Münchner Freiwilligenmesse weist online den Weg zum Ehrenamt

Die Münchner Freiwilligen-Messe startet!

  • Um 16.00 Uhr startet sie am 22.01. im Münchner Rathaus
  • Die Homepage der Freiwilligen-Messe geht komplett online.
  • Bei „Jetzt Live“ können Sie live bei der Eröffnung dabei sein.

Die Münchner Freiwilligenmesse im Gasteig war immer gut besucht, wie unser Archivfoto aus dem Jahr 2016 zeigt. Foto: Gerd Spranger

Seit Jahren hat sich die „Münchner Freiwilligenmesse“ im Kultur- und Bildungszentrum Gasteig mit etwa 6000 Besuchern etabliert. Ehrenamt und Freiwilligkeit sind tragende Säulen in unserer Gesellschaft und gerade in München sind die Möglichkeiten dafür vielfältig. Dieses Jahr aber ist alles anders, die Münchner Freiwilligenmesse wird online abgehalten. Auch die Lebenshilfe München ist mit dabei und hat drei Termine für sich reserviert.

Ansprechbar bleiben

Die Entwicklung im Ehrenamt ist aufgrund der Corona-Einschränkungen unterschiedlich zu bewerten. Bei der OBA (Offene Behindertenarbeit) etwa fallen viele Termine weg, dennoch muss man ansprechbar und erreichbar bleiben, nach Alternativen suchen. Gerne wird auf Online-Möglichkeiten verwiesen, wie etwa jetzt bei der Freiwilligenmesse, doch nicht alle Menschen sind so zu erreichen. Die jüngere Generation ist in WhatsApp-Gruppen häufig gut vernetzt, kommunizieren über Video (Zoom), ältere Menschen ist dieser Weg meist verschlossen. Zudem benötigen Menschen mit geistiger Behinderung besondere Unterstützung. Gemeinsame Spaziergänge, Ausflüge und sportliche Aktivitäten sind online ebenfalls nicht zu machen.

„Die Leute wollen sich engagieren“

„Die Nachfrage für Engagement im Ehrenamt ist da,“ berichtet Özge Cetin vom FuD (Familienunterstüztender Dienst). „Studentinnen und Studenten etwa haben jetzt mehr Zeit zur Verfügung, weil feste Termine für Vorlesungen aktuell entfallen. Da öffnet sich manches Zeitfenster.“ Und ganz allgemein steigt das Bedürfnis nach persönlichen Kontakten und persönlicher Ansprache.

„Zu den Wohnheimen etwa vermitteln wir Ehrenamtliche für Einkaufsdienste oder zur Betreuung der Bewohner. Und auch wenn die Freizeitangebote still stehen, halten wir Kontakt zu unseren Ehrenamtlichen. Wir zählen weiterhin auf sie und zu gelegentlichen Aktivitäten, wie etwa unsere Plätzchen-Back-Aktion“, erzählt Özge Cetin. Und Harry Zipf, Leiter der OBA ergänzt: „Wenn sich neue Helfer für die OBA melden, was sie auch tun, versuchen wir sie so gut wie möglich einzubeziehen. Aktuell braucht es dabei noch etwas Geduld, bis wir wieder richtig durchstarten können, auch wenn viele gleich mitmachen möchten, etwa bei der Einzelbetreuung über den FUD.“

Wie sich Ehrenamt in Zeiten von Corona-Beschränkungen gestaltet und welche Möglichkeiten es bietet, darüber gibt die „Münchner Freiwilligenmesse“ im Kultur- und Bildungszentrum Gasteig Auskunft, sie startet am 22. Januar. Die neue Internetseite der Messe zeigt jeden Tag Online-Veranstaltungen der Messe-Aussteller. Es sind Live-Vorträge zu sehen und hören, ein ansprechendes kulturelles Rahmenprogramm und die Möglichkeit mit Ausstellern direkt ins Gespräch zu kommen.
Die Lebenshilfe München ist auf der Messe direkt zu erreichen am:

Montag  (27.01.)  von 15 bis 19 Uhr
Mittwoch (29.01) von 09 bis 13 Uhr
Freitag  (31.01.)  von 15 bis 19 Uhr

Die Schwerpunkte der Freiwilligenmesse gliedern sich in: Beratung, Gesundheit, Kinder und Jugend, Kultur, Migration, Senior*innen, Soziales, Umwelt und Tierschutz, Zivilcourage.

Schnelltests und Impfungen bei der Lebenshilfe

Bei der Lebenshilfe München haben die Impfungen gegen SARS-CoV-2 am Sonntag den 10. Januar 2021 durch mobile Impfteams begonnen. Bereits die Hälfte der Bewohner in stationären Wohnstätten und die dort beschäftigten Mitarbeiter sind geimpft. Vorstand und Geschäftsführer Peter Puhlmann und René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen, freuen sich über den schnellen Start. Dennoch sind weiterhin Geduld und Vorsicht angebracht, denn der volle Impfschutz bestehe erst sieben Tage nach der zweiten Impfung. Und für die zweite Impfung ist eine Wartezeit von drei Wochen vorgesehen.

Impfungen wirken ab Februar 2021

Die Lebenshilfe München ist mit Schnelltests und Impfungen auf einen guten Weg. Aktuell gibt es keine Covid-19-Fälle.

