Ausflug der Lebenshilfe in den Umweltgarten

Altlandrätin und Vorsitzende des Vorstandes der Lebenshilfe München besucht mit einer Wohngruppe den Umweltgarten in Neubiberg

Als Bürgermeisterin der Gemeinde Neubiberg hatte Altlandrätin Johanna Rumschöttel den Umweltgarten in Neubiberg mitinitiiert und besuchte ihn jetzt als Vorsitzende des Vorstands der Lebenshilfe München. Mit dabei war eine Wohngruppe der Lebenshilfe aus der St. Quirin-Straße. Die Bewohner wurden von einem kundigen Führer durch die Naturoase geleitet und verbrachten einen wunderbaren Tag.

Der Umweltgarten in Neubiberg ist ein echter Anziehungspunkt für Ausflügler und Erholungssuchende. Fünf Gehminuten sowohl von der S-Bahnstation Neubiberg als auch vom Park- & Ride-Parkplatz am Floriansanger liegt er entfernt. Besucher können auf dem 3,2 Hektar großen Areal Ponys, Schafe, Ziegen, Kaninchen, Hühner, Gänse, Enten und sogar ein Bienenhaus sehen. Wie in einer großen bäuerlichen Gemeinschaft leben die derzeit etwa 80 Haustiere im Neubiberger Umweltgarten. Das Gelände ist jederzeit frei zugänglich.

Die Besucher sind von diesem Naturerlebnis sichtlich angetan, wie etwa Ute. Sie scheibt: „Alles ist mit viel Liebe angelegt. Von Pferd über Schafe, Hühner, Hasen usw. ist alles da. Auch Sitzgelegenheit, WC und Kräutergarten….einfach schön.“ Chiara freut sich über „ein bisschen Bauernhof in der Stadt, direkt mit der S-Bahn zu erreichen.“

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München wird inklusiv – Teilhabe für alle

München wird inklusiv, die Lebenshilfe ist dabei

N I C H T   V E R G E S S E N

T E R M I N : 1. J U L I

In München geht es weiter hin zu mehr Inklusion. Im Mittelpunkt stehen dabei Menschen mit Behinderung. Ihnen soll in allen Lebensbereichen der Weg hin zu einer echten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben offen sein. Im Rahmen der neuen Initiative „München wird inklusiv“ (siehe Link) wird jetzt eigens für Menschen mit kognitiver Einschränkung ein Workshop angeboten.
Termin ist der 1. Juli, doch Anmeldeschluss ist bereits
der 19. Juni.

Im OBA Löhe-Haus in der Blutenburgerstraße in München werden Ideen und Vorschläge gesucht, damit Menschen mit Behinderung besser mitmachen können. Eigens dafür ist ein eigenes Infoblatt in leichter Sprache ausgearbeitet, das Sie als pdf hier downloaden können: Einladung_Workshop_01-07-2017

I bin Minga (München)

„… I bin Minga“ (München)

Die Anmeldung zu dem Workshop kann auch direkt über die Lebenshilfe München erfolgen. Bitte aber nicht vergessen: Anmeldeschluss ist der 19. Juli.

Den Menschen mit Plan und Ziel helfen

Immer mehr berufen wir uns in einer Gesellschaft, die sich in allen Bereichen spezialisiert, auf „Ganzheitlichkeit“ sobald es uns selbst, den Menschen betrifft. Es sind alle Bereiche der Persönlichkeit betroffen, die motorische, geistige, psychische und soziale Entwicklung sowie unser Umfeld und unsere Gesundheit. Darum geht es auch immer wieder bei der Inklusion und Förderung von Menschen mit geistiger Behinderung.

Ein Gesamtplan für den ganzen Menschen

Der Bezirk Oberbayern ist für die Lebenshilfen in seinem Regierungsbezirk der zuständige Kostenträger, so auch im Rahmen der Eingliederungshilfe. Er finanziert für Menschen mit Behinderungen ambulante, teilstationäre und/oder stationäre Hilfen. Er entscheidet letztlich, welche Leistungen in welcher Höhe und für was sie bezahlt werden oder nicht. Dabei greift nicht das „Prinzip Zufall“. Der Unterstützungsbedarf wird ganz genau im Detail erhoben. In einem ‚Gesamtplan‘ will man der individuellen Situation jedes einzelnen Menschen mit Behinderung gerecht werden. Und damit sind wir wieder bei der Ganzheitlichkeit des Menschen. Es soll möglichst jeder einzelne Aspekt berücksichtigt werden.

Vom Arztbericht bis zum Werkstattbogen

Das Verfahren zum Gesamtplan setzt sich darum aus mehreren Bereichen zusammen. Es sind der Arztbericht, der Sozialbericht und ergänzend dazu der Hilfeplan und drei Entwicklungsbögen – der HEB-A-Bogen (3 Monate nach Aufnahme), der HEB-B-Bogen (zur Kostenübernahmeverlängerung) und der HEB-C-Bogen (als Entlassungsbericht) sowie der Berichtsbogen aus der Werkstatt bzw. aus der Förderstätte.

Mit 34 Aktivitäten der Persönlichkeit auf der Spur

Mit dem Bewertungsbogen wird anhand von 34 Aktivitäten zu einer bestimmten Hilfebedarfsgruppe zugeordnet. Dazu zählen etwa: Umgang mit der Behinderung, Teilhabemöglichkeiten in der Arbeit und Freizeit, Selbstversorgung und Wohnen, Aufbau und Pflege von sozialen Beziehungen des Menschen mit geistiger Behinderung. Es gibt insgesamt 5 Hilfebedarfsgruppen. Darüber hinaus prüft der Bezirk Oberbayern die sonstigen sozialhilferechtlichen Voraussetzungen. – siehe Link.

Lebenshilfe in der Pflicht

Leistungserbringer wie die Lebenshilfe München müssen sich diesen Vorgaben – bei ihren zehn Wohneinrichtungen in Stadt und Landkreis München – stellen und darin sind die Geschäftsführung, das Qualitätsmanagement, die Leiter, die Fach- und Zweitkräfte der Einrichtungen und auch der Pädagogische Fachdienst involviert. Dies bedeutet einen zeitlichen Aufwand für jeden Bewohner und das wird zunächst nicht immer mit Begeisterung von den Bezugsbetreuern aufgenommen. „Dadurch fehlt uns Zeit für den persönlichen Umgang mit den Bewohnern“ ist häufig zu hören, denn es gilt, jährlich einen Bewertungsbogen (Erhebung des aktuellen Hilfebedarfs eines Menschen mit Behinderung), eine Förderplanung und rechtzeitig vor Ablauf der Kostenübernahme einen HEB-Bogen zu erstellen – je Bewohner, und zusätzlich zur Gruppen- und Betreuungsarbeit.

