Der lange Weg hin zu einem selbständigen Leben

Lebenshilfe München fördert Menschen
mit geistiger Behinderung und mit psychischer Beeinträchtigung

(gsp) Ein Sturm der Entrüstung ergeht durch die Medien aufgrund eines so genannten ‚Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes‘, das in Bayern aktuell im Landtag behandelt wurde. Es zeigt, wie sensibel das Thema ist, wie groß die Gefahr einer Stigmatisierung und wie schwierig es ist, Menschen mit psychischer Erkrankung wieder ‚ins Leben zurück zu führen‘.

Bei der Begleitung von Menschen sind Schulungen ein wichtiger Teil um Wissen zu vermitteln und zu vertiefen. Foto: Gerd Spranger

Eine der Organisationen in Bayern, die sich dieser Aufgabe stellt, ist die Lebenshilfe München. In erster Linie werden von dem Elternverein zwar Menschen mit geistiger Behinderung gefördert, betreut und begleitet, doch seit einigen Jahren auch Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Dabei nimmt das eigene, selbstbestimmte Leben eine zentrale Rolle ein, und so ist vor allem das begleitete Wohnen ein zentraler Bestandteil der Hilfe. Ein Erfolgsmodell ist etwa die Wohngemeinschaft in der Landsberger Straße (siehe Link). Menschen mit geistiger Behinderung sowie Menschen mit psychischer Beeinträchtigung sollen verstärkt an ein selbständiges Leben und Wohnen herangeführt werden. Die Lebenshilfe München hat dazu ein eigenes Konzept erarbeitet.

Mutig sein und sich was zutrauen

Im Vorwort zu dem Konzept eines ‚Wohntrainings‘ heißt es: „Beim Wohnen geht es nicht so sehr um die technischen Fähigkeiten, sondern um die Motivation, das Zutrauen der eigenen Fähigkeiten. Es geht auch darum, mutiger zu werden, sich etwas zu trauen.“

Als Schlüsselkompetenz soll die Fähigkeiten zur Übernahme von mehr Eigenverantwortung vermittelt werden. Das bedeutet, die Selbständigkeit zu fördern. Wichtiges Merkmal von Lebensqualität ist die eigene Kontrolle der Menschen über die Belange ihres täglichen Lebens. Die notwendigen Fertigkeiten werden im Alltag erworben, mit individuellen Lernangeboten. Dazu braucht es natürlich Gelegenheiten, und die gibt es für die Bewohner des ambulant betreuten Wohnens in ausreichendem Maße. Gemäß ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten erledigen sie selber mit Anleitung durch die Mitarbeiter der Lebenshilfe die anfallenden täglichen Arbeiten im Rahmen des Zusammenlebens in der Wohnstätte.

Das eigene Budget und der Einkauf

Dazu zählt etwa das selbständige Einkaufen der Lebensmittel für die gemeinsamen und persönlichen Mahlzeiten. Dafür hat die Lebenshilfe München jetzt für ihre Trainings-Wohngruppen ein eigenes Seminar abgehalten, damit der Einzelne auch die finanzielle Kontrolle über das eigene kleine Budget hat. Zu einem selbständigen Leben zählt natürlich auch das Zubereiten der Mahlzeiten, sowie das Eindecken und Abräumen des Tisches, die Lagerung der Lebensmittel und für das nötige Maß an Sauberkeit und Hygiene zu sorgen. Diese für die meisten Menschen so einfachen und selbstverständlichen Dinge müssen Menschen mit geistiger Behinderung, oft auch Menschen mit psychischer Beeinträchtigung, erst erlernen. Nur so öffnet sich ihnen ein Weg hin zu einem selbständigen Leben.

Eine realistische Planung und Prioritäten

Eine der obersten Schlüsselkompetenzen ist sicher der Umgang mit Geld. Petra Loncar, stellvertretende Leiterin des Wohntrainings, bringt es auf den Punkt: „Selbst hoch intelligente Menschen haben häufig Probleme mit ihren Finanzen. Die Überschuldung privater Haushalte ist ein Thema mitten in der Gesellschaft.“

Kompetenz mit Geld beginnt etwa damit, die verschiedenen finanziellen Mittel zweckbestimmt auseinander zu halten und sie sachgerecht zu verwenden. Mitunter erfordert das eine realistische Planung und die Schaffung von Prioritäten. Von den Mitarbeitern der Lebenshilfe München fordert es viel an Geduld und Gespür, dieses Wissen in kleinen Schritten immer wieder zu vermitteln. Dazu zählen auch Absprachen zwischen Bewohnern, der rechtlichen Betreuerin und den MA, um einen Überblick über die Finanzlage zu erhalten, sie entsprechend begleiten zu können und Schulden zu vermeiden.

