Gynäkologische Sprechstunde für mobilitätseingeschränkte Mädchen und Frauen

Aus der Rathaus Umschau der Landeshauptstadt München

Bürgermeisterin Verena Dietl und Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek haben jetzt bei einem Festakt mit Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern und den Netzwerkfrauen Bayern die Gynäkologische Sprechstunde für mobilitätseingeschränkte Frauen und Mädchen im Gesundheitsreferat an der Bayerstraße 28a eröffnet. Ab sofort steht mit dieser Einrichtung in den Räumen des Gesundheitsreferates an der Bayerstraße 28a den Münchnerinnen mit Mobilitätseinschränkungen eine barrierefreie gynäkologische Versorgung zur Verfügung.

Versorgungs-Lücke geschlossen

Bürgermeisterin Verena Dietl: „Mit der Eröffnung der Gynäkologischen Sprechstunde im Gesundheitsreferat schließen wir eine Lücke in der ärztlichen Versorgung in München. Denn Frauen mit Mobilitätseinschränkungen haben, ebenso wie Frauen ohne Beeinträchtigung, Anspruch auf eine gynäkologische Versorgung. In München leben circa 4.750 Frauen mit einer sogenannten außergewöhnlichen Gehbehinderung. Die Zahl macht deutlich, dass der Bedarf gegeben ist, auch weil Praxen oft nicht vollumfänglich barrierefrei sind. Es ist der hervorragenden Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, den Netzwerkfrauen Bayern und den beteiligten Ärzt*innen zu danken, dass dieses Modellprojekt nun starten kann.“

Gute Ausstattung der Praxis

Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek: „Die Ausstattung der Praxis wird den Bedürfnissen mobilitätseingeschränkter Mädchen und Frauen gerecht: Die Praxis ist ebenerdig zu erreichen, verfügt über einen Hebelifter sowie einen gut verstellbaren gynäkologischen Stuhl. Wir stellen eine Pflegekraft, die sich auf die Pflege von behinderten Menschen spezialisiert hat. Hierfür konnte der Ambulante Pflegedienst der Lebenshilfe München gewonnen werden. Zudem nehmen sich die Frauenärzt*innen die nötige Zeit für die Frauen: Pro Stunde wird nur eine Patientin einbestellt. Dieses Modellprojekt ist bereits Gegenstand des 1. Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, um eine bedarfsgerechte gynäkologische Versorgungsstruktur für mobilitätsbehinderte Frauen in München aufzubauen.“

Gesundheitsamt und Kassenärztliche Vereinigung

Das Gesundheitsreferat bietet seit mehreren Jahren eine Gynäkologische Sprechstunde für Frauen in schwierigen Lebenssituationen, die Einrichtung der Praxis reicht jedoch für weitergehende Untersuchungen nicht aus und genügt bislang auch nicht der Barrierefreiheit. Das Pilotprojekt wurde vom Gesundheitsreferat gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) und den Netzwerkfrauen Bayern entwickelt. Die Sprechstunden werden jeweils mittwochnachmittags von niedergelassenen Gynäkolog*innen angeboten. Sie umfassen die gynäkologische Untersuchung zur Früherkennung und Behandlung gynäkologischer Beschwerden und Erkrankungen, Beratung zur Sexualität und Kinderwunsch, Schwangerschaftsbetreuung und -nachsorge sowie die Begleitung durch die Wechseljahre.

Zugang zur gynäkologischen Versorgung

Der Vorstand der KVB – Dr. Wolfgang Krombholz, Dr. Pedro Schmelz und Dr. Claudia Ritter-Rupp: „Mit dem Sprechstundenangebot niedergelassener Frauenärzt*innen für mobilitätseingeschränkte Frauen und Mädchen in den Räumlichkeiten des Gesundheitsreferats verbessern wir maßgeblich den Zugang zur gynäkologischen Versorgung für die betroffenen Patientinnen. Nach intensiven Vorarbeiten und der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen der KVB und dem Gesundheitsreferat freuen wir uns, dass das neue Versorgungsangebot nun starten kann. Die KVB ist bei der Umsetzung des Pilotprojekts für die Terminvereinbarung und Dienstplanung der Ärzt*innen zuständig. Wir danken besonders den niedergelassenen Gynä- kolog*innen, die die Mädchen und Frauen mit Mobilitätseinschränkungen in den barrierefreien Praxisräumlichkeiten des Gesundheitsreferates zukünftig behandeln werden.“

