Knappe Ressourcen und gutes Wirtschaften

Eine knappe Ressource inmitten des wirtschaftlichen Aufschwungs sind gut ausgebildete Mitarbeiter. Das gilt vor allem auch im sozialen Bereich, wie etwa bei der Lebenshilfe München. Ein großer und wichtiger Bereich des Elternvereins ist die gemeinnützige Wohnen GmbH, die verteilt auf elf Standorte in Stadt und Landkreis München Menschen mit geistiger Behinderung und Menschen mit psychischer Beeinträchtigung ein Zuhause gibt.

Die Leitung der Lebenshilfe Wohnen GmbH auf Klausurtagung

Immer stärker wird der Bereich des Forderns und Förderns auf den Weg hin zu mehr Selbständigkeit der Bewohner, hin zu offenen Wohnformen oder zu einem ambulant begleiteten Wohnen. So sind die einzelnen Einrichtungen je nach Größe und Zuschnitt ganz unterschiedlich geprägt. Selbst der Neubau und die Modernisierung einiger Wohnhäuser steht an. Das verlangt den betroffenen Bewohnern einiges ab, anderseits aber auch den Betreuern und der Organisation der Lebenshilfe München.

Was zeichnet eine Führungskraft aus?

So haben sich jetzt die Leiter der Wohneinrichtungen und die Geschäftsleitung zusammengesetzt, um über Möglichkeiten der Verbesserung nachzudenken und sich auszutauschen. Eines der großen Themen war etwa, welche Anforderungen, welches Profil man für die Besetzung von leitenden Positionen sucht und wünscht. Was ist nötig und was hilft in der täglichen Arbeit, wenn Mann/Frau sich 100 großen und kleinen Anliegen und Aufgaben zu stellen haben, was zeichnet eine Führungskraft aus? Geschäftsführer Peter Puhlmann setzte bereits vor drei Jahren neue Verantwortlichkeiten, so dass es heute für die verschiedenen Geschäftsfelder der Lebenshilfe München je einen Bereichsleiter gibt. Für den Bereich Wohnen ist dies seit einem halben Jahr René Pfeifer, als Nachfolger von Christian Kerler.

Delegieren und Verantwortlichkeiten schaffen

René Pfeifer ist bereits seit 2016 als Seminarleiter für die Lebenshilfe München aktiv und er kennt die Einrichtungen und ihre speziellen Herausforderungen aus vielen Gesprächen. „Bei einer kleinen Einrichtung mit zehn Bewohner ist alles noch gut überschaubar. Doch bei größeren Einheiten mit 20 bis 40 Bewohnern und mehreren Gruppen wird es komplexer. Das heißt in der Praxis, wenn alles auf dem Schreibtisch des Einrichtungsleiters landet, er oder sie letztlich alles selbst entscheiden müssen, dann führt das relativ schnell zu einer Überforderung. Darunter leidet das Arbeitsklima und letztlich die Betreuungsqualität.

Mehr Zeit für Kernaufgaben finden

Was also tun, um solche Situationen nicht entstehen zu lassen? Zumal die kleineren Häuser zu eigenen ‚Einrichtungen‘  zusammengefasst wurden. Die einzelnen Häuser sind somit als Wohngruppen im klassischen Sinne zu sehen. Die Besonderheit ist, dass diese räumlich nicht am gleichen Standort sind. So sind die Einrichtungen der Wohnen GmbH in München unter West, Süd und Mitte zusammengefasst. „Die Lösung liegt in der Schaffung von Strukturen und Verantwortlichkeiten“, erklärt Peter Puhlmann. Aktuell werden für alle Wohngruppen der Lebenshilfe-Wohnen GmbH in München eigene Gruppenleiter geschult und benannt. „Sie sollen dann innerhalb ihrer Wohngruppe die Entscheidungskompetenz haben. Damit landet nicht alles beim Einrichtungsleiter und dieser hat mehr Zeit für seine eigentlichen Aufgaben.