Endlich selbstbestimmt leben

Viele persönliche Gespräche helfen. Recht im Bild: Petra Loncar

Den Wunsch nach Selbständigkeit kennt jeder von uns. Mit dem 16., spätestens mit dem 18. Lebensjahr wird er Wirklichkeit, zumindest für die meisten Menschen in Deutschland. Wunsch und Wirklichkeit treffen dann aufeinander, denn ganz allein und selbstbestimmt zu leben stellt hohe Anforderungen an die Finanzen mit der Schaffung eines geordneten Lebensumfeldes. Auch bei Menschen mit geistiger Behinderung ist dieser Wunsch ausgeprägt, doch es ist ein weiter Weg dorthin.

„Ein Gefühl für Geld bekommen“

Die Lebenshilfe München unterstützt, fördert und begleitet dabei die Menschen über viele Jahre. Aktuell etwa leben 20 Menschen mit geistiger Behinderung in zwei betreuten Wohneinrichtungen mit gezielter Anleitung zu mehr Selbständigkeit. Das beginnt beim Einkauf und reicht bis zu einem persönlichen Budget. Für 25 Euro in der Woche müssen sie etwa lernen „ein Gefühl für das Geld zu bekommen“, erklärt Petra Loncar, stellvertretende Leiterin des Wohntrainings. Alle Bewohner gehen übrigens einer beruflichen Tätigkeit nach, und sind auch hier gefordert.

Förderung und Schaffung von Kompetenzen

Es geht also vor allem um Förderung und die Schaffung von Kompetenzen. Nach Einschätzung von Petra Loncar werden es die Meisten in eine offene Wohngemeinschaft schaffen. Dort leben sie selbständig, sind aber nicht allein und auch nicht allein gelassen, denn wöchentlich ist ein Betreuer vor Ort und steht mit Rat und Tat zur Seite. „Ja, Wunsch und Wirklichkeit treffen dann auch bei Menschen mit geistiger Behinderung aufeinander. Viele unterschätzen es, ‚ganz allein zu sein‘ mit eigener Wohnung. Es ist dann nicht nur eine wirtschaftliche Herausforderung, sondern auch eine ganz persönliche.“

Das eigene Budget verwalten

Als ein weiterer Baustein auf den Weg hin zu mehr Selbständigkeit wird jetzt ein eigenes Seminar der Lebenshilfe München sein. Alle Bewohner der beiden Einrichtungen nehmen daran teil und es geht um das Verwalten des eigenen Budgets. „Das ist übrigens ein Punkt der alle gleichermaßen betrifft, denn nicht von ungefähr sind viele junge Menschen heute hoch verschuldet,“ bekräftigt Petra Loncar, „und damit stehen sie vor noch größeren Herausforderungen.“

Menschen mit geistiger Behinderung und die Demenz

D E M E N Z 
Themenabend am 17. Mai 2018 bei der Lebenshilfe München

2018 ist die Fachtagung der Lebenshilfe München der ‚Demenz‘ gewidmet. 2016 stand die ‚Pränatale Diagnostik und Behinderung‘ im Blickpunkt und 2017 das Thema FASD (‚Fetale Alkoholspektrumsstörung), der (Nicht-) Konsum von Alkohol in der Schwangerschaft. Es waren immer Themen, die im öffentlichen Bewusstsein weitgehend ausgeblendet werden. Bei Demenz ist das anders, doch ist die Situation bei Menschen mit geistiger Behinderung eine andere.

Bei Menschen mit geistiger Behinderung ist eine Erkrankung an Demenz keine Ausnahme, sondern eher die Regel, vor allem bei Menschen mit Down-Syndrom. „Durch die Lokalisation eines der wichtigsten Alzheimer-Gene auf Chromosom 21 haben diese Menschen ein extrem hohes Risiko früh an der Alzheimer-Krankheit zu erkranken“, heißt es im Flyer zum Themenabend. Auch sind die Betroffenen mit 50 bis 55 Jahren deutlich jünger und der Verlauf intensiver mit dem Abbau von alltagspraktischen Fähigkeiten, Gedächtnisverlust, herausforderndes Verhalten, Aggression, Depression und Gangunsicherheit.

Geschäftsführer Peter Puhlmann von der Lebenshilfe München: „Dabei ist eine Demenz gerade im Anfangsstadium sehr schwer greifbar. Die Menschen überspielen ihre Schwächen und können sie eine gewisse Zeit vor ihrer Umwelt verbergen. Das gilt auch bei Menschen mit geistiger Behinderung.“

Moderation: Margret Meyer-Brauns

Die Moderation und die Leitung des Themenabends hat Margret Meyer-Brauns von der Angehörigenberatung inne, die sie seit rund 15 Jahren leitet. Bis zu 800 Personen und ihre Familien suchen hier jedes Jahr Rat und Hilfe.