Dunja Robin, Leiterin der Netzwerkfrauen Bayern: „Mit der Einrichtung dieser Sprechstunde macht die Landeshauptstadt München einen wichtigen Schritt, bestehende Lücken im Gesundheitssystem zu schließen und damit die Gesundheit und Lebensqualität ihrer Bürgerinnen zu erhöhen. Für uns ist das ein Meilenstein auf dem Weg zu einer inklusiven Stadtgesellschaft.“

Terminvereinbarungen sind ausschließlich unter der
Servicenummer 0921 / 88099-55029,
Montag und Freitag von 8 bis 12 Uhr sowie Donnerstag von 12 bis 18 Uhr möglich.

Für sonstige Fragen ist die Praxis zu erreichen unter:
gyn-praxis.gsr@muenchen.de

Das Pilotprojekt steht zunächst für 30 Monate zur Verfügung. Das Gesundheitsreferat wird Ende 2023 dem Stadtrat die Ergebnisse des Projekts vorstellen und einen Vorschlag für eine dauerhafte gynäkologische Versorgung für diese Münchnerinnen aufzeigen. Der Beschluss über die Finanzierung und den Start des Projekts wurde von der Stadtrats-Vollversammlung am 29. September gefasst.

Bilder sprechen mehr als Worte

Das große Fest der Lebenshilfe München zur Feier des 60-Jährigen Jubiläums und des neuen Wandbildes Permanus, war auch ein Fest der vielen Begegnungen. Hier einige Fotos und Stimmungsbilder. Zum Ansehen der Galerie auf eins der Fotos klicken. Fotos: Gerd Spranger

60 Jahre Lebenshilfe und ein besonderes Geschenk

Freude über 60 Jahre Lebenshilfe und über das Wandbild Permanus. Von links: der Künstler Martin Blumöhr, Geschäftsführer und Vorstand der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, und Münchens Alt-Oberbürgermeister Christian Ude. Fotos: Gerd Spranger – mehr in der Galerie.

Ein besonderes Geschenkt machte sich die Lebenhilfe München zu ihrem 60. Geburtstag, auch wenn eigentlich schon der 62. anstehend ist, denn 1960 gründete sich der Verein mit zwölf Eltern. So aber konnte ebenso die Einweihung eines großen Wandgemäldes, das eine ganze vierstöckige Häuserwand ziert, gefeiert werden. „Permamus“ wurde es getauft, was zu deutsch mit „von Hand zu Hand“ übersetzt werden kann. Und es wirkten viele Hände mit, insgesamt 60 Menschen mit und ohne Behinderung, alt und jung, aus der Lebenshilfe und aus der Nachbarschaft. Zu einem großen Gesamtkunstwerk fügte es der Maler Martin Blumöhr zusammen und sprach bei der Einweihung immer wieder von einer Regenbogenblume, die er als ein Zeichen von Diversität verstanden wissen will.

Für gute Stimmung sorgte die OBA-Band mit Georg Hohenester auf dem Fest.

Auf alle Fälle ist das Permanus-Kunstwerk ein Zeichen des Miteinanders und der Inklusion und hat in München bereits viel Beachtung gefunden. Für den langjährigen Oberbürgermeister von München, Christian Ude, sind Wandgemälde auch immer Identität stiftend und bringen Farbe in häufig viel zu graue Städte, bekräftigte er bei seiner Festansprache. Lebenshilfe Vorstand und Geschäftsführer, Peter Puhlmann, konnte nicht nur ihn als Festredner begrüßen, sondern viele Vertreter der Stadt, des Bezirks und prominente Vertreter der Lebenshilfe. Mit Verweis auf Christian Ude, einen Förderer des Elternvereins, auf Dr. Gertraud Burkert und Christine Strobl, beide Bürgermeisterin a.D. der Stadt München und lange Jahre im Kuratorium der Lebenshilfe München vertreten, animierte er auch die amtierende Sozial-Bürgermeisterin, Verena Dietl, für ein Engagement im Kuratorium der Lebenshilfe, dem „sie gerne zustimmte“.

