Spaß, Spiel und Sport beim Schwimmtraining der Lebenshilfe München

Die Wohngruppe der Lebenshilfe München in Giesing ist eine von elf Einrichtungen in Stadt und Landkreis München. Jede Gruppe ist individuell geprägt, den Rahmen stellt die Lebenshilfe und sie lebt häufig vom Engagement der Betreuer. In München-Giesing zählen zum Team von Einrichtungsleiterin Birgit Fleischmann Tatjana Jan und Harald Stinglwagner. Sie betreuen zwei Schwimmgruppen, die Harald Stinglwagner vor 15 Jahren als ‚Spätberufener‘ gegründet hat. Ihr Motto heißt: Spaß, Spiel und Sport und damit leisten sie einen aktiven Beitrag zur Inklusion.

Sein Weg führte ihn über die Bundeswehr und später vom TÜV-Prüfer hin zur Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung. „Für mich war die deutsche Wiedervereinigung eine Zäsur, und später mein Leben lang unter alte Autos zu schauen, war nicht mein Lebensweg. So entschied ich mich zu einem Wechsel in den sozialen Bereich, wo ich heute vor allem mit vielen netten Menschen zusammenarbeite.“ Harald ist dabei vorausschauend, und arbeitet ’nur‘ 32-Stunden die Woche, wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen. „Das erhält den nötigen Freiraum um zur Arbeit, die physisch und mental immer viel fordert, den nötigen Ausgleich zu schaffen.“  

spaß spiel sport lebenshilfe munich muenchen

Zum Schwimmtraining der Lebenshilfe München geht’s mit dem Bus. Auf dem Foto die beiden Trainer und eine aktive Teilnehmerin

Für die 30 Bewohner in Giesing zählen die Halbtagesausflüge mit Schwimmtraining zu den wöchentlichen Höhepunkten. Überhaupt lieben sie es ’nach draußen‘ zu gehen, und sei es nur in ein Café um die Ecke. Allerdings muss es billig sein, denn viel Taschengeld haben die Bewohner nicht zur Verfügung. 22 sind beim Schwimmen regelmäßig mit dabei und die sind in zwei Gruppen eingeteilt. Eine ‚Rentnergruppe‘, zu der alle zählen, die in ihrer Motorik stärker eingeschränkt sind. „Das ist auch die kleinere Gruppe, sie braucht eine engere Betreuung“, erzählt Tatjana Jan. Das Schwierige dabei sei vor allem der Weg von den Umkleiden bis zum Schwimmbecken. „Sind sie einmal im Wasser, kann nicht mehr viel passieren, außer man schluckt ungewollt Wasser. Dann ist der Weg frei für Spaß, Spiel und Sport.“ Begleitet werden sie immer von beiden Betreuern, von Harald und Tatjana.

„Sicherheit geht immer vor“, erklärt Harald. Er hat über den Rettungsschwimmer hinaus laufend Erste-Hilfe-Kurse absolviert und bildet sich auch sonst regelmäßig weiter. „Das ist vor allem für das Schwimmtraining wichtig. Darüber hinaus müssen wir immer sehr aufmerksam sein. Es braucht einer unserer Schwimmer nur einen Krampf zu bekommen und sofort ist die Situation ernst, von einer Sekunde auf die nächste.“ So werden die Schwimmer auch immer von einem Betreuer begleitet.

Spaß, Spiel und Sport schaffen gute Kontakte

Die „Renter“ hingegen bleiben im kleineren Becken im Schwimmbad Phönix in Ottobrunn, das mit 32 Grad auch angenehm warm ist. Spaß, Spiel und Sport stehen im Vordergrund und dazu zählen auch reichlich Pausen zum Relaxen und für eine kleine Stärkung zwischendurch. „Wir fahren immer nach Ottobrunn. Wir sind hier herzlich aufgenommen, sind voll integriert. Die Preise sind nicht zu hoch und wir fühlen uns hier alle wohl,“ bekräftigt Harald. Auch Kontakte werden geknüpft, manche ungewöhnliche, wie etwa zwischen den ‚Rentnern‘ und einer Gruppe junger Mütter mit ihren Babys. „Sie sind einfach ins Gespräch gekommen, haben Fragen gestellt und sich für die Babys interessiert. Die Mütter haben sich gerne darauf eingelassen und es sind manche freundschaftliche Beziehungen entstanden.“ Niemand fragt nach Inklusion, sie entsteht einfach, ist selbstverständlich. Generell halten sich die Betreuer zurück. Menschen mit geistiger Behinderung kommen gut zurecht und vor allem im ‚Phönix‘, wo alles überschaubar ist und dem Spaß, Spiel und Sport beim Schwimmen nichts im Wege steht.

„Ein Wechsel in ein anderes Bad wäre nicht ganz unproblematisch. Für unsere Bewohner ist eine gewohnte und vertraute Umgebung wichtig. Das gibt ihnen das Gefühl von Sicherheit.“ Für das Schwimmtraining führen Tatjana und Harald auch immer einige Schwimmhilfen mit, wie eine Schlange, Reifen, Bälle oder sogar eine Gießkanne. „Einer aus der Gruppe liebt es, mit der Kanne am Beckenrand entlang zu gießen. Wir lassen ihn und es fällt im Bad nicht unangenehm auf.“ Leichte Wassergymnastik unterstützt das Training. „Wasser gibt Auftrieb und nirgends können sich unsere Begleiter besser bewegen, zumal einige motorisch eingeschränkt sind.“

Nach dem Besuch des Bades geht die Gruppe immer ’noch was essen‘. Bevorzugt werden günstige Lokale, wo es auch abends noch einen preiswerten ‚Mittagstisch‘ bis sieben Euro gibt. Mehr würde den Rahmen sprengen. Müde und glücklich kehren sie mit dem Bus dann wieder heim, nach Giesing in die St. Quirin Straße. „Manche schlafen schon während der Heimfahrt ein, und das ist OK so,“ sind sich die Betreuer einig.

http://pressespranger.de/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.