Neue Leitung des Ambulanten Dienstes der Lebenshilfe

Seit Januar ist Markus Lunk der neue Leiter des ambulanten Pflegedienstes der Lebenshilfe München. Er freut sich sehr, in dem kleinen sympathischen Team neuen Herausforderung zu begegnen. Erfahrungen als Pflegedienstleiter sammelte er die letzten sechs Jahren in zwei Rehakliniken. Sein persönlicher Wunsch war es, mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten, ihnen zu helfen. Zunächst ist das kleine dreiköpfige Team im Süden von München aktiv.  

Markus Lunk leitet seit Januar 2021 den Ambulanten Pflegedienst der Lebenshilfe München

„Anfragen gibt es zwar viele, doch benötigen wir zuerst weitere Fachkräfte um aufzustocken“, erzählt er. Vor dem ersten Besuch von Klienten werden telefonisch zunächst die Bedarfe und die Region abgestimmt. Wenn alles passt, dann wird ein persönlicher Termin vereinbart. Das besondere bei der Ambulanten Pflege der Lebenshilfe München ist der Schwerpunkt auf Menschen mit Behinderung.

„Immer noch versorgen viele Eltern ihre längst erwachsenen Kinder zuhause. Mit den Jahren aber steigen die Anforderungen und hier ist Unterstützung nötig“, erklärt Harry Zipf, Leiter der Offenen Dienste. Für Markus Lunk ist die ambulante Tätigkeit neu. „In stationären Pflegeeinrichtungen ist alles geregelt, die ganze Infrastruktur steht und bei Engpässen hilft Personal aus anderen Abteilungen aus. Die ambulante Pflege stellt nochmals eigene Anforderungen. Man ist alleine vor Ort und verantwortlich für „seinen“ Pflegebedürftigen. Dafür aber ist meist ein familiäres Umfeld vorhanden oder aber – in einigen Fällen – betreuen wir auch Singles. Doch gehen wir immer in das private Umfeld. Manchmal begleiten wir die Menschen, wie etwa beim Besuch eines Arztes.“

Besondere Situationen erkennen und erklären

„Die Einschränkungen und besonderen Anforderungen an die Hygiene (AHA-Regeln) erfordert natürlich zusätzliche Maßnahmen, darauf aber sind die Menschen mittlerweile gut eingestellt“, erzählt der Pflegedienstleister. Allerdings komme es immer wieder zu besonderen Situationen. Markus Lunk erzählt von einem Arztbesuch. „Im Wartezimmer setzt der von uns Begleitete auf einmal seine Maske ab. Auf Nachfrage erklärt er, dass er erst gestern negativ auf Corona getestet wurde und damit keine Gefahr für andere mehr darstelle. Es ist dann nicht immer ganz einfach, Zusammenhänge und Notwendigkeiten zu erklären.“

Beim ambulanten Pflegedienst der Lebenshilfe München sind es die persönliche Nähe und häufig die ‚kleinen Hilfen‘, die den Unterschied ausmachen. Zudem fühlen sich die Menschen in ihrem eigenen persönlichen Umfeld einfach wohler. Es ist ein zentrales Anliegen der Lebenshilfen, Menschen nach dem Wunsch zur Selbständigkeit, wie etwa ein Leben in der eigenen Wohnung, zu unterstützen.

Warum muss es so schwierig sein?

Ein Beitrag der L.I.E.S. -.Redaktion

Der Kampf mit der Bürokratie von Nadja Lindenbeck-Menzel ist noch nicht zu Ende. Lesen Sie hier die Fortsetzung der Geschichte:

Mein Sohn (mit Down-Syndrom) wurde im Mai 2020 volljährig. Ich habe Ihnen versprochen, Sie darüber auf dem Laufenden zu halten, wie es mit dem bürokratischen Kampf und seinem Anspruch auf Grundsicherung (§ 41 SGB XII) weitergeht. Wie Sie bereits wissen, wurde mir von der zuständigen Sachbearbeiterin Frau X mehrmals telefonisch die falsche Auskunft erteilt, mein Sohn habe keinen Anspruch auf Grundsicherung.

