Endlich selbstbestimmt leben

Viele persönliche Gespräche helfen. Recht im Bild: Petra Loncar

Den Wunsch nach Selbständigkeit kennt jeder von uns. Mit dem 16., spätestens mit dem 18. Lebensjahr wird er Wirklichkeit, zumindest für die meisten Menschen in Deutschland. Wunsch und Wirklichkeit treffen dann aufeinander, denn ganz allein und selbstbestimmt zu leben stellt hohe Anforderungen an die Finanzen mit der Schaffung eines geordneten Lebensumfeldes. Auch bei Menschen mit geistiger Behinderung ist dieser Wunsch ausgeprägt, doch es ist ein weiter Weg dorthin.

„Ein Gefühl für Geld bekommen“

Die Lebenshilfe München unterstützt, fördert und begleitet dabei die Menschen über viele Jahre. Aktuell etwa leben 20 Menschen mit geistiger Behinderung in zwei betreuten Wohneinrichtungen mit gezielter Anleitung zu mehr Selbständigkeit. Das beginnt beim Einkauf und reicht bis zu einem persönlichen Budget. Für 25 Euro in der Woche müssen sie etwa lernen „ein Gefühl für das Geld zu bekommen“, erklärt Petra Loncar, stellvertretende Leiterin des Wohntrainings. Alle Bewohner gehen übrigens einer beruflichen Tätigkeit nach, und sind auch hier gefordert.

Förderung und Schaffung von Kompetenzen

Es geht also vor allem um Förderung und die Schaffung von Kompetenzen. Nach Einschätzung von Petra Loncar werden es die Meisten in eine offene Wohngemeinschaft schaffen. Dort leben sie selbständig, sind aber nicht allein und auch nicht allein gelassen, denn wöchentlich ist ein Betreuer vor Ort und steht mit Rat und Tat zur Seite. „Ja, Wunsch und Wirklichkeit treffen dann auch bei Menschen mit geistiger Behinderung aufeinander. Viele unterschätzen es, ‚ganz allein zu sein‘ mit eigener Wohnung. Es ist dann nicht nur eine wirtschaftliche Herausforderung, sondern auch eine ganz persönliche.“

Das eigene Budget verwalten

Als ein weiterer Baustein auf den Weg hin zu mehr Selbständigkeit wird jetzt ein eigenes Seminar der Lebenshilfe München sein. Alle Bewohner der beiden Einrichtungen nehmen daran teil und es geht um das Verwalten des eigenen Budgets. „Das ist übrigens ein Punkt der alle gleichermaßen betrifft, denn nicht von ungefähr sind viele junge Menschen heute hoch verschuldet,“ bekräftigt Petra Loncar, „und damit stehen sie vor noch größeren Herausforderungen.“

Ausbildung bei der Lebenshilfe München

Mit 370 fest angestellten Mitarbeitern und 500 ehrenamtlichen Kräften ist die Lebenshilfe München auch ein Arbeitgeber und ebenso ein Ausbildungsbetrieb. Jetzt haben sich fünf Auszubildende für den Beruf des Heilerziehungspflegers (HeP) der ‚Lebenshilfe Wohnen GmbH‘ und ihre Mentoren (siehe Bericht) zu einem ersten Schüler- und Auszubildendentag getroffen, um Erwartungen, Ziele und Perspektiven miteinander abzustimmen. Mit dabei war auch Bereichsleiter René Pfeifer. Für ihn ist eine gut strukturierte und fachlich hochwertige Ausbildung wichtig und ein entscheidender Zukunftsfaktor.

„Nur so, wenn wir den jungen Menschen eine berufliche Perspektive und ein gutes Umfeld bieten, werden wir dem Fachkräftemangel der nächsten Jahre begegnen können. Deswegen ist es Ziel und Aufgabe der Lebenshilfe Wohnen GmbH ein verlässlicher Partner für die SchülerInnen und Schulen zu sein.“   Weiterlesen

Menschen mit Behinderung auf das Leben vorbereiten

– Betreute Wohngruppen und ambulante Versorgung
– Die Lebenshilfe München hilft bei der Vorbereitung

Die zwischen 1978 und 1988 eröffneten Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München haben Menschen mit geistiger Behinderung bereits sehr früh ein weitgehend selbständiges Leben ermöglicht. Heute stehen sie vor einem grundlegenden Wandel. Sie sind nicht behindertengerecht und für eine engmaschige Betreuung sind sie mit sechs bis zwölf Bewohnern zu klein.

Peter Puhlmann, Geschäftsführer der Lebenshilfe München: „Das heißt in der Konsequenz, dass eine Wohngruppe aus 24 Personen bestehen muss, um rund um die Uhr einen Betreuer/eine Betreuerin stellen zu können. Darüber hinaus brauchen unsere Rentner eine fördernde Tagesstruktur. Diese Vorgaben stellt der Kostenträger, der Bezirk Oberbayern. Im Sinne der Inklusion wird die Selbständigkeit von Menschen mit Behinderung mit einer begleitenden ambulanten Betreuung gefördert. Ziel des ambulant unterstützten Wohnens – wie etwa in der Landsberger Straße – ist es, die Menschen in ihrer Lebensgestaltung dahingehend zu unterstützen, dass sie entsprechend ihrer individuellen Wünsche und Fähigkeiten so selbständig wie möglich in einer eigenen Wohnung leben können.“   Weiterlesen