Lange gab es bei der Lebenshilfe München keinen einzigen positiven Covid-19-Fall. Mit dem starken Anstieg der Fallzahlen im November aber registrierte die Lebenshilfe am dritten Dezember 2020 ihren ersten Fall. „Wir haben es zeitnah feststellen können, denn unser Ambulanter Dienst führt in den Einrichtungen gemeinsam mit einem Arzt regelmäßig Schnelltests durch. Aktuell sind alle unsere Bewohner und Mitarbeiter negativ getestet, so dass wir keinen einzigen Covid-19-Fall mehr in unseren Wohneinrichtungen betreuen müssen. Auch Besucher, also auch Eltern, Betreuer und Angehörige, dürfen die Einrichtungen nur mit einem negativen Testergebnis betreten.“

Teilhabe am öffentlichen Leben

Peter Puhlmann sieht die Gefahr einer Ansteckung darum weniger in den Einrichtungen, sondern in den ‚Kontakten nach außen‘. Das beginne bei der Nutzung von Beförderungsdiensten und reiche hinein in das Arbeitsleben, wie ja aktuell auch in Politik und Gesellschaft diskutiert werde. Die Impfungen wertet René Pfeifer „als eine große Chance auf einen besseren Infektionsschutz für alle Beteiligten und als den Weg hin zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.“

Das OBA-Planungstreffen mal anders

Üblicherweise sind die Treffen der Ehrenamtlichen mit dem Team der OBA sehr gesellige Angelegenheiten bei der Lebenshilfe München. Es gibt ein Buffet, es wird zusammen gelacht und gegessen und man hat sich viel zu erzählen. Üblicherweise wird bei diesen Gelegenheiten auch das Programm für das nächste blaue Heft geplant. Das letzte Planungstreffen dieser Art hat vor genau einem Jahr stattgefunden. Höchste Zeit, dass sich alle mal wiedersehen!

Dieses Mal leider nicht vor Ort und ohne leckeres Buffet, dafür aber mit viel Spaß und Freude am Online-Wiedersehen vor dem Bildschirm. Bei den echten Planungstreffen kommen die Leute zu spät in die Geschäftssteller der Lebenshilfe München, weil sie auf dem mittleren Ring im Stau stehen. Beim Online-Meeting sind es Probleme mit der Kamera oder dem Mikro, die den Beginn verzögern.

Gibt es 2021 wieder Reisen?

25 Teilnehmer*inne waren dabei, die Hauptamtlichen haben berichtet, was die OBA in den vergangenen Monaten gemacht hat und es wurde auch schon vorsichtig in die Zukunft geschaut. Welche Reisen sind für 2021 geplant? Wann kann die OBA vielleicht wieder loslegen? Für die geplante Wiederaufnahme des Freizeit- und Bildungsangebots ab April sind coronakonforme und kreative Angebote gefragt.

Freizeit- und Bildungsangebote

Da fällt den Ehrenamtlichen bestimmt etwas ein, denn eines wird beim Online-Meeting klar: Alle vermissen die OBA, den Kontakt mit den Teilnehmer*innen und die gemeinsame Zeit. Wenn es wieder möglich ist, dann werden es alle noch mehr genießen, als vorher schon. Und dann wird es sicher wieder die Reisemöglichkeiten und die Freizeitangebote geben.

Text: OBA

Weihnachtsbäume für die Wohnstätten

Festlich geschmückt steht der Weihnachtsbaum für Licht und Wärme, für Friede und Freude in unseren Wohnzimmern. Auch in den Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München symbolisiert er Hoffnung, besonders in schweren Zeiten, in denen die Tage kurz sind. Der auch in München ansässige Aufzug- und Fahrtreppen-Hersteller Schindler sponserte der Lebenshilfe München fünf Weihnachtsbäume für die Wohnstätten und dazu noch viel Weihnachtsgebäck. Unser Foto zeigt (von links): Vladislavs Jakubovics und Stefanie Wöller von dem Aufzugunternehmen Schindler Deutschland AG und Peter Puhlmann mit René Pfeifer von der Lebenshilfe München. Sie freuen sich, für Menschen mit geistiger Behinderung ein Stück Freude schenken zu können.

Angehörigenberatung, Schnelltest und Weiterbildung

Aus dem Newsletter der Lebenshilfe München

Aus der Angehörigenberatung

– Beratungsgespräche jetzt auch per Videochat möglich
– Die Angehörigenberatung erweitert ihr kontaktloses Angebot

Aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens bietet die Angehörigenberatung jetzt auch Beratungstermine im Videoformat an. „Wir möchten damit neben Telefon und Mail eine weitere kontaktfreie Möglichkeit zur Klärung von Fragen und zum Austausch eröffnen.“ – so Beate Bettenhausen von der Angehörigenberatung. Auch persönliche Gespräche im Beratungsbüro können weiterhin vereinbart werden und finden unter Beachtung der Infektionsschutzregeln in einem sicheren Rahmen statt.

Wir bitten um Verständnis, dass Beratungen zu rechtlichen Fragestellungen und individuellen Leistungsansprüchen auch zukünftig nur telefonisch beziehungsweise nach Terminvereinbarung persönlich möglich sind.

Die Angehörigenberatung ist immer Dienstags von 9 bis 16 Uhr für Sie erreichbar oder per Mail unter beratung@lebenshilfe-muenchen.de. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme und auf digitale und persönliche Begegnungen.

