Bilder sprechen mehr als Worte

Das große Fest der Lebenshilfe München zur Feier des 60-Jährigen Jubiläums und des neuen Wandbildes Permanus, war auch ein Fest der vielen Begegnungen. Hier einige Fotos und Stimmungsbilder. Zum Ansehen der Galerie auf eins der Fotos klicken. Fotos: Gerd Spranger

Permanus: eine neue starke integrative Botschaft der Lebenshilfe München

Künstler, Prominenz und die Lebenshilfe freuen sich über das neue Wandgemälde „Permanus“, mit dem die Hausfront der Geschäftsstelle von Künstler Martin Blumöhr in einem integrativen Projekt mit 60 Künstlern geschaffen wurde (Bericht folgt). Unser Foto zeigt (v.l.): zwei mitwirkende Künstler des Wandgemäldes, Angela und Michi mit Markus Blumenöhr. Dr. Gertraud Burkert, Bürgermeisterin a.D. der Stadt München und bis heute langjähriges Mitglied des Kuratoriums der Lebenshilfe München. Vorstand, Geschäftsleitung und Aufsichtsrat der Lebenshilfe München mit René Pfeifer, Andrea Siemen, Peter Puhlmann und Altoberbürgermeister der Stadt München, Christian Ude. Er setzte sich allgemein für die Lebenshilfe ein und im Speziellen bei Charity- Veranstaltungen zu Gunsten der Lebenshilfe. In seiner Ansprache (Bericht folgt) ging er ausführlich auf die ganz allgemeine Bedeutung von Wandgemälden in großen Städten ein und im Besonderen auf das entstandene Lebenshilfe-Kunstwerk Permanus.

Direkt an der stark befahrenen Chiemgaustraße strahlt das neue Wandgemälde „Permanus“ der Lebenshilfe München vorbeifahrende und vorbeigehende Menschen an. „Fast 20 Meter hoch ist das Kunstwerk an der Fassade der Lebenshilfe München. Das Außergewöhnliche an dem haushohen Wimmelbild ist, dass es nicht nur von einem Künstler stammt, sondern von Dutzenden: 60 Menschen haben daran fast drei Monate lang gearbeitet,“ schreibt die Süddeutsche Zeitung in einem Vorbericht. – Fotos: Gerd Spranger

Die Ausbildung steht im Focus

Die Lebenshilfe Wohnen GmbH bildet zukünftige Fachkräfte aus und steht als Praxisstelle für den praktischen Teil der Ausbildungen in der Heilerziehungspflege im engen Kontakt mit den Fachschulen in München und im Umland. Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres lud die Lebenshilfe Wohnen GmbH alle SchülerInnen zu einem ersten Treffen im Rahmen eines „Schülertages“ in die Geschäftsstelle ein.

Von der Theorie zur Praxis

Einrichtungsleiter Klaus Huber kennt die besonderen Herausforderungen, die der Beruf eines Heilerziehungspflegers mit sich bring. Foto: Gerd Spranger
Einrichtungsleiter Klaus Huber kennt die besonderen Herausforderungen, die der Beruf eines Heilerziehungs-Pflegers mit sich bringt. Foto: Gerd Spranger

Lisa Hasenberger, Ausbildungskoordinatorin und Leiterin des Wohntrainings bei der Lebenshilfe München und Klaus Huber, Einrichtungsleiter der Wohneinrichtung am Willinger Weg und in Unterschleißheim, begrüßten im Vortragssaal der Geschäftsstelle sieben Schülerinnen und Schüler in unterschiedlichen Ausbildungsjahren und verschiedenen Wohngruppen.

Insgesamt haben sich in diesem Jahr zwölf SchülerInnen für die Ausbildung bei der Lebenshilfe Wohnen GmbH entschieden. Es gab in diesem Jahr mehr BewerberInnen als freie Stellen. Die SchülerInnen werden, anders als bei vielen Trägern üblich, mit einem Arbeitsvertrag als Zweitkraft angestellt. Sie arbeiten im Durchschnitt etwa 20 Wochenstunden in den Wohngruppen und verbringen etwa eben so viel Zeit in der Schule. Im Gruppenalltag werden sie von erfahrenen Fachkräften, von so genannten MentorInnen begleitet und angeleitet.

Mehr Bewerber als freie Stellen

Ziel des ersten Schülertags in Pandemiezeiten war es, die SchülerInnen offiziell zu begrüßen, mit ihnen in`s Gespräch zu kommen und Raum und Zeit für den Austausch untereinander zu geben. Das Angebot wurde sehr gut angenommen, es wurden unterschiedlichste Themen diskutiert und unkompliziert Erfahrungen ausgetauscht.

Rene Pfeifer nahm sich Zeit, alle SchülerInnen persönlich zu begrüßen, stellte die Organisationsstruktur der Lebenshilfe München vor und beantwortete viele Fragen der Anwesenden. Besonders betonte er im Zusammenhang mit dem Mangel an geeigneten Fachkräften den hohen Stellenwert guter Ausbildung in einem Unternehmen wie der Lebenshilfe München Wohnen GmbH. Für Ihn stand besonders die Frage im Vordergrund, was der Träger leisten und anbieten muss, damit sich die SchülerInnen am Ende der Ausbildung auch für die Lebenshilfe als zukünftigen Arbeitgeber entscheiden werden.

Man war sich einig, einen weiteren Schülertag im Dezember zu veranstalten. Bereits im November treffen sich alle MentorInnen zum Austausch mit Lisa Hasenberger und Klaus Huber.

