Der Gesetzgeber schützt die Rechte von Menschen mit Behinderung

Lebenshilfe München: viel auf den Weg gebracht
Neue Strukturen mit besseren Lebensbedingungen
Auch für Wohnstätten – Beispiel: Willinger Weg

Die Lebenshilfe München betreut im Stadtgebiet neun Wohngemeinschaften, die zum Teil als große Wohneinheiten direkt in Wohnblöcke integriert sind, zum Teil auch in freistehenden Wohnhäusern. Eines der Häuser ist am Willinger Weg, im Stadtteil Ramersdorf. „Mittendrin“, nur drei Seitenstraßen vom Innsbrucker Ring entfernt, und doch in idyllischer und ruhiger Stadtlage.

Ganz bewusst wurden die Standorte vor 30 Jahren zentral gewählt. Menschen mit Behinderung sollten nicht ‚weit ab, irgendwo‘ untergebracht sein. Sie sollten an der Gesellschaft teilhaben (Teilhabe). Inklusion wurde von der Lebenshilfe so schon früh vorweggenommen. Auch am Willinger Weg sind die öffentlichen Verkehrsmittel gut zu erreichen, selbst Ostpark und Michaelibad fußläufig.  

Willinger Weg: Standards aus den 30er-Jahren

Das Haus wird seit 1988 von der Lebenhilfe München als Wohneinrichtung genutzt, war ursprünglich eine Artztvilla aus den 30er-Jahren. Das prägt den Charakter des Hauses nicht nur äußerlich. Der Keller musste bereits abgesichert werden und behindertengerecht ist das Haus nie gewesen. Doch seine Bewohner werden älter und die Ansprüche und auch gesetzlichen Vorgaben an Einrichtungen für Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung sind heute ‚Gott sei Dank‘ gewachsen. Allein die Zimmergröße ist mit einem Mindestmaß von 14 Quadratmeter angegeben, und ein Etagenbad reicht auch nicht mehr aus.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADer Gesetzgeber hat im so genannten Pflege- und Wohnqualitätsgesetz (PfleWoqG) schon 2008 die Grundlagen dafür geschaffen. Sie sind an den heutigen Erkenntnissen der Sozial- und Heilpädagogik, der Psychologie, der Medizin und Pflege orientieren. Dabei sind die baulichen Anforderungen an die Wohnheime ebenso erfasst.

Peter Puhlmann, Geschäftsführer der Lebenshilfe München: „Wir haben bereits von 12 auf 10 Wohnplätze reduziert. Insgesamt aber ist die jetzige Situation am Willinger Weg nicht zukunftsfähig, ein Neubau ist unausweichlich. Auch ein zweiter Umstand fordert einen Neubau. Inklusion gilt ebenso für Menschen mit schwerer körperlicher und geistiger Behinderung. „Es ist unsere Pflicht“, so Puhlmann, „älter werdenden Menschen mit Behinderung und Menschen mit schwereren körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen ein Zuhause zu schaffen, das den Anforderungen und Bedürfnissen aus moderner Sicht entspricht.“

Darum ist eine Größe von 24 Wohnheimplätzen unbedingt notwendig. Nur so können unterschiedliche Betreuungskonzepte angeboten werden. Dazu zählt ein Wohnen mit oder ohne Tagesstruktur und – falls nötig – mit Nachtwache oder Nachtbereitschaft. Die Vorgaben dafür hat der Gesetzgeber selbst geschaffen. Eine Wohnstätte unter 24 Plätze ist nämlich nur als sogenannte Außenwohngruppe zu führen. Damit wäre ein Angebot mit Tagesstruktur oder Nachtwache nicht mehr machbar.

Dem Wohl des Menschen dienen

„Alle Gesetze und Auflagen in diesem Zusammenhang sind für das Wohl des Menschen geschaffen worden. Es sind Errungenschaften, die aus einem über 50-jährigen Einsatz für die Rechte von Menschen mit Behinderung resultieren. Die Lebenshilfe hat dazu ihren ganz wesentlichen Beitrag geleistet. Das werden wir auch in Zukunft so halten“, ist sich Geschäftsführer Peter Puhlmann von der Lebenshilfe München sicher.

