Bilder sprechen mehr als Worte

Das große Fest der Lebenshilfe München zur Feier des 60-Jährigen Jubiläums und des neuen Wandbildes Permanus, war auch ein Fest der vielen Begegnungen. Hier einige Fotos und Stimmungsbilder. Zum Ansehen der Galerie auf eins der Fotos klicken. Fotos: Gerd Spranger

60 Jahre Lebenshilfe und ein besonderes Geschenk

Freude über 60 Jahre Lebenshilfe und über das Wandbild Permanus. Von links: der Künstler Martin Blumöhr, Geschäftsführer und Vorstand der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, und Münchens Alt-Oberbürgermeister Christian Ude. Fotos: Gerd Spranger – mehr in der Galerie.

Ein besonderes Geschenkt machte sich die Lebenhilfe München zu ihrem 60. Geburtstag, auch wenn eigentlich schon der 62. anstehend ist, denn 1960 gründete sich der Verein mit zwölf Eltern. So aber konnte ebenso die Einweihung eines großen Wandgemäldes, das eine ganze vierstöckige Häuserwand ziert, gefeiert werden. „Permamus“ wurde es getauft, was zu deutsch mit „von Hand zu Hand“ übersetzt werden kann. Und es wirkten viele Hände mit, insgesamt 60 Menschen mit und ohne Behinderung, alt und jung, aus der Lebenshilfe und aus der Nachbarschaft. Zu einem großen Gesamtkunstwerk fügte es der Maler Martin Blumöhr zusammen und sprach bei der Einweihung immer wieder von einer Regenbogenblume, die er als ein Zeichen von Diversität verstanden wissen will.

Für gute Stimmung sorgte die OBA-Band mit Georg Hohenester auf dem Fest.

Auf alle Fälle ist das Permanus-Kunstwerk ein Zeichen des Miteinanders und der Inklusion und hat in München bereits viel Beachtung gefunden. Für den langjährigen Oberbürgermeister von München, Christian Ude, sind Wandgemälde auch immer Identität stiftend und bringen Farbe in häufig viel zu graue Städte, bekräftigte er bei seiner Festansprache. Lebenshilfe Vorstand und Geschäftsführer, Peter Puhlmann, konnte nicht nur ihn als Festredner begrüßen, sondern viele Vertreter der Stadt, des Bezirks und prominente Vertreter der Lebenshilfe. Mit Verweis auf Christian Ude, einen Förderer des Elternvereins, auf Dr. Gertraud Burkert und Christine Strobl, beide Bürgermeisterin a.D. der Stadt München und lange Jahre im Kuratorium der Lebenshilfe München vertreten, animierte er auch die amtierende Sozial-Bürgermeisterin, Verena Dietl, für ein Engagement im Kuratorium der Lebenshilfe, dem „sie gerne zustimmte“.

Die Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe München, Andrea Siemen, und die Sozial-Bürgermeisterin von München, Verena Dietl, schätzen die Symbolkraft und Farbenfreude des hohen Wandbildes ‚Permanus‘.

In ihrer Ansprache machte sie deutlich, dass so ein Kunstwerk zur Lebenshilfe München passe. 60 Jahre lang sei der Elternverein mit seinen vielen Engagements immer ein Vorbild gewesen und sei es bis heute. „Dabei immer getragen vom ehrenamtlichen Engagement, immer in der Mitte der Stadt bei den Menschen, über die Tageseinrichtungen (HPT), den Wohneinrichtungen mit modernen Konzepten, der Sonderschule und den Werkstätten. Es ist ein maßgeblicher Verdienst der Lebenshilfen, dass es Menschen mit geistiger Behinderung heute besser geht,“ so Bürgermeisterin Verena Dietl. Besonders liege ihr dabei die Schaffung von integrativen Wohngemeinschaften am Herzen, „wo Studenten und Menschen mit Unterstützungsbedarf gemeinsam zusammen leben. Wir brauchen mehr davon“, so Dietl. Zum Schluss verwies die dritte Bürgermeisterin noch auf das Engagement der Stadt München im Rahmen der UN-Behindertenrechtskonvention hin. „Wir arbeiten aktuell bereits an unserem dritten Aktionsplan zur Verbesserung von Infrastruktur und Lebensumständen.“

Peter Puhlmann bedankt sich bei Tatjana Viaplana und Harry Zipf für ihr Engagement bei der Gestaltung der 60-Jahrfeier der Lebenshilfe München.

Die Aufsichtsratsvorsitzende der Lebenshilfe München, Andrea Siemen, stimmte dem zu und berichtete von Plänen zur Schaffung zweier neuer integrativer Wohngemeinschaften in München-Freiham und im Werksviertel. Das größte Projekt aber sei der Ausbau der Lebenshilfe-Wohneinrichtung in Putzbrunn mit einem neuen Gebäude und modernem Konzept. Sie erinnerte auch an die lange Geschichte des Elternvereins. „1960 waren es tatsächlich 12 Eltern, die den Verein gründeten. Im Blickpunkt dabei stand die Beratung, bis heute die Eltern- und Angehörigenberatung, denn es gab und gibt immer wieder rechtliche Fragen und Neuerungen zu Verordnungen, wie etwa zum neuen Pflegegesetz, zu klären. 1969 folgten die Heilpädagogischen Tagesstätten, 1972 die Lebenshilfe-Werkstätten, 1976 die interdisziplinäre Frühförderung, 1977 die OBA (Offene Behindertenarbeit), ab 1978 die Wohneinrichtungen. Stand in den ersten zwanzig Jahre die Entwicklung der Angebote im Vordergrund, so in den letzten 40 Jahren deren Erhalt, Ausbau und Weiterentwicklung. Aus dem Elternverein von einst ist heute eine moderne und leistungsfähige Organisation mit zwei GmbH geworden, ein großer Sozialverein mit mehr als 1000 Mitgliedern und 500 Beschäftigten.“

Ein „Großes Dankeschön“ gilt nicht nur allen Künstlern und Beteiligten, so Peter Puhlmann, sondern auch den Spendern, die eine Umsetzung des Wandgemäldes ermöglicht haben. Namentlich nannte er die C.H. Beck Stiftung, den Händler boesner, die Sparda-Bank, die Stadt München und den Bezirksausschuss 17 für Obergiesing und Fasangarten sowie einen einzelnen privaten Spender, der ebenfalls eine größere Summe beisteuerte.