Ohne Pflege und Betreuung geht nichts

Großen Zuspruch fand der ART.CARE.LOVE-Event (wie berichtet) am Wochenende. Auch bei der Lebenshilfe München traf man sich, tauschte sich aus und unterstützt den Appell. Und das Engagement geht weiter. Initiator Marc setzt sich mit einer eigenen Plattform (www.marccarelove.de) für die besonderen Interesse der Pflegeberufe ein, will sie aus einer positiven Perspektive zeigen. Dazu zählt für ihn auch das Wissen, dass die Bezahlung und Besetzung besser werden muss.

Oliver Stokowski (l.) und Renè Pfeifer unterstützen die Forderung nach einer Aufwertung der Pflege.

Geschäftsführer der Lebenshilfe München, René Pfeifer, der das Event begleitet hat, bekräftigt: „Die Lebenshilfe München hat sich sehr gefreut Teil dieser Aktion gewesen zu sein. Ein besonderer Dank von uns geht natürlich an Oliver Stokowski. Er begeisterte mit seiner Lesung, der Erzählung „Die Dame mit dem Spitz“ von Anton Tschechow, das Publikum vor Ort und im virtuellen Raum. Die Veranstaltung stellte eine große Wertschätzung für die MitarbeiterInnen im Gesundheitsdienst dar. Für weitere Projekte steht die Lebenshilfe München gerne zur Verfügung.“

Bei seiner Suche lernt Marc begeisterte PflegerInnen kennen, die ihm ihr persönliches Glück in ihrem Beruf zeigen, die sagen können, dass sie für sich den besten Job der Welt gefunden haben. Sie erzählen, wie sich ihr beruflicher Weg entwickelt hat, was sie heute begeistert und ihre ganz persönliche Sicht darauf. Marc hat daraus eine kleine Serie mit YouTube-Beiträgen gemacht. Er konzentriert sich dabei auf ein Vorurteil der Gesellschaft zum Pflegeberuf und sucht Antworten und Gegenmodelle dazu.

Hier ist der Link zu den Beiträgen:
https://www.marccarelove.de/

Bessere medizinische Angebote

Online-Seminar am 29.09.2021:
Medizinische Angebote für Erwachsene mit Behinderung

Es bleibt ein Anliegen der Lebenshilfe München, sich für eine bessere medizinische Behandlungsqualität von PatientInnen mit und ohne Behinderung einzusetzen. Erfolgreich wurden in Deutschland bereits 50 ‚Medizinische Zentren für Erwachsene mit Behinderung‘ (MZEB) eingerichtet, eines davon ist das ‚kbo-Isar-Amper-Klinikum München-Ost‘. Das MZEB stellt eine ambulante Ergänzung der bisher bestehenden Regelversorgung durch niedergelassene Ärzte für Patienten dar, die aufgrund der Art, Schwere oder Komplexität ihrer Behinderung eine besondere Diagnostik und Behandlung benötigen.

In den Zentren und Ambulanzen kümmern sich spezialisierte FachärztInnen und TherapeutInnen individuell um die medizinische Versorgung der Erwachsenen mit Behinderung. „Eine gute medizinische Versorgung bedeutet auch immer eine Verbesserung der Lebensqualität betroffener Menschen“, bekräftigt die Angehörigenberatung der Lebenshilfe München.

Das Seminar über die medizinischen Angebote für Erwachsene mit Behinderung soll Einblicke in die Arbeit und das Umfeld geben, sowie Hintergründe und Lösungsansätze aufzeigen. Sprechen werden Vertreter des kbo Isar Amper Klinkum München-Ost (Schwerpunkt Neurologie / Psychiatrie), der Stiftung ICP München (Schwerpunkt Orthopädie) und die Stiftung Pfennigparade (Schwerpunkt außerklinische Beatmung).

Die Organisation und Durchführung des Online-Seminars liegt bei Margret Meyer-Brauns von der Lebenshilfe München. Die Seminargebühr beträgt 25 Euro für Nichtmitglieder der Lebenshilfe München und 15 Euro für Mitglieder der Lebenshilfe München.

Termin der Online-Veranstaltung:
Mittwoch, 29. September 2021 von 16:30 bis 20:30 Uhr

Anmeldung unter:
veranstaltungen@lebenshilfe-muenchen.de

Weitere Informationen
und den Flyer zur Veranstaltung finden Sie hier:

https://www.lebenshilfe-muenchen.de/veranstaltungen/medizinische-angebote-fuer-erwachsene-mit-behinderung-in-muenchen-und-im-landkreis/

Irene Prestele in den Ruhestand verabschiedet

Als Leiterin der Silvia-Görres-Schule hat Irene Prestele die Entwicklung des von der Lebenshilfe München betriebenen Förderzentrums für geistige Entwicklung entscheidend mitgeprägt. Sie wechselte jetzt als Beamtin des bayerischen Schuldienstes in den wohlverdienten Ruhestand. Lebenshilfe-Vorstand und Geschäftsführer Peter Puhlmann bedankte sich für ihren bisweilen aufopferungsvollen und liebevollen Einsatz.

