60 Jahre Lebenshilfe München: Meilensteine

1960 waren Peter und Gabriele bei den Neugeburten in München die beliebtesten Namen. Es wurde gegen eine zweite Startbahn in Riem demonstriert, die Armut von Rentnern angeprangert, eine Städtepartnerschaft mit Verona geschlossen, Hans-Jochen Vogel wird mit 34 Jahren Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, die Zahl der Gastarbeiter steigt und erste Pläne für eine eigene Studentenstadt entstehen. 1960 gründeten aber auch zwölf Eltern die Lebenshilfe München, in einer Zeit, nur 15 Jahre nach der NS-Schreckensherrschaft, als man Menschen mit Behinderung noch mit vielen Vorbehalten begegnete. Die Lebenshilfe München möchte mit ihrer Chronik „Meilensteine“ darum die besondere Entwicklung des Vereins und das Engagement der Eltern würdigen.

Meilensteine der Lebenshilfe München

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Am 12. Juli des Jahres wird von Mathilde Eller zusammen mit elf Eltern von Menschen mit Behinderung die „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind e.V.“ gegründet. Heute heißt der Verein: „Lebenshilfe München e.V. Stadt und Landkreis“, hat rund 1000 Mitglieder und ist damit einer der größten Elternvereinigungen Deutschlands.

Es war ein langer und harter Weg der Eltern, galten doch Menschen mit geistiger Behinderung als dafür ungeeignet. Heute völlig unvorstellbar, doch damals musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Menschen mit geistiger Behinderung sollten nicht mehr nur verwahrt – etwa in Psychiatrien – und versorgt, sondern gezielt gefördert werden.

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Die erste Heilpädagogische Tagesstätte in der Dietlindenstraße wird eröffnet. Vier Jahre später ziehen die MitarbeiterInnen mit den Kindern in angemietete Räumlichkeiten in der Neuherbergstraße.

„Parallel zum Älterwerden der Kinder wuchsen die Angebote der Lebenshilfen in ganz Deutschland, auch in München. In den Heilpädagogischen Tagesstätten etwa betreuen wir die Menschen bis zum 18. Lebensjahr, und die Werkstätten ermöglichen den Einstieg und Verbleib im Berufsleben“, erklärt Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München.

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Gemeinsam mit der Stuttgarter Stiftung für Bildung und Behindertenförderung GmbH wird die Werkstatt in der Scharnitzstraße gegründet. Inzwischen arbeiten insgesamt rund 600 MitarbeiterInnen mit Behinderung in der Werkstatt.
Außerdem wird die Elternberatung als separate Anlaufstelle mit einem eigenen Büro eingerichtet. Zuvor waren Beratungsgespräche nebenbei geleistet worden. Vor einigen Jahren wurde aus der „Elternberatung“ dann die „Angehörigenberatung“ und die Zahl der Beratungen zu unterschiedlichen Anliegen und Fragen beläuft sich inzwischen auf knapp 800 pro Jahr.

Ja damals, bis 1970, war die Lebenshilfe in München noch ein kleiner Verein, doch wir hatten immerhin schon 1000 Mitglieder. Neben einem kleinen Büro gab es noch eine Sekretärin, aber keine Wohnstätten, keine OBA und auch noch keine Elternberatung, zumindest offiziell nicht. Denn geholfen haben wir uns gegenseitig immer“, erinnert sich die Ehrenvorsitzende der Lebenshilfe München, Gerlinde Englmann.

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Die Mobile Frühförderung beginnt mit ihren Einsätzen für Kinder von der Geburt bis zum Schuleintritt. Heute gibt es vier Frühförderstellen an verschiedenen Standpunkten in der Stadt und im Landkreis München.

