Der Kampf um seine Rechte

Ein Beitrag der L.I.E.S.-REDAKTION

Langwierige Kämpfe mit Behörden sind leider allzu oft
Alltag für Familien, die Angehörige mit Behinderung haben

– Warum muss es so schwierig sein? –

Grundsicherung für meinen Sohn zum 18. Geburtstag

Mein Sohn (mit Down-Syndrom) wird 18 Jahre alt und ich habe eine lange Liste mit Dingen, die ich jetzt beachten muss. Den Betreuer-Ausweis habe ich bekommen, auf meiner Liste geht es weiter mit Grundsicherung. Ich selber arbeite in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung und habe hin und wieder schon einzelne Puzzelstücke über die Rechte und Ansprüche mitbekommen, wenn das Kind 18 Jahre alt wird. Aber wirklich genaue Aussagen hat mir niemand geben können und natürlich habe ich auch selbst versucht, darüber im Internet zu recherchieren. Aber dann dachte ich mir, wer kann es besser wissen als die Mitarbeiter der zuständigen Behörde. Ich rief also beim zuständigen Sozialbürgerhaus an und erklärte die Sachlage.

Besteht ein Anspruch?

Die Dame meinte, einen Moment bitte, sie fragt kurz nach. Nach einigen Minuten kam sie zurück zum Telefon und meinte, mein Sohn hätte keinen Anspruch auf Grundsicherung. Ich blieb hartnäckig, sie erkundigte sich wieder und meinte dann, ja vielleicht habe er Anspruch im September, wenn er die Werkstatt besucht. Ich solle mich dann nochmal melden. Erst mal gab ich mich mit dieser Auskunft zufrieden. Einige Zeit später traf ich in der Arbeit die Mutter von einer Mitarbeiterin, die ich betreue, die auch meinte, sie blicke da nicht mehr durch, auf was ihre Tochter Anspruch hat und auf was nicht und sie hätte es mit der Antragstellung sein lassen. In einem weiteren Gespräch mit einer anderen Mutter erinnerte diese mich jedoch daran, mich mal bei der Lebenshilfe München zu erkundigen. Volltreffer!

Lebenshilfe-Angehörigenberatung hilft weiter

Eine ganz liebe Dame der Angehörigenberatung klärte mich umfänglich auf. Und sie unterstützte mich, wie ich bei der Antragsstellung auf Grundsicherung bei voller und dauerhafter Erwerbsminderung (§ 41 SGB XII) vorzugehen habe und welche Unterlagen notwendig sind. Eigentlich reicht es erst mal, der Behörde zur Volljährigkeit des Kindes mitzuteilen.

„Ich stelle einen Antrag auf Grundsicherung für mein Kind mit Schwerbehinderung nach § 41 SGB XII“. Damit kann die Frist für den Monat gewahrt werden, in dem der Antrag gestellt wird. Die übrigen Unterlagen können nachgereicht werden. Ich hatte aber noch Zeit, bevor mein Sohn 18 wurde und konnte die Unterlagen sammeln. Als erstes rief ich die Schule an, die mein Sohn noch bis Ende Juli 2020 besucht und bat um eine Bescheinigung, dass mein Sohn nach Ende der Schulzeit in eine Werkstatt geht. „Kein Problem“, hieß es. Dann kam aber die Nachricht, die Schule mache so was nicht, sondern nur die Agentur für Arbeit als Träger der Maßnahme im Berufsbildungsbereich (BBB). Ich solle mich gedulden, die Schule wird versuchen zu vermitteln.

Habe ich endlich alles richtig gemacht?

Eines Tages kam dann eine E-Mail von einem Herrn der Agentur für Arbeit, in der er mich um einen Telefontermin bat, da er nicht verstehe worum es geht. Das Telefonat kam zustande und wieder erklärte ich den Sachverhalt. Mein Sohn wird im Mai 18 Jahre alt, ich stelle einen Grundsicherungsantrag und für diesen benötige ich diese Bescheinigung der Schule. Der Herr wurde ungehalten und beharrte darauf, nicht zu verstehen worum es mir geht. Er meinte, mein Sohn bekomme ab September „Ausbildungsgeld von der Agentur für Arbeit“, wenn er in die Werkstatt geht, das war`s. Ich wiederholte mich nochmal, und er erwiderte: Wenn ich nicht genügend Geld für mein Kind hätte, dann solle ich doch einen Antrag auf Sozialhilfe stellen. Nun wurde ich patziger und sagte, das seien hier Wortspiele und ich wisse genau, dass mein Sohn einen Anspruch habe ….bla bla bla … .