In drei Fachvorträgen wird die Problematik einer Demenz-Erkrankung bei Menschen mit geistiger Behinderung ausführlich behandelt. Es sprechen dazu vom Klinikum Großhadern (Spezialambulanz für kognitivee Beeinträchtigungen/ Gedächtnisstörungen bei Menschen mit Down-Syndrom):

PD. Dr. med. Johannes Levin
Sein Thema ist: Früh beginnende Alzheimer-Krankheit bei Menschen mit Down-Syndrom

Dr. Sandra Loosli und Elisabeth Wlasich (Mag. Rer.nat)
Ihr Thema ist: Neuropsychologische Untersuchung bei Menschen mit einem Down-Syndorm: Besonderheiten und Herausforderungen

Dr. Georg Nübling
Sein Thema ist: Studien zu Demenz bei Menschen mit einem Down-Syndrom am Standort München.

Die Lebenspraktische Seite erläutert René Pfeifer, Wohnbereichsleiter der Lebenshilfe München Wohnen GmbH. Ihm unterstehen die elf Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München in Stadt und Landkreis München. Seine Kollegin, Christine Wiesenthal-Moser ist Pflegedienstleiterin des ‚Ambulanten Dienstes der Lebenshilfe München‘. Der Ambulante Dienst betreut viele Menschen mit Behinderung, die in einem häuslichen Umfeld wohnen. Hier sind für eine optimale Versorgung vor allem Leistungsansprüche im Rahmen der Pflegeversicherung wichtig. Christine Wiesenthal-Moser stellt die wichtigsten Leistungen daraus vor.

Wichtig ist es, so das vorläufige Resümee zum Themenabend:
Den Betroffenen eine umfassende klinische Untersuchung anzubieten. Bisherige ambulante oder vollstationäre Wohn- und Arbeitsangebote sollten neuen Bedürfnissen angepasst werden.

Der Themenabend zeigt Antworten auf:
Welche Möglichkeiten der Diagnostik gibt es?
Was ist hilfreich bei der Veränderung des Wohn- und Arbeitsumfeldes?
Welche Unterstützungsangebote gibt es in der ambulanten Pflege?

Beginn der Veranstaltung ist um 18.30 Uhr

Anmeldung unter:

Telefon: 089 69347-130 oder Fax: 089 69347-132
E-Mail: veranstaltungen@lebenshilfe-muenchen.de

Die Teilnahme ist kostenlos, jedoch nur mit vorheriger Anmeldung möglich.
Alle Informationen auf einen Blick finden Sie hier: Demenz_Flyer_2018.

Ein Auszug aus Wikipedia zu Demenz:

Eine Demenz ([deˈmɛnʦ], lateinisch dementia) ist ein psychiatrisches Syndrom, das bei verschiedenen degenerativen und nichtdegenerativen Erkrankungen des Gehirns auftritt. Der Begriff leitet sich ab von lat. demens ‚unvernünftig‘, ohne mens, das heißt‚ ohne Verstand, Denkkraft oder Besonnenheit seiend‘ und kann mit „Nachlassen der Verstandeskraft“ übersetzt werden.[1]

Demenz umfasst Defizite in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten und führt zu einer Beeinträchtigung sozialer und beruflicher Funktionen. Vor allem sind das Kurzzeitgedächtnis, ferner das Denkvermögen, die Sprache, die Motorik und bei einigen Formen auch die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Maßgeblich ist bei der Demenz der Verlust bereits erworbener Denkfähigkeiten im Unterschied zur angeborenen Minderbegabung.

Hier ist der Link:
https://de.wikipedia.org/wiki/Demenz

Feierlicher Auftakt ins Jubiläumsjahr- „40 Jahre OBA Gott sei Dank!“

Einen feierlichen, ökumenischen Gedenk- und Dankgottesdienst in Maria-Hilf hat die OBA der Lebenshilfe München zusammen mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern, Angehörigen und Freunden der OBA gefeiert. Herr Pfarrer Schlosser, Herr Pfarrer Wohlfarth und Frau Kaukal fanden schöne Worte und Rituale um die große Dankbarkeit für die vergangenen 40 Jahre zum Ausdruck zu bringen und denjenigen zu gedenken, die schon verstorben sind.

Die Fürbitten wurden vorgetragen von Vertretern der OBA, der Angehörigen und der stellvertretenden Landrätin Frau Annette Ganssmüller-Maluche.

