Mit 66 Jahren da fängt das Leben an! Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran…

Man muss nicht 66 Jahre alt werden um aus der Werkstatt auszuscheiden. 11 Bewohner der Wohnstätte in Putzbrunn sind seit dem letzten Jahr, nach zum Teil 40 Jahren Arbeit in den wohlverdienten Ruhestand gegangen.

Die Jahre 2020/21 sind geprägt von Corona und so ist der Übergang von Arbeit zur Rente zum Teil sehr ruhig und fast unbemerkt von statten gegangen. Nun konnten wir endlich im Garten offiziell die Verabschiedung aus der Werkstatt und den neuen Status „Rentner“ feiern.

Bei Kaffee und selbstgebackenen Kuchen, mit vielen Geschenken aus Werkstatt und Wohnheim, tauschten schöne Erinnerungen und Episoden aus dem Arbeitsleben den Platz mit Zukunftsgedanken und Ideen für die nun gewonnene Freizeit.

Struktur für den Tag schaffen

Im Rahmen der Tagesstruktur konnten die Bewohner in den letzten Monaten schon Erfahrungen für den neuen Umgang mit Freizeit sammeln. Bisher war dies Corona- bedingt nur gruppenintern möglich. Die Aussicht, dass ab dem Sommer gruppenübergreifende Angebote stattfinden können, beflügelt sowohl Bewohner wie Mitarbeiter. Mit guter Laune und Aussicht auf Erleichterung der Corona-Einschränkungen kehrten die frischgebackenen Rentner mit ihren Betreuern in die Wohngruppen zurück um sich hier weiter feiern zu lassen.

Renate Bauer

„Freizeit erleben, Neues lernen, Leute treffen“

Begegnung, Abwechslung, Freude – es sind oft kleine Dinge, die das Leben reicher machen. In der Corona-Pandemie ist uns das besonders bewusst geworden. Die OBA der Lebenshilfe bringt mit ihrem Programm kleine Lichtblicke in den Alltag der Teilnehmer*innen. Klein im wahrsten Sinne des Wortes, da Treffen im Moment nur in kleinen Gruppen möglich sind. Auch online kann man sich begegnen, die Jugendgruppe der OBA trifft sich regelmäßig zur Zoom Jugendgruppe. Aber wir stellen immer wieder fest: Zoom-Treffen sind eine gute Notlösung, aber kein Ersatz. Außerdem haben nicht viele Menschen mit Behinderung die technische Ausstattung dafür.

Kleine Geschichten um Aktionen und Menschen sind auf der Instagram-Seite der OBA zu finden.

Das Programmheft „Freizeit erleben, Neues lernen, Leute treffen“ ist zum Zeichen, dass noch alles anders ist, diesmal in sonnigem Goldgelb statt in Blau gehalten. Die Angebote sind fast ausschließlich an der frischen Luft und die Gruppen sind klein. Für die Bewohner*innen im gemeinschaftlichen Wohnen gibt es ein eigenes Freizeitprogramm, so dass die Gruppen sich nicht mischen. Wir sind also noch weit entfernt vom Normalbetrieb, aber die kleinen Schritte, die die OBA wieder gehen kann machen allen viel Freude.

Auch für die Reisesaison musste mal wieder alles neu geplant werden. Die Reisen die von 2020 hoffnungsvoll auf 2021 verschoben wurden, können nicht im gewohnten Rahmen stattfinden. Aber die OBA versucht mit Micro-Reisen innerhalb von Süddeutschland Abwechslung in den Sommer zu bringen.

Für 2022 hofft die OBA auf die endgültige Rückkehr zur Normalität mit Reisen, Konzerten und vielen Festen. Wir werden es so genießen.

Text: OBA

Auf Instagram kann man das OBA-Leben mitverfolgen:

www.instagram.com/obamuclebenshilfe

Wohnen: Trotz Pandemie alle Ziele erreicht

René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen der Lebenshilfe München, berichtet, wie erfolgreich die Projekte im Jahr 2020 trotz aller Beschwernisse umgesetzt werden konnten.