Plötzlich sagte er: „Okay, dann schicken sie mir das sonderpädagogische Gutachten der Schule zu und wir schauen weiter.“ Telefonat Ende. Das bei der Schule angeforderte Gutachten habe ich bis heute nicht. Die liebe Dame der Angehörigenberatung der Lebenshilfe München stärkte mir den Rücken. Alles habe seine Richtigkeit mit dem Anspruch auf Grundsicherung, die Agentur für Arbeit und die Schule seien schlicht falsch informiert. Sie schlug mir wieder vor, was zu tun sei. Also schrieb ich der Schule und fragte nochmals nach, ob es möglich wäre, für meinen Antrag eine ganz normale Schulbescheinigung zu bekommen, in der auch steht, dass Marcel nach der Schulzeit in die Werkstatt übertreten soll. Auch wenn der Schule angeblich nicht klar war, was ich meine, klappte es schließlich doch.

Als ich dann alle notwendigen Unterlagen zusammen hatte, auch das Anschreiben für das Sozialbürgerhaus (mit richtigen Paragraphen und Formulierungen unterstützt durch meine Beraterin der Lebenshilfe München), verschickte ich dieses. Heute kam ein Anruf von derselben Dame vom Sozialbürgerhaus, die ich oben schon erwähnt habe. Sie meinte, sie hätte mir doch schon erklärt, dass mein Sohn keinen Anspruch habe und warum ich das jetzt mache, ihr ein Antragsschreiben zu schicken. Ich unterbrach sie und sagte: „Ja okay, dann schicken Sie mir einfach einen begründeten Ablehnungsbescheid zu.“

„Es wird aber sehr lange dauern …“

„Nein, das genügt jetzt auch so am Telefon!“ sagte sie. Ich blieb beharrlich und wiederholte meine Forderung. Da riet auch sie mir, dass ich Sozialhilfe beantragen könnte, falls ich nicht genügend Geld hätte. Sehr bestimmt forderte ich wiederholt, mir den Ablehnungsbescheid schriftlich zukommen zu lassen, da ich diesen für mein weiteres Vorgehen brauche. Schließlich wurde sie stutzig und fragte: „Wieso?“ Ich erklärte ihr, dass ich in vollem Umfang über die Rechte meines Sohnes durch die Angehörigenberatung der Lebenshilfe München aufgeklärt worden sei. „Ja, aber dann muss das ja geprüft werden über die Rentenversicherung!“ Ich sagte: “Ich weiß, so steht es auch in meinem Anschreiben.“ „Ja, aber das dauert“ meinte sie, „da muss erstmal ein Gutachten erstellt werden.“ Ich sagte ihr: „Ein ganz aktuelles medizinisches Gutachten aus dem gerichtlichen Verfahren für den Betreuerausweis liegt dem Antrag bei.“

„Ach so, dann schau ich mal.“ Sie selbst meinte dann sogar, so genau habe sie sich den Antrag jetzt nicht angeschaut. „Und sowas dauert sehr, sehr lange“, warnte sie. Ich fragte, was sie mir damit sagen möchte. Keine Antwort. Sie sagte dann aber zu mir, ich wäre heute sehr aggressiv am Telefon. Ich erwiderte: „Ich bin nicht aggressiv, ich vertrete jetzt nur ganz klar die Rechte meines Sohnes, lasse mich nicht abwimmeln und möchte jetzt das passende Formular zugeschickt bekommen.“

Die Reaktion der Sachbearbeiterin bei meinem ersten Telefonat und heute fand ich absolut unprofessionell. Deswegen bin ich voller Wut und Power gleich an den Rechner und habe mal schnell alles niedergeschrieben. Mein persönliches Statement:

Ausbildungsgeld? Grundsicherung? Sozialhilfe?

Ich bin nicht alleine auf dieser Welt mit einem Kind das „anders“ ist, ich bin nicht die erste Mutter, die so einen Antrag stellt. Es gibt Gesetze für Menschen mit Behinderung: SGB IX, SGB XII, Bundesteilhabegesetz, usw., das sind Instrumente genau gemacht für Menschen wie meinen Sohn oder auch wie Ihr Kind und wie alle Menschen, die dem Gesetz nach als Mensch mit Behinderung gelten. Diese sollten doch auch angewandt und transparent vermittelt werden durch jede systemrelevante Institution. Aber die zuständige Behörde kennt sich hier überhaupt nicht aus.

