Wohnen: Trotz Pandemie alle Ziele erreicht

René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen der Lebenshilfe München, berichtet, wie erfolgreich die Projekte im Jahr 2020 trotz aller Beschwernisse umgesetzt werden konnten.

Der Ort, an dem wir wohnen, gibt uns Kraft, er ist unser Zuhause, wo wir uns ausruhen und neu sortieren können. Für Menschen mit Behinderung ist dies besonders wichtig, da meist eine umfassende Organisation und Struktur hinter einem guten Zuhause stehen. Daran sind viele Menschen beteiligt. Ihre tägliche Arbeit ermöglicht erst einen normalen Alltag, in dem geduscht, gekocht, geplaudert oder auch gearbeitet werden kann. Besonders in diesem schwierigen Jahr, in dem wir alle viel Zeit zuhause verbracht haben, gilt den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe Wohnen GmbH unser außerordentlicher Dank und unsere Anerkennung.

Neben der Herausforderung, jeden Tag ein gutes Zuhause zu bieten, entwickelt die Lebenshilfe München ihr Angebot im Bereich Wohnen stetig weiter. Nur so können immer mehr Menschen aufgenommen werden und erhalten eine ambulante oder dauerhafte Betreuung in einer besonderen, gemeinschaftlichen Wohnform. Als Ende 2019 eine Strategie für den Bereich Wohnen der Lebenshilfe München für das Folgejahr beschlossen wurde, gab es daher hohe Ziele. Viel sollte im Jahr 2020 passieren. Dass die ambitionierten Pläne in einem Jahr der Pandemie parallel zu Infektionsschutz, Kontaktbeschränkung und Quarantäne umgesetzt werden sollten, wusste damals noch niemand. Die Bilanz: trotz der Schwierigkeiten wurden alle Ziele erreicht:

Willinger Weg

Die Lebenshilfe München arbeitet an einer langfristigen Strategie, um nachhaltige, schöne, moderne und vielfältige Wohnangebote zur Verfügung zu stellen. Eine der größten Herausforderungen ist dabei die Umgestaltung von bereits bestehender Bausubstanz in neuen Wohnraum, der auch den Anforderungen des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes entspricht. Dies war beispielsweise der Fall im Willinger Weg – eine Mammutaufgabe an finanzieller Leistung, Planung und Umsetzung.

Ein gemütliches Miteinander pflegen und ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen in der Lebenshilfe-Wohngemeinschaft München am Willinger Weg.

Die Bewohnerinnen und Bewohner der alten Villa aus den 30er Jahren mussten vorübergehend ausziehen, das gesamte Gebäude wurde abgerissen und durch einen wohl durchdachten, modernen Neubau ersetzt. Seit Mitte Juli 2020 leben nun wieder 24 Menschen in drei Wohngruppen im Willinger Weg, viele von ihnen kehrten nach einer Übergangszeit in Unterschleißheim hierher zurück.

Unterschleißheim

Die Wohneinheiten in Unterschleißheim bleiben der Lebenshilfe dennoch erhalten. Auch dies gehört zu den Erfolgsgeschichten des Jahres 2020. Ein langfristiger Mietvertrag wurde ausgehandelt. Wie im Willinger Weg verfügt jedes Zimmer über ein eigenes Bad, die Räume sind hell und groß, eine gute Betreuungsdichte sowie eine dauerhafte Nachtbetreuung sind gewährleistet. Die 16 Bewohnerinnen und Bewohner fühlen sich hier wohl.

Die Wohngruppe in Unterschleißheim bleibt der Lebenshilfe München erhalten. Helle Räume und moderne Ausstattung zeichnet sie aus.

Putzbrunn III

Für das dritte und dann modernste Gebäude in Putzbrunn schreitet die Planung voran. Alle wichtigen Termine konnten stattfinden und im Spätsommer gab es zudem positives Feedback von Seiten der Regierung.

Zu der bereits bestehenden WG in der Herrmann-von-Sicherer-Str. kam dieses Jahr eine weitere inklusive WG der Lebenshilfe hinzu: das Haus in der Packenreiterstraße wurde dazu nach dem Auszug der Bewohnerinnen und Bewohner Mitte Juli komplett renoviert. Anfang November konnte es dann bereits neu bezogen werden. Inzwischen ist die WG komplett belegt, sechs Menschen mit Behinderung leben hier mit vier Studierenden in einem Haus mit Garten. Aktuell sind zudem zwei weitere inklusive WGs in Planung, eine in Gräfelfing und eine in Freiham. Darüber hinaus konnte die Lebenshilfe München Eltern bei der eigenständigen Gründung einer inklusiven WG in München-Oberwiesenfeld beraten und unterstützen. Die dortigen Bewohner mit Behinderung werden vom ambulanten Dienst betreut.

Insgesamt entwickelt die Lebenshilfe München ihr Leistungsangebot im ambulant betreuten Wohnen stetig weiter. So war die Aufnahme der 50sten leistungsberechtigten Person ein weiterer Meilenstein bei diesem Vorhaben.

Wohntraining

Lisa Hasenberger leitet mit Maske, Laptop und Ablage das Wohntraining.