Ein weiterer Bericht mit Stimmen zum Kunstwerk Permanus folgt.

Weitere Links zum Projekt Permanus:

https://www.tz.de/muenchen/stadt/neues-kunstprojekt-der-lebenshilfe-in-giesing-zr-90988555.html

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/kunstprojekt-permanus-es-strahlt-uns-an-1.5413331

https://www.kunstprojekt-permanus.de

Permanus: eine neue starke integrative Botschaft der Lebenshilfe München

Künstler, Prominenz und die Lebenshilfe freuen sich über das neue Wandgemälde „Permanus“, mit dem die Hausfront der Geschäftsstelle von Künstler Martin Blumöhr in einem integrativen Projekt mit 60 Künstlern geschaffen wurde (Bericht folgt). Unser Foto zeigt (v.l.): zwei mitwirkende Künstler des Wandgemäldes, Angela und Michi mit Markus Blumenöhr. Dr. Gertraud Burkert, Bürgermeisterin a.D. der Stadt München und bis heute langjähriges Mitglied des Kuratoriums der Lebenshilfe München. Vorstand, Geschäftsleitung und Aufsichtsrat der Lebenshilfe München mit René Pfeifer, Andrea Siemen, Peter Puhlmann und Altoberbürgermeister der Stadt München, Christian Ude. Er setzte sich allgemein für die Lebenshilfe ein und im Speziellen bei Charity- Veranstaltungen zu Gunsten der Lebenshilfe. In seiner Ansprache (Bericht folgt) ging er ausführlich auf die ganz allgemeine Bedeutung von Wandgemälden in großen Städten ein und im Besonderen auf das entstandene Lebenshilfe-Kunstwerk Permanus.

Direkt an der stark befahrenen Chiemgaustraße strahlt das neue Wandgemälde „Permanus“ der Lebenshilfe München vorbeifahrende und vorbeigehende Menschen an. „Fast 20 Meter hoch ist das Kunstwerk an der Fassade der Lebenshilfe München. Das Außergewöhnliche an dem haushohen Wimmelbild ist, dass es nicht nur von einem Künstler stammt, sondern von Dutzenden: 60 Menschen haben daran fast drei Monate lang gearbeitet,“ schreibt die Süddeutsche Zeitung in einem Vorbericht. – Fotos: Gerd Spranger

Wandel im Vorstand des Lebenshilfe München e.V. Stadt und Landkreis

Im Vorstand der Lebenshilfe München e.V., Stadt und Landkreis, gibt es einen Wandel. René Pfeifer wird hauptamtlich in den Vorstand des Lebenshilfe München e.V. Stadt und Landkreis berufen und übernimmt die Geschäftsbereiche der Lebenshilfe München „Wohnen GmbH“ und Lebenshilfe München „Kinder und Jugend GmbH“.

Andrea Siemen, Vorsitzende des Aufsichtsrates, mit den beiden Vorständen René Pfeifer (mi.) und Peter Puhlmann (re.)

Seit September 2017 ist der 41-jährige graduierte Magister Artium der Pädagogik und Psychologie bereits verantwortlicher Bereichsleiter der Wohnangebote und tagesstrukturierenden Einrichtung für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung innerhalb der Lebenshilfe München. 220 Klienten an 12 Standorten im Großraum München wurden und werden unter seiner Zuständigkeit von ca. 150 Mitarbeitern betreut. Als Bereichsleiter Wohnen ist es ihm gelungen, Wohnstrukturen flexibler und durchlässiger im Sinne der individuellen Bedürfnisse zu gestalten und in den Einrichtungen klarere Verantwortlichkeiten zu schaffen. Nun wird er als Lebenshilfe-Vorstand auch für die „Kinder und Jugend GmbH“ Verantwortung übernehmen und für weitere Innovation stehen. Sie umfasst vor allem die Bereiche Interdisziplinäre Frühförderung, Heilpädagogische Tagesstätten und Förderschule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung.“

René Pfeifer ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Der Vorstand Emanuel Gaenslen verlässt die Lebenshilfe München, um neue berufliche Ziele zu verfolgen. Er hat deshalb im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat seine Ämter und Aufgaben als Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München niedergelegt. Wir bedauern dies sehr, danken ihm für seine sehr erfolgreiche Tätigkeit und wünschen ihm für seine berufliche und private Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Der Vorstand des Lebenshilfe München e.V. Stadt und Landkreis besteht somit ab sofort aus zwei vom Aufsichtsrat berufenen Mitgliedern. Dem bisherigen und sehr bewährten Vorstand Peter Puhlmann sowie dem neu berufenen Vorstand René Pfeifer.

