Maskenpflicht: Wenig Verständnis in der Öffentlichkeit

Wenig Verständnis in der Öffentlichkeit für Menschen,
die wegen ihrer Behinderungen keine Masken tragen können!

Vermehrt stoßen Menschen auf Ablehnung, wenn sie behinderungsbedingt von der Maskenpflicht befreit sind und deshalb keine Maske tragen können. Holger Kiesel, Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung nimmt dazu Stellung:
„Es ist sehr wichtig, dass die Öffentlichkeit von Politikern, Behörden, Berufsverbände und Medien darüber informiert wird, dass es Menschen gibt, die keine Masken tragen können und es deshalb auch nicht müssen. Menschen mit Behinderungen müssen weiterhin am öffentlichen Leben teilhaben können und dürfen nicht ausgeschlossen werden. Hier geht es nicht um eine Aushebelung der Maskenpflicht, sondern um gesundheitlich notwendige Ausnahmen!“

Es gibt nötige Ausnahmen

Nicht alle Menschen können Masken tragen

Bei der Regelung der Maskenpflicht hat die bayerische Staatsregierung ausdrücklich solche Ausnahmen formuliert, für die als Nachweis eine ärztliche Bestätigung vorgesehen ist. Diese Regelung ist jedoch vielen nicht bekannt. Menschen mit Behinderungen erleben daher immer wieder unangenehme Situationen – wie zum Beispiel beim Friseur, im Bus, beim Arzt oder in Geschäften. Auch Ärzten sind die Regeln oft nicht bekannt und Menschen mit Behinderungen haben deshalb häufig Schwierigkeiten, ein Attest zu erhalten. Dem Behindertenbeauftragten sind Fälle bekannt, in denen sogar öffentliche Träger Menschen mit Behinderungen den Zugang verwehrt haben, wenn sie keine Maske getragen haben.

Kein Ausschluss von Menschen

Holger Kiesel betont: „Menschen mit Behinderungen ohne Maske den Zutritt etwa zu Geschäften zu verweigern, ist auch unter Hinweis auf das Hausrecht diskriminierend und grundsätzlich unangemessen, wenn sie dadurch vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden.“

Holger Kiesel hat sich hierzu auch eine Einschätzung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes eingeholt und es heißt: „In der Tendenz spreche eine ausnahmslose Durchsetzung der Maskenpflicht gegen die Angemessenheit. Das Interesse der Kunden mit Behinderungen sei gegenüber dem Infektionsschutz als grundsätzlich überwiegend zu bewerten.“

Der Behinderten-Beauftragte ist hierzu mit den zuständigen Ministerien und anderen Organisationen im Austausch, um die Ausgrenzung von verschiedenen Gruppen, wie zum Beispiel Menschen mit einer Hörbehinderung, psychischen Erkrankungen, Atemwegserkrankungen oder motorischen Einschränkungen zu verhindern. Sein Appell:

„Begegnen Sie Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung keinen Mundschutz tragen können, mit Rücksicht! Niemand darf benachteiligt werden, weil er die Maskenpflicht aus gesundheitlichen Gründen nicht einhalten kann!“

Betretungsverbot für Werkstätten bis 8. Juni

Nach einer aktuellen Presse-Mitteilung der Lebenshilfe-Werkstatt München, werde diese ihren Betrieb nur wieder schrittweise aufnehmen. Ab dem heutigen Montag wird wieder die Betreuung und Beschäftigung für den folgenden Personenkreis angeboten:

  • Menschen mit Behinderung, welche zu Hause, selbstständig oder ambulant betreut wohnen.
  • Die Betreuten dürfen an keiner Grunderkrankung haben, die einen erschwerten Verlauf einer COVID-19-Erkrankung bedingt.
  • Hygiene- sowie Abstandsregeln müssen unter Zuhilfenahme der üblichen Unterstützungsleistung eingehalten werden.

Für Fragen steht zu den gewohnten Öffnungszeiten der zuständige sozialpädagogische Fachdienst telefonisch zur Verfügung. Über die Homepage www.lhw-muc.de und diese Telefonnummer wird immer über den aktuellen Stand informiert.

Auch weißt die Lebenshilfe-Werkstatt darauf hin, dass die bayerische Staatsregierung das Betretungsverbot für Werkstätten und Förderstätten mit Ausnahmen vorerst bis einschließlich 8. 6. 2020 verlängern wird.