Auch aus dem seit 2014 angebotenen Wohntraining gibt es Positives zu berichten. Das modular aufgebaute Leistungsangebot kann maximal fünf Jahre lang in Anspruch genommen werden und soll den Übergang zum ambulanten Wohnen begleiten. Nach Abschluss des Trainings können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entscheiden, ob sie eigenständig leben, in eine WG oder doch in eine betreute Wohngruppe wollen. Beinahe die Hälfte der 20 Männer und Frauen aus dem Wohntraining hat sich dieses Jahr für eine ambulante Wohnform entschieden. Im Rahmen des zweiten Moduls wurden gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern geeignete und gewünschte Wohnräume gesucht und gefunden. Darunter auch die inklusive WG in der Packenreiterstraße oder die ambulant betreuten Wohngemeinschaften in der Landsberger Straße. So konnten im Jahr 2020 acht Menschen mit Behinderungen aus dem Wohntraining ausziehen und in eine weniger eng betreute Wohnform wechseln.

Bürokratie und Netzwerke

Auch bei der bürokratischen Unterstützung von Eltern und im Ausbau von Netzwerken im Bereich Wohnen geht es weiter: So greift seit dem 1. Januar 2020 die dritte Reformstufe des Bundesteilhabegesetztes. Dabei werden die Leistungen im gemeinschaftlichen Wohnen in existenzsichernde Leistungen (etwa Lebensunterhalt und Unterkunft) und Fachleistungen (Leistungen der Teilhabe und Wiedereingliederung) getrennt. Die Lebenshilfe München versucht hier, eine Mehrbelastung für Eltern zu vermeiden, indem die Unterbringung der Menschen mit Behinderung so organisiert ist, dass dennoch eine zentrale Abrechnung der Leistungen möglich ist. An ihrem Angebot für intensiv betreutes Wohnen arbeitet die Lebenshilfe unter anderem durch ihre Teilnahme am Projekt PINO (Projekt Intensivwohnen Netzwerk Oberbayern) der LMU. Dabei geht es um die Lebensqualität in Intensivwohngruppen für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung und herausfordernden Verhaltensweisen.

Abschließend kann gesagt werden, dass 2020 ein sehr erfolgreiches Jahr für den Bereich Wohnen war. René Pfeifer spricht dazu nochmal einen außerordentlichen Dank an alle Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen und Leitungen der Wohnen GmbH aus: „Ohne eine vertrauensvolle und von hohem Engagement geprägte Zusammenarbeit, wäre die Entwicklung in 2020 nicht möglich gewesen.“

Tatjana Viaplana

 

Immer mehr Menschen mit geistiger Behinderung ambulant betreut

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Vertrauen aufbauen, helfen, da sein mit der Lebenshilfe München

MÜNCHEN: Bei der Lebenshilfe München wird heute jeder fünfte Bewohner der Einrichtungen nur noch ambulant betreut, vor wenigen Jahren war es nur jeder achte. Dabei wohnen die ’stationär betreuten Menschen‘ mit geistiger Behinderung in einer der elf Wohnstätten der Lebenshilfe München in Stadt und Landkreis München. ‚Ambulant betreut‘ wird im häuslichen Umfeld oder seit Frühjahr auch in betreuten Wohngemeinschaften. In die ambulante Betreuung werden zunehmend auch Menschen mit seelisch-psychischen Herausforderungen einbezogen. Sie haben gute Chancen bei unterstützender Hilfe und Betreuung, ihre Lebenskrisen zu überwinden und zu einem selbständigen Leben zurück zu finden.  Weiterlesen

Neue Herausforderung für die Lebenshilfe München

Eine Wohngemeinschaft muss zusammenwachsen

Lebenshilfe München

Christian Kerler, Koordinater der Wohnen GmbH der Lebenshilfe München, vor dem neu bezogenen Komplex der zwei Wohngemeinschaften.

(gsp) Es war noch früher Nachmittag, als ich zentrumsnah bei der neuen Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München in der Landsberger Straße klingelte. Ich hatte Glück. Die große Tür zum Innenhof der Wohnanlage wurde geöffnet, denn eigentlich sind alle acht Bewohner berufstätig. Direkt zur Landsberger Straße hin ist ein langgestrecktes, hohes Wohnhaus, das hier zur Rückseite für jede Wohnung einen Balkon hat. Dort, wo früher die Rückgebäude standen, sind jetzt zwei moderne, zweigeschossige Neubauten, in denen die zwei Wohngemeinschaften (WG) untergebracht sind. Vom Lärm bekommt man hier nichts mit, im Gegenteil. Von der langen großen Terrasse der WG ist in nur hundert Metern Entfernung eine schmucke Kirche mit hohem Glockenturm zu sehen, wie er jedes Ortsbild zieren würde, eine Idylle mitten in München.  Weiterlesen

Die Zeit war reif für Reformen

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Geschäftsführer Peter Puhlmann erläutert die komplexen Strukturen der Lebenshilfe München – Foto: gsp

In sozialen Einrichtungen wird viel Gutes geleistet. Die Kunst ist, das richtige Maß zu finden und die nötige Struktur dafür zu schaffen. Wird zu viel geleistet, droht ein Burnout – auch auf betrieblicher Ebene -, bei zu wenig Leistung ist das Ende absehbar. Dazu kommt noch ein immenser Kostendruck von Kassen, vom Bezirk oder ganz einfach ‚vom Markt‘ in einer globalen Welt. Anpassungen, Änderungen und Entwicklung sind darum ein steter Prozess.    Weiterlesen