Schulungen helfen weiter

Die Fachkräfte werden durch Schulungen und bei der Erstellung von besonders schwierigen Bewertungsbögen, Förderplänen und HEB-Berichten vom Pädagogischen Fachdienst und EDV-Beauftragten unterstützt. „Der Mensch mit Behinderung ist in diesem Prozess der Hauptakteur. Seine Wünsche und Ressourcen sind Ausgangspunkt einer guten Planung von Unterstützungsleistungen angepasst an seinem individuellen Hilfebedarf“ erklärt Imke Krause.

Die Vorgaben des Bezirks werden ergänzt mit den besonderen Werten und Erfahrungen der Lebenshilfe München, die in den letzten mehr als 50 Jahren gesammelt wurden. Zusätzlich werden Besonderheiten der einzelnen Einrichtungen berücksichtigt, wie zum Beispiel beim Wohntraining. Ziel aller Bemühungen soll es sein, die Lebensqualität und die gesellschaftliche Teilhabe jedes Einzelnen zu steigern.

Gemeinsame Ziele finden

„Eine Zielvereinbarung mit Menschen mit geistiger Behinderung zu treffen, ist komplexer als mancher denken mag. Viele neigen nämlich dazu nur das zu sagen, was man gerne hören möchte, oder zumindest was sie glauben, dass wir hören wollen. Menschen mit geistiger Behinderung fällt es häufig schwer, eigene Wünsche deutlich zu machen, vor allem bei jenen, die nicht oder nur sehr wenig sprechen können. Darüber hinaus leben sie sehr stark im ‚Hier und im Jetzt‘ und können schwer abschätzen, welche Folgen ihre Entscheidungen in den nächsten Monaten oder Jahren mit sich bringt“ erklärt Esther Wolfram.

Lebensqualität und die gesellschaftliche Teilhabe

Eine gute Förderplanung hilft dem Menschen mit Behinderung bei der Umsetzung seiner Ziele. Entsprechend seinem Hilfebedarf werden unter Berücksichtigung seiner Ressourcen und Wünsche passgenaue Unterstützungsleistungen geplant und umgesetzt. Immer wieder wird zusammen mit dem Bewohner und in den Teams reflektiert, ob die Unterstützungsleistung noch zielführend ist oder neuen Unterstützungsbedarfen angepasst werden muss. Haben sich neue Ziele ergeben, die für den Menschen mit Behinderung wichtig sind? Der Förderplan als laufendes Arbeitsinstrument der Fachkräfte ist somit ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtplanverfahrens.

Link:

http://www.bezirk-oberbayern.de/Soziales/Erwachsene-mit-Behinderungen/Gesamtplanverfahren

Der Pädagogische Fachdienst Wohnen der Lebenshilfe München unterstützt alle Wohneinrichtungen

Der Pädagogische Fachdienst der Lebenshilfe München. Von links: Esther Wolfram, Erich Wolf und Imke Krause.

Auf der Suche danach, was denn ein Pädagogischer Fachdienst bei der Lebenshilfe München Wohnen GmbH so macht, habe ich das direkte Gespräch mit den drei Fachverantwortlichen Erich Wolf, Imke Krause und Esther Wolfram gesucht. Alle drei engagieren sich seit vierzehn Jahren und länger für die Lebenshilfe München und waren bereits in verantwortlicher Leitungsposition. Sie kennen die Besonderheiten der Lebenshilfe in allen Facetten, wissen um das Zusammenspiel von Menschen mit Behinderung, Fachkräften, Ehrenamtlichen, Angehörigen und gesetzlichen Betreuern.

Der Pädagogische Fachdienst kann von allen Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München Wohnen GmbH angefragt werden. Benötigen die Teams zu bestimmten pädagogischen Themen Informationen und Hilfestellungen oder hat sich etwa das Verhalten von Bewohnern verändert, der Fachdienst hilft. Er ist auch gefragt, wenn Teams gemeinsam mit den Angehörigen Beratung brauchen, oder ein Bezugsbetreuer Hilfestellung bei der Förderplanung.

Von der Erstaufnahme bis zum Ehrenamt

Der Pädagogische Fachdienst berät Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige bei der Aufnahme und verwaltet die Warteliste. Er organisiert Gruppenveranstaltungen für die Bewohner, wie „Erste-Hilfe-Kurse“ oder „Heimbeiratsschulungen“ und unterstützt die Einrichtungen bei der Wahl neuer Bewohnervertreter. Zudem berät der Pädagogische Fachdienst ehrenamtliche Helfer und sucht für diese eine passgenaue Einsatzmöglichkeit.

Ohne eine gute EDV geht nichts

Was beim Pädagogischen Fachdienst an Bedeutung gewonnen hat, sind Vorgaben des Bezirks Oberbayern und der Heimaufsicht. Einer seiner Kernkompetenzen ist es, die Standards einer qualitativ hochwertigen Betreuungsplanung zu entwickeln und zu vermitteln. Dabei ist mit dem Qualitätsmanagement, dem EDV-Beauftragten und den Einrichtungsleitungen eine enge Kooperation für die Durchführungs-Dokumentation wichtig. „Für die Überarbeitung der Standards für die Förderplanung haben wir über Wochen und Monate eng mit unserem EDV-Beauftragten Anugyan Kirchner und dem Qualitätsbeauftragten Florian Mauch zusammengearbeitet. Ein herzlicher Dank an sie dafür“, ergänzt Imke Krause.

160 Menschen mit geistiger Behinderung

„Früher war der Pädagogische Fachdienst direkt in den größeren Einrichtungen angesiedelt. Heute ist er zentral in der Geschäftsstelle zu finden“, erklärt Erich Wolf. Das sei einerseits für die kleineren Wohneinrichtungen – bis zu 15 Bewohner – ein Vorteil, anderseits spricht einiges für eine externe Perspektive. „Entstehen Konflikte und verfestigen sich diese, hilft oft eine dritte Meinung weiter, der Blick von außen“, weiß Esther Wolfram. In den vollstationären Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München wohnen derzeit 160 erwachsene Menschen mit einer geistigen Behinderung, die von 127 Mitarbeitern im Gruppendienst betreut werden, davon etwa 62% Fachkräften.