Im großen Garten der Silvia-Görres Schule verabschieden die Vorstände und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann (l.) und René Pfeifer, die in den Ruhestand wechselnde Schulleiterin Irene Prestele. Foto: Lebenshilfe

„Ihr pädagogische Ansatz war immer geprägt von einer ganzheitlichen Perspektive des individuellen Schülers und dessen Elternhauses. Betreut werden in der Silvia-Görres-Schule (SGS) 42 schwerst-mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche, beginnend von der Vorschule bis hin zum Ende der Berufsschulzeit. Irene Prestele prägte die SGS nachhaltig und wir wünschen ihr alles Gute für den nun verdienten goldenen Lebensabschnitt.“

Förderung von Selbständigkeit und lebenspraktischen Fertigkeiten

Ebenso bescheinigte die Dipl. Pflegemanagerin (FH) Esther Wagner, als Bereichsleiterin Heilpädagogische Tagesstätten, SVEs und Schule, der scheidenden Schulleiterin Irene Prestele „ihr besonderes Gespür für die individuellen Bedürfnisse und die Problemlagen der schwerst-mehrfachbehinderten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Irene Prestele setzte neben der schulischen Förderung ihren Schwerpunkt im Bereich der Bewegung. Dazu zählten der Schwimmunterricht für die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen genauso wie der Bereich Bewegungserziehung. Schulische Zielsetzung war die Förderung von Selbständigkeit und lebenspraktischen Fertigkeiten und das Erlernen von adäquaten sozialen Verhaltensweisen, orientiert an den individuellen Möglichkeiten der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen.“

Menschen mit sehr hohem Förderbedarf

Aktuell werden in sechs Klassen jeweils sieben Schüler*innen gefördert. „Vor vielen Jahren startete die Schule mit drei SVE-Gruppen (Gruppen mit Vorschulkindern) und drei Klassen für Schulkinder. Im Laufe der Zeit verschwanden die SVE Gruppen zu Gunsten der Schulklassen. Bis vor zwei Jahren gab es dann nur noch sechs Klassen mit je sieben Schüler*innen. Vor zwei Jahren etablierten wir dann wieder zwei SVE Gruppen und vier Klassen mit Schüler*innen. Dies Konstellation hat bis heute Bestand. In der Silvia-Görres Schule sind bis heute ausschließlich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Schwerstmehrfach-Behinderung und sehr hohem Förderbedarf“, erläutert Lebenshilfe-Bereichsleiterin Esther Wagner.

Das Alter der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegt zwischen 3 Jahren und 21 Jahren. Ein Kind durchläuft in der SGS in aller Regel die Grundschulstufe 4 Jahre, die Mittelschulstufe 6 Jahre und die Berufsschulstufe zwei Jahre.

Im September stellen wir die neue Leiterin der Silvia-Görres Schule vor. Lesen Sie auch unseren Bericht aus dem Archiv, der einen kleinen Einblick in das Leben der Einrichtung vermittelt:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2013/03/22/wenn-das-leben-gelernt-werden-muss/

UN-Behinderten-Rechtskonvention: München zieht Bilanz

Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, mit der dritten Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, Verena Dietl. Copyright: Michael Nagy / Presseamt München

Die Stadt München hat 2013 ein ganzes Maßnahmenpaket zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) beschlossen. 2019 wurden die Aktionspläne nochmals deutlich erweitert. Insgesamt sind bereits 47 der 81 Projekte und Maßnahmen erfolgreich umgesetzt, davon 80 Prozent aus dem ersten Aktionsplan. Die Lebenshilfe München gestaltete diesen Prozess mit.

Jetzt zog das Sozialreferat München eine Bilanz. Bürgermeisterin Verena Dietl bekräftigt: „Um die Rechte und Freiheiten von Menschen mit Behinderungen zu sichern, arbeiten Stadtverwaltung, Behindertenbeirat und der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte Hand in Hand. Wir haben bereits große Fortschritte erzielt. In Zukunft wollen wir noch weiter an diesem wichtigen Thema arbeiten und deshalb bis spätestens 2025 einen dritten Aktionsplan auflegen.“

Die beschlossenen Maßnahmen umfassen sehr unterschiedliche Handlungsfelder und betreffen beispielsweise Bildung, Arbeitswelt, Mobilität, Wohnen und Gewaltschutz. Auch neben den Projekten dieser beiden Aktionspläne entfalten die städtischen Referate viele Aktivitäten, um Barrierefreiheit und Inklusion zu forcieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Mädchen und Frauen mit Behinderung. Sie sind besonders von Diskriminierung und Übergriffen bedroht. Anfang 2021 wurden deswegen Beratungsstellen, Selbstbehauptungsangebote und Treffpunkte eingerichtet, um den Schutz zu verstärken. Der Stadtrat stellt dafür rund 430.000 Euro jährlich bereit.

Gegen jede Gewalt

Die Lebenshilfe München etwa hat sich früh im Bereich der Gewaltprävention eingebracht. Vorstand und Geschäftsführer Peter Puhlmann hat die ‚Selbstverpflichtung Gewaltprävention‘ zusammen mit Verena Dietl, 3. Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, am 24. Juni im alten Rathaus unterzeichnet. Peter Puhlmann bekräftigt, dass „die Selbstverpflichtung zur Gewaltprävention in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen im absoluten Sinne der Lebenshilfe München ist. Sie wurde gemeinsam mit der Landeshauptstadt München und Partnerorganisationen entwickelt und vorangetrieben. Wir sind stolz aktiv den Prozess mitgestaltet und unsere Expertise wertbringend eingebracht zu haben,“ bekräftigt er.

Auch bei anderen Bereichen war man beteiligt, etwa bei der Erstellung von Wahlunterlagen in leichter Sprache. „Ein besonderes Anliegen war uns ebenso eine unkomplizierte Beförderung von Menschen mit Behinderung in München, um so auch eine gesellschaftliche Teilhabe sicher zu stellen,“ führt Harry Zipf, Bereichsleiter der Offenen Dienste der Lebenshilfe München aus. Dafür bezuschusst die Landeshauptstadt jetzt mit 100.000 Euro jährlich den Umbau von Großraumtaxis zu Rollstuhltaxis. Die Maßnahme ist zunächst auf die Jahre 2020 bis 2022 beschränkt.