Der Ort, an dem wir wohnen, gibt uns Kraft, er ist unser Zuhause, wo wir uns ausruhen und neu sortieren können. Für Menschen mit Behinderung ist dies besonders wichtig, da meist eine umfassende Organisation und Struktur hinter einem guten Zuhause stehen. Daran sind viele Menschen beteiligt. Ihre tägliche Arbeit ermöglicht erst einen normalen Alltag, in dem geduscht, gekocht, geplaudert oder auch gearbeitet werden kann. Besonders in diesem schwierigen Jahr, in dem wir alle viel Zeit zuhause verbracht haben, gilt den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe Wohnen GmbH unser außerordentlicher Dank und unsere Anerkennung.

Neben der Herausforderung, jeden Tag ein gutes Zuhause zu bieten, entwickelt die Lebenshilfe München ihr Angebot im Bereich Wohnen stetig weiter. Nur so können immer mehr Menschen aufgenommen werden und erhalten eine ambulante oder dauerhafte Betreuung in einer besonderen, gemeinschaftlichen Wohnform. Als Ende 2019 eine Strategie für den Bereich Wohnen der Lebenshilfe München für das Folgejahr beschlossen wurde, gab es daher hohe Ziele. Viel sollte im Jahr 2020 passieren. Dass die ambitionierten Pläne in einem Jahr der Pandemie parallel zu Infektionsschutz, Kontaktbeschränkung und Quarantäne umgesetzt werden sollten, wusste damals noch niemand. Die Bilanz: trotz der Schwierigkeiten wurden alle Ziele erreicht:

Willinger Weg

Die Lebenshilfe München arbeitet an einer langfristigen Strategie, um nachhaltige, schöne, moderne und vielfältige Wohnangebote zur Verfügung zu stellen. Eine der größten Herausforderungen ist dabei die Umgestaltung von bereits bestehender Bausubstanz in neuen Wohnraum, der auch den Anforderungen des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes entspricht. Dies war beispielsweise der Fall im Willinger Weg – eine Mammutaufgabe an finanzieller Leistung, Planung und Umsetzung.

Ein gemütliches Miteinander pflegen und ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen in der Lebenshilfe-Wohngemeinschaft München am Willinger Weg.

Die Bewohnerinnen und Bewohner der alten Villa aus den 30er Jahren mussten vorübergehend ausziehen, das gesamte Gebäude wurde abgerissen und durch einen wohl durchdachten, modernen Neubau ersetzt. Seit Mitte Juli 2020 leben nun wieder 24 Menschen in drei Wohngruppen im Willinger Weg, viele von ihnen kehrten nach einer Übergangszeit in Unterschleißheim hierher zurück.

Unterschleißheim

Die Wohneinheiten in Unterschleißheim bleiben der Lebenshilfe dennoch erhalten. Auch dies gehört zu den Erfolgsgeschichten des Jahres 2020. Ein langfristiger Mietvertrag wurde ausgehandelt. Wie im Willinger Weg verfügt jedes Zimmer über ein eigenes Bad, die Räume sind hell und groß, eine gute Betreuungsdichte sowie eine dauerhafte Nachtbetreuung sind gewährleistet. Die 16 Bewohnerinnen und Bewohner fühlen sich hier wohl.

Die Wohngruppe in Unterschleißheim bleibt der Lebenshilfe München erhalten. Helle Räume und moderne Ausstattung zeichnet sie aus.

Putzbrunn III

Für das dritte und dann modernste Gebäude in Putzbrunn schreitet die Planung voran. Alle wichtigen Termine konnten stattfinden und im Spätsommer gab es zudem positives Feedback von Seiten der Regierung.