Irene Prestele in den Ruhestand verabschiedet

Als Leiterin der Silvia-Görres-Schule hat Irene Prestele die Entwicklung des von der Lebenshilfe München betriebenen Förderzentrums für geistige Entwicklung entscheidend mitgeprägt. Sie wechselte jetzt als Beamtin des bayerischen Schuldienstes in den wohlverdienten Ruhestand. Lebenshilfe-Vorstand und Geschäftsführer Peter Puhlmann bedankte sich für ihren bisweilen aufopferungsvollen und liebevollen Einsatz.

Im großen Garten der Silvia-Görres Schule verabschieden die Vorstände und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann (l.) und René Pfeifer, die in den Ruhestand wechselnde Schulleiterin Irene Prestele. Foto: Lebenshilfe

„Ihr pädagogische Ansatz war immer geprägt von einer ganzheitlichen Perspektive des individuellen Schülers und dessen Elternhauses. Betreut werden in der Silvia-Görres-Schule (SGS) 42 schwerst-mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche, beginnend von der Vorschule bis hin zum Ende der Berufsschulzeit. Irene Prestele prägte die SGS nachhaltig und wir wünschen ihr alles Gute für den nun verdienten goldenen Lebensabschnitt.“

Förderung von Selbständigkeit und lebenspraktischen Fertigkeiten

Ebenso bescheinigte die Dipl. Pflegemanagerin (FH) Esther Wagner, als Bereichsleiterin Heilpädagogische Tagesstätten, SVEs und Schule, der scheidenden Schulleiterin Irene Prestele „ihr besonderes Gespür für die individuellen Bedürfnisse und die Problemlagen der schwerst-mehrfachbehinderten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Irene Prestele setzte neben der schulischen Förderung ihren Schwerpunkt im Bereich der Bewegung. Dazu zählten der Schwimmunterricht für die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen genauso wie der Bereich Bewegungserziehung. Schulische Zielsetzung war die Förderung von Selbständigkeit und lebenspraktischen Fertigkeiten und das Erlernen von adäquaten sozialen Verhaltensweisen, orientiert an den individuellen Möglichkeiten der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen.“

Menschen mit sehr hohem Förderbedarf

Aktuell werden in sechs Klassen jeweils sieben Schüler*innen gefördert. „Vor vielen Jahren startete die Schule mit drei SVE-Gruppen (Gruppen mit Vorschulkindern) und drei Klassen für Schulkinder. Im Laufe der Zeit verschwanden die SVE Gruppen zu Gunsten der Schulklassen. Bis vor zwei Jahren gab es dann nur noch sechs Klassen mit je sieben Schüler*innen. Vor zwei Jahren etablierten wir dann wieder zwei SVE Gruppen und vier Klassen mit Schüler*innen. Dies Konstellation hat bis heute Bestand. In der Silvia-Görres Schule sind bis heute ausschließlich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Schwerstmehrfach-Behinderung und sehr hohem Förderbedarf“, erläutert Lebenshilfe-Bereichsleiterin Esther Wagner.

Das Alter der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegt zwischen 3 Jahren und 21 Jahren. Ein Kind durchläuft in der SGS in aller Regel die Grundschulstufe 4 Jahre, die Mittelschulstufe 6 Jahre und die Berufsschulstufe zwei Jahre.

Im September stellen wir die neue Leiterin der Silvia-Görres Schule vor. Lesen Sie auch unseren Bericht aus dem Archiv, der einen kleinen Einblick in das Leben der Einrichtung vermittelt:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2013/03/22/wenn-das-leben-gelernt-werden-muss/

UN-Behinderten-Rechtskonvention: München zieht Bilanz

Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, mit der dritten Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, Verena Dietl. Copyright: Michael Nagy / Presseamt München

Die Stadt München hat 2013 ein ganzes Maßnahmenpaket zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) beschlossen. 2019 wurden die Aktionspläne nochmals deutlich erweitert. Insgesamt sind bereits 47 der 81 Projekte und Maßnahmen erfolgreich umgesetzt, davon 80 Prozent aus dem ersten Aktionsplan. Die Lebenshilfe München gestaltete diesen Prozess mit.

Jetzt zog das Sozialreferat München eine Bilanz. Bürgermeisterin Verena Dietl bekräftigt: „Um die Rechte und Freiheiten von Menschen mit Behinderungen zu sichern, arbeiten Stadtverwaltung, Behindertenbeirat und der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte Hand in Hand. Wir haben bereits große Fortschritte erzielt. In Zukunft wollen wir noch weiter an diesem wichtigen Thema arbeiten und deshalb bis spätestens 2025 einen dritten Aktionsplan auflegen.“

Die beschlossenen Maßnahmen umfassen sehr unterschiedliche Handlungsfelder und betreffen beispielsweise Bildung, Arbeitswelt, Mobilität, Wohnen und Gewaltschutz. Auch neben den Projekten dieser beiden Aktionspläne entfalten die städtischen Referate viele Aktivitäten, um Barrierefreiheit und Inklusion zu forcieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Mädchen und Frauen mit Behinderung. Sie sind besonders von Diskriminierung und Übergriffen bedroht. Anfang 2021 wurden deswegen Beratungsstellen, Selbstbehauptungsangebote und Treffpunkte eingerichtet, um den Schutz zu verstärken. Der Stadtrat stellt dafür rund 430.000 Euro jährlich bereit.

Gegen jede Gewalt

Die Lebenshilfe München etwa hat sich früh im Bereich der Gewaltprävention eingebracht. Vorstand und Geschäftsführer Peter Puhlmann hat die ‚Selbstverpflichtung Gewaltprävention‘ zusammen mit Verena Dietl, 3. Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, am 24. Juni im alten Rathaus unterzeichnet. Peter Puhlmann bekräftigt, dass „die Selbstverpflichtung zur Gewaltprävention in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen im absoluten Sinne der Lebenshilfe München ist. Sie wurde gemeinsam mit der Landeshauptstadt München und Partnerorganisationen entwickelt und vorangetrieben. Wir sind stolz aktiv den Prozess mitgestaltet und unsere Expertise wertbringend eingebracht zu haben,“ bekräftigt er.

