Vorbereiten für ein Leben in Eigenverantwortung

In vielen Bereichen war und ist die Lebenshilfe Impulsgeber für Politik und Gesellschaft. Das gilt vor allem für den Bereich ‚Wohnen‘, wie die neue Einrichtung am Willinger Weg (Ramersdorf) oder die offen-gemischte Wohngemeinschaft in der Hermann-von-Sicherer Straße (München-Sendling), die vor zwei Jahren öffnete. Doch bereits vor 40 Jahren ging man unkonventionelle Wege, die der Zeit weit voraus waren, wie etwa die Wohneinrichtung am Kiem-Pauli-Weg zeigt.

Im großen Gemeinschaftsraum finden alle Bewohner Platz. In Zeiten von Corona hat sich das geändert.

In einem großen Wohnblock kaufte der Elternverein Lebenshilfe München e.V. mehrere Ein- und Zweizimmerwohnungen, um Menschen mit geistiger Behinderung ein weitgehend selbständiges Leben zu ermöglichen. In die größte Wohnung wurde ein Büro integriert, mit Gemeinschaftsraum, Waschmaschine, Trockner und Küche als zentrale Anlaufstelle. Zentrumsnah, gut erschlossen durch den MVV und die wichtigsten Einrichtungen und Geschäfte fußläufig zu erreichen. Bis heute nimmt die Berliner Straße unter den zehn Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München eine Sonderstellung ein. Gezielt werden die Bewohner für ein selbständiges Leben geschult, so dass dann im Anschluss, soweit möglich, nur noch eine ambulante Betreuung für das Wichtigste und Notwendigste vorgesehen ist. Seit einem Jahr leitet die Heilerziehungspflegerin Lisa Hasenberger die Einrichtung. Wir haben sie in München besucht.

Den Alltag einüben

Zunächst erzählt sie aus dem Alltag, wie das Leben normalerweise am Kiem-Pauli-Weg, und auch in der Berliner Straße, läuft. 20 Menschen mit leichter geistiger Behinderung leben in den beiden Einrichtungen. „Menschen, die hier einziehen, sind eigentlich recht fit. Für sie ist es ein Super-Schritt von einer Stationären Betreuung hin zu einem selbstständig geführtem Leben zu kommen.“ Da wird dann schon mal gemeinsam gelernt, einfache Gerichte selbst zubereitet. Auch das Waschen der eigenen Wäsche und die Reinheit und Ordnung in der eigenen Wohnung zu halten, wird trainiert, ebenso das selbständige Einkaufen. „Es gibt bei uns aber ganz bewusst Zeiten ohne feste Betreuung, damit sie lernen, auch in für sie kniffligen Situationen allein zurecht zu kommen. Freilich lassen wir sie dabei nicht ganz alleine, denn die Rufbereitschaft funktioniert immer.“

Gezielt die Defizite beheben

Und ein Handy hat jeder Bewohner und weiß damit auch umzugehen. Es ist ein wichtiger Teil des Lebens geworden. Wie es sich für eine Wohngruppe gehört, gibt es auch Dienstpläne, für die jeder mal eingeteilt ist. „In wöchentlichen Besprechungen vertiefen wir regulär das Erlebte immer wieder, um gezielt Defizite auszugleichen. Wir trainieren auch für große und kleine Notfälle wie etwa was zu tut ist, wenn ein Feuer ausbricht. Manchmal braucht es auch psychische Hilfe und natürlich sind wir da Ansprechpartner. Mehr in die Praxis geht es bei regelmäßigen Arztbesuchen, die zwar in der Regel allein durchgeführt werden, wir helfen aber gelegentlich bei der Einhaltung der Termine.“

Wenigstens einmal am Tag will man jeden der Bewohner sehen oder sprechen, und sei es nur am Telefon. „Das gibt uns und den Bewohnern Sicherheit. Natürlich berücksichtigen wir die Privatspähre, wenn jemand mal ’seine Ruhe haben will‘. Dann genügt ein einfaches ‚Hallo‘ am Telefon.“ Im großen Gemeinschaftsraum wird gelegentlich auch gemeinsam gegessen, vor allem am Wochenende und in Ferienzeiten, wenn die Arbeit auch in den Lebenshilfe-Werkstätten ruht. „Das war zumindest bisher so der Fall“, schränkt Lisa Hasenberger ein. Doch Corona hat auch für die Bewohner der Berliner Straße und am Kiem-Pauli-Weg viel verändert.