Meine Beraterin der Lebenshilfe München meinte, solche Falschauskünfte kämen häufiger vor. Wie kann es sein, dass die Angehörigenberatung der Lebenshilfe München sich auskennt und die zuständige Behörde nicht? Was mir am Allermeisten auf meinem bisherigen Weg, den Antrag auf Grundsicherung für meinen Sohn zu stellen, missfiel, ist der Mangel an einem höflichen und wertschätzenden Umgang mit mir. Ganz grundlegende Werte, wie Respekt, Augenhöhe fehlten. Ich bin froh, dass es diese Gesetze gibt, aber was nützen sie, wenn diese nicht verantwortungsbewusst angewandt werden? Manch einer wird seine Kraft auf diesem Weg verlieren und aufgeben, einfach um diese Art der Erniedrigung zu beenden. Ich fürchte, der Mutter, von der ich bereits am Anfang berichtete, ist es genau so gegangen. Es ist spannend, wie es mit meinem Antrag weitergeht. Meine Beraterin ist völlig gelassen und sicher: „Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, muss der Antrag genehmigt werden. Bei Ihrem Sohn ist das der Fall.“

Eine Lehrerin von meinem Sohn sagte mal zu mir in einem etwas heftigeren Gespräch, es sei ja bekannt, dass Mütter von Kindern mit Behinderung sehr aggressiv sind. Ich antwortete nur, dass ich damit ganz gut leben könne. Sie wusste nicht, was sie darauf sagen sollte.

Nadja Lindenbeck-Menzel

P.S.:

Wie es weitergeht mit dem Anspruch meines Sohnes auf Grundsicherung?
Ich halte Sie auf dem Laufenden, die Fortsetzung lesen Sie hier:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2020/12/27/warum-muss-es-so-schwierig-sein/

Die Selbstbestimmung muss weiter gehen

Ganz neue Erfahrungen und einen intensiven Austausch erlebten die zwei Selbstvertreter der OBA der Lebenshilfe München in der Video-Konferenz.  –  Fotos: Lebenshilfe München

Dennoch bleibt es ein Ziel der Lebenshilfe und auch aller anderen Sozial- und Wohlfahrtsverbände, Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und sie auf den Weg dorthin zu fördern. Ein wichtiger Baustein dafür sind ‚Selbstvertretungen‘, in denen sich Menschen mit Behinderung selbst für ihre Belange einsetzten. Solche Selbstvertretungen gibt es etwa im Bereich der OBA, der Wohneinrichtungen oder der Werkstätten.

Bedarf ermitteln und Hilfen bekommen

Der Lebenshilfe Landesverband Bayern hatte jetzt zu einer Tagung unter dem Motto „Selbst-Vertretung geht weiter – na klar!“ geladen. 80 engagierte Menschen mit Behinderungen tauschten sich auf der ersten digitalen Fach-Tagung für Selbstvertreter der Lebenshilfe Bayern aus. Im Mittelpunkt standen die Vorträge von Gastredner Michael Groß (Caritas Nürnberger Land) und Holger Kiesel, Behindertenbeauftragter Bayern. Sie sind überzeugt, dass Selbst-Vertretung auch in Corona-Zeiten weitergehen wird und muss. Wichtig ist aktuell ebenso das Bedarfs-Ermittlungs-Instrument in Bayern. Holger Kiesel informierte, wie man hier auch künftig die Hilfe bekommt, die man braucht.

Bei der Lebenshilfe München nahm für die OBA die Sozialpädagogin Julia Bader teil und mir ihr zwei Selbstvertreterinnen. Als ‚Tagungsort‘ eignete sich der große Gemeinschaftsraum der Einrichtung, wo man bei genügend Platz die Abstandsregeln einhalten kann. Auch an Technik ist die Lebenshilfe München mit großen Bildschirmen gut ausgestattet. „Bei der Einrichtung der Videokonferenz habe ich zunächst Hilfe geleistet, doch dann konnten wir alle teilnehmen. Anfangs war es für die Selbstvertreterinnen ungewohnt, „mit dem Bildschirm zu sprechen“, doch das legte sich nach einer Weile. Die Tagung dauerte einige Stunden und wir wurden alle ermutigt, die Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung weiter voran zu bringen.“

Mehr Informationen dazu finden Sie unter:
https://www.lebenshilfe-bayern.de/aktuelles/

Bewegte Anfangsjahre der Lebenshilfe vor 60 Jahren

Unter dem Titel „60 Jahre: Meilensteine der Lebenshilfe München“ veröffentlichte das aktuelle L.I.E.S.-Heft der Lebenshilfe München einen Abriss zur Geschichte des Elternvereins. Wir berichten in Auszügen. Vieles was heute als Selbstverständlich erscheint, wurde damals mühsam erkämpft.

