Lebenshilfe auf dem Tollwood-Festival

„Wir, alle“ … gehören dazu
Winterfestival vom 23. November bis 31. Dezember

Am Donnerstag startet das Tollwood-Winterfestival auf der Theresienwiese, zu dem 600.000 Besucher erwartet werden. Teil der Tollwood-Philosophie ist es, dass Kultur für alle da sein soll: Darum sind mehr als 70 Prozent aller Veranstaltungen bei freiem Eintritt zugänglich. Tollwood ist ein nicht subventioniertes, privatwirtschaftlich finanziertes Festival. Es will ein Repräsentant für das bunte München und das breite Spektrum der Münchner Gesellschaft sein. So lautet das Motto in diesem Winter „Wir, alle”. Denn „Wir, alle” gestalten die Gesellschaft, in der wir leben.

Die Lebenshilfe München ist mit dabei

Auch die Lebenshilfe München und viele Vereine, die sich zu einem großen Teil ehrenamtlich für die Gesellschaft engagieren, zählen dazu. Viele von Ihnen, auch die Lebenshilfe München, waren aufgefordert, ein Eingangs-Kunstwerk zum Motto „Wir alle“ künstlerisch zu gestalten. Der Veranstalter hat dazu 150 „2D-Holz-Menschen“ zur Verfügung gestellt. Sechs davon hat die Lebenshilfe München künstlerisch gestaltet. Beteiligt haben sich Einrichtungen der Frühförderung, die Offene Behindertenarbeit und Heilpädagogische Tagesstätten sowie eine Wohnstätte der Lebenshilfe München.

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OBA: „Danke den Ehrenamtlichen“

Unter dem Motto „Ihr seid das E und A in der OBA“ hat sich die OBA bei ihren vielen EhrenAmtlichen Helferinnen und Helfern mit einem Herbstfest bedankt. Am vergangenen Wochenende kamen 50 Leute in den herbstlich geschmückten Saal der Lebenshilfe in der St.-Quirin-Straße zusammen. Es gab gutes Essen, guten Wein, gute Gespräche und es wurde viel gelacht. Natürlich hat man auch die ein oder andere Idee vertieft, man ist in der gemeinsamen Sache verbunden.

Die Ehrenamtlichen der OBA bringen das ganze Jahr viel Zeit, Schwung, Ideen und gute Laune mit und machen das OBA Freizeitprogramm und die Reisen so bunt und abwechslungsreich. Aktuell wird das neue Programm erstellt. Mehr dazu demnächst hier im Blog.

Das OBA-Team der Lebenshilfe München (v.l.): Georg Hohenester, Sarah Höhendinger, Harry Zipf, Julia Bader, Monika Barbato, Michael Ruoff

Heilerziehungspfleger schätzen die Mentoren-Ausbildung

Die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger/in ist die klassische Berufsausbildung in der Betreuung und der Begleitung von Menschen mit Behinderung. In der Beschreibung des Berufsbildes heißt es: „Heilerziehungspfleger/innen sind für die pädagogische, lebenspraktische und pflegerische Unterstützung und Betreuung von Menschen mit Behinderung zuständig. Sie begleiten die zu Betreuenden stationär und ambulant bei der Bewältigung ihres Alltags.“

Ausbildung zum Heilerziehungspfleger bei der Lebenshilfe

So sind auch in den Einrichtungen der Lebenshilfe München viele Heilerziehungspfleger tätig und finden hier auch einen Ausbildungsplatz. Wie die Berufsbezeichnung bereits andeutet, greifen mehrere Disziplinen ineinander. Hinzu kommt noch der spezielle Umgang mit der ‚Klientel‘, bei der Lebenshilfe München sind dies Menschen mit einer geistigen und häufig auch mit einer körperlichen Behinderung. Sie verlangen einen ganz besonderen Umgang. Es gilt dem allgemeinen und besonderen Bedarf von Menschen mit geistiger Behinderung gerecht zu werden. Hier steht vor allem die Betreuung und Begleitung im Vordergrund. Es geht um Begleitung zur Teilhabe, Assistenz und Personenzentrierung.

„Eine Investition von der alle profitieren“

Renate Bauer, Einrichtungsleiterin der Wohnstätte Putzbrunn: „Gerade deswegen ist es toll, wenn wir in den Einrichtungen die benötigten Plätze für die Auszubildenden zur Verfügung stellen. Es mag zunächst ein Mehraufwand sein, doch dieses ‚Investment‘ lohnt, wenn wir so Fachkräfte mit einem positiven Zugang zur Lebenshilfe gewinnen, zu Menschen mit geistiger Behinderung. Es macht nicht nur Spaß, sondern ist ein Gewinn für alle. Mit einer aktiven Ausbildung und deren Begleitung bleiben wir am ‚Ball des Geschehens‘, öffnen uns für Anregungen und Impulse.“

Eine Mentoren-Ausbildung für Heilerziehungspfleger

Um der Ausbildung besser gerecht zu werden, die angehenden Heilerziehungspfleger und Pflegerinnen besser auf den beruflichen Alltag vorbereiten zu können, durchlaufen jetzt zwei Mitarbeiter der Wohneinrichtung der Lebenshilfe in Putzbrunn eine eigene Mentorenausbildung. Selbst sind sie gelernte Heilerziehungspfleger, einige Jahre im Beruf und seit rund fünf Jahren bei der Lebenshilfe München.

„Wir decken das gesamte Lebensspektrum ab“

Simone Samla setzt auf einen besseren Stellenwert der Pflege im Bereich der Betreuung von Menschen mit Behinderung. Auch hofft sie, dass es für den/die Einzelne eine bessere Möglichkeit der Mitgestaltung der Ausbildung vor Ort geben wird. „Wir haben hier in Putzbrunn wirklich das gesamte Spektrum. Es reicht von jungen Erwachsenen, die gerade den Prozess der Abnabelung vom Elternhaus durchleben, bis hin zur Sterbebegleitung.“ Sie freut sich über die Möglichkeit dieser Zusatzqualifikation, die über zwei Jahre hinweg immer wieder in einem Seminartag Wissen vermittelt und Lerninhalte vertieft.

