Sanitäts-Offiziere stellen sich besonderen Aufgaben

Zwei Praktikumstage in der Silvia-Görres-Schule
und HPT der Lebenshilfe München

Im Rahmen ihrer Ausbildung zum „Offizier des militärfachlichen Dienstes im Sanitätsdienst“ leisten junge Offizieranwärter in einem sechsmonatigen Ausbildungsblock auch zwei Praktikumstage in der Silvia-Görres-Schule der Lebenshilfe München. Die Silvia-Görres-Schule und die angeschlossene Heilpädagogische Tagesstätte (HPT) werden von Kindern und Jugendlichen mit sehr erhöhtem Förderbedarf besucht; die Schüler sind auf umfassende Hilfe in allen Lebensbereichen angewiesen. Die Begegnung mit diesen Schülern zeigt den zukünftigen Offizieren für sie ungewohnte Lebenssituationen auf.

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Der Leiter für die Offizieranwärter des militärfachlichen Dienstes im Sanitätsdienst, Hauptmann Christian Jungwirth, führt die Aktion schon im fünften Jahr durch und war jetzt mit einer Gruppe von 29 Personen zwei Tage in der Silvia-Görres-Schule. Für ihn zählt es zu den besonderen Aufgaben der Bundeswehr, sich vor allem bei Auslandseinsätzen schnell auf neue Situationen und Aufgaben einzustellen. „In dieser Begegnung mit besonderen Menschen wird schnell deutlich, wie sehr uns das Zusammentreffen mit behinderten Menschen bewegt, uns aber auch zum Handeln herausfordert. Im Sanitätsdienst müssen wir darauf vorbereitet sein, mit Personen in unterschiedlichsten Situationen kompetent und kommunikativ umzugehen.“ 

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Von links: Gabriele Rubello, Ingeborg Endres-Häusler, Irene Prestele, Christian Jungwirth.

Schulleiterin Irene Prestele und die Leiterin der HPT, Gabriele Rubello, informieren die zukünftigen Offiziere über die Einrichtung in der Neuherbergstraße, die über 40 Kinder und Jugendliche in vier Klassen und zwei Gruppen der Schulvorbereitenden Einrichtung (SVE) unterrichtet, fördert und betreut. Grundlage der pädagogischen Arbeit ist der Lehrplan für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, der fortlaufend an die Lernvoraussetzungen der Schüler angepasst wird. Die Förderung der meist nicht sprechenden Schüler ist ein zentrales Anliegen aller Betreuer. So kommen Gebärden, Symbole, Bildkarten und elektronische Sprachausgabegeräte zum individuell abgestimmten Einsatz. Für jedes Kind gibt es einen Förder-und Therapieplan und eine ausführliche Verlaufsdokumentation.

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Eine andere Wahrnehmung verändert alles

Wie schnell sich das Erleben der Welt verändert, wenn man eine Beeinträchtigung hat, das erlebten die Teilnehmer durch Wahrnehmungsübungen, die von der Psychologin Ingeborg Endres-Häusler angeboten wurden. Die Gruppe der Offizieranwärter bewegte sich schnell in einem engen Raum, was normalerweise ja keine Herausforderungen mit sich bringt. Was aber, wenn man blind und auf fremde Hilfe angewiesen ist, wenn die Orientierung fehlt? Dann sind eigene Grenzen sofort erkennbar, man ist unsicher, hilflos und verletzbar.

Ein tiefes Verständnis für die besondere Situation von Menschen mit Behinderung vermittelte der vom bayerischen Rundfunk gedrehte Film über Silvia Görres. Sie war eine der Gründerinnen der Lebenshilfe München, bis 1975 ihre erste Vorsitzende und ist die Namensgeberin der Schule in der Neuherbergstraße. Der Film zeigt das Lebenswerk der 2015 im hohen Alter von 90 Jahren verstorbenen Mutter von sieben Kindern, von denen zwei geistig behindert sind. Es ist ein aufrüttelnder und ehrlicher Film, der einen fast schon privaten Blick hinter die Kulissen ermöglichte.

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Praktisch wurde es für die angehenden Offiziere am zweiten Tag. Sie waren im Unterricht mit dabei und konnten so aktiv die pädagogische und therapeutische Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen erleben. Im Abschlussgespräch war deutlich zu spüren, wie sehr diese gemeinsamen Tage mit den Schülern und den Mitarbeitern zu einem gegenseitigen Verständnis beigetragen haben.

Lesen Sie auch unseren Beitrag vom Januar 2015:

https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2015/01/29

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