Dank der Angehörigenberatung der Lebenshilfe München erhielt ich jedoch korrekte Informationen und Rückenstärkung. Damit ausgestattet konnte ich durchsetzen, dass mein schriftlicher Antrag nicht telefonisch abgewimmelt, sondern mir ein Formular zugeschickt wurde. Das Formular traf also ein und mich traf fast der Schlag. Ein Anschreiben, zwei Formulare, insgesamt 12 Seiten. Das Anschreiben von Frau X war an mich persönlich gerichtet. Ich schrieb an die Angehörigenberatung:

Liebe Angehörigenberatung, ich habe die Unterlagen und brauche dabei Ihre Hilfe. Das ist gruseliger als ich dachte. Mir erschließt sich einiges nicht. Frau X hat mich direkt angeschrieben:

  • Muss ich jetzt meine persönlichen Kontoauszüge vorlegen?
  • Marcel hat kein Konto und kein Einkommen.
  • Ich besitze ein Auto und dort steht ich darf keins haben.
  • Die Unterlagen, die ich bis 8.6. (in drei Wochen) einreichen soll, erschließen sich mir auch nicht alle.
  • Personalausweis, da geht nur der abgelaufene, neuer ist diese Woche beantragt und dauert ca. fünf Wochen.
  • Nachweis Krankenversicherung – muss ich bei der Kasse beantragen.
  • Was ist ein Bescheid über allgemeines Wohngeld?
  • Was sind Personalien und Adressen der Unterhaltspflichtigen?
  • und auf der nächsten Seite steht, wenn die Unterlagen nicht bis 8.6. vorliegen, wird mir der Anspruch versagt.
  • Dann kommt Grundantrag 1 und dann Erstantrag auf Gewährung von Grundsicherung, da ist nur Grundsicherung angekreuzt und nicht der Mehrbedarf, obwohl Marcel ja die HPT besucht und auch Merkzeichen „G“ hat.

Hardcore: „Alleine schaffe ich das nicht“

Ich muss sagen, alleine schaffe ich das nicht und schon gar nicht in der Frist. Und bei der Belehrung was alles passiert, wenn man sich nicht daran hält, steht, ich muss jetzt alles melden … wenn jemand auszieht, wenn wir ins Krankenhaus gehen etc., das ist ja Hardcore, ich habe das Gefühl, ich stehe mit einem Bein schon fast im Gefängnis. Und Kindergeld muss ich auch angeben (wer es bezieht plus Kindergeldnummer). Ich denke, kein normaler Mensch kann das alleine schaffen.

Eine beruhigende Antwort der
Angehörigenberatung der Lebenshilfe München

Die Antwort kam schnell und war sehr beruhigend:
„Keine Sorge, liebe Frau Lindenbeck, Sie können sich entspannen. Die Formulare fragen auch Dinge ab, die für die Fallbearbeitung bei Ihrem Sohn nicht relevant sind. Das größere Problem ist aber Frau X, sie verwechselt schon im Anschreiben den Antragsteller mit Ihnen als rechtlicher Betreuerin, so dass Sie den Eindruck gewinnen mussten, dass Ihre Unterlagen verlangt werden. Es ist sehr traurig, aber Frau X scheint hohen Schulungsbedarf zu haben. Sie müsste klarstellen, dass es nur um Ihren Sohn als Antragsteller und um dessen Unterlagen geht. Ihre eigenen Unterlagen zu Konto, Einkommen, Vermögen, Auto etc. sind für die Anspruchsbearbeitung Ihres Sohnes nicht relevant, die sind also nicht einzureichen. Viele Fakten haben Sie auch schon angegeben, um Beispiel zum Kindergeld: das Kindergeld, das Ihnen für Ihren Sohn zusteht, leiten Sie nicht an ihn weiter. Ihr Sohn hat kein Kind und erhält daher kein Kindergeld. Es gibt daher keine Kindergeldnummer, die mitzuteilen wäre . . . Lassen Sie uns telefonieren, gerne nächsten Dienstag. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende – Viele Grüße von der Angehörigenberatung“

„Bitte in Papierform“

Nach dem Telefonat mit der sachkundigen Angehörigenberatung war es nicht schwer, die wirklich erforderlichen Unterlagen zusammenzustellen, ich schickte sie per Mail an die Behörde. Der nächste Hammer kam: Obwohl ich ständig per Mail angeschrieben wurde, verlangte Frau X die Unterlagen in Papierform! Ich habe mich also allgemein erkundigt und der Mitarbeiter der Stadt meinte, „… online ist in Ordnung, aber wenn der Sachbearbeiter es noch anders haben möchte, dann muss ich das tun.“

Ist das jetzt Schikane? Ich möchte echt nicht kleinlich sein, aber entweder gilt es online oder nicht. Es war sehr ärgerlich, aber darüber wollte ich dann keinen Streit anfangen, ich muss meine Kräfte schließlich einteilen und schickte alles mit der Post. Endlich, mit Datum 15.7.2020 erhielt ich den ersten Grundsicherungsbescheid in Höhe von 704,01 Euro. Eine schöne Summe, über die wir uns gefreut haben. War der Bescheid auch korrekt? Nicht überraschend: nein!