Für Lukas Bellinger ist es wichtig den angehenden Kollegen bei ihrem Weg in den Berufsalltag hinein gute Hilfestellungen zu geben. Dabei sind es häufig nicht junge Menschen, die nach der Schule in das Berufsleben wechseln, sondern oft auch Umschüler, Spätberufene oder Quereinsteiger, die sich für den Beruf des Heilerziehungspflegers entschieden haben.

Auch Umschüler, Spätberufene oder Quereinsteiger

„Fachkräfte sind gesucht und bei der Arbeit mit Menschen mit Behinderung ‚bekommt man viel zurück‘, denn die Leute sind dankbar und bringen dies auch auf eine herzliche Weise zum Ausdruck. Das ist in unserer heutigen Zeit doch wohl eher die Ausnahme.“ Als herausfordernd empfindet Lukas den Schichtdienst, „doch der gehört einfach dazu und öffnet individuelle Freiräume.“

Simone Samla freut sich über die vielen guten Impulse, die sie bei der Mentoren-Ausbildung in Schönbrunn erhält. „Wir treffen viele Kollegen aus allen sozialen Bereichen. Manche von ihnen haben fast schon alle Module durchlaufen. Da ist der gegenseitige Austausch über gemachte Erfahrungen oder Situationen sehr befruchtend.“

Ziel der Mentoren-Ausbildung ist es, den oder die Mentee bei persönlichen oder beruflichen Entwicklungen zu unterstützen. Bereiche, die in Mentoring-Beziehungen thematisiert werden, reichen von Ausbildung, Karriere und Freizeit bis hin zur Persönlichkeitsentwicklung.

Mit Sport den Kopf frei bekommen

Begeisterung ist bekanntlich ansteckend. Und Paul Oberhofer von der Lebenshilfe München lässt sich gerne davon anstecken und hat damit auch gute Erfahrungen gemacht. Er ist Leiter von drei Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München in der Hofbauern-, Packenreiter- und Schmädelstraße. Seit gut einem Jahr bietet er den den Bewohnern im Wohnstättenverbund West regelmäßige Abende zum gemeinsamen ‚Musizieren‚ an. Daneben gibt es zweiwöchentlich Treffen zur ‚künstlerischen Entfaltung‚. Dabei leiten Kunsttherapeutinnen die Bewohner und Bewohnerinnen an und es steht immer die Freude am Ausdruck, an einem ‚Aus-sich-Herausgehen‘ im Vordergrund.

Paul Oberhofer und Gisela Pointinger leiten die Gruppe bei den sportlichen Übungen an

Jetzt hat Oberhofer die Angebote um eine weitere Offerte ergänzt. Seit Juni lädt er 14-tätig zur gemeinsamen Bewegungsgruppe in einen großen Raum eines evangelischen Gemeindezentrums der Carolinenkirche in der Sarasatestraße ein. Meist sind es acht bis zwölf Teilnehmer aus den drei Einrichtungen, die sich dem leichten Training anschließen. „Dabei geht es nicht um ehrgeizigen Sport oder um Wettkampf“, erzählt er. „Es ist die Freude an der Bewegung, der Spaß am Mitmachen.“

Sich ganz auf die Übungen einlassen

Einzelne Teilnehmer entdecken – alles Menschen mit geistiger Behinderung – ganz neue Fähigkeiten in sich. „Es macht viel Spaß zu beobachten, wie freudig sich die Teilnehmer auf die Übungen einlassen. Einige haben ein perfektes Körperschema verinnerlicht“ so Oberhofer und „bringen ein ganz wunderbares, teilweise unerwartetes Gefühl für die Bewegungsabläufe mit, so dass ich immer wieder vollkommen erstaunt bin.“

Dabei ist das Training nicht schwer. Ein wenig Stretching, Bodengymnastik, Ballübungen und freies Bewegen vereinen sich zu einem runden Programm. Übungsleiterin Gisela Pointinger ist in ihrer Arbeit sehr erfahren. Sie arbeitet mit Sportgruppen für Menschen mit geistiger Behinderung. In den 15 Jahren ihrer Tätigkeit in der OBA des Löhe-Hauses an der Blutenburgstraße konnte sie viel positive Erfahrungen sammeln.

Gezielt anleiten und Hilfestellung geben

Die Bewegungsgruppe Wohnen West ist auf alle Fälle mit Spaß dabei, wenn auch zwischendurch mal Ermüdungserscheinungen auftreten. Gisela Pointinger hat immer wieder angeleitet und Paul Oberhofer, der das Training ebenfalls mitmachte und begleitete, ergänzte mit manchen Handgriffen, bis die Übungen gelangen. Denn ganz so einfach war es nicht immer. „Welche Hand noch heben und welchen Fuß dazu diagonal bewegen“, fragte sich mancher, bis die Lektion dann eingeübt war – und damit der Kopf frei.

Die Lebenshilfe-Stiftung und Spenden helfen

Wie die Musik- und die meisten Kunsttherapien ist auch dieses Angebot für die Teilnehmer kostenlos. „Ich will einfach, dass möglichst viele dabei sind, denn ich sehe, wie sehr das Training hilft, Blockaden und Spannungen zu lösen, neues Selbstvertrauen zu geben“, begründet Oberhofer sein Engagement. Basis für diese kostenlosen Einheiten sind Spenden, denn ‚ganz offiziell‘ zahlt dafür kein Leistungsträger. Einen Großteil der Kosten übernimmt die Lebenshilfe-Stiftung, oft aber gehen auch direkte Gelder an die Lebenshilfe München. „Spenden können auch zweckgebunden sein“, ergänzt Oberhofer.

„Eine inklusive Sportgruppe ist unser Ziel“

Noch einen Wunsch hat Oberhofer. Er will Vereine und Schulen in der näheren Umgebung ansprechen, um eine Inklusions-Gruppe ins Leben zu rufen, in der Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam trainieren. „Dabei steht nicht der Sport, sondern die Freude an der Bewegung und das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund.“ Dann hofft er für die Einheiten auch eine richtige Turnhalle zu finden. „Das Ambiente ist dort anders, es gibt auch mehr Möglichkeiten und Bewegungsfreiheit, die etwa bei Ballspielen nötig ist.“

Der g’spinnerte Regentropfen

Die TENE in Putzbrunn – eine Tageseinrichtung für Erwachsene nach dem Erwerbsleben – der Lebenshilfe München, hat in einem Gemeinschaftsprojekt ein ganz besonderes Gedicht geschrieben. Es spricht von der Sehnsucht des Reisens, neuen Erfahrungen und Perspektiven. Begleitet hat das Projekt Eva-Maria Jais.
Sie ist Heilerziehungspflege-Helferin.