Erhöhte Pauschale gilt nun bis Ende Dezember

– Zwanzig Euro mehr für „zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel“

Ab dem Pflegegrad 1 erhalten pflegebedürftige Menschen eine Pauschale für so genannte „zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel“. Dazu gehören z. B. Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel und Mundschutz. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Pauschale im April 2020 von 40 Euro auf 60 Euro erhöht. Die ursprünglich bis Ende September befristete Erhöhung wurde bis Ende 2020 verlängert. Die gesetzliche Grundlage hierfür ist die COVID-19-Versorgungsstrukturen-Schutzverordnung.

Corona-Schnelltest für Lebenshilfe Einrichtungen

– Die Lebenshilfe München arbeitet auf Hochtouren an der neuen Testkonzeption

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe hatte sich bei Gesundheitsminister Jens Spahn vehement dafür eingesetzt, dass auch Menschen mit Behinderung zur Prävention Schnelltests auf Corona kostenfrei erhalten. Dies spielt eine sehr große Rolle im Miteinander in den Lebenshilfe Einrichtungen, den Werkstätten, Wohnheimen und Wohngemeinschaften. Zusammen mit dem Ambulanten Pflegedienst erarbeitet die Lebenshilfe München momentan eine Testkonzeption, damit die Schnelltest möglichst bald einsetzbar sind. „Wir versuchen uns in den nächsten zwei Wochen gut aufzustellen, um für den Jahreswechsel gerüstet zu sein. Dies ist eine große Chance auf der einen Seite einen besseren Infektionsschutz für alle Beteiligten zu gewährleisten und auf der anderen Seite die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft, Teilhabe am Arbeitsleben, Besuche und überhaupt die sozialen Begegnungen aufrechtzuerhalten.“ – sagt René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen.

Bildungsinstitut der Lebenshilfe Bundesvereinigung

– Digitales Projekt: „Selbstvertretung – Na klar!“

Am 15. Dezember 2020 findet von 16 bis 18 Uhr eine Video-Konferenz für „SelbstvertreterInnen und die, die es werden wollen“ statt. Die Veranstaltung ist Teil des Projektes: „Selbstvertretung – Na klar!“, welches nun digital fortgesetzt wird. Die Themen der Veranstaltung sind:

Was ist Selbstvertretung? – Was ist Politik? – Was ist ein Verein? – Was ist gute Unterstützung?

3. Dezember Welttag der Menschen mit Behinderung

Das diesjährige Motto lautet „Ein besseres Zurück:
hin zu einer behindertengerechten, zugänglichen und nachhaltigen Post-COVID-19-Welt

Seit 1993 ist der 3. Dezember Welttag der Menschen mit Behinderung. Der von den Vereinten Nationen ausgerufene Gedenk- und Aktionstag wird gewöhnlich von zahlreichen Veranstaltungen gesäumt und soll das Bewusstsein für die Belange von Menschen mit Behinderungen stärken. Dieses Jahr wird der Tag vor allem online begangen, wodurch die Teilhabe klar beschränkt wird. Mehr Barrierefreiheit im Internet ist ein Thema, das gerade jetzt, aber auch in Zukunft, Willen, Fantasie und Taten braucht. Daher widmet sich der aktuelle Newsletter interessanten Angeboten in den Medien.

Corona Informationsseite der Bundesvereinigung

– Leichte Sprache und Gebärdensprache

Themen ‚Rund um Corona‘ gibt es in Leichter Sprache und Gebärdensprache auf der Webseite der Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V.. Es gibt umfassende Informationen zum Virus und dem Umgang damit, zum Beispiel: wichtige Rufnummern, FAQs für Dienste und Einrichtungen, Links, Verhaltenstipps und Neuigkeiten zur Pandemie. Die Seite enthält Informationen für Fachpersonal, Angehörige und für Menschen mit und ohne Behinderung.

Hier kommen Sie zur Rubrik Corona in Leichter Sprache.
Dort sind beispielsweise auch Links zu verwandten Seiten, wo dann wiederum in Leichter Sprache erklärt wird, wie etwa Zoom auf dem Handy funktioniert.

Hier kommen Sie zum Gebärdentelefon.

Hier kommen Sie zu Corona-Informationen in Gebärdensprache – auf der Seite des Kompetenzzentrums Selbstbestimmt Leben.

Barbara Stamm beim Presseclub

AUS DEM NEWSLETTER DER LEBENSHILFE MÜNCHEN

TERMIN.
Montag 30.11. um 11 Uhr

Das Pressegespräch steht unter dem Zeichen: „Brennpunkt häusliche Pflege: Der größte Pflegedienst Deutschlands schlägt Alarm“.

Hintergrund: Gemeinsam mit der Vorsitzenden des Amberger Vereins Pflegende Angehörige, Kornelia Schmid, und dem Vorsitzenden des Münchner Vereins deinNachbar e.V., Thomas Oeben, spricht Frau Stamm darüber, dass pflegende Angehörige allgemein, aber vor allem auch in der Corona Krise, dringend entlastet werden müssen.

