Neue Leitung des Ambulanten Dienstes der Lebenshilfe

Seit Januar ist Markus Lunk der neue Leiter des ambulanten Pflegedienstes der Lebenshilfe München. Er freut sich sehr, in dem kleinen sympathischen Team neuen Herausforderung zu begegnen. Erfahrungen als Pflegedienstleiter sammelte er die letzten sechs Jahren in zwei Rehakliniken. Sein persönlicher Wunsch war es, mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten, ihnen zu helfen. Zunächst ist das kleine dreiköpfige Team im Süden von München aktiv.  

Markus Lunk leitet seit Januar 2021 den Ambulanten Pflegedienst der Lebenshilfe München

„Anfragen gibt es zwar viele, doch benötigen wir zuerst weitere Fachkräfte um aufzustocken“, erzählt er. Vor dem ersten Besuch von Klienten werden telefonisch zunächst die Bedarfe und die Region abgestimmt. Wenn alles passt, dann wird ein persönlicher Termin vereinbart. Das besondere bei der Ambulanten Pflege der Lebenshilfe München ist der Schwerpunkt auf Menschen mit Behinderung.

„Immer noch versorgen viele Eltern ihre längst erwachsenen Kinder zuhause. Mit den Jahren aber steigen die Anforderungen und hier ist Unterstützung nötig“, erklärt Harry Zipf, Leiter der Offenen Dienste. Für Markus Lunk ist die ambulante Tätigkeit neu. „In stationären Pflegeeinrichtungen ist alles geregelt, die ganze Infrastruktur steht und bei Engpässen hilft Personal aus anderen Abteilungen aus. Die ambulante Pflege stellt nochmals eigene Anforderungen. Man ist alleine vor Ort und verantwortlich für „seinen“ Pflegebedürftigen. Dafür aber ist meist ein familiäres Umfeld vorhanden oder aber – in einigen Fällen – betreuen wir auch Singles. Doch gehen wir immer in das private Umfeld. Manchmal begleiten wir die Menschen, wie etwa beim Besuch eines Arztes.“

Besondere Situationen erkennen und erklären

„Die Einschränkungen und besonderen Anforderungen an die Hygiene (AHA-Regeln) erfordert natürlich zusätzliche Maßnahmen, darauf aber sind die Menschen mittlerweile gut eingestellt“, erzählt der Pflegedienstleister. Allerdings komme es immer wieder zu besonderen Situationen. Markus Lunk erzählt von einem Arztbesuch. „Im Wartezimmer setzt der von uns Begleitete auf einmal seine Maske ab. Auf Nachfrage erklärt er, dass er erst gestern negativ auf Corona getestet wurde und damit keine Gefahr für andere mehr darstelle. Es ist dann nicht immer ganz einfach, Zusammenhänge und Notwendigkeiten zu erklären.“

Beim ambulanten Pflegedienst der Lebenshilfe München sind es die persönliche Nähe und häufig die ‚kleinen Hilfen‘, die den Unterschied ausmachen. Zudem fühlen sich die Menschen in ihrem eigenen persönlichen Umfeld einfach wohler. Es ist ein zentrales Anliegen der Lebenshilfen, Menschen nach dem Wunsch zur Selbständigkeit, wie etwa ein Leben in der eigenen Wohnung, zu unterstützen.

Lebenshilfeblog wächst weiter

Der Blog der Lebenshilfe München erscheint jetzt seit neun Jahren und die Zahl der Zugriffe wächst weiter. Jährlich 60 bis 80 Beiträge sind über die Jahre hinweg eine Konstante in der Kommunikation des Elternvereins. Das Streben nach Inklusion und die tägliche Arbeit und Förderung von Menschen mit Behinderung gestaltet sich in der Lebenshilfe München vielfältig.

Je nach dem Grad der Behinderung, dem persönlichen Umfeld und dem Alter leisten deren Mitarbeiter vielfältige Hilfen in unterschiedlicher Form. Es gibt Angebote für die ‚Frühförderung‘ bis zur Betreuung der ‚Ruheständler‘, für ‚Ambulante Dienste‘ bis hin zur ‚Offenen Behindertenarbeit‘ (OBA), Dienstleistungen der ‚Angehörigenberatung‘ bis zu den ‚Heilpädagogischen Tagesstätten‘ (HPT), für das ‚Wohnen‘ bis hin zu den ‚Werkstätten‘. Die angebotenen Hilfen sind immer speziell und individuell am Menschen orientiert. Wir geben im Lebenshilfeblog kleine Einblicke und hoffen, auch Sie mit dem einen oder anderen Beitrag erreichen zu dürfen.

Auch 2020 erzielte der Blog mit 26.000 Aufrufen wieder eine Steigerung von zehn Prozent und wurde nicht nur ‚angeklickt‘, sondern auch gelesen. Jeder Leser besuchte im Schnitt zwei bis drei Seiten. Schreiben Sie uns oder nutzen Sie die Kommentarfunktion zu den Beiträgen.

Wir freuen uns und wünschen Ihnen weiterhin „Viel Gesundheit und Freude mit dem Blog der Lebenshilfe München.“

Auf ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2021 !!!

Warum muss es so schwierig sein?

Ein Beitrag der L.I.E.S. -.Redaktion

Der Kampf mit der Bürokratie von Nadja Lindenbeck-Menzel ist noch nicht zu Ende. Lesen Sie hier die Fortsetzung der Geschichte:

Mein Sohn (mit Down-Syndrom) wurde im Mai 2020 volljährig. Ich habe Ihnen versprochen, Sie darüber auf dem Laufenden zu halten, wie es mit dem bürokratischen Kampf und seinem Anspruch auf Grundsicherung (§ 41 SGB XII) weitergeht. Wie Sie bereits wissen, wurde mir von der zuständigen Sachbearbeiterin Frau X mehrmals telefonisch die falsche Auskunft erteilt, mein Sohn habe keinen Anspruch auf Grundsicherung.

Dank der Angehörigenberatung der Lebenshilfe München erhielt ich jedoch korrekte Informationen und Rückenstärkung. Damit ausgestattet konnte ich durchsetzen, dass mein schriftlicher Antrag nicht telefonisch abgewimmelt, sondern mir ein Formular zugeschickt wurde. Das Formular traf also ein und mich traf fast der Schlag. Ein Anschreiben, zwei Formulare, insgesamt 12 Seiten. Das Anschreiben von Frau X war an mich persönlich gerichtet. Ich schrieb an die Angehörigenberatung:

Liebe Angehörigenberatung, ich habe die Unterlagen und brauche dabei Ihre Hilfe. Das ist gruseliger als ich dachte. Mir erschließt sich einiges nicht. Frau X hat mich direkt angeschrieben:

  • Muss ich jetzt meine persönlichen Kontoauszüge vorlegen?
  • Marcel hat kein Konto und kein Einkommen.
  • Ich besitze ein Auto und dort steht ich darf keins haben.
  • Die Unterlagen, die ich bis 8.6. (in drei Wochen) einreichen soll, erschließen sich mir auch nicht alle.
  • Personalausweis, da geht nur der abgelaufene, neuer ist diese Woche beantragt und dauert ca. fünf Wochen.
  • Nachweis Krankenversicherung – muss ich bei der Kasse beantragen.
  • Was ist ein Bescheid über allgemeines Wohngeld?
  • Was sind Personalien und Adressen der Unterhaltspflichtigen?
  • und auf der nächsten Seite steht, wenn die Unterlagen nicht bis 8.6. vorliegen, wird mir der Anspruch versagt.
  • Dann kommt Grundantrag 1 und dann Erstantrag auf Gewährung von Grundsicherung, da ist nur Grundsicherung angekreuzt und nicht der Mehrbedarf, obwohl Marcel ja die HPT besucht und auch Merkzeichen „G“ hat.

Hardcore: „Alleine schaffe ich das nicht“

Ich muss sagen, alleine schaffe ich das nicht und schon gar nicht in der Frist. Und bei der Belehrung was alles passiert, wenn man sich nicht daran hält, steht, ich muss jetzt alles melden … wenn jemand auszieht, wenn wir ins Krankenhaus gehen etc., das ist ja Hardcore, ich habe das Gefühl, ich stehe mit einem Bein schon fast im Gefängnis. Und Kindergeld muss ich auch angeben (wer es bezieht plus Kindergeldnummer). Ich denke, kein normaler Mensch kann das alleine schaffen.

