Auch Werkstätten für Menschen mit Behinderung öffnen wieder

Aus dem Newsletter
der Bundesvereinigung Lebenshilfe vom 28. Mai 2020

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser,

in den letzten Tagen und Wochen gab es viele Berichte über die Arbeit im Homeoffice oder die Auswirkungen der Corona-Krise auf Kinder und Jugendliche, die nicht wie gewohnt ihre Kita oder Schule besuchen können. Wie aber geht es aktuell Menschen mit Behinderung, die nicht oder nur tageweise ihre Werkstätten besuchen können?

—  —  —  —  —  —  —  —

Den Newsletter können Sie
hier bestellen: http://www.newsletter.lebenshilfe-aktiv.de/

—  —  —  —  —  —  —  —

Mehr als 310.000 Menschen arbeiten in Werkstätten. Jedoch ist seit März in vielen Werkstätten der Betrieb auf ein notwendiges Minimum reduziert worden. Was diese Situation für die beschäftigten Menschen mit Behinderung und deren Angehörige bedeutet, darüber berichtete die ARD vergangene Woche in den Tagesthemen am Beispiel der Lebenshilfe Seelze bei Hannover.

Trotz engem Kontakt zwischen Werkstatt und Beschäftigten fehlen vielen Menschen eine geregelte Tagesstruktur, eine regelmäßige Tätigkeit und der Austausch mit ihren Kolleg*innen.

Nun hat die Wiedereröffnung der Werkstätten begonnen. Sie gestaltet sich bundesweit unterschiedlich, da jedes Bundesland eigene Vorgaben für Öffnungskonzepte der Werkstätten vorhält: Während in Baden-Württemberg oder Berlin nur maximal 25 bis 35 % aller Werkstattbeschäftigten zeitgleich unter Einhaltung des Abstandsgebots und der notwendigen Hygieneregeln in der Werkstatt anwesend sein dürfen, gilt in Hamburg das Betretungsverbot noch bis zum 30.06.2020.

Aktuell ist die schrittweise Wiedereröffnung der Werkstätten für alle eine große Herausforderung: Zwischen dem Wunsch, zurückzukehren zur Normalität, zur Arbeit und regelmäßigen sozialen Kontakten einerseits und einem verantwortungsvollen Umgang mit erhöhter Ansteckungsgefahr andererseits, liegt eine schwierige Gratwanderung.

Mit freundlichen Grüßen – starten Sie gesund in den Juni!

Prof. Dr. Jeanne Nicklas-Faust / Bundesgeschäftsführerin

Hier geht’s zum Newsletter mit vielen weiteren interessanten Infos und Geschichten:
http://www.newsletter.lebenshilfe-aktiv.de/weblication/grid5/apps/newsletter/index.php?action=showNewsletterWeb&path=/de/newsletter&newsletterid=cf8d94a0eb6bc83f36361f76910c9380&nfi=sn3855e9f08893018d8a7b0394a0eb6b&email=pressespranger@yahoo.de&unsubscribeid=762505131a4b47e541fec3bfa821f9f9#anchor_Ideen-Boer

Familienkongress der Lebenshilfe in Berlin

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. veranstaltet mit ihren Partnern vom 06. bis 08. September im FEZ-Berlin einen Familienkongress. Am Freitag spricht die bekannte Soziologin Elisabeth Beck-Gernsheim über „Familien heute. Kontroversen, Konflikte, Kulturkämpfe“. Die Bundesvereinigung hat die Soziologin vorab interviewt, über die Rushhour des Lebens, über den trügerischen Glauben an Tests und über Väter, die optimistisch stimmen. Ihr klares Credo: „Wir brauchen vor allem politische Regelungen und Vereinbarungen.“

Der Kongress:
Wir machen Gesellschaft: Familienkongress der Lebenshilfe und ihrer Partner. 6.-8. September2013 im FEZ-Berlin. Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung. Die Möglichkeit dazu, alle Programm- Infos, organisatorische Details und Material, wenn Sie Werbung für den Kongress machen möchten, gibt’s auf www.lebenshilfe-familienkongress.de .
Lesen Sie doch schon mal herein und schauen Sie vom 6. bis 8. September in Berlin vorbei!

Prof. Dr. Elisabeth Beck-Gernsheim

„Wir brauchen vor allem politische Regelungen und Vereinbarungen“

In den 1950er und 1960er Jahren gab es ein Leitbild von Familie: Mann und Frau, verheiratet, bis zum Tod zusammen, gemeinsame Kinder und möglichst mehrere. Das war allgemein akzeptiert und wurde auch von den meisten befolgt – was nicht heißt, dass es nicht untergründig und heimlich durchaus konkurrierende Lebensformen und Beziehungen gab, von Homosexualität bis zur versteckten Liebesaffäre bis zum unehelichen Kind.

Seit damals hat sich das Bild von Familie tiefgreifend gewandelt. Das kann man zum Beispiel erkennen, wenn man einmal in die Familienberichte der Bundesregierung schaut oder Fernsehsendungen und Presseberichte über den Zeitraum der letzten Jahrzehnte vergleicht. Heute versteht man als Familie nicht nur diejenigen, die Verlobung und Standesamt absolviert haben und einen Ehering vorweisen können. Stattdessen heißt es heute vielfach, Familie ist da, „wo Kinder sind“. Nach dieser Definition bilden offensichtlich auch Alleinerziehende mit Kindern eine Familie oder homosexuelle Partnerschaften mit Kindern, das finde ich vernünftig. Nicht einbegriffen wären dann allerdings Paare ohne Kinder – wo bleiben die?

Weiterlesen