Wohnplatzanfrage und Belegungsmanagement

Ein weiterer Bereich des Pädagogischen Fachdienstes ist das Belegungsmanagement. Es beginnt mit einer Wohnplatzanfrage. In einem ersten Gespräch wird die persönliche Situation des Menschen mit Behinderung und seine Unterstützungsbedarfe und Wohnwünsche abgeklärt. Wie hoch ist der Hilfebedarf, welche Ressourcen und Entwicklungsmöglichkeiten sind vorhanden und welches Betreuungsangebot wird benötigt. „Es findet sich nicht immer sofort ein freier Platz. Wir haben häufig lange Wartezeiten. Es ist darum sehr wichtig, sich rechtzeitig um einen Wohnplatz zu bemühen und nicht erst bei Tod des nahestehenden Angehörigen. Dann nämlich kommt es für die Betroffenen zum zweifachen Schock, wenn nicht sofort ein Platz bereit steht“ weiß Erich Wolf aus vielen Fällen seiner langjährigen Tätigkeit bei der Lebenshilfe München.

Der Pädagogische Fachdienst hält zudem den Kontakt mit den Freiwilligen-Agenturen, immer auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern zur Verwirklichung besonderer Wünsche der Bewohner im Freizeitbereich.

Die Offenen Dienste der Lebenshilfe München

Harry Zipf, seit über 20 Jahren für Menschen mit Behinderung engagiert

 

Die Jahre von 1975 bis 1980 waren Aufbruchjahre bei der Lebenshilfe München. Das Ringen um die gesellschaftliche Anerkennung und die Förderung von Menschen mit Behinderung hatte 15 Jahre nach Gründung des Elternvereins viel angestoßen und bewirkt.

So entstanden in München erste Einrichtungen der Frühförderung und die Lebenshilfe-Werkstätten (ab 1975), die erste Wohnstätte wurde in der Hofbauernstraße eingeweiht (1978) und auch die Offene Behindertenarbeit ist seit 1977/78 fester Bestandteil der Arbeit für Menschen mit geistiger Behinderung.

Inklusion schaffen und leben

Ziel war und ist bis heute natürlich die Förderung von Menschen mit geistiger Behinderung, aber auch eine Entlastung von Eltern oder Betreuern. „Dabei ist wichtig“, ergänzt Harry Zipf, Leiter der OBA bei der Lebenshilfe München, „unserer Arbeit schafft Inklusion, also das Zusammenführen von Menschen mit und ohne Behinderung, auch wenn damals noch von Integration gesprochen wurde. Die Lebenshilfe war von Anfang an auf einem guten Weg, etwa mit der Gründung erster Freizeitclubs in Giesing, Haidhausen, Obermenzing.

Unverzichtbar: Ferien- und Freizeitangebote

In einem Rückblick zum 10jährigen Jubiläum der Offenen Behindertenarbeit (OBA) in München betont man neben dem Spaß bei gemeinsamer Freizeit von Behinderten und Nichtbehinderten die „gegenseitige Anregung zu sinnvoller und selbständiger Freizeitgestaltung.“ Zunehmend entwickelten sich die Freizeitangebote und vor allem auch mehrtägige Ferienangebote.

FuD mit persönlicher Betreuung

Ein zweiter, ebenso wichtiger Zweig bei den Offenen Diensten der Lebenshilfe München bildete sich mit der Gründung des „Familienunterstützenden Dienstes“ (FuD) ab 1989 heraus. Schnell arbeitete hier ein Team von drei hauptamtlichen Teilzeitkräften und vielen ehrenamtlichen Helfern zusammen. Eltern, Betreuern und Menschen mit Behinderung soll geholfen werden. In einem persönlichen Gespräch wird der Bedarf erhoben, die Möglichkeiten definiert, das persönliche Umfeld des Betroffenen eingeschätzt, um dann direkt vor Ort helfen zu können.

Organisation, Schulung und Feingefühl

Heute sind beim FuD über 350 und in der OBA nochmals 100 Ehrenamtliche tätig. „Das bedeutet eine ganze Menge an Organisation, Schulung und zwischenmenschlichem Feingefühl, damit jeder seinen für ihn passenden Platz ausfüllen kann“, erklärt Zipf. Das Team an Hauptamtlichen ist bei der FuD und bei der OBA auf je fünf Teilzeitkräfte gewachsen. In der Ferienbetreuung wird um weitere 4 Teilzeitkräfte ergänzt.

Teilhabe von Menschen mit Behinderung

Der große Erfolg der ersten 20 Jahre der OBA ist es, mehr Präsenz in der Öffentlichkeit zu zeigen – jenen Prozess mit anzustoßen, der sowohl in der UN-Konvention von 2008, wie auch unter dem Schlagwort Inklusion zu verstehen ist. Es geht um die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft und am gesellschaftlichen Leben. Dieser Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen.

Leistungsträger sind Stadt, Landkreis und der Bezirk

Harry Zipf ist seit 1997 bei der Lebenshilfe München und erinnert sich noch gut an die Einführung der Pflegeversicherung und ihrer Reformen, die ja bis heute andauern (Link). „So wurden die Betreuungsleistungen, etwa bei eingeschränkter Alltagskompetenz, von jährlich 460 Euro auf monatlich bis zu 125 Euro erhöht. Verbesserungen wurde in vielen Bereichen realisiert.

I bin Minga (München)

Es geht bei allen Leistungen und Verbesserungen immer um Geld und die Zuständigkeiten von Kostenträgern. Die Stadt München hat hier sehr früh sehr viel geleistet. Heute sind viele Bereiche auf dem Bezirk Oberbayern übertragen. Die Stadt und auch der Landkreis München aber ’sind bis heute dran‘, wie etwa mit dem Aktionsplan „München wird Inklusiv“ (Link), der aktuell eine Neuauflage mit viel Bürgerbeteiligung erfährt.

Singles unter doppelter Belastung

München nimmt nicht nur eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung der UN-Konvention ein, sie hat auch strukturelle Herausforderungen. Im Gegensatz zum ländlichen Raum wohnen hier prozentual deutlich mehr Singles und nur sehr selten ist Familie im Sinne von Großfamilie ‚verfügbar‘. Für Alleinerziehende, die einen Menschen mit Behinderung begleiten, ist es doppelt schwer. Sie haben keinen Lebenspartner und eine familiäre Struktur ist nicht vorhanden bzw. nicht vor Ort. „Umso dringender brauchen wir hier die Angebote der OBA und des FuD, um für nötige Pausen und Auszeiten zu sorgen, einem Burnout vorzubeugen. Nicht zu vergessen sind lange Ferienzeiten, die sich mit beruflichen Urlaubsansprüchen nicht decken. Auch bei Krankheit oder gar einem Krankenhausaufenthalt ist immer wieder Unterstützung nötig,“ erklärt Harry Zipf.

