Begleitservice für Bus und Bahn startet in München

Harry Zipf von der Lebenshilfe München:
„Es bleibt zu oft ein Hindernis“

Entgegen vieler Meinungen ist es zur wirklichen Barrierefreiheit in München noch ein weiter Weg. Das gilt auch für den öffentlichen Personennahverkehr. Selbst wenn alle Aufzüge funktionieren und es Menschen mit Behinderung bis an den richtigen Bahnsteig zur richtigen Zeit schaffen, bleibt immer noch ein Hindernis weiß Harry Zipf, Koordinator der Offenen Dienste der Lebenshilfe München: „Bei dichtem Gedränge wie etwa im Berufsverkehr und immer kürzeren Frequenzen der Züge (2-Minuten-Takt) schaffen es Menschen mit Behinderung, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, nur schwer in die U-Bahn zu kommen. Auch der schnelle Ausstieg kann zu einem Problem werden.“ Ein Mobilitätsservice der Stadt München muss greifen, vor allem bei Bus und Bahn.

MVV_TramDabei sollte hier schon längst Abhilfe geschaffen sein. Die UN-Behindertenrechts-Konvention mit der Forderung danach ist aus dem Jahre 2008 und wurde bereits 2006 von der UNO verabschiedet. Aber immerhin, die Stadt München bemüht sich. So hat der Stadtrat 2010 eine Studie über die Lebensbedingungen und Bedarfe von Menschen mit Behinderungen in Auftrag gegeben. 2013 lagen die Ergebnisse der Studie vor. Zur Umsetzung der daraus gewonnenen Einsichten haben aus dem Behindertenbeirat der Stadt München acht Arbeitskreise mitgewirkt.  

Gute Zahlen aus Berlin

Ein Projekt aus dem Arbeitskreis „Mobilität“ ist die Schaffung eines kostenlosen Begleitservice für Bus und Bahn. Er ist nicht nur auf Menschen mit Behinderung, sondern auch auf Senioren ausgelegt. In Berlin macht man damit seit sieben Jahren beste Erfahrungen. Knapp 300 Menschen fanden im Rahmen dieses vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) durchgeführten Projektes eine qualifizierte und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. 60.000 begleitete Fahrten zählte der VBB in fünf Jahren.

Begleitservice für Bus und Bahn durch den KMFV

In München startet der Begleitservice jetzt und wird vom ‚Katholischen Männerfürsorgeverein München e.V (KMFV)‘ durchgeführt. Die Projektleitung hat Christoph Kellner und meistert sie mit einem Sozialpädagogen und einer Verwaltungsfachkraft an seiner Seite. Er und sein Team aus elf Mitarbeitern bereiten sich seit vier Wochen intensiv auf die neue Aufgabe vor. „Für unseren Verein, der sich ja sonst um Menschen im sozialen Abseits kümmert, ist das eine neue Herausforderung. Wir wollen kundenorientiert arbeiten. Unsere Bus- und Bahnbegleiter müssen Sympathieträger sein. Allerdings“, grenzt Christoph Kellner ein, „können wir schwerst-mehrfach behinderte Menschen nicht begleiten, denn wir dürfen keine Aufsichtspflichten übernehmen“. Im Informationsflyer heißt es dazu: aus rechtlichen Gründen kann der Bus & Bahn Begleitservice keine über die Begleitung hinaus gehenden Tätigkeiten übernehmen. Der Bus & Bahn Begleitservice München wird durch das MBQ (Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm) finanziert, Landeshauptstadt München, Referat für Arbeit und Wirtschaft. Es soll einen Mobilitätsservice für Bus und Bahn bieten.

