Wandersteine und Glückssteine

Die Bewohner der Lebenshilfe Putzbrunn sowie die externen Senioren der TENE (Tageseinrichtung für Erwachsene nach dem Erwerbsleben) begrüßen den Frühling und haben sich eine farbenfrohe Aktion einfallen lassen. Die Idee entsprang dem Trend der ‚Wandersteine‘, nur dass die Bewohner und externen Senioren keine Wandersteine dekorierten sondern ‚Glückssteine‘.

Mit Liebe bemalt sollen die Steine Glück bringen. Glück, das man gerne weiterreichen darf. Dann werden aus den Glückssteinen richtige Wandersteine. Fotos: Lebenshilfe München

Die Steine sammelten die Bewohner der Wohnstätte und die TENE-Besucher an verschiedenen Stellen in und um München und bemalten sie individuell per Hand. Dabei waren der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Fertig verziert, legten die Bewohner die Steine an verschiedene Stellen wie beispielsweise in Putzbrunn und Ottobrunn aus.

Die Senioren der TENE von der Lebenshilfe-Einrichtung in Putzbrunn, auf der Suche nach den richtigen Plätzen für die handbemalten Glückssteine. TENE steht für „Tageseinrichtung für Erwachsene nach dem Erwerbsleben“.

Ziel dieser Aktion ist es, den Findern eine Freude zu bereiten und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Die schön verzierten Handschmeichler sollen den Findern Glück und Freude bringen.

Hast Du einen Stein gefunden – melde Dich!

Solltest du also ein Glückspilz sein und einen der bemalten Steine finden, dann kannst du den Stein wandern lassen oder ihn auch gerne als deinen neuen Glücksstein behalten. Besonders freuen würden sich die Bewohner und die externen Senioren von Putzbrunn, wenn du Ihnen mitteilst wo du den Stein gefunden hast, was dir besonders an ihm gefällt, wo du ihn gegebenenfalls wieder ausgesetzt hast oder wie er dir vielleicht schon Glück gebracht hat?

Hast du einen Stein gefunden, melde dich doch bitte:
E-Mail: TENE.Put@Lebenshilfe-Muenchen.de
Betreff: ‚Glücksstein‘

Jenny Maechler

Solche Glückssteine findet man auch an ganz ungewöhnlichen Orten.

Vor sieben Jahren wurde die TENE in Putzbrunn gegründet. Mehr lesen Sie hier:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2016/01/21/lebenshilfe-muenchen-mit-tagesbetreuung-fuer-senioren/

Durchbruch beim Impfen für pflegende Angehörige

Große Erleichtern gab es bei vielen Eltern von Menschen mit Behinderung, als sich ihnen eine Tür für eine schnelle Impfung öffnete. Grund war die neue Fassung der Corona-Impfverordnung vom 10. März 2021. Sie misst Angehörigen von pflegebedürftigen Kindern und Erwachsenen nun die höchste Priorität zu (§ 2 Abs. 1 Nr. 3 ImpfVO). „Das ergibt sich nicht direkt aus dem Wortlaut, aber aus der Verordnungsbegründung“, erläutert Beate Bettenhausen von der Angehörigenberatung der Lebenshilfe München.

Sie hat in einem Rundschreiben (Text siehe unten) über den Familienunterstützenden Dienst (FuD) der Lebenshilfe Eltern, Angehörige und Betroffene informiert. Wie wichtig die Möglichkeit einer schnellen Impfung ist, erläutert sie jüngst in unserem Gespräch.

„Ein Ausweg aus der Isolation“

„Den Eltern, Angehörigen und Betreuern ist die besondere Gefährdung von Menschen mit Behinderung bewusst, sie sind eine Risikogruppe. Darum verzichten viele freiwillig auf entlastende Dienste und begeben sich weitgehend in Selbstisolation, um das Wohl ihrer Lieben nicht zu gefährden. Sie sind in Sorge zu erkranken und als Pflegeperson auszufallen. Gehen Kinder ihrem normalen Alltagsleben nach, kommen sie in den Kontakt mit Busfahrern, Lehrern und anderen Mitmenschen. Zu Hause besteht dieses Risiko nicht, wohl aber könnten sich Eltern oder Betreuer infizieren und sie haben in der Pflege und Betreuung einen engen Kontakt zu ihren Angehörigen mit Behinderung. Die Impfung ist für Sie ein wichtiger Schutz und bietet einen Ausweg aus der Isolation. Darum war die Neuerung der Corona-Impfverordnung wie ein Befreiungsschlag.“ Viele Eltern nutzten diese Möglichkeit bereits und konnten sich die letzten Wochen in München und den umliegenden Gemeinden impfen lassen.