Inklusion braucht Zeit und Struktur

Als positives Beispiel nennt Zipf den Mobilitätsservice der Stadt München und wünscht sich noch eine Ausweitung auf Abendstunden und Wochenenden. Selbst engagiert er sich im Behindertenbeirat der Stadt München und im Landkreis München. Die Stadt ihrerseits hat neben dem Behindertenbeirat mit Oswald Utz zudem noch einen sehr engagierten und mitunter kritischen Behindertenbeauftragten. Der erste Aktionsplan der Stadt, „München wird inklusiv“ ist mit seinen 35 Maßnahmen noch nicht abgeschlossen. „Inklusion braucht Zeit und Struktur und das geht nicht von heute auf morgen“, weiß Harry Zipf aus seiner 20jährigen Berufserfahrung bei der Lebenshilfe München.

Einrichtung für Kurzzeitwohnen für Kinder und Jugendliche

Er wünscht sich für München noch eine Einrichtung Kurzzeitwohnen für Kinder und Jugendliche. „Nur so können wir auf anstehende Probleme und sich zuspitzende Situationen auch reagieren. Hilfe muss häufig sofort geleistet werden und nicht erst Monate später.“ Begrüßen würde der engagierte Pädagoge auch einen Assistenz-Service für Menschen mit Behinderung. „Das könnte wie eine Kontaktbörse aufgebaut sein. Dabei müssten ‚Anbieter‘ geschult und registriert sein, um Sicherheit zu schaffen. Eine Aufwandsentschädigung wäre dabei sicher hilfreich.“

 

Neue Wohnqualität bei der Lebenshilfe München

Längst ist die öffentliche Diskussion bei betreuten Wohnformen in vollem Gange. Auch der Gesetzgeber hat reagiert und eine ganze Reihe von Bestimmungen greifen in diesen persönlichen und sensiblen Bereich des Wohnens. Auch Menschen mit geistiger Behinderung sind häufig in betreuten Wohneinrichtungen, wie etwa bei der Lebenshilfe München, untergebracht.

Aktuell sind die Anforderungen durch das Pflege- und Wohnqualitätsgesetz (PfleWoqG) hoch und reichen über eine Heimmindestbauverordnung (HMBV) hinaus. Ebenso greift das Pflegestärkungsgesetz seit 2015, in seiner dritten Novelle seit Januar 2017 verstärkt, und festigt die Position von Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz.

Handlungsbedarf für die Einrichtungen

Für gemeinnützige Anbieter und Betreuer wie die Lebenshilfe München besteht, was die Wohnsituation betrifft, damit aktueller Handlungsbedarf. Viele Wohneinrichtungen bestehen seit 30 bis 40 Jahren und entsprechen nicht mehr den Anforderungen . Der Elternverein arbeitet darum seit Jahren intensiv an einer langfristigen Verbesserung der Wohnsituation in den Häusern. Eltern, Betreuer, Bewohner, Unterstützer und der Elternverein selbst, ringen um die beste Lösung. Nach Monaten intensiver Vorbereitung wurde 2016 ein Architektenwettbewerb mit entsprechenden Wünschen und Vorgaben ausgeschrieben und vor einigen Monaten auch entschieden.

Platz für die Zukunft geben

Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann: „Wir haben uns bei drei Häusern für einen Neubau entschieden, denn bei den alten Häusern würde so und so ‚kein Stein auf dem anderen‘ bleiben. Die alten Bausubstanzen und Wohnungszuschnitte sind zu weit von den aktuellen zeitgemäßen Standards und Forderungen entfernt. Wir handeln damit auch im Sinne unserer Bewohner, ihnen nämlich für die nächsten Jahrzehnte eine gesicherte Wohnung und damit ein gefestigtes Umfeld zu bieten.“

Flexibilität für mehr Selbstbestimmung

Zudem wird bei den Wohn- und Betreuungsformen mehr Flexibilität geschaffen, von der Selbstbestimmung bis hin zu einer 24-Stunden-Betreuung. „Wir bieten schon heute offene Wohnformen im Rahmen einer Wohngemeinschaft, eine Betreuung unserer Senioren, ambulant betreutes Wohnen bis hin zu der klassischen Form im betreuten Wohnen,“ erklärt Christian Kerler, Koordinator Wohnen bei der Lebenshilfe München. Damit wird der Weg für eine grundlegende Forderung nach mehr Selbstbestimmung für Menschen mit geistiger Behinderung geebnet.

Neue Wohnqualität am Willinger Weg

Für die Neubauten zeigt sich Geschäftsführer Peter Puhlmann zuversichtlich und hofft, nachdem die bekannten Bedenken aus dem näheren räumlichen Umfeld im Rahmen des Bauvorbescheides besprochen wurden, nun eine zügige Umsetzung zu erreichen. Mit dem ersten Bauprojekt soll die Wohneinrichtung am Willinger Weg erneuert werden. Die Lebenshilfe München bietet hier dann 24 moderne Wohnplätze für Menschen mit geistiger Behinderung. Zur Infrastruktur zählen auch Gemeinschafts- und Therapieräume sowie ein Bereich für die Betreuer. Damit ist der Fortbestand der Einrichtung für die nächsten Jahrzehnte gesichert. Die Einrichtung am Willinger Weg bietet für Menschen mit geistiger Behinderung eine zentrumsnahe Wohneinrichtung mit guter Infrastruktur in erreichbarer Nähe und guter Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz.

Enge Abstimmung mit der Heimaufsicht

Aktuell bereitet das Büro der Architekten Kaan GmbH die Feinplanung zur Abstimmung der Projektsteuerung vor. Sie erfolgt durch die Fachplaner Hitzler Ingenieure. Parallel dazu ist die Lebenshilfe München im Kontakt mit der Heimaufsicht für eine enge Abstimmung des Projektes. Damit könnte 2018 die Erteilung der Baugenehmigung durch die LBK (Lokal-Bau-Kommission) erfolgen und 2019 die Fertigstellung und Bezug des neuen Wohnhauses am Willinger Weg in München.