Foto: Lisa Hasenberger leitet mit Maske, Laptop und Ablage die Gruppe. Fotos: Gerd Spranger

Corona ändert alles

„Gemeinsames Essen im Gemeinschaftsraum beschränken wir auf Kleingruppen, wo wir zuvor in einer Runde von bis zu zwölf Leuten zusammen gesessen sind. Menschen mit Behinderung, besonders innerhalb einer Wohngruppe, zählen zu Risikogruppe,“ erklärt die Einrichtungsleiterin. Schwer wogen auch die Kontaktverbote. „Selbst Eltern und Betreuern war ein direkter persönlicher Kontakt innerhalb der Wohngruppe über Wochen hinweg nicht möglich. Das war und ist auch für die Bewohner schwer. Sie verstehen ganz allgemein manche Beschränkungen nicht und je länger die Einschränkungen dauern, je tiefer sitzt der Frust.“ Umgestellt wurde etwa auch der wöchentliche Einkauf für die Gruppe über mehrere Wochen, den die Bewohner sonst selbst erledigten. Das übernahmen eine lange Zeit ehrenamtliche Helfer und waren damit im Wortsinne wirklich eine große Hilfe. „Über den Gruppen-Einkauf hinaus hat ja jeder der Bewohner auch noch persönliche Wünsche. Die Liste also ist lang“, erzählt Lisa Hasenberger.

Wenn die Struktur verloren geht

Ein wichtiger Teil des pädagogischen Konzeptes der Lebenshilfe München sind feste Abläufe, Rituale und Regeln, nach denen das Leben, der Alltag funktioniert. Der Umgang mit Änderungen fällt schwer. Besonders hart traf darum auch die Schließung der Lebenshilfe-Werkstätten über viele Wochen hinweg. „Es fehlte die Struktur, die Beschäftigung ging verloren, der Austausch in und mit der Gruppe und den Betreuern, kurzum, das ganze Leben war auf den Kopf gestellt. Ein menschlicher und pädagogischer Supergau, dem wir uns zu stellen hatten, und wir arbeiteten so gut es ging dagegen an“, erinnert sich Lisa an jene schweren Monate und hofft, dass es kein zweites Mal gibt.

Es ist viel zu organisieren

Es galt jetzt für das Team aus neun Mitarbeitern die Betreuungszeiten von täglich 11 bis 17 Uhr und von 15 bis 21 Uhr auszuweiten und eine Struktur für den langen Alltag zu schaffen, zumindest zeitweise. Unterstützt wurden sie dabei von einer weiteren Kraft und einem ‚Bufdi‘ (aus dem Bundesfreiwilligendienst). „Wir konnten ja auch nicht mit der Gruppe insgesamt arbeiten, wir mussten und müssen immer die Corona-Abstände beachten und natürlich ebenso alle anderen AHA-Regeln. So gab es für uns viel zu besprechen, abzustimmen und zu organisieren.“ Dazu zählen auch der regelmäßige Austausch mit Eltern und Betreuern und ein erhöhter Gesprächsbedarf mit den Bewohnern der Lebenshilfe-Wohneinrichtung in München.

Lebenshilfe München schafft neue Wohnangebote für Menschen mit Behinderung

René Pfeifer, Bereichsleiter ‚Wohnen‘ der Lebenshilfe München vor dem neuen Wohnhaus am Willinger Weg in München. Fotos: Gerd Spranger

Die Lebenshilfe München hat diesen Sommer in Ramersdorf am Willinger Weg ein neues Wohnhaus für 24 Menschen mit Behinderung eröffnet. Es ist das neue Aushängeschild des Elternvereins, denn vom Raumkonzept über die Barrierefreiheit bis hin zum Anspruch auf geräumige Zimmer wurden alle Standards erfüllt, die meisten verfügen noch über einen kleinen Balkon oder eine Terrasse. „Die ersten Überlegungen zur Erneuerung der alten Arztvilla aus den 30er-Jahren, idyllisch und zentral in einer Wohnsiedlung gelegen und seit 1988 Eigentum der Lebenshilfe München, gehen bis auf das Jahr 2012 zurück“, informiert Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München. 2016 entschied dann ein Architektenwettbewerb über den Neubau.