Hier der Wortlaut der Lebenshilfe-Information:

„Die neue Fassung der Corona-Impfverordnung vom 10. März 2021 ordnet die pflegenden Angehörigen von pflegebedürftigen Kindern und Erwachsenen nun in die höchste Priorität ein (§ 2 Abs. 1 Nr. 3 ImpfVO). Das ergibt sich nicht direkt aus dem Wortlaut der Verordnung, aber aus der Regierungsbegründung. Dort heißt es auf Seite 25: „Unter den Begriff ambulante Dienste fallen nunmehr auch pflegende Angehörige.“ Die Begründung der Verordnung sagt hier also eindeutig, dass im Rahmen der Auslegung auch pflegende Angehörige unter den Personenkreis des § 2 Abs. 1 Nr. 3 der Corona-Impfverordnung zu fassen sind.“

Weiter wird empfohlen:

„Bei der Online-Registrierung unter https://impfzentren.bayern müssen pflegende Angehörige wie folgt vorgehen, um in die höchste Priorität zugeordnet zu werden:

1. Formular „Ich arbeite in einer Pflege- oder medizinischen Einrichtung“ auswählen.
2. Unterpunkt „ambulanter Pflegedienst“, pflegende Angehörige ankreuzen.
3. Registrierung abschließen.

Bei einer telefonischen Registrierung sollten diese Angaben unbedingt mündlich durchgegeben werden.

Die Berechtigung wird vor Ort im Impfzentrum überprüft. Zum Impftermin sollten daher die folgenden Nachweise in Kopie oder im Original mitgenommen werden: der Bescheid der Pflegekasse über den zuerkannten Pflegegrad sowie Personalausweis und Schwerbehindertenausweis des Angehörigen sowie ggf. Betreuer-Ausweis.

Dieser Hinweis verhilft hoffentlich den pflegenden Eltern und Angehörigen, die sich gegen das neue Coronavirus Sars-CoV-2 impfen lassen wollen, zu einem baldigen Termin.

Mit besten Grüßen / Beate Bettenhausen
Angehörigenberatung der Lebenshilfe München

Kontakt:
Fon: (0 89) 69 34 7-1 17 – Fax: (0 89) 69 34 7-1 82
beratung@lebenshilfe-muenchen.de und unter www.lebenshilfe-muenchen.de

Ein Bechstein-Flügel für die Lebenshilfe München

Bereits der Prägedruck des Flügels verrät aus welcher Zeit er stammt: „Pianoforte-Febrik von C. Beschstein. Hoflieferant seiner Majestät des Kaisers und Königs, seiner königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Carl von Preußen.“

Bereits der Prägedruck des Flügels verrät aus welcher Zeit er stammt: „Pianoforte-Fabrik von C. Bechstein. Hoflieferant seiner Majestät des Kaisers und Königs, seiner königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Carl von Preußen.“

Die Lebenshilfe München erhielt eine außergewöhnliche Spende, einen 140 Jahre alten Bechstein-Konzertflügel. Wie kam es zu so einer Spende, fragte man sich in der Redaktion und hat bei der Spenderin, Camilla Attenberger-Fino nachgefragt. „Der Flügel stammt von meiner Großmutter Carola Edle Fallot von Gemeiner“, erzählt sie. Sie war in Kirchheim bei München eine bekannte Klavierlehrerin und selbst erinnere ich mich noch an meine Kindheit, als sie bei besonderen Anlässen vorspielte. Ihr Leben lang unterrichtete sie an der Musikschule, in der VHS oder begleitete selbst ein Kindertheater“, erinnert sich Camilla Attenberger-Fino. Bei ihr steht nun eine räumliche Änderung an und sie findet für den Flügel nicht mehr den richtigen Platz. „So haben wir in der Familie überlegt, was wir mit diesem Erbstück anfangen sollen. Dabei wurde uns klar, dass es Oma gefallen hätte, ihr Instrument aus dem Wohnzimmer wieder mitten in das Leben zu stellen. Es soll möglichst vielen Menschen eine Freude bereiten.“ 

Mit Abstand und in kleinen Gruppen wird der Bechstein-Flügel bespielt.