Wasser in seinem Element, hier frisch aus der Quelle in den Brunnen

Der g’spinnerte Regentropfen

Der Regentropfen soll am Fenster klopfen:
„Mach die Tür auf und die Türe wieder zu!“, flüsterte der Wind.
„Ich war einmal in der Tropfsteinhöhle“, erzählte der Tropfen stolz.
„Es war schön. Jetzt will ich in eine andere Tropfsteinhöhle.“
„Aber Handschuhe mitnehmen, da unten ist es kalt. Da herrschen Minusgrade“,
erklärt der Touristenführer.

Der Tropfen rutscht den Regenbogen runter. Und fällt auf die grüne Wiese.
„Der Regen bringt Segen.“, singt der Tropfen mit den Regensburger Domspatzen.
Jetzt wünscht er sich eine Kugel Eis. Am besten lilablaßblau.
„Quatsch!“, ruft er, „Ich will nach New York!“
„Ich nehme mir jetzt ein Flugzeug, weil ein U-Boot muss ich mir erst noch kaufen.“
Das Flugzeug kommt aus Breslau. Den Tomatensaft lassen wir jetzt einfach stehen.

Der Tropfen schaut aus dem Fenster auf das Meer.
Nach der Ankunft klopft er bei einem Taxi ans Fenster. Das Taxi riecht nach Zwiebeln.
„Das macht man doch sauber, du Hirsch!“, sagt er zum Taxifahrer.
Daraufhin braust das Taxi dem Regentropfen vor der Nase weg.
„Gott seid Dank habe ich einen großen Regenschirm!“ ruft er erleichtert.
Also springt er auf das nächste Auto, das in die Waschstraße fährt, dort lässt er sich von den Schwämmen kitzeln. Der Tropfen pfeift dazu „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“.
Das Auto wird abgetrocknet und der Fön bläst den Tropfen bis nach Spanien.

Er besucht den Stierkampf.
Hinterher besucht er den Ballermann und fällt in einen Sangriaeimer.
Auf einer Katze am Strand schläft er seinen Rausch aus.
Per Anhalter will er zurück zu den anderen Tropfen. Am besten mit einer Modelleisenbahn.
Zurück zum Nockherberg, weil ein Starkbier verträgt er schon.
Am nächsten Morgen, nachdem er ausgeschlafen hat, tröpfelt er zum Nordpol.
Dort verwechselt er einen Pinguin mit einem Kellner.

„Herr Ober, ich hätt‘ gern Nix und ein Brot dazu und am nächsten Tag Schlittschuhlaufen.“, bestellt er.
Der Pinguin sagt auf wienerisch: „Es war sehr schön, beehrn’s uns boid wieda.“
Dann überlegt sich’s der Tropfen anders und tröpfelt zum Heiligen Petrus.
„Lieber Petrus, ich möchte wieder dahin, wo ich hingehöre.“
Also schickt ihn der Petrus in den Waldpark Putzbrunn.

ENDE/ Eva-Maria Jais & die TENE

Nein heißt Nein

Die Sprache ist eindeutig, bei einem klaren Nein weiß jeder was gemeint ist – oder? Bei starken, selbstbewussten Menschen funktioniert das in der Regel ja, doch selbst hier nicht immer. Was tun, wenn sich andere Menschen über ein deutliches ‚NEIN‘ einfach hinwegsetzen? Was tun, wenn persönliche Scham einfach verletzt wird, wenn sich Menschen nicht zu helfen oder zu wehren wissen?

Die Lebenshilfe München veranstaltet zusammen mit dem Verein Wildwasser München e.V. einen Kurs für Mädchen und Frauen von 14 bis 20 Jahren zur Stärkung der eigenen Persönlichkeit. „In diesem Kurs üben wir, wie wir uns wehren können. Mit Worten und mit unserem Körper. Wir üben uns zu verteidigen, mit Schlagen und mit Schreien“, heißt es in der Einladung.

Der Kurs ‚Nein heißt Nein‘ ist am Samstag den 25. November
und Sonntag, den 26. November.
Er dauert von 10 bis 16 Uhr und kostet 15 Euro.

Gesprochen wird im Kurs über unangenehme Erlebnisse. „Wir überlegen: was kann ich tun, damit etwas Un-angenehmes aufhört. Wir sprechen über Sexualität: wie geht das? Was ist Liebe, wie entsteht ein Baby?“

A N M E L D U N G :

St. Quirin-Straße 13
81549 München
Telefon: 089/ 69347-140

Lebenshilfe München profiliert sich als modernes Sozialunternehmen

Projekt „Unternehmensweite Softwarelösung“

Denkt man an den Auftrag der Lebenshilfe München, die Betreuung und Beratung von Menschen mit Behinderung, deren Angehörigen und gesetzlichen Vertretern, erwartet man kaum, dass auch hier die Notwendigkeit der Digitalisierung erforderlich geworden ist. Externe Anspruchsgruppen (z.B. Kostenträger, Heimaufsichten, Dachverbände, etc.) verändern ihre Anforderungen und die Lebenshilfe München muss sich diesen Veränderungen schnell und professionell anpassen.

Die ersten Lebenshilfe-Vereine in Deutschland haben sich vor über 55 Jahren gegründet und ihre Strukturen bis zum Jahr 1990 weitgehend ausgebaut und gefestigt. In München etwa hat man vor rund 10 Jahren begonnen zwei große Bereiche (Wohnen sowie Kinder & Jugend) in eigene gemeinnützige GmbHs zu wandeln, damit sich der Elternverein besser auf seine Kernaufgaben konzentrieren kann. Aber nicht nur das, sondern die Arbeit und Struktur mit rund 400 hauptamtlichen und nochmals so vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern – für weit über 1000 betreute Menschen mit geistiger Behinderung – verlangt Organisation, Struktur, Professionalität und die oben angesprochene Agilität.

