Mit dem Computer die eigene Sprache finden

Die Lebenshilfe München schafft einheitliche Standards in der unterstützten Kommunikation mit geistig behinderten Menschen

Wie selbstverständlich nutzen wir unsere Kommunikationsmittel. Mit Sprache und Gesten tauschen wir Meinungen und Standpunkte aus, teilen unsere Wünsche und Bedürfnisse mit, erklären unseren Willen. Viele Menschen aber sind in ihrer Fähigkeit dazu eingeschränkt, leiden unter einer körperlichen und/oder geistigen Behinderung, sind scheinbar sprachlos. Gerade für sie aber ist es wichtig, sich auszudrücken, sich ihrer Umwelt verständlich zu machen.  

So wird in den Einrichtungen der Lebenshilfe München seit über 30 Jahren intensiv mit Mitteln der „Unterstützten Kommunikation“ gearbeitet. Etwa 25 Prozent der betreuten Menschen, vom Kleinkind bis zum Erwachsenenalter, haben erhebliche Defizite in ihrer Sprachkompetenz, manche zusätzlich in ihren motorischen Fähigkeiten.

Projektgruppe setzt Standards

Eine Projektgruppe arbeitet seit Herbst 2012 jetzt intensiv daran, in allen Einrichtungen (Frühförderung, Heilpädagogische Tagesstätten, Familienunterstützender Dienst, Offene Behindertenarbeit, Werkstätten und Wohnstätten) neue einheitliche Standards der Unterstützten Kommunikation zu etablieren. Dazu zählt auch die Computergestützte Kommunikation. Die Pädagogische Leiterin der Lebenshilfe München, Ilse Hoffmann, erklärt die Hintergründe.

 Es fehlt noch an der Hardware

„Kommunikation ist ein Menschenrecht und wir tun alles in unseren Einrichtungen, um Menschen mit Behinderung Wege und Möglichkeiten zu vermitteln sich ihrer Umwelt mitzuteilen. Zu den klassischen Mitteln zählen natürliche Gebärden, aber auch Sprachausgabegeräte und Piktogramme. Neue Chancen und ungleich mehr Möglichkeiten bietet die Computergestützte Kommunikation mit Tablet-PC’s. Wir brauchen dringend in jeder Einrichtung und Gruppe – insgesamt etwa 35 – die entsprechenden Geräte. Es müssen dabei nicht immer die allerneuesten Modelle sein. Die nötige Software dazu ist mittels App’s leicht zu haben.“ Gut bewährt haben sich auch Tastaturen in doppelter Größe, damit bei eingeschränkter Motorik die Tasten zu bedienen sind. „Auf dem Markt sind gute Lernprogramme mit einer einfachen Animation zur Sprachanbahnung und zur Förderung des Leseverständnisses“, weiß die Pädagogin.

Die gleiche Sprache sprechen

Zunächst geht es bei der Lebenshilfe München darum, in allen Einrichtungen „die gleiche Sprache“ zu finden. Ilse Hoffmann: „Fortbildungen und Kurse sind dazu unbedingt nötig.“ Auch die Lebenshilfe Werkstatt ist in diesen Prozess mit eingebunden. Idealerweise beginnt eine Förderung von Menschen mit geistiger Behinderung schon in den ersten Lebensjahren, in der Frühförderung. Der Prozess zieht sich durch die Vorschule und Schule bis hin zum Erwerbsleben. „Ganz verschiedene Altersgruppen, die wir bei der Lebenshilfe München alle abdecken und eng betreuen. Es ist also sehr wichtig, wenn ein Jugendlicher von einer HPT etwa in die Werkstatt und in eine betreute Wohneinrichtung wechselt, die gleiche „Sprache“ zu sprechen und verstanden zu werden, die gleichen Kommunikationsmittel nutzen zu können.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.