Neue Herausforderung für die Lebenshilfe München

Eine Wohngemeinschaft muss zusammenwachsen

Lebenshilfe München

Christian Kerler, Koordinater der Wohnen GmbH der Lebenshilfe München, vor dem neu bezogenen Komplex der zwei Wohngemeinschaften.

(gsp) Es war noch früher Nachmittag, als ich zentrumsnah bei der neuen Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München in der Landsberger Straße klingelte. Ich hatte Glück. Die große Tür zum Innenhof der Wohnanlage wurde geöffnet, denn eigentlich sind alle acht Bewohner berufstätig. Direkt zur Landsberger Straße hin ist ein langgestrecktes, hohes Wohnhaus, das hier zur Rückseite für jede Wohnung einen Balkon hat. Dort, wo früher die Rückgebäude standen, sind jetzt zwei moderne, zweigeschossige Neubauten, in denen die zwei Wohngemeinschaften (WG) untergebracht sind. Vom Lärm bekommt man hier nichts mit, im Gegenteil. Von der langen großen Terrasse der WG ist in nur hundert Metern Entfernung eine schmucke Kirche mit hohem Glockenturm zu sehen, wie er jedes Ortsbild zieren würde, eine Idylle mitten in München. 

Ambulant wohnen in neuer Wohngemeinschaft

Otman* öffnet mir, fragt höflich nach meinen Anliegen, wir stellen uns kurz vor. Er zeigt mir gleich die ganze Wohnung hier im Erdgeschoss. Ein langer Gang führt in das Innere, von dem die Türen zu den Zimmern der WG-Bewohner abzweigen. Hier sind auch die Funktionsräume wie Bad, Toilette und ein Wäscheraum mit Waschmaschine und Trockner. Im vorderen Teil finden sich eine zentrale Küche, ein großzügiges Wohnzimmer und ein heller Essbereich mit Terrasse und einem verglasten Lichthof.

Die Küche ist zentrale Schaltstelle einer WG

Die Küche ist zentrale Schaltstelle einer WG

Wir machen es uns im Wohnzimmer bequem. Inzwischen ist auch der Koordinator der Wohnen GmbH der Lebenshilfe München, Christian Kerler, eingetroffen zusammen mit einem weiteren Mitbewohner. Achim* ist etwas zurückhaltender und jünger wie Otman, der im Redefluss nur schwer zu bremsen ist. Es ist sofort klar, hier prallen zwei Charaktere aufeinander und Otman weiß auch gleich, was hier in der Wohngemeinschaft noch nicht passt.

Sechs Wochen ist er hier, seine Mitbewohner erst zwei, drei Wochen. Auch war er in den letzten sechs Jahren in einer betreuten Wohneinrichtung der Lebenshilfe München untergebracht und glaubt zu wissen, wie die Dinge zu laufen haben. In vielem hat er Recht, was etwa die Ordnung und Sauberkeit in der Küche betrifft oder die wechselnde Nutzung der Waschmaschine. Nur sind die Vorstellungen im Detail dann doch immer etwas differenziert. Für ihn wird es schwer werden, sich mit den Eigenarten seiner Mitbewohner zurecht zu finden, denke ich im Stillen.

Ambulante Betreuung gibt Hilfe zur Selbsthilfe

Christian Kerler hakt hier ein: „Es ist ein wesentlicher Unterschied von einer betreuten Wohneinrichtung zu einer Wohngemeinschaft. Menschen mit geistiger Behinderung oder Menschen mit psychischen Herausforderungen wagen in der WG den Schritt in die Selbständigkeit. Nur zwei bis dreimal die Woche schaut hier ein Betreuer für wenige Stunden vorbei, hilft bei dem Nötigsten wie etwa bei privaten oder administrativen Belangen.“

Dörfliche Idylle nahe der Innenstadt von München

Dörfliche Idylle nahe der Innenstadt von München. – Fotos: Gerd Spranger

In der ersten Zeit gibt es darüber hinaus noch wöchentliche Besprechungen in der Gruppe, die von der Dipl. Sozialpädagogin Daniela Holzmann, Leiterin des ‘Ambulant betreuten Wohnen’ (ABW) bei der Lebenshilfe München, geführt werden. Und Gesprächsbedarf wird es immer geben, wenn acht erwachsene Menschen mit ihren Handicaps sich untereinander zurecht finden müssen. Achim etwa kommt direkt aus dem familiären Umfeld. Auch ziehen in die WG noch weibliche Bewohner ein, und darüber hinaus dürfte der Altersunterschied eine gewisse Rolle spielen. Dem Wunsch nach einem gemeinsamen großen Fernseher im Wohnzimmer, etwa um gemeinsam Fußball zu sehen, wurde bereits nachgekommen. Die Wahl des Senders hingegen dürfte sich an manchen Abenden als schwierig gestalten. Ein kostenlos zu nutzendes Wlan für einen guten Internetzugang innerhalb der WG ist ebenfalls in Vorbereitung, „und bis zum Mai wird es auch zur Verfügung stehen“, ist sich Christian Kerler sicher.

Es gilt viel zu bewältigen in der neuen Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München. Häufig stecken die Herausforderungen im Detail, denn grundsätzlich ist man sich ja meistens einig. Die Betreuer werden neben ihrer Fachlichkeit viel Feingefühl für die besonderen Situationen mitbringen müssen. Im ersten Stock des Gebäudes ist noch eine zweite Wohngemeinschaft mit ebenfalls acht Bewohnern vorgesehen. Die Plätze sind fast alle vergeben und auch hier werden sich die nächsten Wochen die Zimmer füllen. Jeder Bewohner verfügt über sein privates Einzelzimmer, das er nach seinen Ansprüchen selbst einrichtet.

* Die Namen der Bewohner wurden geändert

5 Kommentare zu “Neue Herausforderung für die Lebenshilfe München

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