Lebenshilfe gründet eine ambulant betreute inklusive Wohngemeinschaft

Einmal mehr zeigt die Lebenshilfe München, dass sie sich den Anforderungen der Zeit stellt, innovative Wege geht und dabei die positive Entwicklung von Menschen mit geistiger Behinderung im Blick hat. Der intensive Ausbau des ambulant betreuten Wohnens der Lebenshilfe München Wohnen GmbH war die letzten Jahre ebenso erfolgreich, wie die vor zwei Jahren gegründete Wohngemeinschaft an der Landsberger Straße. Jetzt wagt sie sich an ein neues Projekt heran, und ist in München damit erst der zweite Träger. Gemeinsam mit vier Studenten sollen jetzt sechs Menschen mit geistiger Behinderung eine Wohngemeinschaft gründen.

Wohnen auf drei Ebenen und ein großer Garten in ruhiger Lage sind beste Voraussetzungen für die neue Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München. Fotos: Gerd Spranger

René Pfeifer, Bereichsleiter der Lebenshilfe München Wohnen GmbH , stellte jetzt gemeinsam mit Daniela Holzmann (Ambulanter Dienst) und Florian Mauch (Einrichtungsleiter) das Projekt in der Wohneinrichtung Hermann-von-Sicherer-Straße vor. Eingeladen dazu waren erste studentische Interessenten mit denen man sich im großen Garten der Einrichtung zusammensetzte. Aktuell wird die Einrichtung renoviert, soll aber bis zum 1. Oktober bezugsfertig sein.

Studenten unterstützten die Betreuung

Studenten wohnen mit den Menschen mit geistiger Behinderung zusammen und unterstützen die Betreuung. „Unsere Bewohner mit Handicap sind zwischen 19 und 35 Jahre alt, und sollen in der WG so normal wie möglich wohnen und leben“, erklärt Pfeifer den vier jungen Studenten die Situation. „Bezahlen brauchen Sie für das Wohnen nichts, übernehmen dafür aber ‚zwei Dienste‘ unter der Woche und sind einmal im Monat am Wochenende anwesend.“

Ein Crashkurs bereitet vor

Die Verantwortlichen der Lebenshilfe München (v.l.): Florian Mauch, Daniela Holzmann und René Pfeifer mit den Studenten bei einem ersten Besichtigungstermin

Unterstützt werden die Studenten von einer ausgebildeten Pädagogin und werden selbst in einer Art Crashkurs auf die Situation vorbereitet. „Es geht aber nicht darum, dass Sie ausschließlich pflegerische Tätigkeiten übernehmen, außer vielleicht kleine Hilfestellungen“, erläutert Daniela Holzmann. Viel mehr gehe es um Anwesenheit, dass ‚jemand da ist‘, an den man sich wenden kann

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Alle sind berufstätig

„Die Lebenshilfe-Bewohner sind nicht schwer geistig behindert, gehen alle arbeiten, zumeist in den Lebenshilfe-Werkstätten, und sind generell selbständig, tagsüber also ist keiner anwesend. Auf einer Skala von eins bis fünf (aufsteigend) bezogen auf den Hilfebedarf, liegen sie zwischen zwei und drei,“ erklärt Florian Mauch.

Bereits gute Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung

Die vier Studenten, Sophie, Naomi, Anna und Florian sind selbst zwischen 17 und 24 Jahre alt und haben alle bereits persönliche Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung gemacht. Die Eltern von Anna etwa sind selbst körperlich eingeschränkt, Naomi hat in den USA ‚beste Freunde‘ mit Behinderung und Sophie absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Lebenshilfe-Werkstatt in Putzbrunn.

Der Garten ist ein Traum

Die Runde startete mit einem Rundgang durch das Gebäude, das auf drei Stockwerke verteilt elf Zimmer, drei Bäder und Toiletten, einen großen Gemeinschaftsraum nebst großer Küche, Funktionsräume im Keller sowie einen Hobbyraum verfügt. Ein ganz großes Plus ist die ruhige zentrale Lage unweit des Luise-Kiesselbach-Platzes und ein großer Garten mit Gartenhaus, wie er selten in München zu finden ist.

Bereits im Oktober soll es los gehen

Die Maler sind noch nicht aus dem Haus, doch in zwei Wochen soll alles fertig sein.

Florian gab zu verstehen, dass er sich im Moment doch nicht so ein Projekt zutraue, die drei jungen Damen hingegen wollen mehr wissen, die Bewohner kennen lernen und haben den Wunsch nach einem männlichen Studenten als weiteren WG-Bewohner geäußert, damit ‚ein Mann im Haus ist‘. Freilich gibt es bei der Gründung einer WG, zumal einer so außergewöhnlichen, noch viel zu besprechen und zu regeln – etwa eine Hausordnung, doch geht die Sache jetzt schnell. Schon am ersten Oktober soll die neue gemischte Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München an der Herrmann-von-Sicherer-Straße komplett sein.

Keine ‚Rundum-Versorgung‘

René Pfeifer betonte zum Schluss noch einmal: „Es geht nicht um eine Rundum-Versorgung, sondern um Hilfestellung hin zu einem selbständigen Leben. Das beginnt bei der gemeinsamen Aufgabenverteilung, etwa beim Küchendienst, oder bei der Anleitung zum Wäsche waschen und endet bei der Gartenarbeit.“

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Gemütliches Miteinander auf der sonnigen Terrase. Links im Bild Einrichtungsleiter Florian Mauch, Betreuerin Jehona Paljoj und der Betreuer Benjamin Klose (rechts). Text & Foto: gsp

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Seminarleiter René Pfeifer (l.), Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann und Florian Mauch (r.), Pflegedienstleiter und Qualitätsbeauftragter für den Bereich Wohnen.

Geschäftsführer Peter Puhlmann setzt auf Fortbildung und Vorbeugung und hat für alle Mitarbeiter der Lebenshilfe Wohnen GmbH eine dreitägige Fortbildung zum Thema Deeskalation angesetzt. Eine Problematik, mit dem die Betreuer täglich zu tun haben, soweit es um ein herausforderndes Verhalten geht. Das ist oft im Persönlichkeitsbild eines Menschen mit geistiger Behinderung begründet. Seminarleiter René Pfeifer fordert darum das Recht auf geschultes Personal ein, vor allem bei Menschen mit geistiger Behinderung. „Nur wer die besonderen Merkmale und typischen Verhaltensweisen kennt und richtig einzuordnen vermag, der kann dem auch gerecht werden.“   Weiterlesen