Sehr viele Impulse und Fortschritte sind dabei dem unglaublichen Einsatz der betroffenen Eltern geschuldet, sowie den engagierten Pädagogen und Lehrkräften. Auch manches Gesetz, etwa die Novellierung des Bundessozialhilfegesetzes 1974 mit der Einführung eines einheitlichen Behindertenbegriffes, war nötig, um die rechtlichen Rahmenbedingungen und Fördergelder zu erwirken.

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Die Offene Behinderten Arbeit (OBA) nimmt ihren Dienst auf. Über 300 TeilnehmerInnen nehmen auf ganz unterschiedliche Weise an den vielfältigen Angeboten zur Freizeitgestaltung und Bildung für Kinder, Jugendliche und erwachsene Menschen mit Behinderung teil und rund 100 ehrenamtliche MitarbeiterInnen begleiten sie dabei.
Das L.I.E.S.-Heft erscheint erstmals. Mehrmals hat es seither sein Äußeres verändert. Dabei ist es umfangreicher und bunter geworden. Seit 2017 kommt die Mitgliederzeitschrift dreimal im Jahr heraus und wird auch in Ingolstadt und Landsberg a. Lech mit einem jeweils anderen Lokalteil von Lebenshilfe-Mitgliedern gelesen.

Ziel war und ist bis heute natürlich die Förderung von Menschen mit geistiger Behinderung, aber auch eine Entlastung von Eltern oder Betreuern. „Dabei ist wichtig“, ergänzt Harry Zipf, Leiter der OBA bei der Lebenshilfe München, „unserer Arbeit schafft Inklusion, also das Zusammenführen von Menschen mit und ohne Behinderung, auch wenn damals noch von Integration gesprochen wurde. Die Lebenshilfe war von Anfang an auf einem guten Weg, etwa mit der Gründung erster Freizeitclubs in Giesing, Haidhausen, Obermenzing.“

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Die erste Wohnstätte für erwachsene Menschen mit Behinderung wird in der Hofbauernstraße eröffnet. Inzwischen wohnen etwa 150 Menschen mit geistiger Behinderung in Wohnstätten, Wohngruppen und ambulant betreut in Wohnungen in unterschiedlichen Stadtteilen und im Landkreis.

In den 80er Jahren folgten gleich sechs weitere Häuser und Wohnungen, wo Menschen mit geistiger Behinderung in kleinen Gruppen von bis zu 12 Personen unter Betreuung zusammenleben und ihren Alltag weitgehend selbständig gestalten. Alle Bewohner sind tagsüber in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung berufstätig.
Für den Elternverein bedeutete es nicht nur eine enorme finanzielle Leistung – für jedes der Häuser und Wohnungen bis zu einer Million Deutsche Mark. Es mussten die Objekte gefunden werden, Angebote verglichen, Verhandlungen geführt, Umbauten durchgeführt und letztlich auch die Organisation des Ganzen bis hin zum Bezug und zur Betreuung der Wohngruppen geleistet werden. Es war für die Lebenshilfe Neuland.

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In der Neuherbergstrasse wird eine Heilpädagogische Tagesstätte, eine Schulvorbereitende Einrichtung (SVE) und eine Schule für Kinder mit geistiger Behinderung gebaut und eröffnet. Heute gibt es vier Heilpädagogische Tagesstätten der Lebenshilfe München, in denen insgesamt etwa 150 Kinder und Jugendliche in kleinen Gruppen betreut und gefördert werden.

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Der Familienentlastende Dienst (heute: Familienunterstützende Dienst) wird eingerichtet, um erstmals individuelle, stundenweise die Begleitung von Angehörigen mit Behinderung zu übernehmen. Heute sind es etwa 330 Familien, die mal mehr, mal weniger intensiv unterstützt werden.

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Die Lebenshilfe München übernimmt die Schulträgerschaft für die Private Schule zur individuellen Lebensbewältigung (heute: Silvia-Görres-Schule mit dem Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“) in der Neuherbergstraße.