Zu der bereits bestehenden WG in der Herrmann-von-Sicherer-Str. kam dieses Jahr eine weitere inklusive WG der Lebenshilfe hinzu: das Haus in der Packenreiterstraße wurde dazu nach dem Auszug der Bewohnerinnen und Bewohner Mitte Juli komplett renoviert. Anfang November konnte es dann bereits neu bezogen werden. Inzwischen ist die WG komplett belegt, sechs Menschen mit Behinderung leben hier mit vier Studierenden in einem Haus mit Garten. Aktuell sind zudem zwei weitere inklusive WGs in Planung, eine in Gräfelfing und eine in Freiham. Darüber hinaus konnte die Lebenshilfe München Eltern bei der eigenständigen Gründung einer inklusiven WG in München-Oberwiesenfeld beraten und unterstützen. Die dortigen Bewohner mit Behinderung werden vom ambulanten Dienst betreut.

Insgesamt entwickelt die Lebenshilfe München ihr Leistungsangebot im ambulant betreuten Wohnen stetig weiter. So war die Aufnahme der 50sten leistungsberechtigten Person ein weiterer Meilenstein bei diesem Vorhaben.

Wohntraining

Lisa Hasenberger leitet mit Maske, Laptop und Ablage das Wohntraining.

Auch aus dem seit 2014 angebotenen Wohntraining gibt es Positives zu berichten. Das modular aufgebaute Leistungsangebot kann maximal fünf Jahre lang in Anspruch genommen werden und soll den Übergang zum ambulanten Wohnen begleiten. Nach Abschluss des Trainings können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entscheiden, ob sie eigenständig leben, in eine WG oder doch in eine betreute Wohngruppe wollen. Beinahe die Hälfte der 20 Männer und Frauen aus dem Wohntraining hat sich dieses Jahr für eine ambulante Wohnform entschieden. Im Rahmen des zweiten Moduls wurden gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern geeignete und gewünschte Wohnräume gesucht und gefunden. Darunter auch die inklusive WG in der Packenreiterstraße oder die ambulant betreuten Wohngemeinschaften in der Landsberger Straße. So konnten im Jahr 2020 acht Menschen mit Behinderungen aus dem Wohntraining ausziehen und in eine weniger eng betreute Wohnform wechseln.

Bürokratie und Netzwerke

Auch bei der bürokratischen Unterstützung von Eltern und im Ausbau von Netzwerken im Bereich Wohnen geht es weiter: So greift seit dem 1. Januar 2020 die dritte Reformstufe des Bundesteilhabegesetztes. Dabei werden die Leistungen im gemeinschaftlichen Wohnen in existenzsichernde Leistungen (etwa Lebensunterhalt und Unterkunft) und Fachleistungen (Leistungen der Teilhabe und Wiedereingliederung) getrennt. Die Lebenshilfe München versucht hier, eine Mehrbelastung für Eltern zu vermeiden, indem die Unterbringung der Menschen mit Behinderung so organisiert ist, dass dennoch eine zentrale Abrechnung der Leistungen möglich ist. An ihrem Angebot für intensiv betreutes Wohnen arbeitet die Lebenshilfe unter anderem durch ihre Teilnahme am Projekt PINO (Projekt Intensivwohnen Netzwerk Oberbayern) der LMU. Dabei geht es um die Lebensqualität in Intensivwohngruppen für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung und herausfordernden Verhaltensweisen.

Abschließend kann gesagt werden, dass 2020 ein sehr erfolgreiches Jahr für den Bereich Wohnen war. René Pfeifer spricht dazu nochmal einen außerordentlichen Dank an alle Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen und Leitungen der Wohnen GmbH aus: „Ohne eine vertrauensvolle und von hohem Engagement geprägte Zusammenarbeit, wäre die Entwicklung in 2020 nicht möglich gewesen.“

Tatjana Viaplana

 

Durchbruch beim Impfen für pflegende Angehörige

Große Erleichtern gab es bei vielen Eltern von Menschen mit Behinderung, als sich ihnen eine Tür für eine schnelle Impfung öffnete. Grund war die neue Fassung der Corona-Impfverordnung vom 10. März 2021. Sie misst Angehörigen von pflegebedürftigen Kindern und Erwachsenen nun die höchste Priorität zu (§ 2 Abs. 1 Nr. 3 ImpfVO). „Das ergibt sich nicht direkt aus dem Wortlaut, aber aus der Verordnungsbegründung“, erläutert Beate Bettenhausen von der Angehörigenberatung der Lebenshilfe München.

