40 Jahre Frühförderung der Lebenshilfe München

Eine frühe Therapie hilft für das ganze Leben

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Aleksandar Dordevic, Johanna Rumschöttel, Martin Fiegel, Dr. Renate Berger, Klaus Meyer, Peter Puhlmann

(gsp) Nah am Menschen und mitten im Brennpunkt steht die Frühförderung der Lebenshilfe München seit 40 Jahren. Im Brennpunkt, wenn das Kind bereits im siebten oder sechsten Schwangerschaftsmonat zur Welt kommt. Man spricht von einem „Frühchen“, doch hinter dem netten Wort verbergen sich Grenzsituationen, wo es häufig um Leben oder Tod, um Gesundheit oder Behinderung geht. Hier ist sofortige Hilfe nötig und neben einer erstklassigen medizinischen Versorgung auch die Begleitung von Kind und Eltern durch die Frühförderung, etwa durch die Lebenshilfe München. Im Brennpunkt und nah am Menschen aber auch, weil die Frühförderung der Lebenshilfe München direkt ‚ins Haus kommt‘, im häuslichen Umfeld Hilfe leistet.  

40 Jahre lang leistet die Frühförderung nun schon ihren besonderen Dienst, heute mit vier stationären Zentren in Stadt und Landkreis München und 90 Mitarbeitern, „die kalkulatorisch 40 Vollzeitstellen entsprechen“, erklärt Geschäftsführer Peter Puhlmann. Das ist natürlich ein Grund zum Feiern und gibt Zeit für einen Rückblick und einer kleinen Bestandsaufnahme. Zu den Ehrengästen im Festsaal des Landratsamtes zählten Mitglieder des Kuratoriums der Lebenshilfe München, Vertreter des Bezirks und Netzwerkpartner aus Landkreis und Stadt München.

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Für die Leiterinnen der Frühförderstellen in Stadt und Landkreis München gab’s eine kleine Geburtstagstorte. Von Links: Dr. Renate Berger, Sabine Wolf, Maria-Anna Link, Felicitas Ramb. Sitzend: Aleksandar Dordevic, Peter Puhlmann, Volker Körner, Klaus Meyer, Martin Fiegel.

Für Landrat Christoph Göbel sprach der Behindertenbeauftragte des Landkreises München, Aleksandar Dordevic und begrüßte seine frühere Chefin, Altlandrätin Johanna Rumschöttel als Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe München. „Stadt und Landkreis München sind seit zwei Jahren intensiv dabei, den Prozess „Barrierefreies München“ weiter voran zu bringen. Konkrete Maßnahmen dafür werden im ‚Aktionsplan für die Belange von Menschen mit Behinderung‘ erarbeitet“, erklärt Aleksandar Dordevic. „Die Lebenshilfe München ist in diesen Prozess eng eingebunden und ein verlässlicher Partner“, freut sich der Behindertenbeauftragte.

Für den Lebenshilfe-Landeverband Bayern ging Klaus Meyer als stellvertretender Vorsitzender intensiv auf die gesellschaftliche Bedeutung der Frühförderung ein. Dabei ist die Aussage von Landtagspräsidentin Barbara Stamm, dass „alle Kinder die besten Startbedingungen ins Leben brauchen“, ein guter Ansatz.

„Was vor 40 Jahren mit dem Aufbau regionaler Frühförderstellen begann, ist heute zu einer umfassenden, bedarfsgerechten und familiennahen Institution gewachsen. Sie hat sich als wirksamste Hilfe der Förderung und Prävention für Säuglinge und Kleinkinder mit Entwicklungsauffälligkeiten, Entwicklungsrisiken sowie drohender Behinderung bewährt. Noch heute ist Bayern hier im bundesdeutschen Vergleich maßgebend,“ betont Klaus Meyer.

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… und bitte kräftig pusten!

Auch Johanna Rumschöttel erinnert sich gerne an ihre Zeit als Landrätin von München und die ersten gemeinsamen Aktionen mit Aleksandar Dordevic. „Wir haben unsere Erfahrungen gemacht wie vielfältig die Beeinträchtigungen sind, mit denen Menschen zurecht kommen müssen. Inklusion muss darum differenziert gesehen bzw. angegangen werden.“ Das zeige allein schon die 40-jährige Geschichte der Frühförderung. „Damals lag der Schwerpunkt fast ausschließlich bei Kindern mit Down-Syndrom. Heute haben 50 Prozent der Kunden einen Migrationshintergrund. Schon in naher Zukunft wird uns die Pränataldiagnostik noch enger begleiten und wachsende Ansprüche der Eltern. Die Frühförderung wird in ihrer Funktion als ‚Übersetzer“ zwischen den Bedarfen des Kindes gegenüber Eltern, Schule und Gesellschaft bleiben,“ so die Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe München.

Kinder- und Jugendpsychiater Martin Fiegel erinnerte daran, dass es vor 40 Jahren noch von ärztlicher Seite Bedenken gegen die Frühförderung gab. In den vier Jahrzehnten habe man aber längst und ständig im gegenseitigen Austausch voneinander gelernt. Auch setze die Therapie heute viel früher an. Als Beispiel nannte Martin Fiegel die Depression. „Kinder ab fünf Jahren können davon bereits betroffen sein. Das schlimme daran ist, es wird nicht bemerkt. Oder denken sie an visuelle Wahrnehmungsstörungen. Früher viel es häufig erst in der Schule, ab der 3. Klasse auf.“ Es sei auch ein wesentlicher Verdienst der Frühförderung und ihrer Hartnäckigkeit, dass sich hier viel zum Wohle des Kindes bewegt hat.

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„Unsere Lieblinge“ nennen sich die beiden Musiker. Pointierter Gesang mit Kontrabass und Minimalschlagzeug instrumentiert. Es war ein Genuss den beiden Vollblut-Musikern zuzuhören. Stimmung und gute Laune garantiert. – Fotos: Gerd Spranger

Den längsten und ausführlichsten Vortrag hielt Dr. med. Renate Berger von der Arbeitsstelle Frühförderung/ Harl.e.kin-Nachsorge in Bayern. „Zehn Prozent der Kinder werden heute zu früh geboren und das macht deutlich, von was wir heute bei Harl.e.kin sprechen. Die MitarbeiterInnen der Frühförderung leisten Großartiges, sind oft in Grenzsituationen, haben mit stark belasteten Eltern zu tun, müssen sofort da sein und emotionale Stärke zeigen. Sie müssen beraten, fördern und manchmal auch (zu hohe Erwartungen) bremsen. Dazu Entwicklungskonzepte erarbeiten und sie den Eltern vermitteln, Eltern die immer weniger da sind und kaum Zeit haben.“

Dr. Renate Berger brachte gut auf den Punkt, was die MitarbeiterInnen der Lebenshilfe München im Festsaal des Landratsamtes bewegte, wie am rauschenden Beifall hörbar war.

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Ein Kommentar zu “40 Jahre Frühförderung der Lebenshilfe München

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