Der Gang weitet sich für eine kleine Sitzgruppe mit hoher heller Glasfront

Die Bewohner fühlen sich wohl in ihrem neuen Zuhause. Bei unserem Besuch der Einrichtung waren einige anwesend, die meisten allerdings in der Lebenshilfe-Werkstatt an ihrem Arbeitsplatz. Sie genießen den schönen sonnigen Garten mit großer Freifläche und frisch angesätem Rasen. Bei unserem Besuch genoss Horst auf seinem Balkon das sommerliche Wetter und beschäftigte sich mit dem Lesen einer Zeitung. Es hielt ihn aber nicht davon ab, sich mit seinen Mitbewohnern im Garten angeregt zu unterhalten. Er freut sich vor allem über die schöne Lage des Anwesens. „Es sind mehrere Haltestellen für Busse und die U-Bahn in der Nähe, auch Geschäfte und der große Ostpark. Es ist schön hier zu wohnen“, äußert er sich sehr zufrieden. Eine andere Bewohnerin freut sich über ihren großen Fernseher im Zimmer und über eine eigene Dusche mit sanitären Einrichtungen, über die jedes Zimmer verfügt.

Renè Pfeifer im Gespräch mit Einrichtungsleiter Klaus Huber.

Zentral in den drei Etagen des Wohnhauses führt ein breiter heller Mittelgang, an dessen Ende eine große Glasfront mit Sitzgelegenheit eingerichtet ist. In der Mitte wurde er mit einem großen Raum hin zum Garten geöffnet, in der den Bewohnern eine gemeinsame Wohnküche zur Verfügung steht. René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen der Lebenshilfe München betont: „Jeder, der eine Wohngemeinschaft kennt weiß, dass die Wohnküche der zentrale Platz der Kommunikation in einer Einrichtung ist. Das Konzept geht auch hier auf. Für privaten Rückzug stehen den Bewohnern ihre großen hellen Zimmer zur Verfügung.“

Ein großer Garten mit Radgarage im Herzen von München.

Für ihn ist es ein immens wichtiger Meilenstein in der Weiterentwicklung der Lebenshilfe München und er bekräftigt: „Wir sind froh 24 Bewohnern einen modernen und adäquaten Wohnraum zur Verfügung stellen zu können. Mit 24 Bewohnern in drei Wohngruppen ist es auch möglich rund um die Uhr eine Betreuung sicherzustellen, so dass immer eine ausgebildete Fachkraft vor Ort ist.“

Die Hühner in Nachbars Garten picken direkt an der Grenze des großen Grundstücks.

Das zweistöckige Gebäude mit ausgebauten Dachgeschoss fügt sich harmonisch in das Gesamtbild der Siedlung aus den 30er-Jahren ein, in denen kleine Häuschen mit Garten das Bild prägen. Zusätzlichen Raum des neuen Lebenshilfe-Wohnhauses am Willinger Weg bietet der Keller mit Heizung, Wirtschaftsräumen, Lager, einem großen Gemeinschaftsraum und ein eigener Personalraum. Die Lebenshilfe München arbeitet konsequent an neuen Raumkonzepten und Wohnformen für Menschen mit Behinderung.

Auch die Rückseite des Gebäudes ist sehr ansprechend gestaltet.

2005 wurde die Wohneinrichtung in Putzbrunn erweitert, 2015 in der Landsberger Straße eine eigene offene Wohngemeinschaft gegründet und der Ambulante Dienst konsequent ausgebaut. 2016 etablierte sich eine offene Seniorengruppe (TENE) in Putzbrunn, 2018 verwirklicht man eine inklusive Wohngemeinschaft in der Hermann von Sicherer Straße und in Unterschleißheim eine neue Wohneinrichtung für zehn Menschen mit Behinderung, die auch die nächsten zehn Jahre bestehen bleibt.

Weiter stark wachsend ist der Bereich des „Ambulanten Dienstes“, in der vor allem Familien oder allein lebende Menschen mit Behinderung Begleitung, Hilfe und Unterstützung erfahren.

Neue Projekte der Lebenshilfe-Wohnen sind bereits in Vorbereitung.
Wir informieren Sie weiter.