Petition an den Bayerischen Landtag

Lebenshilfe Bayern fordert Assistenz im Krankenhaus

Ein Krankenhaus-Aufenthalt ist für geistig und mehrfach behinderte Menschen meist sehr belastend. Sie brauchen dabei dringend eine Vertrauensperson, die ihnen zur Seite steht und zwischen ihnen und dem Klinik-Personal vermittelt. Das zeigt sich gerade in Zeiten von Corona deutlich. Deshalb fordert die Lebenshilfe Bayern schon lange eine Assistenz im Krankenhaus. Nun hat Landesvorsitzende Barbara Stamm dazu eine Petition an Landtagspräsidentin Ilse Aigner sowie an den Vorsitzenden des Landtagsausschusses für Gesundheit und Pflege, Bernhard Seidenath, übergeben.

Assistenz vermittelt und entlastet

„Es ist wirklich erschreckend und besorgniserregend, was uns Eltern und Angehörige über Krankenhaus-Aufenthalte berichten“, erklärt Stamm bei der Übergabe. Die meisten Krankenhäuser sind nicht oder kaum auf die stationäre Behandlung von Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung eingestellt. Darum sei allein schon die Verständigung äußerst schwierig. Oft müssten die Kranken stundenlang warten und es gebe kaum Informationen zur nötigen Behandlung. Erfahrungen, die auch die stellvertretende Landesvorsitzende Hildegard Metzger und Vorstandsmitglied Monika Haslberger als Mütter behinderter Kinder bei der Übergabe bestätigen. Deshalb sei eine geschulte Assistenz dringend nötig. „Diese Vertrauensperson kann die Patientinnen und Patienten gezielt unterstützen, deren Versorgung verbessern, zwischen allen Beteiligten vermitteln und somit zusätzlich die Angehörigen und das Klinik-Personal entlasten,“ erläutert Stamm.

LVKM unterstützt Petition

Die Lebenshilfe Bayern bittet die Abgeordneten des Bayerischen Landtages deshalb, das Anliegen zu unterstützen und die Petition in den zuständigen Ausschüssen zu behandeln sowie eine Expertenanhörung zum Thema durchzuführen. Die Petition wird ebenfalls vom bayerischen Landesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (LVKM) unterstützt. Bei der Übergabe am 13. Mai 2020 im Münchner Maximilianeum war dessen Landesvorsitzende Konstanze Riedmüller mit dabei.

Über den Lebenshilfe-Landesverband Bayern

Unter dem Motto „Miteinander – Wir gestalten Teilhabe“ setzt sich der Lebenshilfe-Landesverband Bayern seit über 55 Jahren als Dachorganisation der bayerischen Lebenshilfen insbesondere für Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Familien ein. Der Verband hat heute 160 Mitglieds-Organisationen, die rund 40.000 Menschen mit Behinderungen unterstützen, fördern und begleiten. Mit etwa 900 Einrichtungen, Diensten und Beratungsstellen hat die Lebenshilfe in Bayern ein umfassendes Netz kompetenter Hilfe aufgebaut. Vorsitzende der Lebenshilfe Bayern ist seit 2001 Landtagspräsidentin a. D. Barbara Stamm. Die Lebenshilfe ist bundesweit aktiv als Elternverband und Selbsthilfe-Vereinigung, als Fachverband und Trägerin von Einrichtungen der Behindertenhilfe.

Hier geht’s zur Petition: LHB_Petition2020

Florian Hahn MdB vor Ort bei der Lebenshilfe in Putzbrunn

Was bedeutet die Corona-Krise für die Lebenshilfe München e.V. und die Menschen, die dort arbeiten oder betreut werden? Davon hat sich der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Stiftung Lebenshilfe München, Florian Hahn, vor Ort in Putzbrunn bei einem Gespräch mit Geschäftsführer Peter Puhlmann ein Bild gemacht.

Florian Hahn MdB, Vorsitzender der Stiftung Lebenshilfe München, im Gespräch mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann.

Florian Hahn MdB, Vorsitzender der Stiftung Lebenshilfe München, im Gespräch mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann.

Während die Werkstätten derzeit geschlossen sind, läuft der Betrieb in den Wohnstätten sehr gut weiter. „Es freut mich, dass die Wohnstätten bisher von Corona verschont geblieben sind – Gott sei Dank“, so Hahn. Viele andere Angebote wie die der Heilpädagogischen Tagesstätten könnten im Moment nicht voll geleistet werden – eine Belastung für diejenigen, die diese dringend wahrnehmen wollen würden, und natürlich für die Mitarbeiter, die nun meist in Kurzarbeit seien, betont der Stiftungsvorsitzende. Geschäftsführer Puhlmann lobte indes das Landratsamt München, dass die Lebenshilfe so hervorragend mit Schutzmaterialien ausgerüstet habe, obwohl allerseits Mangel daran herrsche.