Sie hat in einem Rundschreiben (Text siehe unten) über den Familienunterstützenden Dienst (FuD) der Lebenshilfe Eltern, Angehörige und Betroffene informiert. Wie wichtig die Möglichkeit einer schnellen Impfung ist, erläutert sie jüngst in unserem Gespräch.

„Ein Ausweg aus der Isolation“

„Den Eltern, Angehörigen und Betreuern ist die besondere Gefährdung von Menschen mit Behinderung bewusst, sie sind eine Risikogruppe. Darum verzichten viele freiwillig auf entlastende Dienste und begeben sich weitgehend in Selbstisolation, um das Wohl ihrer Lieben nicht zu gefährden. Sie sind in Sorge zu erkranken und als Pflegeperson auszufallen. Gehen Kinder ihrem normalen Alltagsleben nach, kommen sie in den Kontakt mit Busfahrern, Lehrern und anderen Mitmenschen. Zu Hause besteht dieses Risiko nicht, wohl aber könnten sich Eltern oder Betreuer infizieren und sie haben in der Pflege und Betreuung einen engen Kontakt zu ihren Angehörigen mit Behinderung. Die Impfung ist für Sie ein wichtiger Schutz und bietet einen Ausweg aus der Isolation. Darum war die Neuerung der Corona-Impfverordnung wie ein Befreiungsschlag.“ Viele Eltern nutzten diese Möglichkeit bereits und konnten sich die letzten Wochen in München und den umliegenden Gemeinden impfen lassen.

Hier der Wortlaut der Lebenshilfe-Information:

„Die neue Fassung der Corona-Impfverordnung vom 10. März 2021 ordnet die pflegenden Angehörigen von pflegebedürftigen Kindern und Erwachsenen nun in die höchste Priorität ein (§ 2 Abs. 1 Nr. 3 ImpfVO). Das ergibt sich nicht direkt aus dem Wortlaut der Verordnung, aber aus der Regierungsbegründung. Dort heißt es auf Seite 25: „Unter den Begriff ambulante Dienste fallen nunmehr auch pflegende Angehörige.“ Die Begründung der Verordnung sagt hier also eindeutig, dass im Rahmen der Auslegung auch pflegende Angehörige unter den Personenkreis des § 2 Abs. 1 Nr. 3 der Corona-Impfverordnung zu fassen sind.“

Weiter wird empfohlen:

„Bei der Online-Registrierung unter https://impfzentren.bayern müssen pflegende Angehörige wie folgt vorgehen, um in die höchste Priorität zugeordnet zu werden:

1. Formular „Ich arbeite in einer Pflege- oder medizinischen Einrichtung“ auswählen.
2. Unterpunkt „ambulanter Pflegedienst“, pflegende Angehörige ankreuzen.
3. Registrierung abschließen.

Bei einer telefonischen Registrierung sollten diese Angaben unbedingt mündlich durchgegeben werden.

Die Berechtigung wird vor Ort im Impfzentrum überprüft. Zum Impftermin sollten daher die folgenden Nachweise in Kopie oder im Original mitgenommen werden: der Bescheid der Pflegekasse über den zuerkannten Pflegegrad sowie Personalausweis und Schwerbehindertenausweis des Angehörigen sowie ggf. Betreuer-Ausweis.

Dieser Hinweis verhilft hoffentlich den pflegenden Eltern und Angehörigen, die sich gegen das neue Coronavirus Sars-CoV-2 impfen lassen wollen, zu einem baldigen Termin.

Mit besten Grüßen / Beate Bettenhausen
Angehörigenberatung der Lebenshilfe München

Kontakt:
Fon: (0 89) 69 34 7-1 17 – Fax: (0 89) 69 34 7-1 82
beratung@lebenshilfe-muenchen.de und unter www.lebenshilfe-muenchen.de

Zweite inklusive Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München

„Hier wird Inklusion gelebt“

Der gute Erfolg der im Herbst 2018 gegründeten ersten inklusiven Lebenshilfe-Wohngemeinschaft (WG) in der Herrmann-von-Sicherer Straße in München, machte Mut für eine zweite WG. Dazu renovierte der Elternverein die bislang als betreute Wohngruppe geführte Einrichtung in der Packenreiterstraße. Seit November leben dort sechs Menschen mit Behinderung und vier Studenten zusammen. Die Redaktion hat sich mit der Einrichtungsleiterin Natascha Münzer unterhalten. Sind inklusive Wohngemeinschaften jetzt ein Trend, was sind die Hintergründe und wie gestaltet sich das Zusammenleben?  

