gebrannten Mandeln, bis hin zu Schupfnudeln mit Sauerkraut war alles dabei. Gut gestärkt und zufrieden zogen wir von der Lebenshilfe Wohnen weiter. Besonders gefallen haben uns die Stände mit den wunderschönen weihnachtlichen Kuriositäten mit viel Handwerkskunst. Weiterlesen

Schülertag der Lebenshilfe München Wohnen GmbH

Die Ausbildung von Fachkräften im eigenen Betrieb ist in der heutigen Personalmarktsituation der mit Abstand wirksamste Hebel im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Das ist für René Pfeifer, den Bereichsleiter der Lebenshilfe Wohnen GmbH, seit jeher klar. So konnten in den letzten beiden Jahren die Ausbildungsplätze von einem im Jahr 2016 auf acht in 2019 erhöht werden. Dazu kommen derzeit noch drei duale StudentInnen.

Lisa Hasenberger (Leitung Wohntraining; Bild ganz rechts) und Florian Mauch (Leitung Wohnen Stadt Süd; Bild ganz links), die Verantwortlichen bei der Gestaltung dieses Tages waren sehr erfreut über die engagierte und aktive Teilnahme der Schüler und freuen sich auf den nächsten Schülertag im März 2020. Das Feedback der SchülerInnen war ebenfalls durchwegs positiv. Die Möglichkeit der Reflexion und der Austausch über die Anforderungen in Schule und Ausbildungsbetrieb halten sie einhellig für sehr gewinnbringend.

Lisa Hasenberger (Leitung Wohntraining; Bild ganz rechts) und Florian Mauch (Leitung Wohnen Stadt Süd; Bild ganz links), die Verantwortlichen bei der Gestaltung dieses Tages waren sehr erfreut über die engagierte und aktive Teilnahme der Schüler und freuen sich auf den nächsten Schülertag im März 2020. Das Feedback der SchülerInnen war ebenfalls durchwegs positiv. Die Möglichkeit der Reflexion und der Austausch über die Anforderungen in Schule und Ausbildungsbetrieb halten sie einhellig für sehr gewinnbringend.

Modernste heilpädagogischen Konzepte

Doch nicht nur um dem Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen ist dies dringend notwendig. In der pädagogischen Arbeit entwickeln sich viele Dinge weiter. Durch den Einsatz frisch qualifizierter Fachkräfte soll der Wissenstransfer in den Einrichtungen gewährleistet, und so die modernsten heilpädagogischen Konzepte und Modelle in der Praxis gelebt werden. Weiterlesen