„2020 wäre eigentlich auch ohne Corona ein besonderes Jahr für die Lebenshilfe München: Sie begeht ihr 60-jähriges Bestehen. Auch wenn ihren Einrichtungen mit ihren Mitarbeitern im Moment viel abverlangt wird, bin ich nicht zuletzt als Vorsitzender der Stiftung Lebenshilfe München optimistisch, dass sie die Krise meistern wird!“, gibt sich Hahn positiv. Um auch künftig handlungsfähig zu sein, habe er übrigens veranlasst, dass die Stiftungsratssitzungen bis auf Weiteres per Videokonferenz stattfinden sollen.

Mehr zur aktuellen Situation in Putzbrunn
lesen Sie hier: https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2020/04/21/die-krise-meistern-auch-im-zusammenleben/

Neue Doppelspitze bei der Lebenshilfe München

Emanuel Gaenslen (l.) und Peter Puhlmann (r.) leiten seit April gemeinsam die Geschäfte der Lebenshilfe München. – Foto: Gerd Spranger

Seit April wird die Lebenshilfe München von zwei Geschäftsführern geleitet. Peter Puhlmann und der Elternverein erhalten Verstärkung durch Emanuel Gaenslen, der seinen Schwerpunkt im kaufmännischen Bereich setzt. Peter Puhlmann erhält damit mehr Ressourcen für fachliche und strukturelle Aufgaben bei der Lebenshilfe in ihren vielen Facetten, denn der Elternverein ist breit aufgestellt.

Lebenshilfe deckt alle Bereiche

Sie betreut und fördert Kinder von der Frühförderung in ihren ersten Lebensjahren, begleitet sie über das Heranwachsen in Heilpädagogischen Tagesstätten bis hin zu ihrem beruflichen Werdegang, häufig in Lebenshilfe-Werkstätten. Selbst den privaten Bereich des Wohnens deckt die Lebenshilfe ab, weitgehend selbstbestimmt in offenen Wohngemeinschaften oder eng strukturiert in den Wohneinrichtungen. Darüber hinaus bietet die Lebenshilfe mit den ‚Ambulanten Diensten‘ und den ‚Offenen Diensten‘ direkte Hilfe für Menschen mit Handicap und betroffene Familien.

Mehr Sicherheit bei steigenden Anforderungen

Es würde den Rahmen sprengen, erläuterte man all die Einrichtungen, Förderungen, Betreuungen und Hilfestellungen des Vereins. Kaum ein Lebensbereich bleibt ausgeklammert. Peter Puhlmann ist dankbar für die Unterstützung durch Emanuel Gaenslen.

„Natürlich nimmt der Verein eine zentrale Stellung innerhalb der Lebenshilfe ein. Er bestimmt letztlich den Kurs des Unternehmens. Darüber hinaus entwickeln wir innerhalb der Bereichsleiter viele Ideen und Konzepte. In der Führungsspitze jetzt Verstärkung zu erhalten, gibt mehr Sicherheit und hilft bei wachsenden Anforderungen.“ Letztlich ist die Lebenshilfe auch im Bezirk Oberbayern, in der Stadt und im Landkreis München eng eingebunden.

Kooperieren mit Verwaltung und Wirtschaft

Wer ist der Neue, was ist seine Intention und warum hat er sich für die Lebenshilfe München entschieden? Zuletzt war Emanuel Gaenslen 19 Jahre lang bei den ‚Glückstädter Werkstätten‘, eine Einrichtung der ‚Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie“ in Schleswig-Holstein. Er initiierte und begleitete dort etwa die Erweiterung der Werkstätten und Gründung neuer Standorte. Wohnangebote für Menschen mit hohem Assistenzbedarf und für Menschen mit seelischen Erkrankungen wurden neu geschaffen. Er will in allen Lebensbereichen die Inklusion voran bringen. Gut gelungen ist ihm dies beispielsweise beim Aufbau der „Elmshorner Arbeitsassistenz“, welche heute mit 80 Betrieben kooperieren und Menschen mit Handicap beschäftigen.
Aufgewachsen im schwäbischen Metzingen zog es Emanuel Gaenslen nun wieder in den Süden. „Mit 52 Jahren möchte ich noch viel bewegen und meine Erfahrungen hier bei der Lebenshilfe mit einbringen“.

