Soziokulturell und familiär

F U N D S T Ü C K E

In loser Folge veröffentlichen wir im Blog Texte, Beiträge und Statements aus der Geschichte der Lebenshilfe München. Sie verdeutlichen, wie intensiv sich die ‚Mütter und Väter‘ des Vereins schon früh mit der Gleichstellung von Menschen mit Behinderung eingesetzt haben. Dabei entwickelte Grundsätze und Positionen zählen bis heute zum elementaren ‚geistigen Gut‘ der Lebenshilfe.

Folgender Beitrag setzt sich für lebensnahe Bedingungen für Menschen mit Behinderung ein. Er fordert familienähnliche Strukturen in Kleingruppen. Er appelliert für Teilhabe, für ein soziales Eingebundensein.

L.I.E.S.- HEFT , Ausgabe 1/ 1989 – Auszug aus dem Artikel:

„Wohn- und Betreuungsformen, Möglichkeiten und Grenzen für ein autonomes Leben, neue Wohnformen für Behinderte.“

Die richtigen Voraussetzungen schaffen

Ein Leben, das sich an den allgemein üblichen Normen orientieren soll und an den sozio-kulturellen Einrichtungen partizipieren soll, kann sich nur in Wohnformen vollziehen, die eine familienähnliche Gruppenstruktur aufweisen und in die normale Wohngebiete einer Gemeinde integriert sind. Die Gruppe muss geprägt sein von emotionaler Wärme und Akzeptanz.   

Nur die familienähnliche Gruppe ermöglicht Überschaubarkeit und Zugehörigkeit, Selbständigkeit und Vielfalt, räumliche und zeitliche Orientierung. Ein überschaubares soziales Bezugssystem ist nur hier in einer humanen Dimension erlebbar. Nähe zur Familie, zu Freunden und Verwandten vermitteln soziale Eingebundenheit.

Mitten in der Gesellschaft

Der geistig behinderte Mensch muss teilhaben können an allen Angeboten einer kommunalen Infrastruktur, am Verkehr, an sportlichen oder kulturellen Veranstaltungen, an Freizeit- oder Erholungsmaßnahmen, Clubs, Kirchengemeinden, etc … .

Ein JA zur Persönlichkeit

Behindernd für die Eingliederung geistig behinderter Menschen werden Einrichtungen erlebt, die Menschen absondern oder unter den Gesichtspunkten von Ökonomisierung oder Medizinierung in Großeinrichtungen zusammenfassen. Die im vorigen Jahrhundert in bester Absicht gegründeten Massenunterkünfte haben uns gelehrt, in welchem Ausmaß Ort, Größe, Gestaltung einer Einrichtungen hospitalisierende und entpersönlichende Einflüsse auf den behinderten Menschen haben.

Das direkte Umfeld zählt

Bauliche Uniformität, einheitlich gestaltete Ess- oder Schlafsäle, DIN-Vorschriften und starre Hausordnungen sind die Voraussetzungen für ein ödes, verarmtes Leben. Wenn System- oder Funktionszwänge, die durch zentrale Versorgungsstrukturen wie die Zentralküche oder die Zentralwäscherei erzeugt werden, die Menschen mit einer geistigen Behinderungen von allen elementaren Erfahrungen wie die Zubereitung von Mahlzeiten oder die Pflege von Wäsche und Kleidung abschneiden, wird der Mensch zum Projekt; er verfremdet sich dieser Welt.

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