Hier der Link zur Liveschaltung:
https://www.youtube.com/channel/UC4FAgyjnUzZWeKCm-2C2TYQ

Der Presseclub München schreibt zum Thema:

Ungefähr 80 % der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland leben zu Hause. Aber nur ein Viertel davon erhält Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst. Damit liegt die Hauptlast auf den Schultern der pflegenden Angehörigen, die sich im Durchschnitt 43 Stunden pro Woche um ihre Angehörigen kümmern. Oft mit einer Situation konfrontiert, die für sie neu ist, sie überfordert und an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt. In den kommenden Jahren wird die Zahl der hilfe- und pflegebedürftigen Menschen drastisch weiter ansteigen. Aktuellen Prognosen zufolge soll im Jahr 2030 jeder siebte Bundesbürger auf Unterstützung im Alltag angewiesen sein. Durch den Fachkräftemangel in der Pflege steigt damit auch die Belastung für die pflegenden Angehörigen. Wie gestaltet sich die Situation pflegender Angehöriger? Wie können pflegende Angehörige konkret unterstützt und entlastet werden? Welche Möglichkeiten gibt es bereits und wie werden sie genutzt? Was wird aus Sicht der Betroffenen noch gebraucht? Diese und weitere Fragen wollen wir gemeinsam mit den Expert*innen diskutieren.

Die Selbstbestimmung muss weiter gehen

Ganz neue Erfahrungen und einen intensiven Austausch erlebten die zwei Selbstvertreter der OBA der Lebenshilfe München in der Video-Konferenz.  –  Fotos: Lebenshilfe München

Dennoch bleibt es ein Ziel der Lebenshilfe und auch aller anderen Sozial- und Wohlfahrtsverbände, Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und sie auf den Weg dorthin zu fördern. Ein wichtiger Baustein dafür sind ‚Selbstvertretungen‘, in denen sich Menschen mit Behinderung selbst für ihre Belange einsetzten. Solche Selbstvertretungen gibt es etwa im Bereich der OBA, der Wohneinrichtungen oder der Werkstätten.

Bedarf ermitteln und Hilfen bekommen

Der Lebenshilfe Landesverband Bayern hatte jetzt zu einer Tagung unter dem Motto „Selbst-Vertretung geht weiter – na klar!“ geladen. 80 engagierte Menschen mit Behinderungen tauschten sich auf der ersten digitalen Fach-Tagung für Selbstvertreter der Lebenshilfe Bayern aus. Im Mittelpunkt standen die Vorträge von Gastredner Michael Groß (Caritas Nürnberger Land) und Holger Kiesel, Behindertenbeauftragter Bayern. Sie sind überzeugt, dass Selbst-Vertretung auch in Corona-Zeiten weitergehen wird und muss. Wichtig ist aktuell ebenso das Bedarfs-Ermittlungs-Instrument in Bayern. Holger Kiesel informierte, wie man hier auch künftig die Hilfe bekommt, die man braucht.

Bei der Lebenshilfe München nahm für die OBA die Sozialpädagogin Julia Bader teil und mir ihr zwei Selbstvertreterinnen. Als ‚Tagungsort‘ eignete sich der große Gemeinschaftsraum der Einrichtung, wo man bei genügend Platz die Abstandsregeln einhalten kann. Auch an Technik ist die Lebenshilfe München mit großen Bildschirmen gut ausgestattet. „Bei der Einrichtung der Videokonferenz habe ich zunächst Hilfe geleistet, doch dann konnten wir alle teilnehmen. Anfangs war es für die Selbstvertreterinnen ungewohnt, „mit dem Bildschirm zu sprechen“, doch das legte sich nach einer Weile. Die Tagung dauerte einige Stunden und wir wurden alle ermutigt, die Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung weiter voran zu bringen.“

Mehr Informationen dazu finden Sie unter:
https://www.lebenshilfe-bayern.de/aktuelles/

Inklusion und die Arbeitswelt

S A V E   T H E   D A T E  :  28.10.2020 in Aschheim bei München

Allein der Titel des Filmes ‚Utopisches vom Himmelreich‚ ist vielsagend, denn ‚da oben‘ dürfte so manches anders laufen, was wir als Erdenbürger noch als Utopie verstehen. Doch der Hintergrund des Filmes ist ein ganz irdischer. Er widmet sich nämlich der Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung. Es ist ein Film von Stefan Ganter und Peter Ohlendorf und eine Produktion von FilmFaktum und Ganter Film & Medien.

Zum Film-Projekt

Das Experiment begann vor gut zehn Jahren unter Begleitung von zwei Kameras: Neun junge Leute mit geistigem Handicap sollten an der Akademie Himmelreich fit gemacht werden für eine Anstellung in der Gastronomie oder im Hotelbetrieb, mit Verträgen nach Tarifrecht. Eine Dekade später schauen wir den Teilnehmer*innen des ersten Himmelreich-Kurses noch einmal über die Schulter und wollen wissen: Kann dieses Experiment im täglichen Arbeitsleben bestehen?

TERMIN. Mittwoch, 28. Oktober 2020 von 17:00 Uhr bis 19:00 Uhr
O R T : DriveIn Autokino München-Aschheim, Münchner Straße 60, 85609 Aschheim

 

Vorbereiten für ein Leben in Eigenverantwortung

In vielen Bereichen war und ist die Lebenshilfe Impulsgeber für Politik und Gesellschaft. Das gilt vor allem für den Bereich ‚Wohnen‘, wie die neue Einrichtung am Willinger Weg (Ramersdorf) oder die offen-gemischte Wohngemeinschaft in der Hermann-von-Sicherer Straße (München-Sendling), die vor zwei Jahren öffnete. Doch bereits vor 40 Jahren ging man unkonventionelle Wege, die der Zeit weit voraus waren, wie etwa die Wohneinrichtung am Kiem-Pauli-Weg zeigt.