Weitere Links für Sie:

Die TENE in Putzbrunn:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2016/02/24/besuch-bei-den-tene-senioren-der-lebenshilfe/

Wohngemeinschaft Landsberger Straße:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2015/12/28/wohngemeinschaft-ergaenzt-das-wohnkonzept-der-lebenshilfe/

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2016/04/14/neue-herausforderung-fuer-die-lebenshilfe-muenchen/

Wohngruppe in Unterschleissheim:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2018/01/20/wohngruppe-der-lebenshilfe-zieht-nach-unterschleissheim/

Die inklusive Wohngemeinschaft:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2020/02/25/16-monate-inklusive-wg-der-lebenshilfe/

Erweiterung des ambulant betreuten Wohnens:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2014/03/03/lebenshilfe-munchen-erweitert-das-ambulant-betreute-wohnen/

Keine Benachteiligung von Menschen mit Behinderung

Zu wenig Personal für Schulbegleitung
Förderunterricht und Betreuung
Keine Benachteiligung von Menschen mit Behinderung

Peter Puhlmann im Gespräch mit MdL Kerstin Celina (l.) und MdL Clauda Köhler (r.).

Noch sind Schüler und Lehrkräfte in Bayern mitten in den Sommerferien. Doch herrscht bei vielen Eltern Unsicherheit, wie sich ein Regelbetrieb im neuen Schuljahr gestaltet. Es ist zu befürchten, dass es weiter zu massiven Einschränkungen kommt. Das gilt besonders für Menschen mit Behinderung. Darum fordern die beiden Landtagsabgeordneten (MdL) der Grünen, Claudia Köhler und Kerstin Celina, Menschen mit Behinderung kein zusätzliches Handicap aufzulegen.

Regelung der Kurzarbeit birgt Risiken

In einer ‚Telefonkonferenz haben Sie sich in der letzten Juliwoche mit dem Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, über die aktuelle Situation informiert. Dabei wurde deutlich, dass Personal für die Schulbegleitung zur Förderung und Betreuung von Menschen mit Behinderung in großer Zahl fehlen werde. Aktuelle Kurzarbeits-Regelungen könnten eine sichere Personal-Planung verhindern und so die finanziellen Risiken nicht abgedeckt sein. Schon jetzt würden aus Vorsichtsgründen nicht alle Betreuungsplätze angeboten. Die sozialpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, MdL Kerstin Celina, und die haushaltspolitische Sprecherin, MdL Claudia Köhler, befürchten darum eine Benachteiligung von Menschen mit Behinderung.

Mehr Sicherheit für die Planung

Sie argumentieren: „Kurzarbeits-Regelungen sind für unsere Unternehmenslandschaft gestrickt. Sie passen aber nicht zu sozialen Einrichtungen. Ihr Bedarf ist besonders in der Behindertenhilfe nicht konjunkturabhängig.“ Um nun für September die benötigten Schulweg-Begleitungen, Förderlehrkräfte und zusätzliches Betreuungs-Personal einstellen zu können, müssten die betreffenden sozialen Einrichtungen auf die Möglichkeit der Kurzarbeits-Verlängerung verzichten. Damit gehen sie aber ohne Planungssicherheit in ein existenzgefährdendes Risiko. Sie müssen die Fachkräfte auch in Pandemiezeiten dauerhaft ohne Kurzarbeit beschäftigen.

Inklusion kann man nicht abschalten

Peter Puhlmann erläutert die Hintergründe: „Inklusion ist ein andauernder Prozess. Man kann ihn nicht einfach nach Belieben ein- oder ausschalten. Genau in diese Situation aber werden die Schulbegleiter und damit der jeweilige Träger und Anbieter durch die Pandemie-Maßnahmen gestellt. Bei der Lebenshilfe München beschäftigten wir vergangenes Schuljahr 2019/20 etwa 60 Schulbegleiter sozialversicherungspflichtig. Ab September 2020 werden es wieder 50 sein, so dass alle Kinder, die letztes Jahr von uns betreut wurden, auch im neuen Schuljahr wieder versorgt werden. Die Nachfrage ist allerdings viel höher. Die finanziellen Aufwendungen erstattet der Kostenträger jedoch nur bei erbrachter Leistung. Wechselt der Schulbetrieb etwa wöchentlich vom Regelunterricht auf Homeschooling, bekommen wir nur fünfzig Prozent der Leistungen erstattet, bei gleichbleibenden Lohnkosten. Erschwerend wirkt sich in Einzelfällen noch die Situation der SchulbegleiterInnen selbst aus. Auch sie sind COVID-19 Zwängen ausgesetzt, etwa als alleinerziehende Elternteile, die, wegen des eingeschränkten Schulbetriebes, mit dem eigenen Kind ebenfalls zuhause bleiben müssen.