Mehrbedarf für die HPT einfordern

Also bat ich Frau X um Berücksichtigung der 35 Prozent Mehrbedarf für den Besuch der HPT, den sie vergessen hatte. Es kam zu folgendem Schriftwechsel: Frau X: „… Für den Besuch der HPT ist ein solcher Mehrbedarf nicht vorgesehen.“

Die Angehörigenberatung wusste es wieder besser als das Sozialbürgerhaus. Ich übernahm die korrekten Informationen und schrieb an Frau X: „Leider ist auch diese Auskunft zum Mehrbedarf wegen des Besuchs einer HPT, wie etliche andere Auskünfte von Ihnen, falsch. Wegen der Eingliederungshilfeleistung „Hilfe zur Schulbildung“ – dazu zählt der Besuch einer HPT – hat mein Sohn nach § 42 b Abs. 3 Satz 1 SGB XII i. V. mit § 112 SGB IX einen Anspruch auf Mehrbedarf in Höhe von 35 % der maßgebenden Regelbedarfsstufe für die Monate, in denen er die Eingliederungshilfe „HPT“ erhält. Für diese Monate entfällt dann allerdings der Mehrbedarf für das Merkzeichen „G“ in Höhe von 17 % – wir wollen schließlich nur das in Anspruch nehmen, was meinem Sohn zusteht.“

Bitte auch „Corona Sozialpaket I“

Die Entscheidung zum Mehrbedarf steht noch aus. In der gleichen Widerspruchs-Begründung verlangte ich aber auch noch die Gewährung der anteiligen Kosten der Unterkunft für die Monate Mai und Juni 2020. Laut „Corona Sozialpaket I“ müssten diese bei Antragstellung ab März 2020 gewährt werden. Inzwischen hatte Frau X jedoch am 7.8.2020 drei weitere Bescheide erlassen und kennt sich selber gar nicht mehr aus. Sie schrieb, dass ihr mein Widerspruch nicht verständlich ist. Ich erklärte ihr also alles noch einmal und bin nun zuversichtlich, irgendwann alle meinem Sohn zustehenden Beträge zu erhalten … .

Sohn in den Mietvertrag aufnehmen

Ein sehr guter Tipp der Angehörigenberatung war übrigens, meinen Sohn mit in den Mietvertrag aufnehmen zu lassen. Seit Juli 2020 erhält mein Sohn als Mitmieter die anteiligen Unterkunftskosten für Miete und Nebenkosten und nicht nur den Differenzbetrag. Marcel hat nun im September in einer WfbM das Eingangsverfahren für den Berufsbildungsbereich begonnen. Neben dem Ausbildungsgeld in Höhe von 119 Euro, das bei der Grundsicherung nicht angerechnet werden darf, erhält er 865,06 Euro Grundsicherung ab September 2020. Ich bin sehr dankbar, dass es Gesetze gibt, die eine solche Unterstützung möglich machen.

Mein persönliches Statement

Wie zu Beginn meines Berichtes: Ich bin nicht alleine auf dieser Welt mit einem Kind das „anders“ ist, ich bin nicht die erste Mutter, die so einen Antrag stellt. Mein Sohn hat Anspruch auf Beratung und Unterstützung und damit auch ich als seine rechtliche Betreuerin. Von Beratung und Unterstützung durch die Behörde waren wir weit entfernt, es lief eher gegenteilig. Frau X sagte mal zu mir, sie würde bei diesem Vorgang viel lernen, das heißt also, ich habe sie geschult! Erlebt habe ich eine Behörde bzw. eine Sachbearbeiterin, die:

  • unfreundlich war
  • wiederholt falsche Auskünfte gab
  • sich nicht in dem Sachgebiet auskennt, für das sie zuständig ist, so dass ich „Nachhilfe“ geben musste
  • ein Anschreiben schickte, mit dem von mir persönlich Unterlagen verlangt wurden, die die Behörde nichts angehen und die für den Fall nicht benötigt werden
  • Formulare verwendet, in denen Angaben und Unterlagen verlangt werden, die für die Antragsbearbeitung nicht erforderlich sind,
  • vorsintflutlich arbeitet (Mail-Unterlagen wurden nicht akzeptiert)