In den 90er-Jahren war die Lebenshilfe München bereits zu einer großen Organisation angewachsen. Von der Frühförderung, den Heilpädagogischen Tagesstätten (HPT), über die Werkstätten bis hin zu den Wohneinrichtungen, Beratungsdiensten und der Offenen Behindertenarbeit deckte der Elternverein die gesamte ‚Lebens-Wirklichkeit‘ von Menschen mit Behinderung ab. Er gab auch den Eltern Raum und Sicherheit im Streben nach einer bestmöglichen Förderung ihrer Kinder. Die Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Landkreis München entwickelte sich gut, man war ihr ein verlässlicher Partner in vielen sozialen Bereichen geworden.

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Nach langer Bauphase zieht die Geschäftsstelle des Vereins mit mehreren Einrichtungen der Lebenshilfe München in die St.-Quirin-Straße.

Am 03. Juli 1997 war die offizielle Eröffnung und am 13. November 1997 hielt die Lebenshilfe München ihre erste Vorstandssitzung in dem neuen Vortragsraum der Zentrale der Lebenshilfe München in der St.-Quirin-Straße ab. „1996 haben 320 Mitarbeiter und 100 Ehrenamtliche für die Einrichtungen und die Offene Behindertenarbeit sehr viel geleistet, hieß es in dem Geschäftsbericht.“

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Die „Stiftung Lebenshilfe München“ wird gegründet. Sie ist aus dem „Förderverein Lebenshilfe München“ hervorgegangen.

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In Putzbrunn wird eine neue Wohnstätte für 18 Erwachsene mit schwerer Mehrfachbehinderung eröffnet.

Bereits 1994 eröffnete man den ersten Komplex. Es hieß dazu: „die Nachfrage nach betreuten Wohnplätzen für Menschen mit geistiger Behinderung war ungebrochen groß. Von 1992 an war der Elternverein neben dem laufenden Betrieb mit dem Bau des großen Wohnheimes in Putzbrunn beschäftigt. 1993 gab es für 34 Wohnplätze 160 Vormerkungen. Die Nachfrage war sehr hoch, auch die Kosten.
„Das Wohnheim Putzbrunn wird mit 6,4 Millionen DM Gesamtkosten abschließen. Rund 1,4 Millionen müssen nachfinanziert werden“, heißt es damals in einer Ausgabe des L.I.E.S. – Heftes. 1994 feierte man dann die Eröffnung der Wohneinrichtung in der Waldkolonie von Putzbrunn, im Landkreis München.

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Gründung der beiden GmbH`s „Kinder und Jugend“ und „Wohnen“.
Die erste Klientin zieht ins Ambulant Betreute Einzelwohnen.

Die Fülle an Diensten und Aufgaben verlangte nach neuen Strukturen. Bereits ab 1997 beschäftigte sich ein eigenes Gremium damit. Zehn Jahre später, 2007 war es dann soweit. Man trennte das laufende Geschäft aus den 10 Wohnstätten organisatorisch vom Verein. Der Besitz an den bestehenden alten Stadthäusern, Wohnungen und der modernen Einrichtung in Putzbrunn verblieb natürlich zu 100 Prozent beim Verein der Lebenshilfe München e.V.. Im Jahr 2012 dann verpflichtete die Lebenshilfe München den Dipl. Pädagogen und Univ. Sozialbetriebswirt Peter Puhlmann als Geschäftsführer. Er bringt die Neuorganisation, die Modernisierung und die neuen Strukturen der Lebenshilfe München entscheidend voran.

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Start der Schulbegleitung für Kinder. Die Nachfrage steigt seither stetig.
Einrichtung der ersten Seniorengruppe mit interner Tagesstruktur und Nachtdienst, also 24-Stunden-Betreuung für Rentner, in der St.-Quirin-Straße.

