Unterstützung für den pädagogischen Fachdienst der Lebenshilfe

Die Lebenshilfe ist ein Inklusions-Treiber

Fünf Jahre wurde daran gearbeitet und seit 13 Jahren ist sie auch in Deutschland geltendes Recht, die UN-Behindertenrechtskonvention. Eines ihrer zentralen Anliegen ist die Inklusion, die Einbindung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen. Ein Prozess der auch heute, 20 Jahre später, nicht abgeschlossen ist und immer wieder neue Herausforderungen setzt. Ein Mitgestalter und Förderer dieser Entwicklung sind die Lebenshilfen in Deutschland, und auch in München wird dieser Prozess aktiv vorangetrieben. In speziellen Wohngruppen wird ein möglichst selbständiges Leben trainiert, in Wohngemeinschaften wird es komplex umgesetzt und auch in betreuten Einrichtungen, wie etwa am Willinger Weg, geht man neue Wege.

Damit der Prozess weitergeführt und parallel dazu immer auch das Feedback der Betroffenen maßgebend ist, hat sich ein Team aus Geschäftsführung, Bereichsleitern, Einrichtungsleitern und Vertretern der Bewohner gebildet. Hier gibt es mit Sabrina Kupka jetzt Verstärkung. Die Heilerziehungspflegerin mit abgeschlossenem Studium für „Management Sozialer Innovationen“, unterstützt jetzt als pädagogischer Fachdienst im Willinger Weg und in der St. Quirin-Straße. Sie ist seit Jugend auf mit dem Elternverein verbunden, hat in der Lebenshilfe Biberach ihre Ausbildung durchlaufen, wechselte dann aber zur Stiftung Pfennigparade, ein Sozialunternehmen für die aktive Rehabilitierung von Menschen mit Behinderungen. Dort leistete sie ein Praktikum, arbeitete als Werkstudentin und absolvierte ihr Studium. Danach blieb sie zwei Jahre als Wohnbereichsleitung bei der Pfennigparade.

„Die Dinge für Menschen mit Behinderung
hin zum Besseren zu bewegen“

Seit erstem Oktober ist sie wieder zur Lebenshilfe zurückgekehrt und freut sich neues Wissen und Erfahrungen einbringen zu können. Begleitend zu ihrer Arbeit studiert die 29jährige bereits wieder, möchte ihr Studium noch mit einem Masterabschluss krönen. „Letztlich geht es immer darum, die Dinge für Menschen mit Behinderung zum Besseren hin zu bewegen. Das ist einerseits ein gesellschaftlicher Prozess, beginnt aber immer mit dem direkten Lebensumfeld der Betroffenen und reicht hinein bis in den beruflichen und privaten Bereich.“

Vor allem München habe viel zu bieten. Es gibt viele Gruppen und Initiativen bürgerschaftlichen Engagements. Auch im Umfeld der Lebenshilfe-Wohneinrichtung am Willinger Weg und in der St.-Quirin-Straße. „Inklusion heißt Ressourcen zu nutzen, ob in der Nachbarschaft, bei Initiativen oder in Vereinen.“ Allerdings sind diese Möglichkeiten aufgrund der Corona-Beschränkungen stärker denn je eingeschränkt, selbst der Besuch der Lebenshilfe-Werkstätten ist für die Meisten seit vielen Monaten nicht mehr möglich, da für Wohneinrichtungen noch strengere Bedingungen gelten.

„Jeder Mensch hat seine ganz eigene Prägung“

Umso mehr ist die Arbeit in den Einrichtungen wichtig. „Und hier merkt man schnell, dass jeder Mensch seine eigene Prägung und Gemütslage hat und die wechselt täglich mehrfach“, erzählt Sabrina Kupka. „Man weiß darum nie wirklich, was einem am nächsten Tag in der Arbeit erwartet, aber das macht es auch spannend“ Hoffnung machen ihr aktuell die Impfungen innerhalb der Lebenshilfe-Einrichtungen. Das gäbe auch für den Besuch der Werkstatt wieder gute Perspektiven und ist für die Bewohner ein echter Hoffnungsschimmer. Insgesamt müsse man den Gruppen ein wirklich gutes Zeugnis ausstellen. „Sie ziehen all die Einschränkungen konsequent durch und beweisen viel Willensstärke. Mit Empathie und Einfühlung meistern wir dann auch schwierige Phasen“, ist sich die Heilerziehungspflegerin und Bachelor of Arts sicher.

Rollstuhltaxis ab sofort im Einsatz

– Aus dem Münchner Rathaus –

Für Rollstuhlfahrer gibt es ab sofort bessere Beförderungsmöglichkeiten mit Taxis. Bürgermeisterin Verena Dietl hat jetzt die ersten umgebauten Taxis der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dabei waren der Behindertenbeauftragte der Landeshauptstadt München, Oswald Utz, sowie der Sprecher des Facharbeitskreises „Freizeit und Bildung“ des Behindertenbeirats, Franz Göppel. Über die Verbesserung des Angebotes freut sich auch die Lebenshilfe München. Weiterlesen

Teilhabe ganz praktisch vermittelt

2020 greifen Neuerungen aus dem Bundes-Teilhabegesetz mit
bedeutsamen Änderungen in den Wohnstätten der Eingliederungshilfe

Die Bewohner-Vertreter der Lebenshilfe München informierten sich über die Neuerungen durch das Bundes-Teilhabegesetz. Aus allen Einrichtungen (München Land Süd, Stadt West und Stadt Mitte) trafen sich die Heimbeiräte und Bewohnersprecher in der Geschäftsstelle. Sie waren der Einladung von René Pfeifer gefolgt, der alle Bewohnervertreter der Wohnen GmbH über die anstehenden Änderungen ab dem 01. Januar 2020 informieren wollte.