Seit mehr als 30 Jahren leben Menschen mit geistiger Behinderung am Willinger Weg zusammen, gehen gemeinsam in die Arbeit und sind eine enge Lebensgemeinschaft. Lesen Sie mehr – hier: https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2013/07/17/menschen-mit-behinderung-seit-30-jahren-in-lebensgemeinschaft/

Mehr und bessere Inklusion in München

München nimmt als lebenswerte und lebensfrohe Stadt in vielen Bereichen eine Vorbildfunktion ein. So auch beim Thema ‚München wird inklusiv‘, bei dem man sich bis heute auf die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) besinnt. Oberbürgermeister Dieter Reiter hat zusammen mit Bürgermeisterin Christine Strobl und Oswald Utz, ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Landeshauptstadt München, einen zweiten Aktionsplan gesetzt. Organisiert wird die Aktion, die bis zum 15. August 2017 läuft, vom Koordinierungsbüro der Stadt München im Sozialreferat.

Natürlich setzt sich auch die Lebenshilfe München für eine inklusive Stadt ein.

2013 beschloss der Stadtrat einen ersten Aktionsplan zur Umsetzung der UN-BRK und hat konkret 47 Maßnahmen umsetzen können. Ziel ist die Förderung der Inklusion, also die volle gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen in allen Lebensbereichen.

„München gilt seit Jahren als eine der behinderten-freundlichsten Städte Deutschlands. Und die selbstbestimmte, uneingeschränkte und gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen, unabhängig davon, ob mit oder ohne Behinderung, ist schon lange ein erklärtes Ziel der Münchner Stadtpolitik“, sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter.

Behindertenbeirat und Behinderten-Beauftragter

Er nannte dabei den Münchner Behindertenbeirat, der seit 40 Jahren aktiv ist und den seit mehr als zehn Jahren tätigen Behindertenbeauftragten der Stadt München. Entscheidend für eine inklusive Stadtgesellschaft sei aber, dass sich nicht nur Experten, sondern auch möglichst viele Bürgerinnen und Bürger für gelebte Inklusion einsetzen. Auch in dieser Hinsicht wolle die Stadt München mit gutem Beispiel vorangehen.

Bürger in München sollen mitmachen

Die Mitmach-Aktion für den künftigen 2. Aktionsplan zur Umsetzung der UN-BRK, an der sich alle Münchnerinnen und Münchner beteiligen können, sei ein weiterer wichtiger Schritt in diese Richtung. Der 2. Aktionsplan soll Maßnahmen zu ganz unterschiedlichen Themenbereichen enthalten. Die Themenpalette, zu der Bürgerinnen und Bürger Vorschläge einreichen können, reicht von Schule und Arbeit über Gesundheit oder Pflege, Freizeit und Kultur bis hin zu Wohnen oder Teilhabe am öffentlichen und politischen Leben. Vor allem Menschen mit Behinderungen soll durch die Mitmach-Aktion die Möglichkeit gegeben werden, sich an der Entstehung des zweiten Aktionsplans zu beteiligen.

Der Stadtrat soll einen Beschluss fassen

Bürgermeisterin Christine Strobl: „Schon der erste Aktionsplan war ein Meilenstein für eine inklusive Stadtgesellschaft. Die Inklusion fördernde Maßnahmen umfasste alle gesellschaftlichen Bereiche wie Bildung, Gesundheit, Arbeit, Bauen, Kultur oder soziale Sicherung. Dabei handelt es sich nicht um einen unverbindlichen Wunschkatalog, denn die Umsetzung der UN-BRK ist rechtlich vorgeschrieben und für die Umsetzung der Maßnahmen gibt es ein mit Stadtratsbeschluss festgelegtes Verfahren. Das wird auch beim 2. Aktionsplan so sein, der ja nach seiner Erstellung dem Stadtrat vorgelegt wird. Ich gehe davon aus, dass München in den nächsten Jahren, wenn auch die neuen Maßnahmen greifen, weitere sichtbare Fortschritte hin zur Inklusion machen wird.“

Die Stadt München hat sich auf den Weg gemacht

Oswald Utz, ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Landeshauptstadt München, wünscht sich, „dass sich die Bürgerinnen und Bürger nicht scheuen, ihre Anliegen zum Thema Behinderung und Inklusion einzubringen und klar machen, wo sie der Schuh drückt. Ich freue mich auf den künftigen zweiten Aktionsplan und dessen Umsetzung. Und ich hoffe, dass möglichst viele Münchnerinnen und Münchner davon profitieren werden und spüren, dass die Stadt sich auf den Weg gemacht hat“.

Münchnerinnen und Münchner, die an der Aktion teilnehmen wollen, können ihre Vorschläge in ein Formular eintragen. Das Formular und weitere Infos gibt es unter:

www.muenchen-wird-inklusiv.de/aktionsplan.

Fragen zur Aktion können per E-Mail an gerichtet werden:
aktionsplan.soz@muenchen.de

Wer keine Möglichkeit hat, sich das Formular auszudrucken, bekommt es in Papierform bei der OBA der Lebenshilfe oder beim Koordinierungsbüro zur Umsetzung der UN-BRK, Burgstraße 4 (Erdgeschoss). Um vorherige telefonische Anmeldung unter der Nummer 233 – 211 79 wird gebeten.

 

FASD die geheime Behinderung?

Hier geht es zu unserem ersten Bericht "FASD: eine Mauer des Schweigens"

1. Fortsetzung

Die große unbekannte Störung FASD – Fetale Alkoholspektrumsstörung‘ (fetal alcohol spectrum disorders) – bleibt häufig unerkannt, weil die Diagnose schwierig ist und selbst viele Mediziner FASD nicht erkennen. Zudem führt es leicht zu einer Stigmatisierung, wenn das eigene Kind durch einen Alkoholkonsum der Mutter unter einer Behinderung leiden muss. Und die zwei, drei Gläschen Alkohol während der Schwangerschaft können doch gar nicht so schlimm gewesen sein – oder doch?

Dabei ergibt eine aktuelle GEDA-Studie, dass der mütterliche Alkoholkonsum während der Schwangerschaft in Deutschland hoch ist. Demnach haben 20 Prozent einen moderaten Konsum und ganze acht Prozent bewegen sich im riskanten Spektrum. Die Referentin beim FASD-Fachtag der Lebenshilfe München, Dr. med. Dipl.-Psych. Mirjam Landgraf* setzt sich für eine verbesserte Diagnostik ein. „Sie ermöglicht eine frühe Förderung, geeignete Schul-, Arbeits- und Wohnformen, weniger säkundäre Erkrankungen und eine Entlastung der Eltern und Angehörigen.“ Selbst hat sie eine Leitlinie zur Diagnostik heraus gegeben (Link) und nennt für die Diagnose vier maßgebliche Bereiche: das Wachstum, äußere Merkmale im Gesicht, eine Schädigung des Zentralen Nervensystems (ZNS) und Hinweise auf einen Alkoholkonsum in der Schwangerschaft.

