Junger Judo-Olympiasieger der Lebenshilfe-WG

(gsp) Samuel Dietz ist ein geborener Münchner (Pasing) und seit seinem dritten Lebensjahr ein aktiver Judoka. Seine Mutter förderte früh seine Begeisterung für Sport und Bewegung. Im März ist Samuel Dietz mit 19 Jahren bei den Special Olympics World Summer Games 2019 in Abu Dhabi Judo-Olympiasieger im Schwergewicht geworden. Samuel lebt in einer betreuten Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München, macht einen selbstsicheren Eindruck, von einer geistigen Behinderung ist ihm kaum etwas anzumerken.

Olympiasieger mit dem sanften Weg

Groß und durchtrainiert ist er, und erklärt den Judo-Kampfsport als ‚den sanften Weg‘. Es gehe dabei im Wesentlichen um ‚Werfen, Halten und Bodentechnik‘. „Das Würgen und Hebeln ist verboten“, erklärt er. 2016 war er bereits Deutscher Meister und 2018 schaffte er es in London als Vice-Europameister ganz nach oben. Bei seinem Kampf in Abu Dhabi hatte er es nicht leicht. Sein Gegner war um 30 Kilo schwerer. Dennoch konnte er den Kampf mit einem 2 : 1 für sich entscheiden.

Wunsch nach Arbeit und eigener Wohnung

Vom Bayerischen Meister im Judo hat Samuel Dietz es bis zum Judo-Olympiasieger und zugleich Weltmeister geschafft. Stolz präsentiert er seine Medaillen.  –  Foto: Gerd Spranger

Sein normales Training leistet er zweimal wöchentlich in seinem Verein in Pasing. In der Wettkampf-Vorbereitung trainierte er fünfmal in der Woche. Privat baut er im Krafttraining Muskeln auf und beim Joggen Kondition. „Entscheidend für den Erfolg sind aber auch Beweglichkeit und Schnelligkeit“, erklärt Samuel. Aktuell bewegen ihn zwei große Ziele. Er möchte mit einer eigenen Wohnung ein selbstbestimmtes Leben führen und er ist auf der Suche nach Arbeit. „Ich kann ‚gut mit anpacken‘ und einen 8-Stunden-Tag schaffe ich“, ist er überzeugt, nimmt es als sportliche Herausforderung. Selbst als Olympia-Weltmeister ist Samuel mit einer leichten geistigen Behinderung (Autismus) arbeitslos. Auch vor Diskriminierung ist dieser sanfte Riese nicht ganz sicher. „Wenn die Leute mein Handicap merken, machen sie mich auch gerne fertig“, erzählt er aus gemachten Erfahrungen.

Echte Lebenshilfe für Hilfe im Alltag

Was das selbständige Wohnen betrifft, so ist Samuel Dietz auf einem guten Weg, denn die Wohngemeinschaft (WG) der Lebenshilfe München an der Landsberger Straße wird nur ambulant betreut. „Es reicht in der Regel, wenn wir zweimal wöchentlich bei unseren Klienten sind, auch wenn wir regelmäßigen Kontakt zur WG halten“, erklärt Daniela Holzmann, die Leiterin des Ambulant Betreuten Wohnens. „Meist regeln wir dann anstehende Belange, im lebenspraktischen Bereich, mit den Behörden, sprechen uns mit den Betreuern ab, kümmern uns um medizinische Angelegenheiten. Sehr selten müssen wir Konflikte lösen, denn das Zusammenleben funktioniert sehr gut“, ergänzt sie. Acht Bewohner mit geistiger oder psychischen Einschränkungen leben hier auf zwei Etagen zusammen. Es gibt eine gemeinsame Küche, einen großen Gemeinschaftsraum, einen Garten mit Terrasse und Funktionsräume. Sonst hat jeder sein eigenes Zimmer und damit sein ganz privates Reich.

Die meisten Bewohner der WG streben längerfristig ein eigenständiges Leben mit einer eigenen Wohnung an. Für sie ist die WG ein guter Weg dorthin. „Die meist jungen Leute haben sich untereinander gut angefreundet und wir sind mit den Erfolgen sehr zufrieden“, bekräftigt Daniela Holzmann. Die WG der Lebenshilfe München an der Landsberger Straße besteht im vierten Jahr.

 

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