Eine beruhigende Antwort der
Angehörigenberatung der Lebenshilfe München

Die Antwort kam schnell und war sehr beruhigend:
„Keine Sorge, liebe Frau Lindenbeck, Sie können sich entspannen. Die Formulare fragen auch Dinge ab, die für die Fallbearbeitung bei Ihrem Sohn nicht relevant sind. Das größere Problem ist aber Frau X, sie verwechselt schon im Anschreiben den Antragsteller mit Ihnen als rechtlicher Betreuerin, so dass Sie den Eindruck gewinnen mussten, dass Ihre Unterlagen verlangt werden. Es ist sehr traurig, aber Frau X scheint hohen Schulungsbedarf zu haben. Sie müsste klarstellen, dass es nur um Ihren Sohn als Antragsteller und um dessen Unterlagen geht. Ihre eigenen Unterlagen zu Konto, Einkommen, Vermögen, Auto etc. sind für die Anspruchsbearbeitung Ihres Sohnes nicht relevant, die sind also nicht einzureichen. Viele Fakten haben Sie auch schon angegeben, um Beispiel zum Kindergeld: das Kindergeld, das Ihnen für Ihren Sohn zusteht, leiten Sie nicht an ihn weiter. Ihr Sohn hat kein Kind und erhält daher kein Kindergeld. Es gibt daher keine Kindergeldnummer, die mitzuteilen wäre . . . Lassen Sie uns telefonieren, gerne nächsten Dienstag. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende – Viele Grüße von der Angehörigenberatung“

„Bitte in Papierform“

Nach dem Telefonat mit der sachkundigen Angehörigenberatung war es nicht schwer, die wirklich erforderlichen Unterlagen zusammenzustellen, ich schickte sie per Mail an die Behörde. Der nächste Hammer kam: Obwohl ich ständig per Mail angeschrieben wurde, verlangte Frau X die Unterlagen in Papierform! Ich habe mich also allgemein erkundigt und der Mitarbeiter der Stadt meinte, „… online ist in Ordnung, aber wenn der Sachbearbeiter es noch anders haben möchte, dann muss ich das tun.“

Ist das jetzt Schikane? Ich möchte echt nicht kleinlich sein, aber entweder gilt es online oder nicht. Es war sehr ärgerlich, aber darüber wollte ich dann keinen Streit anfangen, ich muss meine Kräfte schließlich einteilen und schickte alles mit der Post. Endlich, mit Datum 15.7.2020 erhielt ich den ersten Grundsicherungsbescheid in Höhe von 704,01 Euro. Eine schöne Summe, über die wir uns gefreut haben. War der Bescheid auch korrekt? Nicht überraschend: nein!

Mehrbedarf für die HPT einfordern

Also bat ich Frau X um Berücksichtigung der 35 Prozent Mehrbedarf für den Besuch der HPT, den sie vergessen hatte. Es kam zu folgendem Schriftwechsel: Frau X: „… Für den Besuch der HPT ist ein solcher Mehrbedarf nicht vorgesehen.“

Die Angehörigenberatung wusste es wieder besser als das Sozialbürgerhaus. Ich übernahm die korrekten Informationen und schrieb an Frau X: „Leider ist auch diese Auskunft zum Mehrbedarf wegen des Besuchs einer HPT, wie etliche andere Auskünfte von Ihnen, falsch. Wegen der Eingliederungshilfeleistung „Hilfe zur Schulbildung“ – dazu zählt der Besuch einer HPT – hat mein Sohn nach § 42 b Abs. 3 Satz 1 SGB XII i. V. mit § 112 SGB IX einen Anspruch auf Mehrbedarf in Höhe von 35 % der maßgebenden Regelbedarfsstufe für die Monate, in denen er die Eingliederungshilfe „HPT“ erhält. Für diese Monate entfällt dann allerdings der Mehrbedarf für das Merkzeichen „G“ in Höhe von 17 % – wir wollen schließlich nur das in Anspruch nehmen, was meinem Sohn zusteht.“

Bitte auch „Corona Sozialpaket I“

Die Entscheidung zum Mehrbedarf steht noch aus. In der gleichen Widerspruchs-Begründung verlangte ich aber auch noch die Gewährung der anteiligen Kosten der Unterkunft für die Monate Mai und Juni 2020. Laut „Corona Sozialpaket I“ müssten diese bei Antragstellung ab März 2020 gewährt werden. Inzwischen hatte Frau X jedoch am 7.8.2020 drei weitere Bescheide erlassen und kennt sich selber gar nicht mehr aus. Sie schrieb, dass ihr mein Widerspruch nicht verständlich ist. Ich erklärte ihr also alles noch einmal und bin nun zuversichtlich, irgendwann alle meinem Sohn zustehenden Beträge zu erhalten … .

Sohn in den Mietvertrag aufnehmen

Ein sehr guter Tipp der Angehörigenberatung war übrigens, meinen Sohn mit in den Mietvertrag aufnehmen zu lassen. Seit Juli 2020 erhält mein Sohn als Mitmieter die anteiligen Unterkunftskosten für Miete und Nebenkosten und nicht nur den Differenzbetrag. Marcel hat nun im September in einer WfbM das Eingangsverfahren für den Berufsbildungsbereich begonnen. Neben dem Ausbildungsgeld in Höhe von 119 Euro, das bei der Grundsicherung nicht angerechnet werden darf, erhält er 865,06 Euro Grundsicherung ab September 2020. Ich bin sehr dankbar, dass es Gesetze gibt, die eine solche Unterstützung möglich machen.

Mein persönliches Statement

Wie zu Beginn meines Berichtes: Ich bin nicht alleine auf dieser Welt mit einem Kind das „anders“ ist, ich bin nicht die erste Mutter, die so einen Antrag stellt. Mein Sohn hat Anspruch auf Beratung und Unterstützung und damit auch ich als seine rechtliche Betreuerin. Von Beratung und Unterstützung durch die Behörde waren wir weit entfernt, es lief eher gegenteilig. Frau X sagte mal zu mir, sie würde bei diesem Vorgang viel lernen, das heißt also, ich habe sie geschult! Erlebt habe ich eine Behörde bzw. eine Sachbearbeiterin, die:

  • unfreundlich war
  • wiederholt falsche Auskünfte gab
  • sich nicht in dem Sachgebiet auskennt, für das sie zuständig ist, so dass ich „Nachhilfe“ geben musste
  • ein Anschreiben schickte, mit dem von mir persönlich Unterlagen verlangt wurden, die die Behörde nichts angehen und die für den Fall nicht benötigt werden
  • Formulare verwendet, in denen Angaben und Unterlagen verlangt werden, die für die Antragsbearbeitung nicht erforderlich sind,
  • vorsintflutlich arbeitet (Mail-Unterlagen wurden nicht akzeptiert)

Erschreckend fand ich die Erfahrungen aus meinem Bekanntenkreis und vor allem auch die Erfahrungen der Angehörigenberatung, solche Falschauskünfte und Falschberechnungen bei Grundsicherungsanträgen kämen häufiger vor. Dabei wurde die Stadt München schon 2018 schriftlich auf diese Missstände aufmerksam gemacht. Ich werde also die Stadt München auch noch direkt anschreiben, damit andere Betroffene, die es vielleicht nicht schaffen, eine so tolle Unterstützung zu erhalten, es in Zukunft mit den Behörden leichter haben werden:

„Liebe Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der Stadt München,

meinen zweiteiligen Bericht aus den L.I.E.S.-Heften 2-2020 und 3-2020 schicke ich Ihnen mit der Bitte, sich in solchen Fällen wie dem meines Sohnes deutlich mehr Mühe mit Ihren Mitbürgern mit Behinderung zu geben. Ich bin gespannt auf Ihre Reaktion. – Mit freundlichen Grüßen“

Für Marcel ist jetzt alles gut ausgegangen, mein herzlicher Dank dafür geht an die Angehörigenberatung der Lebenshilfe München. Die Aussage ist wahr geworden: „Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, muss der Antrag genehmigt werden. Bei Ihrem Sohn ist das der Fall.“

Nadja Lindenbeck-Menzel

Der Kampf um seine Rechte

Ein Beitrag der L.I.E.S.-REDAKTION

Langwierige Kämpfe mit Behörden sind leider allzu oft
Alltag für Familien, die Angehörige mit Behinderung haben

– Warum muss es so schwierig sein? –

Grundsicherung für meinen Sohn zum 18. Geburtstag

Mein Sohn (mit Down-Syndrom) wird 18 Jahre alt und ich habe eine lange Liste mit Dingen, die ich jetzt beachten muss. Den Betreuer-Ausweis habe ich bekommen, auf meiner Liste geht es weiter mit Grundsicherung. Ich selber arbeite in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung und habe hin und wieder schon einzelne Puzzelstücke über die Rechte und Ansprüche mitbekommen, wenn das Kind 18 Jahre alt wird. Aber wirklich genaue Aussagen hat mir niemand geben können und natürlich habe ich auch selbst versucht, darüber im Internet zu recherchieren. Aber dann dachte ich mir, wer kann es besser wissen als die Mitarbeiter der zuständigen Behörde. Ich rief also beim zuständigen Sozialbürgerhaus an und erklärte die Sachlage.

