Der lange Weg hin zu einem selbständigen Leben

Lebenshilfe München fördert Menschen
mit geistiger Behinderung und mit psychischer Beeinträchtigung

(gsp) Ein Sturm der Entrüstung ergeht durch die Medien aufgrund eines so genannten ‚Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes‘, das in Bayern aktuell im Landtag behandelt wurde. Es zeigt, wie sensibel das Thema ist, wie groß die Gefahr einer Stigmatisierung und wie schwierig es ist, Menschen mit psychischer Erkrankung wieder ‚ins Leben zurück zu führen‘.

Bei der Begleitung von Menschen sind Schulungen ein wichtiger Teil um Wissen zu vermitteln und zu vertiefen. Foto: Gerd Spranger

Eine der Organisationen in Bayern, die sich dieser Aufgabe stellt, ist die Lebenshilfe München. In erster Linie werden von dem Elternverein zwar Menschen mit geistiger Behinderung gefördert, betreut und begleitet, doch seit einigen Jahren auch Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Dabei nimmt das eigene, selbstbestimmte Leben eine zentrale Rolle ein, und so ist vor allem das begleitete Wohnen ein zentraler Bestandteil der Hilfe. Ein Erfolgsmodell ist etwa die Wohngemeinschaft in der Landsberger Straße (siehe Link). Menschen mit geistiger Behinderung sowie Menschen mit psychischer Beeinträchtigung sollen verstärkt an ein selbständiges Leben und Wohnen herangeführt werden. Die Lebenshilfe München hat dazu ein eigenes Konzept erarbeitet.

Mutig sein und sich was zutrauen

Im Vorwort zu dem Konzept eines ‚Wohntrainings‘ heißt es: „Beim Wohnen geht es nicht so sehr um die technischen Fähigkeiten, sondern um die Motivation, das Zutrauen der eigenen Fähigkeiten. Es geht auch darum, mutiger zu werden, sich etwas zu trauen.“

Als Schlüsselkompetenz soll die Fähigkeiten zur Übernahme von mehr Eigenverantwortung vermittelt werden. Das bedeutet, die Selbständigkeit zu fördern. Wichtiges Merkmal von Lebensqualität ist die eigene Kontrolle der Menschen über die Belange ihres täglichen Lebens. Die notwendigen Fertigkeiten werden im Alltag erworben, mit individuellen Lernangeboten. Dazu braucht es natürlich Gelegenheiten, und die gibt es für die Bewohner des ambulant betreuten Wohnens in ausreichendem Maße. Gemäß ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten erledigen sie selber mit Anleitung durch die Mitarbeiter der Lebenshilfe die anfallenden täglichen Arbeiten im Rahmen des Zusammenlebens in der Wohnstätte.  

Das eigene Budget und der Einkauf

Dazu zählt etwa das selbständige Einkaufen der Lebensmittel für die gemeinsamen und persönlichen Mahlzeiten. Dafür hat die Lebenshilfe München jetzt für ihre Trainings-Wohngruppen ein eigenes Seminar abgehalten, damit der Einzelne auch die finanzielle Kontrolle über das eigene kleine Budget hat. Zu einem selbständigen Leben zählt natürlich auch das Zubereiten der Mahlzeiten, sowie das Eindecken und Abräumen des Tisches, die Lagerung der Lebensmittel und für das nötige Maß an Sauberkeit und Hygiene zu sorgen. Diese für die meisten Menschen so einfachen und selbstverständlichen Dinge müssen Menschen mit geistiger Behinderung, oft auch Menschen mit psychischer Beeinträchtigung, erst erlernen. Nur so öffnet sich ihnen ein Weg hin zu einem selbständigen Leben.

Eine realistische Planung und Prioritäten

Eine der obersten Schlüsselkompetenzen ist sicher der Umgang mit Geld. Petra Loncar, stellvertretende Leiterin des Wohntrainings, bringt es auf den Punkt: „Selbst hoch intelligente Menschen haben häufig Probleme mit ihren Finanzen. Die Überschuldung privater Haushalte ist ein Thema mitten in der Gesellschaft.“

Kompetenz mit Geld beginnt etwa damit, die verschiedenen finanziellen Mittel zweckbestimmt auseinander zu halten und sie sachgerecht zu verwenden. Mitunter erfordert das eine realistische Planung und die Schaffung von Prioritäten. Von den Mitarbeitern der Lebenshilfe München fordert es viel an Geduld und Gespür, dieses Wissen in kleinen Schritten immer wieder zu vermitteln. Dazu zählen auch Absprachen zwischen Bewohnern, der rechtlichen Betreuerin und den MA, um einen Überblick über die Finanzlage zu erhalten, sie entsprechend begleiten zu können und Schulden zu vermeiden.

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