Menschen mit Behinderung liegen ihr am Herzen

Mit 20 Jahren hatte Sarah Höhendinger ihre erste intensivere Begegnung mit einem Menschen mit geistiger Behinderung. Im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres (FSJ) in Rosenheim betreute sie ein Jahr lang ein junges Mädchen. Dabei hat sie ihre anfängliche Scheu schnell überwunden und sich sehr gut mit der ganzen Familie angefreundet. Heute, neun Jahre später, ist Sarah Höhendinger fest bei der Lebenshilfe München angestellt. (gsp)

Erst ein FSJ, dann ein Studium

Nach ihrem Studium der Sozialen Arbeit managt sie heute sowohl beim FUD (Familien-Unterstützender-Dienst) als auch bei der OBA (Offene Behindertenarbeit) Clubabende, Kurse, Ausflüge, bis hin zu Bewerbungs- und Beratungsgesprächen mit ehrenamtlichen Helfern, Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen. Eine vielseitige Aufgabe, die die 29-jährige Sozialpädagogin gerne und mit Elan angeht.

Verbindlichkeit ist etwas sehr Wichtiges

Sie war von Anfang an mit der Leitung eines Freizeit-Clubs betraut, der sich wöchentlich trifft, später kam noch ein Sport-Club dazu. „Ich merkte schnell, dass Verbindlichkeit ganz wichtig war. Nicht nur für uns Ehrenamtliche, sondern vor allem für die in der Gruppe betreuten Menschen. Für Sie ist das wöchentliche Treffen etwas ganz besonderes, denn für Menschen mit geistiger Behinderung ist es nicht immer einfach, Kontakte zu knüpfen, einen Freundeskreis aufzubauen.“

„Man merkt schnell die Leichtigkeit“

Ihr Engagement gilt den Menschen mit Behinderung. Sarah Höhendinger von der Lebenshilfe München

In dem Freizeitclub der OBA der Lebenshilfe München, den Sarah bis heute betreut, sind es 16 TeilnehmerInnen und acht ehrenamtliche BetreuerInnen, im Sportclub 12 TeilnehmerInnen und fünf ehrenamtliche BetreuerInnen. Sarah verstand es schnell, eigene Freunde für die Arbeit zu gewinnen. „Wenn man sich mal auf diese Arbeit einlässt, merkt man schnell die Leichtigkeit, die dahinter steckt. Wir machen ‚keine großen Sachen‘, sondern verbringen in erster Linie eine gute Zeit miteinander, verstehen uns, tauschen uns aus, unternehmen zusammen was.“
„Aktuell hat sich eine junge Frau unserem Sportclub angeschlossen,“ erzählt die Sozialpädagogin weiter. „Sie ist nur ein wenig eingeschränkt, doch in einer ’normalen‘ Sportgruppe, die in der Regel auf Leistung setzt, fand sie keinen Zugang. Heute freut sie sich bei uns zu sein. Ihr gefällt die gute und lockere Atmosphäre.“

Ausgezeichnet durch die Stadt München

Sarah Höhendinger hat über ihr Praxissemester während des Studiums und das anschließende ehrenamtliche Engagement zur Lebenshilfe München gefunden. 2015 wurde sie dafür sogar von der Stadt München ausgezeichnet. Sie hatte mehr als 300 Stunden im Jahr ehrenamtliche Hilfe geleistet. Sie hat viel gegeben, aber auch viel bekommen. „Dass ich heute wie selbstverständlich die Gruppen führen, Ausflüge organisieren und durchführen, Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen kann, ist in der langen Praxis begründet. Sie gibt neben dem Studium auch die nötige Sicherheit und das Gespür dafür.“

Ehrenamt mit Perspektive

Und das braucht sie auch, wenn Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Bedürfnissen zur Lebenshilfe München finden. „Beim FUD zum Beispiel fragen viele StudentInnen an, um stundenweise Kinder mit einer Behinderung zu betreuen und die Familien zu entlasten. Hier gibt es sogar eine Aufwandsentschädigung“, erzählt sie. Nachgefragt werde aber auch generell nach einer Betätigung im Ehrenamt, etwa wenn Menschen neu nach München übersiedeln. „Andere hingegen engagieren sich, um über ihre einseitige Berufstätigkeit hinaus etwas ‚Abwechslung und Farbe‘ im Alltag zu schaffen. Auch ist es immer ein sehr gutes Gefühl, etwas für andere tun zu können. Bei Menschen mit geistiger Behinderung ist das nicht schwer,“ weiß Sarah aus eigener Erfahrung.

Die richtigen Worte finden

Natürlich gilt es auch gemeinsam ‚kleine Krisen‘ zu meistern. „Menschen mit geistiger Behinderung können oft nicht gut in Worte fassen, was sie bedrückt. Sie fühlen es mehr und werden unruhig. Da helfen häufig schon ein paar Worte, ein ruhiges und klärendes Gespräch um Missstimmungen abzustellen.“

Mehr auf Menschen zugehen

Einen anderen Beruf kann Sarah sich heute nicht mehr vorstellen. „Ich bin genau in der Sparte angekommen, die mich erfüllt und Freude bereitet. Auch das Team hier, meine Kollegen und KollegInnen, stehen ganz hinter ihrem Job. Das merkt man und die Stimmung ist gut und inspirierend.“ Einen ganz persönlichen Wunsch hat Sarah noch beim Abschluss unseres Gespräches. „Geht mehr auf die Menschen zu, überwindet eure Scheu. Es wäre schön, wenn Menschen mit Behinderung einfach so in die Stadt fahren oder ein Kino, ein Theater in dem Wissen besuchen könnten, dass ihnen immer geholfen wird, ganz selbstverständlich.“

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