A U S Z U G

Anforderungen aus dem neuen
Bayerischen Pflege- und Wohnqualitätsgesetz (PfleWoqG),
bzw. der §§ 1-9 AVPfleWoqG (Ausführungsverordnung)

Grundsätzliche Kenngrößen dieser „baulichen Mindestanforderungen“:

  • Barrierefrei § 2 Abs. 1
  • Lagerraum, bzw. Funktionsraum / Fäkalienspüle auf jeder Etage § 2 Abs2
  • Wohnräume § 4
  • EZ-Größe eines Wohn-Schlafraums: mindestens 14 qm
  • DZ-Größe eines Wohn-Schlafraums: mindestens 20 qm
    Jeweils ein dazugehöriger Sanitärraum und Vorraum
  • Jeder Raum muss vom Flur zugänglich sein
  • Mindestens ein Gemeinschaftsraum je Gebäude, bzw. jeder Wohngruppe § 5
  • Gemeinschaftsraum mind. 1,5 qm je Bewohner, insgesamt mindestens
    20 qm Sanitärräume § 8
  • Jeder Wohn-Schlafraum muss direkten Zugang zu einem Sanitärraum haben
    (keine Größenvorgabe)
  • Bei Einrichtungen der Pflege bis 40 Plätzen muss mindestens 1 Pflegebad zur Verfügung stehen Für pflegebedürftige Menschen muss zudem in jedem Raum eine
    Rufanlage vorhanden sein § 9
  • In Einrichtungen für behinderte Menschen kann aber von diesen Anforderungen gem. § 50 Abs. 4 mit Zustimmung der Behörde abgewichen werden, wenn eine Abweichung sinnvoll ist.

Lesen sie auch unsere Reportage über die Lebens- und Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München am Willinger Weg:
https://lebenshilfemuenchen.wordpress.com/2013/07/17/menschen-mit-behinderung-seit-30-jahren-in-lebensgemeinschaft/

5 Kommentare zu “Der Gesetzgeber schützt die Rechte von Menschen mit Behinderung

  1. Pingback: Lebenshilfe München erneuert drei Wohngebäude für Menschen mit geistiger Behinderung | Lebenshilfe München

  2. Pingback: Menschen mit Behinderung seit 30 Jahren in Lebensgemeinschaft | Lebenshilfe München

  3. Pingback: 50 Jahre betreutes Wohnen bei der Lebenshilfe München | Lebenshilfe München

  4. Mir ist bei dem Beitrag der Zusammenhang zwischen „den Anforderungen und Bedürfnissen aus moderner Sicht“ und der Größe der Wohneinheiten nicht klar. Es kann nicht „modern“ sein, dass man wieder Wohnheime errichten muss, die eine Mindestgröße von 24 Plätzen haben. Mit Inklusion hat dies sicherlich nichts zu tun!
    Wenn dies schon Vorgaben Seitens des Gesetzgebers sind, so sollte doch die Lebenshilfe dies als Maßnahme kritisieren, die nicht inklusiv, sondern exklusiv ist.

    • Danke für Ihre Anmerkung. Die Notwendigkeit ergibt sich aus den Strukturen heraus … wie im Text auch geschrieben: „Nur so können unterschiedliche Betreuungskonzepte angeboten werden. Dazu zählt ein Wohnen mit oder ohne Tagesstruktur und – falls nötig – mit Nachtwache oder Nachtbereitschaft.“ . . . was heißt . . . die Gruppen sind und werden immer unterschiedlicher. Auch bei der Lebenshilfe in München (und in ganz Deutschland) nimmt die Zahl jener zu, die das Rentenalter erreichen. Hier tritt auch verstärkt z.B. Demenz auf. Soll man diese Leute abschieben, weil eine Betreuung nicht gewährleistet wird, oder soll man die nötigen Strukturen dafür schaffen?? Ich denke, dass letzteres außer Frage steht. / gsp

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