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Erweiterung der internen Tagesstruktur für Rentner in Wohngruppen und Start einer Tagesstruktur für Erwachsene nach dem Erwerbsleben (TENE) für externe Tagesbesucher in Putzbrunn.
Außerdem startet die Lebenshilfe als einziger Träger in München das neue Konzept „Trainingswohnen“ in den Wohnheimen im Kiem-Pauli-Weg und in der Berliner Straße. Hier leben ab jetzt Menschen mit Behinderung, die auf ihren Umzug in Ambulant Betreutes Wohnen vorbereitet werden.

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Die erste Ambulant Betreute Wohngemeinschaft in der Landsbergerstraße wird eingeweiht.
Das Thema ‚Wohnen‘ ist bei der Lebenshilfe München nicht abgeschlossen. Länger schon ist die Forderung ‚Ambulant vor Stationär‘ aktuell. Es ist darüber hinaus ein weiterer wichtiger Schritt für Menschen mit Behinderung in die Selbständigkeit. Auch für Menschen mit geistiger Behinderung muss die Möglichkeit bestehen, allein etwa in einem Appartement zu leben. Eine Unterstützung und Begleitung erfolgt dann ambulant.

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Die erste inklusive Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München wird in der Hermann-von-Sichererstraße eröffnet.
Ambulanter Pflegedienst der Lebenshilfe München nimmt seine operative Tätigkeit im Wohnbereich auf und steht auch externen Kunden offen.

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Der Neubau im Willinger Weg wird fertiggestellt. Aus dem ehemaligen Wohnhaus wird eine moderne Wohnstätte für 24 Bewohner. Dieser Neubau ist nicht nur barrierefrei, sondern jeder Bewohner hat nun erstmals ein Bad mit Dusche und Toilette in seinem Zimmer.

Weitere Links und Geschichten von der Lebenshilfe München:

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2017/03/15/lebenshilfe-vom-elternverein-hin-zu-einem-gemeinnuetzigen-wirtschaftsunternehmen/

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2017/03/28/lebenshilfe-muenchen-gewinnt-an-bedeutung/

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2017/04/18/lebenshilfe-muenchen-geht-neue-wege/

Bilder sprechen mehr als Worte

Das große Fest der Lebenshilfe München zur Feier des 60-Jährigen Jubiläums und des neuen Wandbildes Permanus, war auch ein Fest der vielen Begegnungen. Hier einige Fotos und Stimmungsbilder. Zum Ansehen der Galerie auf eins der Fotos klicken. Fotos: Gerd Spranger

60 Jahre Lebenshilfe und ein besonderes Geschenk

Freude über 60 Jahre Lebenshilfe und über das Wandbild Permanus. Von links: der Künstler Martin Blumöhr, Geschäftsführer und Vorstand der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, und Münchens Alt-Oberbürgermeister Christian Ude. Fotos: Gerd Spranger – mehr in der Galerie.

Ein besonderes Geschenkt machte sich die Lebenhilfe München zu ihrem 60. Geburtstag, auch wenn eigentlich schon der 62. anstehend ist, denn 1960 gründete sich der Verein mit zwölf Eltern. So aber konnte ebenso die Einweihung eines großen Wandgemäldes, das eine ganze vierstöckige Häuserwand ziert, gefeiert werden. „Permamus“ wurde es getauft, was zu deutsch mit „von Hand zu Hand“ übersetzt werden kann. Und es wirkten viele Hände mit, insgesamt 60 Menschen mit und ohne Behinderung, alt und jung, aus der Lebenshilfe und aus der Nachbarschaft. Zu einem großen Gesamtkunstwerk fügte es der Maler Martin Blumöhr zusammen und sprach bei der Einweihung immer wieder von einer Regenbogenblume, die er als ein Zeichen von Diversität verstanden wissen will.

Für gute Stimmung sorgte die OBA-Band mit Georg Hohenester auf dem Fest.