Ein selbst bestimmtes Leben ermöglichen

Die neue inklusive Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München in der Packenreiterstraße.

Die studierte Sonderpädagogin definiert als eine der vordringlichen Ziele in der Förderung von Menschen mit Behinderung, ihnen ein möglichst selbst bestimmtes Leben zu ermöglichen. „Mit einer inklusiven WG kommen wir diesem Ziel sehr nahe. Ein gewisser Betreuungsbedarf bleibt, im Vordergrund steht jedoch ein Miteinander auf Augenhöhe. Viele Mitbewohner mit Assistenzbedarf sind bereits in ihrer Autonomie fortgeschritten, werden aber weiterhin in diesem Bereich gefördert je nach Bedarf.“ So ist in der WG die Hälfte der Bewohner aus einer Lebenshilfe-Wohngruppe, in der auf die Selbständigkeit vorbereitet wird. Ein Prozess der mitunter bis zu zwei Jahre in Anspruch nimmt.

Studenten sind Freunde und Unterstützer

„Es geht aber um mehr“, erklärt Natascha Münzer. „Hier wird echte Inklusion im Miteinander von Studenten und unseren Klienten gelebt. Und das ist ein erklärtes gesellschaftspolitisches Ziel, das auch in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert ist.“ Die Studenten sind Mitbewohner und Ansprechpartner, nicht aber Betreuer im klassischen Sinne. Sie fungieren vielmehr als Unterstützer. Das WG-Leben orientiert sich an dem Miteinander von nicht betreuten WGs. Für die fachliche Betreuung sind eigene Betreuungskräfte täglich von 16 bis 21 Uhr und ganztags am Wochenende vor Ort.

Die Dienste sind gut geregelt

Natascha Münzer stellt die einzige Fachkraft, ihr Team wird noch von zwei externen dualen Studenten der sozialen Arbeit verstärkt. Die dort lebenden Studenten haben Präsenzzeiten; im Wechsel jeweils einen Nachmittag unter der Woche, ein Wochenende im Monat sowie die dazugehörige Nachtbereitschaft, falls kleine Hilfestellungen nötig sind. Auch morgens sind sie zuständig, etwa beim gemeinsamen Gestalten des Frühstücks, bis die Bewohner dann das Haus verlassen und ihrer beruflichen Tätigkeit, meist in den Lebenshilfe-Werkstätten, nachgehen. Das Miteinander wird gestaltet durch die Mitbewohner mit Unterstützungsbedarf, der Präsenz der Studenten und die fachliche Begleitung der Betreuer.

Corona hat manches auf den Kopf gestellt

„In den Beschränkungen durch Corona wurde der Zeitplan etwas auf den Kopf gestellt, wir haben uns intern anders organisieren müssen. Mit Abschluss der Impfungen sollte aber im März wieder mehr Normalität in den Alltag einkehren“, hofft Natascha Münzer. Für alle waren die ersten Monate von der Eingewöhnung an die neue Umgebung und die neuen Lebensumstände geprägt. Ein Bewohner habe immer noch gelegentlich mit Heimweh zu kämpfen, „es ist für ihn das erste Mal ganz von Zuhause weg zu sein“, erzählt sie.

