Lebenshilfe Bayern fordert bessere Versorgung im Krankenhaus

Die Vorsitzende, Landtagspräsidentin a. D. Barbara Stamm (Mitte), erhält die Goldene Ehrennadel der Lebenshilfe Bayern samt Urkunde von den stellvertretenden Vorsitzenden Hildegard Metzger und Gerhard John (Foto: Lebenshilfe Bayern / Anita Sajer)

– Aus der Jahrestagung und Mitglieder-Versammlung –

Menschen mit Behinderungen müssen in Krankenhäusern besser versorgt werden. Das fordert die Lebenshilfe Bayern auf ihrer Mitglieder-Versammlung 2019. Dies sei auch ein dringendes Anliegen von Eltern und Angehörigen, betonte die Vorsitzende der Lebenshilfe Bayern, Landtagspräsidentin a. D. Barbara Stamm, in ihrer Rede vor 100 Delegierten am 24. November 2019 im Kloster Seeon.

Wichtig sei insbesondere, dass das medizinische und pflegerische Personal in den Krankenhäusern entsprechend sensibilisiert und geschult werde. Auch müssen Menschen mit Behinderungen unter anderem eine Assistenz für ihren Aufenthalt im Krankenhaus und die Genesungsphase erhalten, wenn Angehörige dies nicht übernehmen können. Die Lebenshilfe Bayern wird dazu eine Petition an den Bayerischen Landtag richten.

Der bayerische Behinderten-Beauftragte Holger Kiesel
unterstützt die Forderung der Lebenshilfe

Gastredner auf der Mitglieder-Versammlung war der Behinderten-Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Holger Kiesel. Er informierte darüber, wie er sich ganz konkret für Menschen mit Behinderungen einsetzen will. Dabei unterstützte er auch die Forderung der Lebenshilfe Bayern nach einer besseren Versorgung von Menschen mit Behinderungen in Krankenhäusern. Turnusgemäß fanden auf der Mitglieder-Versammlung zwei Wahlen statt. In ihren Ämtern bestätigt wurden Christine Eichinger von der Lebenshilfe Schwandorf als Vertreterin der Lebenshilfe Bayern im Bundeselternrat sowie Helmut Holland, Vorsitzender der Lebenshilfe Dillingen, als Mitglied des Stiftungsrats der Lebenshilfe Bayern.

Zum 75. Geburtstag eine Goldene Ehrennadel für Barbara Stamm

Die Mitglieder-Versammlung war der Abschluss einer dreitägigen Jahrestagung, auf der die bayerische Lebenshilfe-Familie auch den 75. Geburtstag der Vorsitzenden, Landtagspräsidentin a. D. Barbara Stamm, feierte. Die Jubilarin wurde dabei für ihren unermüdlichen und außerordentlichen Einsatz für Menschen mit Behinderungen und ihren Familien mit der Goldenen Ehrennadel der Lebenshilfe Bayern ausgezeichnet. Sie sei einmaliges und unverzichtbares „Stammkapital“, „Gesicht und Seele“ der Lebenshilfe Bayern, so Laudator und stellvertretender Vorsitzender Gerhard John. Unter den Gratulanten waren auch Landtagspräsident a. D. Alois Glück, der Ehrenvorsitzende der Lebenshilfe-Bundesvereinigung, Robert Antretter, und der Ehrenvorsitzende der Lebenshilfe Traunstein, Peter Bantlin.

Weiterentwicklung der Lebenshilfe Bayern

Zentrales Thema der Jahrestagung war, wie sich die Lebenshilfe Bayern nach den Leitgedanken der UN-Behinderten-Rechts-Konvention (UN-BRK) und des Bundes-Teilhabe-Gesetzes (BTHG) weiterentwickeln soll. Über „Mehr Selbstbestimmung und ungehinderte Teilhabe“ diskutierten die Delegierten der örtlichen Lebenshilfen am Samstag, 23. November, in verschiedenen Arbeitsgruppen. Auch wurde auf Initiative der stellvertretenden Vorsitzenden Hildegard Metzger eine geplante Petition zu Menschen mit Behinderungen im Krankenhaus diskutiert.

Zwei die sich gut kennen: Landtagspräsident a. D. Alois Glück und Landtagspräsidentin a. D. Barbara Stamm. Foto: Anita Sajer

Zum Auftakt der Jahrestagung hatte die Vorsitzende Barbara Stamm betont, dass Menschen mit Behinderungen und deren Familien weiterhin die Unterstützung und Assistenz erhalten müssen, die sie brauchen. Es darf nicht darum gehen, was die notwendige Hilfe für einen Menschen koste. Es müsse darum gehen, was ein Mensch braucht, um würdig, gleichberechtigt und selbstbestimmt in unserer Gesellschaft leben zu können. Das müsse die Lebenshilfe Bayern auch den Kostenträgern gegenüber immer wieder deutlich machen, so Stamm weiter. Auch der Landesausschuss Selbst-Vertretung wolle aktiv dabei mitwirken, die Menschen mit Behinderungen und die gesamte Lebenshilfe Bayern stark für die Herausforderungen der Zukunft zu machen, sagte Ausschuss-Vorsitzende Claudia Franke.