1960: Am 12. Juli des Jahres wird von Mathilde Eller, zusammen mit elf Eltern von Menschen mit Behinderung, die Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind e.V.“ gegründet. Heute heißt der Verein „Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. Stadt und Landkreis München“, hat rund 1000 Mitglieder und ist damit einer der größten Elternvereinigungen Deutschlands.

1968: Die erste Heilpädagogische Tagesstätte in der Dietlindenstraße wird eröffnet. Vier Jahre später ziehen die MitarbeiterInnen mit den Kindern in angemietete Räumlichkeiten in der Neuherbergstraße.

Archivfoto 2014: Die Ehrenvorsitzende Gerlinde Engelmann im Gespräch mit Geschäftsführer Peter Puhlmann.

Die Ehrenvorsitzende der Lebenshilfe München, Gerlinde Engelmann (84) erinnerte sich noch an jene Zeit: „„Schon 1963 bei der Einschulung meiner Tochter (mit Behinderung) merkte ich schnell, dass es für sie kaum schulische Möglichkeiten gab. In ganz München hatten wir nur eine einzige Sonderschule, zumindest im Süden der Stadt.“ Die hatte aber mit Volker Körner einen engagierten Sonderschulrektor am HPCA (Hasenbergl), der noch bis heute im Kuratorium der Lebenshilfe München aktiv ist und von 1974 bis 1983 auch Vorsitzender des Elternvereins war. Seine Vor-Vorgängerin, Mathilde Eller, unterrichtete sogar während des Krieges heimlich und privat Kinder mit Behinderung. Sie war auch Mitbegründerin der ersten Schule in Bayern für Menschen mit geistiger Behinderung an der Klenzestraße. Die Schule trägt bis heute ihren Namen.

1972: Gemeinsam mit der Stuttgarter Stiftung für Bildung und Behindertenförderung GmbH wird die Werkstatt in der Scharnitzstraße gegründet. Inzwischen warbeiten insgesamt 600 Mitarbeiter mit Behinderung in der Werkstatt. Außerdem wird die Elternberatung als separate Anlaufstelle mit einem eigenen Büro eingerichtet. Zuvor waren Beratungsgespräche nebenbei geleistet worden. Vor einigen Jahren wurde aus der ‚Elternberatung‘ die ‚Angehörigenberatung‘ und die Zahl der Beratungen zu unterschiedlichen Anliegen und Fragen beläuft sich inzwischen auf knapp 800 pro Jahr.

Gerlinde Engelmann erinnert sich. Sie gründete 1972 mit zwei Müttern die Elternberatung und war bis 2001 Vorstand des Elternvereins. „Wir eröffneten 1971 in der Auenstraße eine erste Heilpädagogische Werkstatt, was 1972 zur Gründung der Lebenshilfe-Werkstatt GmbH in der Scharnitzstraße führte. Die damalige Vorsitzende, Silvia Görres, hatte einen großen Anteil daran und setzte sich trotz vieler Widerstände durch. In Würdigung ihrer Arbeit trägt die Einrichtung der Lebenshilfe München an der Neuherbergstraße ihren Namen. In der Elternberatung arbeitet man an der Basis, ist und wird mit den Problemen hautnah konfrontiert. Und damals wie heute brauchen Eltern (leider) meist einen Rechtsbeistand für die vielen Anträge, Vorschriften und Programme. Ein komplexer Bereich, mit dem selbst manch öffentlich Bedienstete ihre liebe Not haben.“

1976: Die mobile Frühförderung beginnt mit ihrem Einsatz für Kinder von der Geburt bis zum Schuleintritt. Heute gibt es vier Frühförderstellen an verschiedenen Standpunkten in der Stadt und im Landkreis München.