Auch bei anderen Bereichen war man beteiligt, etwa bei der Erstellung von Wahlunterlagen in leichter Sprache. „Ein besonderes Anliegen war uns ebenso eine unkomplizierte Beförderung von Menschen mit Behinderung in München, um so auch eine gesellschaftliche Teilhabe sicher zu stellen,“ führt Harry Zipf, Bereichsleiter der Offenen Dienste der Lebenshilfe München aus. Dafür bezuschusst die Landeshauptstadt jetzt mit 100.000 Euro jährlich den Umbau von Großraumtaxis zu Rollstuhltaxis. Die Maßnahme ist zunächst auf die Jahre 2020 bis 2022 beschränkt.

Gynäkologische Versorgungsstrukturen

Einen Durchbruch erreichte man in gemeinsamer Anstrengung ebenso bei der gynäkologische Versorgungsstrukturen für mobiliätsbehinderte Frauen. Das Gesundheitsreferat (GSR) der Stadt München setzte sich für die Schaffung einer Spezialpraxis ein. Ein erster Ansatz zwischen dem Städtischen Klinikum Schwabing und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) scheiterte. Die Stadt konnte jetzt aber mit der KVB eine Lösung herbeiführen. In der Bayerstraße, in Räumlichkeiten des GSR, sollen Sprechstunden „im Rahmen einer Bestellpraxis“ einmal wöchentlich angeboten werden. Dafür werden aktuell Toiletten und Praxisräume modernisiert. Nach Fertigstellung der Räumlichkeiten wird der Ambulante Pflegedienst der Lebenshilfe München mit Pflegepersonal die Sprechstunden unterstützen.

Die Sozialreferentin der Stadt München, Dorothee Schiwy, bekräftigt das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Partizipation wie alle anderen. „Inklusion und der Abbau jeglicher Barrieren bleibt eine Aufgabe, der sich das Sozialreferat in besonderem Maß verpflichtet fühlt.“ Weiter heißt es in der Bilanz der Stadt München zur UN-Behindertenrechtskonvention:

Psychiatrische Beschwerdestellen

„Menschen mit einer psychischen Erkrankung bzw. Beeinträchtigung erleben oft Situationen, in denen sie sich in ihren Grundrechten eingeschränkt und nicht ausreichend verstanden sehen. Vor diesem Hintergrund haben der Verein Münchner Psychiatrie-Erfahrene e.V. (MüPE), die Aktionsgemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker (ApK) und das Netzwerk Psychiatrie München e.V. zwei psychiatrische Beschwerdestellen gegründet, die ihr Beratungs- und Unterstützungsangebot unbürokratisch und niederschwellig durch Peers gestalten. Um diese unabhängigen, ehrenamtlich arbeitenden Beschwerdestellen zu stärken, werden drei geringfügig beschäftigte Verwaltungskräfte sowie eine juristische Fachberatung bezuschusst. Die Kosten liegen bei 37.000 Euro jährlich.

Den Link zum Artikel finden Sie hier:
https://ru.muenchen.de/2021/142/UN-Behindertenrechtskonvention-Bilanz-der-Muenchner-Massnahmen-97186

Frühförderung weiter sehr gefragt

Lebenshilfe München eröffnet eigene Stelle
für „Interdisziplinäre Frühförderung“ in Riem

Der Bedarf nach Frühförderung, von den Neugeborenen bis hin zum 7. Lebensjahr, steigt im Coronajahr 2021 spürbar. Ganz allgemein, aber besonders hoch, ist die Nachfrage im Osten von München aus der Messestadt Riem bei der Lebenshilfe München. Sie ist neben Freiham der jüngste Stadtteil der Landeshauptstadt. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Elternverein, die Kinder- und Jugend GmbH der Lebenshilfe München nur wenige Kilometer entfernt in Feldkirchen seit vier Jahrzehnten eine interdisziplinäre Frühförderstelle betreibt. Hier erhalten Familien mit entwicklungsauffälligen und/oder behinderten Kindern ein individuell abgestimmtes Förderangebot. Die Familien und ihre Kleinen werden beratend, therapeutisch und pädagogisch betreut und begleitet.

Man reagierte bei der Lebenshilfe München bereits früh auf den Nachfragedruck. Seit drei Jahren engagiert man sich in der Messestadt, um eine eigene Frühförderung zu installieren und steht kurz vor der Eröffnung. Inzwischen erweiterte die Lebenshilfe in Feldkirchen ihr Angebot um ein drittes interdisziplinäres Team unter der Leitung von Janine Schöppen, die von Angelika Schrauth eng unterstützt wird. Die Gesamtleitung der Frühförderstellen, von denen die Lebenshilfe in Stadt und Landkreis fünf betreibt, obliegt der Pädagogin Sabine Wolf.

Förderung durch die Aktion Mensch

Gerade mal 22 Jahre jung ist die Messestadt München Riem. Aus dem Gelände des alten Münchner Airports wurde ein moderner Wohn- und Geschäftsbezirk rund um das ausgedehnte Gelände der Messe München.

Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, freut sich über eine Förderung durch die ‚Aktion Mensch‘ und bekräftigt: „Es ist uns gelungen, aufgrund einer nicht unerheblichen Förderung durch die Aktion Mensch, dieses Projekt der Interdisziplinären Frühförderung in der Messestadt München-Riem zu verwirklichen. Dennoch verbleibt ein sehr hoher Investitionsbeitrag bei der Lebenshilfe München, so dass wir auf jede weitere Spende angewiesen sind.“

Die angemieteten Räume in der Messestadt Riem sind bereits weitgehend ausgebaut und eingerichtet. 217 Quadratmeter stehen für Therapieräume, Bewegungsraum, Verwaltung, Leitung, Wartebereich, Teeküche, zwei Bürozimmer und fünf Stellplätze in der Tiefgarage zur Verfügung. Wichtig ist für die Einrichtung der Interdisziplinären Frühförderung der Lebenshilfe München ebenso ein eigener großer Kellerraum.

Einzelförderung oder Kleinstgruppen

„Dort können wir therapeutische Materialien auch als Leihgabe für die Eltern einlagern“, bekräftigt Sabine Wolf und erläutert: „Wir brauchen verschiedenste Spielmaterialien für unsere mobilen Einsätze. Damit die Eltern zuhause mit den Kindern über die Woche spielen und üben können, werden auch Materialien leihweise überlassen.“ Es ist geplant, etwa 70 Kinder in der Frühförderung Riem aufzunehmen. Dort erhalten die Kinder Einzelförderung oder Förderung in Kleinstgruppen von je 3 bis 6 Kindern. Je nach Bedarf erhalten die Kinder ein- bis zweimal wöchentlich Förderstunden.

Mangel an sozialen Lernsituationen

„Die Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen durch die Pandemie haben die Eltern mehrfach getroffen,“ erzählt Sabine Wolf. „Zum einen mussten sie selbst zuhause bleiben, die Eltern ihre Kontakte minimieren und auch die Geschwisterkinder sind über Monate hinweg nicht in den Kindergarten oder in die Schule gegangen. Das Risiko bei kleinen, anfälligen Kindern war und ist bei einer Infektion einfach hoch. Auch wir haben anfangs nur eingeschränkt arbeiten können und setzen bis heute aufwendige Hygienemaßnahmen um. Viele Kinder konnten über lange Zeit nicht in den Kindergarten gehen und so fehlten über die Monate viele soziale Lernsituationen.

Noch ist die Lebenshilfe bei der Ausgestaltung der neuen interdisziplinären Frühförderstelle in München Riem gefordert. Spenden für Therapieräume und für diagnostisches Material werden weiter benötigt. Spenden mit dem Vermerk „Verwendungszweck: Erstausstattung IFF-Messe“ sind herzlich willkommen. Das Spendenkonto finden Sie unter:

https://www.lebenshilfe-muenchen.de/ihre-hilfe-zaehlt-mitglieder-und-spenderservice/

Lebenshilfe-Wohnen: das Konzept dem Leben anpassen

Putzbrunn III: versatil (wandlungs-, anpassungsfähig),
um Diversität (Unterschiedlichkeit) unter einem Dach
zu ermöglichen.

In der ersten Folge hat Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, das pädagogische Konzept und Hintergründe zur geplanten neuen Wohneinrichtung der Lebenshilfe vorgestellt. Heute erläutert er die Zusammenhänge und baulichen Maßnahmen.

Putzbrunn III wird der Wohnort für Menschen mit Beeinträchtigungen unter dem Dach der Lebenshilfe München am Lebenshilfe Campus Putzbrunn sein, an welchem, durch die bauliche Konzeption, auf die verschiedenen Bedarfe in verschiedenen Lebensphasen fachlich reagiert werden kann. Eingesetzte digitale Assistenzsysteme werden in erster Linie den Mieter*innen das Leben erleichtern und mehr Sicherheit im sozialen aber auch technischen Sinne geben. Gleichzeitig fördern und unterstützen sie die Kommunikation mit Angehörigen, Dienstleistern und Freunden.

Wohnen den bestehenden Erfordernissen und Bedarfen anpassen

Vor einem Jahr hat die Lebenshilfe am Willinger Weg eine neue Wohneinrichtung mit einem modernen Konzept eröffnet, die in München viel Beachtung fand. Foto: Gerd Spranger

Diese Ausgestaltung der Immobilie soll es ermöglichen, dass die Mieter*innen, unabhängig von Unterstützungsbedarf und Alter, bedarfsgerecht und mit hoher Qualität leben und wohnen können. Um dieses Ziel zu erreichen, muss eine fachliche Durchlässigkeit innerhalb des Hauses erreicht werden. Das bedeutet, die Anzahl und Ausprägung von ausschließlich individual genutzten Appartements wird derart versatil sein, mehrere Appartements zu einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft mit zugehörigen Gemeinschaftsflächen zusammenzulegen bis dahin, dass diese Wohngemeinschaften auch als gemeinschaftliches Wohnen mit gepoolten Fachleistungen zusammengefasst und ausgelegt werden können – ganz nach den bestehenden Erfordernissen und Bedarfen. Der Pflegebereich im 1. OG könnte somit theoretisch auch über die darüberlegenden Stockwerke ausgedehnt werden, wenn dies in den nächsten Jahrzehnten notwendig werden sollte.

Das Wohnen ist ein Lebensmittelpunkt

Der Lebensbereich Wohnen stellt für viele Menschen mit Behinderung den Lebensmittelpunkt dar, der dem Erfüllen wichtiger Bedürfnisse dient. Es geht nicht nur darum, räumliche und materielle Standards herzustellen, die an die Wohnsituation von Menschen ohne Behinderung angepasst sind, sondern besonders wird im Fokus stehen, den Vorstellungen dieser, uns anvertrauter Menschen gerecht zu werden. Das Wohnkonzept sieht vor, dass jede*r dort lebende Mieter*in, unabhängig von Alter und Unterstützungsbedarf, Inklusion leben kann. Durch die Konzeption und die fachliche Ausrichtung des Assistenzkonzeptes kann jede*r Mieter*in auf die inklusionsfördernden Strukturen der Immobilie zugreifen.