Menschen noch besser fördern und unterstützen

In diesem Sinne forderte Gastredner Rudi Sack in seiner kritischen Zwischenbilanz zur bisherigen Umsetzung des BTHG, die Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen auch in der eigenen Organisation zu unterstützen und zu fördern. Es gehe um Hilfe zur Selbsthilfe wo immer möglich, so der langjährige Geschäftsführer der Lebenshilfe Baden-Württemberg und jetzige Geschäftsführer des Münchner Vereins „Gemeinsam Leben Lernen“. Zum Abschluss des ersten Tages der Veranstaltung sprach die stellvertretende Landrätin, Resi Schmidhuber, ein Grußwort.

Foto-Ausstellung und Infostand

Während der Jahrestagung zeigte die Lebenshilfe Landsberg am Lech die Foto-Ausstellung „Träume“ der Fotografin Saskia Pavek im Kloster Seeon. Der Lebenshilfe-Landesverband Bayern informierte über die landesweiten Fußball- und Tischtennis-Turniere und weitere Aktivitäten im Bereich Sport für Menschen mit Behinderungen.

Der Lebenshilfe-Landesverband Bayern

Unter dem Motto „Miteinander – Wir gestalten Teilhabe“ setzt sich der Lebenshilfe-Landesverband Bayern seit über 55 Jahren als Dachorganisation der bayerischen Lebenshilfen für die Anliegen und Interessen insbesondere von Menschen mit geistiger Behinderung und ihren Familien ein. Der Verband hat heute 160 rechtlich selbstständige Mitgliedsorganisationen, die gut 40.000 Menschen mit Behinderungen und deren Familien unterstützen, fördern und begleiten. Mit rund 900 Einrichtungen, Diensten und Beratungsstellen hat die Lebenshilfe in Bayern ein umfassendes Netz kompetenter Hilfe aufgebaut. Vorsitzende des Lebenshilfe-Landesverbandes ist seit 2001 Landtagspräsidentin a. D. Barbara Stamm. Die Lebenshilfe ist bundesweit aktiv als Eltern- und Selbsthilfe-Vereinigung, Fachverband und Trägerin von Einrichtungen der Behindertenhilfe. Sie ist konfessionell und parteipolitisch unabhängig.

Bitte helfen Sie mit!

In der Münchner Messestadt leben besonders viele Familien mit Migrationshintergrund. So kam zum Beispiel der kleine Ranji* zu uns in die Frühförderung.

Lebenshilfe München: „Bitte helfen Sie mit“    .   Foto © Fotolia

Er war auf der Flucht geboren worden, viel zu früh und mit Fehlbildungen im Gehirn. Der Junge lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter zusammen und braucht professionelle Hilfen. Jetzt ist er 16 Monate alt und sein motorischer Entwicklungsrückstand ist groß. Er kann kaum seinen Kopf halten und noch nicht sitzen. So langsam beginnt er, die Hände zu öffnen und etwas zu greifen. Große Probleme hat er beim Schlucken und Trinken, so dass er über eine Dauersonde ernährt werden muss. Unsere Logopädin versucht, ihm das Schlucken beizubringen. Gleichzeitig unterstützt sie die Mutter und erklärt ihr, wie sie diese schwierige Situation beim Essen am besten in den Griff bekommen kann. Zweimal in der Woche behandelt eine Physiotherapeutin den Jungen, damit er seine motorischen Funktionen verbessert.

Die Mutter fühlt sich von der Gesamtsituation, der Fluchterfahrung, dem deutschen Medizinsystem, ihrem schwerkranken Kind, der Sprachlosigkeit und ihrem eigenen Analphabetentum total überfordert. Ein wohnortnahes Angebot sowie Treffen mit anderen Eltern würden helfen, ihr Ankommen in der Gesellschaft beschleunigen.

Die ständig wachsenden Kinderzahlen in der Messestadt haben uns veranlasst, eine neue Frühförderstelle zu planen. Gerade für Familien mit kleinen Kindern, die von Behinderung bedroht sind, brauchen die Eltern kurze Wege und einen Ort des Austausches. Das interdisziplinäre Team der vier Frühförderstellen der Lebenshilfe München kann auf viele erfolgreiche Jahre zurückblicken. Unzählige Familien, die ein Kind mit körperlichen oder geistigen Besonderheiten haben, konnten bereits von der Fachlichkeit und dem Einsatz der Mitarbeiterinnen profitieren.

Helfen Sie uns,
damit wir noch mehr Familien ihren sowieso schon schwierigen Alltag ein wenig leichter machen können!

*Name geändert