Bei der Lebenshilfe München wird er die nächsten Jahrzehnte Menschen mit geistiger Behinderung ein schönes Stück Lebensfreude schenken. Musik ist nicht nur international und fesselt Menschen über Generationen hinweg, Musik spricht auf einer tiefen Ebene unsere Gefühle und Emotionen an und kann Freude und eine positive Lebensstimmung schenken. Nun verfügt die Lebenshilfe München zwar über keinen eigenen Konzertsaal, aber einen großen Gemeinschaftssaal in der Wohneinrichtung Putzbrunn. Dort hat der 140 Jahre alte Bechstein-Konzertflügel nun eine neue Heimat gefunden. Auf seine ersten Konzerte wird er bedingt durch die Corona-Beschränkungen zwar noch warten müssen, doch im kleinen Rahmen wird er wieder zu hören sein.

Der 140 Jahre alte Bechstein-Konzertflügel erhält einen Ehrenplatz

Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München: „Der Flügel erhält im Foyer unserer neuen Einrichtung Putzbrunn III einen Ehrenplatz. Es freut und ehrt uns, dass die Familie Attenberger-Fino an die Lebenshilfe gedacht hat.“ Lebenshilfe-Einrichtungsleiterin in Putzbrunn, Renate Bauer weiß, dass Musik bei ihren Bewohnern immer gut ankommt und die Stimmung hebt. 14tägig ist mit Stefan Bartmann darum ein eigener Musikpädagoge verpflichtet, der jetzt auch mit dem neuen Flügel arbeitet und bereits 20 Bewohner für das Instrument begeistern konnte. Sie würden am liebsten gleich Musikunterricht nehmen, um selbst einige Akkorde spielen zu können.

Peter Puhlmann freut sich über den schönen Bechsteinflügel, der eine lange Geschichte hinter sich hat und jetzt bei der Lebenshilfe München ein neues Zuhause fand.

Stefan Bartmann wundert es nicht, dass der Funke so schnell überspringt. „Menschen mit motorischer Beeinträchtigung kommen bei Musik ‚in Schwingung‘, bewegen sich ‚im Flow‘, sind ergriffen von der Musik. Sie dockt direkt an unseren Emotionen an, vermittelt das Gefühl dabei und verstanden zu sein. Musik weckt Assoziationen und Erinnerungen in uns, manchmal fließen dabei sogar ein paar Tränen.“ Stefan Bartmann spielte 20 Jahre in einem großen Orchester, unterrichtet Musik und arbeitet seit drei Jahren als Musiktherapeut. Er selbst fühlt sich von der Arbeit in Putzbrunn beschenkt. „Die hier lebenden Bewohner sind freundlich und offen, leben weitgehend selbständig, und in der Gruppe entsteht eine Dynamik, ein gemeinsames Wir-Gefühl.“

Fast ihr ganzes Leben lang war der Bechstein-Flügel im Besitz von Carola Edle Fallot von Gemeiner. „Sie war in Kirchheim bei München eine bekannte Klavierlehrerin und sie unterrichtete ihr Leben lang an der Musikschule, in der VHS oder begleitete selbst ein Kindertheater“, erinnert sich ihr Enkelin Camilla Attenberger-Fino.

Zweite inklusive Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München

„Hier wird Inklusion gelebt“

Der gute Erfolg der im Herbst 2018 gegründeten ersten inklusiven Lebenshilfe-Wohngemeinschaft (WG) in der Herrmann-von-Sicherer Straße in München, machte Mut für eine zweite WG. Dazu renovierte der Elternverein die bislang als betreute Wohngruppe geführte Einrichtung in der Packenreiterstraße. Seit November leben dort sechs Menschen mit Behinderung und vier Studenten zusammen. Die Redaktion hat sich mit der Einrichtungsleiterin Natascha Münzer unterhalten. Sind inklusive Wohngemeinschaften jetzt ein Trend, was sind die Hintergründe und wie gestaltet sich das Zusammenleben?  

Ein selbst bestimmtes Leben ermöglichen

Die neue inklusive Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München in der Packenreiterstraße.

Die studierte Sonderpädagogin definiert als eine der vordringlichen Ziele in der Förderung von Menschen mit Behinderung, ihnen ein möglichst selbst bestimmtes Leben zu ermöglichen. „Mit einer inklusiven WG kommen wir diesem Ziel sehr nahe. Ein gewisser Betreuungsbedarf bleibt, im Vordergrund steht jedoch ein Miteinander auf Augenhöhe. Viele Mitbewohner mit Assistenzbedarf sind bereits in ihrer Autonomie fortgeschritten, werden aber weiterhin in diesem Bereich gefördert je nach Bedarf.“ So ist in der WG die Hälfte der Bewohner aus einer Lebenshilfe-Wohngruppe, in der auf die Selbständigkeit vorbereitet wird. Ein Prozess der mitunter bis zu zwei Jahre in Anspruch nimmt.