Gynäkologische Versorgungsstrukturen

Einen Durchbruch erreichte man in gemeinsamer Anstrengung ebenso bei der gynäkologische Versorgungsstrukturen für mobiliätsbehinderte Frauen. Das Gesundheitsreferat (GSR) der Stadt München setzte sich für die Schaffung einer Spezialpraxis ein. Ein erster Ansatz zwischen dem Städtischen Klinikum Schwabing und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) scheiterte. Die Stadt konnte jetzt aber mit der KVB eine Lösung herbeiführen. In der Bayerstraße, in Räumlichkeiten des GSR, sollen Sprechstunden „im Rahmen einer Bestellpraxis“ einmal wöchentlich angeboten werden. Dafür werden aktuell Toiletten und Praxisräume modernisiert. Nach Fertigstellung der Räumlichkeiten wird der Ambulante Pflegedienst der Lebenshilfe München mit Pflegepersonal die Sprechstunden unterstützen.

Die Sozialreferentin der Stadt München, Dorothee Schiwy, bekräftigt das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Partizipation wie alle anderen. „Inklusion und der Abbau jeglicher Barrieren bleibt eine Aufgabe, der sich das Sozialreferat in besonderem Maß verpflichtet fühlt.“ Weiter heißt es in der Bilanz der Stadt München zur UN-Behindertenrechtskonvention:

Psychiatrische Beschwerdestellen

„Menschen mit einer psychischen Erkrankung bzw. Beeinträchtigung erleben oft Situationen, in denen sie sich in ihren Grundrechten eingeschränkt und nicht ausreichend verstanden sehen. Vor diesem Hintergrund haben der Verein Münchner Psychiatrie-Erfahrene e.V. (MüPE), die Aktionsgemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker (ApK) und das Netzwerk Psychiatrie München e.V. zwei psychiatrische Beschwerdestellen gegründet, die ihr Beratungs- und Unterstützungsangebot unbürokratisch und niederschwellig durch Peers gestalten. Um diese unabhängigen, ehrenamtlich arbeitenden Beschwerdestellen zu stärken, werden drei geringfügig beschäftigte Verwaltungskräfte sowie eine juristische Fachberatung bezuschusst. Die Kosten liegen bei 37.000 Euro jährlich.

Den Link zum Artikel finden Sie hier:
https://ru.muenchen.de/2021/142/UN-Behindertenrechtskonvention-Bilanz-der-Muenchner-Massnahmen-97186

Frühförderung weiter sehr gefragt

Lebenshilfe München eröffnet eigene Stelle
für „Interdisziplinäre Frühförderung“ in Riem

Der Bedarf nach Frühförderung, von den Neugeborenen bis hin zum 7. Lebensjahr, steigt im Coronajahr 2021 spürbar. Ganz allgemein, aber besonders hoch, ist die Nachfrage im Osten von München aus der Messestadt Riem bei der Lebenshilfe München. Sie ist neben Freiham der jüngste Stadtteil der Landeshauptstadt. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Elternverein, die Kinder- und Jugend GmbH der Lebenshilfe München nur wenige Kilometer entfernt in Feldkirchen seit vier Jahrzehnten eine interdisziplinäre Frühförderstelle betreibt. Hier erhalten Familien mit entwicklungsauffälligen und/oder behinderten Kindern ein individuell abgestimmtes Förderangebot. Die Familien und ihre Kleinen werden beratend, therapeutisch und pädagogisch betreut und begleitet.

Man reagierte bei der Lebenshilfe München bereits früh auf den Nachfragedruck. Seit drei Jahren engagiert man sich in der Messestadt, um eine eigene Frühförderung zu installieren und steht kurz vor der Eröffnung. Inzwischen erweiterte die Lebenshilfe in Feldkirchen ihr Angebot um ein drittes interdisziplinäres Team unter der Leitung von Janine Schöppen, die von Angelika Schrauth eng unterstützt wird. Die Gesamtleitung der Frühförderstellen, von denen die Lebenshilfe in Stadt und Landkreis fünf betreibt, obliegt der Pädagogin Sabine Wolf.

Förderung durch die Aktion Mensch

Gerade mal 22 Jahre jung ist die Messestadt München Riem. Aus dem Gelände des alten Münchner Airports wurde ein moderner Wohn- und Geschäftsbezirk rund um das ausgedehnte Gelände der Messe München.

Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, freut sich über eine Förderung durch die ‚Aktion Mensch‘ und bekräftigt: „Es ist uns gelungen, aufgrund einer nicht unerheblichen Förderung durch die Aktion Mensch, dieses Projekt der Interdisziplinären Frühförderung in der Messestadt München-Riem zu verwirklichen. Dennoch verbleibt ein sehr hoher Investitionsbeitrag bei der Lebenshilfe München, so dass wir auf jede weitere Spende angewiesen sind.“

Die angemieteten Räume in der Messestadt Riem sind bereits weitgehend ausgebaut und eingerichtet. 217 Quadratmeter stehen für Therapieräume, Bewegungsraum, Verwaltung, Leitung, Wartebereich, Teeküche, zwei Bürozimmer und fünf Stellplätze in der Tiefgarage zur Verfügung. Wichtig ist für die Einrichtung der Interdisziplinären Frühförderung der Lebenshilfe München ebenso ein eigener großer Kellerraum.

Einzelförderung oder Kleinstgruppen

„Dort können wir therapeutische Materialien auch als Leihgabe für die Eltern einlagern“, bekräftigt Sabine Wolf und erläutert: „Wir brauchen verschiedenste Spielmaterialien für unsere mobilen Einsätze. Damit die Eltern zuhause mit den Kindern über die Woche spielen und üben können, werden auch Materialien leihweise überlassen.“ Es ist geplant, etwa 70 Kinder in der Frühförderung Riem aufzunehmen. Dort erhalten die Kinder Einzelförderung oder Förderung in Kleinstgruppen von je 3 bis 6 Kindern. Je nach Bedarf erhalten die Kinder ein- bis zweimal wöchentlich Förderstunden.

