Rollstuhltaxis ab sofort im Einsatz

– Aus dem Münchner Rathaus –

Für Rollstuhlfahrer gibt es ab sofort bessere Beförderungsmöglichkeiten mit Taxis. Bürgermeisterin Verena Dietl hat jetzt die ersten umgebauten Taxis der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dabei waren der Behindertenbeauftragte der Landeshauptstadt München, Oswald Utz, sowie der Sprecher des Facharbeitskreises „Freizeit und Bildung“ des Behindertenbeirats, Franz Göppel. Über die Verbesserung des Angebotes freut sich auch die Lebenshilfe München.

Foto: Bürgermeisterin Verena Dietl und Behindertenbeauftragter Oswald Utz; Fotograf: Michael Nagy/Presseamt München

Bürgermeisterin Verena Dietl: „Gerade im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs stoßen Menschen mit Behinderungen immer noch auf große Herausforderungen. Insbesondere für auf den Rollstuhl angewiesene Menschen sind Personenbeförderungen bisweilen immer noch sehr schwierig. Im Rahmen des Förderprogramms ‚Rollstuhltaxis‘ haben erste Taxiunternehmen ihre Fahrzeuge mit einem städtischen Zuschuss rollstuhlgerecht umrüsten lassen. Damit können sich nun Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer flexibel und unabhängig im Taxi befördern lassen, ohne den Rollstuhl verlassen zu müssen. Das ist ein großer Fortschritt für die Stadt München.“

Förderprogramm für mehr Teilhabe

Entstanden ist das Förderprogramm durch den 2. Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, den der Stadtrat im April 2019 beschlossen hat. Die Stadt stellt insgesamt 300.000 Euro Zuschüsse für Taxiunternehmen bereit, die ihre Fahrzeuge für einen rollstuhlgerechten Transport umbauen lassen. Die Initiative des Förderprogramms geht dabei maßgeblich auch auf den Behindertenbeirat der Landeshauptstadt München zurück. Am 1. April 2020 konnte das Förderprogramm bereits gestartet werden. Über einen Zeitraum von drei Jahren sollen etwa zehn Wagen pro Jahr umgerüstet werden können. Pro Fahrzeug gibt es einen Zuschuss von bis zu 10.000 Euro.

Appell an die Taxiunternehmen

Sozialreferentin Dorothee Schiwy: „Rollstuhltaxis sind eine dringend notwendige Maßnahme, um Menschen mit Behinderungen das mobile Leben deutlich zu erleichtern. Mit jedem umgerüsteten Fahrzeug tragen wir dazu bei, dass Menschen im Rollstuhl leichter zu Terminen fahren oder auch nachts sicher nach Hause gebracht werden können. Damit wollen wir sicherstellen, dass die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben nicht nur auf dem Papier steht, sondern tatsächlich möglich ist. Ich appelliere daher an alle Taxiunternehmen, das Förderprogramm zu nutzen und ihre Fahrzeuge umzurüsten. Damit schenken Sie Ihren Mitmenschen mit Behinderungen die Möglichkeit, selbst mobil zu bleiben.“

Für ein selbstbestimmtes Leben

Die umgebauten Taxis sind an mindestens drei Abenden der Woche bis 24 Uhr im Betrieb. Zudem fahren sie auch an Wochenenden und an Feiertagen. Oswald Utz, Behindertenbeauftragter der Stadt München: „Bisher konnten Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer nachts, am Wochenende oder einfach spontan so gut wie nie mit dem Taxi fahren. Es war notwendig, viele Tage vorher einen Fahrdienst zu organisieren, der oft ausgebucht ist. Dies schränkt die selbstbestimmte Lebensführung sehr ein. Ich freue mich deshalb sehr, dass die Taxifahrerinnen und Taxifahrer von der städtischen Förderung Gebrauch machen und sich mit umgebauten Taxis besser auf die Menschen mit Mobilitätseinschränkungen einstellen können.“

Franz Göppel, Sprecher des Facharbeitskreises Freizeit und Bildung im Behindertenbeirat: „Im Behindertenbeirat haben wir uns mit der Thematik ‚Rollstuhltaxis‘ intensiv befasst. Dass die Idee im 2. Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention aufgegriffen und umgesetzt wurde, ist nicht zuletzt auch den Münchnerinnen und Münchnern zu verdanken, die Rollstuhltaxis bei der Bürgerbeteiligung vehement eingefordert haben. Taxis in München müssen selbstverständlich auch Menschen mit Behinderungen befördern können − dafür gibt es jetzt eine enorme Unterstützung seitens der Stadt München.“

Weitere Informationen dazu unter muenchen-wird-inklusiv.de/angebote-2.
Hier geht’s zum Link: https://muenchen-wird-inklusiv.de/angebote-2/

Weniger Termine, kleine Gruppen und Masken

Aus dem Newsletter der Lebenshilfe München

Die Lebenshilfe München arbeitet in vielen Bereichen für das Wohl von Menschen mit Behinderung. Im Hinblick auf ein steigendes Covid19-Infektionsgeschehen erarbeitete die Lebenshilfe für alle Bereiche ein Hygiene- und Sicherheitskonzept. Im ersten Teil informierten wir bereits über die Wohneinrichtungen. Hier der aktuelle Stand aus den anderen Bereichen der Lebenshilfe München:

OBA und FUD: Treffen im kleinen Kreis

Für die gemeinsamen und begleiteten Aktivitäten der Offenen Behindertenarbeit wird bei jedem Angebot einzeln entschieden, ob es stattfinden kann und wie. Während Veranstaltungen mit mehreren Teilnehmenden, wie etwa die Clubs, leider weiterhin ausfallen, können kleinste Veranstaltungen oder Treffen im Freien weiterhin stattfinden. Die stundenweise Betreuung in der Familie kann unter Einhaltung der Hygieneregeln weiterhin stattfinden. Mit den geltenden Hygiene- und Schutzkonzept /kleine und feste Gruppen) in den Herbstferien auch die Ferienbetreuung durchgeführt werden.

Frühförderstelle: Die letzten warmen Spätherbsttage nutzen

Wetterbedingt können leider nicht mehr so viele Förderstunden draußen stattfinden. Das Frischluftwartezimmer wird auch allmählich wieder nach drinnen verlegt, in der FF Giesing etwa in den Wintergarten, wo kleine Warteinseln für die Familien hergerichtet wurden.

Ansonsten können Eltern und Kinder weiter ins Haus kommen und die Förderkräfte zu den Familien. Auch die Kindergärten und Krippen lassen unsere FrühförderInnen weiterhin herein.

Bereich Kinder und Jugend:
Maskenpflicht jetzt auch für Grundschüler

In den Heilpädagogischen Tagesstätten (HPT) finden weiterhin kleinere Aktivitäten statt. Auch an den Regeln der Notbetreuung (sollte es soweit kommen) wird sich kaum etwas ändern. Neu ist allerdings die Maskenpflicht für alle Schulkinder, also für alle Kinder ab einem Alter von sechs Jahren. Dabei müssen natürlich der Gesundheitszustand und die psychische Verfassung berücksichtigt werden, denn bei einigen Kindern und Jugendlichen lösen die Masken Angst, Atemnot oder Aggressionen aus.