Die Schädigung des ZNS kann sich mehrfach ausdrücken. Durch eine globale Intelligenzminderung, eine signifikante Entwicklungsverzögerung oder deutliche Deffizite in der Sprach-, Fein- und Grobmotorik. Gleiches gilt für die Graphomotorik, was selbst beim kindlichen Zeichnen eines Bildes erkennbar wird. Zudem können die räumlich visuelle Wahrnehmung eingeschränkt sein, die Lern- und Merkfähigkeit sowie exekutive Funktionen. Das meint, in Zusammenhängen zu denken, etwa bei Prozessabläufen, wie das Duschen oder Ankleiden. Dazu gehört es auch die Folgen eines Handelns über die eigentliche Tat hinaus einschätzen zu können. Weitere eingeschränkte Fertigkeiten sind die Rechenfähigkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration sowie soziale Fähigkeiten und Verhalten.

Veerle Moubax

Es ist also ein ganzes Bündel, das zu Einschränkungen bei einem FASD führen kann. Dabei erlauben einzelne Defizite noch keinen Rückschluss und das macht eine Diagnose häufig schwer. Und hier beginnt ein Teufelskreis, merkt Margret Meyer-Brauns von der Angehörigenberatung der Lebenshilfe an. „Ohne eine eindeutige ärztliche Diagnose gibt es kein Geld. Und ohne Geld gibt es keine Förderung des Kindes.“

Veerle Moubax von der Selbsthilfegruppe FASD Deutschland schilderte als betroffene Mutter eines Adoptivkindes sehr anschaulich ihre eigenen Erfahrungen. „Wir sind von den USA nach Deutschland gezogen und wussten damals noch nichts von der Schädigung. Bei der Adoption hieß es, die Entwicklungsverzögerungen würden sich schon geben, das Kind habe eben ein schwieriges Umfeld gehabt. Es wurde aber nichts leichter, im Gegenteil“, erzählt Veerle Moubax. Dazu kamen später noch Zweifel an der eigenen Fähigkeit als Mutter. Und doch war ich in einer Großfamilie aufgewachsen, wusste genau, dass ich es nicht schlecht mache.“ Doch gerade ihr gegenüber reagierte das Kind schnell aggressiv und Situationen eskalierten. „Erst später begriff ich, dass sich das Kind ‚ganz zuhause fühlte‘, sich fallen ließ und all seinem Frust und Stress abließ.“ Das half mir mit der Zeit sehr. Er war nach der Schule einfach am Ende seiner Kräfte, konnte nicht mehr mal was essen, schmiss seine Sachen in die Ecke oder irgendwo auf den Boden, und verschwand eine halbe Stunde im Zimmer, zum Chillen, zum sich Regenerieren.“

Heute könne der Sohn selbst ebenfalls gut mit seiner Einschränkung umgehen. So habe er zu seinem Vorgesetzten in der Arbeit schon häufiger gesagt, dass er eben nicht schneller arbeiten kann. Was bei anderen Menschen eine Ausflucht ist, ist bei ihm eine Tatsache, denn „mein Gehirn kann es nicht,“ fügt er hinzu. Und natürlich ist sein Arbeitgeber über dieses Handicup informiert.

In unserer nächsten Folge lesen Sie mehr über FASD, die ‚Fetale Alkoholspektrumsstörung‘ (fetal alcohol spectrum disorders).

 

Dr. med. Dipl.-Psych. Mirjam Landgraf. Kinder- und Jugendärztin, Diplom-Psychologin. Arbeitsschwerpunkte: Fetale Alkohol-Spektrum-Störungen, leitet im integrierten Sozialpädiatrischen Zentrum am Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München die spezialisierte Ambulanz zu Fetalen Alkoholspektrumstörungen und Toxinexposition in der Schwangerschaft.

Sommerfest der HPT Unterhaching bei ‚kids to life‘

Mit viel Glück hat die HTP der Lebenshilfe München in Unterhaching am Wochenende ihr Sommerfest bei strahlend schönem Wetter feiern können. Sie waren zu Gast auf dem Gelände der Stiftung ‚kids to life‘, die der Unternehmer Anton Schrobenhauser gründete. Auf weitläufigen Gelände nehmen jährlich über 3.000 bedürftige Kinder von über 23 Kinderheimen und anderen Einrichtungen an pädagogischen Workshops und Freizeitangeboten teil. „Seit 2003 durften wir schon über 30.000 junge Gäste begrüßen“ heißt es in der Pressemitteilung.

Christiane Keim, Einrichtungsleiterin der HPT in Unterhaching, freut sich über die gute Kooperation und die phantastische Möglichkeit das Gelände zu nutzen. „Wir können hier ein kleines Lagerfeuer für ‚Stockbrot‘ und zum Grillen entfachen. Die Kinder dürfen sich frei bewegen, an den Geräten spielen, beim Go-Kart-fahren, im Streichelzo oder an den Klettergerüsten. Ein idealer Platz für Kinder. Natürlich gibt es auch immer genügend zu essen, viele Eltern helfen mit.“

FASD und eine Mauer des Schweigens?

Lebenshilfe Fachtagung zum Fetalen Alkoholsyndrom in München

Von links: Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe München, Altlandrätin Johanna Rumschöttel, Margret Meyer-Brauns von der Angehörigenberatung, Dr. Mirjam Landgraf, Haunersches Kinderspital, LMU München – iSPZ Hauner und Veerle Moubax von der Selbsthilfegruppe FASD Deutschland und erste Vorsitzende bei AusSicht FASD e.V. Bayern.

Von links: Dr. Gisela Bolbecher und Dr. Heike Kramer vom Vorstand FASD-Netzwerk Nordbayern, Sabine Wolf von der Frühförderung der Lebenshilfe München, Dr. Franziska Gaese vom kbo-Isar-Amper-Klinikum München Ost und Prof. Dr. Klaus Hennicke, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.

Hinter dem Kürzel FASD steht viel an Leid, eine hohe Problematik, mannigfaltige Aspekte, Auswirkungen und Beziehungen. Das war allein schon der prominent besetzten Vortragsliste zum Fachtag ‚Fetales Alkoholsyndrom‘ bei der Lebenshilfe München zu entnehmen. Alkohol während der Schwangerschaft sollte eigentlich Tabu sein, doch „zwischen nichts und gar nichts, tun sich ganze Welten auf“, bringt es Dr. Gisela Bolbecher vom FASD-Netzwerk Nordbayern auf den Punkt.

