Vom Gastronomen zum Sozialpädagogen

Georg Bittner arbeitet heute für Menschen mit
geistiger Behinderung bei der Lebenshilfe München

(gsp) 26 Jahre lang führte Georg Bittner mit zwei Partnern in München einen Gastronomiebetrieb mit 100 Plätzen plus Gastgarten in der Münchner City. Seit einem Jahr arbeitet er bei der Lebenshilfe München, hat sich auf ’seine Insel‘ zurückgezogen, mit einem neuen Job als Sozialpädagoge.

Georg Bittner: vom Gastronomen zum Sozialpädagogen bei der Lebenshilfe München

Georg Bittner: vom Gastronomen zum Sozialpädagogen bei der Lebenshilfe München – Foto: Gerd Spranger

„Das Geschäft in der Gastronomie ist immer härter geworden, die Wirte nehmen sich gegenseitig die Gäste weg, die Gewinnspanne stimmt nicht mehr. Da hilft auch kein billiger Einkauf und kein Lohndumping, gegen den sich Georg Bittner immer gewehrt hat. Mit 59 Jahren war dann plötzlich Schluss mit der Karriere in der Gastronomie, die Partner einigten sich auf eine Auflösung der GmbH.   

„Was aber jetzt, in dem Alter gibt es doch keine Jobs mehr, oder“, fragte sich Georg. Er besann sich auf sein Studium, das er als Sozialpädagoge abgeschlossen hatte und dachte auch an seine Zivildienstzeit bei der Lebenshilfe München. „Zudem ermutigte mich meine Frau, bewerbe dich doch einfach mal.“ So führte seine zweite Bewerbung bereits zum Erfolg und er fand in Putzbrunn, in der Wohngruppe der Lebenshilfe München, eine Anstellung. Es ist nicht mehr die große Karriere, aber ein sicherer Job.

Ein gesicherter Arbeitsbereich

Die Auflösung der GmbH hatte Georg noch bis vor wenigen Monaten beschäftigt, doch langsam kann er die Jahre in der Gastronomie auch mental hinter sich lassen. „Die Menschen mit geistiger Behinderung wohnen hier seit 20 Jahren zusammen. Es ist ein geschützter Bereich, eine eigene Welt, die sich aber nicht abgrenzt, sondern nach außen offen ist.“ Selbst für den heute 60-Jährigen mit seinem jugendlichen Auftreten ist diese Lebensgemeinschaft mit vier Wohngruppen zu je acht Bewohnern ein beschützter Bereich geworden. „Ich bin jetzt sozialversichert, habe Anspruch auf Urlaub und selbst im Krankheitsfalle erhalte ich meinen Lohn weiter. Das kenne ich seit 30 Jahren nicht mehr.“ Ein kleiner Wermutstropfen bleibt für ihn die private Rentenversicherung.

Kollegen und Bewohner machen es leicht im Job

Georg Bittner empfindet bei der Lebenshilfe München auch keinen Konkurrenzdruck. „Die KollegInnen machen eine sehr engagierte Arbeit, wir wechseln uns in zwei Schichten ab und arbeiten gut zusammen. Das funktioniert in aller Regel.“ Die Bewohner würden es einem leicht machen, meint der Pädagoge. „Sie sind unkompliziert, offen und in einer Weise ehrlich und direkt, wie dies fast nur bei Menschen mit geistiger Behinderung zu finden ist. Sie zeigen ihre Gefühle, stehen dazu, haben Sinn für Humor, es wird viel gelacht.“ Auch das sind neue Erfahrungen für den Ex-Gastronomen. „In der Gastronomie hast du nie wirklich gut genug sein können. Es gab immer wieder Gäste, die sich nicht wirklich gut bedient gefühlt haben, an das Essen oder Ambiente eine andere Erwartung knüpften. Hier Karriere zu machen ist kaum möglich.“

Immer mehr Verwaltung

Gestiegen sei der Verwaltungsaufwand in beiden Branchen. „In der Gastronomie ( tägliche Dokumentation über Warenanlieferung , Putzpläne, neue Belehrungspflichten usw.) hätte man dafür leicht eine zusätzliche Kraft beschäftigen können“. Im sozialen Bereich, wie auch bei der Lebenshilfe München, sind die Berichtssysteme verändert worden und die Informationsweitergabe wurde und wird auf Computer umgestellt. Es gilt das Prinzip, ‚was nicht dokumentiert wird existiert nicht‘. Das bedeutet in der Praxis, dass weniger Zeit für die Arbeit in der Wohngruppe bzw. für die Menschen vorhanden ist.

Zeit für Hobbys

Eine Parallele zu seiner früheren Tätigkeit sieht der Sozialpädagoge im wechselnden Schichtdienst, auch an Wochenenden. „Doch sonst habe ich nach Feierabend wirklich frei, kann abschalten und muss nicht ständig an das Geschäft bzw. die Arbeit denken, wie zuvor in der Selbständigkeit.“ Das übertrage sich auch in der Partnerschaft meint Bittner. Heute sei er wieder offener für andere Dinge, pflegt auch Hobbys wie Radfahren oder gemeinsame Spaziergänge. Der Job bestimmt nicht mehr alle Bereiche.

Gemeinsames kochen

Seine besonderen Gastrokenntnisse kann Georg Bittner jetzt im Team einbringen. „Jede Wohngruppe stellt wöchentlich den eigenen Speiseplan auf. Dann wird eingekauft und wir kochen gemeinsam oder bereiten das Frühstück und Abendessen vor.“ Wochentags sind die Bewohner gleich nebenan in der Werkstatt der Lebenshilfe München berufstätig und nutzen dort die Kantine, so dass für ein gutes und warmes Mittagessen gesorgt ist. „Am Wochenende aber wird selbst gekocht und auch abends bereiten wir manche Kleinigkeit zu.“ Auch das ist ein wichtiger Bereich des Sozialpädagogen. „Gemeinsames erleben und essen hält zusammen.“

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