Lebenshilfe-Wettbewerb: Teilhabe statt Ausgrenzung

Der Mensch: immer ein Denkender, ein Träumender – nie ein Vollkommener

Mit einem Wettbewerb will die Lebenshilfe auf ein gesellschaftliches Thema aufmerksam machen, das uns meist im Stillen, ganz unauffällig begegnet. Es ist die oft unbewusste Ausgrenzung von Menschen, dem man nur mit einem Bewusst-Werden begegnen kann. Ausgrenzung begegnet uns fast täglich, von der Kindheit an in den ganz unterschiedlichsten Formen. „Was bedeuten ‚Teilhabe‘ und ‚Ausgrenzung‘ eigentlich konkret? Im Alltag und auf der Straße, in der Politik oder auf dem Amt, in der Wohngruppe, am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft? Was bedeutet „Teilhabe statt Ausgrenzung“ für Sie?“, fragt die Lebenshilfe.

Seit einem Jahr hat die Lebenshilfe „Teilhabe statt Ausgrenzung“ sogar als Slogen neben ihrem Logo stehen und erhebt es damit zu einem der wichtigsten Themen im Elternverein. Jetzt soll ein eigener Wettbewerb helfen des Thema zu vertiefen und von vielen Seiten zu beleuchten. „Sie haben jetzt die Gelegenheit, es doch mal ganz plastisch zu machen. Immer-schon-Kreative und solche, die es werden wollen, Menschen mit und ohne Behinderung, einzeln oder im Team, Engagierte in und außerhalb der Lebenshilfe: Machen Sie mit beim neuen großen Amateur-Wettbewerb der Lebenshilfe!“ wird im aktuellen Newsletter aufgefordert.

Gefragt sind diesmal selbst erstellte räumliche Objekte zum Thema „Teilhabe statt Ausgrenzung“ – Skulpturen oder Installationen, Abstraktes oder Figürliches: alles, was drei Dimensionen hat und mit Fantasie, Leidenschaft und Mut zum Ausdruck (und zum Nicht-Perfekten) gestaltet wird. Die Plastiken können vom 1. Februar bis zum 30. April 2018 eingereicht werden.

Weitere Infos unter:

www.lebenshilfe.de/GanzPlastisch

Advertisements

Den Menschen mit Plan und Ziel helfen

Immer mehr berufen wir uns in einer Gesellschaft, die sich in allen Bereichen spezialisiert, auf „Ganzheitlichkeit“ sobald es uns selbst, den Menschen betrifft. Es sind alle Bereiche der Persönlichkeit betroffen, die motorische, geistige, psychische und soziale Entwicklung sowie unser Umfeld und unsere Gesundheit. Darum geht es auch immer wieder bei der Inklusion und Förderung von Menschen mit geistiger Behinderung.

Ein Gesamtplan für den ganzen Menschen

Der Bezirk Oberbayern ist für die Lebenshilfen in seinem Regierungsbezirk der zuständige Kostenträger, so auch im Rahmen der Eingliederungshilfe. Er finanziert für Menschen mit Behinderungen ambulante, teilstationäre und/oder stationäre Hilfen. Er entscheidet letztlich, welche Leistungen in welcher Höhe und für was sie bezahlt werden oder nicht. Dabei greift nicht das „Prinzip Zufall“. Der Unterstützungsbedarf wird ganz genau im Detail erhoben. In einem ‚Gesamtplan‘ will man der individuellen Situation jedes einzelnen Menschen mit Behinderung gerecht werden. Und damit sind wir wieder bei der Ganzheitlichkeit des Menschen. Es soll möglichst jeder einzelne Aspekt berücksichtigt werden.

Vom Arztbericht bis zum Werkstattbogen

Das Verfahren zum Gesamtplan setzt sich darum aus mehreren Bereichen zusammen. Es sind der Arztbericht, der Sozialbericht und ergänzend dazu der Hilfeplan und drei Entwicklungsbögen – der HEB-A-Bogen (3 Monate nach Aufnahme), der HEB-B-Bogen (zur Kostenübernahmeverlängerung) und der HEB-C-Bogen (als Entlassungsbericht) sowie der Berichtsbogen aus der Werkstatt bzw. aus der Förderstätte.

