Mal im Ernst, lass uns über Sex reden!

(gsp) Soeben lese ich im Internet gleich auf der Startseite die Überschrift, „Helene Fischer zeigt sich sexy wie nie“. Doch auch so ist klar, wir werden täglich mit ‚Sex‘ konfrontiert, meist geht es um Äußerlichkeiten bis hin zum Spaßfaktor. Doch ‚Sex‘ ist mehr, viel mehr, er ist Ausdruck unserer Persönlichkeit, und die Entwicklung der Sexualität ist ein lebenslanger individueller, geschlechts- und gesellschaftsspezifischer Prozess. Er ist vor allem Teil der persönlichen Entfaltung und der eigenen Identität. Die Lebenshilfe München hat sich dem Thema nun angenommen und mit Rebekka Fuchs M.A. eine versierte Referentin gefunden. Wir veröffentlichen einen Auszug aus ihrem Vortrag.

Gelebte Sexualität von Menschen mit geistiger Behinderung

Mit dem Titel ihres Vortrages, „(Gelebte) Sexualität von Menschen mit geistiger Behinderung – Ist selbstbestimmte Sexualität möglich?“ erweitert sie den Themenkreis auf ein spezifiziertes Feld. Die Behinderung, die Sexualität, wie verhält sich beides zueinander? Die prominente Autorin Prof. Dr. Barbara Ortland bezeichnet „Sexualität als Lebensenergie, die sich des Körpers bedient, aus vielfältigen Quellen gespeist wird, ganz unterschiedliche Ausdrucksformen kennt und in verschiedener Hinsicht sinnvoll ist.“ Mit der Forderung nach mehr Selbstbestimmung, Autonomie und Teilhabe für Menschen mit Behinderung hat das Thema „Sexualität und Behinderung“ besondere Aktualität gewonnen.  

Die körperlich sexuelle Entwicklung verläuft gleich

„Die körperlich sexuelle Entwicklung verläuft mit und ohne Beeinträchtigung weitgehend gleich“, erläutert Rebekka Fuchs und weist aber zugleich auf den Unterschied von körperlicher und seelisch-emotionaler Entwicklung hin. Sexual-Erziehung ist darum als ein fortlaufender Prozess zu begreifen, der vor allem von der Kindheit bis zum Erwachsen-Sein intensiv durchlebt wird. Dabei ist vor allem die Pubertät herausfordernd in der Findung einer psychischen, sozialen und sexuellen Reife. Es ist eine Zeit, die der besonderen Unterstützung bedarf.

Für Pädagogen und Betreuer der Lebenshilfe München geht es um eine behutsame Begleitung und Förderung von Sexualentwicklung. Wichtig sei es, Grenzen aufzuzeigen und doch wollen Kinder und Jugendliche nicht ‚auf später‘ vertröstet werden. „Kinder wollen und müssen auch nicht alle Details wissen und sie sollen ihrem Alter und ihrem Wissensbedürfnis entsprechend über Sexualität reden“, erklärt Rebekka.

Sprache gegen Sprachlosigkeit

Dabei werde in der Gesellschaft gerne polarisiert und selbst bei einem sehr persönlichem Thema wie der eigenen Sexualität Druck mit einer Leistungsorientierung und Schönheitsidealen aufgebaut. Bestes Mittel dagegen sei, so die Pädagogin, im Umfeld aufzuklären und Kinder in ihrem Selbstbild und Selbstwertgefühl zu stärken. Sprache ist dabei das beste Mittel gegen Sprachlosigkeit.

Dabei gilt es einfache und verständliche Formulierungen zu wählen und auf Fragen einzugehen. Man sollte auch vorher ‚weiche‘ Ausdrücke für Geschlechtsteile und den Geschlechtsakt finden. Gespräche von Frau zu Frau und von Mann zu Mann komme dabei eine zentrale Bedeutung bei.

Rebekka Fuchs M.A. beendete ihren Vortrag mit dem Rat: „Sexuelle Aufklärung ist ein wichtiges Mittel zu selbstbestimmter Sexualität. Es gilt eine respektvolle Grundhaltung gegenüber der sexuellen Wesenheit der eigenen Kinder gleich welchen Alters und der Achtung ihrer Intimität. Sich bei diesem Prozess Hilfe bei einem Sexualberater/in einzuholen ist eine kluge, von Stärke geprägte Entscheidung.

Weitere Informationen und Rückfragen:

Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V.
Stadt und Landkreis München
Offene Behindertenarbeit (OBA) / Familienunterstützender Dienst (FUD)
St.-Quirin-Straße 13a / 81549 München
Fon: 089 / 69 34 7- 143
Fax: 089 / 69 34 7-144

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