Besteht ein Anspruch?

Die Dame meinte, einen Moment bitte, sie fragt kurz nach. Nach einigen Minuten kam sie zurück zum Telefon und meinte, mein Sohn hätte keinen Anspruch auf Grundsicherung. Ich blieb hartnäckig, sie erkundigte sich wieder und meinte dann, ja vielleicht habe er Anspruch im September, wenn er die Werkstatt besucht. Ich solle mich dann nochmal melden. Erst mal gab ich mich mit dieser Auskunft zufrieden. Einige Zeit später traf ich in der Arbeit die Mutter von einer Mitarbeiterin, die ich betreue, die auch meinte, sie blicke da nicht mehr durch, auf was ihre Tochter Anspruch hat und auf was nicht und sie hätte es mit der Antragstellung sein lassen. In einem weiteren Gespräch mit einer anderen Mutter erinnerte diese mich jedoch daran, mich mal bei der Lebenshilfe München zu erkundigen. Volltreffer!

Lebenshilfe-Angehörigenberatung hilft weiter

Eine ganz liebe Dame der Angehörigenberatung klärte mich umfänglich auf. Und sie unterstützte mich, wie ich bei der Antragsstellung auf Grundsicherung bei voller und dauerhafter Erwerbsminderung (§ 41 SGB XII) vorzugehen habe und welche Unterlagen notwendig sind. Eigentlich reicht es erst mal, der Behörde zur Volljährigkeit des Kindes mitzuteilen.

„Ich stelle einen Antrag auf Grundsicherung für mein Kind mit Schwerbehinderung nach § 41 SGB XII“. Damit kann die Frist für den Monat gewahrt werden, in dem der Antrag gestellt wird. Die übrigen Unterlagen können nachgereicht werden. Ich hatte aber noch Zeit, bevor mein Sohn 18 wurde und konnte die Unterlagen sammeln. Als erstes rief ich die Schule an, die mein Sohn noch bis Ende Juli 2020 besucht und bat um eine Bescheinigung, dass mein Sohn nach Ende der Schulzeit in eine Werkstatt geht. „Kein Problem“, hieß es. Dann kam aber die Nachricht, die Schule mache so was nicht, sondern nur die Agentur für Arbeit als Träger der Maßnahme im Berufsbildungsbereich (BBB). Ich solle mich gedulden, die Schule wird versuchen zu vermitteln.

Habe ich endlich alles richtig gemacht?

Eines Tages kam dann eine E-Mail von einem Herrn der Agentur für Arbeit, in der er mich um einen Telefontermin bat, da er nicht verstehe worum es geht. Das Telefonat kam zustande und wieder erklärte ich den Sachverhalt. Mein Sohn wird im Mai 18 Jahre alt, ich stelle einen Grundsicherungsantrag und für diesen benötige ich diese Bescheinigung der Schule. Der Herr wurde ungehalten und beharrte darauf, nicht zu verstehen worum es mir geht. Er meinte, mein Sohn bekomme ab September „Ausbildungsgeld von der Agentur für Arbeit“, wenn er in die Werkstatt geht, das war`s. Ich wiederholte mich nochmal, und er erwiderte: Wenn ich nicht genügend Geld für mein Kind hätte, dann solle ich doch einen Antrag auf Sozialhilfe stellen. Nun wurde ich patziger und sagte, das seien hier Wortspiele und ich wisse genau, dass mein Sohn einen Anspruch habe ….bla bla bla … .

Plötzlich sagte er: „Okay, dann schicken sie mir das sonderpädagogische Gutachten der Schule zu und wir schauen weiter.“ Telefonat Ende. Das bei der Schule angeforderte Gutachten habe ich bis heute nicht. Die liebe Dame der Angehörigenberatung der Lebenshilfe München stärkte mir den Rücken. Alles habe seine Richtigkeit mit dem Anspruch auf Grundsicherung, die Agentur für Arbeit und die Schule seien schlicht falsch informiert. Sie schlug mir wieder vor, was zu tun sei. Also schrieb ich der Schule und fragte nochmals nach, ob es möglich wäre, für meinen Antrag eine ganz normale Schulbescheinigung zu bekommen, in der auch steht, dass Marcel nach der Schulzeit in die Werkstatt übertreten soll. Auch wenn der Schule angeblich nicht klar war, was ich meine, klappte es schließlich doch.

Als ich dann alle notwendigen Unterlagen zusammen hatte, auch das Anschreiben für das Sozialbürgerhaus (mit richtigen Paragraphen und Formulierungen unterstützt durch meine Beraterin der Lebenshilfe München), verschickte ich dieses. Heute kam ein Anruf von derselben Dame vom Sozialbürgerhaus, die ich oben schon erwähnt habe. Sie meinte, sie hätte mir doch schon erklärt, dass mein Sohn keinen Anspruch habe und warum ich das jetzt mache, ihr ein Antragsschreiben zu schicken. Ich unterbrach sie und sagte: „Ja okay, dann schicken Sie mir einfach einen begründeten Ablehnungsbescheid zu.“

„Es wird aber sehr lange dauern …“

„Nein, das genügt jetzt auch so am Telefon!“ sagte sie. Ich blieb beharrlich und wiederholte meine Forderung. Da riet auch sie mir, dass ich Sozialhilfe beantragen könnte, falls ich nicht genügend Geld hätte. Sehr bestimmt forderte ich wiederholt, mir den Ablehnungsbescheid schriftlich zukommen zu lassen, da ich diesen für mein weiteres Vorgehen brauche. Schließlich wurde sie stutzig und fragte: „Wieso?“ Ich erklärte ihr, dass ich in vollem Umfang über die Rechte meines Sohnes durch die Angehörigenberatung der Lebenshilfe München aufgeklärt worden sei. „Ja, aber dann muss das ja geprüft werden über die Rentenversicherung!“ Ich sagte: “Ich weiß, so steht es auch in meinem Anschreiben.“ „Ja, aber das dauert“ meinte sie, „da muss erstmal ein Gutachten erstellt werden.“ Ich sagte ihr: „Ein ganz aktuelles medizinisches Gutachten aus dem gerichtlichen Verfahren für den Betreuerausweis liegt dem Antrag bei.“

„Ach so, dann schau ich mal.“ Sie selbst meinte dann sogar, so genau habe sie sich den Antrag jetzt nicht angeschaut. „Und sowas dauert sehr, sehr lange“, warnte sie. Ich fragte, was sie mir damit sagen möchte. Keine Antwort. Sie sagte dann aber zu mir, ich wäre heute sehr aggressiv am Telefon. Ich erwiderte: „Ich bin nicht aggressiv, ich vertrete jetzt nur ganz klar die Rechte meines Sohnes, lasse mich nicht abwimmeln und möchte jetzt das passende Formular zugeschickt bekommen.“

Die Reaktion der Sachbearbeiterin bei meinem ersten Telefonat und heute fand ich absolut unprofessionell. Deswegen bin ich voller Wut und Power gleich an den Rechner und habe mal schnell alles niedergeschrieben. Mein persönliches Statement:

Ausbildungsgeld? Grundsicherung? Sozialhilfe?