Erschreckend fand ich die Erfahrungen aus meinem Bekanntenkreis und vor allem auch die Erfahrungen der Angehörigenberatung, solche Falschauskünfte und Falschberechnungen bei Grundsicherungsanträgen kämen häufiger vor. Dabei wurde die Stadt München schon 2018 schriftlich auf diese Missstände aufmerksam gemacht. Ich werde also die Stadt München auch noch direkt anschreiben, damit andere Betroffene, die es vielleicht nicht schaffen, eine so tolle Unterstützung zu erhalten, es in Zukunft mit den Behörden leichter haben werden:

„Liebe Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der Stadt München,

meinen zweiteiligen Bericht aus den L.I.E.S.-Heften 2-2020 und 3-2020 schicke ich Ihnen mit der Bitte, sich in solchen Fällen wie dem meines Sohnes deutlich mehr Mühe mit Ihren Mitbürgern mit Behinderung zu geben. Ich bin gespannt auf Ihre Reaktion. – Mit freundlichen Grüßen“

Für Marcel ist jetzt alles gut ausgegangen, mein herzlicher Dank dafür geht an die Angehörigenberatung der Lebenshilfe München. Die Aussage ist wahr geworden: „Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, muss der Antrag genehmigt werden. Bei Ihrem Sohn ist das der Fall.“

Nadja Lindenbeck-Menzel

Der Kampf um seine Rechte

Ein Beitrag der L.I.E.S.-REDAKTION

Langwierige Kämpfe mit Behörden sind leider allzu oft
Alltag für Familien, die Angehörige mit Behinderung haben

– Warum muss es so schwierig sein? –

Grundsicherung für meinen Sohn zum 18. Geburtstag

Mein Sohn (mit Down-Syndrom) wird 18 Jahre alt und ich habe eine lange Liste mit Dingen, die ich jetzt beachten muss. Den Betreuer-Ausweis habe ich bekommen, auf meiner Liste geht es weiter mit Grundsicherung. Ich selber arbeite in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung und habe hin und wieder schon einzelne Puzzelstücke über die Rechte und Ansprüche mitbekommen, wenn das Kind 18 Jahre alt wird. Aber wirklich genaue Aussagen hat mir niemand geben können und natürlich habe ich auch selbst versucht, darüber im Internet zu recherchieren. Aber dann dachte ich mir, wer kann es besser wissen als die Mitarbeiter der zuständigen Behörde. Ich rief also beim zuständigen Sozialbürgerhaus an und erklärte die Sachlage.

Besteht ein Anspruch?

Die Dame meinte, einen Moment bitte, sie fragt kurz nach. Nach einigen Minuten kam sie zurück zum Telefon und meinte, mein Sohn hätte keinen Anspruch auf Grundsicherung. Ich blieb hartnäckig, sie erkundigte sich wieder und meinte dann, ja vielleicht habe er Anspruch im September, wenn er die Werkstatt besucht. Ich solle mich dann nochmal melden. Erst mal gab ich mich mit dieser Auskunft zufrieden. Einige Zeit später traf ich in der Arbeit die Mutter von einer Mitarbeiterin, die ich betreue, die auch meinte, sie blicke da nicht mehr durch, auf was ihre Tochter Anspruch hat und auf was nicht und sie hätte es mit der Antragstellung sein lassen. In einem weiteren Gespräch mit einer anderen Mutter erinnerte diese mich jedoch daran, mich mal bei der Lebenshilfe München zu erkundigen. Volltreffer!

Lebenshilfe-Angehörigenberatung hilft weiter

Eine ganz liebe Dame der Angehörigenberatung klärte mich umfänglich auf. Und sie unterstützte mich, wie ich bei der Antragsstellung auf Grundsicherung bei voller und dauerhafter Erwerbsminderung (§ 41 SGB XII) vorzugehen habe und welche Unterlagen notwendig sind. Eigentlich reicht es erst mal, der Behörde zur Volljährigkeit des Kindes mitzuteilen.

„Ich stelle einen Antrag auf Grundsicherung für mein Kind mit Schwerbehinderung nach § 41 SGB XII“. Damit kann die Frist für den Monat gewahrt werden, in dem der Antrag gestellt wird. Die übrigen Unterlagen können nachgereicht werden. Ich hatte aber noch Zeit, bevor mein Sohn 18 wurde und konnte die Unterlagen sammeln. Als erstes rief ich die Schule an, die mein Sohn noch bis Ende Juli 2020 besucht und bat um eine Bescheinigung, dass mein Sohn nach Ende der Schulzeit in eine Werkstatt geht. „Kein Problem“, hieß es. Dann kam aber die Nachricht, die Schule mache so was nicht, sondern nur die Agentur für Arbeit als Träger der Maßnahme im Berufsbildungsbereich (BBB). Ich solle mich gedulden, die Schule wird versuchen zu vermitteln.