Selbständiges Wohnen bis ins hohe Alter

Durch die mannigfaltige Charakteristik der insgesamt vier Etagen und somit einer hohen Versatilität der gesamten Immobilie ist es möglich, auf die verschiedenen Bedarfe adäquat zu reagieren. In Verbindung mit dem Erdgeschoss und der dort ansässigen Tagesstruktur und den Räumlichkeiten der Physiotherapie können maximale Synergieeffekte auch im Hinblick auf Inklusion erwirkt werden. Insgesamt ist ein durchlässiges Gesamtkonzept des selbständigen Wohnens bis ins hohe Alter umsetzbar.

Teilhabe und Freizeitstruktur

Das Zusammenleben und das Entwickeln gemeinsamer Interessen wirken sich auch auf die Freizeitgestaltung der Gemeinschaft aus. Gemeinsam geplante Ausflüge, Besuche von Veranstaltungen und Projekte verschaffen eine Identität, welche ebenfalls nachhaltige Teilhabe ermöglicht. Insgesamt sollen 55 Menschen einen bedürfnisgerechten und nachhaltigen Wohnort in Putzbrunn III finden. Dabei sind alle gesetzlichen Anforderungen an die bauliche Struktur eines solchen Hauses erfüllt. Alle Zimmer und Wohnungen werden barrierefrei errichtet. Darüber hinaus werden 50 Prozent davon die Anforderungen an rollstuhlgerechtes Wohnen nach DIN – 18040 erfüllen.

Das Erdgeschoss:
Tagesbetreuung und Tagesstruktur

Hier werden Räumlichkeiten für Tagesbetreuung und Tagestruktur (wie Zuverdienst / Förderstätte) sowie für Gemeinschaft und Begegnung geschaffen. Dabei sollen alle Mieter*innen des Hauses (vorwiegend der beiden oberen Geschosse) die Möglichkeit haben ihren Tag zu verbringen, sofern sie nicht oder nicht mehr einer Arbeit oder Beschäftigung außerhalb des Gebäudes nachgehen. Dieses Angebot kann selbstverständlich auch für Menschen mit Behinderung „außerhalb der Lebenshilfe“ genutzt werden.

Eine Praxis für Physiotherapie

Als zweite wichtige Säule entstehen im Erdgeschoß Räumlichkeiten für eine Physiotherapiepraxis. Die Leistungen der Physiotherapie sind für die angestrebte Mieterschaft des Hauses mitunter von großer Bedeutung. Den Mieter*innen ist es so möglich, auf kurzem Weg diese Leistungen abzurufen. Die Physiotherapiepraxis wird ein wichtiger Inklusionsfaktor im Rahmen des gesamten Projektes. Diese Praxis soll auch für Bürger*innen aus Putzbrunn und Umgebung zugänglich sein.

Das erste Obergeschoss
20 Zimmer für Senioren

Dort entstehen 20 Zimmer für Senioren, die bereits einen höheren Unterstützungsbedarf haben. Dieser Bedarf kann sowohl pflegerischer, als auch teilhabebedingter Natur sein. In den Räumlichkeiten des ersten Obergeschosses wird es eine ‚Rund-um-die-Uhr-Betreuung‘ durch pflegerische und auch pädagogische Fachkräfte geben. Alle gesetzlichen Auflagen und Anforderungen an „stationäre“ Einrichtungen nach Pflegewohnqualitätsgesetz werden erfüllt. In den Räumlichkeiten des ersten Obergeschosses soll auch eine Begleitung in der letzten Lebensphase möglich sein.

Zweites und drittes Obergeschoss:
35 Einzelappartements und 13 Wohnungen

In diesen beiden Etagen entstehen zunächst insgesamt 35 Einzelappartements: Im zweiten 22 und im dritten Obergeschoss 13 Wohnungen. Alle Appartements werden mit einem Bad und einer Küche ausgestattet. Somit ist es den Mietern einerseits möglich, selbständig und losgelöst von Gruppenstrukturen ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu führen, andererseits können die Mieter auf die Assistenzdienste der Lebenshilfe zurückgreifen, um eventuelle Unterstützungsbedarfe zu kompensieren. Die im Gedanken der Versalität zu schaffenden weiteren Gemeinschaftsflächen ermöglichen die Bildung von ambulanten Wohngemeinschaften, sowie gemeinschaftlichem Wohnen in den unterschiedlichsten Facetten.

Offene Wohnformen einer neuen Häuslichkeit

Die neuen Wohn- und Bereuungsformen nach dem BTHG (Bundesteilhabegesetz) gewinnen an Dynamik und erlauben neue Entwicklungen, wie wir sie bisher noch nicht kannten. Putzbrunn III schafft nicht nur neue, gewünschte und benötigte offene Wohnformen einer neuen Häuslichkeit – also in Bezug auf Dienst- und Fachleistungen, sondern trägt dazu bei, den in einer nachhaltigen und wertsteigernden Form barrierefreien und sogar rollstuhlgerechten Wohnraum im Landkreis München durch die Lebenshilfe München zu schaffen.

Die versatilen Wohn- und Betreuungsformen sowie der damit einhergehende Quartiersgedanke werden langfristig weiter an Bedeutung gewinnen. Das Projekt Putzbrunn III wird spätestens mit seiner Fertigstellung zum Frühjahr 2024 ein leuchtendes Beispiel für die Zukunft des Wohnens sein – nicht nur für die Lebenshilfe München.

