Die richtigen Strukturen für eine optimale Betreuung schaffen

Vor 40 Jahren erwarb der damals junge Elternverein „Lebenshilfe München“ die ersten Häuser zur Bildung von Wohngruppen. Die jungen aktiven Eltern wollten ihren Kindern ein möglichst selbständiges Leben in einem guten Umfeld mit begleitender Betreuung bieten. Damit war die Lebenshilfe ihrer Zeit weit voraus, und seitdem ist viel passiert. Die Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München sind seit etwa zehn Jahren in eine eigene „Wohnen GmbH“ zusammengefasst und auch deren Strukturen haben sich inzwischen in mehrfacher Hinsicht geändert.

Das Anliegen aber ist das Gleiche geblieben, den Menschen mit geistiger Behinderung ein gutes Zuhause zu geben, sie zu fördern und zu unterstützen, wenngleich früher viel mehr das Beschützen, Bevormunden und Versorgen im Mittelpunkt stand. „Heute fordern wir von unseren Bewohner mehr Selbsttätigkeit, fördern verstärkter sowie gezielter und trauen ihnen damit auch mehr zu“, erklärt Paul Oberhofer, der die drei Wohngruppen der Lebenshilfe „München Stadt West“ leitet. Auch das ist Teil einer neueren, vor etwa fünf Jahren geschaffenen Struktur, mehrere Wohnstätten zusammen zu legen. Jetzt geht die Lebenshilfe München einen nächsten Schritt, indem sie mit der Einführung von ‚Gruppenleitungen‘ wieder mehr Verantwortung in die Einrichtungen selbst zurückgibt.   Weiterlesen

„Modernisierung ist ein dynamischer Prozess“

Bereichsleiter Wohnen René Pfeifer sieht viel Potential

René Pfeifer ist seit September 2017 verantwortlich für den Bereich Wohnen bei der Lebenshilfe München. Er betreut vier Einrichtungen (München West, München Mitte, München Süd und München Land). 220 Menschen mit Behinderung leben dort an 12 verschiedenen Standorten zusammen und werden von ca. 150 Mitarbeiter (Erziehern, Heilerziehungspflegern und Zweitkräften) betreut. Er will einerseits Strukturen flexibler, durchlässiger gestalten und anderseits auch in den Einrichtungen selbst klarere Verantwortlichkeiten schaffen. Das klingt gut, doch was meint der Magister der Pädagogik und Psychologie damit?

Besondere Lebens-Umstände in München

„Wir müssen in der Besetzung mit Fachpersonal die besonderen Umstände hier in München berücksichtigen. Es ist leider Realität, dass man mit einer Halbtagsstelle und selbst mit einer Beschäftigung auf 30-Stunden-Basis nur schwer sein Auskommen in der Metropole findet. Und das ist natürlich eine wichtige Voraussetzung für ein langfristiges berufliches Engagement bei der Lebenshilfe München, für eine gute fachliche und fördernde Begleitung von Menschen mit geistiger Behinderung.“

Flexibel über die Einrichtungen hinweg

René Pfeifer ist der neue Leiter für den Bereich Wohnen bei der Lebenshilfe München

Dabei sind die Zahl der Stellen und der Spielraum an zu leistenden Stunden im Betreuungs-Schlüssel eng gefasst. Dem Leistungserbringer – in dem Fall die Lebenshilfe München – bleibt so wenig Spielraum. Mit einer organisatorisch und stadtteilbezogen Zusammenlegung von Wohngruppen zu eigenen Organisations-Einheiten mit einer verantwortlichen Leitung für Mitte, West, Süd/Stadt und Süd/Land begann man bereits vor fünf Jahren. „So ist es jetzt möglich, dass eine Betreuerin/ ein Betreuer in mehreren Einrichtungen ein gewisses Kontingent an Stunden leistet, so dass er insgesamt flexibler einsetzbar ist. Er kann dann mehr Stunden im Rahmen der direkten Bewohner-Betreuung leisten“, erklärt René Pfeifer.  Weiterlesen