Mangel an sozialen Lernsituationen

„Die Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen durch die Pandemie haben die Eltern mehrfach getroffen,“ erzählt Sabine Wolf. „Zum einen mussten sie selbst zuhause bleiben, die Eltern ihre Kontakte minimieren und auch die Geschwisterkinder sind über Monate hinweg nicht in den Kindergarten oder in die Schule gegangen. Das Risiko bei kleinen, anfälligen Kindern war und ist bei einer Infektion einfach hoch. Auch wir haben anfangs nur eingeschränkt arbeiten können und setzen bis heute aufwendige Hygienemaßnahmen um. Viele Kinder konnten über lange Zeit nicht in den Kindergarten gehen und so fehlten über die Monate viele soziale Lernsituationen.

Noch ist die Lebenshilfe bei der Ausgestaltung der neuen interdisziplinären Frühförderstelle in München Riem gefordert. Spenden für Therapieräume und für diagnostisches Material werden weiter benötigt. Spenden mit dem Vermerk „Verwendungszweck: Erstausstattung IFF-Messe“ sind herzlich willkommen. Das Spendenkonto finden Sie unter:

https://www.lebenshilfe-muenchen.de/ihre-hilfe-zaehlt-mitglieder-und-spenderservice/

Neue Bewohnervertretung in Putzbrunn

Das Wohnheim in Putzbrunn erfreut sich über eine aktive und diskussionsfreudige Bewohnerschaft. Seit Beginn wird alle vier Jahre eine Bewohnervertretung gewählt. Dieses Amt wurde immer mit der notwendigen Ernsthaftigkeit ausgefüllt. Die Bewohner*innen bringen immer viele Ideen, kritische Themen und Lösungsvorschläge ein.

Durch die Coronapandemie musste die Wahl verschoben und konnte nun im Juli 2021 endlich durchgeführt werden. Zuvor wurde ein Wahlausschuss gebildet und gefragt wer sich aufstellen lassen möchte, Wir haben Fotos gemacht, Wahlaushänge erstellt und Wahlzettel vorbereitet. Es stellten sich 11 Bewohner zur Wahl und es war zu erkennen, es wird eine spannende Wahl. Jeder fragte sich: „Werde ich gewählt?“

Es fand eine Briefwahl statt, vergleichbar im Ablauf einer Bundestagswahl. Der große Unterschied aber war, auf dem Erklärungsschreiben, den Wahlzetteln und Aushängen waren Fotos und Piktogramme zu sehen. Durch die Piktogramme konnten komplexe Sachverhalte verständlicher gemacht werden. Daher wollen wir auch erwähnen, dass das Wohnheim seit kurzem die Software „Metacom“ nutzt.

Bei schönem Wetter zählten wir am 07. Juli 2021 im Garten die Stimmen aus. Tatsächlich war die Auszählung sehr spannend, da einige Bewohner ’sehr dicht bei einander lagen‘. Die meisten Stimmen erhielten Frau Thalhammer und Herr Butt, sowie Frau Hofmann und Herr Hüttinger. Die große Freude stand allen im Gesicht und Frau Thalhammer war so gerührt, dass sie auch eine Freudenträne vergoss.

Nach den Gratulationen wurde auch ein wenig gefeiert. Renate Bauer, die Leiterin der Lebenshilfe-Wohneinrichtung in Putzbrunn, sagte: „Selbstverständlich grillen wir an einem so freudigen Tag.“ In der anschließenden Woche fand auch gleich die konstituierende Sitzung statt. Herr Hüttinger wurde zum Vorsitzenden gewählt und Frau Thalhammer übernahm das Schreiben des Protokolls. Es wurde über Aufgaben und Ablauf gesprochen, und Termine vereinbart.

Renate Bauer hat zur Unterstützung der Bewohner*innen auch eine Ehrenamtliche gefunden. Sie wird bei den nächsten Terminen dabei sein. Unterstützt wurden die Bewohner*innen durch den Wahlausschuss: Frau Dudenhöffer, Herr Kristöfl und Frau Wolfram.

Wir wünschen der Bewohnervertretung
viel Erfolg bei allen ihren Vorhaben.
Pädagogischer Fachdienst/ Esther Wolfram

Lebenshilfe-Wohnen: das Konzept dem Leben anpassen

Putzbrunn III: versatil (wandlungs-, anpassungsfähig),
um Diversität (Unterschiedlichkeit) unter einem Dach
zu ermöglichen.

In der ersten Folge hat Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, das pädagogische Konzept und Hintergründe zur geplanten neuen Wohneinrichtung der Lebenshilfe vorgestellt. Heute erläutert er die Zusammenhänge und baulichen Maßnahmen.

Putzbrunn III wird der Wohnort für Menschen mit Beeinträchtigungen unter dem Dach der Lebenshilfe München am Lebenshilfe Campus Putzbrunn sein, an welchem, durch die bauliche Konzeption, auf die verschiedenen Bedarfe in verschiedenen Lebensphasen fachlich reagiert werden kann. Eingesetzte digitale Assistenzsysteme werden in erster Linie den Mieter*innen das Leben erleichtern und mehr Sicherheit im sozialen aber auch technischen Sinne geben. Gleichzeitig fördern und unterstützen sie die Kommunikation mit Angehörigen, Dienstleistern und Freunden.