Peter Puhlmann
Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München
Dipl.Päd.Univ. und Sozialbetriebswirt (TWTAG FH M)

Die Zukunft des Wohnens für Erwachsene

Lebenshilfe München: „Zeit für neue Häuslichkeit“

Von Peter Puhlmann –

In den letzten Jahren sprach man von Innovation in Bezug auf ambulante Wohnformen, die aber ihren Erfolg meist nur in hoch selbständigen Wohn- und Betreuungsformen widerspiegelten. Der Kreis der Wohnenden war damit sehr eingeschränkt. Die Forderung nach offenen Wohnformen entspricht den Ansprüchen von Menschen mit geistiger Behinderung – aber insbesondere den Forderungen von Eltern junger Erwachsener mit geistiger Behinderung – die von frühester Kindheit an gefördert wurden und Teilhabe am Leben als etwas Grundsätzliches und Erreichbares ansehen. Es geht heute um die Zukunft des Wohnens für Erwachsene.

Gefördert vom ersten Lebensjahr an

Florian Hahn MdB, Vorsitzender der Stiftung Lebenshilfe München, besucht mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann die Wohneinrichtung in Putzbrunn.

„Ich will, dass mein Sohn ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben führen kann, auf gar keinen Fall darf die hart erworbene Selbständigkeit meines Sohnes durch ein Behindertenwohnheim verlorengehen, wo ihm alles abgenommen wird. Alle Frühförderung, der Erfolg der Förderschule – alles in Kindheit und Jugend erreichte wäre umsonst gewesen“, so eine Mutter im Gespräch zum Thema, was sie sich ‚vom Wohnen‘ in der Lebenshilfe in Bezug auf Wohnangebote erwartet.

In den 1970er stand Wohnen ‚wie in der Familie‘ im Vordergrund. Kleine Wohnheime, in denen heilpädagogische Fachkräfte wie Eltern der Führsorgepflicht nachkamen. Dies umso mehr, je höher der Hilfegrad aber auch das Alter des/der Heimbewohners*in war. Wie das eigene Zuhause sollte auch das Zuhause der Lebenshilfe für immer sein.

Ansprüche an Lebens- und Wohnkonzepte

Hier wird deutlich, dass die Pluralisierung der Gesellschaft, der Ausdifferenzierung von Lebenslagen und Lebensstilen, die für die unterschiedlichen Lebensphasen mehr und mehr bestimmend werden, einem ständigen Wandel unterzogen sind. Sie soll den unterschiedlichsten Anspruchsgedanken gerecht werden. Diesem muss nun auch bei der Ausgestaltung von Wohnformen für Menschen mit geistiger Behinderung Rechnung getragen werden. Dieses Ziel will ich als Vorstand der Lebenshilfe München mit dem neuen Wohnkonzept an unserem Standort Putzbrunn erreichen.

Dem Grad der Behinderung angepasst

Es ist uns zwar in den letzten acht Jahren gelungen, eine Diversität der Bestandswohnformen zu erreichen, aber jeder unserer Wohnstandorte ist somit spezialisiert und nur bis zu einen bestimmten Grad fähig, sich auf individuelle Veränderungen von Bedürfnissen und Hilfegraden anzupassen. Wie sollen auch Gebäude aus den 1930’er oder 1960’er Jahren barrierefrei – gar Rollstuhlgerecht sein? Zum damaligen Zeitpunkt war dies noch keine bekannte Erforderlichkeit oder gar gesetzliche Vorgabe. So gesehen bietet die Lebenshilfe München ein diverses Wohnen in ganz München an: vom betreuten Einzelwohnen, über Wohnen bei Familien, ambulant betreuten Wohngemeinschaften, inklusiven Wohngemeinschaften zusammen mit Studenten*innen, Trainingswohnstätten zum realen Üben, bis hin zu gemeinschaftlichem Wohnen mit gepoolten Betreuungs- und Hilfeleistungen in den unterschiedlichsten Ausprägungen. Die Spannweite reicht von erwachsen Menschen mit geistiger Behinderung mit geringer Fähigkeit zur Selbständigkeit bis hin zu Menschen mit Schwerst-Mehrfachbehinderungen [ehemals (voll-)stationäres Wohnen].

Grundsicherung und Fachleistungen

Nach wie vor fehlen geeignete Wohnplätze für Menschen mit geistiger Behinderung und hohem Pflegeaufwand wegen geriatrischer Diagnosen, meist sind es dem hohen Lebensalter geschuldete Einbußen. Es fehlen ebenso altersunabhängige verhaltensbedingte Intensiv-Betreuungsplätze. In diesem Zusammenhang sei auch der Hinweis an den Gesamtkontext erlaubt, dass der Gesetzgeber eben diese Diversität im Bundesteilhabegesetz (BTHG) sucht und umsetzt. Es wird hier ganz klar unterschieden zwischen Mietraum – also der Wohnung von der man Mieter ist aus Mitteln einer zustehenden Grundsicherung – und der davon unabhängigen Dienstleistung – die als Fachleistung nach SGB IX von Trägeren wie der Lebenshilfe München erbracht werden.

Im zweiten Teil des Beitrages stellen wir das neue Wohnprojekt der Lebenshilfe München, Putzbrunn III, vor. Es wurde bereits auf eine Strategiesitzung im Jahr 2013 angedacht.