Text & Fotos: OBA, Lebenshilfe München

Voten für die OBA der Lebenshilfe als „Werte-Botschafter“

Helfen Sie der OBA der Lebenshilfe München!
Geben Sie uns Ihre Stimme beim Wettbewerb
„Werte-Botschafter 2018“

80 Vereine und Initiativen kämpfen bis zum 20. April um 50.000 Euro Spendengelder des Gewinn-Sparverein der Sparda-Bank München e.V. im Online-Voting. Die OBA der Lebenshilfe München geht mit ihrem Musikraum ins Rennen, braucht
noch weitere 3000 Euro für dessen Renovierung. Voten Sie mit,
geben Sie ihre Stimme der Lebenshilfe München.

Ein zweiter Spendentopf der Aktion ‚Werte-Botschafter‘ der Sparda Bank München über 50.000 Euro wird direkt über eine Jury vergeben. Die Jury spricht auch das letzte Wort beim Online-Voting, und wenn es gut läuft, wird jedes zweite Projekt mit Spenden gefördert werden.

Gemeinsame Projekte verbinden, schaffen Werte, und mit Musik inspirieren sie zusätzlich. Gerade für Menschen mit geistiger Behinderung ist Musik ein Mittel jenseits von Sprache ihre Emotionen ’nach außen zu tragen‘. Der Spaß steht im Vordergrund, die Behinderung tritt in den Hintergrund.

Die OBA der Lebenshilfe München hat deshalb sehr früh einen eigenen Musikraum (Bandproberaum) mit Schallschutz und ein wenig Technik eingerichtet. Hier trifft sich die neu gegründete OBA-Band „ the orchestra extrange“. Menschen mit und ohne Behinderung machen hier zusammen Musik. Das ist gelebte und hörbare Inklusion. Leider ist der Proberaum ziemlich marode, in ‚die Jahre gekommen‘ und muss dringend renoviert werden.

Die „Blue Delphin“ kann sich hören und sehen lassen! Foto: 2013/ Marienplatz München/ gsp

Ins Rennen um den 50.000 Euro Preis als Werte-Botschafter gehen Vereine und Initiativen aus den Bereichen Soziales, Umwelt und Tierschutz. Geben Sie der Lebenshilfe München ihre Stimme. Werden auch Sie ein Werte-Botschafter. Erzählen Sie ihren Freunden, der Familie vom Online-Voting – denn jede Stimme zählt! Teilen Sie mit Social-Media auf Facebook, Twitter, etc.

Voten Sie mit bis 30. April – Hier geht’s zum Voting:
https://www.werte-botschafter.de

Mitglieder der Jury sind:
Der bayerische Schauspieler Ferdinand Hofer, die Kabarettistin Christine Eixenberger, der Moderator Achim Bogdahn, die Geschäftsführerin des Münchner Klimaherbstes, Mona Fuchs, Dr. Barbara Nazarewska vom Münchner Merkur, Ralf Müller als Vorstandsmitglied der Sparda-Bank München eG und Christine Miedl, Direktorin der Unternehmenskommunikation der Sparda-Bank München eG.

Voten Sie für die OBA der Lebenshilfe München.
Hier geht’s direkt zur Teilnahme:

https://www.werte-botschafter.de/members/lebenshilfeoba/

Und wenn das Voten beim ersten Mal nicht gleich klappt, dann müssen Sie sich zuerst anmelden. Dazu die Email-Adresse eingeben, ihren Vor- und Nachnamen und ein persönliches Passwort.

Als Bestätigung ihrer Daten erhalten Sie eine Email mit einem Link. Mit einem Klick auf diesen Link kommen sie zur Anmeldung. Hier wieder ihren Namen bzw. Email eingeben und ihr Passwort.

Jetzt kann das Voten beginnen.

Ausbildung bei der Lebenshilfe München

Mit 370 fest angestellten Mitarbeitern und 500 ehrenamtlichen Kräften ist die Lebenshilfe München auch ein Arbeitgeber und ebenso ein Ausbildungsbetrieb. Jetzt haben sich fünf Auszubildende für den Beruf des Heilerziehungspflegers (HeP) der ‚Lebenshilfe Wohnen GmbH‘ und ihre Mentoren (siehe Bericht) zu einem ersten Schüler- und Auszubildendentag getroffen, um Erwartungen, Ziele und Perspektiven miteinander abzustimmen. Mit dabei war auch Bereichsleiter René Pfeifer. Für ihn ist eine gut strukturierte und fachlich hochwertige Ausbildung wichtig und ein entscheidender Zukunftsfaktor.