Die Schädigungen des Gehirns sind irreversibel

‚Nichts‘ muss nämlich auch ’nichts‘ heißen, es gilt eine Null-Toleranz-Grenze gegenüber Alkohol während der Schwangerschaft. Das Embryo besitzt noch keinerlei ‚Abwehrmechanismen‘ gegenüber dem Alkohol, und er wirkt toxisch auf das Gehirn. Schädigungen sind irreversibel, nicht heilbar, auch nicht therapierbar im Sinne einer möglichen Besserung.

Keiner denkt an FASD

“Wir haben bei den Frühfördereinrichtungen der Lebenshilfe München – und wir betreuen jährlich immerhin 700 Kinder – noch keine einzigen gemeldeten Fall von FASD bekommen. Die Eltern melden sich mit allen nur denkbaren Nöten, Herausforderungen und Zweifeln was die gesunde Entwicklung ihres Kindes betrifft. Nicht aber aufgrund eines fetalen Alkoholsyndrom ihres Nachwuchses“, berichtet Sabine Wolf, Leiterin der Frühfördereinrichtung der Lebenshilfe München.

Was hat es mit dieser geheimnisvollen Schädigung auf sich? Warum ist sie in der Öffentlichkeit so wenig bekannt? Was verbirgt sich hinter der Mauer des Schweigens?

Lesen Sie mögliche Antworten und Analysen zu FASD demnächst im Blog der Lebenshilfe München.

Fotos: Gerd Spranger

 

„Es bereitet selbst viel Freude, anderen eine Freude zu bereiten“

Bewohner der Lebenshilfe München lieben Pferde und das Reiten

Viele Bewohner der Einrichtungen der Lebenshilfe München haben ihr kleines Glück tatsächlich auf dem Rücken der Pferde gefunden. Seit einem Jahr nutzen sie immer wieder ein Angebot von Renate Bauer (Dipl. Reittherapeutin SG-TR), die gute Kontakte zu einem kleinen Bauernhof bei München unterhält und hier Therapeutisches Reiten anbietet.

Für Menschen mit geistiger Behinderung ist es ein ganz besonderer Kontakt, denn Tiere kennen keine Vorurteile, sind direkt, zeigen klar was sie wollen und was nicht. Und so ist es selbst für erfahrene Therapeuten immer wieder spannend, die Begegnung zwischen Mensch und Tier zu erleben. Jüngst begleitete Karin Thaumüller eine Gruppe und auch für sie war es eine Premiere.

Die Körpersprache
sendet eindeutige Zeichen

Sie hat sich intensiv um zwei Damen gekümmert, die mehrfach behindert und in ihrer Persönlichkeit sehr gegensätzlich sind. Die eine eher ruhig und zurückhaltend, die andere plappert schon gerne mal drauf los, vor allem wenn sie aufgeregt ist. „Ich war selbst gespannt, wie die zwei Frauen auf die Tiere reagieren, habe ihre Körpersprache genau beobachtet.Von Ängstlichkeit gegenüber den Pferden aber war keine Spur, höchstens ein kleines, vorsichtiges Zögern zu bemerken.“

„Ja, die Damen waren richtig mutig, eine von ihnen ist sogar selbst auf das Pferd geklettert. Es hat auch keine lange ‚Aufwärmphase‘ gebraucht, sie haben schnell zutrauen gefasst.“

Aus sich selbst herausgehen

Die Aufwärmphase hatten sie bei ihrer Ankunft zunächst schon im Stall. Dort hieß es erst einmal bei Stall einstreuen ‚mit anpacken‘, was zwischendurch zu einer ausgelassenen Strohschlacht wurde. Im Hintergrund, in den Boxen, habe die Pferde das Treiben aufmerksam verfolgt.

Interessant war es für Karin Thaumüller mitzuerleben, wie die beiden Frauen bei den Pferden ein ganz anderes Gesicht ihrer Persönlichkeit zeigten. „Die Ruhigere öffnete sich merkbar, lebte richtig auf. Die etwas Aktivere hingegen entspannte sich auf dem Pferd und kam zur Ruhe. Es war schön zu beobachten und zeigte mir sehr eindrücklich, wie sehr die Menschen auf Pferde reagieren.“

Das Umfeld, die Natur und Landschaft genießen

Auch der Esel mit seinen langen Ohren findet viele Freunde

Es war wieder ein harmonischer Ausflug zu dem kleinen Bauernhof, bei dem meistens zwischen vier und acht Personen teilnehmen. Nicht nur die Pferde, auch ein langohriger Esel und andere Tiere sind auf dem Reithof. Die Teilnehmer freuen sich an der ‚freien Umgebung‘, dem ländlichen Umfeld und die vielen neuen Eindrücke, die sie mit nach Hause nehmen können. „Wir haben aus einigen Wohnhäusern der Lebenshilfe München Teilnehmer mit dabei, erzählt Renate Bauer, die in Putzbrunn eine Wohneinrichtung der Lebenshilfe München leitet. Auch Karin Thaumüller ist hier seit Herbst 2015 angestellt. Die gelernte Arzthelferin und Referentin für Erwachsenenbildung hat beruflich aber noch andere Pläne. Sie möchte noch eine Ausbildung zur Heilpraktikerin absolvieren. „Ich liebe meine Arbeit, den Umgang mit Menschen und es bereitet selbst viel Freude, anderen eine Freude zu bereiten,“ erzählt sie.

Lesen Sie auch:

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2016/08/22/der-umgang-mit-pferden-hilft-menschen-mit-behinderung/

Wer das Projekt Reiten unterstützen möchte,
den Menschen hier ein Stück Freude schenken will,
kann das gerne mit einer Spende an die
Lebenshilfe München tun. Verwendungszweck: Reiten

Kontoverbindung:
Spendenkonto
HypoVereinsbank München
IBAN: DE 90 700 202 705 800 557 005
SWIFT-BIC: HYVEDEMMXXX

Weitere Spendprojekte der Lebenshilfe München finden Sie hier:
www.lebenshilfe-muenchen.de/ihre-hilfe-zaehlt

 

Zuwendungsbestätigung für das Finanzamt

Spenden vermindern das zu versteuernde Einkommen. Die Lebenshilfe München ist durch Bescheid des Finanzamtes für Körperschaften in München als mildtätig anerkannt, so dass Privatpersonen bis zu zwanzig Prozent Ihres zu versteuernden Einkommens beim Finanzamt geltend machen können. Sie erhalten von uns automatisch eine Zuwendungsbestätigung ab einem Betrag von 100,00 €. Wir bitten in diesem Zusammenhang um die vollständige Anschrift.