Jede gute Planung braucht ein Konzept und Struktur. Sabine Stöckel und Florian Mauch arbeiten am Projekt „Unternehmensweite Softwarelösung“ bei der Lebenshilfe München

Die mehr als 20 Einrichtungen des Elternvereins sind dezentral in Stadt und Landkreis München aufgeteilt. Dazu zählen Einrichtungen der Frühförderung, eine Schule, Heilpädagogische Tagesstätten (HPT), zehn Wohnstätten und das ambulant betreute Wohnen. Aus allen Bereichen laufen heute die Daten zentral in der Geschäftsstelle in der St.-Quirin-Straße zusammen. Begonnen wurde mit der elektronischen Datenverarbeitung in den Einrichtungen der Wohnen GmbH vor rund acht Jahren. Aktuell folgen die Einrichtungen der Kinder und Jugend GmbH, wie Heilpädagogische Tagesstätten, Schule und Interdisziplinäre Frühförderstellen, sowie das in der Wohnen GmbH angesiedelte Ambulant betreute Wohnen. Ziel ist dabei, die doppelte Datenerfassung und Datenverwaltung zukünftig zu unterbinden und Schnittstellenprobleme zu vermeiden.

Die zentrale Erfassung der Daten hilft Unternehmensprozesse zu vereinheitlichen, Dienstleistungen zu optimieren und schafft Transparenz. Und die ist wichtig, denn es wird von den Kostenträgern gefordert, die nach klar definierten Vorgaben abrechnen. Aber auch nach innen, im Bereich des Controllings und Qualitätsmanagements, führt dieser Prozess zu Verbesserungen. Die Projektverantwortliche, Sabine Stöckel, erklärt:

„Eine gute digitale Vernetzung unabdingbar“

„Durch unsere dezentralen Einrichtungen sowie das gewachsene Portfolio ist eine gute Vernetzung durch digitale Datenübermittlung unabdingbar geworden. Die Dokumentation, Hilfeplanung und Abrechnung in einer integrierten, prozessgesteuerten Softwarelösung erhöht die Transparenz, fördert Synergien und ist damit die Basis für ein jederzeit aktuelles Controlling. Auswertungen und Analysen passen sich automatisch den aktuellen Ist-Daten an und machen so eine Planung in Echtzeit möglich. So wird etwa durch eine professionelle Förderplanung nicht nur die Grundlage für eine qualitativ hochwertige Betreuung und Förderung geschaffen, sondern darüber hinaus, lässt sich daraus der tatsächliche Hilfebedarf und somit der Personalbedarf abbilden. Diese Dokumentation dient letztendlich als Basis der Refinanzierung durch die Kostenträger.

Mittel- und langfristig hilft eine gute Dokumentation und Datenerfassung bei der Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen und der damit verbundenen Zielerreichung (Evaluierung). Letztlich sollte das Hauptaugenmerk immer auf der Förderung des einzelnen Menschen mit Behinderung liegen.

Welche Tools passen in das System?

Bei diesem Prozess ist es enorm wichtig die Mitarbeiter einzubeziehen. „Mit welchen Teilen der Software wollen wir arbeiten, damit es für die Mitarbeiter möglichst unkompliziert wird? Das EDV-System ‚Micos‘ (vergleichbar SAP) bietet für die Sozialwirtschaft viele Tools und Bausteine an. Wir müssen es aber für unsere Zwecke passend machen und dabei steht häufig die Frage im Mittelpunkt, welche Bausteine des Systems wollen wir wie verwenden“, erklärt Florian Mauch, Qualitätsmanagementbeauftragter der Lebenshilfe München. „Für diese Projekte wurden und werden unterschiedliche Projektgruppen etabliert und eingebunden, so dass am Ende eine Lösung stehen wird, mit der alle zufrieden sind“, ergänzt er.

Jeder Betreuungsbedarf wird individuell ermittelt

Bei Menschen mit Behinderung ist die Arbeit darüber hinaus wesentlich komplexer, als ein Außenstehender vermuten mag. Die Förderung (und Finanzierung) ist nämlich nach so genannten Hilfebedarfsgruppen genau geregelt. Es wird genau eruiert welche Leistungen der oder die Betroffene selbst bewältigen kann, und wo Hilfe nötig ist. Dieser Prozess ist laufend für jeden der betreuten Menschen bei der Lebenshilfe München erforderlich. Allein das zeigt schon, wie wichtig eine gut überdachte und strukturierte Softwarelösung ist.

Und damit schließt sich der Kreis hin zu einer schlanken, gut organisierten Unternehmensstruktur. In der Zentralverwaltung laufen die gesamten Daten nun in einem einzigen System – Micos – zusammen. Das setzt voraus, dass die Mitarbeiter der Finanzbuchhaltung, der Leistungsabrechnung sowie der Personalabteilung mit den notwendigen Kompetenzen ausgestattet werden. Im ersten Schritt wurden die Finanzbuchhaltung und die Leistungsabrechnung auf die Arbeit im neuen System angepasst und die Mitarbeiter der jeweiligen Abteilungen wurden in der Anwendung geschult. Durch die Zusammenführung der Daten in einem System konnte auch die Kostenrechnung und das Controlling erfolgreich auf die neue Struktur angepasst werden.

All diese Prozesse in einem System zusammen zu fassen, ermöglicht ein effizienteres, reibungsfreies und transparentes Vorgehen und ist auch für ein soziales  Unternehmen Grundlage erfolgreich zu agieren. „Das große Ziel dieser Mammutaufgabe ist, möglichst wenig zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen in Verwaltungsarbeiten zu investieren. Die ohnehin sehr knappen Ressourcen sollen unseren Betreuten in vollem Umfang zur Verfügung stehen“, ergänzt Geschäftsführer Peter Puhlmann.