Auf alle Fälle ist das Permanus-Kunstwerk ein Zeichen des Miteinanders und der Inklusion und hat in München bereits viel Beachtung gefunden. Für den langjährigen Oberbürgermeister von München, Christian Ude, sind Wandgemälde auch immer Identität stiftend und bringen Farbe in häufig viel zu graue Städte, bekräftigte er bei seiner Festansprache. Lebenshilfe Vorstand und Geschäftsführer, Peter Puhlmann, konnte nicht nur ihn als Festredner begrüßen, sondern viele Vertreter der Stadt, des Bezirks und prominente Vertreter der Lebenshilfe. Mit Verweis auf Christian Ude, einen Förderer des Elternvereins, auf Dr. Gertraud Burkert und Christine Strobl, beide Bürgermeisterin a.D. der Stadt München und lange Jahre im Kuratorium der Lebenshilfe München vertreten, animierte er auch die amtierende Sozial-Bürgermeisterin, Verena Dietl, für ein Engagement im Kuratorium der Lebenshilfe, dem „sie gerne zustimmte“.

Die Vorsitzende des Aufsichtsrates der Lebenshilfe München, Andrea Siemen, und die Sozial-Bürgermeisterin von München, Verena Dietl, schätzen die Symbolkraft und Farbenfreude des hohen Wandbildes ‚Permanus‘.

In ihrer Ansprache machte sie deutlich, dass so ein Kunstwerk zur Lebenshilfe München passe. 60 Jahre lang sei der Elternverein mit seinen vielen Engagements immer ein Vorbild gewesen und sei es bis heute. „Dabei immer getragen vom ehrenamtlichen Engagement, immer in der Mitte der Stadt bei den Menschen, über die Tageseinrichtungen (HPT), den Wohneinrichtungen mit modernen Konzepten, der Sonderschule und den Werkstätten. Es ist ein maßgeblicher Verdienst der Lebenshilfen, dass es Menschen mit geistiger Behinderung heute besser geht,“ so Bürgermeisterin Verena Dietl. Besonders liege ihr dabei die Schaffung von integrativen Wohngemeinschaften am Herzen, „wo Studenten und Menschen mit Unterstützungsbedarf gemeinsam zusammen leben. Wir brauchen mehr davon“, so Dietl. Zum Schluss verwies die dritte Bürgermeisterin noch auf das Engagement der Stadt München im Rahmen der UN-Behindertenrechtskonvention hin. „Wir arbeiten aktuell bereits an unserem dritten Aktionsplan zur Verbesserung von Infrastruktur und Lebensumständen.“

Peter Puhlmann bedankt sich bei Tatjana Viaplana und Harry Zipf für ihr Engagement bei der Gestaltung der 60-Jahrfeier der Lebenshilfe München.

Die Aufsichtsratsvorsitzende der Lebenshilfe München, Andrea Siemen, stimmte dem zu und berichtete von Plänen zur Schaffung zweier neuer integrativer Wohngemeinschaften in München-Freiham und im Werksviertel. Das größte Projekt aber sei der Ausbau der Lebenshilfe-Wohneinrichtung in Putzbrunn mit einem neuen Gebäude und modernem Konzept. Sie erinnerte auch an die lange Geschichte des Elternvereins. „1960 waren es tatsächlich 12 Eltern, die den Verein gründeten. Im Blickpunkt dabei stand die Beratung, bis heute die Eltern- und Angehörigenberatung, denn es gab und gibt immer wieder rechtliche Fragen und Neuerungen zu Verordnungen, wie etwa zum neuen Pflegegesetz, zu klären. 1969 folgten die Heilpädagogischen Tagesstätten, 1972 die Lebenshilfe-Werkstätten, 1976 die interdisziplinäre Frühförderung, 1977 die OBA (Offene Behindertenarbeit), ab 1978 die Wohneinrichtungen. Stand in den ersten zwanzig Jahre die Entwicklung der Angebote im Vordergrund, so in den letzten 40 Jahren deren Erhalt, Ausbau und Weiterentwicklung. Aus dem Elternverein von einst ist heute eine moderne und leistungsfähige Organisation mit zwei GmbH geworden, ein großer Sozialverein mit mehr als 1000 Mitgliedern und 500 Beschäftigten.“