„Nur so, wenn wir den jungen Menschen eine berufliche Perspektive und ein gutes Umfeld bieten, werden wir dem Fachkräftemangel der nächsten Jahre begegnen können. Deswegen ist es Ziel und Aufgabe der Lebenshilfe Wohnen GmbH ein verlässlicher Partner für die SchülerInnen und Schulen zu sein.“

Professionalisierung und Weiterbildung

Vor allem aber war das jüngste Treffen für die Auszubildenden selbst ein wichtiger Schritt, denn die Lebenshilfe Wohnen GmbH ist auf 10 Standorte in Stadt und Landkreis München verteilt, meist in kleinere Wohngruppen von 9 bis 16 Personen. So stehen die Auszubildenden untereinander häufig für längere Zeit nicht im persönlichen Kontakt mit ihren Azubi-Kollegen. Gemeinsamer Austausch aber hilft mit beruflichen Herausforderungen richtig umzugehen. Sie alle sind keine beruflichen Neueinsteiger, sondern haben bereits eine Ausbildung und/oder berufliche Praxis. Der Beruf des Heilerziehungspflegers ist eine Weiterqualifikation und mancher schafft anschließend noch ein Studium zum Heil- oder Sozialpädagogen.

Mentoren geben praktische Hilfen

Einen wichtigen Teil daran leisten auch die Mentoren. Das sind Kollegen mit einer Weiterbildung zum Mentor/ zur Mentorin. Sie haben den nötigen Abstand zur Ausbildung und wissen um die Besonderheiten, die dieser Beruf mit sich bringt, nämlich die Assistenz, Beratung, Begleitung, Pflege und Bildung von Menschen mit Beeinträchtigungen. Wie kaum ein anderer Beruf aber ist in der Heilerziehungspflege-Ausbildung über die Aneignung von Personal-, Fach- und Handlungskompetenzen hinaus, eine durchgängige Auseinandersetzung mit der eigenen Person sowie mit berufsethischen Fragestellungen unerlässlich.

Petra Loncar koordiniert die Ausbildung

Darum ist auch die Zusammenarbeit mit der Akademie Schönbrunn und der HeP-Schule in Wolfratshausen wichtiger Teil der neuen Initiative der Lebenshilfe München zur Optimierung der Ausbildung. Neue Ausbildungskoordinatorin ist die Pädagogin Petra Loncar. Sie koordiniert die Ausbildung im Betrieb, etwa auch zwischen Mentoren und Schülern und bleibt Ansprechpartner. Sie wird auch innerbetriebliche Veranstaltungen für die Auszubildenden organisieren und sicher auch einen nächsten Schüler- und Auszubildendentag, da der erste Schülertag von allen Beteiligten sehr positiv angenommen wurde.

Dialog statt Hierarchien

Ein wichtiger Part ist ebenso die Zusammenarbeit mit den Fachschulen für Heilerziehungspflege. „Hier kommen neue, fachlich moderne Impulse und insgesamt geht es immer um die Sicherung und Erhöhung der Ausbildungsqualität. Als Lebenshilfe München wollen wir darüber hinaus das Berufsbild des Heilerziehungspflegers stärker in die Öffentlichkeit und in die Regelschulen oder Gymnasien bringen“, erklärt René Pfeifer. Ein Thema des ersten Schüler- und Auszubildendentag war auch die Kommunikation innerhalb der Betreuungsteams und der Wohnen GmbH allgemein. „Es muss die Bereitschaft zum Dialog bleiben. Auszubildende müssen den Mut und das Selbstbewusstsein haben Sachverhalte aktiv anzusprechen, etwa wenn sie aus der Schule einen anderen, unter Umständen moderneren Wissensstand mitbringen“, ergänzt der Bereichsleiter. „Dies ist für uns ein wichtiger Faktor für Nachhaltigkeit. Das Konzept muss an die Einrichtung und Bewohner angepasst, also individuell sein, als auch modernen heilpädagogischen Erwartungen gerecht werden. Wir wollen als Wohnen GmbH die Betreuungs- und Assistenzsettings für alle Einrichtungen der Wohnen GmbH weiterentwickeln.“

Lesen Sie dazu auch:

„Modernisierung ist ein dynamischer Prozess“ – hier geht’s zum Link:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2017/12/06/modernisierung-ist-ein-dynamischer-prozess

„Heilerziehungspfleger schätzen die Mentorenausbildung“ – hier geht’s zum Link:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2017/11/13/heilerziehungspfleger-schaetzen-die-mentoren-ausbildung/