Mit 34 Aktivitäten der Persönlichkeit auf der Spur

Mit dem Bewertungsbogen wird anhand von 34 Aktivitäten zu einer bestimmten Hilfebedarfsgruppe zugeordnet. Dazu zählen etwa: Umgang mit der Behinderung, Teilhabemöglichkeiten in der Arbeit und Freizeit, Selbstversorgung und Wohnen, Aufbau und Pflege von sozialen Beziehungen des Menschen mit geistiger Behinderung. Es gibt insgesamt 5 Hilfebedarfsgruppen. Darüber hinaus prüft der Bezirk Oberbayern die sonstigen sozialhilferechtlichen Voraussetzungen. – siehe Link.

Lebenshilfe in der Pflicht

Leistungserbringer wie die Lebenshilfe München müssen sich diesen Vorgaben – bei ihren zehn Wohneinrichtungen in Stadt und Landkreis München – stellen und darin sind die Geschäftsführung, das Qualitätsmanagement, die Leiter, die Fach- und Zweitkräfte der Einrichtungen und auch der Pädagogische Fachdienst involviert. Dies bedeutet einen zeitlichen Aufwand für jeden Bewohner und das wird zunächst nicht immer mit Begeisterung von den Bezugsbetreuern aufgenommen. „Dadurch fehlt uns Zeit für den persönlichen Umgang mit den Bewohnern“ ist häufig zu hören, denn es gilt, jährlich einen Bewertungsbogen (Erhebung des aktuellen Hilfebedarfs eines Menschen mit Behinderung), eine Förderplanung und rechtzeitig vor Ablauf der Kostenübernahme einen HEB-Bogen zu erstellen – je Bewohner, und zusätzlich zur Gruppen- und Betreuungsarbeit.

Schulungen helfen weiter

Die Fachkräfte werden durch Schulungen und bei der Erstellung von besonders schwierigen Bewertungsbögen, Förderplänen und HEB-Berichten vom Pädagogischen Fachdienst und EDV-Beauftragten unterstützt. „Der Mensch mit Behinderung ist in diesem Prozess der Hauptakteur. Seine Wünsche und Ressourcen sind Ausgangspunkt einer guten Planung von Unterstützungsleistungen angepasst an seinem individuellen Hilfebedarf“ erklärt Imke Krause.

Die Vorgaben des Bezirks werden ergänzt mit den besonderen Werten und Erfahrungen der Lebenshilfe München, die in den letzten mehr als 50 Jahren gesammelt wurden. Zusätzlich werden Besonderheiten der einzelnen Einrichtungen berücksichtigt, wie zum Beispiel beim Wohntraining. Ziel aller Bemühungen soll es sein, die Lebensqualität und die gesellschaftliche Teilhabe jedes Einzelnen zu steigern.

Gemeinsame Ziele finden

„Eine Zielvereinbarung mit Menschen mit geistiger Behinderung zu treffen, ist komplexer als mancher denken mag. Viele neigen nämlich dazu nur das zu sagen, was man gerne hören möchte, oder zumindest was sie glauben, dass wir hören wollen. Menschen mit geistiger Behinderung fällt es häufig schwer, eigene Wünsche deutlich zu machen, vor allem bei jenen, die nicht oder nur sehr wenig sprechen können. Darüber hinaus leben sie sehr stark im ‚Hier und im Jetzt‘ und können schwer abschätzen, welche Folgen ihre Entscheidungen in den nächsten Monaten oder Jahren mit sich bringt“ erklärt Esther Wolfram.

Lebensqualität und die gesellschaftliche Teilhabe

Eine gute Förderplanung hilft dem Menschen mit Behinderung bei der Umsetzung seiner Ziele. Entsprechend seinem Hilfebedarf werden unter Berücksichtigung seiner Ressourcen und Wünsche passgenaue Unterstützungsleistungen geplant und umgesetzt. Immer wieder wird zusammen mit dem Bewohner und in den Teams reflektiert, ob die Unterstützungsleistung noch zielführend ist oder neuen Unterstützungsbedarfen angepasst werden muss. Haben sich neue Ziele ergeben, die für den Menschen mit Behinderung wichtig sind? Der Förderplan als laufendes Arbeitsinstrument der Fachkräfte ist somit ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtplanverfahrens.

