Der neue Lebenshilfe-Betriebsrat ist seit einem Jahr im Amt

Die Lebenshilfe München ist im Kern ein Elternverein, wie alle anderen 544 Lebenshilfe-Vereine in Deutschland. Es ist als eingetragener Verein für sich selbst organisiert und regional zuständig für die Stadt und den Landkreis München. Zum Verein zählen heute zwei gemeinnützige GmbH und an den Lebenshilfe-Werkstätten ist er zu 50 Prozent als Gesellschafter beteiligt. Rund 460 hauptamtliche und 500 ehrenamtliche Mitarbeiter sind bei ihm beschäftigt und er betreut über 20 Einrichtungen in Stadt und Land München.

Von links nach rechts: Elke Brand, Hanspeter Franz, Heiko Meyer, Esther Wolfram, Julia Konieczny, Harald Stinglwagner und Julia Knoll. Nicht auf dem Foto: Doris Scheffler, Benjamin Kiefer und Hilda Hofmeister. Foto: Christine Wengenmayer, auch sie ist Mitglied des Betriebsrates der Lebenshilfe München.

Ein fester Teil der Lebenshilfe München ist der Betriebsrat, der im April 2018 neu gewählt wurde. Wir haben uns mit dessen Vorsitzenden, Hanspeter Franz, unterhalten. Er ist seit rund 30 Jahren bei dem Elternverein, kennt die Strukturen und Zusammenhänge, und ist seit etwa 20 Jahren im Betriebsrat aktiv. Er legt großen Wert darauf, dass alle neun Mitglieder einander gleichgestellt und Beschlüsse immer gemeinsam und mit Mehrheit gefasst werden müssen.

Für die fünf neu gewählten Mitglieder des Gremiums gab es eine erste ausführliche Schulung von einer Woche, um sie mit den Grundlagen des Betriebsverfassungsgesetzes betraut zu machen. Auf zwei KollegInnen kommen zusätzlich der besondere Bereich Arbeitssicherheit und die betriebliche Gesundheitsförderung zu.

Geteilte Arbeitszeiten und volle Dienstpläne

Ein klassisches Feld für den Betriebsrat ist eine Mitwirkung bei der Vereinbarungen der Arbeitszeiten und die Gestaltung der Dienstpläne. „Das ist natürlich durch gesetzliche Vorgaben geregelt, doch es geht um das Detail, um die Umsetzung“, erläutert Hanspeter Franz. Dabei sind das Umfeld und die Rahmenbedingungen eine Herausforderung. „Der Trend ging die letzten fünf Jahre weg von der Teilzeitstelle hin zur Vollzeitstelle, was letztlich auch den hohen Mieten und Lebenshaltungskosten in und um München geschuldet ist“, erklärt er. Hinzu kommen wechselnde Dienste, etwa am Vormittag drei und am Nachmittag sechs Stunden, aber auch nachts und an den Wochenenden. „Rechnet man die Anfahrtszeiten bei geteilten Schichten hoch, dann werden schnell Grenzen aufgezeigt, besonders im persönlichen Bereich.“

Es gibt keine stillen Reserven

Grenzen werden ebenso erreicht und zeitweise überschritten, wenn etwa bei einer Grippewelle gleich drei Mitarbeiter in einer Einrichtung ausfallen. „Da helfen dann die schönsten Dienstpläne nichts, denn eine ’stille Reserve‘ gibt es nicht. Dies trifft im besonderen auf unseren Kinder- und Jugendbereich zu. Jede Stelle ist vom Bezirk genauestens vorgegeben. Krankheitsausfälle sind dabei pauschal mit eingerechnet, aber im konkreten Fall muss dies dann vor Ort von den anwesenden KollegInnen aufgefangen werden, es müssen Gruppen zusammengelegt werden, Fachdienste übernehmen den Gruppendienst, …“, kommentiert Hanspeter. Und bei der Lebenshilfe München ist die Ausrichtung und Leistung in den Bereichen Interdisziplinäre Frühförderung, Wohnen, HPT (Heilpädagogische Tagesstätten), Offene Behindertenarbeit oder der Ambulante Dienst sehr unterschiedlich geprägt.

Zusätzlich sind sie auf insgesamt 20 Standorte in der Stadt und im Landkreis München verteilt. Mit der besonderen Herausforderungen einer angespannten Personalsituation ist also jeder Standort für sich konfrontiert. Hanspeter Franz spannt den Bogen noch weiter indem er betont, dass „im sozialen Bereich immer mehr gespart wurde und die Anforderungen, die Leistungsverdichtung wie auch die steigende Pflicht zur Dokumentation, zu einer weiteren Verschärfung beigetragen hat, und das in allen sozialen Einrichtungen.“ Dabei verlangen Menschen mit geistiger Behinderung oder auch Senioren menschliche Hinwendung und Fürsorge, die nicht in Minuten gerechnet werden können.