Der Freistaat Bayern muss liefern
Sonderfonds Corona-Pandemie

Die beiden Grünen-Politikerinnen fordern darum vom Freistaat Bayern eigene Lösungen. Konkret könnte dies aus finanziellen Mittel aus dem vorhandenen und anfänglich mit 20 Millionen Euro gefüllten Sonderfonds Corona-Pandemie erfolgen. „Das Signal, dass diese Mittel jetzt bereitgestellt werden und die Finanzierung über das gesamte Schuljahr sichergestellt ist, muss jetzt schnell kommen“, betont MdL Kerstin Celina die Dringlichkeit. „Es braucht dazu auch keinen Landtagsbeschluss“, so MdL Claudia Köhler, „die CSU-Sozialministerin muss lediglich ihren anteiligen Bedarf am Corona-Finanzierungsfonds anmelden.“

Für eine bessere Zukunft der Lebenshilfe

Gemeinsam prägten sie als Mitglieder des Vorstandes der Lebenshilfe München über viele Jahre hinweg die Entwicklung des Elternvereins; Inge Oberst, Dr. Lothar Schrader und Andreas Ernst. Sie scheiden nun aus dem Vorstand aus, haben sich in den letzten Jahren engagiert, die Lebenshilfe München ‚auf Kurs‘ zu halten. Änderungen brachten etwa Anpassungen des Pflegestärkungs-Gesetzes und das Bundesteilhabe-Gesetz, aber auch Umstrukturierungen innerhalb der Lebenshilfe, um besser auf ein sich änderndes Umfeld reagieren zu können.

Aufsichtsratsvorsitzende Andrea Siemen (l.) und Lebenshilfe-Vorstand Peter Puhlmann (r.) bedanken sich bei Andreas Ernst und Inge Oberst für die gute Zusammenarbeit

Am Längsten engagierte sich Inge Oberst im Vorstand, nämlich seit 2003. Ihr Engagement für die Lebenshilfe München bleibt aber, denn sie ist weiterhin für die Redaktion des L.I.E.S.-Journals tätig und ist Vorsitzende des neuen Ausschusses „Kultur“. Alle drei ausscheidenden Vorstände haben selbst eine erwachsene Tochter, die in den Lebenshilfe-Werkstätten arbeiten oder eine Förderstätte besuchen. Sie wissen, wo das tägliche Leben besondere Anforderungen stellt und um die besonderen Bedarfe von Menschen mit geistiger Behinderung. Weiterlesen

Was macht die OBA in der Corona-Zeit?

Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Einschränkungen haben die ganze Gesellschaft getroffen. Und damit auch die OBA der Lebenshilfe München. Von einen Tag auf den anderen mussten alle Angebote im Freizeit- und Bildungsbereich abgesagt werden. Ziemlich schnell wurde auch klar: die Reisesaison 2020 wird ausfallen. Damit standen die OBA-Mitarbeiter*innen plötzlich vor ungewohnten, unerfreulichen Aufgaben: Stornierungsbedingungen studieren und schweren Herzens Absagebriefe an die Reiseteilnehmer*innen schicken. Aber die OBA hat schnell umgeschaltet auf einen neuen Modus. Im Mittelpunkt stand immer die Überlegung: wie können wir Kontakt halten zu unseren Kunden, die jetzt ohne Schule und Arbeit zu Hause bei ihren Angehörigen oder in ihren Wohngruppen sind?

Die Hauptamtlichen der OBA haben viel telefoniert, mit den Teilnehmer*innen und den Angehörigen. Dabei wurden Probleme und Ängste in Bezug auf die Corona-Krise besprochen, aber es wurde auch viel geratscht und gelacht. Mit den engagierten Ehrenamtlichen wurde ein Einkaufsservice für Familien mit Risikopatienten eingerichtet. Weiterlesen

Lebenshilfe Werkstatt München: Der Weg zurück zum Normalbetrieb

Von einem Normalbetrieb oder Regelbetrieb ist die Lebenshilfe Werkstatt noch weit entfernt. Die bayerische Staatsregierung hat das Betretungsverbot für Werkstätten und Förderstätten mit Ausnahmen bis einschließlich 30.6. 2020 verlängert. Der Neustart der Werkstatt ist ein vorsichtiger.

