60 Jahre Lebenshilfe München: Meilensteine

1960 waren Peter und Gabriele bei den Neugeburten in München die beliebtesten Namen. Es wurde gegen eine zweite Startbahn in Riem demonstriert, die Armut von Rentnern angeprangert, eine Städtepartnerschaft mit Verona geschlossen, Hans-Jochen Vogel wird mit 34 Jahren Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, die Zahl der Gastarbeiter steigt und erste Pläne für eine eigene Studentenstadt entstehen. 1960 gründeten aber auch zwölf Eltern die Lebenshilfe München, in einer Zeit, nur 15 Jahre nach der NS-Schreckensherrschaft, als man Menschen mit Behinderung noch mit vielen Vorbehalten begegnete. Die Lebenshilfe München möchte mit ihrer Chronik „Meilensteine“ darum die besondere Entwicklung des Vereins und das Engagement der Eltern würdigen.

Meilensteine der Lebenshilfe München

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Am 12. Juli des Jahres wird von Mathilde Eller zusammen mit elf Eltern von Menschen mit Behinderung die „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind e.V.“ gegründet. Heute heißt der Verein: „Lebenshilfe München e.V. Stadt und Landkreis“, hat rund 1000 Mitglieder und ist damit einer der größten Elternvereinigungen Deutschlands.

Es war ein langer und harter Weg der Eltern, galten doch Menschen mit geistiger Behinderung als dafür ungeeignet. Heute völlig unvorstellbar, doch damals musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Menschen mit geistiger Behinderung sollten nicht mehr nur verwahrt – etwa in Psychiatrien – und versorgt, sondern gezielt gefördert werden.

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Die erste Heilpädagogische Tagesstätte in der Dietlindenstraße wird eröffnet. Vier Jahre später ziehen die MitarbeiterInnen mit den Kindern in angemietete Räumlichkeiten in der Neuherbergstraße.

„Parallel zum Älterwerden der Kinder wuchsen die Angebote der Lebenshilfen in ganz Deutschland, auch in München. In den Heilpädagogischen Tagesstätten etwa betreuen wir die Menschen bis zum 18. Lebensjahr, und die Werkstätten ermöglichen den Einstieg und Verbleib im Berufsleben“, erklärt Peter Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe München.

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Gemeinsam mit der Stuttgarter Stiftung für Bildung und Behindertenförderung GmbH wird die Werkstatt in der Scharnitzstraße gegründet. Inzwischen arbeiten insgesamt rund 600 MitarbeiterInnen mit Behinderung in der Werkstatt.
Außerdem wird die Elternberatung als separate Anlaufstelle mit einem eigenen Büro eingerichtet. Zuvor waren Beratungsgespräche nebenbei geleistet worden. Vor einigen Jahren wurde aus der „Elternberatung“ dann die „Angehörigenberatung“ und die Zahl der Beratungen zu unterschiedlichen Anliegen und Fragen beläuft sich inzwischen auf knapp 800 pro Jahr.

Ja damals, bis 1970, war die Lebenshilfe in München noch ein kleiner Verein, doch wir hatten immerhin schon 1000 Mitglieder. Neben einem kleinen Büro gab es noch eine Sekretärin, aber keine Wohnstätten, keine OBA und auch noch keine Elternberatung, zumindest offiziell nicht. Denn geholfen haben wir uns gegenseitig immer“, erinnert sich die Ehrenvorsitzende der Lebenshilfe München, Gerlinde Englmann.

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Die Mobile Frühförderung beginnt mit ihren Einsätzen für Kinder von der Geburt bis zum Schuleintritt. Heute gibt es vier Frühförderstellen an verschiedenen Standpunkten in der Stadt und im Landkreis München.

Sehr viele Impulse und Fortschritte sind dabei dem unglaublichen Einsatz der betroffenen Eltern geschuldet, sowie den engagierten Pädagogen und Lehrkräften. Auch manches Gesetz, etwa die Novellierung des Bundessozialhilfegesetzes 1974 mit der Einführung eines einheitlichen Behindertenbegriffes, war nötig, um die rechtlichen Rahmenbedingungen und Fördergelder zu erwirken.

