Florian Hahn MdB vor Ort bei der Lebenshilfe in Putzbrunn

Was bedeutet die Corona-Krise für die Lebenshilfe München e.V. und die Menschen, die dort arbeiten oder betreut werden? Davon hat sich der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Stiftung Lebenshilfe München, Florian Hahn, vor Ort in Putzbrunn bei einem Gespräch mit Geschäftsführer Peter Puhlmann ein Bild gemacht.

Florian Hahn MdB, Vorsitzender der Stiftung Lebenshilfe München, im Gespräch mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann.

Florian Hahn MdB, Vorsitzender der Stiftung Lebenshilfe München, im Gespräch mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann.

Während die Werkstätten derzeit geschlossen sind, läuft der Betrieb in den Wohnstätten sehr gut weiter. „Es freut mich, dass die Wohnstätten bisher von Corona verschont geblieben sind – Gott sei Dank“, so Hahn. Viele andere Angebote wie die der Heilpädagogischen Tagesstätten könnten im Moment nicht voll geleistet werden – eine Belastung für diejenigen, die diese dringend wahrnehmen wollen würden, und natürlich für die Mitarbeiter, die nun meist in Kurzarbeit seien, betont der Stiftungsvorsitzende. Geschäftsführer Puhlmann lobte indes das Landratsamt München, dass die Lebenshilfe so hervorragend mit Schutzmaterialien ausgerüstet habe, obwohl allerseits Mangel daran herrsche.

„2020 wäre eigentlich auch ohne Corona ein besonderes Jahr für die Lebenshilfe München: Sie begeht ihr 60-jähriges Bestehen. Auch wenn ihren Einrichtungen mit ihren Mitarbeitern im Moment viel abverlangt wird, bin ich nicht zuletzt als Vorsitzender der Stiftung Lebenshilfe München optimistisch, dass sie die Krise meistern wird!“, gibt sich Hahn positiv. Um auch künftig handlungsfähig zu sein, habe er übrigens veranlasst, dass die Stiftungsratssitzungen bis auf Weiteres per Videokonferenz stattfinden sollen.

Mehr zur aktuellen Situation in Putzbrunn
lesen Sie hier: https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2020/04/21/die-krise-meistern-auch-im-zusammenleben/

Die Krise meistern, auch im Zusammenleben

In der Wohneinrichtung der Lebenshilfe München in Putzbrunn leben 51 Menschen mit geistiger Behinderung zusammen, auch in der Corona-Krise. „Sechs Bewohner haben die Eltern zu sich nach Hause geholt. Sie sind wegen der ganzen Situation verunsichert“, informiert Einrichtungsleiterin Renate Bauer. In normalen Zeiten sind die Bewohner tagsüber in den Lebenshilfe-Werkstätten und Förderstätten beschäftigt, die in Putzbrunn gleich gegenüber der Einrichtung liegen. Es herrscht ein reger Austausch über Freunde und Bekannte, dem Sportverein und selbst in der TENE, eine Gruppe von älteren Menschen, zu der auch ‚Auswärtige‘ kommen. Nicht so in Zeiten des Virus Covid-19.

Menschen mit geistiger Behinderung
verstehen die Situation mitunter nicht

„Den Bewohnern fehlt mitunter auch das Verständnis, sie verstehen die Situation nicht“, erklärt Renate Bauer. „Scheiß Corona“ ist zu einem geflügelten Wort geworden und muss für vieles herhalten. Glücklicherweise verfügt die Lebenshilfe-Einrichtung in Putzbrunn über einen eigenen Garten und eine große Terrasse, so dass Spazierengehen immer möglich ist. Man gehe gut mit der Situation um, auch die MitarbeiterInnen, versichert die Einrichtungsleiterin, denn die Gefahr einer Übertragung und Ansteckung ist in der Corona-Krise immer präsent.“

Foto: Ein großes DANKE für alle Hilfe von Freunden, Nachbarn, und Angehörigen sagen die Bewohner der Lebenshilfe-Einrichtung in Putzbrunn.