Sie hat man in München den Betrieb schrittweise wieder aufgenommen und wird ihn nach und nach weiter ausweiten. Aktuell sind erst 40 Prozent der Mitarbeiter mit Behinderung im Haus. Das erleichtert die gebotene Einhaltung von Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen, steht aber auch im engen Zusammenhang mit den nachfolgenden Voraussetzungen. Weiterlesen

HAWE stiftet 4000 Schutzmasken an die Lebenshilfe

Hygiene und Schutzausrüstung kommen in den Einrichtungen der Lebenshilfe München Wohnen GmbH derzeit eine besonders wichtige Rolle zu. Besonders groß ist daher die Freude über eine Spende der HAWE Hydraulik aus Aschheim: 2000 Schutzmasken und 2000 FFP2-Masken konnten die MitarbeiterInnen der Lebenshilfe München entgegennehmen. Dank langjähriger Kundenbeziehungen zu einem namhaften Hersteller in China gelang es HAWE auch, die noch knappen FFP2-Masken zu beziehen. Diese gab das Unternehmen sofort nach Erhalt kostenlos an die Lebenshilfe München weiter. Weiterlesen

Petition an den Bayerischen Landtag

Lebenshilfe Bayern fordert Assistenz im Krankenhaus

Ein Krankenhaus-Aufenthalt ist für geistig und mehrfach behinderte Menschen meist sehr belastend. Sie brauchen dabei dringend eine Vertrauensperson, die ihnen zur Seite steht und zwischen ihnen und dem Klinik-Personal vermittelt. Das zeigt sich gerade in Zeiten von Corona deutlich. Deshalb fordert die Lebenshilfe Bayern schon lange eine Assistenz im Krankenhaus. Nun hat Landesvorsitzende Barbara Stamm dazu eine Petition an Landtagspräsidentin Ilse Aigner sowie an den Vorsitzenden des Landtagsausschusses für Gesundheit und Pflege, Bernhard Seidenath, übergeben.  Weiterlesen

Florian Hahn MdB vor Ort bei der Lebenshilfe in Putzbrunn

Was bedeutet die Corona-Krise für die Lebenshilfe München e.V. und die Menschen, die dort arbeiten oder betreut werden? Davon hat sich der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Stiftung Lebenshilfe München, Florian Hahn, vor Ort in Putzbrunn bei einem Gespräch mit Geschäftsführer Peter Puhlmann ein Bild gemacht.

Florian Hahn MdB, Vorsitzender der Stiftung Lebenshilfe München, im Gespräch mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann.

Florian Hahn MdB, Vorsitzender der Stiftung Lebenshilfe München, im Gespräch mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann.

Während die Werkstätten derzeit geschlossen sind, läuft der Betrieb in den Wohnstätten sehr gut weiter. „Es freut mich, dass die Wohnstätten bisher von Corona verschont geblieben sind – Gott sei Dank“, so Hahn. Viele andere Angebote wie die der Heilpädagogischen Tagesstätten könnten im Moment nicht voll geleistet werden – eine Belastung für diejenigen, die diese dringend wahrnehmen wollen würden, und natürlich für die Mitarbeiter, die nun meist in Kurzarbeit seien, betont der Stiftungsvorsitzende. Geschäftsführer Puhlmann lobte indes das Landratsamt München, dass die Lebenshilfe so hervorragend mit Schutzmaterialien ausgerüstet habe, obwohl allerseits Mangel daran herrsche. Weiterlesen

Die Krise meistern, auch im Zusammenleben

In der Wohneinrichtung der Lebenshilfe München in Putzbrunn leben 51 Menschen mit geistiger Behinderung zusammen, auch in der Corona-Krise. „Sechs Bewohner haben die Eltern zu sich nach Hause geholt. Sie sind wegen der ganzen Situation verunsichert“, informiert Einrichtungsleiterin Renate Bauer. In normalen Zeiten sind die Bewohner tagsüber in den Lebenshilfe-Werkstätten und Förderstätten beschäftigt, die in Putzbrunn gleich gegenüber der Einrichtung liegen. Es herrscht ein reger Austausch über Freunde und Bekannte, dem Sportverein und selbst in der TENE, eine Gruppe von älteren Menschen, zu der auch ‚Auswärtige‘ kommen. Nicht so in Zeiten des Virus Covid-19.