Habe ich endlich alles richtig gemacht?

Eines Tages kam dann eine E-Mail von einem Herrn der Agentur für Arbeit, in der er mich um einen Telefontermin bat, da er nicht verstehe worum es geht. Das Telefonat kam zustande und wieder erklärte ich den Sachverhalt. Mein Sohn wird im Mai 18 Jahre alt, ich stelle einen Grundsicherungsantrag und für diesen benötige ich diese Bescheinigung der Schule. Der Herr wurde ungehalten und beharrte darauf, nicht zu verstehen worum es mir geht. Er meinte, mein Sohn bekomme ab September „Ausbildungsgeld von der Agentur für Arbeit“, wenn er in die Werkstatt geht, das war`s. Ich wiederholte mich nochmal, und er erwiderte: Wenn ich nicht genügend Geld für mein Kind hätte, dann solle ich doch einen Antrag auf Sozialhilfe stellen. Nun wurde ich patziger und sagte, das seien hier Wortspiele und ich wisse genau, dass mein Sohn einen Anspruch habe ….bla bla bla … .

Plötzlich sagte er: „Okay, dann schicken sie mir das sonderpädagogische Gutachten der Schule zu und wir schauen weiter.“ Telefonat Ende. Das bei der Schule angeforderte Gutachten habe ich bis heute nicht. Die liebe Dame der Angehörigenberatung der Lebenshilfe München stärkte mir den Rücken. Alles habe seine Richtigkeit mit dem Anspruch auf Grundsicherung, die Agentur für Arbeit und die Schule seien schlicht falsch informiert. Sie schlug mir wieder vor, was zu tun sei. Also schrieb ich der Schule und fragte nochmals nach, ob es möglich wäre, für meinen Antrag eine ganz normale Schulbescheinigung zu bekommen, in der auch steht, dass Marcel nach der Schulzeit in die Werkstatt übertreten soll. Auch wenn der Schule angeblich nicht klar war, was ich meine, klappte es schließlich doch.

Als ich dann alle notwendigen Unterlagen zusammen hatte, auch das Anschreiben für das Sozialbürgerhaus (mit richtigen Paragraphen und Formulierungen unterstützt durch meine Beraterin der Lebenshilfe München), verschickte ich dieses. Heute kam ein Anruf von derselben Dame vom Sozialbürgerhaus, die ich oben schon erwähnt habe. Sie meinte, sie hätte mir doch schon erklärt, dass mein Sohn keinen Anspruch habe und warum ich das jetzt mache, ihr ein Antragsschreiben zu schicken. Ich unterbrach sie und sagte: „Ja okay, dann schicken Sie mir einfach einen begründeten Ablehnungsbescheid zu.“

„Es wird aber sehr lange dauern …“

„Nein, das genügt jetzt auch so am Telefon!“ sagte sie. Ich blieb beharrlich und wiederholte meine Forderung. Da riet auch sie mir, dass ich Sozialhilfe beantragen könnte, falls ich nicht genügend Geld hätte. Sehr bestimmt forderte ich wiederholt, mir den Ablehnungsbescheid schriftlich zukommen zu lassen, da ich diesen für mein weiteres Vorgehen brauche. Schließlich wurde sie stutzig und fragte: „Wieso?“ Ich erklärte ihr, dass ich in vollem Umfang über die Rechte meines Sohnes durch die Angehörigenberatung der Lebenshilfe München aufgeklärt worden sei. „Ja, aber dann muss das ja geprüft werden über die Rentenversicherung!“ Ich sagte: “Ich weiß, so steht es auch in meinem Anschreiben.“ „Ja, aber das dauert“ meinte sie, „da muss erstmal ein Gutachten erstellt werden.“ Ich sagte ihr: „Ein ganz aktuelles medizinisches Gutachten aus dem gerichtlichen Verfahren für den Betreuerausweis liegt dem Antrag bei.“

„Ach so, dann schau ich mal.“ Sie selbst meinte dann sogar, so genau habe sie sich den Antrag jetzt nicht angeschaut. „Und sowas dauert sehr, sehr lange“, warnte sie. Ich fragte, was sie mir damit sagen möchte. Keine Antwort. Sie sagte dann aber zu mir, ich wäre heute sehr aggressiv am Telefon. Ich erwiderte: „Ich bin nicht aggressiv, ich vertrete jetzt nur ganz klar die Rechte meines Sohnes, lasse mich nicht abwimmeln und möchte jetzt das passende Formular zugeschickt bekommen.“

Die Reaktion der Sachbearbeiterin bei meinem ersten Telefonat und heute fand ich absolut unprofessionell. Deswegen bin ich voller Wut und Power gleich an den Rechner und habe mal schnell alles niedergeschrieben. Mein persönliches Statement:

Ausbildungsgeld? Grundsicherung? Sozialhilfe?