Studenten sind Freunde und Unterstützer

„Es geht aber um mehr“, erklärt Natascha Münzer. „Hier wird echte Inklusion im Miteinander von Studenten und unseren Klienten gelebt. Und das ist ein erklärtes gesellschaftspolitisches Ziel, das auch in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert ist.“ Die Studenten sind Mitbewohner und Ansprechpartner, nicht aber Betreuer im klassischen Sinne. Sie fungieren vielmehr als Unterstützer. Das WG-Leben orientiert sich an dem Miteinander von nicht betreuten WGs. Für die fachliche Betreuung sind eigene Betreuungskräfte täglich von 16 bis 21 Uhr und ganztags am Wochenende vor Ort.

Die Dienste sind gut geregelt

Natascha Münzer stellt die einzige Fachkraft, ihr Team wird noch von zwei externen dualen Studenten der sozialen Arbeit verstärkt. Die dort lebenden Studenten haben Präsenzzeiten; im Wechsel jeweils einen Nachmittag unter der Woche, ein Wochenende im Monat sowie die dazugehörige Nachtbereitschaft, falls kleine Hilfestellungen nötig sind. Auch morgens sind sie zuständig, etwa beim gemeinsamen Gestalten des Frühstücks, bis die Bewohner dann das Haus verlassen und ihrer beruflichen Tätigkeit, meist in den Lebenshilfe-Werkstätten, nachgehen. Das Miteinander wird gestaltet durch die Mitbewohner mit Unterstützungsbedarf, der Präsenz der Studenten und die fachliche Begleitung der Betreuer.

Corona hat manches auf den Kopf gestellt

„In den Beschränkungen durch Corona wurde der Zeitplan etwas auf den Kopf gestellt, wir haben uns intern anders organisieren müssen. Mit Abschluss der Impfungen sollte aber im März wieder mehr Normalität in den Alltag einkehren“, hofft Natascha Münzer. Für alle waren die ersten Monate von der Eingewöhnung an die neue Umgebung und die neuen Lebensumstände geprägt. Ein Bewohner habe immer noch gelegentlich mit Heimweh zu kämpfen, „es ist für ihn das erste Mal ganz von Zuhause weg zu sein“, erzählt sie.

Gemeinsam etwas unternehmen

Wie auch in der Hermann-von-Sicherer-Straße funktioniert das Miteinander in der Packenreiterstraße gut. „Die Studenten fühlen sich wohl, sind sehr engagiert, herzlich und verantwortungsbewusst“, bescheinigt die Sonderpädagogin. Für die Studenten ist es ein Glück in guter Lage und mit S-Bahn-Anbindung in München eine Wohnung zu finden. Sie zahlen keine Miete, lediglich für das Essen – wie alle anderen auch – 130 Euro in die Haushaltskasse. „Wenn die Studenten nicht gerade in einer akuten Lernphase sind, unternehmen sie auch außerhalb ihrer festen Präsenzzeiten etwas zusammen mit ihren Mitbewohnern oder verbringen Zeit in den Gemeinschaftsräumen“, freut sich die Einrichtungsleiterin der inklusiven Lebenshilfe Wohngemeinschaft.

Vom Sonderschullehramt zur Lebenshilfe

Eigentlich wollte Natascha Münzer für das Sonderschullehramt studieren. Ihr Weg führte sie dann aber zur Lebenshilfe München. „Im Studium haben wir das Verhalten von Menschen sehr vertieft und viel über die emotionale Entwicklung gelernt. Unter dem Strich steht ein wertschätzendes und annehmendes Wertebild, wie ich es auch von zuhause her kenne. Das motiviert mich in der Arbeit bis heute und es ist schön, es jeden Tag erleben zu dürfen.“

Fachgespräche von Vertrauen getragen

Es ist ihre erste Station als Einrichtungsleiterin. Umso wichtiger ist es für sie, dass ihr vom ‚Ambulant Betreuten Wohnen‘ mit Daniela Holzmann eine erfahrende Fachkraft zur Seite steht und ebenso mit René Pfeifer, der Lebenshilfe-Bereichsleiter Wohnen. „Wir pflegen ein sehr gutes Arbeitsverhältnis, arbeiten im Team zusammen und unsere Fachgespräche sind von Vertrauen geprägt“, freut sich Natascha Münzer.