Für Beträge bis 200,00 € genügen der quittierte Einzahlungsbeleg oder der Kontoauszug (§50 EStDV) zur Vorlage beim Finanzamt.

 

„Mit und ohne Behinderung – Zusammen geht mehr!“

Freitag, 5. Mai 2017: Europaweiter Protesttag
für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung
auf dem Karlsplatz (Stachus) in München von 16 bis 19 Uhr

Eltern eines chronisch kranken Kindes empfinden es oft als ein Spießrutenlaufen, wenn sie eine Schulbegleitung für ihr Kind genehmigt bekommen möchten. Hervorragend ausgebildete junge Menschen, die eine Behinderung haben, folgt auf die Ausbildung oft unfreiwillig die Früh-Rente. Oder die ärztliche Versorgung scheitert, weil man die Praxis mit einer Behinderung nicht besuchen kann.

Schule – Arbeit – Freizeit – Wohnen – Gesundheit

Diese drei Beispiele stehen für viele Menschen mit Behinderung. Sie werden im täglichen Leben von der Teilhabe an der Gesellschaft ausgeschlossen. Deshalb veranstalten sie am 5. Mai eine Protestkundgebung und setzen Schule, Arbeit, Freizeit, Wohnen und Gesundheit als fünf „Tatorte verhinderter Teilhabe“ in Szene.

Fünf Tatorte verhinderter Teilhabe

Politikerinnen und Politiker von den bayerischen Landtagsfraktionen werden einen Rundgang machen und dabei an den „Tatorten“ von Menschen mit Behinderung ins Kreuzverhör genommen: Wo werden sie Druck machen? Wann gibt es greifbare Ergebnisse?

Für Menschen mit Behinderung steht eines klar an oberster Stelle: Bayern muss schleunigst die „Tatorte verhinderter Teilhabe“ bereinigen und die UN-Behindertenrechtskonvention in allen Lebensbereichen wirksam umsetzen.

Jedes Jahr bietet der Protesttag ein großes Forum für Menschen mit Behinderung und nimmt Politiker in die Pflicht. Dieses Jahr zentral auf dem Stachus (Karlsplatz).

Auf der Veranstaltung kann jeder an den „Tatorten“ persönlich ins Gespräch kommen und mehr über die Situation von Menschen mit Behinderung in den Lebensbereichen Schule, Arbeit, Freizeit, Wohnen und Gesundheit erfahren.

Bühnenprogramm und Rundgang werden in Gebärdensprache simultan gedolmetscht. Namhafte Künstlerinnen und Künstler begleiten die Veranstaltung mit ihren Beiträgen. Der Eintritt ist frei.

Der 5. Mai ist der europaweite Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. In Bayern veranstaltet das „Aktionsbündnis 5. Mai“ unter Federführung der LAG SELBSTHILFE Bayern e.V. jedes Jahr eine Protestkundgebung.

Nähere Informationen zum Programm und zum Protesttag finden Sie unter
http://www.lag-selbsthilfe-bayern.de
oder auf der Facebookseite der Netzwerkfrauen Bayern.

Lebenshilfe München schult für den Notfall

 

Bei der Lebenshilfe München bereitet man die Bewohner auf Notfälle vor und schult in  ‚Erster Hilfe‘.

In elf Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München Wohnen GmbH leben Menschen mit geistiger Behinderung in Wohngemeinschaften zusammen. Die Bewohner bestreiten ihren Lebensalltag größten Teils selbständig. Dazu zählen alltägliche Dinge wie kochen, waschen, einkaufen sich kleiden, eben die 100 wichtigen ‚Kleinigkeiten‘. Im Zusammenleben und im Alltag kann es darüber hinaus immer wieder zu kleinen und größeren Notfällen kommen. Dann heißt es richtig zu handeln und kühlen Kopf zu bewahren.

Um dafür gerüstet zu sein, veranstaltet die Lebenshilfe München alle zwei Jahre zweitägige Erste Hilfe Kurse für ihre Bewohner. Ermöglicht wird dies durch die finanzielle Unterstützung der Stiftung Lebenshilfe München. Die Kurse führt das Medical Rescue College Wolfratshausen durch, für 2017 hat man sogar zwei Gruppen bilden müssen, da das Interesse der Betreuten so hoch war und nur in Gruppen von maximal 15 Teilnehmern trainiert werden kann.

Was ist wichtig bei einem Notfall?

Was also tun, wenn jemand stürzt, sich eine Platzwunde am Kopf zuzieht oder vielleicht gar noch bewusstlos am Boden liegt? „Auf alle Fälle ruhigen Kopf bewahren“, raten die beiden Trainer Susanne und Peter Lanzner. „Die Notfallnummer 112 wählen“, weiß eine der Kursteilnehmer. Was aber kann man ganz praktisch tun, wie kann man den Verunglückten helfen?

Das galt es an diesen Tagen zu üben, den Bewohnern die Scheu vor direkter Hilfe zu nehmen. So lernten Sie zum Beispiel einen Kopfverband anzulegen oder auch einen Bewusstlosen in eine stabile Seitenlage zu bringen. Ebenso muss die Atmung überprüft werden, liegt jemand bewusstlos am Boden. Dafür gibt es gleich drei Möglichkeiten und man sollte sie alle anwenden. Nämlich ein sanfter Griff an den Hals, dann an Mund und Nase hören und fühlen, ob die Atmung noch aktiv ist.

Keine Angst vor Verbänden

Zum Kurs zählte das gesamte Programm der Erste-Hilfe-Maßnahmen bis hin zur Beatmung und Herzdruckmassage. Erich Wolf vom pädagogischen Fachdienst Wohnen engagiert sich immer wieder für diese Kurse. „Einfache Maßnahmen können Leben retten. Und unsere Bewohner sind immer wieder engagiert bei den Kursen, arbeiten mit und lernen viel dabei. Die Konzentrationsfähigkeit mag zwar vereinzelt nicht so ausgeprägt sein, doch die Kursleiter verstehen sich darauf in einfachen Worten, Beispielen und Übungen die Lerninhalte zu vermitteln.“

http://www.stiftung-lebenshilfe-muenchen.de/

Die erste (von zwei) Gruppen hat den Erste-Hilfe-Kurs bei der Lebenshilfe München abgeschlossen. Dafür gibt es dann auch eine Urkunde.