1977: Die Offene Behinderten Arbeit (OBA) nimmt ihren Dienst auf. Über 300 TeilnehmerInnen nehmen auf ganz unterschiedliche Weise an den vielfältigen Angeboten der Freizeitgestaltung und Bildung für Kinder, Jugendliche und erwachsene Menschen mit Behinderung teil und rund 100 ehrenamtliche MitarbeiterInnen begleiten sie dabei.

Das L.I.E.S.-Heft erscheint erstmals. Mehrmals hat es seither sein Äußeres verändert. Dabei ist es umfangreicher und bunter geworden. Seit 2017 kommt die Mitgliedszeitschrift dreimal im Jahr heraus und wird auch in Ingolstadt und Landsberg am Lech mit einem jeweils anderen Lokalteil von Lebenshilfe-Mitgliedern gelesen.

Die kleine Chronik der Lebenshilfe München lesen Sie im aktuellen L.I.E.S.-Heft der Lebenshilfe München unter dem Titel „60 Jahre: Meilensteine der Lebenshilfe München“. Das gesamte Interview mit Gerlinde Engelmann finden Sie im Blog unter:

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2014/04/13/der-lange-weg-zum-erfolg-in-der-behindertenarbeit/

Interview zur aktuellen Situation der Lebenshilfe München

Interview zur aktuellen Situation der Lebenshilfe München
mit Geschäftsführer Peter Puhlmann

Der bayernweite Katastrophenfall ist aufgehoben und in München ist die Zahl der aktuell infizierten Menschen in vier Wochen von über 1000 auf unter 300 Personen gesunken. Die Lebenshilfe München musste in den letzten drei Monaten nicht einen einzigen Coronafall hinnehmen und hat von Anfang an sehr strenge Schutzmaßnahmen durchgeführt. Wie findet man nun wieder heraus aus der Krise und Isolation, zurück in eine Normalität? Die Redaktion hat sich mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann unterhalten.

Redaktion: Der Lockdown hat uns alle in nahezu allen Lebensbereichen betroffen. Besonders trifft es bis heute Menschen mit geistiger Behinderung in betreuten Wohnformen. Sie haben seit Wochen keine Arbeit und damit keine gewohnte Tagesstruktur mehr. Das sind hohe psychische und mentale Belastungen. Hat da nicht so mancher Bewohner einen Wohn-Kollaps bekommen?

Peter Puhlmann (r.) im Gespräch mit MdB Florian Hahn (l.), der sich über die Situation in den Wohnheimen der Lebenshilfe München informiert.

Peter Puhlmann: Es ist nur zum Teil richtig. Ja, die Werkstätten haben für die Bewohner geschlossen und zwar für alle Bewohner unserer Wohneinrichtungen. Das macht es leichter, denn alle sind gleich betroffen. Gleichwohl existiert eine Tagesstruktur, die über die ‚Essenszeiten‘ hinausgeht. Unsere Mitarbeiter betreuen die Kleingruppen, gehen mit ihnen spazieren oder organisieren Spiele. Einige unserer Bewohner, Menschen mit geistiger Behinderung, haben sich auch gut in die Situation hinein gefunden. Für manche ist die Arbeit in den Werkstätten ja auch ein gewisser Druck, dem sie jetzt seit Wochen nicht mehr ausgesetzt sind. Sie empfinden die ‚freie Zeit‘ als angenehm. Dennoch ist es schwierig mit der Situation und den Einschränkungen umzugehen. Das Virus und damit die Bedrohung ist ja nicht sichtbar, sie wird bestenfalls abstrakt wahrgenommen.   Weiterlesen

Lebenshilfe Werkstatt München: Der Weg zurück zum Normalbetrieb

Von einem Normalbetrieb oder Regelbetrieb ist die Lebenshilfe Werkstatt noch weit entfernt. Die bayerische Staatsregierung hat das Betretungsverbot für Werkstätten und Förderstätten mit Ausnahmen bis einschließlich 30.6. 2020 verlängert. Der Neustart der Werkstatt ist ein vorsichtiger.

Sie hat man in München den Betrieb schrittweise wieder aufgenommen und wird ihn nach und nach weiter ausweiten. Aktuell sind erst 40 Prozent der Mitarbeiter mit Behinderung im Haus. Das erleichtert die gebotene Einhaltung von Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen, steht aber auch im engen Zusammenhang mit den nachfolgenden Voraussetzungen. Weiterlesen

Lebenshilfe Werkstätten bleiben bis zum 03. Mai geschlossen

Auch bei den Werkstätten der Lebenshilfe tagt täglich der Krisenstab. Aktuell wurden alle Mitarbeiter der Werkstätten und Beschäftigte in den Förderstätten sowie ihre Angehörigen darüber informiert, dass auch die Lebenshilfe Werkstatt bis 3. Mai 2020 geschlossen hat.