Ich bin nicht alleine auf dieser Welt mit einem Kind das „anders“ ist, ich bin nicht die erste Mutter, die so einen Antrag stellt. Es gibt Gesetze für Menschen mit Behinderung: SGB IX, SGB XII, Bundesteilhabegesetz, usw., das sind Instrumente genau gemacht für Menschen wie meinen Sohn oder auch wie Ihr Kind und wie alle Menschen, die dem Gesetz nach als Mensch mit Behinderung gelten. Diese sollten doch auch angewandt und transparent vermittelt werden durch jede systemrelevante Institution. Aber die zuständige Behörde kennt sich hier überhaupt nicht aus.

Meine Beraterin der Lebenshilfe München meinte, solche Falschauskünfte kämen häufiger vor. Wie kann es sein, dass die Angehörigenberatung der Lebenshilfe München sich auskennt und die zuständige Behörde nicht? Was mir am Allermeisten auf meinem bisherigen Weg, den Antrag auf Grundsicherung für meinen Sohn zu stellen, missfiel, ist der Mangel an einem höflichen und wertschätzenden Umgang mit mir. Ganz grundlegende Werte, wie Respekt, Augenhöhe fehlten. Ich bin froh, dass es diese Gesetze gibt, aber was nützen sie, wenn diese nicht verantwortungsbewusst angewandt werden? Manch einer wird seine Kraft auf diesem Weg verlieren und aufgeben, einfach um diese Art der Erniedrigung zu beenden. Ich fürchte, der Mutter, von der ich bereits am Anfang berichtete, ist es genau so gegangen. Es ist spannend, wie es mit meinem Antrag weitergeht. Meine Beraterin ist völlig gelassen und sicher: „Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, muss der Antrag genehmigt werden. Bei Ihrem Sohn ist das der Fall.“

Eine Lehrerin von meinem Sohn sagte mal zu mir in einem etwas heftigeren Gespräch, es sei ja bekannt, dass Mütter von Kindern mit Behinderung sehr aggressiv sind. Ich antwortete nur, dass ich damit ganz gut leben könne. Sie wusste nicht, was sie darauf sagen sollte.

Nadja Lindenbeck-Menzel

P.S.:

Wie es weitergeht mit dem Anspruch meines Sohnes auf Grundsicherung?
Ich halte Sie auf dem Laufenden, die Fortsetzung lesen Sie hier:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2020/12/27/warum-muss-es-so-schwierig-sein/

Helfen sie der Lebenshilfe mit Schutzmasken

Nähen Sie Schutzmasken für die Lebenshilfe München. Sie werden dringend benötigt!

Am Ende des Artikels finden Sie die Links zum Herstellen der einfachen Schutzmasken.


Es ist die zweite Woche, in der für Bayern eine vorläufige Ausgangsbeschränkung anlässlich der Corona-Pandemie in Kraft ist. Ministerpräsident Markus Söder hat die Beschränkungen aktuell bis zum 20. April verlängert. Viele von uns müssen sich also auf lange Tage und Wochen einstellen, die wir vorwiegend zuhause verbringen werden. Die Lebenshilfe München richtet nun einen Appell an die Bevölkerung. Helfen Sie mit, Schutzmasken zu spenden, die Vorräte gehen zu Ende und sie fehlen an ‚allen Ecken und Enden‘ für das betreuende Personal in den Wohneinrichtungen der Lebenshilfe. Weiterlesen

Neues von Werkstatt und OBA

Bereits am 12. März berichteten wir über die Absage aller Veranstaltungen der OBA der Lebenshilfe München. Die OBA und der FUD weisen nun ausdrücklich darauf hin, dass das Büro weiterhin besetzt ist und die Mitarbeiter für Gespräche und Beratungen zur Verfügung stehen. Weiter heißt es:

„Wenn Sie Bedenken haben, einkaufen zu gehen, weil Sie oder Ihre Angehörigen zu den Risikogruppen gehören, dann können Sie sich bei uns melden. Wir werden dann versuchen, einen Einkaufsdienst zu organisieren. Es gäbe die Möglichkeit, diesen Dienst über die Pflegekasse abzurechnen.“ Weiterlesen

Vonovia unterstützt Geschwistertage der Lebenshilfe München

Einen Scheck über 4.500 Euro überreichten (von links): Ekkehart Ehrlich stv. Regionalleiter Süd VONOVIA, Michaele Noß Regionalleiterin München VONOVIA, Janine Venhoff, Referentin Regionalbereich Bayern VONOVIA an Peter Puhlmann Lebenshilfe-München (LHM), Diana Bela-Tomiak LHM und Julia Bader LHM.