Wohnen den bestehenden Erfordernissen und Bedarfen anpassen

Vor einem Jahr hat die Lebenshilfe am Willinger Weg eine neue Wohneinrichtung mit einem modernen Konzept eröffnet, die in München viel Beachtung fand. Foto: Gerd Spranger

Diese Ausgestaltung der Immobilie soll es ermöglichen, dass die Mieter*innen, unabhängig von Unterstützungsbedarf und Alter, bedarfsgerecht und mit hoher Qualität leben und wohnen können. Um dieses Ziel zu erreichen, muss eine fachliche Durchlässigkeit innerhalb des Hauses erreicht werden. Das bedeutet, die Anzahl und Ausprägung von ausschließlich individual genutzten Appartements wird derart versatil sein, mehrere Appartements zu einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft mit zugehörigen Gemeinschaftsflächen zusammenzulegen bis dahin, dass diese Wohngemeinschaften auch als gemeinschaftliches Wohnen mit gepoolten Fachleistungen zusammengefasst und ausgelegt werden können – ganz nach den bestehenden Erfordernissen und Bedarfen. Der Pflegebereich im 1. OG könnte somit theoretisch auch über die darüberlegenden Stockwerke ausgedehnt werden, wenn dies in den nächsten Jahrzehnten notwendig werden sollte.

Das Wohnen ist ein Lebensmittelpunkt

Der Lebensbereich Wohnen stellt für viele Menschen mit Behinderung den Lebensmittelpunkt dar, der dem Erfüllen wichtiger Bedürfnisse dient. Es geht nicht nur darum, räumliche und materielle Standards herzustellen, die an die Wohnsituation von Menschen ohne Behinderung angepasst sind, sondern besonders wird im Fokus stehen, den Vorstellungen dieser, uns anvertrauter Menschen gerecht zu werden. Das Wohnkonzept sieht vor, dass jede*r dort lebende Mieter*in, unabhängig von Alter und Unterstützungsbedarf, Inklusion leben kann. Durch die Konzeption und die fachliche Ausrichtung des Assistenzkonzeptes kann jede*r Mieter*in auf die inklusionsfördernden Strukturen der Immobilie zugreifen.

Selbständiges Wohnen bis ins hohe Alter

Durch die mannigfaltige Charakteristik der insgesamt vier Etagen und somit einer hohen Versatilität der gesamten Immobilie ist es möglich, auf die verschiedenen Bedarfe adäquat zu reagieren. In Verbindung mit dem Erdgeschoss und der dort ansässigen Tagesstruktur und den Räumlichkeiten der Physiotherapie können maximale Synergieeffekte auch im Hinblick auf Inklusion erwirkt werden. Insgesamt ist ein durchlässiges Gesamtkonzept des selbständigen Wohnens bis ins hohe Alter umsetzbar.

Teilhabe und Freizeitstruktur

Das Zusammenleben und das Entwickeln gemeinsamer Interessen wirken sich auch auf die Freizeitgestaltung der Gemeinschaft aus. Gemeinsam geplante Ausflüge, Besuche von Veranstaltungen und Projekte verschaffen eine Identität, welche ebenfalls nachhaltige Teilhabe ermöglicht. Insgesamt sollen 55 Menschen einen bedürfnisgerechten und nachhaltigen Wohnort in Putzbrunn III finden. Dabei sind alle gesetzlichen Anforderungen an die bauliche Struktur eines solchen Hauses erfüllt. Alle Zimmer und Wohnungen werden barrierefrei errichtet. Darüber hinaus werden 50 Prozent davon die Anforderungen an rollstuhlgerechtes Wohnen nach DIN – 18040 erfüllen.

Das Erdgeschoss:
Tagesbetreuung und Tagesstruktur

Hier werden Räumlichkeiten für Tagesbetreuung und Tagestruktur (wie Zuverdienst / Förderstätte) sowie für Gemeinschaft und Begegnung geschaffen. Dabei sollen alle Mieter*innen des Hauses (vorwiegend der beiden oberen Geschosse) die Möglichkeit haben ihren Tag zu verbringen, sofern sie nicht oder nicht mehr einer Arbeit oder Beschäftigung außerhalb des Gebäudes nachgehen. Dieses Angebot kann selbstverständlich auch für Menschen mit Behinderung „außerhalb der Lebenshilfe“ genutzt werden.

Eine Praxis für Physiotherapie

Als zweite wichtige Säule entstehen im Erdgeschoß Räumlichkeiten für eine Physiotherapiepraxis. Die Leistungen der Physiotherapie sind für die angestrebte Mieterschaft des Hauses mitunter von großer Bedeutung. Den Mieter*innen ist es so möglich, auf kurzem Weg diese Leistungen abzurufen. Die Physiotherapiepraxis wird ein wichtiger Inklusionsfaktor im Rahmen des gesamten Projektes. Diese Praxis soll auch für Bürger*innen aus Putzbrunn und Umgebung zugänglich sein.

Das erste Obergeschoss
20 Zimmer für Senioren

Dort entstehen 20 Zimmer für Senioren, die bereits einen höheren Unterstützungsbedarf haben. Dieser Bedarf kann sowohl pflegerischer, als auch teilhabebedingter Natur sein. In den Räumlichkeiten des ersten Obergeschosses wird es eine ‚Rund-um-die-Uhr-Betreuung‘ durch pflegerische und auch pädagogische Fachkräfte geben. Alle gesetzlichen Auflagen und Anforderungen an „stationäre“ Einrichtungen nach Pflegewohnqualitätsgesetz werden erfüllt. In den Räumlichkeiten des ersten Obergeschosses soll auch eine Begleitung in der letzten Lebensphase möglich sein.