Vertrauen ist die wichtigste Grundlage

Ein Spannungsfeld in dem sich Mitarbeiter, Betriebsrat und Arbeitgeber gleichermaßen bewegen. Gegenseitiges Vertrauen ist darum eine wichtige Grundlage für die Arbeit, „auch wenn wir in der Sache manchmal hart diskutieren müssen und gleichzeitig lernen aufeinander zu zugehen.“ Eine der wichtigen Aufgaben des Betriebsrates ist darauf zu schauen, dass die geltenden Regelungen (Gesetze, Betriebsvereinbarungen, …) auch eingehalten werden.

Vor allem aber ist der Betriebsrat für die Mitarbeiter, die Kolleginnen und Kollegen zuständig, hier hat er die klare gesetzliche Aufgabe die Interessen der Belegschaft zu vertreten. „Meist wird das persönliche Gespräch gesucht und das ist immer vertrauensvoll. Wir gehen auch in die Einrichtungen, um uns mit ganzen Teams zusammen zu setzen. Das ist aber organisatorisch – jeder hat seinen Dienstplan/Dienstablauf – nicht einfach.“

Die richtige Basis für den Erfolg legen

Zur abschließenden Frage nach den Erfordernissen eines unternehmerischen Handelns wird der Vorsitzende des Betriebsrates der Lebenshilfe München noch einmal deutlich: „In Deutschland hat noch nie ein Unternehmen aufgrund eines falschen Agierens des Betriebsrates eine Insolvenz hinnehmen müssen.“ Er lässt dabei offen, welche Ebene der Hierarchie dabei die Verantwortung trägt. Grundsätzlich ist Hanspeter Franz kein Freund von starren Hierarchien in Unternehmen. „Die beste Voraussetzung für Erfolg ist ein positives Miteinander, bei dem man aufeinander hört und sich gegenseitig fördert. Die KollegInnen vor Ort wissen am besten über die von ihnen betreuten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen und Ihren Arbeitsbereich Bescheid“.

Zur Lebenshilfe zählen

Die Lebenshilfe betreut Menschen von der Geburt weg bis ins hohe Seniorenalter hinein. Zu ihr gehören die Bereiche ‚Kinder und Jugend‘ mit der ‚Interdisziplinären Frühförderung‘ und den ‚HPT‘ (Heilpädagogische Tagesstätten), die ‚Offene Behindertenarbeit‘ (OBA) und die Wohneinrichtungen. In der Münchner Geschäftsstelle ist zudem noch eine eigene Beratung für Eltern und Angehörige etabliert. Teil der OBA ist der ‚Familienunterstützende Dienst‘ (FuD) und der Ambulante Pflegedienst. Ein junger, aber stark wachsender Zweig, ist die Betreuung von Senioren (TENE) und die Einrichtung von speziellen Wohngruppen für die besonderen Bedürfnisse ‚der Ruheständler‘ unter den Menschen mit geistiger Behinderung.

Der g’spinnerte Regentropfen

Die TENE in Putzbrunn – eine Tageseinrichtung für Erwachsene nach dem Erwerbsleben – der Lebenshilfe München, hat in einem Gemeinschaftsprojekt ein ganz besonderes Gedicht geschrieben. Es spricht von der Sehnsucht des Reisens, neuen Erfahrungen und Perspektiven. Begleitet hat das Projekt Eva-Maria Jais.
Sie ist Heilerziehungspflege-Helferin.

Wasser in seinem Element, hier frisch aus der Quelle in den Brunnen

Der g’spinnerte Regentropfen

Der Regentropfen soll am Fenster klopfen:
„Mach die Tür auf und die Türe wieder zu!“, flüsterte der Wind.
„Ich war einmal in der Tropfsteinhöhle“, erzählte der Tropfen stolz.
„Es war schön. Jetzt will ich in eine andere Tropfsteinhöhle.“
„Aber Handschuhe mitnehmen, da unten ist es kalt. Da herrschen Minusgrade“,
erklärt der Touristenführer.  Weiterlesen

Glückliche Hühner bei der Lebenshilfe in Putzbrunn

Mit Spannung wurde das seit Wochen angekündigte Projekt „Hühnerstall“ erwartet. Die Bewohner der Lebenshilfe-Wohnstätte wie auch die Teilnehmer in der TENE-Gruppe (Tageseinrichtung für Erwachsene nach dem Erwerbsleben) freuen sich über die neuen Bewohner auf dem Gelände. Ein großes Freilaufgelände wurde eingezäunt und ein richtiger Stall gebaut. Nun also war es so weit, das langersehnte Federvieh konnte einziehen.  Weiterlesen

Lebenshilfe München geht neue Wege

In unserer ersten Folge verfolgten wir den Weg der Lebenshilfe München
von den 60er-Jahren bis in die 80er-Jahre. Im zweiten Teil
standen die 90er-Jahre im Mittelpunkt und mit dem dritten Teil gehen wir
ins nächste Millennium, also bis in das Jahr 2016.