Lesen Sie dazu auch: „Der Pädagogische Fachdienst unterstützt“

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2017/06/19

 

Glückliche Hühner bei der Lebenshilfe in Putzbrunn

Mit Spannung wurde das seit Wochen angekündigte Projekt „Hühnerstall“ erwartet. Die Bewohner der Lebenshilfe-Wohnstätte wie auch die Teilnehmer in der TENE-Gruppe (Tageseinrichtung für Erwachsene nach dem Erwerbsleben) freuen sich über die neuen Bewohner auf dem Gelände. Ein großes Freilaufgelände wurde eingezäunt und ein richtiger Stall gebaut. Nun also war es so weit, das langersehnte Federvieh konnte einziehen. Mit einem großen Hallo wurden sie von den TENE-Teilnehmern begrüßt, die die Tiere werktags betreuen. Zuerst musste aber der neue Stall noch fertig hergerichtet werden. Alle haben interessiert und engagiert mitgeholfen. Futtersäcke aus dem Auto holen und in den vorbereiteten Tonnen mischen, Hühnertränke zusammenbauen und auffüllen, die Nester mit Stroh auslegen, auf dem Boden Späne ausbringen- und dann war es soweit:

Die Hühner ziehen ein – jedes einzelne Huhn wurde begrüßt, gestreichelt und zum Teil berochen. Insgesamt sind zwölf Hennen und ein Hahn eingezogen. Es ist ein bunt gemischtes Volk…. Laken, Vorwerk, Sussex, Druffler-Hauben, Grünleger, Maran und ein Zwerggockel, der schon gleich den Namen Andi erhält. Es wird noch ein bisserl dauern, bis Eier abgetragen werden können. Da sind alle, auch die Mitarbeiter schon neugierig. Zu Ostern muss dann nicht groß gefärbt werden, denn so bunt wie das Volk ist, werden auch die Eier sein: Weiß, Weiß-Gelblich, Grün, Braun und ein tiefes Rotbraun.

Zunächst durften die Hühner ihr neues Haus inspizieren und wagten sich unter vielen neugierigen Blicken bereits nach zwei Stunden in das neue Gehege. Unter den vielen Sträuchern wurde es gleich heimelig, wenn es auch noch einige Tag dauerte, bis sie sich auch in die äußeren Ecken ihres großen Freigeheges vorwagten.

Natürlich nahmen auch die Bewohner der Förderstätte die „Neuen“ in Augenschein und testete sofort die Haltbarkeit des neuen Zauns. Das hat übrigens auch der Gockel; schon nach einer Stunde war er draußen unterwegs. Das Gras und die Fläche außerhalb ist natürlich, wie bei Kindern, immer schöner als zu Hause. Unter großem Hallo und Gelächter wurde er dann mehrfach zu seinem Volk zurückbegleitet.

Nun kam langsam der Abend und unsere Förderstätten- und Werkstattgänger kamen nach Hause. Unter großem Gelächter der Bewohner haben dann die Mitarbeiter das neue Volk zu Bett gebracht. Diese Prozedur hat sich dann am Dienstagabend fortgesetzt. Seit Mittwoch gehen sie nun schon alleine nach Hause.

Renate Bauer

KlAWOtte spendet für die Lebenshilfe

Die Lebenshilfe-Gruppe freut sich über einen schönen Ausflug an den Chiemsee

KlAWOtte ist ein Second-Hand-Laden in Putzbrunn, der immer wieder Gelder für einen guten Zweck sammelt. Diesmal gingen 300 Euro an die TENE-Einrichtung der Lebenshilfe München in Putzbrunn. Einrichtungsleiterin Renate Bauer freut sich darüber und nutzt die Spende für einen Gruppenausflug an den Chiemsee. „Es ist schön, wenn wir dann auch mal so richtig – wie alle anderen auch – in einen Biergarten gehen können und für jeden eine Brotzeit bestellen dürfen. Das ist für alle ein tolles Gefühl. Sonst machen wir halt irgendwo ein Picknick im Grünen. Das geht auch, ist aber nicht dasselbe.“ In der TENE treffen sich täglich ‚Erwachsene nach dem Erwerbsleben‘. Es wird ihnen hier eine Tagesstruktur und persönliche Betreuung geboten.

Renate Bauer dankt der Leiterin der Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und sendet einen kleinen Reisebericht:

Liebe Frau Konrads,

mit diesem Brief und der folgenden Erzählung danken wir nochmals sehr herzlich für Ihre großzügige Spende an die Tene Putzbrunn. Wir unternahmen einen Ausflug zum Chiemsee. Zuerst dachten wir schon, wir müssten im Regen mit dem Schiff fahren, aber unterwegs riss der Himmel auf, die Sonne verwöhnte uns und wir hatten einen wunderbaren Tag am Chiemsee.

Am Hafen angekommen freuten wir uns auf die Überfahrt. Ein kleines, kühles Lüftchen umwehte unsere Nasen, der See glitzerte, als das Schiff „Joseph“ uns zuerst zur Herren- und dann zur Fraueninsel brachte. Zu Fuß umrundeten wir die Fraueninsel, dabei haben wir die örtlichen Handwerker, die Töpferei, die Schnitzerei – bei der wir tatsächlich jemanden beim Schnitzen beobachten konnten -, gesehen, sowie mannsgroße blühende Sonnenblumen. Eine Aquarellmalerin stellte an der Promenade ihre Bilder aus. Und die Fischer verkauften die frisch geangelten und geräucherten Fische aus ihren Häusern heraus. Zu guter Letzt kehrten wir beim Klosterwirt ein und ließen uns hier von der sehr netten Bedienung und einem angenehmen Ambiente erfreuen. Zurück ging es wieder per Schiff, dieses Mal mit der „Irmingard“.

Bei der Ankunft am Priener Steg ließ der Himmel es doch nochmal regnen – es waren große, warme Sommertropfen – in denen wir lachend zu den Autos zurückgingen. Voller Eindrücke fuhren wir wieder nach Hause.

Viele liebe Grüße von der Tene Putzbrunn.

Mehr für Kinder und Jugend bei der Lebenshilfe München

Seit drei Jahren ist Sabine Refle neben ihrer Tätigkeit als Einrichtungsleiterin
der HPTG in Unterhaching auch Bereichskoordinatorin für Kinder und Jugend
bei der Lebenshilfe München. Das sind zwei Aufgaben, die eigentlich
ganz für sich beanspruchen. Dabei ist in dem großen Bereich Kinder und Jugend
bei der Lebenshilfe München noch viel Potential offen. So hat sich Sabine Refle mit Geschäftsführer Peter Puhlmann abgestimmt, sich vermehrt und ganz dem zu widmen.

Peter Puhlmann und Sabiine Refle bei einem Sommerfest in der HPT Unterhaching.