Zweites und drittes Obergeschoss:
35 Einzelappartements und 13 Wohnungen

In diesen beiden Etagen entstehen zunächst insgesamt 35 Einzelappartements: Im zweiten 22 und im dritten Obergeschoss 13 Wohnungen. Alle Appartements werden mit einem Bad und einer Küche ausgestattet. Somit ist es den Mietern einerseits möglich, selbständig und losgelöst von Gruppenstrukturen ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu führen, andererseits können die Mieter auf die Assistenzdienste der Lebenshilfe zurückgreifen, um eventuelle Unterstützungsbedarfe zu kompensieren. Die im Gedanken der Versalität zu schaffenden weiteren Gemeinschaftsflächen ermöglichen die Bildung von ambulanten Wohngemeinschaften, sowie gemeinschaftlichem Wohnen in den unterschiedlichsten Facetten.

Offene Wohnformen einer neuen Häuslichkeit

Die neuen Wohn- und Bereuungsformen nach dem BTHG (Bundesteilhabegesetz) gewinnen an Dynamik und erlauben neue Entwicklungen, wie wir sie bisher noch nicht kannten. Putzbrunn III schafft nicht nur neue, gewünschte und benötigte offene Wohnformen einer neuen Häuslichkeit – also in Bezug auf Dienst- und Fachleistungen, sondern trägt dazu bei, den in einer nachhaltigen und wertsteigernden Form barrierefreien und sogar rollstuhlgerechten Wohnraum im Landkreis München durch die Lebenshilfe München zu schaffen.

Die versatilen Wohn- und Betreuungsformen sowie der damit einhergehende Quartiersgedanke werden langfristig weiter an Bedeutung gewinnen. Das Projekt Putzbrunn III wird spätestens mit seiner Fertigstellung zum Frühjahr 2024 ein leuchtendes Beispiel für die Zukunft des Wohnens sein – nicht nur für die Lebenshilfe München.

Peter Puhlmann
Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München
Dipl.Päd.Univ. und Sozialbetriebswirt (TWTAG FH M)

HPT: Gutes „im Schlechten“ finden

HPT-G Unterhaching in Zeiten von Corona

Wir haben mittlerweile Anfang Juli 2021 und das bedeutet, dass wir in der HPT-G Unterhaching seit fast 16 Monaten Einschränkungen durch COVID-19 in unserer täglichen Arbeit mit beachten müssen. Vieles dürfen die von uns betreuten Kinder und Jugendlichen einfach nicht. Nichts ist mehr, wie es „vor Corona“ war. Unsere permanenten Themen sind: Mund-Nasen-Schutz, Hygiene, Abstand halten, feste Gruppen, Notbetreuung, Wechselunterricht usw. Eine Herausforderung für unsere Kinder, Jugendlichen und Mitarbeiter*innen. Und trotzdem ist nicht alles „schlecht“.

Feste Gruppen im guten Miteinander

Wie ein Baum muss auch ein gutes Miteinander wachsen

Feste Gruppen bedeutet für uns, dass unsere Kinder und Jugendlichen zwar nicht ihre Freunde aus den anderen Gruppen besuchen können, allerdings sind so aus der eigenen Gruppe neue Freunde mit dazu gekommen. Es ist schneller als sonst ein gutes Miteinander in der Gruppe entstanden – man musste sich ja arrangieren.

Es waren aufgrund der Situation mit Notbetreuung und Wechselunterricht eigentlich nie alle Kinder und Jugendlichen gleichzeitig bei uns anwesend (meist war es die dreiviertelte Gruppe). Das „Durchgewechsel“ war nervig und auch für alle Beteiligten anstrengend, allerdings waren die Gruppen auch kleiner und so konnte noch gezielter und individueller gefördert werden.

Pädagogik zurück zur Basis

Auch konnten die Gruppen plötzlich nicht mehr auf große Ausflüge fahren (Kino, Spielarena, Tierpark usw.). Jetzt geht es gemeinsam in den Ortspark oder man erkundet den Wald. Erlebnisse, die für die Kinder und Jugendlichen „von heute“ ganz anders sind und für die älteren Generationen völlig normal. Quasi eine Pädagogik zurück zur Basis.

Wir sind viel unter uns. Dadurch festigen sich das Gesamtgefüge und der Zusammenhalt innerhalb unserer HPT. Schade ist aber, dass dies mit dem Inklusionsgedanken nur sehr wenig zu tun hat. Und trotzdem gibt es für uns alle nichts Schöneres, dass wir (wenn auch weiterhin mit Einschränkungen) seit den Pfingstferien 2021 wieder im „Normalbetrieb“ sind. Alle sind wieder da. Am ersten Tag hörte man bei uns ständig: „Hallo … – schön, dass du wieder da bist!“.

Sabine Griebel, HPT-G Unterhaching

Geschafft: Assistenz im Krankenhaus

– Lebenshilfe begrüßt Beschluss zur Assistenz im Krankenhaus –

Endlich: Menschen mit Behinderungen sollen einen Rechtsanspruch auf Kostenübernahme für die Assistenz im Krankenhaus haben. Das hat der Bundestag beschlossen. „Eine gute Nachricht für alle Betroffenen und ihre Familien und ein erster Erfolg für unseren Einsatz auf Landes- und Bundesebene“, betont die Landesvorsitzende der Lebenshilfe Bayern, Barbara Stamm, kurz nach dem Beschluss. Nun stehe noch die Zustimmung des Bundesrates aus.

Gesundheitliche Versorgung verbessern

Für viele erkrankte Menschen mit Unterstützungsbedarf sei es bei einem Klinik-Aufenthalt unabdingbar, in dieser belastenden Situation eine vertraute Begleitperson an der Seite zu haben. Diese könne oft als einzige zwischen den Erkrankten und dem Klinik-Personal vermitteln, erläutert Stamm. „Wir begrüßen deshalb grundsätzlich, dass die Kostenübernahme für die Assistenz im Krankenhaus nun geregelt wurde“, so Stamm weiter. Da die Kosten je nach Assistenzperson einmal durch die Krankenversicherung (Angehörige) und einmal durch die Eingliederungshilfe (Mitarbeitende von Einrichtungen) übernommen werden müssen, dürfe es aber künftig nicht zu einem Hin- und Herschieben der Zuständigkeit zwischen Krankenkassen und Bezirken kommen.