Individuelle Regelungen helfen trotz steigender Infektionszahlen

Aus dem Newsletter der Lebenshilfe München

So geht es weiter in den Einrichtungen der Lebenshilfe Wohnen GmbH

Durch sehr individuelle Regelungen kann das Leben in den verschiedenen Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München größtenteils wie in den Sommermonaten weitergehen – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt.

Die Hygiene- und Schutzkonzepte werden ständig überprüft und an das aktuelle Infektionsgeschehen angepasst. An Stelle eines Besuchsverbotes, wie zu Zeiten des Lockdowns, gibt es inzwischen Besucherregeln. Neben den gängigen Hygienestandards, wie Hände desinfizieren, Niesetikette, Maskenpflicht und Mindestabstand, sollten sich BesucherInnen vor einem Besuch bei der Einrichtung anmelden. Ähnlich wie in der Gastronomie, ist zudem ein kleines Anmeldeformular auszufüllen. Darin wird bestätigt, dass keine verdächtigen Symptome vorliegen und, dass in den vergangenen sieben Tagen kein Kontakt zu einer mit Covid19 infizierten Person bestand. Auch die Kontaktdaten werden mit dem Formular aufgenommen. Extra eingerichtete und ausgezeichnete „Besucherzonen“ stellen dann während des Besuches sicher, dass Räume mit ausreichend Platz zur Einhaltung des Mindestabstands zur Verfügung stehen.

René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen, betont vor allem, welchen Unterschied die nun einfach und schnell durchführbaren Coronatests machen. Ein Ergebnis liegt im Normalfall innerhalb von 24 Stunden vor. In den meisten Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München werden inzwischen alle zwei Wochen Reihentestungen an den MitarbeiterInnen sowie stichprobenartig an ca. zehn Prozent der BewohnerInnen durchgeführt. Geplant sind, sobald ausreichend verfügbar, zusätzlich Schnelltest für BewohnerInnen, BesucherInnen und MitarbeiterInnen die inzwischen innerhalb von 15 Minuten relativ verlässliche Ergebnisse generieren.

Neuaufnahmen sind unter Einhaltung des Schutzkonzeptes wieder ganz normal möglich. Sie müssen natürlich im Vorfeld besprochen werden und vor dem Einzug sollte ein aktueller negativer Test vorliegen.

Die Rückkehr nach Familienbesuchen erfolgt nach dem Prinzip der Eigenverantwortung. Wie bei den anderen Themen auch, ist hier eine offene und ehrliche Kommunikation die Basis für einen guten Infektionsschutz. Angehörige und Freunde sollten vor der Rückkehr der BewohnerInnen vertrauensvoll darüber berichten, wenn während der Besuchszeit Symptome aufgetreten sind oder Kontakt zu Verdachtsfällen oder größeren Menschengruppen bestand. Sollte dies der Fall gewesen sein, wird individuell in der Wohneinrichtung entschieden, ob protektive Schutzmaßnahmen – wie etwa das Tragen einer FFP2 Maske außerhalb des eigenen Wohnbereiches oder mehr Abstand bei gemeinsamen Aktivitäten – eingehalten werden sollen, bis ein Testergebnis vorliegt.

Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, sollte einen negativen Test, der nicht älter ist als 48 Stunden vorweisen oder versichern können, dass er oder sie sieben Tage lang ohne Symptome daheim (beziehungsweise bei Angehörigen zuhause) geblieben ist.

Anders als im April, als das ganze Thema noch sehr neu war, kann inzwischen Vieles durch Absprachen und vertrauensvolle Kommunikation geregelt werden. Besonders die Kombination aus Basishygiene, Symptombeobachtung und schnellen, verfügbaren Testmöglichkeiten hilft sehr, die Situation möglichst angenehm und sicher für BewohnerInnen, Angehörige und MitarbeiterInnen zu gestalten.

Auch in der Frühförderung, der OBA und im Kinder- und Jugendbereich hat man sich auf die Situation eingestellt. Wir berichten demnächst hier.

Inklusion und die Arbeitswelt

S A V E   T H E   D A T E  :  28.10.2020 in Aschheim bei München

Allein der Titel des Filmes ‚Utopisches vom Himmelreich‚ ist vielsagend, denn ‚da oben‘ dürfte so manches anders laufen, was wir als Erdenbürger noch als Utopie verstehen. Doch der Hintergrund des Filmes ist ein ganz irdischer. Er widmet sich nämlich der Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung. Es ist ein Film von Stefan Ganter und Peter Ohlendorf und eine Produktion von FilmFaktum und Ganter Film & Medien.

Zum Film-Projekt

Das Experiment begann vor gut zehn Jahren unter Begleitung von zwei Kameras: Neun junge Leute mit geistigem Handicap sollten an der Akademie Himmelreich fit gemacht werden für eine Anstellung in der Gastronomie oder im Hotelbetrieb, mit Verträgen nach Tarifrecht. Eine Dekade später schauen wir den Teilnehmer*innen des ersten Himmelreich-Kurses noch einmal über die Schulter und wollen wissen: Kann dieses Experiment im täglichen Arbeitsleben bestehen?

TERMIN. Mittwoch, 28. Oktober 2020 von 17:00 Uhr bis 19:00 Uhr
O R T : DriveIn Autokino München-Aschheim, Münchner Straße 60, 85609 Aschheim

 

Vorbereiten für ein Leben in Eigenverantwortung

In vielen Bereichen war und ist die Lebenshilfe Impulsgeber für Politik und Gesellschaft. Das gilt vor allem für den Bereich ‚Wohnen‘, wie die neue Einrichtung am Willinger Weg (Ramersdorf) oder die offen-gemischte Wohngemeinschaft in der Hermann-von-Sicherer Straße (München-Sendling), die vor zwei Jahren öffnete. Doch bereits vor 40 Jahren ging man unkonventionelle Wege, die der Zeit weit voraus waren, wie etwa die Wohneinrichtung am Kiem-Pauli-Weg zeigt.

Im großen Gemeinschaftsraum finden alle Bewohner Platz. In Zeiten von Corona hat sich das geändert.

In einem großen Wohnblock kaufte der Elternverein Lebenshilfe München e.V. mehrere Ein- und Zweizimmerwohnungen, um Menschen mit geistiger Behinderung ein weitgehend selbständiges Leben zu ermöglichen. In die größte Wohnung wurde ein Büro integriert, mit Gemeinschaftsraum, Waschmaschine, Trockner und Küche als zentrale Anlaufstelle. Zentrumsnah, gut erschlossen durch den MVV und die wichtigsten Einrichtungen und Geschäfte fußläufig zu erreichen. Bis heute nimmt die Berliner Straße unter den zehn Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München eine Sonderstellung ein. Gezielt werden die Bewohner für ein selbständiges Leben geschult, so dass dann im Anschluss, soweit möglich, nur noch eine ambulante Betreuung für das Wichtigste und Notwendigste vorgesehen ist. Seit einem Jahr leitet die Heilerziehungspflegerin Lisa Hasenberger die Einrichtung. Wir haben sie in München besucht.