Unterstützung für den pädagogischen Fachdienst der Lebenshilfe

Die Lebenshilfe ist ein Inklusions-Treiber

Fünf Jahre wurde daran gearbeitet und seit 13 Jahren ist sie auch in Deutschland geltendes Recht, die UN-Behindertenrechtskonvention. Eines ihrer zentralen Anliegen ist die Inklusion, die Einbindung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen. Ein Prozess der auch heute, 20 Jahre später, nicht abgeschlossen ist und immer wieder neue Herausforderungen setzt. Ein Mitgestalter und Förderer dieser Entwicklung sind die Lebenshilfen in Deutschland, und auch in München wird dieser Prozess aktiv vorangetrieben. In speziellen Wohngruppen wird ein möglichst selbständiges Leben trainiert, in Wohngemeinschaften wird es komplex umgesetzt und auch in betreuten Einrichtungen, wie etwa am Willinger Weg, geht man neue Wege.

Damit der Prozess weitergeführt und parallel dazu immer auch das Feedback der Betroffenen maßgebend ist, hat sich ein Team aus Geschäftsführung, Bereichsleitern, Einrichtungsleitern und Vertretern der Bewohner gebildet. Hier gibt es mit Sabrina Kupka jetzt Verstärkung. Die Heilerziehungspflegerin mit abgeschlossenem Studium für „Management Sozialer Innovationen“, unterstützt jetzt als pädagogischer Fachdienst im Willinger Weg und in der St. Quirin-Straße. Sie ist seit Jugend auf mit dem Elternverein verbunden, hat in der Lebenshilfe Biberach ihre Ausbildung durchlaufen, wechselte dann aber zur Stiftung Pfennigparade, ein Sozialunternehmen für die aktive Rehabilitierung von Menschen mit Behinderungen. Dort leistete sie ein Praktikum, arbeitete als Werkstudentin und absolvierte ihr Studium. Danach blieb sie zwei Jahre als Wohnbereichsleitung bei der Pfennigparade.

„Die Dinge für Menschen mit Behinderung
hin zum Besseren zu bewegen“

Seit erstem Oktober ist sie wieder zur Lebenshilfe zurückgekehrt und freut sich neues Wissen und Erfahrungen einbringen zu können. Begleitend zu ihrer Arbeit studiert die 29jährige bereits wieder, möchte ihr Studium noch mit einem Masterabschluss krönen. „Letztlich geht es immer darum, die Dinge für Menschen mit Behinderung zum Besseren hin zu bewegen. Das ist einerseits ein gesellschaftlicher Prozess, beginnt aber immer mit dem direkten Lebensumfeld der Betroffenen und reicht hinein bis in den beruflichen und privaten Bereich.“

Vor allem München habe viel zu bieten. Es gibt viele Gruppen und Initiativen bürgerschaftlichen Engagements. Auch im Umfeld der Lebenshilfe-Wohneinrichtung am Willinger Weg und in der St.-Quirin-Straße. „Inklusion heißt Ressourcen zu nutzen, ob in der Nachbarschaft, bei Initiativen oder in Vereinen.“ Allerdings sind diese Möglichkeiten aufgrund der Corona-Beschränkungen stärker denn je eingeschränkt, selbst der Besuch der Lebenshilfe-Werkstätten ist für die Meisten seit vielen Monaten nicht mehr möglich, da für Wohneinrichtungen noch strengere Bedingungen gelten.

„Jeder Mensch hat seine ganz eigene Prägung“

Umso mehr ist die Arbeit in den Einrichtungen wichtig. „Und hier merkt man schnell, dass jeder Mensch seine eigene Prägung und Gemütslage hat und die wechselt täglich mehrfach“, erzählt Sabrina Kupka. „Man weiß darum nie wirklich, was einem am nächsten Tag in der Arbeit erwartet, aber das macht es auch spannend“ Hoffnung machen ihr aktuell die Impfungen innerhalb der Lebenshilfe-Einrichtungen. Das gäbe auch für den Besuch der Werkstatt wieder gute Perspektiven und ist für die Bewohner ein echter Hoffnungsschimmer. Insgesamt müsse man den Gruppen ein wirklich gutes Zeugnis ausstellen. „Sie ziehen all die Einschränkungen konsequent durch und beweisen viel Willensstärke. Mit Empathie und Einfühlung meistern wir dann auch schwierige Phasen“, ist sich die Heilerziehungspflegerin und Bachelor of Arts sicher.

Wer hat den besten Spruch?!