Im großen Gemeinschaftsraum finden alle Bewohner Platz. In Zeiten von Corona hat sich das geändert.

In einem großen Wohnblock kaufte der Elternverein Lebenshilfe München e.V. mehrere Ein- und Zweizimmerwohnungen, um Menschen mit geistiger Behinderung ein weitgehend selbständiges Leben zu ermöglichen. In die größte Wohnung wurde ein Büro integriert, mit Gemeinschaftsraum, Waschmaschine, Trockner und Küche als zentrale Anlaufstelle. Zentrumsnah, gut erschlossen durch den MVV und die wichtigsten Einrichtungen und Geschäfte fußläufig zu erreichen. Bis heute nimmt die Berliner Straße unter den zehn Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München eine Sonderstellung ein. Gezielt werden die Bewohner für ein selbständiges Leben geschult, so dass dann im Anschluss, soweit möglich, nur noch eine ambulante Betreuung für das Wichtigste und Notwendigste vorgesehen ist. Seit einem Jahr leitet die Heilerziehungspflegerin Lisa Hasenberger die Einrichtung. Wir haben sie in München besucht.

Den Alltag einüben

Zunächst erzählt sie aus dem Alltag, wie das Leben normalerweise am Kiem-Pauli-Weg, und auch in der Berliner Straße, läuft. 20 Menschen mit leichter geistiger Behinderung leben in den beiden Einrichtungen. „Menschen, die hier einziehen, sind eigentlich recht fit. Für sie ist es ein Super-Schritt von einer Stationären Betreuung hin zu einem selbstständig geführtem Leben zu kommen.“ Da wird dann schon mal gemeinsam gelernt, einfache Gerichte selbst zubereitet. Auch das Waschen der eigenen Wäsche und die Reinheit und Ordnung in der eigenen Wohnung zu halten, wird trainiert, ebenso das selbständige Einkaufen. „Es gibt bei uns aber ganz bewusst Zeiten ohne feste Betreuung, damit sie lernen, auch in für sie kniffligen Situationen allein zurecht zu kommen. Freilich lassen wir sie dabei nicht ganz alleine, denn die Rufbereitschaft funktioniert immer.“

Gezielt die Defizite beheben

Und ein Handy hat jeder Bewohner und weiß damit auch umzugehen. Es ist ein wichtiger Teil des Lebens geworden. Wie es sich für eine Wohngruppe gehört, gibt es auch Dienstpläne, für die jeder mal eingeteilt ist. „In wöchentlichen Besprechungen vertiefen wir regulär das Erlebte immer wieder, um gezielt Defizite auszugleichen. Wir trainieren auch für große und kleine Notfälle wie etwa was zu tut ist, wenn ein Feuer ausbricht. Manchmal braucht es auch psychische Hilfe und natürlich sind wir da Ansprechpartner. Mehr in die Praxis geht es bei regelmäßigen Arztbesuchen, die zwar in der Regel allein durchgeführt werden, wir helfen aber gelegentlich bei der Einhaltung der Termine.“

Wenigstens einmal am Tag will man jeden der Bewohner sehen oder sprechen, und sei es nur am Telefon. „Das gibt uns und den Bewohnern Sicherheit. Natürlich berücksichtigen wir die Privatspähre, wenn jemand mal ’seine Ruhe haben will‘. Dann genügt ein einfaches ‚Hallo‘ am Telefon.“ Im großen Gemeinschaftsraum wird gelegentlich auch gemeinsam gegessen, vor allem am Wochenende und in Ferienzeiten, wenn die Arbeit auch in den Lebenshilfe-Werkstätten ruht. „Das war zumindest bisher so der Fall“, schränkt Lisa Hasenberger ein. Doch Corona hat auch für die Bewohner der Berliner Straße und am Kiem-Pauli-Weg viel verändert.

Foto: Lisa Hasenberger leitet mit Maske, Laptop und Ablage die Gruppe. Fotos: Gerd Spranger

Corona ändert alles

„Gemeinsames Essen im Gemeinschaftsraum beschränken wir auf Kleingruppen, wo wir zuvor in einer Runde von bis zu zwölf Leuten zusammen gesessen sind. Menschen mit Behinderung, besonders innerhalb einer Wohngruppe, zählen zu Risikogruppe,“ erklärt die Einrichtungsleiterin. Schwer wogen auch die Kontaktverbote. „Selbst Eltern und Betreuern war ein direkter persönlicher Kontakt innerhalb der Wohngruppe über Wochen hinweg nicht möglich. Das war und ist auch für die Bewohner schwer. Sie verstehen ganz allgemein manche Beschränkungen nicht und je länger die Einschränkungen dauern, je tiefer sitzt der Frust.“ Umgestellt wurde etwa auch der wöchentliche Einkauf für die Gruppe über mehrere Wochen, den die Bewohner sonst selbst erledigten. Das übernahmen eine lange Zeit ehrenamtliche Helfer und waren damit im Wortsinne wirklich eine große Hilfe. „Über den Gruppen-Einkauf hinaus hat ja jeder der Bewohner auch noch persönliche Wünsche. Die Liste also ist lang“, erzählt Lisa Hasenberger.