Der Verein leistet Besonderes

Zudem sind seine beiden Kinder längst erwachsen und er liebt die bayerischen Berge. „Die Lebenshilfe“, so Gaenslen, „hat eine ganz besondere Stellung unter allen Sozialträgern wie AWO, Paritätischen, Diakonie oder Caritas. Das Engagement der Eltern, die Hilfen über Spenden und der hohe Anteil an ehrenamtlicher Arbeit öffnen jeder Lebenshilfe-Organisation für sich Möglichkeiten über das normale Maß hinaus, für das es meistens sehr enge Vorgaben gibt.“

Peter Puhlmann ergänzt: „Es gibt zwar einen Dachverband der Lebenshilfen, doch jeder Orts- und Kreisverband, wie der Lebenshilfe München e.V., sind als Verein für sich selbst organisiert und verantwortlich. Entscheidungen müssen darum nicht von einer Zentrale in Deutschland oder Europa genehmigt werden. Das schafft Handlungsspielraum und ermöglicht es schnell auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation vor Ort einzugehen.“

„Gut hinhören und hinschauen“

„Gut hinhören, und genau hinschauen wo Bedarfe sind“, bekräftigt Emanuel Gaenslen. Das hat auch die Struktur der Lebenshilfen in den letzten 60 Jahren geprägt, so dass mit ergänzenden Angeboten der Rahmen immer mehr erweitert wurde. „Vieles aus der heutigen Sozialgesetzgebung findet seinen Ursprung im Engagement von Eltern und Aktiven der Lebenshilfe. Auch beim noch jungen Bundes-Teilhabegesetz wirkte die Lebenshilfe aktiv mit.“

Junge Eltern und Betroffene fordern mehr Möglichkeiten

Ein großer Wandel findet sich in der stärkeren Fokussierung auf die Persönlichkeit des Menschen mit Behinderung und weg von starren Einrichtungsstrukturen. „Die Assistenz etwa darf sich nicht nur auf stationäre Angebote konzentrieren. Sie muss dort hin, wo der Mensch mit Handicap sie braucht, nämlich in sein persönliches Umfeld“, bringt es Gaenslen auf den Punkt.

„Dieser Prozess hat eine Vorgeschichte“, erläutert Puhlmann. „Die junge Elterngeneration erfährt für ihren Nachwuchs sehr früh Hilfe und Förderung. Das zieht sich dann weiter durch die Schulen hindurch. Der verständliche und berechtigte Wunsch der Eltern ist es nun, dass ihre erwachsenen Kinder auch im Berufsleben und in ihrer gesellschaftlichen Teilhabe besser eingebunden werden. Und dabei sind wir genau im engen Bereich der Inklusion oder etwa beim neuen Bundes-Teilhabegesetz.“

Vielleicht ergänzt Emanuel Gaenslen gerade deswegen die Lebenshilfe München so gut. In Glückstadt forderte und förderte er Wohnangebote für junge Menschen mit hohem Assistenzbedarf, welche sich zu Mietergemeinschaften zusammengetan hatten. „Bauliche Voraussetzungen müssen geschaffen sowie pädagogische, pflegerische und häusliche Assistenz bereitgestellt werden.“

Die Krise gut gemeistert

Glücklich ist man bei der Lebenshilfe München aktuell in der Krise gut gerüstet zu sein. „Es gibt bei uns bis heute keinen Coronafall, weder bei den Bewohnern, noch beim Personal“, freut sich Peter Puhlmann. „Um diesen Weg aber weiter positiv zu gestalten, werden wir künftig mehr Personal brauchen.“ Die Geschäftsführer begründen es in der Notwendigkeit kleinerer Gruppen, um Hygiene und Abstand wahren zu können. Das treffe vor allem auf die HPT (Heilpädagogische Tagesstätten) zu, aber auch auf die Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München, deren Bewohner zur Risikogruppe zählen. Beide Geschäftsführer betonen, dass in der Mitarbeiterschaft gerade großartiges geleistet wird. „Wir sind sehr dankbar, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel Engagement und Umsicht zur Bewältigung der Krise einbringen.“

„Glücklicherweise steht die Lebenshilfe München wirtschaftlich auf guten Beinen“, freut sich der neue Geschäftsführer aus Glückstadt. „Ohne Rücklagen hätten wir die Krise bisher nicht so gut überstehen können und wären auch im Hinblick auf die nächsten Wochen und Monate nicht so handlungsfähig für die aktive Anpassung, die wir aufgrund der Krise vornehmen werden müssen.“