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Die Offene Behinderten Arbeit (OBA) nimmt ihren Dienst auf. Über 300 TeilnehmerInnen nehmen auf ganz unterschiedliche Weise an den vielfältigen Angeboten zur Freizeitgestaltung und Bildung für Kinder, Jugendliche und erwachsene Menschen mit Behinderung teil und rund 100 ehrenamtliche MitarbeiterInnen begleiten sie dabei.
Das L.I.E.S.-Heft erscheint erstmals. Mehrmals hat es seither sein Äußeres verändert. Dabei ist es umfangreicher und bunter geworden. Seit 2017 kommt die Mitgliederzeitschrift dreimal im Jahr heraus und wird auch in Ingolstadt und Landsberg a. Lech mit einem jeweils anderen Lokalteil von Lebenshilfe-Mitgliedern gelesen.

Ziel war und ist bis heute natürlich die Förderung von Menschen mit geistiger Behinderung, aber auch eine Entlastung von Eltern oder Betreuern. „Dabei ist wichtig“, ergänzt Harry Zipf, Leiter der OBA bei der Lebenshilfe München, „unserer Arbeit schafft Inklusion, also das Zusammenführen von Menschen mit und ohne Behinderung, auch wenn damals noch von Integration gesprochen wurde. Die Lebenshilfe war von Anfang an auf einem guten Weg, etwa mit der Gründung erster Freizeitclubs in Giesing, Haidhausen, Obermenzing.“

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Die erste Wohnstätte für erwachsene Menschen mit Behinderung wird in der Hofbauernstraße eröffnet. Inzwischen wohnen etwa 150 Menschen mit geistiger Behinderung in Wohnstätten, Wohngruppen und ambulant betreut in Wohnungen in unterschiedlichen Stadtteilen und im Landkreis.

In den 80er Jahren folgten gleich sechs weitere Häuser und Wohnungen, wo Menschen mit geistiger Behinderung in kleinen Gruppen von bis zu 12 Personen unter Betreuung zusammenleben und ihren Alltag weitgehend selbständig gestalten. Alle Bewohner sind tagsüber in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung berufstätig.
Für den Elternverein bedeutete es nicht nur eine enorme finanzielle Leistung – für jedes der Häuser und Wohnungen bis zu einer Million Deutsche Mark. Es mussten die Objekte gefunden werden, Angebote verglichen, Verhandlungen geführt, Umbauten durchgeführt und letztlich auch die Organisation des Ganzen bis hin zum Bezug und zur Betreuung der Wohngruppen geleistet werden. Es war für die Lebenshilfe Neuland.

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In der Neuherbergstrasse wird eine Heilpädagogische Tagesstätte, eine Schulvorbereitende Einrichtung (SVE) und eine Schule für Kinder mit geistiger Behinderung gebaut und eröffnet. Heute gibt es vier Heilpädagogische Tagesstätten der Lebenshilfe München, in denen insgesamt etwa 150 Kinder und Jugendliche in kleinen Gruppen betreut und gefördert werden.

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Der Familienentlastende Dienst (heute: Familienunterstützende Dienst) wird eingerichtet, um erstmals individuelle, stundenweise die Begleitung von Angehörigen mit Behinderung zu übernehmen. Heute sind es etwa 330 Familien, die mal mehr, mal weniger intensiv unterstützt werden.

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Die Lebenshilfe München übernimmt die Schulträgerschaft für die Private Schule zur individuellen Lebensbewältigung (heute: Silvia-Görres-Schule mit dem Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“) in der Neuherbergstraße.

In den 90er-Jahren war die Lebenshilfe München bereits zu einer großen Organisation angewachsen. Von der Frühförderung, den Heilpädagogischen Tagesstätten (HPT), über die Werkstätten bis hin zu den Wohneinrichtungen, Beratungsdiensten und der Offenen Behindertenarbeit deckte der Elternverein die gesamte ‚Lebens-Wirklichkeit‘ von Menschen mit Behinderung ab. Er gab auch den Eltern Raum und Sicherheit im Streben nach einer bestmöglichen Förderung ihrer Kinder. Die Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Landkreis München entwickelte sich gut, man war ihr ein verlässlicher Partner in vielen sozialen Bereichen geworden.

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Nach langer Bauphase zieht die Geschäftsstelle des Vereins mit mehreren Einrichtungen der Lebenshilfe München in die St.-Quirin-Straße.

Am 03. Juli 1997 war die offizielle Eröffnung und am 13. November 1997 hielt die Lebenshilfe München ihre erste Vorstandssitzung in dem neuen Vortragsraum der Zentrale der Lebenshilfe München in der St.-Quirin-Straße ab. „1996 haben 320 Mitarbeiter und 100 Ehrenamtliche für die Einrichtungen und die Offene Behindertenarbeit sehr viel geleistet, hieß es in dem Geschäftsbericht.“

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Die „Stiftung Lebenshilfe München“ wird gegründet. Sie ist aus dem „Förderverein Lebenshilfe München“ hervorgegangen.