Seit Jahrzehnten bemüht sich die Landeshauptstadt München für Menschen mit Behinderung lebensfreundlicher zu gestalten. Betroffen sind alle Lebensbereiche, vom Wohnen über den Öffentlichen Nahverkehr bis hin zur Barrierefreiheit von öffentlichen Einrichtungen. Ein Prozess, für den auf vielen Ebenen gearbeitet wird. Für ein vertieftes Bewusstsein der Anliegen in der Öffentlichkeit sorgen immer wieder Aktionen, Kampagnen und öffentliche Auftritte. Für die jüngste Mitmach-Aktion „ausnahmslos barrierelos“, ist man auf der Suche nach den besten Sprüchen.

Das Koordinierungsbüro zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in München (www.muenchen-wird-inklusiv.de) will das Thema Barrierefreiheit thematisieren. Das Sozialreferat der Landeshauptstadt München hat dafür eine eigene Webseite bereitgestellt. „Schick uns deinen Spruch: Was ist ein barrierefreies Leben?“ fordert es zur Teilnahme auf. Welche Barrieren müssen verschwinden, damit jeder von uns an allen Bereichen des Lebens teilhaben kann? Was braucht es, damit auch Menschen mit Behinderungen ihren Alltag ohne fremde Hilfe gestalten können?

„Senden Sie ihren Spruch zum Thema ‚barrierefreies Leben‘ ein“, wird aufgefordert. Weiter heißt es: „Ausgewählte Sprüche werden im Sommer öffentlichkeitswirksam auf Plakaten und Postkarten präsentiert und in einem hochwertigen Notizbuch veröffentlicht. Mit etwas Glück kannst du das Notizbuch dann gewinnen.“
Einsendeschluss ist der 14. März 2021.

Einige Beispiele, wie so ein Spruch aussehen könnte:

  • „Barrierefreiheit bedeutet für mich,
    auch mit Down-Syndrom eine Regelschule besuchen zu können.“
  • „Kinder sollen gemeinsam auf inklusiv gestalteten Spielplätzen spielen können.“
  • „Ein barrierefreies Leben heißt,
    dass Menschen in leichter Sprache mit mir sprechen.“

Wer bei der Aktion mitmachen möchte, muss sich auf der Internetseite informieren. Hier gibt es alle Formulare und Angaben, auch wenn jemand seinen Spruch lieber mit der Post versendet. Dazu noch einige Informationen darüber, „was noch unbedingt zu beachten ist“.

Die Adresse:

Wer noch unsicher ist und weitere Fragen hat, findet hier Hilfe:

Email an: inklusion.soz@muenchen.de
Telefonisch ist das Koordinierungsbüro zur Umsetzung
der UN-BRK erreichbar unter 089 / 233 – 21983.

Zukunftsplanung zum Lebensende: Was will ich?

Niemand redet gerne über seinen eigenen Tod, und dennoch bereiten wir uns darauf vor, wollen die Dinge in unserem Sinne regeln. Neben der finanziellen Vorsorge halten selbst junge Menschen in ‚Patientenverfügungen‘ etwa fest, was sie im Falle eines Unfalles oder einer fortschreitenden Krankheit wünschen. Es sind schwierige Fragen, ob etwa lebensverlängernde Maßnahmen ergriffen werden sollen, in welchen Umfang und über welchen Zeitraum. Ebenso sind heute Palliativstationen in den Kliniken, zur Begleitung auf dem letzten Lebensweg, fest in den Kliniken und Senioreneinrichtungen installiert.

Werden komplexe Zusammenhänge verstanden?

Jenny Rissmann von der Lebenshilfe München erklärt in persönlichen Gesprächen komplexe Zusammenhänge, von der Patientenverfügung bis zum „letzten Willen“.

Wie aber steht es bei Menschen mit geistiger Behinderung? Haben Sie ein Verständnis für die komplexen Zusammenhänge? Wissen sie etwa was eine Einwilligung bei lebensverlängernden Maßnahmen bedeutet? Haben Sie eigene Wünsche und Vorstellungen, ob sie etwa eine traditionelle Bestattung wünschen oder ein Krematorium vorziehen? Die Lebenshilfe München will hier Hilfe anbieten und Menschen mit Behinderung behutsam in diesen Fragen begleiten. Dafür ist jetzt eine eigene Fachkraft ausgebildet und bietet Beratungsgespräche an. Wir haben uns mit ihr unterhalten.

Jenny Rißmann ist seit 2018 als Betreuerin bei der Lebenshilfe München, zuletzt als Fachkraft im ambulanten Pflegedienst. Die gelernte Krankenschwester (Gesundheits- und Krankenpflegerin) bringt viel Erfahrung aus dem Intensivbereich und der Akut-Geriatrie mit. Für ihren neuen Wirkungskreis bei der Lebenshilfe München absolvierte sie im Fortbildungsinstitut Erlangen eine Weiterbildung und bei ihren ersten Beratungsgesprächen wurde sie jetzt von einem Mentor, ihren Ausbilder, begleitet.