Die Vorsitzende des Aufsichtsrates der Lebenshilfe München, Andrea Siemen, und die Sozial-Bürgermeisterin von München, Verena Dietl, schätzen die Symbolkraft und Farbenfreude des hohen Wandbildes ‚Permanus‘.

In ihrer Ansprache machte sie deutlich, dass so ein Kunstwerk zur Lebenshilfe München passe. 60 Jahre lang sei der Elternverein mit seinen vielen Engagements immer ein Vorbild gewesen und sei es bis heute. „Dabei immer getragen vom ehrenamtlichen Engagement, immer in der Mitte der Stadt bei den Menschen, über die Tageseinrichtungen (HPT), den Wohneinrichtungen mit modernen Konzepten, der Sonderschule und den Werkstätten. Es ist ein maßgeblicher Verdienst der Lebenshilfen, dass es Menschen mit geistiger Behinderung heute besser geht,“ so Bürgermeisterin Verena Dietl. Besonders liege ihr dabei die Schaffung von integrativen Wohngemeinschaften am Herzen, „wo Studenten und Menschen mit Unterstützungsbedarf gemeinsam zusammen leben. Wir brauchen mehr davon“, so Dietl. Zum Schluss verwies die dritte Bürgermeisterin noch auf das Engagement der Stadt München im Rahmen der UN-Behindertenrechtskonvention hin. „Wir arbeiten aktuell bereits an unserem dritten Aktionsplan zur Verbesserung von Infrastruktur und Lebensumständen.“

Peter Puhlmann bedankt sich bei Tatjana Viaplana und Harry Zipf für ihr Engagement bei der Gestaltung der 60-Jahrfeier der Lebenshilfe München.

Die Aufsichtsratsvorsitzende der Lebenshilfe München, Andrea Siemen, stimmte dem zu und berichtete von Plänen zur Schaffung zweier neuer integrativer Wohngemeinschaften in München-Freiham und im Werksviertel. Das größte Projekt aber sei der Ausbau der Lebenshilfe-Wohneinrichtung in Putzbrunn mit einem neuen Gebäude und modernem Konzept. Sie erinnerte auch an die lange Geschichte des Elternvereins. „1960 waren es tatsächlich 12 Eltern, die den Verein gründeten. Im Blickpunkt dabei stand die Beratung, bis heute die Eltern- und Angehörigenberatung, denn es gab und gibt immer wieder rechtliche Fragen und Neuerungen zu Verordnungen, wie etwa zum neuen Pflegegesetz, zu klären. 1969 folgten die Heilpädagogischen Tagesstätten, 1972 die Lebenshilfe-Werkstätten, 1976 die interdisziplinäre Frühförderung, 1977 die OBA (Offene Behindertenarbeit), ab 1978 die Wohneinrichtungen. Stand in den ersten zwanzig Jahre die Entwicklung der Angebote im Vordergrund, so in den letzten 40 Jahren deren Erhalt, Ausbau und Weiterentwicklung. Aus dem Elternverein von einst ist heute eine moderne und leistungsfähige Organisation mit zwei GmbH geworden, ein großer Sozialverein mit mehr als 1000 Mitgliedern und 500 Beschäftigten.“

Ein „Großes Dankeschön“ gilt nicht nur allen Künstlern und Beteiligten, so Peter Puhlmann, sondern auch den Spendern, die eine Umsetzung des Wandgemäldes ermöglicht haben. Namentlich nannte er die C.H. Beck Stiftung, den Händler boesner, die Sparda-Bank, die Stadt München und den Bezirksausschuss 17 für Obergiesing und Fasangarten sowie einen einzelnen privaten Spender, der ebenfalls eine größere Summe beisteuerte.

Ein weiterer Bericht mit Stimmen zum Kunstwerk Permanus folgt.

Weitere Links zum Projekt Permanus:

https://www.tz.de/muenchen/stadt/neues-kunstprojekt-der-lebenshilfe-in-giesing-zr-90988555.html

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/kunstprojekt-permanus-es-strahlt-uns-an-1.5413331

https://www.kunstprojekt-permanus.de