Ein „Großes Dankeschön“ gilt nicht nur allen Künstlern und Beteiligten, so Peter Puhlmann, sondern auch den Spendern, die eine Umsetzung des Wandgemäldes ermöglicht haben. Namentlich nannte er die C.H. Beck Stiftung, den Händler boesner, die Sparda-Bank, die Stadt München und den Bezirksausschuss 17 für Obergiesing und Fasangarten sowie einen einzelnen privaten Spender, der ebenfalls eine größere Summe beisteuerte.

Ein weiterer Bericht mit Stimmen zum Kunstwerk Permanus folgt.

Weitere Links zum Projekt Permanus:

https://www.tz.de/muenchen/stadt/neues-kunstprojekt-der-lebenshilfe-in-giesing-zr-90988555.html

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/kunstprojekt-permanus-es-strahlt-uns-an-1.5413331

https://www.kunstprojekt-permanus.de

UN-Behinderten-Rechtskonvention: München zieht Bilanz

Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, mit der dritten Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, Verena Dietl. Copyright: Michael Nagy / Presseamt München

Die Stadt München hat 2013 ein ganzes Maßnahmenpaket zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) beschlossen. 2019 wurden die Aktionspläne nochmals deutlich erweitert. Insgesamt sind bereits 47 der 81 Projekte und Maßnahmen erfolgreich umgesetzt, davon 80 Prozent aus dem ersten Aktionsplan. Die Lebenshilfe München gestaltete diesen Prozess mit.

Jetzt zog das Sozialreferat München eine Bilanz. Bürgermeisterin Verena Dietl bekräftigt: „Um die Rechte und Freiheiten von Menschen mit Behinderungen zu sichern, arbeiten Stadtverwaltung, Behindertenbeirat und der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte Hand in Hand. Wir haben bereits große Fortschritte erzielt. In Zukunft wollen wir noch weiter an diesem wichtigen Thema arbeiten und deshalb bis spätestens 2025 einen dritten Aktionsplan auflegen.“

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Sommerfeeling bei der Lebenshilfe München

Sommerliche Rhthmen bei der Lebenshilfe München mit der Band 'Balashi Steel'.
Sommerliche Rhthmen bei der Lebenshilfe München mit der Band ‚Balashi Steel‘.

Der Sommer ist im Juni mit Temperaturen von über 30 Grad und lauen Nächten endlich zur Hochform aufgelaufen. Es ist genau die richtige Zeit für entspannte Rhythmen, wie sie etwa die Band ‚Balashi Steel’auf die Bühne bringt.

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„Freizeit erleben, Neues lernen, Leute treffen“

Begegnung, Abwechslung, Freude – es sind oft kleine Dinge, die das Leben reicher machen. In der Corona-Pandemie ist uns das besonders bewusst geworden. Die OBA der Lebenshilfe bringt mit ihrem Programm kleine Lichtblicke in den Alltag der Teilnehmer*innen. Klein im wahrsten Sinne des Wortes, da Treffen im Moment nur in kleinen Gruppen möglich sind. Auch online kann man sich begegnen, die Jugendgruppe der OBA trifft sich regelmäßig zur Zoom Jugendgruppe. Aber wir stellen immer wieder fest: Zoom-Treffen sind eine gute Notlösung, aber kein Ersatz. Außerdem haben nicht viele Menschen mit Behinderung die technische Ausstattung dafür.

Kleine Geschichten um Aktionen und Menschen sind auf der Instagram-Seite der OBA zu finden.

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Münchner Freiwilligenmesse weist online den Weg zum Ehrenamt

Die Münchner Freiwilligen-Messe startet!