Die Anteilnahme ist groß – Viele wollen helfen

Freude herrscht über die große Anteilnahme von Angehörigen und einem großen Freundeskreis der Einrichtung. „Wir bekommen fast täglich Anfragen, ob man uns irgendwie helfen kann. Sehr gefreut haben wir uns über handgenähte Schutzmasken, die wir in der Einrichtung natürlich sehr gut gebrauchen können. Auch Kuchen werden vorbei gebracht und andere Kleinigkeiten.“ Renate Bauer sieht in der Größe der Einrichtung einen Vorteil. „Wir müssen jetzt ja rund um die Uhr betreuen. Das braucht Personalkapazitäten, auf die wir jetzt zurück greifen können. Andere Dienste entfallen, wie etwa die TENE oder Mitarbeiter die sonst anderweitig in die Tagesstruktur eingebunden sind.“

Seit 13 März gilt
ein Besuchsverbot

Zu Spannungen führe allmählich das bei der Lebenshilfe München Wohnen GmbH bereits seit 13. März bestehende Besuchsverbot, erläutert Renate Bauer. „Sechs Wochen sind eine lange Zeit. Sechs Wochen keine Familie, Freunde, Angehörige und Betreuer sehen. Zudem dürfen die Bewohner am Wochenende nicht heimfahren, was die Situation für uns als Einrichtung nicht erleichtert. Langsam macht sich Ungeduld bemerkbar. Es wird öffentlich von vorsichtigen Corona-Lockerungen, wie etwa die von Ladenöffnungen gesprochen, doch die Menschen mit Behinderung bleiben isoliert. Da wird das Besuchsverbot natürlich neu hinterfragt. Uns ist klar, dass dies für alle Eltern und auch für unsere BewohnerInnen eine immense Belastung ist, die Vermeidung eines Infektionsgeschehens hat aber höchste Priorität. “

Schutzmaßnahmen gelten auch in den Einrichtungen

Selbstverständlich gelten seit Wochen in der Lebenshilfe-Einrichtung in Putzbrunn die Schutzmaßnahmen. Häufiges Händewaschen, Abstand halten, geschütztes Niesen und Mundschutz tragen. Im Gemeinschaftsraum etwa wurde die Zahl der Sitzplätze halbiert und es essen nicht alle gemeinsam, sondern in zwei, drei Gruppen, man geht auf Abstand. Was die anderen Wohngruppen in den Lebenshilfe-Wohnen GmbH betrifft gibt René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen, ein optimistisches Bild:

„Im Moment, am 21. April 2020, haben wir eine stabile Personalsituation in allen Wohngemeinschaften und Wohnstätten. Bei Bedarf können wir auf Mitarbeiter aus anderen Bereichen zurückgreifen. Natürlich mussten wir im ‚Gemeinschaftlichen Wohnen‘ vieles umstellen und der speziellen Situation anpassen. Alle Werkstätten sind geschlossen und zusätzlich müssen die Ausgangsbeschränkungen strikt eingehalten werden. Es gilt nun neben der Prävention eines möglichen Ausbruchsgeschehens, einem ‚Corona-Lagerkoller‘ vorzubeugen. Im ambulant betreuten Einzelwohnen unterstützen wir vor allem telefonisch und können so gut helfen. Bei unseren betreuten Wohngemeinschaften sind die Mitarbeiter auch am Wochenende vor Ort, es herrscht immer Gesprächsbedarf.“

Alle Mitarbeiter 
leisten Großartiges!

„Die Situation rund um die Ausgangs- und Besuchsverbote wird nicht immer verstanden und sind für viele Bewohner logisch nicht nachzuvollziehen“, erklärt René Pfeifer und ergänzt: „Pädagogische Gespräche sind mehr denn je gefragt. Alle unsere Mitarbeiter vor Ort leisten derzeit großartige Arbeit. Dem verantwortungsvollen Engagement, dem hohen Maß an Professionalität und auch Mut, gilt es höchsten Respekt zu zollen. Ich bedanke mich ausdrücklich bei allen Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe in den Wohngemeinschaften und Wohnstätten.“

Lebenshilfe Werkstätten bleiben bis zum 03. Mai geschlossen

Auch bei den Werkstätten der Lebenshilfe tagt täglich der Krisenstab. Aktuell wurden alle Mitarbeiter der Werkstätten und Beschäftigte in den Förderstätten sowie ihre Angehörigen darüber informiert, dass auch die Lebenshilfe Werkstatt bis 3. Mai 2020 geschlossen hat.