Es besteht ein großer Bedarf

Nach ihrer Einschätzung wurde der gesamte Themenbereich der gesundheitlichen Versorgungsberatung gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung eher vernachlässigt, stand weniger im Vordergrund, darum besteht ein großer Bedarf. Sie ist froh, dass es jetzt mit den Kassen eine Regelung für solche Beratungsgespräche gibt. „Es geht immer noch darum, eine Petition zu erstellen, um eine enge Vernetzung mit Ärzten, Krankenhäusern und Bestattern zu erreichen. Natürlich hilft es, wenn „der letzte Wille“, aber genauso eine Patientenverfügung und ein Testament schriftlich vorliegen. Wer soll entscheiden, wenn der Mensch – ob mit oder ohne Behinderung – nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen zu kommunizieren“, fragt sie. „Niemand will diese Verantwortung auf sich nehmen.“

Arbeitsheft in leichter Sprache

Die Beratungsgespräche erfordern über das fachliche Wissen hinaus viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Der ganze Themenbereich wird darum behutsam vorbereitet, etwa mit Fragen zu persönlichen Wünschen und Vorlieben. Dazu gibt es ein eigenes Arbeitsheft in leichter Sprache mit dem Titel „Zukunftsplanung zum Lebensende: Was will ich!“ Und es gilt eben diesen Willen gemeinsam zu erarbeiten. Bei Menschen mit geistiger Behinderung sind häufig schon die ‚Kleinen Dinge‘ von Bedeutung. Darum sind die Fragen einfach aufgebaut: „Mag ich etwa gerne mit Tieren spielen, mit Menschen zusammen sein oder bin ich doch lieber für mich im gewohnten Zuhause? Verreise ich gerne, treibe ich Sport oder bin lieber Zuschauer? Was sind meine Vorlieben, was mag ich gerne?“

Das Heft fragt weitere Themenbereich ab wie „Meine Sinne’“ oder „Hoffnungen und Ängste“. In mehreren Arbeitsschritten bietet es „Medizinische Erklärungen“ und gibt zu denken, „was für mich getan werden soll, wenn ich in ein Krankenhaus gehe.“ Jenny Rissmann nimmt sich für diese Fragen und Erläuterungen Zeit. „Man merkt auch, wenn die Konzentration und Aufnahmefähigkeit nachlässt. Dann müssen wir die Dinge in einem zweiten und manchmal sogar einem dritten Termin vertiefen.“

Guter Zuspruch von Eltern und Betreuern

Guten Zuspruch findet die Initiative der Lebenshilfe München bei Eltern und Betreuern. „Sie sind es meist auch, die letztlich für die eine schriftliche Erklärung Sorge tragen müssen. Wir beraten, informieren und klären auf. Informationen werden nur weiter gegeben, wenn es unser Gegenüber auch wünscht. Ansonsten unterliegen wir der Schweigepflicht, die Gespräche sind vertraulich,“ ergänzt Jenny Rißmann.

Wir berichten demnächst wieder über ihr Tätigkeit. Was bewegt Menschen mit geistiger Behinderung? Wo setzen sie Prioritäten, wie nehmen Sie dieses Thema auf? Das in leichter Sprache aufgelegte Heft „Zukunftsplanung zum Lebensende: Was will ich!“, ist beim Verein für Hospizarbeit e.V., Bonn Lighthouse , (www.bonn-lighthouse.de) erschienen.

Gerd Spranger

Viel Zustimmung für den Willinger Weg

Seit 100 Tagen ist die neue Wohneinrichtung Willinger Weg
der Lebenshilfe München in Betrieb

Der Pädagoge Klaus Huber leitet seit September die nach Umbau und Renovierung neu eröffnete Wohneinrichtung ‚Willinger Weg‘ der Lebenshilfe München. 24 Menschen mit geistiger Behinderung leben dort in drei Wohngruppen zusammen (siehe Bericht). Wir haben bei Klaus Huber nachgefragt, wie es ihm und seinen Bewohner nach 100 Tagen im neuen Zuhause geht. 

Klaus Huber nimmt auf der gemütlichen Sitzecke zum Interview Platz. – Fotos: Gerd Spranger

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„Ein starkes inklusives Miteinander entwickeln“

Die Soziologin und Journalistin
Tatjana Viaplana stellt sich vor

Wie kamen Sie zur Lebenshilfe (Beruf/ Studium)

Tatjana Viaplana mit ihrem heute dreijährigen Sohn Lou.