Peter Puhlmann: „Die Nachfrage für Beratung, Betreuung und Dienstleistungen der Lebenshilfe München wächst beständig. Das hat mit einem gestiegenen Bewusstsein der Gesellschaft, aber vor allem auch der Eltern zu tun, die eine größtmögliche Förderung ihrer Kinder nicht nur wünschen, sondern diese auch nachdrücklich verlangen. Auch ist die Zahl der Einwohner in Stadt und Land erheblich gewachsen.“

Das öffnet neue Räume und Möglichkeiten für die Lebenshilfe München. Es wird darüber nachgedacht, eine weitere Heilpädagogische und/oder schulvorbereitende Einrichtung zu eröffnen. „Es kann ja auch in die Richtung eines integrativen Kindergartens gehen,“ überlegt Sabine Refle. „Dabei könnte die ganz spezielle Ausrichtung des Elternvereins und seine über 55jährige Erfahrung mit einfließen. Die Lebenshilfe München hat hier die Chance ganz neue Wege zu beschreiten,“ ist sich Sabine Refle sicher.

So ist es übliche Praxis und auch Gesetz, dass Kindergärten in der Regel mit hohen Gruppenstärken (bis zu 25 Kinder) und mit wenig Personal arbeiten müssen. Bei integrativen Kindergärten liegt die Sache etwas anders. Hier liegt der Betreuungsschlüssel bei 4,5 und nicht bei 7,5 (Kinder je Erzieher) wie bei einem Regelkindergarten. „Es zählt aber nicht nur der Personalschlüssel, sondern auch eine qualitative Betreuung,“ weiß Sabine Refle aus eigener Erfahrung.

Fachkräfte müssen ausgebildet werden

Und das ist wiederum ein Punkt, dem sich die engagierte Pädagogin intensiv widmen möchte. „Um auf Dauer gut ausgebildete Fachkräfte zu haben, muss ein Unternehmen in die Fortbildung, aber heute noch viel stärker in die Ausbildung seiner Mitarbeiter investieren. Dieser Punkt aber wird von den Kostenträgern häufig nicht berücksichtigt und es gibt daher keine finanziellen Ressourcen. Dafür wird bei den Verfügungszeiten, wie Zeiten für Elterngespräche, für Dokumentationen, Feste und Vorbereitungen gekürzt. So werden fachlich sehr notwendige Qualitätsinstrumente reduziert.

Das Ergebnis dabei ist klar. Es gibt immer weniger qualifizierte Fachkräfte und die sind vor allem bei Kindern und Jugendlichen wichtig. Verstärkt noch, wenn etwa eine Entwicklungsverzögerung oder einer emotionalen Einschränkung vorliegt. Eine gezielte und fachliche Förderung des Kindes sind entscheidend für dessen Zukunftsperspektiven. Das entscheidet sich mitunter an der Frage, ob es der betreffenden Person später einmal möglich sein wird, ein selbständiges Leben zu führen oder einen Beruf zu ergreifen.

Sabine Refle sieht in dem Bereich Kinder und Jugend bei der Lebenshilfe München auf alle Fälle viel Entwicklungspotential und möchte sich ab dem Herbst verstärkt dieser Aufgabe widmen.

Wir wünschen Ihr viel Erfolg dabei!

Von der Verwahrung bis zur Selbstbestimmung

Christian Kerler kam 2014 zur Lebenshilfe München. Der erfahrene Pflegemanager hat
die letzten 22 Jahre für private Träger gearbeitet, war zunehmend für die Vorbereitung von Leistungsvereinbarungen mit dem Bezirk Oberbayern tätig und die letzten Jahre Koordinator der Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München. Im September geht er nach 43 Berufsjahren im „Sozialen Bereich“ in den Ruhestand, ist nur noch wenige Stunden in der Woche für den Elternverein aktiv. Wir haben mit ihm gesprochen:

Von links: Lebenshilfe-Geschäftsführer Peter Puhlmann und Christian Kerler wünschen ‚dem Neuen‘ bei der Lebenshilfe München, René Pfeifer, in der Nachfolge von Christian Kerler viel Erfolg. Er koordiniert ab September den Bereich ‚Wohnen‘ bei der Lebenshilfe München. Foto: Gerd Spranger

Redaktion:
Herr Kerler, 43 Jahre in der Pflege und in der Betreuung von Menschen mit seelischen oder geistigen Einschränkungen , davon über 30 Jahre in leitender Funktion in unterschiedlichen sozialen Einrichtungen und die letzten vier Jahre bei der Lebenshilfe München. Da hat man viel gesehen und erlebt.

Christian Kerler:
Ja natürlich. Die sozialpsychiatrischen Versorgung, die Altenpflege – die wir heute Seniorenbetreuung nennen – war allenfalls in den großen Bezirkskliniken, in den Altenheimen und im familiären Umfeld gegeben, ansonsten nahezu unbekannt. Elementar ist die Entwicklung im Bereich von psychisch kranken Menschen oder von Menschen mit geistiger Behinderung.

Redaktion: Wie meinen Sie das?

Christian Kerler:
Ich habe meine Ausbildung in den 70er-Jahren abgeschlossen. Es gab damals eine gewisse Aufbruchsstimmung, ausgelöst durch die Psychiatrie-Enquete (1975). Es war ein mühsamer und über viele Jahre langer Weg. Heute können wir psychisch erkrankten Menschen und Menschen mit geistiger Behinderung eine personenzentrierte Versorgung anbieten. Die massive Ausgrenzung oder gar das Weggesperrtsein ist institutionelle Vergangenheit. In den Köpfen vieler Menschen ist dennoch die Inklusion noch nicht wirklich angekommen.
Es erfolgte in den letzten Jahren auch die Erweiterung im Bereich der Rehabilitation, wie die RPK`s und der Ausbau der Komplementäreinrichtungen. Die Lebenshilfe war zu dieser Zeit schon sehr vorbildlich, ja, ihrer Zeit voraus. Mit eigenen Werkstätten und Wohneinrichtungen hat man die jungen Menschen gefördert und ihnen ein Zuhause gegeben.

Redaktion: Ja, in der Tat. Ist dieser Prozess der Integration und Annahme heute abgeschlossen?

Christian Kerler:
Nein, keinesfalls. Ich fürchte, der Prozess wird nie abgeschlossen sein. Er kommt in immer neuen Wellen auf uns zu. Vor etwa 20 Jahren hat man noch von Integration gesprochen. Man war bemüht, Menschen die in die Gesellschaft ‚außen stehen‘, in das gesellschaftliche Leben zu integrieren. ‚Teilhabe‘ ist das bis heute richtige Stichwort dazu. Seit einigen Jahren sprechen wir von ‚Inklusion‘. Jeder Mensch ist dabei, gehört mit dazu. Ausgrenzung ist immer der falsche Weg.