Den Alltag einüben

Zunächst erzählt sie aus dem Alltag, wie das Leben normalerweise am Kiem-Pauli-Weg, und auch in der Berliner Straße, läuft. 20 Menschen mit leichter geistiger Behinderung leben in den beiden Einrichtungen. „Menschen, die hier einziehen, sind eigentlich recht fit. Für sie ist es ein Super-Schritt von einer Stationären Betreuung hin zu einem selbstständig geführtem Leben zu kommen.“ Da wird dann schon mal gemeinsam gelernt, einfache Gerichte selbst zubereitet. Auch das Waschen der eigenen Wäsche und die Reinheit und Ordnung in der eigenen Wohnung zu halten, wird trainiert, ebenso das selbständige Einkaufen. „Es gibt bei uns aber ganz bewusst Zeiten ohne feste Betreuung, damit sie lernen, auch in für sie kniffligen Situationen allein zurecht zu kommen. Freilich lassen wir sie dabei nicht ganz alleine, denn die Rufbereitschaft funktioniert immer.“

Gezielt die Defizite beheben

Und ein Handy hat jeder Bewohner und weiß damit auch umzugehen. Es ist ein wichtiger Teil des Lebens geworden. Wie es sich für eine Wohngruppe gehört, gibt es auch Dienstpläne, für die jeder mal eingeteilt ist. „In wöchentlichen Besprechungen vertiefen wir regulär das Erlebte immer wieder, um gezielt Defizite auszugleichen. Wir trainieren auch für große und kleine Notfälle wie etwa was zu tut ist, wenn ein Feuer ausbricht. Manchmal braucht es auch psychische Hilfe und natürlich sind wir da Ansprechpartner. Mehr in die Praxis geht es bei regelmäßigen Arztbesuchen, die zwar in der Regel allein durchgeführt werden, wir helfen aber gelegentlich bei der Einhaltung der Termine.“

Wenigstens einmal am Tag will man jeden der Bewohner sehen oder sprechen, und sei es nur am Telefon. „Das gibt uns und den Bewohnern Sicherheit. Natürlich berücksichtigen wir die Privatspähre, wenn jemand mal ’seine Ruhe haben will‘. Dann genügt ein einfaches ‚Hallo‘ am Telefon.“ Im großen Gemeinschaftsraum wird gelegentlich auch gemeinsam gegessen, vor allem am Wochenende und in Ferienzeiten, wenn die Arbeit auch in den Lebenshilfe-Werkstätten ruht. „Das war zumindest bisher so der Fall“, schränkt Lisa Hasenberger ein. Doch Corona hat auch für die Bewohner der Berliner Straße und am Kiem-Pauli-Weg viel verändert.

Foto: Lisa Hasenberger leitet mit Maske, Laptop und Ablage die Gruppe. Fotos: Gerd Spranger

Corona ändert alles

„Gemeinsames Essen im Gemeinschaftsraum beschränken wir auf Kleingruppen, wo wir zuvor in einer Runde von bis zu zwölf Leuten zusammen gesessen sind. Menschen mit Behinderung, besonders innerhalb einer Wohngruppe, zählen zu Risikogruppe,“ erklärt die Einrichtungsleiterin. Schwer wogen auch die Kontaktverbote. „Selbst Eltern und Betreuern war ein direkter persönlicher Kontakt innerhalb der Wohngruppe über Wochen hinweg nicht möglich. Das war und ist auch für die Bewohner schwer. Sie verstehen ganz allgemein manche Beschränkungen nicht und je länger die Einschränkungen dauern, je tiefer sitzt der Frust.“ Umgestellt wurde etwa auch der wöchentliche Einkauf für die Gruppe über mehrere Wochen, den die Bewohner sonst selbst erledigten. Das übernahmen eine lange Zeit ehrenamtliche Helfer und waren damit im Wortsinne wirklich eine große Hilfe. „Über den Gruppen-Einkauf hinaus hat ja jeder der Bewohner auch noch persönliche Wünsche. Die Liste also ist lang“, erzählt Lisa Hasenberger.

Wenn die Struktur verloren geht

Ein wichtiger Teil des pädagogischen Konzeptes der Lebenshilfe München sind feste Abläufe, Rituale und Regeln, nach denen das Leben, der Alltag funktioniert. Der Umgang mit Änderungen fällt schwer. Besonders hart traf darum auch die Schließung der Lebenshilfe-Werkstätten über viele Wochen hinweg. „Es fehlte die Struktur, die Beschäftigung ging verloren, der Austausch in und mit der Gruppe und den Betreuern, kurzum, das ganze Leben war auf den Kopf gestellt. Ein menschlicher und pädagogischer Supergau, dem wir uns zu stellen hatten, und wir arbeiteten so gut es ging dagegen an“, erinnert sich Lisa an jene schweren Monate und hofft, dass es kein zweites Mal gibt.

Es ist viel zu organisieren

Es galt jetzt für das Team aus neun Mitarbeitern die Betreuungszeiten von täglich 11 bis 17 Uhr und von 15 bis 21 Uhr auszuweiten und eine Struktur für den langen Alltag zu schaffen, zumindest zeitweise. Unterstützt wurden sie dabei von einer weiteren Kraft und einem ‚Bufdi‘ (aus dem Bundesfreiwilligendienst). „Wir konnten ja auch nicht mit der Gruppe insgesamt arbeiten, wir mussten und müssen immer die Corona-Abstände beachten und natürlich ebenso alle anderen AHA-Regeln. So gab es für uns viel zu besprechen, abzustimmen und zu organisieren.“ Dazu zählen auch der regelmäßige Austausch mit Eltern und Betreuern und ein erhöhter Gesprächsbedarf mit den Bewohnern der Lebenshilfe-Wohneinrichtung in München.

Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung

Auch 14 Jahre nach Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention ist es immer noch ein mühsames Ringen die eigentlich selbstverständlichen Rechte von Menschen mit Behinderung durchzusetzen. Beispielsweise musste im Februar 2019 erst das Bundesverfassungsgericht feststellen, dass Wahlrechts-Ausschlüsse gegen die Verfassung, gegen die Menschenrechte sind! Ein Jahr später wurde bekannt, dass von den 100.000 Arztpraxen in Deutschland nur knapp 35 Prozent barrierefrei zu erreichen sind. Dabei stellt die
UN-Behindertenrechtskonvention unmissverständlich klar, es ist „die Achtung der dem Menschen innewohnenden Würde, seine individuelle Autonomie, einschließlich der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, sowie seiner Unabhängigkeit im Sinne von Selbstbestimmung“ zu gewährleisten. Ebenso die Chancengleichheit und die Zugänglichkeit bzw. Barrierefreiheit.

Freie Arztwahl für Menschen mit Behinderung

Der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Holger Kiesel, wendet sich darum nachdrücklich an die Kassenärztliche Vereinigung und fordert: „Kommen Sie ihrem Sicherstellungsauftrag zur barrierefreien vertragsärztlichen Versorgung nach.“ Die Beauftragten von Bund und Länder für Menschen mit Behinderung fordern die Kassenärztlichen Vereinigungen, Bundesminister Jens Spahn, die Landesgesundheitsminister, die Leistungsträger und die Gesetzgeber auf die Barrierefreiheit bei Arztpraxen weiter durchzusetzen. Dabei geht es um die seit neun Monaten existierende Verpflichtung im Sozialgesetzbuch V (§ 75 Absatz 1a), dass die Kassenärztlichen Vereinigungen die Versicherten im Internet in geeigneter Weise bundesweit einheitlich über die Sprechstundenzeiten der Vertragsärzte und über die Zugangsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen zur Versorgung (Barrierefreiheit) informieren. Nur so sei das Recht auf freie Arztwahl für Menschen mit Behinderungen umsetzbar.

