Senioren-Wohngruppe bei der Lebenshilfe München

Auch immer mehr Menschen mit Behinderung erreichen das Rentenalter – Aktive Hilfe und intensive Betreuung

Längst hat sich die ‚Überalterung der Gesellschaft‘ medienwirksam im allgemeinen Bewusstsein verfestigt. Im Alter nehmen Probleme zu und auf aktive Hilfe angewiesen zu sein, wird für viele Menschen zur Herausforderung. Auch immer mehr Menschen mit Behinderung sind heute im Rentenalter. Sie wissen um die notwendige Hilfe von Anderen, ihre speziellen Herausforderungen liegen anderswo. Die Lebenshilfe München hat jetzt eine eigene Senioren-Wohngruppe eingerichtet, um darauf gezielt einzugehen. Die Einrichtung in der St. Quirin Straße wird seit März 2013 von der Sozialpädagogin Birgit Fleischmann geleitet.   

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Sie erklärt die besondere Situation ihrer Senioren: „Unser Bewohner haben trotz ihrer Behinderung ein langes Berufsleben, meist in den Lebenshilfen-Werkstätten, geleistet. Sie standen und stehen also wie viele andere, völlig gesunde Menschen, mitten im Leben. Jetzt in der Rente fehlt ihnen ganz einfach die Tagesstruktur um im Leben zurecht zu kommen. Sie haben nicht das große soziale Umfeld und sind seit jeher eingeschränkt, das wirkt sich auch im Alter aus.“

Dabei ist die Lebenshilfe München zwar als sozial- und mildtätig anerkannt, doch die Mittel von den Kostenträgern fließen nicht automatisch. Zusätzliche Maßnahmen und Betreuung aber sind mit Kosten verbunden, so dass ein erhöhter Bedarf und seine Notwendigkeit erst durchgesetzt werden müssen. Ein Prozess, den man jetzt für die Seniorengruppe erfolgreich abschließen konnte.

So stehen jetzt nicht nur ein „Morgenkreis“, zur Besprechung des Tages, seiner Struktur und der Anliegen, auf dem Programm, sondern weitere Angebote bis hin zum Früh- und Spätdienst und einer Nachtwache. Neben der Betreuung geht es vor allem um die Förderung und den Erhalt der Fähigkeiten des Menschen, um einer sich vertiefenden Demenz entgegenzuwirken. „Dafür haben wir mehrmals wöchentlich (täglich??) ein Gedächtnistraining, betätigen uns im Kreativen Gestalten und erhalten mit Bewegungsspielen die körperlichen Fähigkeiten“, erläutert Birgit Fleischmann und ergänzt: „natürlich leisten wir auch Biographiearbeit, wie alle anderen Senioreneinrichtungen auch. Das hilft dem Betroffenen, denn gute Erinnerungen festigen die Persönlichkeit und uns als Betreuer bringt es den Menschen näher.“ Früh Erlebtes ist zudem fest im Gedächtnis verankert und selbst bei einer spürbaren Demenz immer noch präsent. „So weckt die Hilfe beim Backen von Weihnachtsplätzchen, mit allen Gerüchen und Geschmäckern, wieder gute Erinnerung, hilft beim Finden des eigenen Selbst.“

Auch die gemeinsamen Mahlzeiten sind wichtiger Teil eines geregelten Tagesablaufs. Menschen mit Behinderung aber brauchen mehr, und das können Kleinigkeiten sein, wie etwa die ‚Mitarbeiter im Dienst‘ mit Fotos auf einer Tafel zu veröffentlichen, denn viele können nicht lesen. Die meisten der Senioren sind zudem geistig und kognitiv eingeschränkt, zum Teil auf den Rollstuhl angewiesen oder halbseitig gelähmt. Die Betreuung beginnt bei der Grundpflege, reicht über das Ankleiden, den Toilettengängen und Hilfe bei den Mahlzeiten.

Birgit Fleischmann setzt auf die aktive Mitarbeit der Senioren. „Zwingen können und wollen wir niemanden. Ein wertschätzender Umgang ist oberste Priorität. Jeder hat das Recht auf Privatheit, auch auf persönlichen Rückzug, auf Traurigkeit ebenso wie auf Ausgelassenheit. Das führt mitunter zu einer Verweigerungshaltung, doch das ist für eine gewisse Zeit in Ordnung. Wir arbeiten mit den Bewohnern und nicht gegen sie. Das muss auch unseren Mitarbeitern klar sein.“

Ein wichtiger Teil der Betreuung ist die Arbeit mit einem Seniorenclub, wo sich Helfer ehrenamtlich engagieren. Sie unternehmen kleine Ausflüge und Aktionen oder nehmen sich ganz einfach für jemanden Zeit. Das ist ein besonders wertvoller Dienst, denn meistens wird ja immer die ganze Gruppe betreut, für lange Zweiergespräche bleibt wenig Zeit.“

Die Nachtwache ist auch mehr als nur ein Bereitschaftsdienst. „Bei uns ist immer was los und sei es nur um auf die Toilette zu gehen. Wir haben aber auch einige wenige „Auffällige“, die mit Angstgefühlen – oft auch nachts – zu tun haben und Zuspruch brauchen, so ist an Schlaf nicht zu denken. Für Akutfälle arbeiten wir übrigens eng mit Haar (kbo-Isar-Amper-Klinikum München-Ost) zusammen, das gibt uns Sicherheit.“

Ein Auge hat die Sozialpädagogin auch auf die Mitarbeiter. „Routine kann zum Killer werden, verstellt den Blick auf sich abzeichnende Krisen. So brauchen wir uns als Team immer auch untereinander und helfen uns aktiv. Das gilt übrigens auch für die Geschäftsleitung die uns bei unseren Anliegen immer unterstützt. Es sind nicht nur die älteren und erfahrenen Fachkräfte sondern oft auch die jungen, die mit ihrem Elan und ihrer unkomplizierten Art manche Klippe umschiffen, manche Hürde nehmen. Gute Erfahrungen machen wir ebenso mit ‚Ungelernten‘ oder ‚Seiteneinsteigern‘, die das Herz am rechten Fleck haben, mit viel Optimismus, Witz und Humor Farbe in das Leben bringen.

Ein Kommentar zu “Senioren-Wohngruppe bei der Lebenshilfe München

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