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Der lange Weg hin zu einem selbständigen Leben

Lebenshilfe München fördert Menschen
mit geistiger Behinderung und mit psychischer Beeinträchtigung

(gsp) Ein Sturm der Entrüstung ergeht durch die Medien aufgrund eines so genannten ‚Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes‘, das in Bayern aktuell im Landtag behandelt wurde. Es zeigt, wie sensibel das Thema ist, wie groß die Gefahr einer Stigmatisierung und wie schwierig es ist, Menschen mit psychischer Erkrankung wieder ‚ins Leben zurück zu führen‘.

Bei der Begleitung von Menschen sind Schulungen ein wichtiger Teil um Wissen zu vermitteln und zu vertiefen. Foto: Gerd Spranger

Eine der Organisationen in Bayern, die sich dieser Aufgabe stellt, ist die Lebenshilfe München. In erster Linie werden von dem Elternverein zwar Menschen mit geistiger Behinderung gefördert, betreut und begleitet, doch seit einigen Jahren auch Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Dabei nimmt das eigene, selbstbestimmte Leben eine zentrale Rolle ein, und so ist vor allem das begleitete Wohnen ein zentraler Bestandteil der Hilfe. Ein Erfolgsmodell ist etwa die Wohngemeinschaft in der Landsberger Straße (siehe Link). Menschen mit geistiger Behinderung sowie Menschen mit psychischer Beeinträchtigung sollen verstärkt an ein selbständiges Leben und Wohnen herangeführt werden. Die Lebenshilfe München hat dazu ein eigenes Konzept erarbeitet.

Mutig sein und sich was zutrauen

Im Vorwort zu dem Konzept eines ‚Wohntrainings‘ heißt es: „Beim Wohnen geht es nicht so sehr um die technischen Fähigkeiten, sondern um die Motivation, das Zutrauen der eigenen Fähigkeiten. Es geht auch darum, mutiger zu werden, sich etwas zu trauen.“

Als Schlüsselkompetenz soll die Fähigkeiten zur Übernahme von mehr Eigenverantwortung vermittelt werden. Das bedeutet, die Selbständigkeit zu fördern. Wichtiges Merkmal von Lebensqualität ist die eigene Kontrolle der Menschen über die Belange ihres täglichen Lebens. Die notwendigen Fertigkeiten werden im Alltag erworben, mit individuellen Lernangeboten. Dazu braucht es natürlich Gelegenheiten, und die gibt es für die Bewohner des ambulant betreuten Wohnens in ausreichendem Maße. Gemäß ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten erledigen sie selber mit Anleitung durch die Mitarbeiter der Lebenshilfe die anfallenden täglichen Arbeiten im Rahmen des Zusammenlebens in der Wohnstätte.   Weiterlesen

Endlich selbstbestimmt leben

Viele persönliche Gespräche helfen. Recht im Bild: Petra Loncar

Den Wunsch nach Selbständigkeit kennt jeder von uns. Mit dem 16., spätestens mit dem 18. Lebensjahr wird er Wirklichkeit, zumindest für die meisten Menschen in Deutschland. Wunsch und Wirklichkeit treffen dann aufeinander, denn ganz allein und selbstbestimmt zu leben stellt hohe Anforderungen an die Finanzen mit der Schaffung eines geordneten Lebensumfeldes. Auch bei Menschen mit geistiger Behinderung ist dieser Wunsch ausgeprägt, doch es ist ein weiter Weg dorthin.

„Ein Gefühl für Geld bekommen“

Die Lebenshilfe München unterstützt, fördert und begleitet dabei die Menschen über viele Jahre. Aktuell etwa leben 20 Menschen mit geistiger Behinderung in zwei betreuten Wohneinrichtungen mit gezielter Anleitung zu mehr Selbständigkeit. Das beginnt beim Einkauf und reicht bis zu einem persönlichen Budget. Für 25 Euro in der Woche müssen sie etwa lernen „ein Gefühl für das Geld zu bekommen“, erklärt Petra Loncar, stellvertretende Leiterin des Wohntrainings. Alle Bewohner gehen übrigens einer beruflichen Tätigkeit nach, und sind auch hier gefordert.

Förderung und Schaffung von Kompetenzen

Es geht also vor allem um Förderung und die Schaffung von Kompetenzen. Nach Einschätzung von Petra Loncar werden es die Meisten in eine offene Wohngemeinschaft schaffen. Dort leben sie selbständig, sind aber nicht allein und auch nicht allein gelassen, denn wöchentlich ist ein Betreuer vor Ort und steht mit Rat und Tat zur Seite. „Ja, Wunsch und Wirklichkeit treffen dann auch bei Menschen mit geistiger Behinderung aufeinander. Viele unterschätzen es, ‚ganz allein zu sein‘ mit eigener Wohnung. Es ist dann nicht nur eine wirtschaftliche Herausforderung, sondern auch eine ganz persönliche.“

Das eigene Budget verwalten

Als ein weiterer Baustein auf den Weg hin zu mehr Selbständigkeit wird jetzt ein eigenes Seminar der Lebenshilfe München sein. Alle Bewohner der beiden Einrichtungen nehmen daran teil und es geht um das Verwalten des eigenen Budgets. „Das ist übrigens ein Punkt der alle gleichermaßen betrifft, denn nicht von ungefähr sind viele junge Menschen heute hoch verschuldet,“ bekräftigt Petra Loncar, „und damit stehen sie vor noch größeren Herausforderungen.“