Link:

http://www.bezirk-oberbayern.de/Soziales/Erwachsene-mit-Behinderungen/Gesamtplanverfahren

Lebenshilfe München hilft bei Down-Syndrom

Am 21. März ist der Welt-Down-Syndrom-Tag 2017

Heute am Welt-Down-Syndrom-Tag, gilt das öffentliche Interesse Menschen, die nur selten in der Öffentlichkeit stehen. Integration scheint durch sehr frühe Hilfe und Förderung, praktisch schon von Geburt an, gelungen zu sein. Inklusion als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft vielleicht noch nicht ganz. Es ist wie mit allen Menschen, die nicht ganz so leistungsstark, nicht ganz so angepasst, nicht ganz so wirtschaftlich erfolgreich sein können. Beim Down-Syndrom ist es das dreifache Vorhandensein des 21. Chromosoms, das Menschen ‚anders macht‘, auch bekannt als Trisomie 21.

Auch im L.I.E.S. – Heft der Lebenshilfe München gibt es immer wieder redaktionelle Hilfen für Menschen mit Down-Syndrom.

In ihrem Anders-Sein aber bereichern Menschen mit Down-Syndrom unser Leben und unsere Gesellschaft. Sie erinnern uns in ihrer unkomplizierten Art und Offenheit häufig daran, was unser Menschsein und unser Leben wirklich ausmacht. Es ist nicht unsere Leistung, die beste Qualifikation, der Erfolg, Ruhm und Reichtum, am Besten alles zusammen. Es ist das Leben selbst, das zählt. Der tiefe Blick, das zaghafte Lächeln, die erfrischende Herzlichkeit, die unkomplizierte Begegnung von Mensch zu Mensch.

Und doch entscheiden sich neun von zehn Frauen bei der frühen Diagnose ‚Down-Syndrom‘, ihr Kind abzutreiben. Die Frage scheint darum berechtigt, ob behinderte Kinder mit Trisomie 21 einen Platz in unserer Gesellschaft haben, in einer profitorientierten Leistungsgesellschaft. Dem entgegen steht das Recht auf Teilhabe, auf Leben. Auch die Eltern selbst haben Ängste, stehen vor Fragen der Lebensplanung, der Zukunft. Und doch kennt die Lebenshilfe München viele Eltern, die um nichts in der Welt ihr Kind mit Down-Syndrom missen wollen. „Alles was wir an Zeit und Energie in die Förderung unseres Kindes investiert haben, haben wir voll und ganz von ihm zurück bekommen“, berichtete kürzlich eine Mutter.

Eltern, Geschwister, Freunde lernen die besondere Eigenart des Kindes früh schätzen, sie haben eine so fröhliche und offene Art. Bei ihnen muss man nicht immer funktionieren, man sieht und lernt von ihnen die einfachen und selbstverständlichen Dinge zu schätzen. Ein kostbares Gut in unserer Zeit. Es ist darum richtig, den Blick heute, am 21.03.2017, auf Menschen mit Down-Syndrom zu richten. Sie halten uns auf ihre ganz eigene Weise einen Spiegel vor. Wie gehen wir als Menschen und auch als Gesellschaft damit um? Die Lebenshilfe München steht Eltern bei ihren Fragen, oft auch bei ‚behördlichen Wegen‘, aktiv und beratend zur Seite.

Einen interessanten Beitrag
zum Thema finden Sie unter:

http://www.br.de/radio/bayern2/gesellschaft/tagesgespraech/welt-down-syndrom-tag-114.html

Kennen Sie Bobby?
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2015/11/16/ein-mensch-ohne-macke-ist-kacke

Wir fordern JETZT eine Teilhabe und Selbstbestimmung

Prot_samb_two Kopie

Politiker beziehen Stellung (von links): Franz Maget (SPD), MDL Eva Gottstein (Freie Wähler), MdL Kerstin Celina (Bündnis 90/ Die Grünen), MdL Joachim Unterländer (CSU), Stadtrat Oswald Utz und Nicole Lassal, Geschäftsführerin der LAG – Fotos: Gerd Spranger

Werden Menschen mit Behinderung diskriminiert?