Die Leitung der Einrichtungen

Die Einrichtungsleitung ist für die Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften verantwortlich, die mit der Leitung der Einrichtung verbunden sind. Dazu zählen etwa das Gesetzes zur Regelung der Pflege-, Betreuungs- und Wohnqualität (PfleWoqG) sowie behördliche Auflagen. Ziel der Stelle ist es, gemeinsam mit der Geschäftsführung, der Bereichsleitung und dem Qualitätsmanagement die respektvolle und selbstbestimmte Betreuung, Assistenz und Förderung der Bewohner der Lebenshilfe München umzusetzen. Wesentliche Aspekte und Bereiche davon sind im Konzept und im Leitbild der Lebenshilfe festgelegt. Eine optimale Umsetzung der qualitätsorientierten Vorgaben liegt in der Eigenverantwortlichkeit der Einrichtungsleitung.

Ziel der Bemühungen ist die Förderung und Wahrung der Lebenszufriedenheit der Klienten, der Menschen mit geistiger Behinderung. Einrichtungsleiter sind echte Multitalente, bei denen alle Fäden zusammenlaufen – aus Verwaltung, Pflege, Hauswirtschaft und Haustechnik. Ein Einrichtungsleiter ist quasi der Manager des Wohnheims, dessen oberstes Ziel das Wohlergehen seiner Bewohner und Mitarbeiter ist und ebenso repräsentiert er die Einrichtung ’nach außen‘.

Menschen im Spannungsfeld zwischen Alt und Neu

Letztlich passt sich dieser Erneuerungsprozess der Lebenshilfe Wohnen GmbH den geänderten Anforderungen des Marktes an. Ob es der Arbeitsmarkt mit knappen Ressourcen an Fachkräften ist, oder neue gesetzliche Bestimmungen, wie etwa des Pflege- und Wohnqualitätsgesetz (PfleWoqG), das Bundesteilhabegesetz oder das Pflegestärkungsgesetz. Einerseits soll Menschen mit geistiger Behinderung ein Zuhause geboten werden, anderseits sollen sie an eine möglichst freie und selbständige Lebensweise herangeführt werden. Somit müssen entwicklungsfördernde Strukturen (fachlich, organisatorisch und personell) in den Einrichtungen geschaffen werden.

„Lassen wir uns positiv überraschen“

Doch das Leben steckt voller Überraschungen. So erzählte eine langjährige Leiterin einer Wohneinrichtung, dass sie auch nach 20 Jahren in diesem Beruf und dieser Position immer wieder überrascht wird. „Erst vor wenigen Wochen erlebte ich, wie selbst ein älterer Bewohner unserer Einrichtung sich ganz neuen Aufgaben stellte. Er bewältigte sie und es gab ihm ein ganz neues Selbstwertgefühl. Wir dürfen Menschen mit geistiger Behinderung ruhig was zutrauen, sie ermutigen. Häufig werden wir dabei positiv überrascht.“

Eine andere Leiterin erzählte vom ausgeprägten ‚Beschützerinstinkt‘ mancher Eltern. „Sie möchten ‚ihr Kind‘, das längst schon erwachsen ist, vor herausfordernden Situationen beschützen. Doch häufig helfen uns gerade solche Momente zu wachsen, unser Selbst zu stärken. Hier hilft der Blick von geschulten Pädagogen und gemeinsam mit den Eltern und Betreuern kann viel erreicht werden.“

Die Klausur als Zukunftswerkstatt

Ziel des Klausurtages war deshalb die Rolle und Führungsverantwortlichkeit der Einrichtungsleiter (neu) zu definieren und im Rahmen einer Zukunftswerkstatt für die gesamte Wohnen GmbH – ausgehend von den Bedarfen und Anforderungen an moderne Einrichtungen der Behindertenhilfe – festzulegen. Im Rahmen der Klausur der Führungskräfte der Wohnen GmbH der Lebenshilfe München wurden somit die Weichen für eine nachhaltige und fachlich moderne Ausrichtung der Einrichtungen gestellt.

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