Ich habe Soziologie in Freiburg studiert. Das ist eine meiner Leidenschaften: die Gesellschaft, soziale Interaktion und Organisation, Muster im Miteinander aber auch die Knackpunkte, wo solche Muster durchbrochen werden. Wo können oder müssen wir als Gesellschaft Themen oder Lebensbereiche neu aushandeln? Kontingenz bedeutet in der Soziologie soviel wie: „Es könnte auch anders sein.“ – sie gilt für unsere Wirklichkeit; also das System in dem wir leben – es könnte auch anders sein, es hätte sich anders entwickeln können. Das heißt, wir können es heute auch ändern. Weiterlesen

Rollstuhltaxis ab sofort im Einsatz

– Aus dem Münchner Rathaus –

Für Rollstuhlfahrer gibt es ab sofort bessere Beförderungsmöglichkeiten mit Taxis. Bürgermeisterin Verena Dietl hat jetzt die ersten umgebauten Taxis der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dabei waren der Behindertenbeauftragte der Landeshauptstadt München, Oswald Utz, sowie der Sprecher des Facharbeitskreises „Freizeit und Bildung“ des Behindertenbeirats, Franz Göppel. Über die Verbesserung des Angebotes freut sich auch die Lebenshilfe München. Weiterlesen

Weniger Termine, kleine Gruppen und Masken

Aus dem Newsletter der Lebenshilfe München

Die Lebenshilfe München arbeitet in vielen Bereichen für das Wohl von Menschen mit Behinderung. Im Hinblick auf ein steigendes Covid19-Infektionsgeschehen erarbeitete die Lebenshilfe für alle Bereiche ein Hygiene- und Sicherheitskonzept. Im ersten Teil informierten wir bereits über die Wohneinrichtungen. Hier der aktuelle Stand aus den anderen Bereichen der Lebenshilfe München:  Weiterlesen

Inklusion und die Arbeitswelt

S A V E   T H E   D A T E  :  28.10.2020 in Aschheim bei München

Allein der Titel des Filmes ‚Utopisches vom Himmelreich‚ ist vielsagend, denn ‚da oben‘ dürfte so manches anders laufen, was wir als Erdenbürger noch als Utopie verstehen. Doch der Hintergrund des Filmes ist ein ganz irdischer. Er widmet sich nämlich der Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung. Es ist ein Film von Stefan Ganter und Peter Ohlendorf und eine Produktion von FilmFaktum und Ganter Film & Medien. Weiterlesen

Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung

Auch 14 Jahre nach Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention ist es immer noch ein mühsames Ringen die eigentlich selbstverständlichen Rechte von Menschen mit Behinderung durchzusetzen. Beispielsweise musste im Februar 2019 erst das Bundesverfassungsgericht feststellen, dass Wahlrechts-Ausschlüsse gegen die Verfassung, gegen die Menschenrechte sind! Ein Jahr später wurde bekannt, dass von den 100.000 Arztpraxen in Deutschland nur knapp 35 Prozent barrierefrei zu erreichen sind. Dabei stellt die
UN-Behindertenrechtskonvention unmissverständlich klar, es ist „die Achtung der dem Menschen innewohnenden Würde, seine individuelle Autonomie, einschließlich der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, sowie seiner Unabhängigkeit im Sinne von Selbstbestimmung“ zu gewährleisten. Ebenso die Chancengleichheit und die Zugänglichkeit bzw. Barrierefreiheit. Weiterlesen

Lebenshilfe München schafft neue Wohnangebote für Menschen mit Behinderung

René Pfeifer, Bereichsleiter ‚Wohnen‘ der Lebenshilfe München vor dem neuen Wohnhaus am Willinger Weg in München. Fotos: Gerd Spranger

Die Lebenshilfe München hat diesen Sommer in Ramersdorf am Willinger Weg ein neues Wohnhaus für 24 Menschen mit Behinderung eröffnet. Es ist das neue Aushängeschild des Elternvereins, denn vom Raumkonzept über die Barrierefreiheit bis hin zum Anspruch auf geräumige Zimmer wurden alle Standards erfüllt, die meisten verfügen noch über einen kleinen Balkon oder eine Terrasse. „Die ersten Überlegungen zur Erneuerung der alten Arztvilla aus den 30er-Jahren, idyllisch und zentral in einer Wohnsiedlung gelegen und seit 1988 Eigentum der Lebenshilfe München, gehen bis auf das Jahr 2012 zurück“, informiert Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München. 2016 entschied dann ein Architektenwettbewerb über den Neubau. Weiterlesen