Hier im Wortlaut: „Die bayerische Staatsregierung hat entschieden, die Werkstätten und Förderstätten in Bayern und damit auch die Lebenshilfe Werkstatt München vorübergehend bis 3. Mai 2020 zu schließen.“

Berufsbildungsbereich

Für den Berufsbildungsbereich bieten die Einrichtungen ein virtuelles Lernangebot an. Bildungsbegleiter nehmen dazu telefonisch Kontakt mit den Teilnehmern des Berufsbildungsbereichs auf.

Betreuung in Notgruppen

Die Lebenshilfe Werkstätten bieten eine Betreuung der Menschen mit Behinderung in Notgruppen an, wenn die Betreuung daheim nicht sichergestellt ist. Bei Fragen dazu wird gebeten, sich zu den gewohnten Öffnungszeiten telefonisch mit Ihrem zuständigen sozialpädagogischen Fachdienst in Verbindung zu setzen.

Weitere Infos:

Über die Wiederaufnahme der Betreuung und Beschäftigung informieren die Lebenshilfe-Werkstätten frühzeitig schriftlich, sowie über die Homepage www.lhw-muc.de und über die Telefonnummer 089-71008 85.

„In der Zwischenzeit erarbeiten wir Hygienemaßnahmen und Bedingungen zum Schutz unserer Mitarbeiter für die Fortsetzung des Werkstattbetriebs.“

Lebenshilfe München sagt DANKE

Ende März startete die Lebenshilfe München einen Aufruf zur Spende von Schutzmasken. Sie sind auch in den Lebenshilfe-Einrichtungen Mangelware. Und doch sind sie in Zeiten des Corona-Virus Covid-19 ein guter Schutz, je mehr Menschen ihn tragen. Bis Ostern wurden 500 Schutzmasken für die Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München gespendet. Die Lebenshilfe München sagt DANKE!

Viele Menschen haben sich beim Nähen von Schutzmasken für die Lebenshilfe München engagiert. Die Masken bieten in Zeiten des Cornona-Virus den Betreuern und Bewohnern der Einrichtungen Schutz vor Ansteckung.

Auch auf den nötigen Sicherheitsabstand achtet man bei der Lebenshilfe München. Ob in Videokonferenzen des Krisenstabes oder bei den Mahlzeiten. Tische werden auseinander gerückt und die Gruppen verkleinert. Das Social Distancing hilft in der Krise.

Ein herzliches „Dankeschön“ der Lebenshilfe München für die vielen Spenden an Schutzmasken. Menschen mit Behinderung sind eine besondere Risikogruppe bei der aktuellen Corona-Pandemie in Deutschland.

Ein gemütliches Beisammensitzen ist in Zeiten von Covid-19 nur mit genügend Abstand und am Besten mit Schutzmasken möglich. Das gilt für Personen, die gemeinsam in einem Haushalt leben. Hier und darüber hinaus heißt es ganz klar: Social Distancing.

Die Lebenshilfe München stellt sich den Herausforderungen der Corono-Krise. Die Werkstätten, Heilpädagogischen Tagesstätten und Einrichtungen der Frühförderung sind seit Wochen geschlossen. In den Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München aber muss die Betreuung und Versorgung aufrecht erhalten werden.

Lebenshilfe München zeigt Wege aus der Krise

Ein DANK an alle, die Schutzmasken für die Lebenshilfe München gespendet haben!