Die Krise meistern, auch im Zusammenleben

In der Wohneinrichtung der Lebenshilfe München in Putzbrunn leben 51 Menschen mit geistiger Behinderung zusammen, auch in der Corona-Krise. „Sechs Bewohner haben die Eltern zu sich nach Hause geholt. Sie sind wegen der ganzen Situation verunsichert“, informiert Einrichtungsleiterin Renate Bauer. In normalen Zeiten sind die Bewohner tagsüber in den Lebenshilfe-Werkstätten und Förderstätten beschäftigt, die in Putzbrunn gleich gegenüber der Einrichtung liegen. Es herrscht ein reger Austausch über Freunde und Bekannte, dem Sportverein und selbst in der TENE, eine Gruppe von älteren Menschen, zu der auch ‚Auswärtige‘ kommen. Nicht so in Zeiten des Virus Covid-19.

Menschen mit geistiger Behinderung
verstehen die Situation mitunter nicht

„Den Bewohnern fehlt mitunter auch das Verständnis, sie verstehen die Situation nicht“, erklärt Renate Bauer. „Scheiß Corona“ ist zu einem geflügelten Wort geworden und muss für vieles herhalten. Glücklicherweise verfügt die Lebenshilfe-Einrichtung in Putzbrunn über einen eigenen Garten und eine große Terrasse, so dass Spazierengehen immer möglich ist. Man gehe gut mit der Situation um, auch die MitarbeiterInnen, versichert die Einrichtungsleiterin, denn die Gefahr einer Übertragung und Ansteckung ist in der Corona-Krise immer präsent.“

Foto: Ein großes DANKE für alle Hilfe von Freunden, Nachbarn, und Angehörigen sagen die Bewohner der Lebenshilfe-Einrichtung in Putzbrunn.

Die Anteilnahme ist groß – Viele wollen helfen

Freude herrscht über die große Anteilnahme von Angehörigen und einem großen Freundeskreis der Einrichtung. „Wir bekommen fast täglich Anfragen, ob man uns irgendwie helfen kann. Sehr gefreut haben wir uns über handgenähte Schutzmasken, die wir in der Einrichtung natürlich sehr gut gebrauchen können. Auch Kuchen werden vorbei gebracht und andere Kleinigkeiten.“ Renate Bauer sieht in der Größe der Einrichtung einen Vorteil. „Wir müssen jetzt ja rund um die Uhr betreuen. Das braucht Personalkapazitäten, auf die wir jetzt zurück greifen können. Andere Dienste entfallen, wie etwa die TENE oder Mitarbeiter die sonst anderweitig in die Tagesstruktur eingebunden sind.“

Seit 13 März gilt
ein Besuchsverbot

Zu Spannungen führe allmählich das bei der Lebenshilfe München Wohnen GmbH bereits seit 13. März bestehende Besuchsverbot, erläutert Renate Bauer. „Sechs Wochen sind eine lange Zeit. Sechs Wochen keine Familie, Freunde, Angehörige und Betreuer sehen. Zudem dürfen die Bewohner am Wochenende nicht heimfahren, was die Situation für uns als Einrichtung nicht erleichtert. Langsam macht sich Ungeduld bemerkbar. Es wird öffentlich von vorsichtigen Corona-Lockerungen, wie etwa die von Ladenöffnungen gesprochen, doch die Menschen mit Behinderung bleiben isoliert. Da wird das Besuchsverbot natürlich neu hinterfragt. Uns ist klar, dass dies für alle Eltern und auch für unsere BewohnerInnen eine immense Belastung ist, die Vermeidung eines Infektionsgeschehens hat aber höchste Priorität. “

Schutzmaßnahmen gelten auch in den Einrichtungen

Selbstverständlich gelten seit Wochen in der Lebenshilfe-Einrichtung in Putzbrunn die Schutzmaßnahmen. Häufiges Händewaschen, Abstand halten, geschütztes Niesen und Mundschutz tragen. Im Gemeinschaftsraum etwa wurde die Zahl der Sitzplätze halbiert und es essen nicht alle gemeinsam, sondern in zwei, drei Gruppen, man geht auf Abstand. Was die anderen Wohngruppen in den Lebenshilfe-Wohnen GmbH betrifft gibt René Pfeifer, Bereichsleiter Wohnen, ein optimistisches Bild:

„Im Moment, am 21. April 2020, haben wir eine stabile Personalsituation in allen Wohngemeinschaften und Wohnstätten. Bei Bedarf können wir auf Mitarbeiter aus anderen Bereichen zurückgreifen. Natürlich mussten wir im ‚Gemeinschaftlichen Wohnen‘ vieles umstellen und der speziellen Situation anpassen. Alle Werkstätten sind geschlossen und zusätzlich müssen die Ausgangsbeschränkungen strikt eingehalten werden. Es gilt nun neben der Prävention eines möglichen Ausbruchsgeschehens, einem ‚Corona-Lagerkoller‘ vorzubeugen. Im ambulant betreuten Einzelwohnen unterstützen wir vor allem telefonisch und können so gut helfen. Bei unseren betreuten Wohngemeinschaften sind die Mitarbeiter auch am Wochenende vor Ort, es herrscht immer Gesprächsbedarf.“

Alle Mitarbeiter 
leisten Großartiges!

„Die Situation rund um die Ausgangs- und Besuchsverbote wird nicht immer verstanden und sind für viele Bewohner logisch nicht nachzuvollziehen“, erklärt René Pfeifer und ergänzt: „Pädagogische Gespräche sind mehr denn je gefragt. Alle unsere Mitarbeiter vor Ort leisten derzeit großartige Arbeit. Dem verantwortungsvollen Engagement, dem hohen Maß an Professionalität und auch Mut, gilt es höchsten Respekt zu zollen. Ich bedanke mich ausdrücklich bei allen Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe in den Wohngemeinschaften und Wohnstätten.“

Lebenshilfe Werkstätten bleiben bis zum 03. Mai geschlossen

Auch bei den Werkstätten der Lebenshilfe tagt täglich der Krisenstab. Aktuell wurden alle Mitarbeiter der Werkstätten und Beschäftigte in den Förderstätten sowie ihre Angehörigen darüber informiert, dass auch die Lebenshilfe Werkstatt bis 3. Mai 2020 geschlossen hat.

Hier im Wortlaut: „Die bayerische Staatsregierung hat entschieden, die Werkstätten und Förderstätten in Bayern und damit auch die Lebenshilfe Werkstatt München vorübergehend bis 3. Mai 2020 zu schließen.“

Berufsbildungsbereich

Für den Berufsbildungsbereich bieten die Einrichtungen ein virtuelles Lernangebot an. Bildungsbegleiter nehmen dazu telefonisch Kontakt mit den Teilnehmern des Berufsbildungsbereichs auf.

Betreuung in Notgruppen

Die Lebenshilfe Werkstätten bieten eine Betreuung der Menschen mit Behinderung in Notgruppen an, wenn die Betreuung daheim nicht sichergestellt ist. Bei Fragen dazu wird gebeten, sich zu den gewohnten Öffnungszeiten telefonisch mit Ihrem zuständigen sozialpädagogischen Fachdienst in Verbindung zu setzen.

Weitere Infos:

Über die Wiederaufnahme der Betreuung und Beschäftigung informieren die Lebenshilfe-Werkstätten frühzeitig schriftlich, sowie über die Homepage www.lhw-muc.de und über die Telefonnummer 089-71008 85.

„In der Zwischenzeit erarbeiten wir Hygienemaßnahmen und Bedingungen zum Schutz unserer Mitarbeiter für die Fortsetzung des Werkstattbetriebs.“

Lebenshilfe München sagt DANKE

Ende März startete die Lebenshilfe München einen Aufruf zur Spende von Schutzmasken. Sie sind auch in den Lebenshilfe-Einrichtungen Mangelware. Und doch sind sie in Zeiten des Corona-Virus Covid-19 ein guter Schutz, je mehr Menschen ihn tragen. Bis Ostern wurden 500 Schutzmasken für die Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München gespendet. Die Lebenshilfe München sagt DANKE!

Viele Menschen haben sich beim Nähen von Schutzmasken für die Lebenshilfe München engagiert. Die Masken bieten in Zeiten des Cornona-Virus den Betreuern und Bewohnern der Einrichtungen Schutz vor Ansteckung.

Auch auf den nötigen Sicherheitsabstand achtet man bei der Lebenshilfe München. Ob in Videokonferenzen des Krisenstabes oder bei den Mahlzeiten. Tische werden auseinander gerückt und die Gruppen verkleinert. Das Social Distancing hilft in der Krise.

Ein herzliches „Dankeschön“ der Lebenshilfe München für die vielen Spenden an Schutzmasken. Menschen mit Behinderung sind eine besondere Risikogruppe bei der aktuellen Corona-Pandemie in Deutschland.

