Mit Sport den Kopf frei bekommen

Begeisterung ist bekanntlich ansteckend. Und Paul Oberhofer von der Lebenshilfe München lässt sich gerne davon anstecken und hat damit auch gute Erfahrungen gemacht. Er ist Leiter von drei Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München in der Hofbauern-, Packenreiter- und Schmädelstraße. Seit gut einem Jahr bietet er den den Bewohnern im Wohnstättenverbund West regelmäßige Abende zum gemeinsamen ‚Musizieren‚ an. Daneben gibt es zweiwöchentlich Treffen zur ‚künstlerischen Entfaltung‚. Dabei leiten Kunsttherapeutinnen die Bewohner und Bewohnerinnen an und es steht immer die Freude am Ausdruck, an einem ‚Aus-sich-Herausgehen‘ im Vordergrund.  

Paul Oberhofer und Gisela Pointinger leiten die Gruppe bei den sportlichen Übungen an

Jetzt hat Oberhofer die Angebote um eine weitere Offerte ergänzt. Seit Juni lädt er 14-tätig zur gemeinsamen Bewegungsgruppe in einen großen Raum eines evangelischen Gemeindezentrums der Carolinenkirche in der Sarasatestraße ein. Meist sind es acht bis zwölf Teilnehmer aus den drei Einrichtungen, die sich dem leichten Training anschließen. „Dabei geht es nicht um ehrgeizigen Sport oder um Wettkampf“, erzählt er. „Es ist die Freude an der Bewegung, der Spaß am Mitmachen.“

Sich ganz auf die Übungen einlassen

Einzelne Teilnehmer entdecken – alles Menschen mit geistiger Behinderung – ganz neue Fähigkeiten in sich. „Es macht viel Spaß zu beobachten, wie freudig sich die Teilnehmer auf die Übungen einlassen. Einige haben ein perfektes Körperschema verinnerlicht“ so Oberhofer und „bringen ein ganz wunderbares, teilweise unerwartetes Gefühl für die Bewegungsabläufe mit, so dass ich immer wieder vollkommen erstaunt bin.“

Dabei ist das Training nicht schwer. Ein wenig Stretching, Bodengymnastik, Ballübungen und freies Bewegen vereinen sich zu einem runden Programm. Übungsleiterin Gisela Pointinger ist in ihrer Arbeit sehr erfahren. Sie arbeitet mit Sportgruppen für Menschen mit geistiger Behinderung. In den 15 Jahren ihrer Tätigkeit in der OBA des Löhe-Hauses an der Blutenburgstraße konnte sie viel positive Erfahrungen sammeln.

Gezielt anleiten und Hilfestellung geben

Die Bewegungsgruppe Wohnen West ist auf alle Fälle mit Spaß dabei, wenn auch zwischendurch mal Ermüdungserscheinungen auftreten. Gisela Pointinger hat immer wieder angeleitet und Paul Oberhofer, der das Training ebenfalls mitmachte und begleitete, ergänzte mit manchen Handgriffen, bis die Übungen gelangen. Denn ganz so einfach war es nicht immer. „Welche Hand noch heben und welchen Fuß dazu diagonal bewegen“, fragte sich mancher, bis die Lektion dann eingeübt war – und damit der Kopf frei.

Die Lebenshilfe-Stiftung und Spenden helfen

Wie die Musik- und die meisten Kunsttherapien ist auch dieses Angebot für die Teilnehmer kostenlos. „Ich will einfach, dass möglichst viele dabei sind, denn ich sehe, wie sehr das Training hilft, Blockaden und Spannungen zu lösen, neues Selbstvertrauen zu geben“, begründet Oberhofer sein Engagement. Basis für diese kostenlosen Einheiten sind Spenden, denn ‚ganz offiziell‘ zahlt dafür kein Leistungsträger. Einen Großteil der Kosten übernimmt die Lebenshilfe-Stiftung, oft aber gehen auch direkte Gelder an die Lebenshilfe München. „Spenden können auch zweckgebunden sein“, ergänzt Oberhofer.

„Eine inklusive Sportgruppe ist unser Ziel“

Noch einen Wunsch hat Oberhofer. Er will Vereine und Schulen in der näheren Umgebung ansprechen, um eine Inklusions-Gruppe ins Leben zu rufen, in der Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam trainieren. „Dabei steht nicht der Sport, sondern die Freude an der Bewegung und das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund.“ Dann hofft er für die Einheiten auch eine richtige Turnhalle zu finden. „Das Ambiente ist dort anders, es gibt auch mehr Möglichkeiten und Bewegungsfreiheit, die etwa bei Ballspielen nötig ist.“

Ein Kommentar zu “Mit Sport den Kopf frei bekommen

  1. Pingback: Ein eindrucksvolles Inklusions-Sportfestival | Lebenshilfe München

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