Maria-Anna Link koordiniert die Einrichtungen der Frühförderung bei der Lebenshilfe München

II. Teil: Brücken bauen für eine frühe Förderung

Erfahrungen, Ideen, Perspektiven – 1. Teil –

Seit 1989 setzt sich Maria-Anna Link für die Frühförderung von behinderten und von Behinderung bedrohten Säuglingen, Kleinkindern und Vorschulkindern ein, sie leitet die Interdisziplinäre Frühförderstelle der Lebenshilfe München Kinder und Jugend GmbH in Feldkirchen bei München. Seit September 2014 ist sie auch mit der Koordination der vier Frühförderstellen in Sendling, Giesing, Pasing und Feldkirchen innerhalb des Elternvereins betraut. So können Aufgaben, Anliegen und Forderungen besser kommuniziert werden.

Maria-Anna Link spricht über einen Wandel bei der Frühförderung. Ein Wandel bei den Kindern selbst mit einer Zunahme der von Behinderung bedrohten Kinder und Kindern mit Migrationshintergund, die im deutschen System von Erziehung, Kindertageseinrichtungen und Schule nur schwer zurechtkommen. 

Die Frühförderung ist in der Gesellschaft ‚angekommen‘

„Grundsätzlich ist die inzwischen gesetzlich verankerte Aufgabe der Früherkennung und Frühförderung in der Gesellschaft wohl angekommen“, meint die Pädagogin. Sie stützt sich dabei auf die Tatsache, dass Kinder, die
maan_link_2179vor 25 Jahren die Frühförderstellen angefragt haben, zu 80 bis 85 Prozent körperlich und/oder geistig behindert waren. Die restlichen 15 bis 20 Prozent waren von seelischer Behinderung bedroht. Also Kinder mit Lernschwierigkeiten, sprachlichen Schwierigkeiten, Wahrnehmungsproblemen und/oder Kinder mit Verhaltensbesonderheiten. Die Eltern suchten die Unterstützung durch die Fachleute der Frühförderung. „Das Verhältnis hat sich aus heutiger Sicht umgekehrt“, weiß Maria-Anna Link auch aus der eigenen Praxis. Ein Wermutstropfen sind dabei eine Menge an Formularen und Anträgen. Allerdings schaffen sie gleichzeitig ein tragbares Fundament für eine kontinuierliche und erfolgreiche Arbeit.“

Auffälligkeiten in der kindlichen Entwicklung

Die deutliche Zunahme von Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten bei Vorschulkindern signalisiert, dass sich starke Veränderungen in der kindlichen Sozialisation (inner- und außerhalb der Familie) vollziehen. Ungünstige Lebenswelten der Kinder führen zu schwer überwindbaren Herausforderungen an das kindliche Entwicklungsbedürfnis. Die nach wie vor steigenden Kinderzahlen in den Frühförderstellen haben viele Gründe. Sie reichen von unzureichenden Spielangeboten bis zum Medienkonsum, vom Bewegungsmangel hin zum Druck der Familien durch Arbeitsbelastungen, vom Migrationshintergrund und sozialen Spannungsfeldern.

Insgesamt liegt auch eine Sensibilisierung der Gesellschaft vor. „Die beteiligten ‚Institutionen‘ – angefangen bei den Eltern über die Ärzte bis zum Kindergartenpersonal – reagieren heute schneller und suchen aktiv nach Hilfe.“ Die Pädagogin begrüßt diese Entwicklung, denn „in jedem Alter des Kindes stehen gewisse Zeitfenster für gewisse Lerninhalte offen. Je besser wir diese nutzen, desto mehr fördern wir das individuelle Potential.“

Die Mobile Frühförderung

Nachdem nun weiterhin ‚Mobile Frühförderung‘ durch die Ärzte verordnet werden kann, wird dies durch gesellschaftliche Veränderungen ein wachsender Bereich bleiben. Kinder werden immer früher in Krippen und Kindergärten untergebracht, denn häufig arbeiten beide Eltern, sind auf zwei Einkommen angewiesen. Der Weg zu den Kindern führt so immer mehr in die Kindertageseinrichtungen.

„Dort sind wir auf Kooperation angewiesen und brauchen für manchen Förderbereich eigene Räume. Durch die konzeptionelle Ausrichtung vieler Kindergärten mit so genannten ‚offenen Angeboten‘ sind aber gerade Räume Mangelware. Für einige unserer Kinder ist das ‚Offene Konzept‘ nicht sinnvoll. Es gibt Kinder, die eine klare Struktur und klare Führung brauchen. Durch die mangelnde Bindung in Zeiten instabiler Familienbeziehungen verlieren sich die Kinder sonst in all den Möglichkeiten, die ihnen in Kindertageseinrichtungen offenstehen.“

Beratung von Eltern und Erziehern
Ein eigener Fachdienst ist nötig

Eine zentrale Aufgabe der Frühförderung der Lebenshilfe München war und ist die Beratung von Eltern und Erzieherinnen zur Erarbeitung und Verfolgung gemeinsamer Ziele. „Die Zunahme der Kinder, die ‚kleinere Probleme mit maximalen Auswirkungen‘ haben, stellt für das knappe Personal der Kindertageseinrichtungen eine hohe Anforderung dar. Der Aufbau und Ausbau eines Fachdienstes für Kindertages-Einrichtungen, die einzelne Kinder als sog. Integrationskinder aufnehmen, erscheint uns wesentlich und wichtig. Die Erstellung einer Konzeption für die Inklusion der uns anvertrauten Kinder ist ein nächster Schritt, um unsere Erfahrung, unser Wissen und unsere Haltung verstärkt in die Gesellschaft zu tragen.“

Spenden für Dolmetscher

Eines der drängendsten Probleme sind Sprachbarrieren. Menschen, die aus ganz anderen Kulturkreisen nach Deutschland kommen – wie aktuell etwa aus Syrien und dem Irak – brauchen auch im Hinblick auf ihre Kinder intensive Unterstützung. Wie sollten sie auch das ‚deutsche System der Erziehung, des Kindergarten- und Schulsystems‘ verstehen, von kulturellen und religiösen Verschiedenheiten einmal ganz abgesehen. „Was fehlt sind Dolmetscher, die mit beiden Kulturen, und auch mit dem deutschen Gesundheits- und Schulwesen vertraut sind. Es fehlt dafür aber das Geld. Die Lebenshilfe München ist hier auf Spenden angewiesen.“

Mehr über die Interdisziplinäre Frühförderung der Lebenshilfe München in Feldkirchen lesen Sie hier:
lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2013/03/26

3 Kommentare zu “Maria-Anna Link koordiniert die Einrichtungen der Frühförderung bei der Lebenshilfe München

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