München, 02.03.2019 – Geschwister von Kindern mit Behinderung sind durch ihre Lebensumstände nicht zwangsläufig belastet. Es gibt aber Situationen im Alltag, in denen sie womöglich zu kurz kommen oder für ihre Bedürfnisse zu wenig Zeit bleibt. Die Lebenshilfe München bietet einen pädagogischen Rahmen, in dem Kinder und Jugendliche mit Spaß Kontakte zu anderen Geschwistern in der gleichen Lage aufbauen können. Vonovia unterstützt dieses Engagement nun mit einer Spende über 4.500 Euro. Weiterlesen

Wochenend-Seminar für Papas

Lebenshilfe Bayern unterstützt Väter von Kindern mit Behinderungen

Familien mit behinderten oder chronisch kranken Kindern stehen alltäglich vor besonderen Herausforderungen. Mütter werden mit unterstützenden Angeboten oft gut erreicht, Väter eher nicht. Auch gibt es kaum etwas extra für sie. „Das ist mal was Neues, würd´ ich sagen …“ heißt denn auch das Wochenend-Seminar nur für Väter, das die Lebenshilfe Bayern in diesem Jahr erstmals anbietet.  Weiterlesen

Gutachten für 221.500 Menschen

Vor eine Herkulesaufgabe war der MDK Bayern (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) 2017 gestellt. Der hat die Versicherten neu einstufen müssen. Seit Jahresbeginn 2017 haben die Pflegefachkräfte des MDK Bayern über 221.521 Menschen nach dem neuen Pflege-Bedürftigkeits-Begriff begutachtet. Davon haben rund 63 Prozent, also über 140.019 Versicherte, erstmals Pflegeleistungen beantragt. Das bewertete Reiner Kasperbauer, Geschäftsführer des MDK Bayern, als großen Erfolg.   Weiterlesen

Geschenkte Freude ist doppelte Freude

100 bunte Pakete für die Frühförderung der Lebenshilfe

(gsp) Wir kennen ihn alle aus unseren Kindertagen, den Wunschzettel. Und welche Zeit eignet sich besser dafür als Weihnachten, zu der wir alle mit dem größten Geschenk bedacht worden sind. Viele solcher Wunschzettel hat jetzt die Stiftung „Kleine Hilfe“ gesammelt und sie an einem großen Weihnachtsbaum gehängt, auf dem Christkindlmarkt hinter dem Kulturzentrum von Trudering (München).

Die Wunschzettel wurden liebevoll gestaltet, mit kleinem Text und Foto und auch einen Hinweis auf das Kind oder die soziale Einrichtung, die sich über das Geschenk freut. Extra laminiert und mit einer bunten Schleife sind 320 dieser „Wunscherfüller“ in den großen Baum gehängt worden und in zwei Tagen waren alle Zettel weg, die Wunscherfüller unterwegs.   Weiterlesen

Lions-Club München König Otto hilft der Lebenshilfe

Einmal jährlich besucht der Vorstand des Lions Clubs München / König Otto die Heilpädagogische Tagesstätte der Lebenshilfe in Unterhaching. Er hat die hier betreuten Kinder und Jugendlichen ins Herz geschlossen und erkundigt sich eingehend darüber, wo Hilfe gebraucht wird, wo man helfen kann.

Peter Puhlmann, Geschäftsführer der Lebenshilfe München, und Bereichsleiterin Sabine Refle freuen sich über die Spende von 4000 Euro und bedanken sich bei Reimer Rohwer, Präsident des Lions Clubs München / König Otto, Fritz Aulenbach (Schatzmeister) und Barbara Klingan (Präsidentin PP und Presse). Die Kinder sind für das Foto gleich auf ‚ihre Burg‘ geklettert. Auch sie wurde aus Spendengeldern finanziert und bereitet täglich viel Freude.

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10 Laptops für die Lebenshilfe München

Salesforce stiftet 10 Laptops für die Lebenshilfe München.