Stadtrat bei der Lebenshilfe in Unterschleißheim

Bürgermeister Christoph Böck und Altlandrätin Johanna Rumschöttel zu Besuch bei der Lebenshilfe-Wohngruppe in Unterschleißheim

Das neue Zuhause der Lebenshilfe-Wohngruppe ‚Willinger Weg‘ in einem Seniorenzentrum des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Unterschleißheim, gestaltet sich immer mehr zu einem Glücksfall. Um sich selbst ein Bild zu machen, besuchten der 1. Bürgermeister Christoph Böck und der 2. Bürgermeister Stefan Krimmer die Einrichtung im vierten Stock des „Haus am Valentinspark“. Begleitet wurden sie von einigen Stadträten, sowie der Senioren und Behindertenbeauftragten von Unterschleißheim. Auch Astrid Filtz, Einrichtungsleitung des Pflege- und Seniorenzentrum Haus am Valentinspark, war neugierig auf die neuen Bewohner in dem Komplex und ihr Zusammenleben.

Alt und Jung unter einem Dach

Wie gestaltet sich das Miteinander einer Wohngruppe von Menschen mit geistiger Behinderung, in das Gebäude eines großen Seniorenzentrums zu integrieren. Könnte es Modellcharakter haben? Dabei sind die Einrichtungen unabhängig voneinander und die Lebenshilfe-Wohngruppe in einem eigenem Bereich völlig autark für sich, mit einer sehr großzügigen hellen Küche und Gemeinschaftsraum. Die Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe München, Altlandrätin Johanna Rumschöttel, war sich vom ersten Tag an sicher, die richtige Entscheidung zum Wohle der Bewohner getroffen zu haben. Auch für die Betreiber der Einrichtung ist die Kooperation positiv. Den Weg dazu geebnet hat letztlich auch Johanna Rumschöttel mit ihren Kontakten zu beiden Sozialträgern.

Schöne Ausblicke und helle Räume

„Ich kenne die Einrichtung noch sehr gut aus meiner Zeit als Landrätin. Es ist ein sehr moderner, offener und vor allem behindertengerechter Gebäudekomplex. Das Umfeld ist gut mit Geschäften in direkter Nähe und die Lage zentrumsnah.“ Sie lag mit ihrer Einschätzung völlig richtig, denn auch die Bewohner selbst freuen sich über ihre Zimmer. Es sind große und helle Räume mit Nasszelle (Dusche und WC). Der Ausblick vom 4. Stock, über die Dächer der Siedlung hinweg ist ebenfalls schön und lädt zum Verweilen ein.

Für Unterschleißheim ein echter Gewinn

Die Stadt Unterschleißheim und ihre Vertreter freuen sich über die gefundene gute Lösung, so ist das „Haus am Valentinspark“ wieder gut ausgelastet. Die Bürgermeister Böck und Krimmer wünschen den zehn neuen Bürgern ein gutes Einleben in der Stadt und freuen sich mit ihnen über ihr schönes neues Zuhause. Die Zimmer sind mit dem ganz persönlichem Interieur der Bewohner aus dem Willinger Weg eingerichtet und gestaltet worden, soweit dies möglich war.

Wie gestaltet sich der Alltag?

Zum Besuch der Bürgermeister und des Stadtrates war auch die Lebenshilfe München mit Geschäftsführer Peter Puhlmann, Bereichsleiter Renè Pfeifer, Einrichtungsleiterin Birgit Fleischmann und Altlandrätin Johanna Rumschöttel vor Ort. Viele Eindrücke und Fragen wurden in persönlichen Gesprächen vertieft. Wie etwa ist der Ablauf des Alltags für die Bewohner? Wie selbständig und autark sind sie? Sind alle in den Lebenshilfe-Werkstätten berufstätig und wie ist der Hol- und Bringdienst organisiert? Wird die Wäsche gewaschen, für alle gekocht und andere lebenspraktischen Fragen wurden ausgetauscht. (gsp)

Ude gestaltet Abend für die Lebenshilfe

Rechts im Bild Christian Ude und Dr. Gertraud Burkert. Zwei, die sich sehr gut kennen, von 1993 bis 2005 standen sie gemeinsam an der Spitze der Münchner Stadtpolitik. Christian Ude als Oberbürgermeister (bis 2014) und Dr. Gertraud Burkert als zweite Bürgermeisterin. Dr. Gertraud Burkert engagiert sich seit vielen Jahren im Kuratorium der Lebenshilfe München. Foto: Gerd Spranger

Christian Ude, bis 2014 Oberbürgermeister von München, gestaltete am Freitag einen Kabarettabend für die Lebenshilfe München. Eingeladen hatte dazu die Stiftung der Lebenshilfe München und der gesamte Erlös kommt Menschen mit geistiger Behinderung zugute. Ude selbst legt Wert darauf, kein Kabarettist zu sein. „Ich erzähle Geschichten, bin ein Geschichtenerzähler“, erklärt er. Und das macht er gut, unterhielt im vollbesetzten Saal des Wolf Ferrari Haus in Ottobrunn zweit Stunden lang plus Zugabe ein begeistertes Publikum.