Der gesetzlichen Verpflichtung nachkommen

Die Beauftragten von Bund und Ländern für Menschen mit Behinderungen bemängeln seit langem die fehlende Barrierefreiheit von Arztpraxen und Information darüber. Sie haben dies auch in der Düsseldorfer Erklärung 2019 beschrieben. Irritiert stellen die Beauftragten fest, dass sich trotz der eindeutigen gesetzlichen Verpflichtung bei der Informationslage über die Barrierefreiheit in Arztpraxen wenig getan hat. Zwar gibt es inzwischen für Bürgerinnen und Bürger auf den Seiten der Kassenärztlichen Vereinigungen Recherchemöglichkeiten für barrierefreie Arztpraxen. Diese sind aber unzulänglich, bieten keine echte und verlässliche Informationsmöglichkeit, sind schwer auffindbar, nur bedingt zugänglich und von Menschen mit Behinderungen kaum nutzbar.

Als konkrete Schritte sollen umgesetzt werden:

  • Ein bundeseinheitliches, modulares Beratungs- und Zertifizierungssystem für Arztpraxen, das einen umfassenden Kriterienkatalog enthält, der die Bedürfnisse aller Behinderungsarten berücksichtigt. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Ärztinnen und Ärzte nicht mit den umfangreichen Anforderungen alleine gelassen werden.
  • Den Bundesminister für Gesundheit Jens Spahn und die Landesgesundheitsministerinnen und -minister fordern sie auf, diese Umsetzung zu beaufsichtigen, bei Bedarf über die Einbringung gesetzlicher Bestimmungen oder Aufsichtsmaßnahmen nachzusteuern.
  • Sie fordern den Bundesgesundheitsminister und die Selbstverwaltung auf, in der Vergütung für ärztliche und therapeutische Leistungen eine bessere Honorierung für barrierefreie Angebote und eine Kürzung für nicht barrierefrei zugänglich Angebote vorzusehen.
  • Die Leistungsträger werden aufgefordert – und hier besonders die Gesetzliche Krankenversicherung – ihrer seit dem Jahr 2002 bestehenden gesetzlichen Verpflichtung (§ 17 SGB I) zur barrierefreien Leistungserbringung endlich umfassend nachzukommen.
  • Sie fordern den Gesetzgeber auf, dafür zu sorgen, dass alle Arztpraxen barrierefrei zu sein haben. Eigentümer müssen gesetzlich dazu verpflichtet werden, bereits bestehende Arztpraxen (genauso wie Apotheken und alle anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens) barrierefrei umzugestalten. Für (insbesondere private) Vermieter sind hierzu Anreize zu schaffen. Um bei Neubauten von Arztpraxen und weiteren Bedarfseinrichtungen die bauliche Barrierefreiheit zu gewährleisten, ist das Konzept „Barrierefreiheit“ innerhalb der Landesbauordnungen länderübergreifend, zeitnah und verbindlich umzusetzen. Die Barrierefreiheit ist bereits für die Phasen der Baukonzipierung, Bauzeichnungsdarstellung bzw. Ausführungsplanung nachprüfbar einzubeziehen.
  • Um die Umsetzung der bereits bestehenden gesetzlichen Verpflichtungen voranzutreiben, regen sie an, Fördermittel für den barrierefreien Umbau von Arztpraxen bereitzustellen.

Holger Kiesel, Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung und Sprecher der Konferenz der Beauftragten aus Bund und Ländern für Menschen mit Behinderung, mahnt:
„Für viele Menschen mit Behinderung ist der Gang zum Arzt so schwierig, dass sie erst gehen, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Das hat extreme Auswirkungen auf die Gesundheit und Lebenserwartung von Menschen mit Behinderung.“

Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen betont:
„Wir haben in der Bundesrepublik Deutschland ein Qualitätsproblem im Gesundheitssystem solange Ärztinnen und Ärzte nicht barrierefrei praktizieren. Zudem haben wir ein Rechtsvollzugsproblem, denn bestehende Normen werden nicht umgesetzt. Deshalb wird es Zeit, dass die zuständigen Stellen dieses Problem jetzt wirklich ernst nehmen und die Defizite abstellen, und zwar nicht erst in einigen Jahren.“

Lebenshilfe München schafft neue Wohnangebote für Menschen mit Behinderung

René Pfeifer, Bereichsleiter ‚Wohnen‘ der Lebenshilfe München vor dem neuen Wohnhaus am Willinger Weg in München. Fotos: Gerd Spranger

Die Lebenshilfe München hat diesen Sommer in Ramersdorf am Willinger Weg ein neues Wohnhaus für 24 Menschen mit Behinderung eröffnet. Es ist das neue Aushängeschild des Elternvereins, denn vom Raumkonzept über die Barrierefreiheit bis hin zum Anspruch auf geräumige Zimmer wurden alle Standards erfüllt, die meisten verfügen noch über einen kleinen Balkon oder eine Terrasse. „Die ersten Überlegungen zur Erneuerung der alten Arztvilla aus den 30er-Jahren, idyllisch und zentral in einer Wohnsiedlung gelegen und seit 1988 Eigentum der Lebenshilfe München, gehen bis auf das Jahr 2012 zurück“, informiert Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München. 2016 entschied dann ein Architektenwettbewerb über den Neubau.

Der Gang weitet sich für eine kleine Sitzgruppe mit hoher heller Glasfront

Die Bewohner fühlen sich wohl in ihrem neuen Zuhause. Bei unserem Besuch der Einrichtung waren einige anwesend, die meisten allerdings in der Lebenshilfe-Werkstatt an ihrem Arbeitsplatz. Sie genießen den schönen sonnigen Garten mit großer Freifläche und frisch angesätem Rasen. Bei unserem Besuch genoss Horst auf seinem Balkon das sommerliche Wetter und beschäftigte sich mit dem Lesen einer Zeitung. Es hielt ihn aber nicht davon ab, sich mit seinen Mitbewohnern im Garten angeregt zu unterhalten. Er freut sich vor allem über die schöne Lage des Anwesens. „Es sind mehrere Haltestellen für Busse und die U-Bahn in der Nähe, auch Geschäfte und der große Ostpark. Es ist schön hier zu wohnen“, äußert er sich sehr zufrieden. Eine andere Bewohnerin freut sich über ihren großen Fernseher im Zimmer und über eine eigene Dusche mit sanitären Einrichtungen, über die jedes Zimmer verfügt.

Renè Pfeifer im Gespräch mit Einrichtungsleiter Klaus Huber.

Zentral in den drei Etagen des Wohnhauses führt ein breiter heller Mittelgang, an dessen Ende eine große Glasfront mit Sitzgelegenheit eingerichtet ist. In der Mitte wurde er mit einem großen Raum hin zum Garten geöffnet, in der den Bewohnern eine gemeinsame Wohnküche zur Verfügung steht. René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen der Lebenshilfe München betont: „Jeder, der eine Wohngemeinschaft kennt weiß, dass die Wohnküche der zentrale Platz der Kommunikation in einer Einrichtung ist. Das Konzept geht auch hier auf. Für privaten Rückzug stehen den Bewohnern ihre großen hellen Zimmer zur Verfügung.“

Ein großer Garten mit Radgarage im Herzen von München.

