Der Umgang mit Pferden hilft Menschen mit Behinderung

Lebenshilfe-Bewohner
und ihre Erfahrungen beim Reiten

„Tiere kennen keine Vorurteile, sie sind direkt, zeigen klar was sie wollen und was nicht“, beschreibt Renate Bauer (Dipl. Reittherapeutin SG-TR) von der Lebenshilfe München das besondere Verhältnis von Mensch und Tier. Seit Frühjahr 2016 geht sie alle 14 Tage mit Bewohnern der Wohngruppen zum Reiten. „Menschen mit geistiger Behinderung sind da ganz ähnlich gestrickt. Auch bei ihnen gibt es (fast) keine Vorurteile. Sie nehmen das Gegenüber so wie es ist, ohne Rücksicht auf Alter, Titel oder Geschlecht. Und auch sie sagen klar, was sie wollen, denn verstellen können sie sich nicht wirklich und sehen auch keinen Grund dafür.“  

 Der Esel mit den langen Ohren ist der Liebling beim Therapeutische Reiten der Lebenshilfe München.

Der Esel mit den langen Ohren ist der Liebling beim Therapeutische Reiten der Lebenshilfe München.

Vor zwei Jahren wechselte Renate Bauer zur Lebenshilfe München nach Putzbrunn und betreut dort eigentlich die TENE. Das ist ein wachsender Kreis von Menschen mit Behinderung, die nach Jahrzehnten der Berufstätigkeit, meistens in den Lebenshilfe-Werkstätten, nun in Rente sind. Sie freuen sich über das Angebot einer Tagesstruktur mit festem Programm und finden hier Anschluss und Ansprache. Vorher hatte Renate Bauer mit ihrem Partner einen kleinen Reithof betrieben und hier Therapeutisches Reiten angeboten. Auch heute noch hat sie einige Pferde im Stall stehen, und die Bewohner der Lebenshilfe München sind jetzt Nutznießer davon.

Es ist den Menschen anzusehen, welche Freude sie im direkten Kontakt mit den Pferden finden. Dabei entdeckt jeder von ihnen seinen ganz individuellen Zugang. „Manche freuen sich spontan über den Kontakt, andere sind sehr vorsichtig. Die Pferde aber machen es ihnen leicht, sie suchen von sich aus die Nähe.“

Erfahrung mit Tieren sammeln Bewohner der Lebenshilfe Einrichtungen in München.

Erfahrung mit Tieren sammeln Bewohner der Lebenshilfe Einrichtungen in München.

Die Tiere werden nämlich in einem ‚Offenstall‘ gehalten und haben volle Bewegungsfreiheit. Ist die gemischte Gruppe aus Reitern und Nichtreitern dann zu Besuch, freuen sich die Pferde über diese Abwechslung, kommen an den Zaun, um sich streicheln zu lassen. Überhaupt ist das Reiten und der Umgang mit dem Pferd immer ein ’sich einlassen‘ aufeinander. Das Tier auf den Menschen und umgekehrt. „Für viele ist es eine ganz neue Erfahrung, das Tier zu spüren, es zu berühren, zu riechen, eine fast schon intime Nähe dazu aufzubauen. In Folge hat das auch mit Vertrauen (lernen) zu tun und hebt natürlich das Selbstwertgefühl, und das ist ganz wichtig“, bekräftigt Renate Bauer.

Klarer Publikumsliebling ist ein Esel mit seinen typischen langen Ohren, die gerne gestreichelt werden. Aber auch Ziegen, Hühner und Hasen sind auf dem Bauernhof, rund 70 Kilometer von München entfernt, anzutreffen. Allen Tieren wird Aufmerksamkeit geschenkt, denn man ist ja immer auch ein wenig neugierig. Überhaupt haben es die immer wieder verschieden zusammengesetzten Gruppen mit der Wahl des Bauernhofes gut getroffen. Es steht hier ein eigener kleiner Aufenthaltsraum zur Verfügung – zum Aufwärmen oder auch für kleine Ruhepausen. Renate Bauer legt Wert darauf, dass alle ihre Schützlinge zu essen und zu trinken haben. Nicht selten kocht sie darum eine Kleinigkeit, es gibt Kuchen und ein Getränk dazu.

Glücklich sind die Menschen nach so intensiven Eindrücken und Begegnungen. Glücklich aber ist auch Renate Bauer, die ein großes Herz für Mensch und Tier hat. Und ein glücklicher Umstand ist es, dass man bei der Lebenshilfe München offen ist für dieses Angebot und bereit ist diese Form der Therapie zu fördern und zu unterstützen.

presseSpranger

2 Kommentare zu “Der Umgang mit Pferden hilft Menschen mit Behinderung

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