Von der allgemeinen Entwicklung der Coronakrise sind die Lebenshilfe-Einrichtungen in ganz Deutschland besonders betroffen. In einer Allgemeinverfügung des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege hieß es bereits am 17. März:

„In allen Interdisziplinären Frühförderstellen findet keine Therapie, Förderung und Beratung für Kinder und deren Familien statt, die einen unmittelbaren persönlichen Kontakt erfordert. Leistungen, die in einer auf die Situation angepassten Form (z. B. telefonisch, per E-Mail oder durch Nutzung digitaler Medien) möglich sind, können weiter erbracht werden.“

Stark eingeschränkt wurden auch alle schulvorbereitende Einrichtungen, Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflegestellen und Heilpädagogische Tagesstätten.“ So hat sich auch die Lebenshilfe München entschlossen, ab dem ersten April viele Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, um Kündigungen zu vermeiden.

Täglich tagt der Krisenstab

Der Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, bleibt auch in der Krise zuversichtlich.

Peter Puhlmann, Geschäftsführer der Lebenshilfe München, bekräftigt, dass man den Entwicklungen immer einige Tage voraus war und so auf neue Anordnungen schnell reagieren konnte. Zur Bewältigung der Herausforderungen ist seit Wochen ein eigener Krisenstab eingerichtet der sich täglich abstimmt und über die tagesaktuellen Entwicklungen in den Einrichtungen informiert.

„Das geschieht über eine Videokonferenz direkt aus dem eigenen Büro oder über Homeoffice. Der direkte Kontakt wird so vermieden.“ Der Krisenstab ist besetzt durch acht Bereichsleitungen (darunter der Pandemie-Beauftragte und die Hygiene-Beauftragte), durch den Geschäftsführer und die Vorstandsvorsitzende.

Eine eigene Quarantäne-Station

Die Quarantäne-Station der Lebenshilfe München

Selbst eine eigene Quarantäne-Station ist in der St. Quirin-Straße in der Geschäftsstelle in München-Giesing eingerichtet. Dies forderte eine staatliche Allgemeinverfügung zum Stationären Wohnen vom 03. April. „Unsere fünf FSJ-Kräfte (Freiwilliges Sozials Jahr) und Bufdis (Bundesfreiwilligendienst) konnten wir in ein Hostel ausquartieren, so dass die Einrichtung einer abgeschlossenen Station ermöglicht wurde“, erklärt Puhlmann und fügt hinzu: „Bislang haben wir innerhalb der Lebenshilfe München aber noch keinen einzigen Corona-Fall und wir hoffen das bleibt so.“

Alle von der Krise betroffen

Peter Puhlmann kommentiert die aktuelle Entwicklungen mit den Worten: „So sehr die internationale Vernetzung der Wirtschaft weltweit Wohlstand und Wachstum vorangebracht hat, so sehr wird uns jetzt deren Schattenseite klar. Es gibt kaum Branchen in Deutschland, die von der aktuellen Corona-Krise nicht betroffen sind.“

Den Alltag bewältigen

Lebenshilfe München: Kommunikation ‚aus der Ferne‘ mit Video-Konferenz in Zeiten des Corona-Virus

Die Lebenshilfe München arbeitet hart daran, aus der Krise mit einem blauen Auge herauszukommen. Bewohner wie auch Mitarbeiter müssen häufig Einsamkeit und Isolation von Familie und Freunden bewältigen, die vor allem das Leben in den Wohngruppen mit sich bringen. Peter Puhlmann sieht aber auch positive Seiten in der Krise. „Es spielen sich auch wundervolle Dinge im Miteinander der Menschen ab, die es so noch nie gab oder schon sehr lange nicht mehr gegeben hat. Stetig ist beispielsweise der Strom an selbst genähten Gesichtsmasken von freiwilligen Helfern.“

Soziale Einrichtungen müssen erhalten bleiben

Corona: Lebenshilfe Bayern begrüßt „Sozialschutz-Paket“

Menschen mit Behinderungen und ihre Familien brauchen weiterhin notwendige und zuverlässige Hilfen – in Zeiten der Corona-Krise und auch danach. Dafür müssen die seit vielen Jahrzehnten bewährten Einrichtungen und Dienste der Eingliederungshilfe erhalten bleiben. Die Lebenshilfe Bayern begrüßt, dass mit einem bundesweiten „Sozialschutz-Paket“ gemeinnützige Träger wie die Lebenshilfen finanziell abgesichert werden sollen. Nun sind konkrete Zusagen der Kostenträger nötig. Weiterlesen