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In Putzbrunn wird eine neue Wohnstätte für 18 Erwachsene mit schwerer Mehrfachbehinderung eröffnet.

Bereits 1994 eröffnete man den ersten Komplex. Es hieß dazu: „die Nachfrage nach betreuten Wohnplätzen für Menschen mit geistiger Behinderung war ungebrochen groß. Von 1992 an war der Elternverein neben dem laufenden Betrieb mit dem Bau des großen Wohnheimes in Putzbrunn beschäftigt. 1993 gab es für 34 Wohnplätze 160 Vormerkungen. Die Nachfrage war sehr hoch, auch die Kosten.
„Das Wohnheim Putzbrunn wird mit 6,4 Millionen DM Gesamtkosten abschließen. Rund 1,4 Millionen müssen nachfinanziert werden“, heißt es damals in einer Ausgabe des L.I.E.S. – Heftes. 1994 feierte man dann die Eröffnung der Wohneinrichtung in der Waldkolonie von Putzbrunn, im Landkreis München.

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Gründung der beiden GmbH`s „Kinder und Jugend“ und „Wohnen“.
Die erste Klientin zieht ins Ambulant Betreute Einzelwohnen.

Die Fülle an Diensten und Aufgaben verlangte nach neuen Strukturen. Bereits ab 1997 beschäftigte sich ein eigenes Gremium damit. Zehn Jahre später, 2007 war es dann soweit. Man trennte das laufende Geschäft aus den 10 Wohnstätten organisatorisch vom Verein. Der Besitz an den bestehenden alten Stadthäusern, Wohnungen und der modernen Einrichtung in Putzbrunn verblieb natürlich zu 100 Prozent beim Verein der Lebenshilfe München e.V.. Im Jahr 2012 dann verpflichtete die Lebenshilfe München den Dipl. Pädagogen und Univ. Sozialbetriebswirt Peter Puhlmann als Geschäftsführer. Er bringt die Neuorganisation, die Modernisierung und die neuen Strukturen der Lebenshilfe München entscheidend voran.

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Start der Schulbegleitung für Kinder. Die Nachfrage steigt seither stetig.
Einrichtung der ersten Seniorengruppe mit interner Tagesstruktur und Nachtdienst, also 24-Stunden-Betreuung für Rentner, in der St.-Quirin-Straße.

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Erweiterung der internen Tagesstruktur für Rentner in Wohngruppen und Start einer Tagesstruktur für Erwachsene nach dem Erwerbsleben (TENE) für externe Tagesbesucher in Putzbrunn.
Außerdem startet die Lebenshilfe als einziger Träger in München das neue Konzept „Trainingswohnen“ in den Wohnheimen im Kiem-Pauli-Weg und in der Berliner Straße. Hier leben ab jetzt Menschen mit Behinderung, die auf ihren Umzug in Ambulant Betreutes Wohnen vorbereitet werden.

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Die erste Ambulant Betreute Wohngemeinschaft in der Landsbergerstraße wird eingeweiht.
Das Thema ‚Wohnen‘ ist bei der Lebenshilfe München nicht abgeschlossen. Länger schon ist die Forderung ‚Ambulant vor Stationär‘ aktuell. Es ist darüber hinaus ein weiterer wichtiger Schritt für Menschen mit Behinderung in die Selbständigkeit. Auch für Menschen mit geistiger Behinderung muss die Möglichkeit bestehen, allein etwa in einem Appartement zu leben. Eine Unterstützung und Begleitung erfolgt dann ambulant.

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Die erste inklusive Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München wird in der Hermann-von-Sichererstraße eröffnet.
Ambulanter Pflegedienst der Lebenshilfe München nimmt seine operative Tätigkeit im Wohnbereich auf und steht auch externen Kunden offen.

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Der Neubau im Willinger Weg wird fertiggestellt. Aus dem ehemaligen Wohnhaus wird eine moderne Wohnstätte für 24 Bewohner. Dieser Neubau ist nicht nur barrierefrei, sondern jeder Bewohner hat nun erstmals ein Bad mit Dusche und Toilette in seinem Zimmer.

Weitere Links und Geschichten von der Lebenshilfe München:

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2017/03/15/lebenshilfe-vom-elternverein-hin-zu-einem-gemeinnuetzigen-wirtschaftsunternehmen/

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2017/03/28/lebenshilfe-muenchen-gewinnt-an-bedeutung/

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2017/04/18/lebenshilfe-muenchen-geht-neue-wege/

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