Gemeinsam etwas unternehmen

Wie auch in der Hermann-von-Sicherer-Straße funktioniert das Miteinander in der Packenreiterstraße gut. „Die Studenten fühlen sich wohl, sind sehr engagiert, herzlich und verantwortungsbewusst“, bescheinigt die Sonderpädagogin. Für die Studenten ist es ein Glück in guter Lage und mit S-Bahn-Anbindung in München eine Wohnung zu finden. Sie zahlen keine Miete, lediglich für das Essen – wie alle anderen auch – 130 Euro in die Haushaltskasse. „Wenn die Studenten nicht gerade in einer akuten Lernphase sind, unternehmen sie auch außerhalb ihrer festen Präsenzzeiten etwas zusammen mit ihren Mitbewohnern oder verbringen Zeit in den Gemeinschaftsräumen“, freut sich die Einrichtungsleiterin der inklusiven Lebenshilfe Wohngemeinschaft.

Vom Sonderschullehramt zur Lebenshilfe

Eigentlich wollte Natascha Münzer für das Sonderschullehramt studieren. Ihr Weg führte sie dann aber zur Lebenshilfe München. „Im Studium haben wir das Verhalten von Menschen sehr vertieft und viel über die emotionale Entwicklung gelernt. Unter dem Strich steht ein wertschätzendes und annehmendes Wertebild, wie ich es auch von zuhause her kenne. Das motiviert mich in der Arbeit bis heute und es ist schön, es jeden Tag erleben zu dürfen.“

Fachgespräche von Vertrauen getragen

Es ist ihre erste Station als Einrichtungsleiterin. Umso wichtiger ist es für sie, dass ihr vom ‚Ambulant Betreuten Wohnen‘ mit Daniela Holzmann eine erfahrende Fachkraft zur Seite steht und ebenso mit René Pfeifer, der Lebenshilfe-Bereichsleiter Wohnen. „Wir pflegen ein sehr gutes Arbeitsverhältnis, arbeiten im Team zusammen und unsere Fachgespräche sind von Vertrauen geprägt“, freut sich Natascha Münzer.

Münchner Freiwilligenmesse weist online den Weg zum Ehrenamt

Die Münchner Freiwilligen-Messe startet!

  • Um 16.00 Uhr startet sie am 22.01. im Münchner Rathaus
  • Die Homepage der Freiwilligen-Messe geht komplett online.
  • Bei „Jetzt Live“ können Sie live bei der Eröffnung dabei sein.

Die Münchner Freiwilligenmesse im Gasteig war immer gut besucht, wie unser Archivfoto aus dem Jahr 2016 zeigt. Foto: Gerd Spranger

Seit Jahren hat sich die „Münchner Freiwilligenmesse“ im Kultur- und Bildungszentrum Gasteig mit etwa 6000 Besuchern etabliert. Ehrenamt und Freiwilligkeit sind tragende Säulen in unserer Gesellschaft und gerade in München sind die Möglichkeiten dafür vielfältig. Dieses Jahr aber ist alles anders, die Münchner Freiwilligenmesse wird online abgehalten. Auch die Lebenshilfe München ist mit dabei und hat drei Termine für sich reserviert.

Ansprechbar bleiben

Die Entwicklung im Ehrenamt ist aufgrund der Corona-Einschränkungen unterschiedlich zu bewerten. Bei der OBA (Offene Behindertenarbeit) etwa fallen viele Termine weg, dennoch muss man ansprechbar und erreichbar bleiben, nach Alternativen suchen. Gerne wird auf Online-Möglichkeiten verwiesen, wie etwa jetzt bei der Freiwilligenmesse, doch nicht alle Menschen sind so zu erreichen. Die jüngere Generation ist in WhatsApp-Gruppen häufig gut vernetzt, kommunizieren über Video (Zoom), ältere Menschen ist dieser Weg meist verschlossen. Zudem benötigen Menschen mit geistiger Behinderung besondere Unterstützung. Gemeinsame Spaziergänge, Ausflüge und sportliche Aktivitäten sind online ebenfalls nicht zu machen.

„Die Leute wollen sich engagieren“

„Die Nachfrage für Engagement im Ehrenamt ist da,“ berichtet Özge Cetin vom FuD (Familienunterstüztender Dienst). „Studentinnen und Studenten etwa haben jetzt mehr Zeit zur Verfügung, weil feste Termine für Vorlesungen aktuell entfallen. Da öffnet sich manches Zeitfenster.“ Und ganz allgemein steigt das Bedürfnis nach persönlichen Kontakten und persönlicher Ansprache.