Salesforce stiftet 10 Laptops für die Lebenshilfe

Einmal mehr unterstützt Salesforce die Lebenshilfe München. Das in San Francisco ansässige Unternehmen mit deutschem Headquarter in München hat soziales Engagement zum Konzept erhoben (siehe Link). 10 Laptops gehen an die Lebenshilfe, worüber sich Harry Zipf, Leiter der Offenen Dienste, sehr freut. „Wir setzen sie in der Frühförderung, in der Heilpädagogischen Tagesstätte ebenso ein, wie bei uns in der OBA. Unter anderem vertiefen und verbessern wir den Umgang mit ‚Leichter Sprache‘, dabei sind die Laptops eine große Hilfe. Auf dem Foto zu sehen (v.l.): Harry Zipf mit Sonja Ockenfels und Eli Reut von Salesforce München.

Hilfeaufruf für eine afrikanische Familie mit drei Kindern

W o h n u n g  g e s u c h t  ! ! !

In diesem Jahr haben wir ein ganz besonderes Anliegen: Wir, die HPT-E in Unterhaching, bitten alle Lebenshilfe-Angehörigen um Ihre Mithilfe: Eine Mutter mit drei Kindern sucht dringend einen Wohnraum im Südosten von München. Sie braucht ihre Hilfe!

Die Mutter der drei schulpflichtigen Kinder lebt seit 11 Jahren in Deutschland. Bisher konnte man ihr nur ein Gemeinschaftszimmer für vier Personen in verschiedenen Asylbewerberheimen anbieten. Im neuen Jahr zieht die Familie erneut in eine andere Asylbewerberunterkunft um. Die ihn ihrem Heimatland verfolgte 33 –jährige Frau wünscht sich nichts sehnlicher als einfach mit ihren Kindern in einer Wohnung ankommen zu dürfen, Freundschaften zu schließen und sich fest in die Kirchengemeinde zu integrieren.  Weiterlesen

Der Umgang mit Sehnsüchten …

… und zu wenig professionelle Hilfsangebote

Erfahrungen von Margret Meyer-Brauns,
von der Angehörigenberatung der Lebenshilfe München

Margret Meyer-Brauns berät seit fast zwei Jahrzehnten jährlich bis zu 500 Familien und ihre Angehörigen bei der Lebenshilfe München. Es geht häufig um Alltagsprobleme, um Fragen der Betreuung, Anträge und rechtliche Aspekte, aber auch immer häufiger um das Thema Sucht. Dabei wird nur selten direkt zum Thema Sucht angefragt. „In der Regel ist es so, dass der Wunsch den Betreuten in eine engmaschigere Betreuung zu geben der Anlass ist, uns zu kontaktieren. Und dann ergibt sich im Gespräch, oft auch erst im zweiten stattfindenden Aufsuchen unserer Beratungsstelle, das Thema Sucht“, erklärt Margret Meyer-Brauns.

Dabei wird das Thema von Geschwistern von Menschen mit Behinderung häufiger thematisiert als von den Eltern. Am häufigsten sind es von Adipositas Betroffene, Alkohol kommt an zweiter Stelle und danach der Zigaretten-Konsum, der Angehörigen zu schaffen macht. Beratungen zu anderen Suchtmittel – sei es Marihuana, Kokain, Medikamente, Computer, Kaufsucht – wurden bislang bei der Beratung der Lebenshilfe München nicht angefragt. Margret Meyer-Brauns vermutet dahinter den Mangel an Geld.    Weiterlesen

Inklusion heißt den Schwachen zu helfen

Familie Hönninger fördert seit 18 Jahren die Lebenshilfe München

Seit fast 18 Jahren unterstützen Ruth und Ulrich Hönninger aktiv die Lebenshilfe München. Dabei war ihre Begegnung mit dem Elternverein eher zufällig im Rahmen eines Kaffeekränzchen bei Frau Franz. Sie sprach über die Arbeit ihres Mannes bei der Lebenshilfe und lud ihre Gäste spontan ein, sich der Lebenshilfe als förderndes Mitglied anzuschließen.

Seitdem haben sie viele der Mitgliederversammlungen besucht und fast alle Einrichtungen kennengelernt. „Wir möchten uns immer gerne selber ein Bild machen. Hier vor Ort geht das ja sehr gut – und was wir gesehen haben, hat uns beeindruckt.“ Sie sind seit vielen Jahren überzeugt von der Integrität der Lebenshilfe München, haben dort Kontakte geknüpft und viele Menschen kennengelernt. Ob privat oder über die Firma, sie helfen gerne. Bei den vielen Projekten und Einrichtungen der Lebenshilfe München ist man auf Spenden angewiesen.    Weiterlesen