Auch müsse es zusätzlich noch weitere Schritte geben, um die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderungen nachhaltig zu verbessern. Wichtig sei etwa, die besonderen Bedarfe und Belange von Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung künftig in medizinisch-pflegerischen Ausbildungen zu lehren. Ebenso müssten die Abläufe in Kliniken rund um Aufnahme, Behandlung und Entlassung zum Wohle der Menschen mit Behinderungen angepasst werden. „All das wird auch das Klinik-Personal entlasten. Und wir wissen, nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie, wie dringend nötig das ist“, betont Stamm.

Petition an den Bayerischen Landtag

Die ehemalige bayerische Landtagspräsidentin setzt sich seit langem für eine bessere Versorgung von Menschen mit Behinderungen bei einem Aufenthalt im Krankenhaus ein. Im Mai 2020 übergab sie persönlich eine entsprechende Petition der Lebenshilfe Bayern an ihre Nachfolgerin in diesem Amt, Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Im Oktober 2020 wurde die Petition in einer gemeinsamen Sitzung der Landtagsausschüsse Gesundheit und Soziales behandelt. Diese sprachen sich dafür aus, das Anliegen von Bayern aus auf Bundesebene voranzubringen.

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Inklusion mit gutem Essen gestalten

Mit Spannung wurde der Start eines neuen ‚Nachbarschafts-Service‘ in München-Giesing erwartet, ein Inklusions-Projekt der Lebenshilfe München und der Nachbarschaftshilfe Giesing. Mit einem Cateringwagen – ein italienischer Ape – auf drei Rädern, gibt es unter dem Motto „Herz und Schnauze“ jetzt jeden Dienstag schnelle, gesunde, moderne und vor allem leckere Küche mit frischen Zutaten und orientalischen Gewürzen zubereitet. Zum Start gab es Falafel oder Sojageschnetzeltes für 7,90 Euro.

Ziel der Aktion ist es, Begegnung und Inklusion im Stadtteil zu ermöglichen. Der Nachbarschaftstreff Giesing (NHG) ist Teil des Vereins QuarterM, eine gemetinnützige Gesellschaft für soziale Quartiersentwicklung mbH, der von der Stadt München gefördert wird. Sven Siebert von der NHG und René Pfeifer von der Lebenshilfe München werten die Aktion als einen tollen Erfolg, das Essen war nach 90 Minuten ausverkauft.

I M B I S S – einfach für alle !

Jeden Dienstag von 12:00 Uhr bis 14:30
in der St.Quirin-Straße 13a
„Der Cateringwagen auf drei Rädern mit Herz und Schnauze“

Anmerkung:

Ape (ital. Biene, auch als Vespacar bezeichnet) ist ein Kleintransporter und ein dreirädriges Rollermobil des italienischen Herstellers Piaggio.

Quelle: Wikipedia

https://de.wikipedia.org/wiki/Ape_(Kleintransporter)

Stimmt der Bundestag jetzt für eine Assistenz im Krankenhaus?

Im privaten wie im beruflichen Leben sind die besonderen Bedarfe von Menschen mit Behinderung weitgehend durch die Gesetzgebung abgedeckt. Immer wieder aber entstehen besondere Situationen, etwa wenn Menschen mit Behinderung eine Behandlung im Krankenhaus oder in einer Reha-Einrichtung beanspruchen müssen und sie dafür eine besondere Unterstützung von Assistenzkräften benötigen. „Assistenz im Krankenhaus“ heißt das Schlagwort und dafür setzen sich Patientenbeauftragte, Pflegebevollmächtigte und der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung seit Monaten ein. Wie so oft stellt sich die Frage, wer was bezahlt. Hier zeichnet sich jetzt eine Lösung ab.

Das Kabinett beschloss vergangene Woche wann die Kosten von der gesetzlichen Krankenversicherung und wann sie von der Eingliederungshilfe zu übernehmen sind. Danach soll die Krankenkasse zahlen, wenn Angehörige begleiten. Bei Begleitung durch Mitarbeitende von Einrichtungen der Behindertenhilfe sollen die Träger der Eingliederungshilfe zahlen. Damit das Gesetz noch in dieser Wahlperiode verabschiedet werden kann, muss der Bundestag es in dieser Woche beschließen. Dann steht noch die Zustimmung des Bundesrates direkt nach der Sommerpause aus. Die Initiatoren und Befürworter der neuen Regelung freuen sich über diesen ersten Erfolg und zeigen sich zuversichtlich:

Die Patientenbeauftragte Prof. Dr. Claudia Schmidtke führt aus:

„Es ist gut und wichtig, dass hier eine Kompromisslösung im Sinne der Patientinnen und Patienten gefunden wurde, die ohne großen bürokratischen Aufwand umsetzbar ist.“

Der Pflegebevollmächtige Andreas Westerfellhaus begrüßt den Kompromiss aus einer weiteren Perspektive:

„Auch die Pflegekräfte im Krankenhaus profitieren von der gefundenen Lösung.“

Der Behindertenbeauftragte Jürgen Dusel zeigt sich bezüglich des anstehenden Gesetzgebungsverfahrens optimistisch:

„Hier waren dicke Bretter zu bohren. Nachdem die Bundesregierung ihren Job gemacht hat, ist nun der Gesetzgeber am Zug. Ich bin zuversichtlich, dass das Gesetz noch in dieser Wahlperiode verabschiedet wird.“

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