Hier im Wortlaut: „Die bayerische Staatsregierung hat entschieden, die Werkstätten und Förderstätten in Bayern und damit auch die Lebenshilfe Werkstatt München vorübergehend bis 3. Mai 2020 zu schließen.“ Weiterlesen

Neues von Werkstatt und OBA

Bereits am 12. März berichteten wir über die Absage aller Veranstaltungen der OBA der Lebenshilfe München. Die OBA und der FUD weisen nun ausdrücklich darauf hin, dass das Büro weiterhin besetzt ist und die Mitarbeiter für Gespräche und Beratungen zur Verfügung stehen. Weiter heißt es:

„Wenn Sie Bedenken haben, einkaufen zu gehen, weil Sie oder Ihre Angehörigen zu den Risikogruppen gehören, dann können Sie sich bei uns melden. Wir werden dann versuchen, einen Einkaufsdienst zu organisieren. Es gäbe die Möglichkeit, diesen Dienst über die Pflegekasse abzurechnen.“ Weiterlesen

Lebenshilfe achtsam vor Coronavirus

Bundesvorsitzende MdB Ulla Schmidt fordert Achtsamkeit

Die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Gesundheitsministerin a.D., MdB Ulla Schmidt, plädiert den Schutz und die Versorgung von Menschen mit Behinderung sicherzustellen. Wir müssen auf Menschen mit Behinderung in besonderer Weise achten, vor allem in Zeiten der Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19)“, erklärt sie.

Wegen Vorerkrankungen haben diese Menschen häufig ein erhöhtes Risiko schwer zu erkranken. In besonderen Zeiten wie aktuell, müssen Einrichtungen, Zuhause, Arbeit und Schulen besonders achtsam sein. „Den Schutz und die Versorgung sicherzustellen, ist unsere gemeinsame Aufgabe“, appelliert sie an alle Beteiligten und Betroffenen. Deshalb müsse auch bei Schließungen, zum Beispiel von Werkstätten und Schulen, die Finanzierung ebenso gesichert werden, wie für Unternehmen. Dazu gehört auch die Bezahlung von Assistenzkräften wie Schulhelfern.“  Weiterlesen

Helden bei der Lebenshilfe

Neues aus der aktuellen L.I.E.S.-Ausgabe

„Die meisten Helden sind kleine Helden, leise Helden, unauffällige Helden, man erkennt sie erst bei genauem Hinsehen oder wenn sie einem unerwartet aus der Patsche helfen. Und daran, dass sie zufriedener, ausgeglichener und fröhlicher wirken als andere.“ – dieses Zitat aus dem Buch von Hannes Jaenicke „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche. Warum wir dringend Helden brauchen.“, beschreibt genau die Menschen, die in dieser Ausgabe vorgestellt werden, Menschen aus dem Umfeld der Lebenshilfe.    Weiterlesen

Kaffee ist ein echter Lebenshelfer

Lebenshilfe startet eigene Kaffee-Rösterei „Moccasola“

Ein frischer Kaffee, duftend nach seinem unverwechselbaren Aroma, belebt die Sinne und weckt in uns das Verlangen nach einer Tasse ‚frisch aufgebrühten‘. Nur frisch entfaltet er sein volles Aroma, am Besten frisch gemahlen von einem professionellen Kaffeeautomaten. Das steigert sich nur noch, wenn man an einer Rösterei vorbeiläuft, wenn sie im Röstbetrieb ist. Dann wird die Lust auf eine frisch aufgebrühte Tasse Kaffee fast unwiderstehlich.

„Moccasola – Die kleine Rösterei“

So passiert das den Besuchern zuweilen in der Lebenshilfe-Werkstatt in Putzbrunn. Die hat jetzt eine eigene Kaffee-Rösterei ins Leben gerufen, genannt „Moccasola – Die kleine Rösterei“. Verantwortlich für die Röstung im Trommelröstverfahren ist Stefan Mancassola. „Röstmeister kannst du nicht lernen, du musst es werden“, erklärt er.   Weiterlesen

Südkorea lernt von der Lebenshilfe München

Strukturen und Förderprogramme sollen aufgebaut werden

Südkorea lernt von der Lebenshilfe München und besucht mit einer Delegation die Zweigniederlassung der Lebenshilfe-Werkstatt in Putzbrunn. Links der Übersetzer und Leiter der Delegation Dr. Seung-Ryong Kim, mit dem Leiter der Werkstatt (mitte) Dietmar Krinninger und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann (rechts).