Für ihn ist es ein immens wichtiger Meilenstein in der Weiterentwicklung der Lebenshilfe München und er bekräftigt: „Wir sind froh 24 Bewohnern einen modernen und adäquaten Wohnraum zur Verfügung stellen zu können. Mit 24 Bewohnern in drei Wohngruppen ist es auch möglich rund um die Uhr eine Betreuung sicherzustellen, so dass immer eine ausgebildete Fachkraft vor Ort ist.“

Die Hühner in Nachbars Garten picken direkt an der Grenze des großen Grundstücks.

Das zweistöckige Gebäude mit ausgebauten Dachgeschoss fügt sich harmonisch in das Gesamtbild der Siedlung aus den 30er-Jahren ein, in denen kleine Häuschen mit Garten das Bild prägen. Zusätzlichen Raum des neuen Lebenshilfe-Wohnhauses am Willinger Weg bietet der Keller mit Heizung, Wirtschaftsräumen, Lager, einem großen Gemeinschaftsraum und ein eigener Personalraum. Die Lebenshilfe München arbeitet konsequent an neuen Raumkonzepten und Wohnformen für Menschen mit Behinderung.

Auch die Rückseite des Gebäudes ist sehr ansprechend gestaltet.

2005 wurde die Wohneinrichtung in Putzbrunn erweitert, 2015 in der Landsberger Straße eine eigene offene Wohngemeinschaft gegründet und der Ambulante Dienst konsequent ausgebaut. 2016 etablierte sich eine offene Seniorengruppe (TENE) in Putzbrunn, 2018 verwirklicht man eine inklusive Wohngemeinschaft in der Hermann von Sicherer Straße und in Unterschleißheim eine neue Wohneinrichtung für zehn Menschen mit Behinderung, die auch die nächsten zehn Jahre bestehen bleibt.

Weiter stark wachsend ist der Bereich des „Ambulanten Dienstes“, in der vor allem Familien oder allein lebende Menschen mit Behinderung Begleitung, Hilfe und Unterstützung erfahren.

Neue Projekte der Lebenshilfe-Wohnen sind bereits in Vorbereitung.
Wir informieren Sie weiter.

Weitere Links für Sie:

Die TENE in Putzbrunn:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2016/02/24/besuch-bei-den-tene-senioren-der-lebenshilfe/

Wohngemeinschaft Landsberger Straße:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2015/12/28/wohngemeinschaft-ergaenzt-das-wohnkonzept-der-lebenshilfe/

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2016/04/14/neue-herausforderung-fuer-die-lebenshilfe-muenchen/

Wohngruppe in Unterschleissheim:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2018/01/20/wohngruppe-der-lebenshilfe-zieht-nach-unterschleissheim/

Die inklusive Wohngemeinschaft:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2020/02/25/16-monate-inklusive-wg-der-lebenshilfe/

Erweiterung des ambulant betreuten Wohnens:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2014/03/03/lebenshilfe-munchen-erweitert-das-ambulant-betreute-wohnen/

Frühförderung München stellt sich vielen Aufgaben


Wichtig ist die frühe Förderung des Kindes“
Mit der neuen Bereichsleiterin Sabine Wolf im Gespräch

Vor 45 Jahren eröffnete die Lebenshilfe München mit der Frühförderung einen ganz neuen Bereich der Betreuung. „Kinder so früh wie möglich zu fördern“, war damals noch kein allgemein anerkannter Ansatz. Doch vor allem bei Menschen mit Behinderung sollte die Förderung früh beginnen. Die Lebenshilfe mit den betroffenen Eltern war hier Pionier und Wegbereiter. Die Psychologin Sabine Wolf ist seit August die neue Bereichsleiterin der Interdisziplinären Frühförderstellen, von denen die Lebenshilfe vier Einrichtungen in Stadt und Landkreis München betreibt, demnächst folgt die fünfte.

„Immer im engen Kontakt mit den Eltern“

Die langjährige Leiterin der Interdisziplinären Frühförderstellen der Lebenshilfe München, Maria-Anna Link, wird in den Ruhestand verabschiedet.

„Unser Hauptanliegen ist der direkte Kontakt zu den Familien. Wir arbeiten interdisziplinär, also eine Psychologin, Ergotherapeutin, Heilpädagogin und Logopädin zusammen, und stehen dabei immer im engen Kontakt und Bezug zu den Eltern. Es würde nur wenig helfen, das Kind in der Woche ein, zwei Stunden therapeutisch zu betreuen, wenn der Ansatz zuhause nicht fortgesetzt wird,“ erläutert Sabine Wolf. „Die Beratung und Anleitung im häuslichen Umfeld ist wesentlich für das Konzept der Frühförderung.“ Darum stehen je Einrichtung bis zu 13 Dienstfahrzeuge zur Verfügung und werden insgesamt von rund 80 Frühförderinnen genutzt.

Entwicklungsrückstände früh erkennen

„Häufig ist es nicht eindeutig, dass das Kind Hilfe braucht. Kinder entwickeln sich sehr unterschiedlich und sind deshalb schwer zu beurteilen. In manchen Fällen ist bereits früher ein Entwicklungsrückstand erkennbar. Diagnosen, etwa bei Autismus, sind erst nach gründlicher Beobachtung möglich und selbst hier braucht es geschulte Fachkräfte.“

Für die Eltern bleibt es eine schwierige Situation, sie sind von Natur aus um ihren Nachwuchs besorgt. „Vielleicht haben sie nur ein Gefühl, dass nicht alles so ist, wie es sein sollte. Wir sprechen von Entwicklungsschwierigkeiten. Dann beginnt die Suche, etwa in einem Sozialpädiatrischen Zentrum oder der Kinderarzt verweist mit der Empfehlung einer Förderung an uns. Die Entscheidung treffen die Eltern, es gibt keinen Zwang“, bekräftigt die Psychologin.

„Wir müssen uns in Geduld üben“

Auf die neue Bereichsleiterin der Lebenshilfe Frühförderstellen in München wartet viel Arbeit.

Ein anderer Weg in die Frühförderung führt häufig über die Kitas und Kindergärten. „Wir unterstützen auch hier direkt vor Ort und suchen den Kontakt zu den Eltern“, so Wolf. Das aber gestaltet sich bei der Berufstätigkeit beider Elternteile nicht einfach. Die Betreuung geht durch alle Gesellschaftsschichten. Bei Familien mit Migrationshintergrund sind zudem die Sprache bzw. die Sprachkompetenz und Kultur ein wichtiger Faktor.

