Südkorea lernt von der Lebenshilfe München

Strukturen und Förderprogramme sollen aufgebaut werden

Südkorea lernt von der Lebenshilfe München und besucht mit einer Delegation die Zweigniederlassung der Lebenshilfe-Werkstatt in Putzbrunn. Links der Übersetzer und Leiter der Delegation Dr. Seung-Ryong Kim, mit dem Leiter der Werkstatt (mitte) Dietmar Krinninger und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann (rechts).

Südkorea lernt von der Lebenshilfe München und besucht mit einer Delegation die Zweigniederlassung der Lebenshilfe-Werkstatt in Putzbrunn. Links der Übersetzer und Leiter der Delegation Dr. Seung-Ryong Kim, mit dem Leiter der Werkstatt (mitte) Dietmar Krinninger und Geschäftsführer der Lebenshilfe München, Peter Puhlmann (rechts).

(gsp) In Deutschland tritt der Staat als Leistungsträger und soziale Organisationen, wie etwa die Lebenshilfe München, als Leistungserbringer auf, wenn es um die Begleitung, Förderung und Integration von Menschen mit Behinderung geht. Ein System und Miteinander, das sich seit über 60 Jahren bewährt hat. Bei der Lebenshilfe München machen sich Delegationen aus ‚Fernost‘ immer wieder gerne ein Bild über das Geleistete. Von Interesse sind ebenso die Strukturen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Jetzt war wieder eine Gruppe aus Südkorea zu Gast, mit vier Berufsschullehrern und Vertretern der Integrationsbehörde und der nationalen Arbeitsagentur. Hier sind Leistungserbringer und Leistungsträger in staatlicher Hand vereint.  

Von der Regelschule in die Förderschule

Peter Puhlmann, Geschäftsführer der Lebenshilfe München, informiert gerne, zeigt, wie Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland gezielt gefördert werden. Übersetzer und Leiter der Delegation war Dr. Seung-Ryong Kim, Beauftragter der Südkoreanischen Regierung (Arbeitsministerium). Er bekräftigte, man habe im ’schulischen System‘ den Wechsel von Regel- und Förderschulen gut gelöst. Dabei würden ähnliche Erfahrungen wie auch hier in München gemacht. Die meisten Kinder mit einer geistigen Behinderung sollen die Regelschule schaffen – so ist es der Elternwunsch – doch viele wechseln nach einem halben Jahr in eine Förderschule.

Lebenshilfe Werkstätten: 700 Menschen mit Behinderung beschäftigt

Nach der Schule aber gäbe es keine vergleichbaren Einrichtungen wie etwa die Werkstätten der Lebenshilfen, beteuert Dr. Seung-Ryong Kim. Umso interessierter waren sie an den Arbeitsprozessen in der Lebenshilfe Werkstatt in Putzbrunn, in der in fünf Arbeitsgruppen 135 Menschen einer geregelten Arbeit nachgehen. In zwei weiteren Fördergruppen betreut die Lebenshilfe München mehrfach und schwer behinderte Menschen engmaschig bei leichten Tätigkeiten, erzählt Dietmar Krinninger, Leiter der Zweigwerkstatt Putzbrunn. Insgesamt sind in den Lebenshilfe-Werkstätten München – im Hauptwerk und drei Zweigwerkstätten – 700 Menschen mit Behinderung beschäftigt.

Kein Focus auf Menschen mit geistiger Behinderung

Auf die Frage der Delegation, wie denn die Wahrnehmung der Bevölkerung gegenüber den Einrichtungen und Menschen mit Behinderung sei, antwortete Peter Puhlmann differenziert. „Im direkten Umfeld, etwa hier in Putzbrunn oder in Unterhaching, haben wir ein entspanntes Verhältnis. Dort, wo die Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Behinderung fehlt, ist es etwas distanzierter, weil die Unsicherheit größer ist.“ Ein zusätzliches Problem aber sei, dass man Menschen mit einer geistigen Behinderung nicht gleich ansieht, dass sie Hilfe und Förderung brauchen. Sie sind darum nur bedingt im öffentlichen Bewusstsein verankert.

Von der Frühförderung bis hin zur TENE

Vor dem Besuch der Werkstatt war die Delegation noch in Unterhaching, hat sich dort die Frühförderung und die Heilpädagogische Tagesstätte der Lebenshilfe München angesehen. Puhlmanm zeigte den komplexen Kreislauf der Lebenshilfe von der Frühförderung (Babyalter) über die Schule und das Berufsleben, bis hin zur Betreuung im Alter auf. „Spätestens mit 65 Jahren scheiden auch Menschen mit Behinderung aus dem Berufsleben aus, meistens schon früher. Sie bleiben dann in den Einrichtungen wohnen und für ‚das Alter‘ gibt es eine eigene Betreuung, die TENE. Hier geht es darum, nach dem Erwerbsleben eine Tagesstruktur anzubieten, um einer Vereinsamung und Demenz vorzubeugen.“

Die Delegation unter Leitung von Dr. Seung-Ryong Kim mit Chan-Woo Shing: Lee Hyo-sung PhD, Kang Seok-gu, Lee Hyun Moo und Gim Jingyeong – alle von Korea Employment Agency for the Disabled.

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Text & Fotos: Gerd Spranger

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