Beim europaweiten Protesttag für die Rechte und Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ging es am 5. Mai um die gesellschaftliche Teilhabe – JETZT! Auch die Lebenshilfe München informierte wieder über das breite Spektrum ihrer Arbeit. Bei der Diskussionsrunde fand Oswald Utz, der Behindertenbeauftragte der Stadt München, deutliche Worte. „Im Kern will die Politik keine Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung. Es ist leichter die Menschen in Abhängigkeit zu halten. Auch mit dem neuen Bundesteilhabegesetz BTG (siehe Link unten) wird sich daran wohl nichts ändern.“   Weiterlesen

11. Mai: Hilfe für seelische Verletzungen und eine kranke Psyche

Vortrag am 11. Mai zum „Ambulant unterstützten Wohnen“

Innere Verletzungen wiegen oft schwerer wie äußere, leicht sichtbare. Treffen kann es dabei jeden. Wenn Menschen aus dem seelischen Gleichgewicht rutschen, ist es oft nur ein kleiner Schritt hin zu einer spürbaren Beeinträchtigung. Manche greifen zu Tabletten oder Drogen, andere ziehen sich einfach zurück oder leiden unter einer Depression. Die Teilhabe am öffentlichen und gesellschaftlichen Leben wird zusehends schwieriger, bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes.

seelbehi

Die Angehörigenberatung der Lebenshilfe München zeigt Betroffenen am 11. Mai in einem Fachvortrag jetzt mögliche Hilfen im Bereich des ‚Ambulant betreuten Wohnens‘. Die Bezirke gewähren nämlich ambulante Leistungen für psychisch kranke und suchtkranke Menschen, wenn sie aufgrund seelischer Störungen wesentlich in Ihrer Teilhabefähigkeit an der Gesellschaft beeinträchtigt sind. Gleiches gilt für Personen, die von seelischer Behinderung bedroht sind. Die Leistungen werden über die Eingliederungshilfe gewährt.   Weiterlesen

Protest am 5. Mai für mehr Teilhabe

teilhabe

Eigentlich protestiert man ja gegen etwas. Und das ist auch der Sinn des europaweiten Protesttages „Für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“. Der Protest richtet sich nämlich gegen eine mangelnde Umsetzung der politischen Versprechen. Grundlage dafür ist die bereits 2006 von der UNO verabschiedete und seit März 2009 in Deutschland anerkannte UN-Behindertenrechts-Konvention, als ein völkerrechtlich bindender Vertrag.   Weiterlesen

Der Gesetzgeber schützt die Rechte von Menschen mit Behinderung

Lebenshilfe München: viel auf den Weg gebracht
Neue Strukturen mit besseren Lebensbedingungen
Auch für Wohnstätten – Beispiel: Willinger Weg

Die Lebenshilfe München betreut im Stadtgebiet neun Wohngemeinschaften, die zum Teil als große Wohneinheiten direkt in Wohnblöcke integriert sind, zum Teil auch in freistehenden Wohnhäusern. Eines der Häuser ist am Willinger Weg, im Stadtteil Ramersdorf. „Mittendrin“, nur drei Seitenstraßen vom Innsbrucker Ring entfernt, und doch in idyllischer und ruhiger Stadtlage.

Ganz bewusst wurden die Standorte vor 30 Jahren zentral gewählt. Menschen mit Behinderung sollten nicht ‚weit ab, irgendwo‘ untergebracht sein. Sie sollten an der Gesellschaft teilhaben (Teilhabe). Inklusion wurde von der Lebenshilfe so schon früh vorweggenommen. Auch am Willinger Weg sind die öffentlichen Verkehrsmittel gut zu erreichen, selbst Ostpark und Michaelibad fußläufig.   Weiterlesen

Barbara Stamm: „Den Menschen eine Stimme geben“

Die Lebenshilfe München konnte die Präsidentin des Bayerischen Landtages, Barbara Stamm, für ein Interview gewinnen. Barbara Stamm ist zugleich Vorsitzende des Landesverbandes der Lebenshilfe Bayern und seit vielen Jahren persönliches Mitglied der Lebenshilfe München. Sie ist auch im Kuratorium der Lebenshilfe München vertreten und setzt sich seit Jahrzehnten für die Belange von Menschen mit Behinderung ein. Die Redaktion im Gespräch mit ihr über aktuelle Zeitfragen, Perspektiven und die Arbeit der Lebenshilfe.

.
Barbara_Stamm

Barbara Stamm
Präsidentin des Bayerischen Landtags

und

Vorsitzende des Lebenshilfe
Landesverbandes Bayern

.

Redaktion: Was hat Sie veranlasst, sich über Ihr politisches Amt hinaus so stark für die Lebenshilfe Bayern/für Menschen mit Behinderung zu engagieren?    Weiterlesen