Südkorea lernt von der Lebenshilfe München und besucht mit einer Delegation die Zweigniederlassung der Lebenshilfe-Werkstatt in Putzbrunn. Links der Übersetzer und Leiter der Delegation Dr. Seung-Ryong Kim, mit dem Leiter der Werkstatt (mitte) Dietmar Krinninger und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann (rechts).

(gsp) In Deutschland tritt der Staat als Leistungsträger und soziale Organisationen, wie etwa die Lebenshilfe München, als Leistungserbringer auf, wenn es um die Begleitung, Förderung und Integration von Menschen mit Behinderung geht. Ein System und Miteinander, das sich seit über 60 Jahren bewährt hat. Bei der Lebenshilfe München machen sich Delegationen aus ‚Fernost‘ immer wieder gerne ein Bild über das Geleistete. Von Interesse sind ebenso die Strukturen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Jetzt war wieder eine Gruppe aus Südkorea zu Gast, mit vier Berufsschullehrern und Vertretern der Integrationsbehörde und der nationalen Arbeitsagentur. Hier sind Leistungserbringer und Leistungsträger in staatlicher Hand vereint.   Weiterlesen

Endlich: ein barrierefreier Toilettencontainer für den Münchner Landkreis

Wer geht nicht gerne auf ein Volksfest, trifft und vergnügt sich in geselliger Runde? Der Gang auf die Toilette ist dabei kein Problem, es ist für alles gesorgt. Wirklich? – leider nicht. Für Menschen mit Behinderung oder Senioren mit Rollator gibt es keine entsprechende Möglichkeit. Volksfeste sind damit häufig nicht inklusiv, sondern exklusiv und nicht barrierefrei. Das soll sich jetzt ändern, zumindest im Landkreis München.

Alt-Landrätin und Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe München, Johanna Rumschöttel, hat sich intensiv für die Realisierung eines barrierefreien und behindertengerechten Toilettencontainers eingesetzt. Christoph Göbel, Landrat des Landkreises München, übergab nun an seine Amtsvorgängerin Johanna Rumschöttel den Schlüssel für die barrierefreie mobile Toilette des Landkreises.  Weiterlesen

Die große OBA-Unterhaltungs-Show der Lebenshilfe München war ein Riesen-Erfolg

Es hat lange Woche der Vorbereitung gebraucht, und am 12. März war es endlich soweit: die große OBA Samstag-Abend-Unterhaltung-Show ging über die Bühne. Die Bühne war das Café Plinganser in Sendling und 150 Besucher erlebten einen abwechslungsreichen Abend.

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Konzipiert und vorbereitet wurde die Show von Martin Knesevic und Armin Laußer, die ein großartiges Moderatoren-Team waren. Die beiden Freunde leben für die Show-Bühne, mit vielen kreativen Ideen und Gags führten sie das begeisterte Publikum durch den Showabend im Café Plinganser. Unterstützt wurden Knesevic, der in der Werkstatt der Lebenshilfe München in der Scharnitzstraße arbeitet, und sein Freund Armin von der OBA der Lebenshilfe.   Weiterlesen

Stiftungsvorsitzender der Lebenshilfe München informiert sich

MdB Hahn besucht Wohn-, Förder- und Werkstätten in Putzbrunn

Dass Arbeit Therapie sein kann, davon konnte sich der neue Vorsitzende der Stiftung Lebenshilfe München, Florian Hahn MdB, bei seinem Rundgang durch die Wohn- und Werkstätten in Putzbrunn überzeugen: „Ich bin beeindruckt, wie Menschen mit geistiger Behinderung ihre Belastbarkeit erproben und zugleich ihre Leistungsfähigkeit entwickeln und festigen können“, so Hahn. „Die angebotenen Maßnahmen in den Lebenshilfe-Werkstätten fördern nicht nur die berufliche Eignung, sondern auch das Sozial- und Arbeitsverhalten allgemein und stärken natürlich das Selbstwertgefühl. Ein ganz entscheidender Schritt zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.“  Weiterlesen