Menschen mit geistiger Behinderung
verstehen die Situation mitunter nicht

„Den Bewohnern fehlt mitunter auch das Verständnis, sie verstehen die Situation nicht“, erklärt Renate Bauer. „Scheiß Corona“ ist zu einem geflügelten Wort geworden und muss für vieles herhalten. Glücklicherweise verfügt die Lebenshilfe-Einrichtung in Putzbrunn über einen eigenen Garten und eine große Terrasse, so dass Spazierengehen immer möglich ist. Man gehe gut mit der Situation um, auch die MitarbeiterInnen, versichert die Einrichtungsleiterin, denn die Gefahr einer Übertragung und Ansteckung ist in der Corona-Krise immer präsent.“ Weiterlesen

Der Einkaufsservice der OBA

Cheddarkäse oder Chester?

Hilfe mit dem Einkaufs-Service von FuD und OBA der Lebenshilfe München

Zum ersten Mal in meinem Leben gehöre ich zu einer Risikogruppe. Ich bin knapp 80, habe einen erheblichen Lungenschaden und bin nach zwei Rücken-OPs auf einen Rollator angewiesen. Vielleicht habe ich noch ein paar gute Jahre, aber wenn Corona mich erwischt, bedeutet das für mich sicher das Aus.

Ich lebe allein. An die Maßgabe: „Bleiben Sie zuhause“ würde ich mich sehr gern halten, aber allmählich leert sich der Kühlschrank. Es fehlt vor allem an Obst und Gemüse. Die Familie im Erdgeschoss hat angeboten, mir etwas mitzubringen, falls ich etwas brauche. Auch (jüngere) FreundInnen haben signalisiert, dass sie für mich Besorgungen machen würden. Doch ich zögere. Ich brauche eine Menge; damit möchte ich die Leute, die sich jetzt zwischen Home Office, Home Schooling und Babysitting aufreiben, nicht belasten. Weiterlesen

Helfen sie der Lebenshilfe mit Schutzmasken

Nähen Sie Schutzmasken für die Lebenshilfe München. Sie werden dringend benötigt!

Am Ende des Artikels finden Sie die Links zum Herstellen der einfachen Schutzmasken.


Es ist die zweite Woche, in der für Bayern eine vorläufige Ausgangsbeschränkung anlässlich der Corona-Pandemie in Kraft ist. Ministerpräsident Markus Söder hat die Beschränkungen aktuell bis zum 20. April verlängert. Viele von uns müssen sich also auf lange Tage und Wochen einstellen, die wir vorwiegend zuhause verbringen werden. Die Lebenshilfe München richtet nun einen Appell an die Bevölkerung. Helfen Sie mit, Schutzmasken zu spenden, die Vorräte gehen zu Ende und sie fehlen an ‚allen Ecken und Enden‘ für das betreuende Personal in den Wohneinrichtungen der Lebenshilfe. Weiterlesen

Lebenshilfe achtsam vor Coronavirus

Bundesvorsitzende MdB Ulla Schmidt fordert Achtsamkeit

Die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Gesundheitsministerin a.D., MdB Ulla Schmidt, plädiert den Schutz und die Versorgung von Menschen mit Behinderung sicherzustellen. Wir müssen auf Menschen mit Behinderung in besonderer Weise achten, vor allem in Zeiten der Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19)“, erklärt sie.

Wegen Vorerkrankungen haben diese Menschen häufig ein erhöhtes Risiko schwer zu erkranken. In besonderen Zeiten wie aktuell, müssen Einrichtungen, Zuhause, Arbeit und Schulen besonders achtsam sein. „Den Schutz und die Versorgung sicherzustellen, ist unsere gemeinsame Aufgabe“, appelliert sie an alle Beteiligten und Betroffenen. Deshalb müsse auch bei Schließungen, zum Beispiel von Werkstätten und Schulen, die Finanzierung ebenso gesichert werden, wie für Unternehmen. Dazu gehört auch die Bezahlung von Assistenzkräften wie Schulhelfern.“  Weiterlesen

Radi-radi in der St.-Quirin-Straße!

Auf 60 Jahre Lebenshilfe München!

Einen wunderbaren, sonnigen Februartag nutzten die BewohnerInnen der Wohngruppen der St.-Quirin-Straße, zahlreiche weitere Gäste aus anderen Wohngruppen der Lebenshilfe München und auch aus dem ambulant betreuten Wohnformen um eine anständige Faschingssause steigen zu lassen. René Darchinger begleitete den Nachmittag gemeinsam mit seinem Ko-Moderator Florian Mauch. Alle wurden lautstark und herzlich begrüßt und der Plan für den Tag vorgestellt.  Weiterlesen