Redaktion: Dann haben wir also doch viel erreicht.

Christian Kerler:
Ja natürlich. Aber der Gesetzgeber und vor allem die Gesellschaft haben ein ganz neues Kapitel aufgeschlagen. Es heißt ‚Selbstbestimmung‘. Das ist gerade für Menschen mit geistiger Behinderung nicht einfach. Wirklich selbst bestimmen kann in der Regel nur ein Mensch, der sich völlig über die Folgen seines Tuns bewusst ist, eine Voraussetzung die nicht immer gegeben ist. Doch arbeiten wir in der Behindertenhilfe oft unter den Aspekt „fördern und fordern“ möglichst nahe an dieses Ideal heran. Wir helfen Menschen langsam an ein selbstbestimmtes Leben heran zu führen – soweit es individuell möglich ist.

Redaktion: Wie lautet das Fazit Ihrer beruflichen Laufbahn?

Christian Kerler:
Rückblickend kann ich sagen, jede Veränderung war ein Gewinn für die Betroffenen und wenn es auch nur zum Teil kleine Schritte waren. Diese Tätigkeit machte mir immer wieder Spaß und ich bin froh, dass ich diese Zeit erleben durfte.

Redaktion:
Her Kerler, wir wünschen Ihnen ‚Alles Gute‘ auf ihren weiteren Weg. Wie ich hörte, bleiben Sie der Lebenshilfe ja noch für einige Zeit erhalten und haben sich für ihren ‚Unruhestand‘ auch schon einiges vorgenommen.

Der Umzug der HPT in Unterhaching muss noch warten

Etwas ratlos und verloren steht Sabine Refle in den noch nicht fertiggestellten Räumen, wo alles noch so ’nach Baustelle‘ aussieht.

Bei der Heilpädagogischen Tagesstätte der Lebenshilfe in Unterhaching stehen große Veränderungen an. Der lang ersehnte Umzug in die vom Landkreis München komplett renovierten Räume steht an. Es ist Teil des Gesamtprojektes der Hachinger Talschule, die 2016 in einen großen Neubau, gleich neben dem alten Gebäude, zog. Die Einrichtungen der HPT/G und HPT/E indessen zogen im Oktober 2016 in das alte Gebäude, damit das Bestehende eine Komplettsanierung erhält.

Nun endlich, zehn Monate später, sollte es wieder zurück gehen ‚in die alte Heimat‘ in ‚ihre‘ alt-neuen Räume, in denen sich die Kinder seit Jahren wohl fühlen. Leider aber wird daraus nichts. Überall ist noch Baustelle, Dreck und Schmutz, die Handwerker sind noch nicht fertig. Die alten Gebäude aber sollen die nächsten zwei Wochen unbedingt abgerissen werden, so dass die Lebenshilfe München mit der HPT keine Räume mehr hat. „Ganz so schlimm ist es aber nicht,“ lenkt Einrichtungsleiterin Sabine Refle ein. „Wir müssen alle unsere Einrichtung und auch das Büro einstweilen zwischenlagern, und dafür sind glücklicherweise wenigstens einige Räume fertig gestellt.“

Alle freuen sich auf mehr Platz, Ruhe und Gleichmaß

Die Zeit in beengten Räumen, in denen sich verschiedene Gruppen einige Gemeinschaftsräume teilen mussten ist damit ebenfalls vorbei. „Das hört sich nicht weiter schlimm an, doch bei Kinder und Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten, mit geistiger Behinderung oder mit Bedarf für eine besondere Förderung (emotionale Entwicklung) kann es schwierig werden. Für sie ist ein ruhiges Gleichmaß, sich an feste Strukturen und Abläufe orientieren zu können, ganz wichtig,“ erklärt Sabine Refle. Darüber hinaus waren auch die Erzieher, Pädagogen und Betreuer immer wieder vor neue Situationen und Herausforderungen gestellt. Die neuen, großzügigen Räumlichkeiten werden wieder bessere Bedingungen für alle setzen.

Für das Einrichtung der 42 Räume bleibt nur ein Tag Zeit. Eigentlich hätte der Bau am 09. August bezugsfertig sein sollen.

Der ‚große Stress‘ bleibt dann für den 11. September. In nur einem Tag nämlich müssen dann alle Räume (12 Gruppenräume und 30 Funktionsräume) komplett eingerichtet werden, denn am 12. September ist Schulanfang und damit beginnt auch wieder die Betreuung der Kinder und Jugendlichen in der Heilpädagogischen Tagesstätte und der Schulvorbereitenden Einrichtung der Lebenshilfe München in Unterhaching.

„Die Kinder und Jugendlichen freuen sich schon jetzt ‚ganz riesig‘ darauf. Sie haben den Fortgang der Bauarbeiten nämlich eifrig verfolgt. Eine echte Bereicherung wird auch der erweiterte Spielplatz und Freizeitbereich sein. Die letzten Monate haben wir hier doch immer etwas improvisieren müssen und sind in die nähere Umgebung, etwa in den Wald, in das Schwimmbad oder an einen Weiher ausgewichen,“ erzählt Sabine Refle. Während der Ferien nutzen viele übrigens das besondere Ferienangebot der Lebenshilfe München über die Offenen Dienste, denn Sommerzeit ist Ferienzeit!

Das Freizeitgelände wurde vergrößert und neu sind auch die Reifenschaukel und große Geräteschuppen.

Lesen Sie auch vom bevorstehenden Umzug im Oktober 2016:

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2016/09/27/

Sich gemeinsam großen Aufgaben stellen

Lebenshilfe München zu Gast in dem Integrationsbetrieb BalanDeli in der Balanstraße 73 in München. Text & Fotos: Gerd Spranger

Sommer, Ferien und Genuss im Freien. Ob in einem schattigen Biergarten oder einem gepflegten Gastgarten. Man genießt die Zeit im Freien, auch in München. Und man braucht nicht lange zu suchen, in München gibt es auch abseits vom Englischen Garten und der Touristenmeile zwischen Stachus und Marienplatz schöne Innenhöfe und modern angelegte Plätze. Etwa in der Balanstraße, wo die großen Gebäudekomplexe des einstigen Siemens-Standortes mit neuem Leben erfüllt sind. Der Mittelstand ist hier heimisch geworden.