  • Um 16.00 Uhr startet sie am 22.01. im Münchner Rathaus
  • Die Homepage der Freiwilligen-Messe geht komplett online.
  • Bei „Jetzt Live“ können Sie live bei der Eröffnung dabei sein.

Seit Jahren hat sich die „Münchner Freiwilligenmesse“ im Kultur- und Bildungszentrum Gasteig mit etwa 6000 Besuchern etabliert. Ehrenamt und Freiwilligkeit sind tragende Säulen in unserer Gesellschaft und gerade in München sind die Möglichkeiten dafür vielfältig. Dieses Jahr aber ist alles anders, die Münchner Freiwilligenmesse wird online abgehalten. Auch die Lebenshilfe München ist mit dabei und hat drei Termine für sich reserviert.

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Die Weihnachts-Bäckerei der OBA

Das gemeinsame Plätzchenbacken ist eigentlich ein fester Bestandteil des vorweihnachtlichen OBA-Kalenders. Dieses Jahr war es coronabedingt nicht möglich zum gemeinsamen Backen in der OBA der Lebenshilfe München zusammen zu kommen. Das hat den Ehrgeiz des OBA-Teams geweckt. Jede Bewohnerin und jeder Bewohner im gemeinschaftlichen Wohnen der Lebenshilfe sollte zu Weihnachten ein Päckchen mit selbstgebackenen Plätzchen aus der OBA bekommen. Weiterlesen

Das OBA-Planungstreffen mal anders

Üblicherweise sind die Treffen der Ehrenamtlichen mit dem Team der OBA sehr gesellige Angelegenheiten bei der Lebenshilfe München. Es gibt ein Buffet, es wird zusammen gelacht und gegessen und man hat sich viel zu erzählen. Üblicherweise wird bei diesen Gelegenheiten auch das Programm für das nächste blaue Heft geplant. Das letzte Planungstreffen dieser Art hat vor genau einem Jahr stattgefunden. Höchste Zeit, dass sich alle mal wiedersehen! Weiterlesen

Die Selbstbestimmung muss weiter gehen

Ganz neue Erfahrungen und einen intensiven Austausch erlebten die zwei Selbstvertreter der OBA der Lebenshilfe München in der Video-Konferenz.  –  Fotos: Lebenshilfe München

Dennoch bleibt es ein Ziel der Lebenshilfe und auch aller anderen Sozial- und Wohlfahrtsverbände, Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und sie auf den Weg dorthin zu fördern. Ein wichtiger Baustein dafür sind ‚Selbstvertretungen‘, in denen sich Menschen mit Behinderung selbst für ihre Belange einsetzten. Solche Selbstvertretungen gibt es etwa im Bereich der OBA, der Wohneinrichtungen oder der Werkstätten.  Weiterlesen

Weniger Termine, kleine Gruppen und Masken

Aus dem Newsletter der Lebenshilfe München

Die Lebenshilfe München arbeitet in vielen Bereichen für das Wohl von Menschen mit Behinderung. Im Hinblick auf ein steigendes Covid19-Infektionsgeschehen erarbeitete die Lebenshilfe für alle Bereiche ein Hygiene- und Sicherheitskonzept. Im ersten Teil informierten wir bereits über die Wohneinrichtungen. Hier der aktuelle Stand aus den anderen Bereichen der Lebenshilfe München:  Weiterlesen

Bewegte Anfangsjahre der Lebenshilfe vor 60 Jahren

Unter dem Titel „60 Jahre: Meilensteine der Lebenshilfe München“ veröffentlichte das aktuelle L.I.E.S.-Heft der Lebenshilfe München einen Abriss zur Geschichte des Elternvereins. Wir berichten in Auszügen. Vieles was heute als Selbstverständlich erscheint, wurde damals mühsam erkämpft.