Ein gemütliches Beisammensitzen ist in Zeiten von Covid-19 nur mit genügend Abstand und am Besten mit Schutzmasken möglich. Das gilt für Personen, die gemeinsam in einem Haushalt leben. Hier und darüber hinaus heißt es ganz klar: Social Distancing.

Die Lebenshilfe München stellt sich den Herausforderungen der Corono-Krise. Die Werkstätten, Heilpädagogischen Tagesstätten und Einrichtungen der Frühförderung sind seit Wochen geschlossen. In den Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München aber muss die Betreuung und Versorgung aufrecht erhalten werden.

Lebenshilfe München zeigt Wege aus der Krise

Ein DANK an alle, die Schutzmasken für die Lebenshilfe München gespendet haben!

Von der allgemeinen Entwicklung der Coronakrise sind die Lebenshilfe-Einrichtungen in ganz Deutschland besonders betroffen. In einer Allgemeinverfügung des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege hieß es bereits am 17. März:

„In allen Interdisziplinären Frühförderstellen findet keine Therapie, Förderung und Beratung für Kinder und deren Familien statt, die einen unmittelbaren persönlichen Kontakt erfordert. Leistungen, die in einer auf die Situation angepassten Form (z. B. telefonisch, per E-Mail oder durch Nutzung digitaler Medien) möglich sind, können weiter erbracht werden.“

Stark eingeschränkt wurden auch alle schulvorbereitende Einrichtungen, Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflegestellen und Heilpädagogische Tagesstätten.“ So hat sich auch die Lebenshilfe München entschlossen, ab dem ersten April viele Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, um Kündigungen zu vermeiden.

Täglich tagt der Krisenstab

Der Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann, bleibt auch in der Krise zuversichtlich.

Peter Puhlmann, Geschäftsführer der Lebenshilfe München, bekräftigt, dass man den Entwicklungen immer einige Tage voraus war und so auf neue Anordnungen schnell reagieren konnte. Zur Bewältigung der Herausforderungen ist seit Wochen ein eigener Krisenstab eingerichtet der sich täglich abstimmt und über die tagesaktuellen Entwicklungen in den Einrichtungen informiert.

„Das geschieht über eine Videokonferenz direkt aus dem eigenen Büro oder über Homeoffice. Der direkte Kontakt wird so vermieden.“ Der Krisenstab ist besetzt durch acht Bereichsleitungen (darunter der Pandemie-Beauftragte und die Hygiene-Beauftragte), durch den Geschäftsführer und die Vorstandsvorsitzende.

Eine eigene Quarantäne-Station

Die Quarantäne-Station der Lebenshilfe München

Selbst eine eigene Quarantäne-Station ist in der St. Quirin-Straße in der Geschäftsstelle in München-Giesing eingerichtet. Dies forderte eine staatliche Allgemeinverfügung zum Stationären Wohnen vom 03. April. „Unsere fünf FSJ-Kräfte (Freiwilliges Sozials Jahr) und Bufdis (Bundesfreiwilligendienst) konnten wir in ein Hostel ausquartieren, so dass die Einrichtung einer abgeschlossenen Station ermöglicht wurde“, erklärt Puhlmann und fügt hinzu: „Bislang haben wir innerhalb der Lebenshilfe München aber noch keinen einzigen Corona-Fall und wir hoffen das bleibt so.“

Alle von der Krise betroffen

Peter Puhlmann kommentiert die aktuelle Entwicklungen mit den Worten: „So sehr die internationale Vernetzung der Wirtschaft weltweit Wohlstand und Wachstum vorangebracht hat, so sehr wird uns jetzt deren Schattenseite klar. Es gibt kaum Branchen in Deutschland, die von der aktuellen Corona-Krise nicht betroffen sind.“

Den Alltag bewältigen

Lebenshilfe München: Kommunikation ‚aus der Ferne‘ mit Video-Konferenz in Zeiten des Corona-Virus

Die Lebenshilfe München arbeitet hart daran, aus der Krise mit einem blauen Auge herauszukommen. Bewohner wie auch Mitarbeiter müssen häufig Einsamkeit und Isolation von Familie und Freunden bewältigen, die vor allem das Leben in den Wohngruppen mit sich bringen. Peter Puhlmann sieht aber auch positive Seiten in der Krise. „Es spielen sich auch wundervolle Dinge im Miteinander der Menschen ab, die es so noch nie gab oder schon sehr lange nicht mehr gegeben hat. Stetig ist beispielsweise der Strom an selbst genähten Gesichtsmasken von freiwilligen Helfern.“

Der Einkaufsservice der OBA

Cheddarkäse oder Chester?