Wenn die Struktur verloren geht

Ein wichtiger Teil des pädagogischen Konzeptes der Lebenshilfe München sind feste Abläufe, Rituale und Regeln, nach denen das Leben, der Alltag funktioniert. Der Umgang mit Änderungen fällt schwer. Besonders hart traf darum auch die Schließung der Lebenshilfe-Werkstätten über viele Wochen hinweg. „Es fehlte die Struktur, die Beschäftigung ging verloren, der Austausch in und mit der Gruppe und den Betreuern, kurzum, das ganze Leben war auf den Kopf gestellt. Ein menschlicher und pädagogischer Supergau, dem wir uns zu stellen hatten, und wir arbeiteten so gut es ging dagegen an“, erinnert sich Lisa an jene schweren Monate und hofft, dass es kein zweites Mal gibt.

Es ist viel zu organisieren

Es galt jetzt für das Team aus neun Mitarbeitern die Betreuungszeiten von täglich 11 bis 17 Uhr und von 15 bis 21 Uhr auszuweiten und eine Struktur für den langen Alltag zu schaffen, zumindest zeitweise. Unterstützt wurden sie dabei von einer weiteren Kraft und einem ‚Bufdi‘ (aus dem Bundesfreiwilligendienst). „Wir konnten ja auch nicht mit der Gruppe insgesamt arbeiten, wir mussten und müssen immer die Corona-Abstände beachten und natürlich ebenso alle anderen AHA-Regeln. So gab es für uns viel zu besprechen, abzustimmen und zu organisieren.“ Dazu zählen auch der regelmäßige Austausch mit Eltern und Betreuern und ein erhöhter Gesprächsbedarf mit den Bewohnern der Lebenshilfe-Wohneinrichtung in München.

Lebenshilfe München schafft neue Wohnangebote für Menschen mit Behinderung

René Pfeifer, Bereichsleiter ‚Wohnen‘ der Lebenshilfe München vor dem neuen Wohnhaus am Willinger Weg in München. Fotos: Gerd Spranger

Die Lebenshilfe München hat diesen Sommer in Ramersdorf am Willinger Weg ein neues Wohnhaus für 24 Menschen mit Behinderung eröffnet. Es ist das neue Aushängeschild des Elternvereins, denn vom Raumkonzept über die Barrierefreiheit bis hin zum Anspruch auf geräumige Zimmer wurden alle Standards erfüllt, die meisten verfügen noch über einen kleinen Balkon oder eine Terrasse. „Die ersten Überlegungen zur Erneuerung der alten Arztvilla aus den 30er-Jahren, idyllisch und zentral in einer Wohnsiedlung gelegen und seit 1988 Eigentum der Lebenshilfe München, gehen bis auf das Jahr 2012 zurück“, informiert Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München. 2016 entschied dann ein Architektenwettbewerb über den Neubau.

Der Gang weitet sich für eine kleine Sitzgruppe mit hoher heller Glasfront

Die Bewohner fühlen sich wohl in ihrem neuen Zuhause. Bei unserem Besuch der Einrichtung waren einige anwesend, die meisten allerdings in der Lebenshilfe-Werkstatt an ihrem Arbeitsplatz. Sie genießen den schönen sonnigen Garten mit großer Freifläche und frisch angesätem Rasen. Bei unserem Besuch genoss Horst auf seinem Balkon das sommerliche Wetter und beschäftigte sich mit dem Lesen einer Zeitung. Es hielt ihn aber nicht davon ab, sich mit seinen Mitbewohnern im Garten angeregt zu unterhalten. Er freut sich vor allem über die schöne Lage des Anwesens. „Es sind mehrere Haltestellen für Busse und die U-Bahn in der Nähe, auch Geschäfte und der große Ostpark. Es ist schön hier zu wohnen“, äußert er sich sehr zufrieden. Eine andere Bewohnerin freut sich über ihren großen Fernseher im Zimmer und über eine eigene Dusche mit sanitären Einrichtungen, über die jedes Zimmer verfügt.

Renè Pfeifer im Gespräch mit Einrichtungsleiter Klaus Huber.

Zentral in den drei Etagen des Wohnhauses führt ein breiter heller Mittelgang, an dessen Ende eine große Glasfront mit Sitzgelegenheit eingerichtet ist. In der Mitte wurde er mit einem großen Raum hin zum Garten geöffnet, in der den Bewohnern eine gemeinsame Wohnküche zur Verfügung steht. René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen der Lebenshilfe München betont: „Jeder, der eine Wohngemeinschaft kennt weiß, dass die Wohnküche der zentrale Platz der Kommunikation in einer Einrichtung ist. Das Konzept geht auch hier auf. Für privaten Rückzug stehen den Bewohnern ihre großen hellen Zimmer zur Verfügung.“

Ein großer Garten mit Radgarage im Herzen von München.

Für ihn ist es ein immens wichtiger Meilenstein in der Weiterentwicklung der Lebenshilfe München und er bekräftigt: „Wir sind froh 24 Bewohnern einen modernen und adäquaten Wohnraum zur Verfügung stellen zu können. Mit 24 Bewohnern in drei Wohngruppen ist es auch möglich rund um die Uhr eine Betreuung sicherzustellen, so dass immer eine ausgebildete Fachkraft vor Ort ist.“

Die Hühner in Nachbars Garten picken direkt an der Grenze des großen Grundstücks.

