Neue Doppelspitze bei der Lebenshilfe München

Emanuel Gaenslen (l.) und Peter Puhlmann (r.) leiten seit April gemeinsam die Geschäfte der Lebenshilfe München. – Foto: Gerd Spranger

Seit April wird die Lebenshilfe München von zwei Geschäftsführern geleitet. Peter Puhlmann und der Elternverein erhalten Verstärkung durch Emanuel Gaenslen, der seinen Schwerpunkt im kaufmännischen Bereich setzt. Peter Puhlmann erhält damit mehr Ressourcen für fachliche und strukturelle Aufgaben bei der Lebenshilfe in ihren vielen Facetten, denn der Elternverein ist breit aufgestellt.

Lebenshilfe deckt alle Bereiche

Sie betreut und fördert Kinder von der Frühförderung in ihren ersten Lebensjahren, begleitet sie über das Heranwachsen in Heilpädagogischen Tagesstätten bis hin zu ihrem beruflichen Werdegang, häufig in Lebenshilfe-Werkstätten. Selbst den privaten Bereich des Wohnens deckt die Lebenshilfe ab, weitgehend selbstbestimmt in offenen Wohngemeinschaften oder eng strukturiert in den Wohneinrichtungen. Darüber hinaus bietet die Lebenshilfe mit den ‚Ambulanten Diensten‘ und den ‚Offenen Diensten‘ direkte Hilfe für Menschen mit Handicap und betroffene Familien.

Mehr Sicherheit bei steigenden Anforderungen

Es würde den Rahmen sprengen, erläuterte man all die Einrichtungen, Förderungen, Betreuungen und Hilfestellungen des Vereins. Kaum ein Lebensbereich bleibt ausgeklammert. Peter Puhlmann ist dankbar für die Unterstützung durch Emanuel Gaenslen.

„Natürlich nimmt der Verein eine zentrale Stellung innerhalb der Lebenshilfe ein. Er bestimmt letztlich den Kurs des Unternehmens. Darüber hinaus entwickeln wir innerhalb der Bereichsleiter viele Ideen und Konzepte. In der Führungsspitze jetzt Verstärkung zu erhalten, gibt mehr Sicherheit und hilft bei wachsenden Anforderungen.“ Letztlich ist die Lebenshilfe auch im Bezirk Oberbayern, in der Stadt und im Landkreis München eng eingebunden.

Kooperieren mit Verwaltung und Wirtschaft

Wer ist der Neue, was ist seine Intention und warum hat er sich für die Lebenshilfe München entschieden? Zuletzt war Emanuel Gaenslen 19 Jahre lang bei den ‚Glückstädter Werkstätten‘, eine Einrichtung der ‚Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie“ in Schleswig-Holstein. Er initiierte und begleitete dort etwa die Erweiterung der Werkstätten und Gründung neuer Standorte. Wohnangebote für Menschen mit hohem Assistenzbedarf und für Menschen mit seelischen Erkrankungen wurden neu geschaffen. Er will in allen Lebensbereichen die Inklusion voran bringen. Gut gelungen ist ihm dies beispielsweise beim Aufbau der „Elmshorner Arbeitsassistenz“, welche heute mit 80 Betrieben kooperieren und Menschen mit Handicap beschäftigen.
Aufgewachsen im schwäbischen Metzingen zog es Emanuel Gaenslen nun wieder in den Süden. „Mit 52 Jahren möchte ich noch viel bewegen und meine Erfahrungen hier bei der Lebenshilfe mit einbringen“.