Ich bin nicht alleine auf dieser Welt mit einem Kind das „anders“ ist, ich bin nicht die erste Mutter, die so einen Antrag stellt. Es gibt Gesetze für Menschen mit Behinderung: SGB IX, SGB XII, Bundesteilhabegesetz, usw., das sind Instrumente genau gemacht für Menschen wie meinen Sohn oder auch wie Ihr Kind und wie alle Menschen, die dem Gesetz nach als Mensch mit Behinderung gelten. Diese sollten doch auch angewandt und transparent vermittelt werden durch jede systemrelevante Institution. Aber die zuständige Behörde kennt sich hier überhaupt nicht aus.

Meine Beraterin der Lebenshilfe München meinte, solche Falschauskünfte kämen häufiger vor. Wie kann es sein, dass die Angehörigenberatung der Lebenshilfe München sich auskennt und die zuständige Behörde nicht? Was mir am Allermeisten auf meinem bisherigen Weg, den Antrag auf Grundsicherung für meinen Sohn zu stellen, missfiel, ist der Mangel an einem höflichen und wertschätzenden Umgang mit mir. Ganz grundlegende Werte, wie Respekt, Augenhöhe fehlten. Ich bin froh, dass es diese Gesetze gibt, aber was nützen sie, wenn diese nicht verantwortungsbewusst angewandt werden? Manch einer wird seine Kraft auf diesem Weg verlieren und aufgeben, einfach um diese Art der Erniedrigung zu beenden. Ich fürchte, der Mutter, von der ich bereits am Anfang berichtete, ist es genau so gegangen. Es ist spannend, wie es mit meinem Antrag weitergeht. Meine Beraterin ist völlig gelassen und sicher: „Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, muss der Antrag genehmigt werden. Bei Ihrem Sohn ist das der Fall.“

Eine Lehrerin von meinem Sohn sagte mal zu mir in einem etwas heftigeren Gespräch, es sei ja bekannt, dass Mütter von Kindern mit Behinderung sehr aggressiv sind. Ich antwortete nur, dass ich damit ganz gut leben könne. Sie wusste nicht, was sie darauf sagen sollte.

Nadja Lindenbeck-Menzel

P.S.:

Wie es weitergeht mit dem Anspruch meines Sohnes auf Grundsicherung?
Ich halte Sie auf dem Laufenden, die Fortsetzung lesen Sie hier:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2020/12/27/warum-muss-es-so-schwierig-sein/

Barbara Stamm beim Presseclub

AUS DEM NEWSLETTER DER LEBENSHILFE MÜNCHEN

TERMIN.
Montag 30.11. um 11 Uhr

Das Pressegespräch steht unter dem Zeichen: „Brennpunkt häusliche Pflege: Der größte Pflegedienst Deutschlands schlägt Alarm“.

Hintergrund: Gemeinsam mit der Vorsitzenden des Amberger Vereins Pflegende Angehörige, Kornelia Schmid, und dem Vorsitzenden des Münchner Vereins deinNachbar e.V., Thomas Oeben, spricht Frau Stamm darüber, dass pflegende Angehörige allgemein, aber vor allem auch in der Corona Krise, dringend entlastet werden müssen.

Hier der Link zur Liveschaltung:
https://www.youtube.com/channel/UC4FAgyjnUzZWeKCm-2C2TYQ

Der Presseclub München schreibt zum Thema:

Ungefähr 80 % der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland leben zu Hause. Aber nur ein Viertel davon erhält Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst. Damit liegt die Hauptlast auf den Schultern der pflegenden Angehörigen, die sich im Durchschnitt 43 Stunden pro Woche um ihre Angehörigen kümmern. Oft mit einer Situation konfrontiert, die für sie neu ist, sie überfordert und an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt. In den kommenden Jahren wird die Zahl der hilfe- und pflegebedürftigen Menschen drastisch weiter ansteigen. Aktuellen Prognosen zufolge soll im Jahr 2030 jeder siebte Bundesbürger auf Unterstützung im Alltag angewiesen sein. Durch den Fachkräftemangel in der Pflege steigt damit auch die Belastung für die pflegenden Angehörigen. Wie gestaltet sich die Situation pflegender Angehöriger? Wie können pflegende Angehörige konkret unterstützt und entlastet werden? Welche Möglichkeiten gibt es bereits und wie werden sie genutzt? Was wird aus Sicht der Betroffenen noch gebraucht? Diese und weitere Fragen wollen wir gemeinsam mit den Expert*innen diskutieren.

Viel Zustimmung für den Willinger Weg

Seit 100 Tagen ist die neue Wohneinrichtung Willinger Weg
der Lebenshilfe München in Betrieb

Der Pädagoge Klaus Huber leitet seit September die nach Umbau und Renovierung neu eröffnete Wohneinrichtung ‚Willinger Weg‘ der Lebenshilfe München. 24 Menschen mit geistiger Behinderung leben dort in drei Wohngruppen zusammen (siehe Bericht). Wir haben bei Klaus Huber nachgefragt, wie es ihm und seinen Bewohner nach 100 Tagen im neuen Zuhause geht. 

Klaus Huber nimmt auf der gemütlichen Sitzecke zum Interview Platz. – Fotos: Gerd Spranger

„Für viele Bewohner war es eine Heimkehr zurück an den Willinger Weg, wo sie in der alten Einrichtung teilweise zehn Jahre und mehr gelebt haben,“ erzählt der Pädagoge. Für zwei Jahre wohnten und lebten sie in Unterschleißheim, wo die Lebenshilfe München eine Etage in einer großen Senioreneinrichtung angepachtet hat. Trotz der Rückkehr der Bewohner zum Willinger Weg bleibt die Einrichtung aber auch dort bestehen, die Nachfrage ist groß. Auch sie leitet Klaus Huber, es leben dort 16 Menschen mit Behinderung. Doch zurück zum Willinger Weg.

„Unsere ‚alt-neuen‘ Bewohner erkannten schnell die Vorzüge der hellen großen Zimmer mit eigenem WC und Bad, wie sie es die letzten Jahre ja auch in Unterschleißheim zur Verfügung hatten. Das Heimweh nach der alten Einrichtung ist eher von romantischer Natur, man erinnert sich eben gerne an schöne Zeiten“, erzählt Klaus Huber. Für ihn ist es ein großer Vorteil auf drei Ebenen je eine Wohngruppe betreuen zu können. „Dabei sind wir ein offenes Haus, was vor allem im Sommer auf der großen Terrasse zu beobachten ist. Und natürlich bestehen über die Gruppen hinweg Freundschaften, man kennt sich seit Jahren und arbeitet meistens auch in der Werkstatt zusammen.“

Für Klaus Huber selbst ist die Umstellung ebenfalls groß. Nachdem für die Lebenshilfe-Wohneinrichtungen vor einigen Jahren wieder Gruppenleiter definiert wurden, war er zuletzt in dieser Funktion im Schichtdienst tätig, wie auch die Jahre zuvor. 13 Jahre lang betreute er Kinder und Jugendliche in einer Einrichtung am Hohenpeißenberg. Jetzt muss er selbst 20 Mitarbeiter für den Willinger Weg und 15 Kräfte in Oberschleißheim organisieren. Er freut sich, „nun die Wochenenden frei zu haben und über geregelte Arbeitszeiten“. Das tut ihm und seiner Familie mit fünf Kindern von drei bis elf Jahren gut, sehr gut“, bekennt er.

Nach drei Monaten haben sich die Bewohner der Lebenshilfe-Wohneinrichtung am Willinger Weg gut eingelebt. Bewährt hat sich die zentral gelegene große Wohnküche als Ort der Kommunikation, aber auch der offene, zum Ende hin verbreiterte Gang. „Zu den bequemen Sitzgruppen haben wir jetzt auf jeder Etage noch einen großen Fernseher und weiteres Mobilar folgt in den nächsten Wochen. Gemeinsame Fernsehabende sind beliebt, auch wenn jeder Bewohner sein eigenes TV-Gerät im Zimmer hat“, erzählt Klaus Huber.

Für das Foto nimmt der Pädagoge Klaus Huber kurz die Maske ab.