In 50 Jahren viel geleistet und erreicht

Mit Stolz blickte der Elternverein ‚Lebenshilfe-München‚ bei seinem 50jährigen Jubiläum im Jahr 2010 auf viel Geleistetes zurück. In der Jubiläumsschrift war darum zu lesen: „„Es gilt den Bestand zu erhalten, zu verbessern und krisensicher zu machen.“ Das war angesichts von 25 Einrichtungen in Stadt und Landkreis München eine große Aufgabe. Betreut wurden täglich bereits 1500 Kinder und Jugendliche und deren Familien. In der Beratung der Lebenshilfe München jährlich viele hundert Fälle und auch die Frühförderung ist viel in den Familien, in Krankenhäusern und in Kindergärten beratend und helfend tätig.

Verein organisiert sich mit zwei neuen Gesellschaften

Modernisierung und Ausbau der neuen Geschäftsstelle in München/ Giesing war eine große Aufgabe für den Verein. 1997 wurde sie eröffnet.

Die Fülle an Diensten und Aufgaben verlangte aber nach neuen Strukturen. Bereits ab 1997 beschäftigte sich ein eigenes Gremium damit. Zehn Jahre später, 2007 war es dann soweit. Man trennte das laufende Geschäft aus den 10 Wohnstätten organisatorisch vom Verein. Der Besitz an den bestehenden alten Stadthäusern, Wohnungen und der modernen Einrichtung in Putzbrunn verblieb natürlich zu 100 Prozent beim Verein der Lebenshilfe München e.V. Die laufenden Verträge, Einnahmen, Ausgaben und der laufende Betrieb aber wurde in die Hände der „Lebenshilfe München Wohnen gGmbH“ gelegt. Das kleine ‚g‘ bei der GmbH steht für ihre Gemeinnützigkeit.   Weiterlesen

Besuch bei den TENE-Senioren der Lebenshilfe

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Ein kurzer Besuch bei den TENE-Senioren in München-Putzbrunn. Es waren nicht alle zwölf Senioren anwesend, doch kamen noch einige Nachzügler und zwei waren im Krankenstand. Gemeinsam hatte man für zehn Personen gekocht. Es gab Rollbraten mit Gemüse und Kartoffelplätzchen. Renate Bauer leitet die TENE-Gruppe in Putzbrunn, die in die Räume der Wohn- und Betreuungseinrichtungen der Lebenshilfe München integriert ist. Wochentags werden von 8 bis 16 Uhr strukturierte Tagesangebote in Form einer aktiven Freizeitgestaltung geboten. Zentraler Fixpunkt ist das gemeinschaftliche Kochen. „Da sind wir mit der Vorbereitung und dem anschließenden Aufräumen drei Stunden intensiv beschäftigt,“ erzählt Renate Bauer. Und alle sind mit Begeisterung dabei, wie auf dem Foto zu sehen ist.

Lesen Sie auch unseren Bericht vom Januar 2016:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2016/01/21/lebenshilfe-muenchen-mit-tagesbetreuung-fuer-senioren/

Lebenshilfe München mit Tagesbetreuung für Senioren

2014 hat die Lebenshilfe München – als eine der ersten Lebenshilfen in Bayern – für Senioren eine Tagesbetreuung eingerichtet. TENE heißt das Kürzel in Fachkreisen und bedeutet ‚Tagesstruktur für Erwachsene nach dem Erwerbsleben‘. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, das in Senioreneinrichtungen längst gelebte Praxis ist. Bei Menschen mit Behinderung ist dieser Ansatz aber noch relativ jung, vor allem wenn sie bei den Eltern leben oder in kleinen Wohneinheiten betreut werden.

