Benefiz der Stiftung Lebenshilfe München mit Christian Ude

Dr. Gertraud Burkert (links) erinnerte an viele gemeinsame Projekte mit Christian Ude. Bürgermeister Thomas Loderer begrüßte die Gäste und die Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe München, Altlandrätin Johanna Rumschöttel, informierte über neue Projekte. Fotos: Gerd Spranger

(gsp) Altlandrätin und Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe München, Johanna Rumschöttel, stellte den Verein und seine Struktur vor. MdL Barbara Stamm steht an der Spitze der Lebenshilfe Bayern und MdB Ulla Schmidt in Berlin bei der Lebenshilfe Deutschland. Dennoch, so Johanna Rumschöttel, sind die einzelnen Lebenshilfe Vereine dezentral organisiert. Ein Umstand, der auch Altoberbürgermeister Christian Ude zusagt, denn „die Hilfe kommt so auch direkt dort an, wo sie gebraucht wird und versickert nicht in irgendwelchen Strukturen.“  

Allein der Ehrentitel eines Altoberbürgermeisters, der auch prominent auf der Homepage des Politikers zu finden ist, bereitet einen wachen Geist wie Christian Ude schon Probleme. „Es klingt ein wenig wie Alteisen.“ Und das trifft auf Christian Ude natürlich keinesfalls zu, denkt man doch eher an einen dynamischen 50jährigen, der mit viel Witz ein großes Publikum unterhält, ohne dabei auch nur ansatzweise Müdigkeit oder Langeweile aufkommen zu lassen.

Der Entertainer Christian Ude in Aktion

Johanna Rumschöttel nutzt die Stunde, um kurz auf die aktuelle Situation von Menschen mit Behinderung einzugehen und neue Projekte der Lebenshilfe München vorzustellen. Dabei ist für den Landkreis München ein Neubau in Putzbrunn geplant. Neben der Lebenshilfe Werkstatt und zwei Wohneinrichtungen wird mit Putzbrunn III ein weiteres Wohngebäude entstehen. „Vor allem unseren älteren Bewohnern bieten wir hier ein Zuhause und eine Alltags-Struktur an. Ebenso wird ein großes Streichelzoo angegliedert werden“, informiert die Vorsitzende. Weitere kleine Projekte der Lebenshilfe München sind aktuell in einem neu aufgelegten Heft zu finden.

Christian Ude viel im Landkreis München unterwegs

Zu dem Abend mit den ‚Geständnissen‘ eines Oberbürgermeisters hatte die Stiftung der Lebenshilfe München nach Ottobrunn ins Wolf-Ferrari-Haus geladen. Und Christian Ude, der mit Vorträgen und kabarettistischen Lesungen in ganz Deutschland unterwegs ist, machte sein Engagement im Landkreis München deutlich, auch wenn er selbst nach über 20 Jahren als Oberbürgermeister noch seine Herausforderungen mit den S-Bahn-Plänen hat. „Es ist nämlich völlig in Ordnung, auf die Minute pünktlich oder auch etwas später zu kommen“, meint er. Wirklich problematisch werde es hingegen, wenn der Redner oder Ehrengast 20 Minuten zu früh erscheint, und das habe Bayern erstmals und nachdrücklich mit Horst Seehofer erlebt.

Von links: Johanna Rumschöttel, Christian Ude, Thomas Loderer, Dr. Gertraud Burkert, Peter Puhlmann und Maximilian Riedel, ein fleißiger Helfer der Lebenshilfe.

Eigentlich sei er ja keinesfalls ein Kabarettist, viel mehr ein Geschichtenerzähler, grenzt Ude ein. Und Geschichten hat er an diesem Abend viele bereit, ohne dabei aus seinem Buch zu lesen. Ude erzählt stegreif, frei raus, aus der Fülle des Erlebten. Im Leben und im Alter mache er dabei auch nicht den Fehler wie viele andere, die beim Skifahren Leib und Leben riskierten. Nein, altersgerechter Sport sei Baden im heißen Thermalwasser, allenfalls noch mit einem Senioren-Wettschwimmen, für das er noch einige wertvolle Tipps zu geben wusste. Am Besten sei es dabei allerdings, seinen Konkurrenten nichts von dem Wettschwimmen zu verraten, denn es gäbe unter ihnen ja immer solche Ehrgeizlinge, weiß Christian Ude.