Hilfe mit dem Einkaufs-Service von FuD und OBA der Lebenshilfe München

Zum ersten Mal in meinem Leben gehöre ich zu einer Risikogruppe. Ich bin knapp 80, habe einen erheblichen Lungenschaden und bin nach zwei Rücken-OPs auf einen Rollator angewiesen. Vielleicht habe ich noch ein paar gute Jahre, aber wenn Corona mich erwischt, bedeutet das für mich sicher das Aus.

Ich lebe allein. An die Maßgabe: „Bleiben Sie zuhause“ würde ich mich sehr gern halten, aber allmählich leert sich der Kühlschrank. Es fehlt vor allem an Obst und Gemüse. Die Familie im Erdgeschoss hat angeboten, mir etwas mitzubringen, falls ich etwas brauche. Auch (jüngere) FreundInnen haben signalisiert, dass sie für mich Besorgungen machen würden. Doch ich zögere. Ich brauche eine Menge; damit möchte ich die Leute, die sich jetzt zwischen Home Office, Home Schooling und Babysitting aufreiben, nicht belasten. Weiterlesen

Helfen sie der Lebenshilfe mit Schutzmasken

Nähen Sie Schutzmasken für die Lebenshilfe München. Sie werden dringend benötigt!

Am Ende des Artikels finden Sie die Links zum Herstellen der einfachen Schutzmasken.


Es ist die zweite Woche, in der für Bayern eine vorläufige Ausgangsbeschränkung anlässlich der Corona-Pandemie in Kraft ist. Ministerpräsident Markus Söder hat die Beschränkungen aktuell bis zum 20. April verlängert. Viele von uns müssen sich also auf lange Tage und Wochen einstellen, die wir vorwiegend zuhause verbringen werden. Die Lebenshilfe München richtet nun einen Appell an die Bevölkerung. Helfen Sie mit, Schutzmasken zu spenden, die Vorräte gehen zu Ende und sie fehlen an ‚allen Ecken und Enden‘ für das betreuende Personal in den Wohneinrichtungen der Lebenshilfe. Weiterlesen

Soziale Einrichtungen müssen erhalten bleiben

Corona: Lebenshilfe Bayern begrüßt „Sozialschutz-Paket“

Menschen mit Behinderungen und ihre Familien brauchen weiterhin notwendige und zuverlässige Hilfen – in Zeiten der Corona-Krise und auch danach. Dafür müssen die seit vielen Jahrzehnten bewährten Einrichtungen und Dienste der Eingliederungshilfe erhalten bleiben. Die Lebenshilfe Bayern begrüßt, dass mit einem bundesweiten „Sozialschutz-Paket“ gemeinnützige Träger wie die Lebenshilfen finanziell abgesichert werden sollen. Nun sind konkrete Zusagen der Kostenträger nötig. Weiterlesen

Neues von Werkstatt und OBA

Bereits am 12. März berichteten wir über die Absage aller Veranstaltungen der OBA der Lebenshilfe München. Die OBA und der FUD weisen nun ausdrücklich darauf hin, dass das Büro weiterhin besetzt ist und die Mitarbeiter für Gespräche und Beratungen zur Verfügung stehen. Weiter heißt es:

„Wenn Sie Bedenken haben, einkaufen zu gehen, weil Sie oder Ihre Angehörigen zu den Risikogruppen gehören, dann können Sie sich bei uns melden. Wir werden dann versuchen, einen Einkaufsdienst zu organisieren. Es gäbe die Möglichkeit, diesen Dienst über die Pflegekasse abzurechnen.“ Weiterlesen

Eine Stadt, ein Traum, Ihre Chance!

Wir haben noch etwas vor – Träum dein Viertel!

Die Kampagne „Wir haben noch etwas vor – Träum dein Viertel“ regt zum Träumen, Gedankenspinnen und Mitgestalten an. Im folgenden Videoclip Youtube träumen Menschen unterschiedlichsten Alters und Geschlechts, mit und ohne Behinderung.

Sie träumen von einem Stadtteil, in dem alle gerne und selbstbestimmt ihre Freizeit verbringen oder wohnen wollen. Klingt nach Luftschloss? Schauen Sie rein, träumen Sie mit und werden Sie Teil der Kampagne!

Am Welt Down Syndrome Tag (21. März 2020) startete die Aktion „Träum dein Viertel“ und wir feiern die Vielfalt. Weiterlesen