Wer ist behindert?

Kleine IMPULSE 1. von drei Folgen / Kleine IMPULSE

Die Stadt München will ihre Familien fördern und sich gegen die Ausgrenzung von Menschen stellen. Ein weiterer Baustein zum erklärten Willen ist die neue Erhebung „Familienleben mit Handicap“. Sie hat in jahrelangen Studien und Erhebungen die Alltagssituation von Münchner Familien mit Kindern mit Behinderungen beleuchtet und knüpft an einen „Basisfamilienbericht“ aus dem Jahr 2011 an. Konkrete Handlungsanregungen aus der Erhebung sollen als Ausgangspunkt für vertiefende Stadtratsbeschlüsse dienen.

In einer losten Folge nehmen wir einige Themen des Münchner Familienberichts auf und möchten damit Impulse geben. Umfassend informiert die Erhebung „Familienleben mit Handicap“ auf 247 Seiten. Den Link dazu finden Sie am Ende des Beitrages.

Klassische Bilder durchbrechen

Wenn wir von Menschen mit Behinderung sprechen oder hören, denken die Meisten wohl an das klassische Bild einer körperlichen oder geistigen Behinderung. Und diese Behinderung ist meistens angeboren. Dazu kommt eine weitere Gruppe von Personen, die nach einem Unfall bleibend geschädigt sind. Dieses Bild aber ist zu kurz gegriffen, denn zunehmend sind auch Senioren im Alltag eingeschränkt und immer mehr Menschen leiden an psychischen Beeinträchtigungen, die von einer Lernschwäche bis hin zu Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen – die aber nicht als behindert oder schwerbehindert anerkannt sind – reichen.

UN-Konvention ist wegweisend

Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto größer und komplexer wird das Bild. Der Münchner Bericht „Familienleben mit Handicap“ setzt darüber hinaus noch einen ganz anderen Impuls. Er verbindet die Familienfreundlichkeit der Landeshauptstadt München mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) über den Aktionsplan „München wird inklusiv“. Dabei sei die BRK von zentraler Bedeutung, „denn sie verdeutlicht, dass es nicht um Sonderrechte für Menschen mit Behinderungen geht. Sie können nicht zur Diskussion gestellt werden im Sinne von ‚Wie viel Inklusion will sich diese Gesellschaft leisten?“

Behindert werden oder sein?

Ein griffiger Slogen heißt darum, „der Mensch ist nicht behindert, er wird behindert“. Behindert von den Umständen, von dem Lebensumfeld, von äußeren Hürden (Barrierefreiheit) und von Ausgrenzung. 100 kleine und große Dinge des Alltags, wie es Betroffene täglich erleben. Dabei zeigen gerade Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung, wie Menschen über sich hinaus wachsen können, außergewöhnliches leisten.“

Inklusion verlangt nach Investition

So heißt es in der Münchner Studie: „Es ist auch die Schließung einer Förderschule längst noch kein Akt der Inklusion, wenn anschließend die Regelschule den Kindern mit und ohne Behinderungen nicht die Bedingungen für individuell erfolgreiches Lernen bietet. Inklusion heißt nicht, Menschen mit Behinderungen in ein ansonsten gleichbleibendes System des Bestehenden einzubinden.“ Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass „es normal ist, verschieden zu sein. Oft sind es die Lebensverhältnisse, die Menschen behindern und nicht ihre Einschränkungen. Eine Behinderung entsteht erst durch Benachteiligung.“

In München 148.000 Menschen mit Behinderung

Zum Jahresende 2015 ist in der Landeshauptstadt München bei 147.935 Menschen eine Behinderung anerkannt (GdB 30 bis 100). Dies entspricht einem Anteil von knapp 10 Prozent an der gesamten Münchner Bevölkerung. Diese Quote ist in den letzten Jahren leicht rückläufig. Anderseits wird eingeschränkt, dass Aufgrund der komplizierten Datenlage nicht exakt gesagt werden kann, wie viele Kinder mit Behinderungen in München leben. Es müsse nämlich jeweils sehr genau hingeschaut werden, was die Daten widerspiegeln. Ein Beispiel: Nicht alle jungen Menschen, die spezielle Förderung erhalten, tauchen in der Behindertenstrukturstatistik auf. Dort finden sich nur diejenigen, die auf Antrag einen Behindertenausweis erhalten haben. Umgekehrt bekommen nicht alle Kinder und Jugendlichen mit amtlichem Behindertenstatus eine Spezialförderung.

