„Wohin mit der Wut im Bauch“

Ein Seminar der Lebenshilfe Bayern – ein Erfahrungsbericht

In den elf betreuten Wohngemeinschaften der Lebenshilfe München leben Menschen mit geistiger Behinderung teilweise schon 30 Jahre zusammen und damit haben sich fast schon familiäre Strukturen gebildet. Die Wohneinrichtung Giesing, in der St. Quirin-Straße, wurde 1997 gegründet und hier leben 30 Menschen mit geistiger Behinderung in drei Wohngruppen. Da jedes menschliche Zusammenleben aber auch Konflikte bewältigen muss, besucht eine Gruppe jährlich ein Seminar im Fortbildungsinstitut der Lebenshilfe Bayern in Erlangen.  

Von Anfang an dabei sind die Betreuer Tatjana Jan und Harald Stinglwagner und sie freuen sich über den großen Erfolg dieser Maßnahme. „Es geht dabei nicht nur um den Kurs, sondern um das gemeinsame Miteinander, denn wir sind dort auch sehr gut untergebracht und versorgt. Jeder Teilnehmer hat sogar ein Einzelzimmer, was für den privaten Rückzug auch nötig ist“, erzählt Harald. Gestaltet sich das Miteinander in einer Wohngemeinschaft zeitweise schwierig, so ist die Situation bei Menschen mit geistiger Behinderung noch verschärft.

Die Teilnehmer des Seminars freuen sich über diese lehrreiche Zeit.

Doch auch so können sich Menschen mit geistiger Behinderung nicht so gut ausdrücken, wissen oft gar nicht, woher die Wut im Bauch kommt.

Das war auch Inhalt des Seminars ‚Manchmal bin ich wütend … und dann?‘ Die jährliche Wiederholung ist nötig, so Tatjana Jan. „Man merkt in den Monaten nach dem Seminar, wie das Gelernte langsam wieder vom Alltag eingeholt wird, alte Gewohnheiten häufiger durchbrechen. Erst die dauerhafte Vertiefung ermöglicht eine langfristige Verbesserung.“

So sei bei den Teilnehmern eine Stärkung des Selbstbewusstseins spürbar und sie sind mit Freude dabei. Sie gehen von sich aus eher auf den/die Betreuerin zu und sprechen an was sie stört. Oder aber sie haben gelernt sich früher von ‚dem Brennpunkt‘ zu lösen, Abstand zu gewinnen und erst einmal ‚runterzukommen‘ von einer angespannten Gefühlslage. Kleine Schritte, die im Alltag aber große Wirkung zeigen.

Harald Stinglwagner: „Ich bin begeistert, wie sie das immer wieder schaffen. Es ist für Menschen mit geistiger Behinderung eine große Herausforderung sich täglich über mehrere Stunden zu konzentrieren, sich bewusst in Situationen hineinzuversetzen und angestrengt mitzuarbeiten. Abends sind sie dann wirklich ‚platt‘ von dem Geleisteten.“

Um das Pensum zu schaffen wird auch auf ausreichende Pausen geachtet oder manche Themen bei einem gemeinsamen Spaziergang nochmals vertieft und nach besprochen. Begeistert ist Harald auch von den beiden Referenten, die ihre Sache mit viel Einfühlung zu vermitteln wissen. „Wir Betreuer sind bei dem Seminar selbst übrigens nicht dabei. Das würde hemmen, unsere Bewohner würden sich beobachtet fühlen.“

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Weitere Infos zum Seminarangebot der Lebenshilfe Bayern finden Sie unter:
http://www.lebenshilfe-bayern.de/fortbildungsinstitut/

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