„Zu den Wohnheimen etwa vermitteln wir Ehrenamtliche für Einkaufsdienste oder zur Betreuung der Bewohner. Und auch wenn die Freizeitangebote still stehen, halten wir Kontakt zu unseren Ehrenamtlichen. Wir zählen weiterhin auf sie und zu gelegentlichen Aktivitäten, wie etwa unsere Plätzchen-Back-Aktion“, erzählt Özge Cetin. Und Harry Zipf, Leiter der OBA ergänzt: „Wenn sich neue Helfer für die OBA melden, was sie auch tun, versuchen wir sie so gut wie möglich einzubeziehen. Aktuell braucht es dabei noch etwas Geduld, bis wir wieder richtig durchstarten können, auch wenn viele gleich mitmachen möchten, etwa bei der Einzelbetreuung über den FUD.“

Wie sich Ehrenamt in Zeiten von Corona-Beschränkungen gestaltet und welche Möglichkeiten es bietet, darüber gibt die „Münchner Freiwilligenmesse“ im Kultur- und Bildungszentrum Gasteig Auskunft, sie startet am 22. Januar. Die neue Internetseite der Messe zeigt jeden Tag Online-Veranstaltungen der Messe-Aussteller. Es sind Live-Vorträge zu sehen und hören, ein ansprechendes kulturelles Rahmenprogramm und die Möglichkeit mit Ausstellern direkt ins Gespräch zu kommen.
Die Lebenshilfe München ist auf der Messe direkt zu erreichen am:

Montag  (27.01.)  von 15 bis 19 Uhr
Mittwoch (29.01) von 09 bis 13 Uhr
Freitag  (31.01.)  von 15 bis 19 Uhr

Die Schwerpunkte der Freiwilligenmesse gliedern sich in: Beratung, Gesundheit, Kinder und Jugend, Kultur, Migration, Senior*innen, Soziales, Umwelt und Tierschutz, Zivilcourage.

Schnelltests und Impfungen bei der Lebenshilfe

Bei der Lebenshilfe München haben die Impfungen gegen SARS-CoV-2 am Sonntag den 10. Januar 2021 durch mobile Impfteams begonnen. Bereits die Hälfte der Bewohner in stationären Wohnstätten und die dort beschäftigten Mitarbeiter sind geimpft. Vorstand und Geschäftsführer Peter Puhlmann und René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen, freuen sich über den schnellen Start. Dennoch sind weiterhin Geduld und Vorsicht angebracht, denn der volle Impfschutz bestehe erst sieben Tage nach der zweiten Impfung. Und für die zweite Impfung ist eine Wartezeit von drei Wochen vorgesehen. Weiterlesen

Das OBA-Planungstreffen mal anders

Üblicherweise sind die Treffen der Ehrenamtlichen mit dem Team der OBA sehr gesellige Angelegenheiten bei der Lebenshilfe München. Es gibt ein Buffet, es wird zusammen gelacht und gegessen und man hat sich viel zu erzählen. Üblicherweise wird bei diesen Gelegenheiten auch das Programm für das nächste blaue Heft geplant. Das letzte Planungstreffen dieser Art hat vor genau einem Jahr stattgefunden. Höchste Zeit, dass sich alle mal wiedersehen! Weiterlesen

Weihnachtsbäume für die Wohnstätten

Festlich geschmückt steht der Weihnachtsbaum für Licht und Wärme, für Friede und Freude in unseren Wohnzimmern. Auch in den Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München symbolisiert er Hoffnung, besonders in schweren Zeiten, in denen die Tage kurz sind. Der auch in München ansässige Aufzug- und Fahrtreppen-Hersteller Schindler sponserte der Lebenshilfe München fünf Weihnachtsbäume für die Wohnstätten und dazu noch viel Weihnachtsgebäck. Unser Foto zeigt (von links): Vladislavs Jakubovics und Stefanie Wöller von dem Aufzugunternehmen Schindler Deutschland AG und Peter Puhlmann mit René Pfeifer von der Lebenshilfe München. Sie freuen sich, für Menschen mit geistiger Behinderung ein Stück Freude schenken zu können.