Lesen Sie demnächst mehr Geschichten von Christian Ude unter dem Motto „Öha! und andere Geschichten aus dem Leben eines Oberbürgermeisters-

Florian der Thailandflieger

Unter seinen Freunden trägt er den Spitznamen ‚Der Thailandflieger‘.
Für sie ist eine so weite Flug- und Urlaubsreise etwas ganz Besonderes.
Florian und viele seiner Freunde nämlich sind Menschen mit geistiger Behinderung.
Sie brauchen Unterstützung durch einen Angehörigen oder einen Reisebegleiter.
Bei Florian ist es sein Vater, der ihn seit vielen Jahren mit nach Thailand nimmt.

Dieses Jahr waren sie mit der Eisenbahn, einer kleinen ‚Tschuk-Tschuk‘, unterwegs. Die Züge in Thailand werden von alten Dieselloks gezogen und fahren in einem eher gemächlichen Tempo. Für Florian eine ideale Reiseform, denn er liebt die Eisenbahn. Sein selbst gedrehter Videofilm hat so auch weniger die Landschaft, als den Zug selbst, das Rattern auf den Schienen und sonstige typische Zuggeräusche zum Inhalt. Und Insider schwören; „hier bekommt ihr das wirkliche Thailand geboten.“ Unterwegs steigen ‚fliegende Händler‘ zu und man bekommt allerlei Waren angeboten und gutes Essen.   Weiterlesen

Kinder sind unsere Zukunft

Seit jeher legt die Lebenshilfe ihren Focus stark auf das Wohl der Kinder, was allein schon an den vier Einrichtungen der Frühförderung in München deutlich wird. Im ganzen Leben gibt es keine bessere Zeitspanne, als in den ersten sechs Jahre die Entwicklung eines Menschen zu fördern. Bei Menschen mit Behinderung ist dieses Zeitfenster besonders wichtig. Was hier versäumt, kann in späteren Jahren meist nicht mehr aufgeholt werden.

„Vom anderen Ende her denken“

Die Lebenshilfe München will hier einen weiteren, konsequenten Schritt gehen, wie Sabine Refle erläutert. „Bislang erfolgt die Umsetzung eines integrativen Kindergartens meist, indem in einem Regelkindergarten zwei bis drei Kinder mit Behinderung aufgenommen und in die Gruppe integriert werden sollen. Wir überlegen aktuell, ob wir dieses Modell mehr im Sinne von Menschen mit Behinderung gestalten können.“   Weiterlesen

Angehörige von Menschen mit Behinderung sind verunsichert

Interview mit Margret Meyer-Brauns von der Angehörigenberatung der Lebenshilfe München

Viele Angehörige von Menschen mit Behinderung sind verunsichert –
Sie sind zukünftig von neuen Gesetzgebungen betroffen

(gsp) In der Presse lesen wir immer wieder über das neue Bundesteilhabegesetz, und auch das seit Januar 2017 geltende Pflegestärkungsgesetz II ist immer wieder Thema. Es war ein langer Weg der großen Koalition, der Kassen und der Sozialverbände, im Schaffen von rechtlichen Grundlagen für betroffene Menschen, für Menschen mit einem Anspruch auf Hilfe und Leistungen. Auch die Dachorganisationen der Lebenshilfe haben sich in diesem Prozess über Jahre engagiert, bis heute. Die neuen Gesetze sollen zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen beitragen.

Speziell in München bietet die Lebenshilfe eine wöchentliche Beratung für Betroffene, für ihre Angehörigen oder ihren rechtlichen Betreuer und das seit 45 Jahren. Einmal im Jahr organisiert die Beratung der Lebenshilfe München ein Tagesseminar zum Sozialrecht mit Jürgen Greß. Das Seminar des erfahrenen Fachanwalts für Sozialrecht ist immer ausgebucht.