Was fehlt, ist noch ein besserer Kontakt zur Nachbarschaft. „Man trifft sich gelegentlich auf der Straße, etwa wenn die Fahrdienste kommen. Die Einschränkungen der Corona-Pandemie aber erlauben keine Initiativen zur Kontaktaufnahme. Selbst auf ein großes Einweihungsfest haben wir bislang verzichten müssen“, gesteht der Pädagoge. Dennoch ist die Eröffnung der Lebenshilfe-Einrichtung mit großem Interesse verfolgt worden. „Wir hatten mehrfach Besuche von Vertretern des Bezirks Oberbayern wie auch von Seiten der Regierung. Auch andere Sozialträger haben sich für den Neubau interessiert“, so erzählt der Bereichsleiter Wohnen der Lebenshilfe München, René Pfeifer.

„Es gilt gewisse Auflagen zu erfüllten und damit auch die Voraussetzungen der Barrierefreiheit. Das Ganze sollte dann noch so gestaltet sein, dass über die Zweckmäßigkeit eine wohnliche Atmosphäre entstehen kann. Man spricht von einem offenen Wohnraumkonzept welches Begegnung und Kommunikation fördern soll. Das ist uns im Willinger Weg gut gelungen, wie mehrfach bestätigt wurde.“

Vorstand und Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann
freut sich über die vielen positiven Rückmeldungen

Für Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, sind die vielen positiven Rückmeldungen im Nachhinein eine Bestätigung es richtig gemacht zu haben. Ganze fünf Jahre nämlich hat es von der Idee zum ersten Entwurf über einen Architektenwettbewerb bis zur Bauausführung gedauert. „Das waren viele kleine Schritte und immer haben wir versucht Bewohner, Nachbarn, Betreuer, Angehörige und Eltern ‚mitzunehmen‘, sie in die Entscheidungsprozesse mit einzubinden. Für sie war es nicht immer leicht, denn die Sorge um das Wohl ‚ihrer Lieben‘ ist ein ständiger Begleiter.“ Besonders freut sich Peter Puhlmann über die große Anerkennung der Regierung von Oberbayern, die den Willinger Weg mehrfach als ein vorbildliches beispielhaftes Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung gewertet hat.

 

„Ein starkes inklusives Miteinander entwickeln“

Die Soziologin und Journalistin
Tatjana Viaplana stellt sich vor

Wie kamen Sie zur Lebenshilfe (Beruf/ Studium)

Tatjana Viaplana mit ihrem heute dreijährigen Sohn Lou.

Ich habe Soziologie in Freiburg studiert. Das ist eine meiner Leidenschaften: die Gesellschaft, soziale Interaktion und Organisation, Muster im Miteinander aber auch die Knackpunkte, wo solche Muster durchbrochen werden. Wo können oder müssen wir als Gesellschaft Themen oder Lebensbereiche neu aushandeln? Kontingenz bedeutet in der Soziologie soviel wie: „Es könnte auch anders sein.“ – sie gilt für unsere Wirklichkeit; also das System in dem wir leben – es könnte auch anders sein, es hätte sich anders entwickeln können. Das heißt, wir können es heute auch ändern.

Anschließend habe ich in Forschung und Lehre gearbeitet. Ich war an Universitäten auf drei Kontinenten, was meine andere Leidenschaft erkennen lässt: internationale Zusammenhänge und Politik. Vielleicht liegt es an meiner Generation oder daran, dass ich in zwei Ländern aufgewachsen bin und meine Eltern immer viel mit mir gereist sind. Aber ich denke, wir gehören als ganze Welt zusammen und sind füreinander verantwortlich.

Ich arbeitete zudem für unterschiedliche Unternehmen. Zum Beispiel als Consultant bei PwC oder bei einer Firma für Lichtinstallationen und Events in Paris, parallel zum Klimagipfel. Meine dritte Leidenschaft ist jedoch das Schreiben. Also absolvierte ich ein Volontariat als Journalistin und arbeitete als Online-Journalistin für ein deutsches Verbraucherportal.

Zur Lebenshilfe München kam ich schließlich wegen meines Sohnes. Als ich Hilfe und Rat brauchte, um Pflegegeld und einen Behindertenausweis zu beantragen, ging ich zur Angehörigenberatung der Lebenshilfe München. Hier fand ich nicht nur kompetenten Rat und tatkräftige Unterstützung. Ich wurde kurzerhand in die L.I.E.S.-Redaktion eingeladen, die für mich sofort mehr war als eine Gruppe von Menschen, die eine Zeitschrift planen. Das war mein Anfang bei der Lebenshilfe: Wärme, Herzlichkeit, Kompetenz und Humor.

Seit wann sind sie bei der Lebenshilfe München

Fest angestellt bin ich bei der Lebenshilfe München nun seit September 2020. Ich unterstütze die L.I.E.S.-Redaktion und den Newsletter. Zudem betreue ich das Kunstprojekt Permanus und verstärke somit den Bereich Öffentlichkeitsarbeit im Haus. Es ist ein gutes Gefühl, an einem Ort zu arbeiten, wo Kolleginnen und Kollegen mit Herzblut bei der Sache sind. Menschen sind hier keine Nummern oder Bankkonten, sie sind keine User oder Datenbanken. Das ist heutzutage etwas Besonderes, selbst im sozialen Sektor.

Haben Sie einen besonderer Bezug
zu den sozialen Medien und zur L.I.E.S.-Redaktion?

Die L.I.E.S-Redaktion empfinde ich bereits als kleine Familie. Das klingt vielleicht kitschig, aber bald kommt Weihnachten, da kann ein wenig Kitsch nicht schaden. Ich finde, wir produzieren ein außergewöhnliches Magazin, in dem einerseits Fakten und Know How zu vielseitigen Aspekten des Lebens von Menschen mit Behinderung, ihren Angehörigen und Freunden und andererseits sehr persönliche Geschichten und Erfahrungen geteilt werden. Dadurch erfüllt es eine Ratgeberfunktion und ist gleichzeitig ein Begleiter, der Mut macht und den LeserInnen immer wieder zeigt: Du bist nicht allein mit Deinen Themen. In unserem aktuellen Heft geht es beispielsweise um das Schwerpunktthema „Geschafft“, dabei wird immer wieder deutlich: viele Ziele erreichen wir nur gemeinsam, mit Hilfe und gegenseitiger Unterstützung.

Im Vergleich zum gedruckten L.I.E.S.-Heft, dass vielleicht auch nach Monaten nochmal in die Hand genommen wird, um ein wenig zu schmökern oder einen speziellen Rat nachzuschlagen, bieten die Sozialen Medien eine ganz andere Plattform, um seine Stimme zu erheben und ins Licht zu treten. Hier können tagesaktuelle Themen gemeinsam diskutiert werden, die Zeitachse ist viel kürzer und vielseitige Kommunikationsräume stehen zur Verfügung.

Besonders gezeigt hat sich dies auch in der aktuellen Corona-Situation, in der viele Aktivitäten der Lebenshilfe, beispielsweise die Freizeitgestaltung oder die Arbeit in der Werkstatt, stark eingeschränkt wurden. Der Newsletter L.I.E.S. Aktuell, wie auch die Kanäle der Sozialen Medien, ermöglichten trotz Lockdown Kontakt und Austausch aufrecht zu erhalten und neben wichtigen Informationen zum Infektionsschutz auch emotionale Unterstützung weiterzugeben.

Sehen Sie die Belange von Menschen mit Behinderung und die Anliegen von
Einrichtungen wie der Lebenshilfe München in den Medien gut präsentiert?

Die Lebenshilfe ist ein breit aufgestellter Verein mit einem starken Netzwerk. Trotzdem ist noch viel Luft nach oben, wenn es um die Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft geht. Viele Menschen, die selbst durch ihr Umfeld nicht betroffen sind, haben noch deutliche Berührungsängste mit dem Thema. Dies spiegelt sich auch in den Medien und in der Vertretung von Menschen mit Behinderung wieder.

Sehr deutlich zeigt sich dies beispielsweise, wenn man mit der Angehörigenberatung der Lebenshilfe München spricht. Die Hindernisse und Unwissenheit, mit der Familien auf Behördenebene in Deutschland konfrontiert werden, sind oft erschreckend – trotz eines starken Sozialstaates und eines, im internationalen Vergleich, sehr guten Gesundheitssystems. Dies spiegelt unter anderem strukturelle Probleme in unserer Gesellschaft wieder, wie Ignoranz oder das Verstecken von Minderheiten. Hier liegt noch ein langer Weg vor uns (als Menschheit), bei dem wir gemeinsam lernen sollten, dass jede und jeder ein Teil des Ganzen ist. Medien und Kommunikation spielen dabei eine große Rolle. Die Lebenshilfe ist eine der Institutionen, die hier auch in Zukunft vieles weiter voran bringen können.