Angehörigenberatung, Schnelltest und Weiterbildung

Aus dem Newsletter der Lebenshilfe München

Aus der Angehörigenberatung

– Beratungsgespräche jetzt auch per Videochat möglich
– Die Angehörigenberatung erweitert ihr kontaktloses Angebot

Aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens bietet die Angehörigenberatung jetzt auch Beratungstermine im Videoformat an. „Wir möchten damit neben Telefon und Mail eine weitere kontaktfreie Möglichkeit zur Klärung von Fragen und zum Austausch eröffnen.“ – so Beate Bettenhausen von der Angehörigenberatung. Auch persönliche Gespräche im Beratungsbüro können weiterhin vereinbart werden und finden unter Beachtung der Infektionsschutzregeln in einem sicheren Rahmen statt.  Weiterlesen

Barbara Stamm beim Presseclub

AUS DEM NEWSLETTER DER LEBENSHILFE MÜNCHEN

TERMIN.
Montag 30.11. um 11 Uhr

Das Pressegespräch steht unter dem Zeichen: „Brennpunkt häusliche Pflege: Der größte Pflegedienst Deutschlands schlägt Alarm“.

 

Hintergrund: Gemeinsam mit der Vorsitzenden des Amberger Vereins Pflegende Angehörige, Kornelia Schmid, und dem Vorsitzenden des Münchner Vereins deinNachbar e.V., Thomas Oeben, spricht Frau Stamm darüber, dass pflegende Angehörige allgemein, aber vor allem auch in der Corona Krise, dringend entlastet werden müssen.

Hier der Link zur Liveschaltung:
https://www.youtube.com/channel/UC4FAgyjnUzZWeKCm-2C2TYQ

Der Presseclub München schreibt zum Thema:  Weiterlesen

Die Selbstbestimmung muss weiter gehen

Ganz neue Erfahrungen und einen intensiven Austausch erlebten die zwei Selbstvertreter der OBA der Lebenshilfe München in der Video-Konferenz.  –  Fotos: Lebenshilfe München

Dennoch bleibt es ein Ziel der Lebenshilfe und auch aller anderen Sozial- und Wohlfahrtsverbände, Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und sie auf den Weg dorthin zu fördern. Ein wichtiger Baustein dafür sind ‚Selbstvertretungen‘, in denen sich Menschen mit Behinderung selbst für ihre Belange einsetzten. Solche Selbstvertretungen gibt es etwa im Bereich der OBA, der Wohneinrichtungen oder der Werkstätten.  Weiterlesen

Inklusion und die Arbeitswelt

S A V E   T H E   D A T E  :  28.10.2020 in Aschheim bei München

Allein der Titel des Filmes ‚Utopisches vom Himmelreich‚ ist vielsagend, denn ‚da oben‘ dürfte so manches anders laufen, was wir als Erdenbürger noch als Utopie verstehen. Doch der Hintergrund des Filmes ist ein ganz irdischer. Er widmet sich nämlich der Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung. Es ist ein Film von Stefan Ganter und Peter Ohlendorf und eine Produktion von FilmFaktum und Ganter Film & Medien. Weiterlesen

Vorbereiten für ein Leben in Eigenverantwortung

In vielen Bereichen war und ist die Lebenshilfe Impulsgeber für Politik und Gesellschaft. Das gilt vor allem für den Bereich ‚Wohnen‘, wie die neue Einrichtung am Willinger Weg (Ramersdorf) oder die offen-gemischte Wohngemeinschaft in der Hermann-von-Sicherer Straße (München-Sendling), die vor zwei Jahren öffnete. Doch bereits vor 40 Jahren ging man unkonventionelle Wege, die der Zeit weit voraus waren, wie etwa die Wohneinrichtung am Kiem-Pauli-Weg zeigt.

Im großen Gemeinschaftsraum finden alle Bewohner Platz. In Zeiten von Corona hat sich das geändert.

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