Das zweistöckige Gebäude mit ausgebauten Dachgeschoss fügt sich harmonisch in das Gesamtbild der Siedlung aus den 30er-Jahren ein, in denen kleine Häuschen mit Garten das Bild prägen. Zusätzlichen Raum des neuen Lebenshilfe-Wohnhauses am Willinger Weg bietet der Keller mit Heizung, Wirtschaftsräumen, Lager, einem großen Gemeinschaftsraum und ein eigener Personalraum. Die Lebenshilfe München arbeitet konsequent an neuen Raumkonzepten und Wohnformen für Menschen mit Behinderung.

Auch die Rückseite des Gebäudes ist sehr ansprechend gestaltet.

2005 wurde die Wohneinrichtung in Putzbrunn erweitert, 2015 in der Landsberger Straße eine eigene offene Wohngemeinschaft gegründet und der Ambulante Dienst konsequent ausgebaut. 2016 etablierte sich eine offene Seniorengruppe (TENE) in Putzbrunn, 2018 verwirklicht man eine inklusive Wohngemeinschaft in der Hermann von Sicherer Straße und in Unterschleißheim eine neue Wohneinrichtung für zehn Menschen mit Behinderung, die auch die nächsten zehn Jahre bestehen bleibt.

Weiter stark wachsend ist der Bereich des „Ambulanten Dienstes“, in der vor allem Familien oder allein lebende Menschen mit Behinderung Begleitung, Hilfe und Unterstützung erfahren.

Neue Projekte der Lebenshilfe-Wohnen sind bereits in Vorbereitung.
Wir informieren Sie weiter.

Weitere Links für Sie:

Die TENE in Putzbrunn:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2016/02/24/besuch-bei-den-tene-senioren-der-lebenshilfe/

Wohngemeinschaft Landsberger Straße:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2015/12/28/wohngemeinschaft-ergaenzt-das-wohnkonzept-der-lebenshilfe/

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2016/04/14/neue-herausforderung-fuer-die-lebenshilfe-muenchen/

Wohngruppe in Unterschleissheim:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2018/01/20/wohngruppe-der-lebenshilfe-zieht-nach-unterschleissheim/

Die inklusive Wohngemeinschaft:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2020/02/25/16-monate-inklusive-wg-der-lebenshilfe/

Erweiterung des ambulant betreuten Wohnens:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2014/03/03/lebenshilfe-munchen-erweitert-das-ambulant-betreute-wohnen/

Keine Benachteiligung von Menschen mit Behinderung

Zu wenig Personal für Schulbegleitung
Förderunterricht und Betreuung
Keine Benachteiligung von Menschen mit Behinderung

Peter Puhlmann im Gespräch mit MdL Kerstin Celina (l.) und MdL Clauda Köhler (r.).

Noch sind Schüler und Lehrkräfte in Bayern mitten in den Sommerferien. Doch herrscht bei vielen Eltern Unsicherheit, wie sich ein Regelbetrieb im neuen Schuljahr gestaltet. Es ist zu befürchten, dass es weiter zu massiven Einschränkungen kommt. Das gilt besonders für Menschen mit Behinderung. Darum fordern die beiden Landtagsabgeordneten (MdL) der Grünen, Claudia Köhler und Kerstin Celina, Menschen mit Behinderung kein zusätzliches Handicap aufzulegen.

Regelung der Kurzarbeit birgt Risiken

In einer ‚Telefonkonferenz haben Sie sich in der letzten Juliwoche mit dem Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, über die aktuelle Situation informiert. Dabei wurde deutlich, dass Personal für die Schulbegleitung zur Förderung und Betreuung von Menschen mit Behinderung in großer Zahl fehlen werde. Aktuelle Kurzarbeits-Regelungen könnten eine sichere Personal-Planung verhindern und so die finanziellen Risiken nicht abgedeckt sein. Schon jetzt würden aus Vorsichtsgründen nicht alle Betreuungsplätze angeboten. Die sozialpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, MdL Kerstin Celina, und die haushaltspolitische Sprecherin, MdL Claudia Köhler, befürchten darum eine Benachteiligung von Menschen mit Behinderung.

Mehr Sicherheit für die Planung

Sie argumentieren: „Kurzarbeits-Regelungen sind für unsere Unternehmenslandschaft gestrickt. Sie passen aber nicht zu sozialen Einrichtungen. Ihr Bedarf ist besonders in der Behindertenhilfe nicht konjunkturabhängig.“ Um nun für September die benötigten Schulweg-Begleitungen, Förderlehrkräfte und zusätzliches Betreuungs-Personal einstellen zu können, müssten die betreffenden sozialen Einrichtungen auf die Möglichkeit der Kurzarbeits-Verlängerung verzichten. Damit gehen sie aber ohne Planungssicherheit in ein existenzgefährdendes Risiko. Sie müssen die Fachkräfte auch in Pandemiezeiten dauerhaft ohne Kurzarbeit beschäftigen.