Wir haben über die Jahre hinweg gelernt, damit gut umzugehen, und uns eint das Anliegen um die Gesundheit des Kindes“, weiß Sabine Wolf. „Wir müssen auf diesem Weg alle gemeinsam viel lernen. Es geht nicht immer alles was Eltern wünschen. Vergleiche mit gesunden Kindern sind häufig schwierig. Wir alle müssen immer wieder Geduld lernen. Auch das ist ein Grund für eine möglichst frühe Förderung, um keinen Entwicklungsschritt – wir sprechen auch von einem Entwicklungs-Fenster – zu verpassen. Immer mehr junge Eltern gehen offensiv und selbstbewusst mit der Situation um und das ist gut so.“

„Zusammenhänge verstehen und Konzepte anpassen“

Entscheidend sei der interdisziplinäre Ansatz. Zusammenhänge müssen verstanden und individuell der Person angepasst, sowie Konzepte und Hilfen erarbeitet werden. Die ‚Fälle‘ sind komplex und bei jedem Kind etwas anders gelagert. „Bei der Diagnose hilft uns der Blick der Kollegin oder des Kollegen aus den anderen Fachbereichen. Außerdem verhalten sich Kinder in verschiedenen Situation und gegenüber anderen Personen immer differenziert, erklärt die Bereichsleiterin der Lebenshilfe München. Letztlich soll das Kind soviel Selbständigkeit wie möglich erreichen. Dieses Anliegen zieht sich wie ein roter Faden bis hin in das Erwachsenenalter. „Auch für Menschen mit Behinderung ist heute ein weitgehend selbstbestimmtes Leben möglich. Dieser Anspruch wird zurecht eingefordert, etwa durch die UN-Behindertenrechtskonvention.“

Der von der Regierung verhängte Lockdown (16. März) und die damit verbunden Beschränkungen haben sich auch auf die Frühförderung ausgewirkt. „Wir konnten ab Mai wieder mit 40 Prozent Belegung arbeiten, erst ab August wieder zu 100 Prozent. Nicht alle Eltern sind mit der Situation gleich gut zurecht gekommen. Manchen fehlte ganz einfach das technische Equipment und andere haben sich nur schwer mit Video-Therapie anfreunden können. Wir sind mit unserer mobilen Arbeit zudem darauf angewiesen, in die Familien und in die Kindergärten hinein zu dürfen, was derzeit erschwert ist. Insgesamt aber fehlen diese Wochen, wir spüren das bei den Kindern.“

20 Jahre Erfahrung mit der Lebenshilfe München

Betreut werden bei der Frühförderung (FF) der Lebenshilfe München aktuell rund 600 Kinder, von Geburt bis zur Einschulung (sieben Jahre). Die neue Bereichsleiterin ist seit 20 Jahren bei der Lebenshilfe München, hat dort als Psychologin in der FF Giesing begonnen. Es ging dabei um die Beratung und Begleitung der Eltern, um die Diagnostik und Zusammenarbeit in einem interdisziplinären Team. 2005 wurde sie dann Leiterin der FF Giesing und sie war in der Einrichtung weiterhin als Psychologin aktiv. Von 2011 bis 2017 widmete sie sich der Frühchen-Nachsorge ‚Harlekin‘ in Verbindung mit der Kinderklinik Schwabing und Harlaching. In den letzten Jahren war sie stark in die Gremienarbeit auf Bezirks- und Landesebene eingebunden.

Bis heute fühlt sich Sabine Wolf mit ihrem Beruf auf das Innigste verbunden. „Ich mag den frühen Kontakt zu den Familien und die vielfältige Unterstützung, die wir in dieser sensiblen Zeit geben können. Immer wieder wird sorgfältig und wertschätzend eine nahe und unterstützende Beziehung zu Kind und Eltern aufgebaut, die bis zu sechs Jahre andauern kann. Dann heißt es immer wieder sich gut verabschieden und wieder trennen.“

Digitalisierung und Bundesteilhabegesetz

Vor Herausforderungen stelle zudem, „das Konzept zugunsten einer möglichst guten, fachlich und menschlich passenden Zusammenarbeit auszufüllen.“ Gleichzeitig gelte es, „die Grenzen des Konzepts, die Fragen nach Refinanzierung und Wirtschaftlichkeit im Auge haben.“ Als neue Bereichsleiterin der Interdisziplinären Frühförderstellen der Lebenshilfe München will sie den Prozess der Digitalisierung weiter voran treiben, ebenso wie die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes. Als Stichwort nennt sie ICF, die „International Classification of Functioning, Disability and Health“. Sie „dient fach- und länderübergreifend als einheitliche und standardisierte Sprache zur Beschreibung des funktionalen Gesundheitszustandes, der Behinderung, der sozialen Beeinträchtigung und der relevanten Umgebungsfaktoren eines Menschen. Mit der ICF können die bio-psycho-sozialen Aspekte von Krankheitsfolgen unter Berücksichtigung der Kontextfaktoren systematisch erfasst werden“, heißt es in der Erläuterung.

Ein Dauerthema für die Lebenshilfe München ist die Ausweitung der Kapazitäten der Frühförderung, denn die Nachfrage steigt seit Jahren. „Im Frühsommer 2021 eröffnen wir in der Messestadt München Ost eine nächste Einrichtung“, freut sich Sabine Wolf.

Keine Benachteiligung von Menschen mit Behinderung

Zu wenig Personal für Schulbegleitung
Förderunterricht und Betreuung
Keine Benachteiligung von Menschen mit Behinderung

Peter Puhlmann im Gespräch mit MdL Kerstin Celina (l.) und MdL Clauda Köhler (r.).

Noch sind Schüler und Lehrkräfte in Bayern mitten in den Sommerferien. Doch herrscht bei vielen Eltern Unsicherheit, wie sich ein Regelbetrieb im neuen Schuljahr gestaltet. Es ist zu befürchten, dass es weiter zu massiven Einschränkungen kommt. Das gilt besonders für Menschen mit Behinderung. Darum fordern die beiden Landtagsabgeordneten (MdL) der Grünen, Claudia Köhler und Kerstin Celina, Menschen mit Behinderung kein zusätzliches Handicap aufzulegen.

Regelung der Kurzarbeit birgt Risiken

In einer ‚Telefonkonferenz haben Sie sich in der letzten Juliwoche mit dem Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, über die aktuelle Situation informiert. Dabei wurde deutlich, dass Personal für die Schulbegleitung zur Förderung und Betreuung von Menschen mit Behinderung in großer Zahl fehlen werde. Aktuelle Kurzarbeits-Regelungen könnten eine sichere Personal-Planung verhindern und so die finanziellen Risiken nicht abgedeckt sein. Schon jetzt würden aus Vorsichtsgründen nicht alle Betreuungsplätze angeboten. Die sozialpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, MdL Kerstin Celina, und die haushaltspolitische Sprecherin, MdL Claudia Köhler, befürchten darum eine Benachteiligung von Menschen mit Behinderung.

Mehr Sicherheit für die Planung

Sie argumentieren: „Kurzarbeits-Regelungen sind für unsere Unternehmenslandschaft gestrickt. Sie passen aber nicht zu sozialen Einrichtungen. Ihr Bedarf ist besonders in der Behindertenhilfe nicht konjunkturabhängig.“ Um nun für September die benötigten Schulweg-Begleitungen, Förderlehrkräfte und zusätzliches Betreuungs-Personal einstellen zu können, müssten die betreffenden sozialen Einrichtungen auf die Möglichkeit der Kurzarbeits-Verlängerung verzichten. Damit gehen sie aber ohne Planungssicherheit in ein existenzgefährdendes Risiko. Sie müssen die Fachkräfte auch in Pandemiezeiten dauerhaft ohne Kurzarbeit beschäftigen.