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Christian Kerler, Koordinator des Bereichs Wohnen bei der Lebenshilfe München erklärt: „Vor allem in kleinen Einheiten, wo personelle Ressourcen knapp sind, braucht es strukturelle Angebote für Senioren. Es geht dabei einfach um die Tatsache, dass Menschen mit Behinderung, die über Jahrzehnte z.B. in den Lebenshilfe-Werkstätten gearbeitet haben, nicht in ein mentales Loch fallen. Sie brauchen Ansprache, Beschäftigung und kleine leistbare Aufgaben. Das erhält die mentale und körperliche Gesundheit, beugt Demenz und Vereinsamung vor.“  Weiterlesen

Dem Leben mehr Glück spenden

Die Träger übernehmen nicht alle Kosten

Für uns alle sind 100 tägliche Kleinigkeiten und mehr selbstverständlich. Sie sind Teil unseres Lebens und unserer Persönlichkeit. Ob es dabei um die Karriere, die Familie oder ein lieb gewonnenes Hobby geht. In Wohnstätten, in denen Menschen eng zusammenleben, wie etwa bei der Lebenshilfe München, ist das anders.

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Natürlich gibt es auch hier Privatsphäre und einen geregelten Alltag. Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer, für das Wohlbefinden ist gut gesorgt, auch für Therapie und Förderung. Doch alles was über diesen Rahmen hinausgeht, übernimmt der Kostenträger nicht. Die Lebenshilfe München ist auf Spenden angewiesen, um ihren Menschen mit geistiger Behinderung ‚ein Mehr‘ an Lebensqualität zu ermöglichen.

Um auch Außenstehenden einen besseren Einblick zu geben, hat der Verein jetzt einen eigenen kleinen Folder für die Spendenprojekte 2015 aufgelegt. Die einzelnen Maßnahmen sind auch auf der Homepage der Lebenshilfe München unter ‚Spenden‘ zu finden.    Weiterlesen

Eine Tagesstruktur gibt Halt und Kraft im Leben

Auch bei Menschen mit geistiger Behinderung wächst die Zahl jener, die ein höheres Alter erreichen. Sie scheiden aus dem Berufsleben aus, viele aus den Lebenshilfe-Werkstätten, wo sie über Jahrzehnte einer geregelten Beschäftigung nachgingen. Diese für sie überaus wichtige berufliche und soziale Rehabilitation steht und stand unter dem Aspekt der Teilhabe von Menschen mit Behinderung in Arbeit und Gesellschaft. Was aber danach, wenn mit der Arbeit auch die Tagesstruktur wegfällt? Sie ist besonders für Menschen mit geistiger Behinderung eine entscheidende Hilfe, um den Alltag zu bewältigen. TENE heißt hier der Fachbegriff.

TENE: Tagesstruktur für Erwachsene nach dem Erwerbsleben

Die Lebenshilfe München hat darum ein neues Angebot geschaffen und bietet in Putzbrunn eine Tagesbetreuung für Erwachsene nach dem Erwerbsleben (TENE) an. Wochentags werden von acht bis 16 Uhr strukturierte Tagesangebote in Form einer aktiven Freizeitgestaltung geboten. Dazu zählen Ausflüge, Bastelnachmittage, gemeinsames Kochen, Entspannungstage mit autogenem Training ebenso wie Einkaufsfahrten, Haushaltstraining, Spielenachmittage, Singen, Tanzen, Lesen.   Weiterlesen

Neue Leitung in Putzbrunn

(gsp) In der Waldkolonie der Gemeinde Putzbrunn sind die neuesten und größten Wohnstätten der Lebenshilfe München zu finden. In zwei Gebäudekomplexen werden in sieben Gruppen 52 Menschen mit Behinderung betreut. Bis auf einige wenige Rentner sind alle berufstätig, gleich nebenan in der Lebenshilfe-Werkstatt oder im Förderzentrum. Ein Mitarbeiterstab von je 15 Betreuern in zwei Schichten, plus einer Nachtwache, sorgen sich um das Wohl der Bewohner. Seit 15. September ist Christine Wiesenthal-Moser die neue Einrichtungsleiterin.

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Christine Wiesenthal-Moser mit viel Optimismus bei der Arbeit / Foto: gsp

Mit Elan und viel Optimismus geht sie die neue Aufgabe an. Sie ist in München aufgewachsen und verheiratet. Zuletzt war sie Pflegedienstleiterin in einem ambulanten Dienst. „Es ist natürlich immer ‚das große Ganze‘, aber auch viele, viele ‚Kleinigkeiten‘, die erledigt werden wollen. Das heißt auch für mich immer wieder nachfragen, manches mal auch hinterfragen.“ Dabei freut sich Christine über die ‚offene Ohren‘ in der Geschäftsstelle der Lebenshilfe München. Der Teamgeist ist ausgeprägt, und das ist ihr auch in Putzbrunn ganz wichtig.   Weiterlesen