Den Menschen mit Plan und Ziel helfen

Immer mehr berufen wir uns in einer Gesellschaft, die sich in allen Bereichen spezialisiert, auf „Ganzheitlichkeit“ sobald es uns selbst, den Menschen betrifft. Es sind alle Bereiche der Persönlichkeit betroffen, die motorische, geistige, psychische und soziale Entwicklung sowie unser Umfeld und unsere Gesundheit. Darum geht es auch immer wieder bei der Inklusion und Förderung von Menschen mit geistiger Behinderung.

Ein Gesamtplan für den ganzen Menschen

Der Bezirk Oberbayern ist für die Lebenshilfen in seinem Regierungsbezirk der zuständige Kostenträger, so auch im Rahmen der Eingliederungshilfe. Er finanziert für Menschen mit Behinderungen ambulante, teilstationäre und/oder stationäre Hilfen. Er entscheidet letztlich, welche Leistungen in welcher Höhe und für was sie bezahlt werden oder nicht. Dabei greift nicht das „Prinzip Zufall“. Der Unterstützungsbedarf wird ganz genau im Detail erhoben. In einem ‚Gesamtplan‘ will man der individuellen Situation jedes einzelnen Menschen mit Behinderung gerecht werden. Und damit sind wir wieder bei der Ganzheitlichkeit des Menschen. Es soll möglichst jeder einzelne Aspekt berücksichtigt werden.  

Vom Arztbericht bis zum Werkstattbogen



Das Verfahren zum Gesamtplan setzt sich darum aus mehreren Bereichen zusammen. Es sind der Arztbericht, der Sozialbericht und ergänzend dazu der Hilfeplan und drei Entwicklungsbögen – der HEB-A-Bogen (3 Monate nach Aufnahme), der HEB-B-Bogen (zur Kostenübernahmeverlängerung) und der HEB-C-Bogen (als Entlassungsbericht) sowie der Berichtsbogen aus der Werkstatt bzw. aus der Förderstätte.

Mit 34 Aktivitäten der Persönlichkeit auf der Spur

Mit dem Bewertungsbogen wird anhand von 34 Aktivitäten zu einer bestimmten Hilfebedarfsgruppe zugeordnet. Dazu zählen etwa: Umgang mit der Behinderung, Teilhabemöglichkeiten in der Arbeit und Freizeit, Selbstversorgung und Wohnen, Aufbau und Pflege von sozialen Beziehungen des Menschen mit geistiger Behinderung. Es gibt insgesamt 5 Hilfebedarfsgruppen. Darüber hinaus prüft der Bezirk Oberbayern die sonstigen sozialhilferechtlichen Voraussetzungen. – siehe Link.

Lebenshilfe in der Pflicht

Leistungserbringer wie die Lebenshilfe München müssen sich diesen Vorgaben – bei ihren zehn Wohneinrichtungen in Stadt und Landkreis München – stellen und darin sind die Geschäftsführung, das Qualitätsmanagement, die Leiter, die Fach- und Zweitkräfte der Einrichtungen und auch der Pädagogische Fachdienst involviert. Dies bedeutet einen zeitlichen Aufwand für jeden Bewohner und das wird zunächst nicht immer mit Begeisterung von den Bezugsbetreuern aufgenommen. „Dadurch fehlt uns Zeit für den persönlichen Umgang mit den Bewohnern“ ist häufig zu hören, denn es gilt, jährlich einen Bewertungsbogen (Erhebung des aktuellen Hilfebedarfs eines Menschen mit Behinderung), eine Förderplanung und rechtzeitig vor Ablauf der Kostenübernahme einen HEB-Bogen zu erstellen – je Bewohner, und zusätzlich zur Gruppen- und Betreuungsarbeit.

Schulungen helfen weiter

Die Fachkräfte werden durch Schulungen und bei der Erstellung von besonders schwierigen Bewertungsbögen, Förderplänen und HEB-Berichten vom Pädagogischen Fachdienst und EDV-Beauftragten unterstützt. „Der Mensch mit Behinderung ist in diesem Prozess der Hauptakteur. Seine Wünsche und Ressourcen sind Ausgangspunkt einer guten Planung von Unterstützungsleistungen angepasst an seinem individuellen Hilfebedarf“ erklärt Imke Krause.

Die Vorgaben des Bezirks werden ergänzt mit den besonderen Werten und Erfahrungen der Lebenshilfe München, die in den letzten mehr als 50 Jahren gesammelt wurden. Zusätzlich werden Besonderheiten der einzelnen Einrichtungen berücksichtigt, wie zum Beispiel beim Wohntraining. Ziel aller Bemühungen soll es sein, die Lebensqualität und die gesellschaftliche Teilhabe jedes Einzelnen zu steigern.

Gemeinsame Ziele finden

„Eine Zielvereinbarung mit Menschen mit geistiger Behinderung zu treffen, ist komplexer als mancher denken mag. Viele neigen nämlich dazu nur das zu sagen, was man gerne hören möchte, oder zumindest was sie glauben, dass wir hören wollen. Menschen mit geistiger Behinderung fällt es häufig schwer, eigene Wünsche deutlich zu machen, vor allem bei jenen, die nicht oder nur sehr wenig sprechen können. Darüber hinaus leben sie sehr stark im ‚Hier und im Jetzt‘ und können schwer abschätzen, welche Folgen ihre Entscheidungen in den nächsten Monaten oder Jahren mit sich bringt“ erklärt Esther Wolfram.

Lebensqualität und die gesellschaftliche Teilhabe

Eine gute Förderplanung hilft dem Menschen mit Behinderung bei der Umsetzung seiner Ziele. Entsprechend seinem Hilfebedarf werden unter Berücksichtigung seiner Ressourcen und Wünsche passgenaue Unterstützungsleistungen geplant und umgesetzt. Immer wieder wird zusammen mit dem Bewohner und in den Teams reflektiert, ob die Unterstützungsleistung noch zielführend ist oder neuen Unterstützungsbedarfen angepasst werden muss. Haben sich neue Ziele ergeben, die für den Menschen mit Behinderung wichtig sind? Der Förderplan als laufendes Arbeitsinstrument der Fachkräfte ist somit ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtplanverfahrens.

Link:

http://www.bezirk-oberbayern.de/Soziales/Erwachsene-mit-Behinderungen/Gesamtplanverfahren

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