Peter Puhlmann,
Vorstand & Geschäftsführer der Lebenshilfe München
Dipl.Päd.Univ. und Sozialbetriebswirt (TWTAG FH M)

Erfolgreich etablierte sich eine zweite Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München.
Hier geht’s zum Beitrag: https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2021/02/27/zweite-inklusive-wohngemeinschaft-der-lebenshilfe-muenchen

Viel Zustimmung fand 2020 die neue geschaffene Wohneinrichtung Willinger Weg.
Hier geht’s zum Beitrag: https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2020/11/26/viel-zustimmung-fuer-den-willinger-weg/

Viel Zustimmung für den Willinger Weg

Seit 100 Tagen ist die neue Wohneinrichtung Willinger Weg
der Lebenshilfe München in Betrieb

Der Pädagoge Klaus Huber leitet seit September die nach Umbau und Renovierung neu eröffnete Wohneinrichtung ‚Willinger Weg‘ der Lebenshilfe München. 24 Menschen mit geistiger Behinderung leben dort in drei Wohngruppen zusammen (siehe Bericht). Wir haben bei Klaus Huber nachgefragt, wie es ihm und seinen Bewohner nach 100 Tagen im neuen Zuhause geht. 

Klaus Huber nimmt auf der gemütlichen Sitzecke zum Interview Platz. – Fotos: Gerd Spranger

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Lebenshilfe München schafft neue Wohnangebote für Menschen mit Behinderung

René Pfeifer, Bereichsleiter ‚Wohnen‘ der Lebenshilfe München vor dem neuen Wohnhaus am Willinger Weg in München. Fotos: Gerd Spranger

Die Lebenshilfe München hat diesen Sommer in Ramersdorf am Willinger Weg ein neues Wohnhaus für 24 Menschen mit Behinderung eröffnet. Es ist das neue Aushängeschild des Elternvereins, denn vom Raumkonzept über die Barrierefreiheit bis hin zum Anspruch auf geräumige Zimmer wurden alle Standards erfüllt, die meisten verfügen noch über einen kleinen Balkon oder eine Terrasse. „Die ersten Überlegungen zur Erneuerung der alten Arztvilla aus den 30er-Jahren, idyllisch und zentral in einer Wohnsiedlung gelegen und seit 1988 Eigentum der Lebenshilfe München, gehen bis auf das Jahr 2012 zurück“, informiert Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München. 2016 entschied dann ein Architektenwettbewerb über den Neubau. Weiterlesen

Keine Benachteiligung von Menschen mit Behinderung

Zu wenig Personal für Schulbegleitung
Förderunterricht und Betreuung
Keine Benachteiligung von Menschen mit Behinderung

Peter Puhlmann im Gespräch mit MdL Kerstin Celina (l.) und MdL Clauda Köhler (r.).

Noch sind Schüler und Lehrkräfte in Bayern mitten in den Sommerferien. Doch herrscht bei vielen Eltern Unsicherheit, wie sich ein Regelbetrieb im neuen Schuljahr gestaltet. Es ist zu befürchten, dass es weiter zu massiven Einschränkungen kommt. Das gilt besonders für Menschen mit Behinderung. Darum fordern die beiden Landtagsabgeordneten (MdL) der Grünen, Claudia Köhler und Kerstin Celina, Menschen mit Behinderung kein zusätzliches Handicap aufzulegen. Weiterlesen

Bewegte Anfangsjahre der Lebenshilfe vor 60 Jahren

Unter dem Titel „60 Jahre: Meilensteine der Lebenshilfe München“ veröffentlichte das aktuelle L.I.E.S.-Heft der Lebenshilfe München einen Abriss zur Geschichte des Elternvereins. Wir berichten in Auszügen. Vieles was heute als Selbstverständlich erscheint, wurde damals mühsam erkämpft.

1960: Am 12. Juli des Jahres wird von Mathilde Eller, zusammen mit elf Eltern von Menschen mit Behinderung, die Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind e.V.“ gegründet. Heute heißt der Verein „Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. Stadt und Landkreis München“, hat rund 1000 Mitglieder und ist damit einer der größten Elternvereinigungen Deutschlands. Weiterlesen

Für eine bessere Zukunft der Lebenshilfe

Gemeinsam prägten sie als Mitglieder des Vorstandes der Lebenshilfe München über viele Jahre hinweg die Entwicklung des Elternvereins; Inge Oberst, Dr. Lothar Schrader und Andreas Ernst. Sie scheiden nun aus dem Vorstand aus, haben sich in den letzten Jahren engagiert, die Lebenshilfe München ‚auf Kurs‘ zu halten. Änderungen brachten etwa Anpassungen des Pflegestärkungs-Gesetzes und das Bundesteilhabe-Gesetz, aber auch Umstrukturierungen innerhalb der Lebenshilfe, um besser auf ein sich änderndes Umfeld reagieren zu können.

Aufsichtsratsvorsitzende Andrea Siemen (l.) und Lebenshilfe-Vorstand Peter Puhlmann (r.) bedanken sich bei Andreas Ernst und Inge Oberst für die gute Zusammenarbeit

Am Längsten engagierte sich Inge Oberst im Vorstand, nämlich seit 2003. Ihr Engagement für die Lebenshilfe München bleibt aber, denn sie ist weiterhin für die Redaktion des L.I.E.S.-Journals tätig und ist Vorsitzende des neuen Ausschusses „Kultur“. Alle drei ausscheidenden Vorstände haben selbst eine erwachsene Tochter, die in den Lebenshilfe-Werkstätten arbeiten oder eine Förderstätte besuchen. Sie wissen, wo das tägliche Leben besondere Anforderungen stellt und um die besonderen Bedarfe von Menschen mit geistiger Behinderung. Weiterlesen