Der Link zum Familienbericht:
https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Sozialreferat/Jugendamt/Familie/Familienbericht_2016.html

Ein selbstbestimmtes Leben führen

Menschen begleiten und fördern hin zu mehr Verantwortung

Christian Kerler ist Koordinator bei der Lebenshilfe München für den Bereich ‚Wohnen‘. Er freut sich über die geplante Modernisierung von drei alten Wohnhäusern des Elternvereins in München. „Es leben dort 40 Menschen mit geistiger Behinderung in stationärer Betreuung und das seit 30, 40 Jahren. Was damals ‚guter Standard‘ war, ist heute rückständig. Ich freue mich darum auf große helle Zimmer mit Dusche und WC, auf Barrierefreiheit und einer möglichen Betreuung rund um die Uhr. Wir können sie in einer Einrichtung mit 24 Plätzen anbieten. Das ist für die hier lebenden Menschen ein echter Gewinn.“  Weiterlesen

Immer mehr Menschen mit geistiger Behinderung ambulant betreut

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Vertrauen aufbauen, helfen, da sein mit der Lebenshilfe München

MÜNCHEN: Bei der Lebenshilfe München wird heute jeder fünfte Bewohner der Einrichtungen nur noch ambulant betreut, vor wenigen Jahren war es nur jeder achte. Dabei wohnen die ’stationär betreuten Menschen‘ mit geistiger Behinderung in einer der elf Wohnstätten der Lebenshilfe München in Stadt und Landkreis München. ‚Ambulant betreut‘ wird im häuslichen Umfeld oder seit Frühjahr auch in betreuten Wohngemeinschaften. In die ambulante Betreuung werden zunehmend auch Menschen mit seelisch-psychischen Herausforderungen einbezogen. Sie haben gute Chancen bei unterstützender Hilfe und Betreuung, ihre Lebenskrisen zu überwinden und zu einem selbständigen Leben zurück zu finden.  Weiterlesen

Kreuzfahrt mit der Lebenshilfe München

Eine Schifffahrt die ist lustig, eine Schifffahrt die ist schön!

Spätestens seit den 80er-Jahren, als das Traumschiff erstmals im TV zu sehen war, erleben Urlaube auf Schiffen einen Boom und werden immer beliebter. Auch preislich sind die Angebote mit einem Hotelurlaub in gehobenen Standard vergleichbar. Geboten wird ‚auf Deck‘ alles was das Herz begehrt. Jetzt ist auch die Lebenshilfe München erstmals auf Kreuzfahrt gegangen. Harry Zipf, Leiter der Offenen Dienste und der OBA, ging mit zwei Betreuern und acht Menschen mit Behinderung auf große Reise durch das Mittelmeer, von Malta nach Griechenland und über Macedonien nach Kroatien.

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Auf Kreuzfahrt mit der Lebenshilfe München von Malta nach Griechenland und über Macedonien nach Kroatien mit viel Spaß und besten Freizeitangeboten  

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Menschen mit Behinderung auf das Leben vorbereiten

– Betreute Wohngruppen und ambulante Versorgung
– Die Lebenshilfe München hilft bei der Vorbereitung

Die zwischen 1978 und 1988 eröffneten Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München haben Menschen mit geistiger Behinderung bereits sehr früh ein weitgehend selbständiges Leben ermöglicht. Heute stehen sie vor einem grundlegenden Wandel. Sie sind nicht behindertengerecht und für eine engmaschige Betreuung sind sie mit sechs bis zwölf Bewohnern zu klein.

Peter Puhlmann, Geschäftsführer der Lebenshilfe München: „Das heißt in der Konsequenz, dass eine Wohngruppe aus 24 Personen bestehen muss, um rund um die Uhr einen Betreuer/eine Betreuerin stellen zu können. Darüber hinaus brauchen unsere Rentner eine fördernde Tagesstruktur. Diese Vorgaben stellt der Kostenträger, der Bezirk Oberbayern. Im Sinne der Inklusion wird die Selbständigkeit von Menschen mit Behinderung mit einer begleitenden ambulanten Betreuung gefördert. Ziel des ambulant unterstützten Wohnens – wie etwa in der Landsberger Straße – ist es, die Menschen in ihrer Lebensgestaltung dahingehend zu unterstützen, dass sie entsprechend ihrer individuellen Wünsche und Fähigkeiten so selbständig wie möglich in einer eigenen Wohnung leben können.“   Weiterlesen