Margret Meyer-Brauns von der Angehörigenberatung der Lebenshilfe München / Foto: gsp

Die umfassende und kompakte Information zu den von der Gesetzgebung berührten Lebensbereichen nutzen immer viele Teilnehmer um sich fortzubilden. Darunter auch immer wieder Interessierte aus anderen Organisationen der Behindertenhilfe, wie auch Behörden, die mit der speziellen Thematik tagtäglich betraut sind.   Weiterlesen

Die HPT Unterhaching freut sich auf ein Ende des Provisoriums

Seit September ist die HPT, die Heilpädagogische Tagesstätte der Lebenshilfe München, sowie das ‚Förderzentrum für geistige Entwicklung‘ in Unterhaching in ihren neuen Räumen, verfügt über 12 Gruppenräume und 30 Funktionsräume. Es ist eigentlich die Rückkehr in die alten Räume, die vom Landkreis München mit einem hohen finanziellen Aufwand von Grund auf saniert wurden und Teil des Gesamtprojektes Hachinger Talschule sind.

Es stehen nur noch Reste der alten Gebäude. Links die sanierten Gebäude und im Hintergrund die Hachinger Talschule. Das Freigelände wird neu angelegt und im Untergrund eine Tiefgarage gebaut.

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Pränataldiagnostik: ein wichtiges Beratungsangebot der Lebenshilfe München

Mit der Einrichtung einer Beratungsstelle für junge Eltern, die ein Kind mit einer auffälligen Diagnose erwarten, hat die Lebenshilfe München bereits vor zehn Jahren ein klares Votum für das ungeborene Leben mit Behinderung abgegeben. Inzwischen nutzten zunehmend häufig werdende Eltern die Kompetenz dieser Einrichtung.

In ihren Gesprächen erlebt Ansprechpartnerin, Margret Meyer-Brauns, dass die vielfältigen und zunehmend präzisen Methoden der Pränataldiagnostik für schwangere Frauen eine große Herausforderung darstellen. Für sie ist die Sehnsucht nach einem gesunden Kind häufig vermischt mit der Hoffnung, schon vor der Geburt eventuelle Probleme zu erkennen und – wenn möglich – zu heilen. Diese positive Seite der Pränataldiagnostik kontrastiert dann damit, dass vielleicht doch eine genetische Besonderheit, eine mögliche Behinderung oder eine Krankheit in der Schwangerschaft gefunden wird. Dann stellen sich ganz wesentliche Fragen wie: „Schaffe ich das überhaupt?“ oder „Was sagt die Umgebung dazu, wenn ich das Kind dennoch zur Welt bringe?“   Weiterlesen

„Modernisierung ist ein dynamischer Prozess“

Bereichsleiter Wohnen René Pfeifer sieht viel Potential

René Pfeifer ist seit September 2017 verantwortlich für den Bereich Wohnen bei der Lebenshilfe München. Er betreut vier Einrichtungen (München West, München Mitte, München Süd und München Land). 220 Menschen mit Behinderung leben dort an 12 verschiedenen Standorten zusammen und werden von ca. 150 Mitarbeiter (Erziehern, Heilerziehungspflegern und Zweitkräften) betreut. Er will einerseits Strukturen flexibler, durchlässiger gestalten und anderseits auch in den Einrichtungen selbst klarere Verantwortlichkeiten schaffen. Das klingt gut, doch was meint der Magister der Pädagogik und Psychologie damit?

Besondere Lebens-Umstände in München

„Wir müssen in der Besetzung mit Fachpersonal die besonderen Umstände hier in München berücksichtigen. Es ist leider Realität, dass man mit einer Halbtagsstelle und selbst mit einer Beschäftigung auf 30-Stunden-Basis nur schwer sein Auskommen in der Metropole findet. Und das ist natürlich eine wichtige Voraussetzung für ein langfristiges berufliches Engagement bei der Lebenshilfe München, für eine gute fachliche und fördernde Begleitung von Menschen mit geistiger Behinderung.“

Flexibel über die Einrichtungen hinweg

René Pfeifer ist der neue Leiter für den Bereich Wohnen bei der Lebenshilfe München

Dabei sind die Zahl der Stellen und der Spielraum an zu leistenden Stunden im Betreuungs-Schlüssel eng gefasst. Dem Leistungserbringer – in dem Fall die Lebenshilfe München – bleibt so wenig Spielraum. Mit einer organisatorisch und stadtteilbezogen Zusammenlegung von Wohngruppen zu eigenen Organisations-Einheiten mit einer verantwortlichen Leitung für Mitte, West, Süd/Stadt und Süd/Land begann man bereits vor fünf Jahren. „So ist es jetzt möglich, dass eine Betreuerin/ ein Betreuer in mehreren Einrichtungen ein gewisses Kontingent an Stunden leistet, so dass er insgesamt flexibler einsetzbar ist. Er kann dann mehr Stunden im Rahmen der direkten Bewohner-Betreuung leisten“, erklärt René Pfeifer.  Weiterlesen