50 Jahre betreutes Wohnen bei der Lebenshilfe München

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(gsp) Die drei jüngsten Wohnkomplexe der Lebenshilfe München mit Angeboten eines stationär betreuten Wohnens bringen es gemeinsam auf 50 Jahre. In der St. Quirin-Straße (München/Giesing) und in Putzbrunn leben 80 Menschen mit geistiger Behinderung in 10 Wohngruppen zusammen. Es ist sozusagen die zweite Generation der Wohneinrichtungen der Lebenshilfe München. Die ersten kleineren Einheiten, meist ältere Stadthäuser, wurden in den 70er- bis 90er-Jahren erworben, ausgebaut und für Wohngruppen ‚passend gemacht‘. „Damals dachte noch niemand an ein barrierefreies, behindertengerechtes Wohnen, wie es heute selbstverständlich und als Standard festgeschrieben ist. Dafür lebten und leben die Bewohner in zentraler Lage, in einem intakten Umfeld und guter Infrastruktur in erreichbarer Nähe.

„Inklusion wie sie sein sollte“

„Das ist Inklusion wie sie sein sollte“, erklärt Christian Kerler, Koordinator Wohnen bei der Lebenshilfe München Wohnen GmbH. Die jüngeren Einrichtungen, vor allem in Putzbrunn, sind Neubauten mit größeren Einheiten, lichtoffen und behindertengerecht gebaut. „Das wird wohl die Zukunft sein. Wir können hier mit drei Schichten arbeiten. Der Kostenträger macht dies erst ab einer Kapazität/Belegung von mindestens 24 Personen möglich. Beides – nämlich kleine Stadthäuser in bester Lage und die Vorgaben des neuen Pflege- und Wohnqualitäts-Gesetzes zu erfüllen – wird die Lebenshilfe München nicht schaffen können.“  

Selbständig mit ambulanter Unterstützung

Ein zweiter, von Politik und Gesellschaft geforderter Weg, ist heute bei der Lebenshilfe München längst im Gange. Er soll dem Ideal der Selbstbestimmung auch bei Menschen mit geistiger Behinderung am Nächsten kommen. Es ist das Leben in einer eigenen Wohnung mit ambulanter Unterstützung. Auch Wohngemeinschaften, wie sie jetzt in der Landsberger Straße neu entsteht, zählen dazu.

Seit sieben Jahren betreut die Lebenshilfe München Menschen mit geistiger Behinderung im Bereich des ambulanten Wohnens (AW). Daniela Holzmann, Leiterin des AW: „Die meisten haben zuvor schon selbständig gewohnt, brauchen aber Hilfe in den alltagspraktischen Dingen wie putzen, kochen, waschen, einkaufen, in den finanziellen Belangen und ebenso bei den sozialen Kontakten.“ Im AW arbeitet ein Team von sieben Mitarbeitern, drei davon in Vollzeit. Seit 2014 betreut die Lebenshilfe München auch Menschen mit seelischer Beeinträchtigung. „Meistens ist es aber noch mit einer Lernbehinderung verbunden“, ergänzt Daniela Holzmann. Insgesamt werden 22 Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung und neun Menschen mit psychischem Handicup vorsorgt.

„Noch nie alleine gelebt“

Um Menschen mit Behinderung an ein selbständiges, ambulant betreutes Wohnen heranzuführen, bereiten die Wohneinrichtungen in der Berliner Straße und am Kiem-Pauli-Weg jetzt in einem Zeitfenster von zwei bis fünf Jahren gezielt darauf vor. „Fast alle der hier betreuten Menschen mit geistiger Behinderung haben in ihrem Leben noch nie alleine gelebt. Für sie wird es eine sehr große Umstellung werden und ‚die Freiheit‘ eine gänzlich neue Erfahrung. Dabei müssen wir teilweise bei den Basics anfangen, wie körperliche Hygiene und/oder in täglicher Routine Ordnung und Sauberkeit zu halten“, erklärt Christian Kerler.

Andere Häuser der Lebenshilfe München, wie etwa an der Hofbauernstraße, der Schmädelstraße oder im Willinger Weg werden die nächsten fünf Jahre umgebaut. „Noch aber sind weder Pläne noch detaillierte Kostenrechnungen gemacht, geschweige denn die Finanzierung gesichert“, winkt Geschäftsführer Peter Puhlmann ab. „Das wird noch ein langer Weg werden und wir arbeiten im Vorstand und Arbeitskreisen intensiv daran.“

TENE ist ein Erfolg

Es ist auf alle Fälle eine Zeit des Umbruchs für die Lebenshilfe München. Erst vor zwei Jahren hat man für die ältere Generation der Bewohner die Voraussetzungen für eine strukturierte Tagesstruktur und Betreuung geschaffen. Vor einem Jahr konnte erfolgreich eine Seniorengruppe TENE (Tagesbetreuung für Erwachsene nach dem Erwerbsleben) mit viel positiver Resonanz etabliert werden. Die Voraussetzungen dafür konnte Peter Puhlmann in vielen intensiven Gesprächen mit dem Bezirk Oberbayern legen.

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