Der Verein leistet Besonderes

Zudem sind seine beiden Kinder längst erwachsen und er liebt die bayerischen Berge. „Die Lebenshilfe“, so Gaenslen, „hat eine ganz besondere Stellung unter allen Sozialträgern wie AWO, Paritätischen, Diakonie oder Caritas. Das Engagement der Eltern, die Hilfen über Spenden und der hohe Anteil an ehrenamtlicher Arbeit öffnen jeder Lebenshilfe-Organisation für sich Möglichkeiten über das normale Maß hinaus, für das es meistens sehr enge Vorgaben gibt.“

Peter Puhlmann ergänzt: „Es gibt zwar einen Dachverband der Lebenshilfen, doch jeder Orts- und Kreisverband, wie der Lebenshilfe München e.V., sind als Verein für sich selbst organisiert und verantwortlich. Entscheidungen müssen darum nicht von einer Zentrale in Deutschland oder Europa genehmigt werden. Das schafft Handlungsspielraum und ermöglicht es schnell auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation vor Ort einzugehen.“

„Gut hinhören und hinschauen“

„Gut hinhören, und genau hinschauen wo Bedarfe sind“, bekräftigt Emanuel Gaenslen. Das hat auch die Struktur der Lebenshilfen in den letzten 60 Jahren geprägt, so dass mit ergänzenden Angeboten der Rahmen immer mehr erweitert wurde. „Vieles aus der heutigen Sozialgesetzgebung findet seinen Ursprung im Engagement von Eltern und Aktiven der Lebenshilfe. Auch beim noch jungen Bundes-Teilhabegesetz wirkte die Lebenshilfe aktiv mit.“

Junge Eltern und Betroffene fordern mehr Möglichkeiten

Ein großer Wandel findet sich in der stärkeren Fokussierung auf die Persönlichkeit des Menschen mit Behinderung und weg von starren Einrichtungsstrukturen. „Die Assistenz etwa darf sich nicht nur auf stationäre Angebote konzentrieren. Sie muss dort hin, wo der Mensch mit Handicap sie braucht, nämlich in sein persönliches Umfeld“, bringt es Gaenslen auf den Punkt.

„Dieser Prozess hat eine Vorgeschichte“, erläutert Puhlmann. „Die junge Elterngeneration erfährt für ihren Nachwuchs sehr früh Hilfe und Förderung. Das zieht sich dann weiter durch die Schulen hindurch. Der verständliche und berechtigte Wunsch der Eltern ist es nun, dass ihre erwachsenen Kinder auch im Berufsleben und in ihrer gesellschaftlichen Teilhabe besser eingebunden werden. Und dabei sind wir genau im engen Bereich der Inklusion oder etwa beim neuen Bundes-Teilhabegesetz.“

Vielleicht ergänzt Emanuel Gaenslen gerade deswegen die Lebenshilfe München so gut. In Glückstadt forderte und förderte er Wohnangebote für junge Menschen mit hohem Assistenzbedarf, welche sich zu Mietergemeinschaften zusammengetan hatten. „Bauliche Voraussetzungen müssen geschaffen sowie pädagogische, pflegerische und häusliche Assistenz bereitgestellt werden.“

Die Krise gut gemeistert

Glücklich ist man bei der Lebenshilfe München aktuell in der Krise gut gerüstet zu sein. „Es gibt bei uns bis heute keinen Coronafall, weder bei den Bewohnern, noch beim Personal“, freut sich Peter Puhlmann. „Um diesen Weg aber weiter positiv zu gestalten, werden wir künftig mehr Personal brauchen.“ Die Geschäftsführer begründen es in der Notwendigkeit kleinerer Gruppen, um Hygiene und Abstand wahren zu können. Das treffe vor allem auf die HPT (Heilpädagogische Tagesstätten) zu, aber auch auf die Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München, deren Bewohner zur Risikogruppe zählen. Beide Geschäftsführer betonen, dass in der Mitarbeiterschaft gerade großartiges geleistet wird. „Wir sind sehr dankbar, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel Engagement und Umsicht zur Bewältigung der Krise einbringen.“

„Glücklicherweise steht die Lebenshilfe München wirtschaftlich auf guten Beinen“, freut sich der neue Geschäftsführer aus Glückstadt. „Ohne Rücklagen hätten wir die Krise bisher nicht so gut überstehen können und wären auch im Hinblick auf die nächsten Wochen und Monate nicht so handlungsfähig für die aktive Anpassung, die wir aufgrund der Krise vornehmen werden müssen.“

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