Auf Wolfsjagd in der Türkei

Dass ein Oberbürgermeister, zumindest während seiner Studienzeit, nicht immer von reiner Vernunft geleitet sei, verdeutlichte er mit einer anderen Geschichte. Gemeinsam mit seinen studentischen WG-Mitbewohnern in Schwabing und eines Redakteurs der Süddeutschen Zeitung machten sie sich auf den Weg nach Südostanatolien zur gemeinsam Wolfsjagd. Den wollten sie dann mittels gestochen scharfer Fotos ‚zur Strecke bringen‘, um ihn auf einem Magazin-Cover zu verewigen. Die Reise bis ins letzte und höchst gelegene Dorf, unweit der syrischen Grenze, war ein einziges Desaster, was für die jungen Studenten weiter nicht schlimm war. Geblieben sind die geknüpften menschlichen Bande, denn in München gibt es seit den 60er-Jahren eine starke türkische Community und die Familie Ude hat die Kontakte über all die Jahrzehnte hinweg gepflegt. Seit dem Jahr 1972 ist ein Geschenkkorb mit türkischen Spezialitäten zu Weihnachten ebenso obligatorisch, wie die Bescherung an Heilig Abend. Aus dieser Zeit stammt auch der Kontakt zu dem jungen Ali Kilitsch, der damals in München studierte, lebte und arbeitete und heute Bezirksbürgermeister des Istanbuler Stadtteils Maltepe ist.

Auch viele Mitarbeiter der Lebenshilfe München waren vor Ort, um über die Arbeit und Struktur des Vereins und seiner Einrichtungen zu informieren.

Der Humor ist immer dabei, wenn Christian Ude erzählt. Die Politik bleibt dabei meist außen vor, ist allenfalls Kulisse vor der die Handlungen spielen. Etwa die einer Frau, die ihn nach einer Veranstaltung bei den Schrebergärten auf ihren Brief hin ansprach, in dem es offenbar um Schulpolitik ging, wie sie in wenigen Worten deutlich machte. „Um Gottes Willen“, dachte sich Ude, „glaubt die etwa, ich bekomme sonst keine Briefe von besorgten Bürgern auf den Schreibtisch?“

Der Brief einer Bürgerin

Im nächsten Atemzug aber bedankte sich jene Dame gleich für die umfassende Antwort und das Engagement von Ude, es sei ja schließlich nicht selbstverständlich, dass sich ein Oberbürgermeister gleich solch einer Sache annehme. Ude, inzwischen sprachlos, hatte immer noch keinerlei Ahnung von welchem Schulprojekt jene Dame gerade redete und beschimpfte innerlich jenen unbekannten Mitarbeiter, der wohl in seinem Namen der Frau geantwortet haben müsse – freilich mit der Unterschrift des Oberbürgermeisters.

Harry Zipf (Offene Dienste) hilft Maximilian Riedel (l.), der die HPT der Lebenshilfe in Unterhaching besucht und bei der OBA angebunden ist, und Stefan Schuler, der in Putzbrunn I wohnt, das große Plakat aufzurollen.

„Im Herbst ist ja glücklicherweise Baubeginn“, sagte die Dame, schüttelte Ude die Hand und ging weiter. Solche und andere Geschichten sind es, die in Erinnerung bleiben, das ‚ganz normale Zwischenmenschliche‘. Etwa auch jene Begegnung mit einem Jungen in Äthiopien, wo Ude für die Stiftung von Karl-Heinz Böhm (Menschen für Menschen) tätig war. Der Junge erzählte seinem Dorfältesten ganz erstaunt von seinem Gespräch mit dem deutschen Gast: „Die haben nicht einmal Pferde zuhause, müssen mit den Katzen schlafen und die Frauen bekommen meistens Zwillinge als Kinder.“ In bester Erinnerung behält der Altoberbürgermeister auch seinen Erfolg in dem einzigen kirchenrechtlichen Fall, den er als Rechtsanwalt je vertreten habe. Das besondere dabei war, dass sich Ude speziell mit dem Kirchenrecht niemals befasst hatte, auch während seines Studiums nicht.

Münchner Pfarrer sucht Hilfe bei Ude

Ein zu jener Zeit prominenter Pfarrer, der sich als Tierschützer einen Namen machte und auch in der Münchner Schickeria gut bekannt war, kam in die Kanzlei, duzte den jungen Rechtsanwalt gleich und verlangte von ihm ein Schreiben an den Kirchenrat. Die Begründung war dabei nicht so sehr die juristische Qualifikation, als viel mehr die Parteizugehörigkeit. „Ude, du musst das für mich schreiben“, so der Pfarrer. „Dich als ‚rote Socke‘ werden sie scheuen und deshalb bist Du genau der Richtige.“ Der Plan des Pfarrers ging auf, das schwebende Verfahren gegen ihn wurde eingestellt.

Mit diesen und noch vielen anderen Geschichten und Geständnissen aus dem Leben eines Oberbürgermeisters unterhielt Christian Ude das Publikum in dem mit 250 Personen fast voll besetzten Saal des Wolf-Ferrari-Hauses in Ottobrunn. Mit Geschichten aus seiner Kindheit, vor allem über den energischen Einsatz seiner Mutter, beendete Ude den Abend. Dabei wurde es noch einmal richtig ergreifend, als Ude, selbst zu Tränen gerührt, von der Verabschiedung seiner Mutter erzählte, in der sie ihm noch die Angst vor dem Tod nehmen wollte.

Auch die SZ berichtet:
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/landkreismuenchen/ottobrunn-oeha-der-ude-vor-der-stadt

Christian Ude zu Besuch bei Ali Kilitsch:
https://www.youtube.com/watch

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