Mobilitätsservice in der Innenstadt: MVV Ringe 1 bis 4

Die Erwartungen sind hoch gesetzt, wenn sich in der bayerischen Landeshauptstadt München ein ähnlicher Erfolg wie in Berlin einstellt. „Wir werden anfangs wohl mehr Nachfrage haben als wir bewältigen können“, räumt Kellner ein. „Doch die Touren werden so optimiert, dass möglichst viele Kunden begleitet werden können.“

Doch sollen Touren zusammengestellt werden, um mehr Menschen begleiten zu können. Das aber werde wohl einige Monate in Anspruch nehmen. Der Begleitservice für Bus und Bahn deckt den Innenstadtbereich (MVV-Ring 1 bis 4) ab.

Christoph Kellner sieht in dem Projekt noch andere Vorzüge. „Als Reisebegleiter können Menschen wieder in ein Beschäftigungsverhältnis geführt werden, wie Berlin zeigt. Damit schließt sich der Kreis für den KMFV wieder.“

Für die Lebenshilfe München ist das Angebot auch im Hinblick auf die im Stadtgebiet verteilten Wohnstätten von Bedeutung. Und natürlich ist jeder Schritt zur Umsetzung der UN-Behindertenrechts-Konvention der richtige, ermöglicht er doch die Teilhabe für Menschen mit Behinderung am Öffentlichen Leben.

Für wen gilt
der Bus- und Begleitservice der Stadt München

Er gilt für Seniorinnen und Senioren, für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste und für alle, die Unterstützung und Orientierungshilfe für die Fahrt mit Bus und Bahn benötigen und mindestens 16 Jahre alt sind.

Egal, ob Sie in Ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder Hilfe beim Umsteigen benötigen: Der Bus & Bahn Begleitservice München unterstützt Sie gerne bei der Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

So funktioniert der Service:

Zum vereinbarten Termin holt Sie der Begleitservice an Ihrer Wohnungstür ab und bringt Sie zu Ihrem Fahrtziel. Natürlich können Sie den Begleitservice auch für die Rückfahrt in Anspruch nehmen. Einen Vorschlag für die Fahrtstrecke bringt der Begleitservice mit. Die Mobilmacher erkennen Sie an der entsprechend beschrifteten Dienstkleidung.

Bitte vereinbaren Sie Ihren Termin mit Datum und Uhrzeit für die Hin- und Rückfahrt. Das ist frühestens eine Woche und spätestens zwei Arbeitstage vor der gewünschten Begleitung per Telefon möglich.

Kostenfrei unter 089 / 5449 18920

Der Bus & Bahn Begleitservice München ist kostenfrei. Falls Sie jedoch Mobilitätshilfe vom Bezirk Oberbayern erhalten, bittet Sie die Landeshauptstadt München Fahrten mit Sonderfahrdiensten vorrangig in Anspruch zu nehmen.

Nur eine Fahrbegleitung

Aus rechtlichen Gründen kann der Bus & Bahn Begleitservice keine über die Begleitung hinaus gehenden Tätigkeiten, wie beispielsweise Einkaufshilfen oder pflegerische Leistungen für Sie übernehmen.

Wie funktioniert die Bestellung?

Die Fahrten mit dem Bus & Bahn Begleitservice können ab sofort telefonisch angefragt werden. Die Auftragsannahme ist von
Montag bis Freitag in der Zeit von 9:00 bis 16:00 Uhr möglich. Telefon: (089) 5449 18920. Begleitfahrten finden montags bis freitags von 08:00 bis 18:00 Uhr statt. Einsatzgebiet ist das gesamte Stadtgebiet Münchens.

Welche Informationen benötigt der Bus & Bahn Begleitservice?

Name, Alter und Adresse der abzuholenden Person • Telefonnummer für Rückfragen und Auftragsbestätigung • Zieladresse • gewünschte Uhrzeit der Abholung bzw. Ankunftszeit am Ziel (für Hin- und Rückfahrt) • Art der Einschränkung der zu begleitenden Person

Spätestens einen Werktag vor dem gewünschten Termin informiert Sie das Servicebüro, ob eine Begleitung durchgeführt werden kann.

2 Kommentare zu “Begleitservice für Bus und Bahn startet in München

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