1960: Am 12. Juli des Jahres wird von Mathilde Eller, zusammen mit elf Eltern von Menschen mit Behinderung, die Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind e.V.“ gegründet. Heute heißt der Verein „Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. Stadt und Landkreis München“, hat rund 1000 Mitglieder und ist damit einer der größten Elternvereinigungen Deutschlands. Weiterlesen

Was macht die OBA in der Corona-Zeit?

Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Einschränkungen haben die ganze Gesellschaft getroffen. Und damit auch die OBA der Lebenshilfe München. Von einen Tag auf den anderen mussten alle Angebote im Freizeit- und Bildungsbereich abgesagt werden. Ziemlich schnell wurde auch klar: die Reisesaison 2020 wird ausfallen. Damit standen die OBA-Mitarbeiter*innen plötzlich vor ungewohnten, unerfreulichen Aufgaben: Stornierungsbedingungen studieren und schweren Herzens Absagebriefe an die Reiseteilnehmer*innen schicken. Aber die OBA hat schnell umgeschaltet auf einen neuen Modus. Im Mittelpunkt stand immer die Überlegung: wie können wir Kontakt halten zu unseren Kunden, die jetzt ohne Schule und Arbeit zu Hause bei ihren Angehörigen oder in ihren Wohngruppen sind?

Die Hauptamtlichen der OBA haben viel telefoniert, mit den Teilnehmer*innen und den Angehörigen. Dabei wurden Probleme und Ängste in Bezug auf die Corona-Krise besprochen, aber es wurde auch viel geratscht und gelacht. Mit den engagierten Ehrenamtlichen wurde ein Einkaufsservice für Familien mit Risikopatienten eingerichtet. Weiterlesen

Interview zur aktuellen Situation der Lebenshilfe München

Interview zur aktuellen Situation der Lebenshilfe München
mit Geschäftsführer Peter Puhlmann

Der bayernweite Katastrophenfall ist aufgehoben und in München ist die Zahl der aktuell infizierten Menschen in vier Wochen von über 1000 auf unter 300 Personen gesunken. Die Lebenshilfe München musste in den letzten drei Monaten nicht einen einzigen Coronafall hinnehmen und hat von Anfang an sehr strenge Schutzmaßnahmen durchgeführt. Wie findet man nun wieder heraus aus der Krise und Isolation, zurück in eine Normalität? Die Redaktion hat sich mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann unterhalten.

Redaktion: Der Lockdown hat uns alle in nahezu allen Lebensbereichen betroffen. Besonders trifft es bis heute Menschen mit geistiger Behinderung in betreuten Wohnformen. Sie haben seit Wochen keine Arbeit und damit keine gewohnte Tagesstruktur mehr. Das sind hohe psychische und mentale Belastungen. Hat da nicht so mancher Bewohner einen Wohn-Kollaps bekommen?

Peter Puhlmann (r.) im Gespräch mit MdB Florian Hahn (l.), der sich über die Situation in den Wohnheimen der Lebenshilfe München informiert.

Peter Puhlmann: Es ist nur zum Teil richtig. Ja, die Werkstätten haben für die Bewohner geschlossen und zwar für alle Bewohner unserer Wohneinrichtungen. Das macht es leichter, denn alle sind gleich betroffen. Gleichwohl existiert eine Tagesstruktur, die über die ‚Essenszeiten‘ hinausgeht. Unsere Mitarbeiter betreuen die Kleingruppen, gehen mit ihnen spazieren oder organisieren Spiele. Einige unserer Bewohner, Menschen mit geistiger Behinderung, haben sich auch gut in die Situation hinein gefunden. Für manche ist die Arbeit in den Werkstätten ja auch ein gewisser Druck, dem sie jetzt seit Wochen nicht mehr ausgesetzt sind. Sie empfinden die ‚freie Zeit‘ als angenehm. Dennoch ist es schwierig mit der Situation und den Einschränkungen umzugehen. Das Virus und damit die Bedrohung ist ja nicht sichtbar, sie wird bestenfalls abstrakt wahrgenommen.   Weiterlesen