Was fehlt, wo sollte man noch ansetzen?

Ich persönlich sehe großes Potential in einer engen Zusammenarbeit. Die Lebenshilfe ist mit dem Bundesverband, dem Landesverband und mit den vielen Vereinen vor Ort eine Sammelstelle an Erfahrung, Wissen und Können. So bietet die Lebenshilfe Berlin beispielsweise einen Blog in Leichter Sprache an, in dem Literatur in einfacher Sprache besprochen wird. Das wäre sicher nicht nur für Menschen im Raum Berlin interessant. Auch international können bestimmt noch intensiver Erfahrungen und Modelle für ein starkes, inklusives Miteinander ausgetauscht und entwickelt werden.

 

Weniger Termine, kleine Gruppen und Masken

Aus dem Newsletter der Lebenshilfe München

Die Lebenshilfe München arbeitet in vielen Bereichen für das Wohl von Menschen mit Behinderung. Im Hinblick auf ein steigendes Covid19-Infektionsgeschehen erarbeitete die Lebenshilfe für alle Bereiche ein Hygiene- und Sicherheitskonzept. Im ersten Teil informierten wir bereits über die Wohneinrichtungen. Hier der aktuelle Stand aus den anderen Bereichen der Lebenshilfe München:

OBA und FUD: Treffen im kleinen Kreis

Für die gemeinsamen und begleiteten Aktivitäten der Offenen Behindertenarbeit wird bei jedem Angebot einzeln entschieden, ob es stattfinden kann und wie. Während Veranstaltungen mit mehreren Teilnehmenden, wie etwa die Clubs, leider weiterhin ausfallen, können kleinste Veranstaltungen oder Treffen im Freien weiterhin stattfinden. Die stundenweise Betreuung in der Familie kann unter Einhaltung der Hygieneregeln weiterhin stattfinden. Mit den geltenden Hygiene- und Schutzkonzept /kleine und feste Gruppen) in den Herbstferien auch die Ferienbetreuung durchgeführt werden.

Frühförderstelle: Die letzten warmen Spätherbsttage nutzen

Wetterbedingt können leider nicht mehr so viele Förderstunden draußen stattfinden. Das Frischluftwartezimmer wird auch allmählich wieder nach drinnen verlegt, in der FF Giesing etwa in den Wintergarten, wo kleine Warteinseln für die Familien hergerichtet wurden.

Ansonsten können Eltern und Kinder weiter ins Haus kommen und die Förderkräfte zu den Familien. Auch die Kindergärten und Krippen lassen unsere FrühförderInnen weiterhin herein.

Bereich Kinder und Jugend:
Maskenpflicht jetzt auch für Grundschüler

In den Heilpädagogischen Tagesstätten (HPT) finden weiterhin kleinere Aktivitäten statt. Auch an den Regeln der Notbetreuung (sollte es soweit kommen) wird sich kaum etwas ändern. Neu ist allerdings die Maskenpflicht für alle Schulkinder, also für alle Kinder ab einem Alter von sechs Jahren. Dabei müssen natürlich der Gesundheitszustand und die psychische Verfassung berücksichtigt werden, denn bei einigen Kindern und Jugendlichen lösen die Masken Angst, Atemnot oder Aggressionen aus.

Individuelle Regelungen helfen trotz steigender Infektionszahlen

Aus dem Newsletter der Lebenshilfe München

So geht es weiter in den Einrichtungen der Lebenshilfe Wohnen GmbH

Durch sehr individuelle Regelungen kann das Leben in den verschiedenen Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München größtenteils wie in den Sommermonaten weitergehen – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt.

Die Hygiene- und Schutzkonzepte werden ständig überprüft und an das aktuelle Infektionsgeschehen angepasst. An Stelle eines Besuchsverbotes, wie zu Zeiten des Lockdowns, gibt es inzwischen Besucherregeln. Neben den gängigen Hygienestandards, wie Hände desinfizieren, Niesetikette, Maskenpflicht und Mindestabstand, sollten sich BesucherInnen vor einem Besuch bei der Einrichtung anmelden. Ähnlich wie in der Gastronomie, ist zudem ein kleines Anmeldeformular auszufüllen. Darin wird bestätigt, dass keine verdächtigen Symptome vorliegen und, dass in den vergangenen sieben Tagen kein Kontakt zu einer mit Covid19 infizierten Person bestand. Auch die Kontaktdaten werden mit dem Formular aufgenommen. Extra eingerichtete und ausgezeichnete „Besucherzonen“ stellen dann während des Besuches sicher, dass Räume mit ausreichend Platz zur Einhaltung des Mindestabstands zur Verfügung stehen.

René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen, betont vor allem, welchen Unterschied die nun einfach und schnell durchführbaren Coronatests machen. Ein Ergebnis liegt im Normalfall innerhalb von 24 Stunden vor. In den meisten Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München werden inzwischen alle zwei Wochen Reihentestungen an den MitarbeiterInnen sowie stichprobenartig an ca. zehn Prozent der BewohnerInnen durchgeführt. Geplant sind, sobald ausreichend verfügbar, zusätzlich Schnelltest für BewohnerInnen, BesucherInnen und MitarbeiterInnen die inzwischen innerhalb von 15 Minuten relativ verlässliche Ergebnisse generieren.

Neuaufnahmen sind unter Einhaltung des Schutzkonzeptes wieder ganz normal möglich. Sie müssen natürlich im Vorfeld besprochen werden und vor dem Einzug sollte ein aktueller negativer Test vorliegen.

Die Rückkehr nach Familienbesuchen erfolgt nach dem Prinzip der Eigenverantwortung. Wie bei den anderen Themen auch, ist hier eine offene und ehrliche Kommunikation die Basis für einen guten Infektionsschutz. Angehörige und Freunde sollten vor der Rückkehr der BewohnerInnen vertrauensvoll darüber berichten, wenn während der Besuchszeit Symptome aufgetreten sind oder Kontakt zu Verdachtsfällen oder größeren Menschengruppen bestand. Sollte dies der Fall gewesen sein, wird individuell in der Wohneinrichtung entschieden, ob protektive Schutzmaßnahmen – wie etwa das Tragen einer FFP2 Maske außerhalb des eigenen Wohnbereiches oder mehr Abstand bei gemeinsamen Aktivitäten – eingehalten werden sollen, bis ein Testergebnis vorliegt.

Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, sollte einen negativen Test, der nicht älter ist als 48 Stunden vorweisen oder versichern können, dass er oder sie sieben Tage lang ohne Symptome daheim (beziehungsweise bei Angehörigen zuhause) geblieben ist.

Anders als im April, als das ganze Thema noch sehr neu war, kann inzwischen Vieles durch Absprachen und vertrauensvolle Kommunikation geregelt werden. Besonders die Kombination aus Basishygiene, Symptombeobachtung und schnellen, verfügbaren Testmöglichkeiten hilft sehr, die Situation möglichst angenehm und sicher für BewohnerInnen, Angehörige und MitarbeiterInnen zu gestalten.

Auch in der Frühförderung, der OBA und im Kinder- und Jugendbereich hat man sich auf die Situation eingestellt. Wir berichten demnächst hier.

Frühförderung München stellt sich vielen Aufgaben


Wichtig ist die frühe Förderung des Kindes“
Mit der neuen Bereichsleiterin Sabine Wolf im Gespräch

Vor 45 Jahren eröffnete die Lebenshilfe München mit der Frühförderung einen ganz neuen Bereich der Betreuung. „Kinder so früh wie möglich zu fördern“, war damals noch kein allgemein anerkannter Ansatz. Doch vor allem bei Menschen mit Behinderung sollte die Förderung früh beginnen. Die Lebenshilfe mit den betroffenen Eltern war hier Pionier und Wegbereiter. Die Psychologin Sabine Wolf ist seit August die neue Bereichsleiterin der Interdisziplinären Frühförderstellen, von denen die Lebenshilfe vier Einrichtungen in Stadt und Landkreis München betreibt, demnächst folgt die fünfte.

