Die richtigen Strukturen für eine optimale Betreuung schaffen

Vor 40 Jahren erwarb der damals junge Elternverein „Lebenshilfe München“ die ersten Häuser zur Bildung von Wohngruppen. Die jungen aktiven Eltern wollten ihren Kindern ein möglichst selbständiges Leben in einem guten Umfeld mit begleitender Betreuung bieten. Damit war die Lebenshilfe ihrer Zeit weit voraus, und seitdem ist viel passiert. Die Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München sind seit etwa zehn Jahren in eine eigene „Wohnen GmbH“ zusammengefasst und auch deren Strukturen haben sich inzwischen in mehrfacher Hinsicht geändert.

Das Anliegen aber ist das Gleiche geblieben, den Menschen mit geistiger Behinderung ein gutes Zuhause zu geben, sie zu fördern und zu unterstützen, wenngleich früher viel mehr das Beschützen, Bevormunden und Versorgen im Mittelpunkt stand. „Heute fordern wir von unseren Bewohner mehr Selbsttätigkeit, fördern verstärkter sowie gezielter und trauen ihnen damit auch mehr zu“, erklärt Paul Oberhofer, der die drei Wohngruppen der Lebenshilfe „München Stadt West“ leitet. Auch das ist Teil einer neueren, vor etwa fünf Jahren geschaffenen Struktur, mehrere Wohnstätten zusammen zu legen. Jetzt geht die Lebenshilfe München einen nächsten Schritt, indem sie mit der Einführung von ‚Gruppenleitungen‘ wieder mehr Verantwortung in die Einrichtungen selbst zurückgibt.  

„Fördern und Fordern bleibt ein permanenter Prozess“

Sie leiten die drei Wohngruppen der Lebenshilfe München in München West: Lisseth Vila Castro (Hofbauernstraße), Paul Oberhofer (Teamleiter), Klaus Huber (Packenreiterstraße). Nicht auf dem Foto: Rainer Oudotte von der Wohngruppe in der Schmaedelstraße.

Der Bereichsleiter Wohnen, René Pfeifer, erklärt es so: „Es kann und sollte neben den Einrichtungsleitern jeweils für einzelne Gruppen einen Verantwortlichen geben. Damit laufen die Fäden viel engmaschiger zusammen. Der Einzelne aus der Gruppe hat auch immer gleich einen Ansprechpartner und muss nicht warten, bis ‚mal wer‘ für ihn Zeit findet. Dieser Prozess startet jetzt und die neuen Gruppenleiter sind in speziellen Schulungen auf diese Aufgabe vorbereitet worden.“

Es ist ein nötiger Schritt, denn auch von Seiten der Kostenträger steigen die Anforderungen und Vorgaben, etwa was die Dokumentation und die Förderplanung betrifft. „Täglich müssen wir während unserer Schicht wichtige Ereignisse und Veränderungen festhalten. Das hilft bei der Fortschreibung des Förderplans, aber auch gegenüber den Kollegen, die die nächste Schicht übernehmen. Bei zehn bis 15 zu Betreuenden pro Wohngruppe kommt allein dafür schon einige Zeit zusammen,“ erklärt Rainer Oudotte von der Wohngruppe Schmaedelstraße. „Auch das Alter unserer Bewohner erfordert mehr Zeit für Pflege“, ergänzt Klaus Huber, Gruppenleiter der Wohngruppe Packenreiterstraße. So ist es von großer Bedeutung, dass in jeder Wohngruppe ein Mitarbeiter vor Ort ist, der den Überblick behält.

Viele kleine Schritte führen zum Ergebnis

Gut sichtbar wird dies bei der gegenwärtig intensiv verfolgten Erstellung von Förderplänen. Im Förderplan sind zu jedem Bewohner individuell abgestimmte Maßnahmen festgehalten, die beschreiben, warum und wie die Bewohner in ihren Bedarfen unterstützt werden und was getan wird, um sie in ihren persönlichen Interessen z.B. hin zu mehr Teilhabe oder Selbständigkeit zu stärken. „Oft sind es viele kleine Schritte, in Summe aber dann ein merkbarer Fortschritt und ergebnisorientiert“, erklärt Paul Oberhofer.

„Die Durchlässigkeit der Einrichtungen macht den Unterschied“

Angestoßen wurde diese Entwicklung bereits zur Millenniumswende durch einen nachhaltigen Qualitätsmanagement-Prozess mit einer stärkeren Orientierung ’nach außen‘, der insbesondere seit vergangenem Jahr noch intensiver verfolgt wird. Durch gezielte Förderung wird Bewohnern zunehmend ermöglicht, sich in ihrer Selbständigkeit weiterzuentwickeln, mit dem Ziel nach Möglichkeit in eine weniger intensiv betreute Wohnform zu wechseln. Diese Förderung erfolgt in allen Wohngruppen, insbesondere jedoch in den beiden Wohntrainingsgruppen Kiem-Pauli-Weg und Berliner-Straße, die im speziellen auf ein selbständiges Wohnen im Rahmen des ‚Ambulant Betreuten Wohnens‘ vorbereiten. „Die Durchlässigkeit der Einrichtungen untereinander macht den Unterschied. Auch wir, als langjährige Pädagogen, Fachkräfte und Betreuer, müssen lernen, unseren Bewohnern mehr zuzutrauen. Sie bewältigen oft mehr Dinge des Alltags, als wir annehmen“, resümiert Paul Oberhofer.

Vom Bezugsbetreuer zum Gruppenleiter

Die neue Verantwortliche von der Hofbauernstraße, Lisseth Vila Castro, verweist bei den neuen Strukturen und Aufgaben auf noch einen ganz anderen Umstand. „Wir sind auf einmal vom ‚Kollegen‘, der sich als Bezugsbetreuer speziell um meist zwei bis drei Bewohner kümmert, zur ‚Gruppenleitung‘ geworden, die für alle Bewohner und die Geschicke des Teams verantwortlich ist. Damit ändert sich auch das Verhältnis untereinander und das braucht von beiden Seiten her noch etwas Gewöhnung.“ Alle drei neuen Gruppenleiter der Wohngruppen in der Schmaedel-, Packenreiter- und Hofbauernstraße aber zeigen sich optimistisch, auch wenn die Arbeit nicht weniger wird. Ihnen zur Seite stehen Paul Oberhofer als Einrichtungsleiter und Bereichsleiter René Pfeifer, die sich zusammen mit den drei Gruppenleitern des Wohnen Stadt West über die gelungene Umsetzung der neuen Struktur und über die gute Zusammenarbeit freuen.

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https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2017/12/06/modernisierung-ist-ein-dynamischer-prozess/

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