Inklusion kann man nicht abschalten

Peter Puhlmann erläutert die Hintergründe: „Inklusion ist ein andauernder Prozess. Man kann ihn nicht einfach nach Belieben ein- oder ausschalten. Genau in diese Situation aber werden die Schulbegleiter und damit der jeweilige Träger und Anbieter durch die Pandemie-Maßnahmen gestellt. Bei der Lebenshilfe München beschäftigten wir vergangenes Schuljahr 2019/20 etwa 60 Schulbegleiter sozialversicherungspflichtig. Ab September 2020 werden es wieder 50 sein, so dass alle Kinder, die letztes Jahr von uns betreut wurden, auch im neuen Schuljahr wieder versorgt werden. Die Nachfrage ist allerdings viel höher. Die finanziellen Aufwendungen erstattet der Kostenträger jedoch nur bei erbrachter Leistung. Wechselt der Schulbetrieb etwa wöchentlich vom Regelunterricht auf Homeschooling, bekommen wir nur fünfzig Prozent der Leistungen erstattet, bei gleichbleibenden Lohnkosten. Erschwerend wirkt sich in Einzelfällen noch die Situation der SchulbegleiterInnen selbst aus. Auch sie sind COVID-19 Zwängen ausgesetzt, etwa als alleinerziehende Elternteile, die, wegen des eingeschränkten Schulbetriebes, mit dem eigenen Kind ebenfalls zuhause bleiben müssen.

Der Freistaat Bayern muss liefern
Sonderfonds Corona-Pandemie

Die beiden Grünen-Politikerinnen fordern darum vom Freistaat Bayern eigene Lösungen. Konkret könnte dies aus finanziellen Mittel aus dem vorhandenen und anfänglich mit 20 Millionen Euro gefüllten Sonderfonds Corona-Pandemie erfolgen. „Das Signal, dass diese Mittel jetzt bereitgestellt werden und die Finanzierung über das gesamte Schuljahr sichergestellt ist, muss jetzt schnell kommen“, betont MdL Kerstin Celina die Dringlichkeit. „Es braucht dazu auch keinen Landtagsbeschluss“, so MdL Claudia Köhler, „die CSU-Sozialministerin muss lediglich ihren anteiligen Bedarf am Corona-Finanzierungsfonds anmelden.“

Bewegte Anfangsjahre der Lebenshilfe vor 60 Jahren

Unter dem Titel „60 Jahre: Meilensteine der Lebenshilfe München“ veröffentlichte das aktuelle L.I.E.S.-Heft der Lebenshilfe München einen Abriss zur Geschichte des Elternvereins. Wir berichten in Auszügen. Vieles was heute als Selbstverständlich erscheint, wurde damals mühsam erkämpft.

1960: Am 12. Juli des Jahres wird von Mathilde Eller, zusammen mit elf Eltern von Menschen mit Behinderung, die Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind e.V.“ gegründet. Heute heißt der Verein „Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. Stadt und Landkreis München“, hat rund 1000 Mitglieder und ist damit einer der größten Elternvereinigungen Deutschlands.

1968: Die erste Heilpädagogische Tagesstätte in der Dietlindenstraße wird eröffnet. Vier Jahre später ziehen die MitarbeiterInnen mit den Kindern in angemietete Räumlichkeiten in der Neuherbergstraße.

Archivfoto 2014: Die Ehrenvorsitzende Gerlinde Engelmann im Gespräch mit Geschäftsführer Peter Puhlmann.

Die Ehrenvorsitzende der Lebenshilfe München, Gerlinde Engelmann (84) erinnerte sich noch an jene Zeit: „„Schon 1963 bei der Einschulung meiner Tochter (mit Behinderung) merkte ich schnell, dass es für sie kaum schulische Möglichkeiten gab. In ganz München hatten wir nur eine einzige Sonderschule, zumindest im Süden der Stadt.“ Die hatte aber mit Volker Körner einen engagierten Sonderschulrektor am HPCA (Hasenbergl), der noch bis heute im Kuratorium der Lebenshilfe München aktiv ist und von 1974 bis 1983 auch Vorsitzender des Elternvereins war. Seine Vor-Vorgängerin, Mathilde Eller, unterrichtete sogar während des Krieges heimlich und privat Kinder mit Behinderung. Sie war auch Mitbegründerin der ersten Schule in Bayern für Menschen mit geistiger Behinderung an der Klenzestraße. Die Schule trägt bis heute ihren Namen.

1972: Gemeinsam mit der Stuttgarter Stiftung für Bildung und Behindertenförderung GmbH wird die Werkstatt in der Scharnitzstraße gegründet. Inzwischen warbeiten insgesamt 600 Mitarbeiter mit Behinderung in der Werkstatt. Außerdem wird die Elternberatung als separate Anlaufstelle mit einem eigenen Büro eingerichtet. Zuvor waren Beratungsgespräche nebenbei geleistet worden. Vor einigen Jahren wurde aus der ‚Elternberatung‘ die ‚Angehörigenberatung‘ und die Zahl der Beratungen zu unterschiedlichen Anliegen und Fragen beläuft sich inzwischen auf knapp 800 pro Jahr.

Gerlinde Engelmann erinnert sich. Sie gründete 1972 mit zwei Müttern die Elternberatung und war bis 2001 Vorstand des Elternvereins. „Wir eröffneten 1971 in der Auenstraße eine erste Heilpädagogische Werkstatt, was 1972 zur Gründung der Lebenshilfe-Werkstatt GmbH in der Scharnitzstraße führte. Die damalige Vorsitzende, Silvia Görres, hatte einen großen Anteil daran und setzte sich trotz vieler Widerstände durch. In Würdigung ihrer Arbeit trägt die Einrichtung der Lebenshilfe München an der Neuherbergstraße ihren Namen. In der Elternberatung arbeitet man an der Basis, ist und wird mit den Problemen hautnah konfrontiert. Und damals wie heute brauchen Eltern (leider) meist einen Rechtsbeistand für die vielen Anträge, Vorschriften und Programme. Ein komplexer Bereich, mit dem selbst manch öffentlich Bedienstete ihre liebe Not haben.“

1976: Die mobile Frühförderung beginnt mit ihrem Einsatz für Kinder von der Geburt bis zum Schuleintritt. Heute gibt es vier Frühförderstellen an verschiedenen Standpunkten in der Stadt und im Landkreis München.

1977: Die Offene Behinderten Arbeit (OBA) nimmt ihren Dienst auf. Über 300 TeilnehmerInnen nehmen auf ganz unterschiedliche Weise an den vielfältigen Angeboten der Freizeitgestaltung und Bildung für Kinder, Jugendliche und erwachsene Menschen mit Behinderung teil und rund 100 ehrenamtliche MitarbeiterInnen begleiten sie dabei.

Das L.I.E.S.-Heft erscheint erstmals. Mehrmals hat es seither sein Äußeres verändert. Dabei ist es umfangreicher und bunter geworden. Seit 2017 kommt die Mitgliedszeitschrift dreimal im Jahr heraus und wird auch in Ingolstadt und Landsberg am Lech mit einem jeweils anderen Lokalteil von Lebenshilfe-Mitgliedern gelesen.