Inklusion kann man nicht abschalten

Peter Puhlmann erläutert die Hintergründe: „Inklusion ist ein andauernder Prozess. Man kann ihn nicht einfach nach Belieben ein- oder ausschalten. Genau in diese Situation aber werden die Schulbegleiter und damit der jeweilige Träger und Anbieter durch die Pandemie-Maßnahmen gestellt. Bei der Lebenshilfe München beschäftigten wir vergangenes Schuljahr 2019/20 etwa 60 Schulbegleiter sozialversicherungspflichtig. Ab September 2020 werden es wieder 50 sein, so dass alle Kinder, die letztes Jahr von uns betreut wurden, auch im neuen Schuljahr wieder versorgt werden. Die Nachfrage ist allerdings viel höher. Die finanziellen Aufwendungen erstattet der Kostenträger jedoch nur bei erbrachter Leistung. Wechselt der Schulbetrieb etwa wöchentlich vom Regelunterricht auf Homeschooling, bekommen wir nur fünfzig Prozent der Leistungen erstattet, bei gleichbleibenden Lohnkosten. Erschwerend wirkt sich in Einzelfällen noch die Situation der SchulbegleiterInnen selbst aus. Auch sie sind COVID-19 Zwängen ausgesetzt, etwa als alleinerziehende Elternteile, die, wegen des eingeschränkten Schulbetriebes, mit dem eigenen Kind ebenfalls zuhause bleiben müssen.

Der Freistaat Bayern muss liefern
Sonderfonds Corona-Pandemie

Die beiden Grünen-Politikerinnen fordern darum vom Freistaat Bayern eigene Lösungen. Konkret könnte dies aus finanziellen Mittel aus dem vorhandenen und anfänglich mit 20 Millionen Euro gefüllten Sonderfonds Corona-Pandemie erfolgen. „Das Signal, dass diese Mittel jetzt bereitgestellt werden und die Finanzierung über das gesamte Schuljahr sichergestellt ist, muss jetzt schnell kommen“, betont MdL Kerstin Celina die Dringlichkeit. „Es braucht dazu auch keinen Landtagsbeschluss“, so MdL Claudia Köhler, „die CSU-Sozialministerin muss lediglich ihren anteiligen Bedarf am Corona-Finanzierungsfonds anmelden.“

Für eine bessere Zukunft der Lebenshilfe

Gemeinsam prägten sie als Mitglieder des Vorstandes der Lebenshilfe München über viele Jahre hinweg die Entwicklung des Elternvereins; Inge Oberst, Dr. Lothar Schrader und Andreas Ernst. Sie scheiden nun aus dem Vorstand aus, haben sich in den letzten Jahren engagiert, die Lebenshilfe München ‚auf Kurs‘ zu halten. Änderungen brachten etwa Anpassungen des Pflegestärkungs-Gesetzes und das Bundesteilhabe-Gesetz, aber auch Umstrukturierungen innerhalb der Lebenshilfe, um besser auf ein sich änderndes Umfeld reagieren zu können.

Aufsichtsratsvorsitzende Andrea Siemen (l.) und Lebenshilfe-Vorstand Peter Puhlmann (r.) bedanken sich bei Andreas Ernst und Inge Oberst für die gute Zusammenarbeit

Am Längsten engagierte sich Inge Oberst im Vorstand, nämlich seit 2003. Ihr Engagement für die Lebenshilfe München bleibt aber, denn sie ist weiterhin für die Redaktion des L.I.E.S.-Journals tätig und ist Vorsitzende des neuen Ausschusses „Kultur“. Alle drei ausscheidenden Vorstände haben selbst eine erwachsene Tochter, die in den Lebenshilfe-Werkstätten arbeiten oder eine Förderstätte besuchen. Sie wissen, wo das tägliche Leben besondere Anforderungen stellt und um die besonderen Bedarfe von Menschen mit geistiger Behinderung. Weiterlesen

Was macht die OBA in der Corona-Zeit?

Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Einschränkungen haben die ganze Gesellschaft getroffen. Und damit auch die OBA der Lebenshilfe München. Von einen Tag auf den anderen mussten alle Angebote im Freizeit- und Bildungsbereich abgesagt werden. Ziemlich schnell wurde auch klar: die Reisesaison 2020 wird ausfallen. Damit standen die OBA-Mitarbeiter*innen plötzlich vor ungewohnten, unerfreulichen Aufgaben: Stornierungsbedingungen studieren und schweren Herzens Absagebriefe an die Reiseteilnehmer*innen schicken. Aber die OBA hat schnell umgeschaltet auf einen neuen Modus. Im Mittelpunkt stand immer die Überlegung: wie können wir Kontakt halten zu unseren Kunden, die jetzt ohne Schule und Arbeit zu Hause bei ihren Angehörigen oder in ihren Wohngruppen sind?

Die Hauptamtlichen der OBA haben viel telefoniert, mit den Teilnehmer*innen und den Angehörigen. Dabei wurden Probleme und Ängste in Bezug auf die Corona-Krise besprochen, aber es wurde auch viel geratscht und gelacht. Mit den engagierten Ehrenamtlichen wurde ein Einkaufsservice für Familien mit Risikopatienten eingerichtet. Weiterlesen

Lebenshilfe Werkstatt München: Der Weg zurück zum Normalbetrieb

Von einem Normalbetrieb oder Regelbetrieb ist die Lebenshilfe Werkstatt noch weit entfernt. Die bayerische Staatsregierung hat das Betretungsverbot für Werkstätten und Förderstätten mit Ausnahmen bis einschließlich 30.6. 2020 verlängert. Der Neustart der Werkstatt ist ein vorsichtiger.

Sie hat man in München den Betrieb schrittweise wieder aufgenommen und wird ihn nach und nach weiter ausweiten. Aktuell sind erst 40 Prozent der Mitarbeiter mit Behinderung im Haus. Das erleichtert die gebotene Einhaltung von Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen, steht aber auch im engen Zusammenhang mit den nachfolgenden Voraussetzungen. Weiterlesen