„Immer im engen Kontakt mit den Eltern“

Die langjährige Leiterin der Interdisziplinären Frühförderstellen der Lebenshilfe München, Maria-Anna Link, wird in den Ruhestand verabschiedet.

„Unser Hauptanliegen ist der direkte Kontakt zu den Familien. Wir arbeiten interdisziplinär, also eine Psychologin, Ergotherapeutin, Heilpädagogin und Logopädin zusammen, und stehen dabei immer im engen Kontakt und Bezug zu den Eltern. Es würde nur wenig helfen, das Kind in der Woche ein, zwei Stunden therapeutisch zu betreuen, wenn der Ansatz zuhause nicht fortgesetzt wird,“ erläutert Sabine Wolf. „Die Beratung und Anleitung im häuslichen Umfeld ist wesentlich für das Konzept der Frühförderung.“ Darum stehen je Einrichtung bis zu 13 Dienstfahrzeuge zur Verfügung und werden insgesamt von rund 80 Frühförderinnen genutzt.

Entwicklungsrückstände früh erkennen

„Häufig ist es nicht eindeutig, dass das Kind Hilfe braucht. Kinder entwickeln sich sehr unterschiedlich und sind deshalb schwer zu beurteilen. In manchen Fällen ist bereits früher ein Entwicklungsrückstand erkennbar. Diagnosen, etwa bei Autismus, sind erst nach gründlicher Beobachtung möglich und selbst hier braucht es geschulte Fachkräfte.“

Für die Eltern bleibt es eine schwierige Situation, sie sind von Natur aus um ihren Nachwuchs besorgt. „Vielleicht haben sie nur ein Gefühl, dass nicht alles so ist, wie es sein sollte. Wir sprechen von Entwicklungsschwierigkeiten. Dann beginnt die Suche, etwa in einem Sozialpädiatrischen Zentrum oder der Kinderarzt verweist mit der Empfehlung einer Förderung an uns. Die Entscheidung treffen die Eltern, es gibt keinen Zwang“, bekräftigt die Psychologin.

„Wir müssen uns in Geduld üben“

Auf die neue Bereichsleiterin der Lebenshilfe Frühförderstellen in München wartet viel Arbeit.

Ein anderer Weg in die Frühförderung führt häufig über die Kitas und Kindergärten. „Wir unterstützen auch hier direkt vor Ort und suchen den Kontakt zu den Eltern“, so Wolf. Das aber gestaltet sich bei der Berufstätigkeit beider Elternteile nicht einfach. Die Betreuung geht durch alle Gesellschaftsschichten. Bei Familien mit Migrationshintergrund sind zudem die Sprache bzw. die Sprachkompetenz und Kultur ein wichtiger Faktor.

Wir haben über die Jahre hinweg gelernt, damit gut umzugehen, und uns eint das Anliegen um die Gesundheit des Kindes“, weiß Sabine Wolf. „Wir müssen auf diesem Weg alle gemeinsam viel lernen. Es geht nicht immer alles was Eltern wünschen. Vergleiche mit gesunden Kindern sind häufig schwierig. Wir alle müssen immer wieder Geduld lernen. Auch das ist ein Grund für eine möglichst frühe Förderung, um keinen Entwicklungsschritt – wir sprechen auch von einem Entwicklungs-Fenster – zu verpassen. Immer mehr junge Eltern gehen offensiv und selbstbewusst mit der Situation um und das ist gut so.“

„Zusammenhänge verstehen und Konzepte anpassen“

Entscheidend sei der interdisziplinäre Ansatz. Zusammenhänge müssen verstanden und individuell der Person angepasst, sowie Konzepte und Hilfen erarbeitet werden. Die ‚Fälle‘ sind komplex und bei jedem Kind etwas anders gelagert. „Bei der Diagnose hilft uns der Blick der Kollegin oder des Kollegen aus den anderen Fachbereichen. Außerdem verhalten sich Kinder in verschiedenen Situation und gegenüber anderen Personen immer differenziert, erklärt die Bereichsleiterin der Lebenshilfe München. Letztlich soll das Kind soviel Selbständigkeit wie möglich erreichen. Dieses Anliegen zieht sich wie ein roter Faden bis hin in das Erwachsenenalter. „Auch für Menschen mit Behinderung ist heute ein weitgehend selbstbestimmtes Leben möglich. Dieser Anspruch wird zurecht eingefordert, etwa durch die UN-Behindertenrechtskonvention.“

Der von der Regierung verhängte Lockdown (16. März) und die damit verbunden Beschränkungen haben sich auch auf die Frühförderung ausgewirkt. „Wir konnten ab Mai wieder mit 40 Prozent Belegung arbeiten, erst ab August wieder zu 100 Prozent. Nicht alle Eltern sind mit der Situation gleich gut zurecht gekommen. Manchen fehlte ganz einfach das technische Equipment und andere haben sich nur schwer mit Video-Therapie anfreunden können. Wir sind mit unserer mobilen Arbeit zudem darauf angewiesen, in die Familien und in die Kindergärten hinein zu dürfen, was derzeit erschwert ist. Insgesamt aber fehlen diese Wochen, wir spüren das bei den Kindern.“

20 Jahre Erfahrung mit der Lebenshilfe München

Betreut werden bei der Frühförderung (FF) der Lebenshilfe München aktuell rund 600 Kinder, von Geburt bis zur Einschulung (sieben Jahre). Die neue Bereichsleiterin ist seit 20 Jahren bei der Lebenshilfe München, hat dort als Psychologin in der FF Giesing begonnen. Es ging dabei um die Beratung und Begleitung der Eltern, um die Diagnostik und Zusammenarbeit in einem interdisziplinären Team. 2005 wurde sie dann Leiterin der FF Giesing und sie war in der Einrichtung weiterhin als Psychologin aktiv. Von 2011 bis 2017 widmete sie sich der Frühchen-Nachsorge ‚Harlekin‘ in Verbindung mit der Kinderklinik Schwabing und Harlaching. In den letzten Jahren war sie stark in die Gremienarbeit auf Bezirks- und Landesebene eingebunden.

Bis heute fühlt sich Sabine Wolf mit ihrem Beruf auf das Innigste verbunden. „Ich mag den frühen Kontakt zu den Familien und die vielfältige Unterstützung, die wir in dieser sensiblen Zeit geben können. Immer wieder wird sorgfältig und wertschätzend eine nahe und unterstützende Beziehung zu Kind und Eltern aufgebaut, die bis zu sechs Jahre andauern kann. Dann heißt es immer wieder sich gut verabschieden und wieder trennen.“

Digitalisierung und Bundesteilhabegesetz

Vor Herausforderungen stelle zudem, „das Konzept zugunsten einer möglichst guten, fachlich und menschlich passenden Zusammenarbeit auszufüllen.“ Gleichzeitig gelte es, „die Grenzen des Konzepts, die Fragen nach Refinanzierung und Wirtschaftlichkeit im Auge haben.“ Als neue Bereichsleiterin der Interdisziplinären Frühförderstellen der Lebenshilfe München will sie den Prozess der Digitalisierung weiter voran treiben, ebenso wie die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes. Als Stichwort nennt sie ICF, die „International Classification of Functioning, Disability and Health“. Sie „dient fach- und länderübergreifend als einheitliche und standardisierte Sprache zur Beschreibung des funktionalen Gesundheitszustandes, der Behinderung, der sozialen Beeinträchtigung und der relevanten Umgebungsfaktoren eines Menschen. Mit der ICF können die bio-psycho-sozialen Aspekte von Krankheitsfolgen unter Berücksichtigung der Kontextfaktoren systematisch erfasst werden“, heißt es in der Erläuterung.

Ein Dauerthema für die Lebenshilfe München ist die Ausweitung der Kapazitäten der Frühförderung, denn die Nachfrage steigt seit Jahren. „Im Frühsommer 2021 eröffnen wir in der Messestadt München Ost eine nächste Einrichtung“, freut sich Sabine Wolf.

Bewegte Anfangsjahre der Lebenshilfe vor 60 Jahren

Unter dem Titel „60 Jahre: Meilensteine der Lebenshilfe München“ veröffentlichte das aktuelle L.I.E.S.-Heft der Lebenshilfe München einen Abriss zur Geschichte des Elternvereins. Wir berichten in Auszügen. Vieles was heute als Selbstverständlich erscheint, wurde damals mühsam erkämpft.