Die kleine Chronik der Lebenshilfe München lesen Sie im aktuellen L.I.E.S.-Heft der Lebenshilfe München unter dem Titel „60 Jahre: Meilensteine der Lebenshilfe München“. Das gesamte Interview mit Gerlinde Engelmann finden Sie im Blog unter:

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2014/04/13/der-lange-weg-zum-erfolg-in-der-behindertenarbeit/

Gesetzesnovelle zum Bayerischen Behindertengleichstellungsgesetz

Der Bayerische Behinderten-Beauftragte Holger Kiesel zieht Bilanz

Der Bayerische Landtag hat jetzt die Änderung des Bayerischen Behinderten-Gleichstellungs-Gesetzes (BayBGG) verabschiedet. Das Gesetz tritt am 1. August 2020 in Kraft. Die Neufassung des BayBGG hat viele Jahre in Anspruch genommen. „Ich bin allen Beteiligten sehr dankbar für ihr Engagement in den letzten Jahren zur Novellierung des BayBGG. Es bringt einige Verbesserungen und ich bin besonders glücklich darüber, dass einer der Punkte, die mir besonders wichtig waren, nämlich die Weisungsfreiheit der kommunalen Behinderten-Beauftragten, aufgenommen wurde. Auch die Neuerungen im Bereich der Barrierefreiheit, die unter anderem Menschen mit kognitiven Einschränkungen und Lernschwierigkeiten die Kommunikation mit Behörden erleichtern soll, begrüße ich sehr!“

Leider keine Schlichtungsstelle

Für Holger Kiesel gibt es jedoch zwei Wermutstropfen: „Zum einen hätte ich mir für Bayern eine Schlichtungsstelle gewünscht. Bremen, Hamburg, das Saarland, Niedersachsen und der Bund haben solche Schlichtungsstellen, die vielen Menschen mit Behinderung den Gang zum Gericht ersparen und viel Aufklärungsarbeit in allen möglichen Bereichen leisten. Hier wurde klar eine Chance verpasst, noch mehr Transparenz und Bürokratie-Abbau für die Menschen mit Behinderung in Bayern zu erreichen. Zudem wäre eine Stellvertreter-Regelung für mein Amt dringend notwendig gewesen. Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern haben bereits entsprechende Regelungen gesetzlich verankert. Damit wäre die Beratung der Staatsregierung zu z.B. wichtigen Gesetzesvorlagen zu jedem Zeitpunkt gewährleistet.“

„Ein erfreulicher Schritt nach vorne“

Der Behinderten-Beauftragte fordert weiter: „Es sollte immer jemanden geben, der die Belange der Menschen mit Behinderung auch offiziell gegenüber der Staatsregierung vertreten kann! Insgesamt ist das neue Gleichstellungsgesetz ein erfreulicher Schritt nach vorne, auch wenn an manchen Stellen noch einiges zu tun bleibt!“, so Holger Kiesel, Beauftragter der bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung.

Für eine bessere Zukunft der Lebenshilfe

Gemeinsam prägten sie als Mitglieder des Vorstandes der Lebenshilfe München über viele Jahre hinweg die Entwicklung des Elternvereins; Inge Oberst, Dr. Lothar Schrader und Andreas Ernst. Sie scheiden nun aus dem Vorstand aus, haben sich in den letzten Jahren engagiert, die Lebenshilfe München ‚auf Kurs‘ zu halten. Änderungen brachten etwa Anpassungen des Pflegestärkungs-Gesetzes und das Bundesteilhabe-Gesetz, aber auch Umstrukturierungen innerhalb der Lebenshilfe, um besser auf ein sich änderndes Umfeld reagieren zu können.

Aufsichtsratsvorsitzende Andrea Siemen (l.) und Lebenshilfe-Vorstand Peter Puhlmann (r.) bedanken sich bei Andreas Ernst und Inge Oberst für die gute Zusammenarbeit

Am Längsten engagierte sich Inge Oberst im Vorstand, nämlich seit 2003. Ihr Engagement für die Lebenshilfe München bleibt aber, denn sie ist weiterhin für die Redaktion des L.I.E.S.-Journals tätig und ist Vorsitzende des neuen Ausschusses „Kultur“. Alle drei ausscheidenden Vorstände haben selbst eine erwachsene Tochter, die in den Lebenshilfe-Werkstätten arbeiten oder eine Förderstätte besuchen. Sie wissen, wo das tägliche Leben besondere Anforderungen stellt und um die besonderen Bedarfe von Menschen mit geistiger Behinderung. Weiterlesen

Was macht die OBA in der Corona-Zeit?

Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Einschränkungen haben die ganze Gesellschaft getroffen. Und damit auch die OBA der Lebenshilfe München. Von einen Tag auf den anderen mussten alle Angebote im Freizeit- und Bildungsbereich abgesagt werden. Ziemlich schnell wurde auch klar: die Reisesaison 2020 wird ausfallen. Damit standen die OBA-Mitarbeiter*innen plötzlich vor ungewohnten, unerfreulichen Aufgaben: Stornierungsbedingungen studieren und schweren Herzens Absagebriefe an die Reiseteilnehmer*innen schicken. Aber die OBA hat schnell umgeschaltet auf einen neuen Modus. Im Mittelpunkt stand immer die Überlegung: wie können wir Kontakt halten zu unseren Kunden, die jetzt ohne Schule und Arbeit zu Hause bei ihren Angehörigen oder in ihren Wohngruppen sind?

Die Hauptamtlichen der OBA haben viel telefoniert, mit den Teilnehmer*innen und den Angehörigen. Dabei wurden Probleme und Ängste in Bezug auf die Corona-Krise besprochen, aber es wurde auch viel geratscht und gelacht. Mit den engagierten Ehrenamtlichen wurde ein Einkaufsservice für Familien mit Risikopatienten eingerichtet. Weiterlesen

Interview zur aktuellen Situation der Lebenshilfe München

Interview zur aktuellen Situation der Lebenshilfe München
mit Geschäftsführer Peter Puhlmann

Der bayernweite Katastrophenfall ist aufgehoben und in München ist die Zahl der aktuell infizierten Menschen in vier Wochen von über 1000 auf unter 300 Personen gesunken. Die Lebenshilfe München musste in den letzten drei Monaten nicht einen einzigen Coronafall hinnehmen und hat von Anfang an sehr strenge Schutzmaßnahmen durchgeführt. Wie findet man nun wieder heraus aus der Krise und Isolation, zurück in eine Normalität? Die Redaktion hat sich mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann unterhalten.

Redaktion: Der Lockdown hat uns alle in nahezu allen Lebensbereichen betroffen. Besonders trifft es bis heute Menschen mit geistiger Behinderung in betreuten Wohnformen. Sie haben seit Wochen keine Arbeit und damit keine gewohnte Tagesstruktur mehr. Das sind hohe psychische und mentale Belastungen. Hat da nicht so mancher Bewohner einen Wohn-Kollaps bekommen?

Peter Puhlmann (r.) im Gespräch mit MdB Florian Hahn (l.), der sich über die Situation in den Wohnheimen der Lebenshilfe München informiert.

Peter Puhlmann: Es ist nur zum Teil richtig. Ja, die Werkstätten haben für die Bewohner geschlossen und zwar für alle Bewohner unserer Wohneinrichtungen. Das macht es leichter, denn alle sind gleich betroffen. Gleichwohl existiert eine Tagesstruktur, die über die ‚Essenszeiten‘ hinausgeht. Unsere Mitarbeiter betreuen die Kleingruppen, gehen mit ihnen spazieren oder organisieren Spiele. Einige unserer Bewohner, Menschen mit geistiger Behinderung, haben sich auch gut in die Situation hinein gefunden. Für manche ist die Arbeit in den Werkstätten ja auch ein gewisser Druck, dem sie jetzt seit Wochen nicht mehr ausgesetzt sind. Sie empfinden die ‚freie Zeit‘ als angenehm. Dennoch ist es schwierig mit der Situation und den Einschränkungen umzugehen. Das Virus und damit die Bedrohung ist ja nicht sichtbar, sie wird bestenfalls abstrakt wahrgenommen.   Weiterlesen