Die Leiter der einzelnen Geschäftsbereiche der Lebenshilfe München trafen sich hier zu einem zwanglosen Austausch im Café-Restaurant BalanDeli. Das Lokal wurde nicht zufällig gewählt, es ist ein Integrationsbetrieb, der aus der integrativen Montessori-Schule hervorgegangen ist. Und das Café-Restaurant BalanDeli scheint gute Geschäfte zu machen. Alle Tische auf der Gartenterrasse waren reserviert, ausgebucht. Service und Essen waren hervorragend. Die neueste Ausgabe des L.I.E.S – Journals der Lebenshilfe München stellt den Betrieb ausführlich vor.

Das Treffen ‚im kleinen Kreis‘ gab auch Gelegenheit einen ‚Neuen‘ bei der Lebenshilfe München zu begrüßen, der aber längst allen bekannt ist. René Pfeifer hat nämlich 2016 über mehrere Wochen hinweg Deeskalations-Kurse gehalten und das Personal geschult, auf schwierige Situationen vorbereitet. Geschäftsführer Peter Puhlmann bekräftigte: „es ist natürlich am Besten, solche Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen und rechtzeitig mit einer Deeskalation vorzubeugen.“

Ab 1. September fängt Renè Pfeifer bei der Lebenshilfe München an. Er ist Nachfolger von Christian Kerler, der sich nach über 40 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet (Bericht folgt). Als Koordinator des Bereiches ‚Wohnen‘ ist Pfeifer dann für alle Wohneinrichtungen der Lebenshilfe in Stadt und Land München zuständig.

Mit Fortbildung gute Voraussetzungen schaffen. Lesen Sie mehr:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2016/07/12/

Soziales Engagement für den Lebenshilfe-Garten

20 junge Mitarbeiter des Unternehmens Ratioform Verpackung GmbH haben geholfen die Außenanlagen der Lebenshilfe Frühförderung in Feldkirchen bei München wieder herzurichten. Mit Rechen, Spaten, Schaufel und Heckenschere rückten sie dem Gelände, in dem zentral die alte Villa der Frühförderung steht, auf den Grund. Nicht jeder der Ratioform-Mitarbeiter brachte Erfahrung in der Gartenarbeit mit. Beruflich arbeiten sie in den Abteilungen ‚Online-Business-Intelligence‘, ‚Produktkommunikation‘ oder im ‚Operational Excellence‘.

Mitarbeiter von ratioform engagieren sich bei der Lebenshilfe München

Maria-Anna Link, Koordinatorin der interdisziplinären Frühförderungen der Lebenshilfe München und Einrichtungsleiterin in Feldkirchen, freut sich über den neu gestalteten Garten, über die vielen fleißigen Hände. „Wir arbeiten bei der Frühförderung interdisziplinär, so dass für die Förderung des Kindes Experten aus ganz verschiedenen Fachbereichen zusammenwirken. Und auch der große Garten ist ein wichtiges Element. Es geht um das Wahrnehmen mit allen Sinnen. Das Sehen, Riechen und Fühlen hat in freier Natur nochmals eine ganz andere Dimension.“ In den nächsten Wochen soll noch ein großes Trampolin folgen.

An ihrem Sozialen Tag arbeiten Beschäftigte für gemeinnützige Zwecke und werden von ihren Arbeitgebern dafür freigestellt. Corporate Volunteering (CV) heißt der in den 80er-Jahren in Großbritannien und den USA entstandene Trend. Auch das junge Unternehmen Ratioform praktiziert es und leistet so einen ganz eigenen Beitrag zum Allgemeinwohl.

Die Hecken und Büsche an den Rändern wurden beschnitten, der Sandkasten ausgehoben und neu befüllt, der Rasen gemäht und von Unkraut befreit und als ganz neue „Errungenschaft“ ein kleines Stück des Gartens mit unterschiedlichen Materialien ausgelegt. Eine ‚Schlange‘, über die man barfußlaufend die Beschaffenheit der verschiedenen Untergründe erspüren, erfahren kann. Auch die Mitarbeiter von Rationform freuten sich an dem Miteinander in entspannter Atmosphäre. Draußen in freier Natur zu sein, etwas ‚voran zu bringen‘, mit den eigenen Händen zu arbeiten und damit einem guten Zweck zu dienen war ein gutes Gefühl für sie. Auch das Wetter meinte es gut und hat bis 15 Uhr gehalten, bevor wieder Regen einsetzte.

Freude beim Team von Ratioform über die gelungene bunte Schlange zum Erspüren der Untergründe

Gestärkt hat man sich zwischendurch mit heißen Kaffee und die Brotzeit haben die jungen Leute selbst mitgebracht. Sie arbeiten seit einigen Monaten und bis zu acht Jahre bei dem aufstrebenden Unternehmen Ratioform. Die Ratioform Verpackungen GmbH ist Deutschlands Marktführer im Handel mit Verpackungen für Versand, Lager und Büro. Über 300 Mitarbeiter sorgen dafür, dass viele tausend Artikel zum sofortigen Versand bereitstehen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Pliening bei München und ist mit seiner B2B Multi-Channel Vertriebsstrategie an sieben weiteren Standorten in Deutschland und an vier europäischen Standorten tätig: in Wien, Barcelona, Mailand, Regensdorf in der Schweiz.

Ratioform beliefert europaweit insgesamt mehr als 150.000 Kunden aus unterschiedlichsten Branchen, verfügt über 100.000 Quadratmeter Lagerfläche und setzt jährlich rund 90 Millionen Euro um. Neben dem breiten und tiefen Sortiment an Artikeln unterstützt ratioform Unternehmen vor allem mit maßgeschneiderten Verpackungslösungen und bei der Optimierung von Verpackungsprozessen.

Ratioform wurde 1979 gegründet und ist als Packaging Solution Group (PSG) Teil des Geschäftsbereichs Takkt Europe der Takkt AG, dem führenden B2B Spezialversandhandel für Geschäftsausstattung mit Sitz in Stuttgart und rund drei Millionen Kunden in 25 Ländern.

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