Verhaltenes Medieninteresse ist Ansporn für mehr Nachdruck

Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

(gsp) Einmal mehr nutzen die Selbsthilfeverbände behinderter und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen in Bayern – unter dem Dach der „Selbsthilfe LAG Bayern“ – den Europaweiten Protesttag für Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

Protesttag in München

Der Marienplatz in München wurde am 5. Mai zur großen Bühne, auf der sich Politiker und Betroffene, Passanten und Interessierte trafen, miteinander ins Gespräch kamen. Auch die Lebenshilfe München stellte sich mit einem eigenen Stand den Fragen der Menschen.

Leider war das Interesse der Medien verhalten. Bei meiner Fahrt nach München hörte ich von sozialen Problemen in Afrika, vom Tag der Handhygiene und personellen Notständen bei den Hebammen in München. Von der Gleichstellung von Menschen mit Behinderung kein Wort, egal wie sehr ich auf den Sendersuchlauf drückte.  

Immer, für alle und überall

Ein Indiz mehr, sich mit Nachdruck auf allen Gesellschaftsebenen für die besonderen Anliegen und Nöte von Menschen mit Behinderung einzusetzen. Ministerpräsident Horst Seehofer hat es jedenfalls zur Chefsache erklärt. Er will Bayern innerhalb von 10 Jahren im öffentlichen Raum und im öffentlichen Nahverkehr gesamt und komplett barrierefrei machen. Auch Bayerns Sozialministerin Emilia Müller bekräftigt dies. So war das Motto auf dem Münchner Marienplatz „Bayern barrierefrei: Immer, für alle, überall“ quasi vorgegeben.

„Barrierefreiheit ist dabei mehr als nur Rollstuhlgerecht,“ so die Sozialministerin. „Es geht um den uneingeschränkten Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln, auch um die gleichberechtigte akustische und visuelle Nutzbarkeit von Systemen der Informationsverarbeitung.“

Um sich ohne fremde Hilfe orientieren zu können, benötigen etwa blinde und sehbehinderte Menschen taktile und gut erkennbare Bahnsteigkanten und akustische Signale bei allen Ampeln. Menschen mit Hörbehinderung sind auf Untertitel und Induktionsschleifen angewiesen und Menschen mit kognitiven Einschränkungen auf umfassende Informationen in leichter Sprache.

Protesttag in München

„Darum führt mein Haus derzeit eine flächendeckende Bestandsaufnahme durch, wo Bayern schon barrierefrei ist und wo noch nicht. Im Anschluss daran wird das Kabinett über ein Sonderinvestitionsprogramm entscheiden. Dabei wird sicherlich die Höhe der eingesetzten Mittel auch ein Gradmesser für das Ausmaß unserer Bemühungen sein“, so Emilia Müller.

Absichtserklärungen, die beim Publikum ankommen, vor allem bei Menschen mit Behinderung. Sie aber haben ihre ganz eigene Sicht aus ihrer täglichen Betroffenheit heraus. Ein Sprecher brachte es auf den Punkt: „Es wäre von der Regierung schön, wenn sie uns vor den ‚großen Vorhaben‘ fragen würden, mit uns sprechen.“ Er nahm damit auf seine Vorrednerin Bezug, die eine intelligente Inklusion anmahnte. „Wenn man bei Neubauten gleich richtig plant, etwa Induktionsschleifen berücksichtigt, an Menschen mit Behinderung denkt, spart man sich nachträgliche Umbauten und damit viele Kosten, Mühen und Ärger.

Protesttag in München

Dabei werden viele Zeitgenossen mit dem Alter selbst zu Menschen mit Behinderung. Etwa wenn das Gehör nicht mehr mag, die Sehkraft nachlässt oder die Beweglichkeit immer eingeschränkter ist. Manchmal ist so ein Prozess auch krankheitsbedingt und tritt völlig unerwartet auf, was für den Betroffenen besonders schwer wiegt. „Man sieht es uns nicht an“, meinte eine Seniorin. „Doch das Maß an Behinderung ist hoch, wie bei mir etwa bedingt durch starkes Rheuma. Da wird schon eine Tür zur Falle, wenn anstelle eines Griffs ein runder Knauf angebracht ist, wie mir jüngst in einer Toilette passiert.“

Der Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung auf dem Münchner Marienplatz war auch ein eindrucksvolles Zeugnis von bürgerlichem Engagement. Über 30 Verbände und Selbsthilfegruppen informierten über ihre ganz eigenen und besonderen Anliegen. Michael Ruoff von der OBA (Offene Behindertenarbeit) der Lebenshilfe München freute sich über die gezielte Nachfrage von Passanten über Möglichkeiten eines ehrenamtlichen Engagements.

2 Kommentare zu “Verhaltenes Medieninteresse ist Ansporn für mehr Nachdruck

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