1960: Am 12. Juli des Jahres wird von Mathilde Eller, zusammen mit elf Eltern von Menschen mit Behinderung, die Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind e.V.“ gegründet. Heute heißt der Verein „Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. Stadt und Landkreis München“, hat rund 1000 Mitglieder und ist damit einer der größten Elternvereinigungen Deutschlands.

1968: Die erste Heilpädagogische Tagesstätte in der Dietlindenstraße wird eröffnet. Vier Jahre später ziehen die MitarbeiterInnen mit den Kindern in angemietete Räumlichkeiten in der Neuherbergstraße.

Archivfoto 2014: Die Ehrenvorsitzende Gerlinde Engelmann im Gespräch mit Geschäftsführer Peter Puhlmann.

Die Ehrenvorsitzende der Lebenshilfe München, Gerlinde Engelmann (84) erinnerte sich noch an jene Zeit: „„Schon 1963 bei der Einschulung meiner Tochter (mit Behinderung) merkte ich schnell, dass es für sie kaum schulische Möglichkeiten gab. In ganz München hatten wir nur eine einzige Sonderschule, zumindest im Süden der Stadt.“ Die hatte aber mit Volker Körner einen engagierten Sonderschulrektor am HPCA (Hasenbergl), der noch bis heute im Kuratorium der Lebenshilfe München aktiv ist und von 1974 bis 1983 auch Vorsitzender des Elternvereins war. Seine Vor-Vorgängerin, Mathilde Eller, unterrichtete sogar während des Krieges heimlich und privat Kinder mit Behinderung. Sie war auch Mitbegründerin der ersten Schule in Bayern für Menschen mit geistiger Behinderung an der Klenzestraße. Die Schule trägt bis heute ihren Namen.

1972: Gemeinsam mit der Stuttgarter Stiftung für Bildung und Behindertenförderung GmbH wird die Werkstatt in der Scharnitzstraße gegründet. Inzwischen warbeiten insgesamt 600 Mitarbeiter mit Behinderung in der Werkstatt. Außerdem wird die Elternberatung als separate Anlaufstelle mit einem eigenen Büro eingerichtet. Zuvor waren Beratungsgespräche nebenbei geleistet worden. Vor einigen Jahren wurde aus der ‚Elternberatung‘ die ‚Angehörigenberatung‘ und die Zahl der Beratungen zu unterschiedlichen Anliegen und Fragen beläuft sich inzwischen auf knapp 800 pro Jahr.

Gerlinde Engelmann erinnert sich. Sie gründete 1972 mit zwei Müttern die Elternberatung und war bis 2001 Vorstand des Elternvereins. „Wir eröffneten 1971 in der Auenstraße eine erste Heilpädagogische Werkstatt, was 1972 zur Gründung der Lebenshilfe-Werkstatt GmbH in der Scharnitzstraße führte. Die damalige Vorsitzende, Silvia Görres, hatte einen großen Anteil daran und setzte sich trotz vieler Widerstände durch. In Würdigung ihrer Arbeit trägt die Einrichtung der Lebenshilfe München an der Neuherbergstraße ihren Namen. In der Elternberatung arbeitet man an der Basis, ist und wird mit den Problemen hautnah konfrontiert. Und damals wie heute brauchen Eltern (leider) meist einen Rechtsbeistand für die vielen Anträge, Vorschriften und Programme. Ein komplexer Bereich, mit dem selbst manch öffentlich Bedienstete ihre liebe Not haben.“

1976: Die mobile Frühförderung beginnt mit ihrem Einsatz für Kinder von der Geburt bis zum Schuleintritt. Heute gibt es vier Frühförderstellen an verschiedenen Standpunkten in der Stadt und im Landkreis München.

1977: Die Offene Behinderten Arbeit (OBA) nimmt ihren Dienst auf. Über 300 TeilnehmerInnen nehmen auf ganz unterschiedliche Weise an den vielfältigen Angeboten der Freizeitgestaltung und Bildung für Kinder, Jugendliche und erwachsene Menschen mit Behinderung teil und rund 100 ehrenamtliche MitarbeiterInnen begleiten sie dabei.

Das L.I.E.S.-Heft erscheint erstmals. Mehrmals hat es seither sein Äußeres verändert. Dabei ist es umfangreicher und bunter geworden. Seit 2017 kommt die Mitgliedszeitschrift dreimal im Jahr heraus und wird auch in Ingolstadt und Landsberg am Lech mit einem jeweils anderen Lokalteil von Lebenshilfe-Mitgliedern gelesen.

Die kleine Chronik der Lebenshilfe München lesen Sie im aktuellen L.I.E.S.-Heft der Lebenshilfe München unter dem Titel „60 Jahre: Meilensteine der Lebenshilfe München“. Das gesamte Interview mit Gerlinde Engelmann finden Sie im Blog unter:

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2014/04/13/der-lange-weg-zum-erfolg-in-der-behindertenarbeit/

Neue Doppelspitze bei der Lebenshilfe München

Emanuel Gaenslen (l.) und Peter Puhlmann (r.) leiten seit April gemeinsam die Geschäfte der Lebenshilfe München. – Foto: Gerd Spranger

Seit April wird die Lebenshilfe München von zwei Geschäftsführern geleitet. Peter Puhlmann und der Elternverein erhalten Verstärkung durch Emanuel Gaenslen, der seinen Schwerpunkt im kaufmännischen Bereich setzt. Peter Puhlmann erhält damit mehr Ressourcen für fachliche und strukturelle Aufgaben bei der Lebenshilfe in ihren vielen Facetten, denn der Elternverein ist breit aufgestellt.

Lebenshilfe deckt alle Bereiche

Sie betreut und fördert Kinder von der Frühförderung in ihren ersten Lebensjahren, begleitet sie über das Heranwachsen in Heilpädagogischen Tagesstätten bis hin zu ihrem beruflichen Werdegang, häufig in Lebenshilfe-Werkstätten. Selbst den privaten Bereich des Wohnens deckt die Lebenshilfe ab, weitgehend selbstbestimmt in offenen Wohngemeinschaften oder eng strukturiert in den Wohneinrichtungen. Darüber hinaus bietet die Lebenshilfe mit den ‚Ambulanten Diensten‘ und den ‚Offenen Diensten‘ direkte Hilfe für Menschen mit Handicap und betroffene Familien. Weiterlesen

Lebenshilfe München sagt DANKE

Ende März startete die Lebenshilfe München einen Aufruf zur Spende von Schutzmasken. Sie sind auch in den Lebenshilfe-Einrichtungen Mangelware. Und doch sind sie in Zeiten des Corona-Virus Covid-19 ein guter Schutz, je mehr Menschen ihn tragen. Bis Ostern wurden 500 Schutzmasken für die Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München gespendet. Die Lebenshilfe München sagt DANKE!

Viele Menschen haben sich beim Nähen von Schutzmasken für die Lebenshilfe München engagiert. Die Masken bieten in Zeiten des Cornona-Virus den Betreuern und Bewohnern der Einrichtungen Schutz vor Ansteckung.  Weiterlesen

Lebenshilfe München zeigt Wege aus der Krise

Ein DANK an alle, die Schutzmasken für die Lebenshilfe München gespendet haben!

Von der allgemeinen Entwicklung der Coronakrise sind die Lebenshilfe-Einrichtungen in ganz Deutschland besonders betroffen. In einer Allgemeinverfügung des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege hieß es bereits am 17. März:

„In allen Interdisziplinären Frühförderstellen findet keine Therapie, Förderung und Beratung für Kinder und deren Familien statt, die einen unmittelbaren persönlichen Kontakt erfordert. Leistungen, die in einer auf die Situation angepassten Form (z. B. telefonisch, per E-Mail oder durch Nutzung digitaler Medien) möglich sind, können weiter erbracht werden.“

Stark eingeschränkt wurden auch alle schulvorbereitende Einrichtungen, Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflegestellen und Heilpädagogische Tagesstätten.“ So hat sich auch die Lebenshilfe München entschlossen, ab dem ersten April viele Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, um Kündigungen zu vermeiden. Weiterlesen